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Nr. U5 Erster Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch. 16. Mai 1928

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(Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

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Ehefrebaittenr

Dt Fnebr Wilh Gange, verantwortlich iür Politik Dr Ar Will) Gonge für Feuilleton Dr h Ibqriot, für den übrigen leit Ernft Dlumichrin, für den An* |etgent«il flurt hillmann, fdmtlld) in Gießen

Gegen die Tarifpoliiik der Reichsbahngesellschast.

Sine Sitzung des Reichskabinetts.

Die tlblcbniinfl der Tariferhöhung wahrscheinlich

Berlin. 15. Mai. Vas Rclch»kablnclt wird den Blättern infolge morgen unter dem Vorsitz de, Reichskanzlers zu einer Sit­zung lujammenlreten. In der in erster Linie eine Stellungnahme zu den bekannten Anträgen der Rdchsbahngefellschafl über eine Tariferhöhung der Reich,bahn gefunden werden foll. Die Blätter vermuten, bufj da, Kabinett zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Anträge der Reichsbahn gelangen wird, wie die, auch den lenbetuiigen entsprechen würde, die der Reichs- oerkehr,Minister schon kurz vor der Aus­lösung de, Reichstage» in dieser Frage im Plenum de, Parlamente, abgegeben hat. Die Rclchsbahngc- sellschast hat die Möglichkeit, aus Grund de» 8 44 de, Reichsbahngesetzes gegen den ablehnenden Be­schlich der Reichsregierung bei dem Reichsbahnge- richi Einspruch zu erheben. Diese, Gericht, da» bei dem Reichsgericht gebildet ist, besteht au» dem Vorsitzen den und se einem Beider der Reich»bahn und der Relchoreg erung. Wenn da, Relch»dahnge- rld)l sich der Aussassung de» Reichskabinett» an- schlicht, kann die Reich»bahngesellschaft (al» letzte» Rechtsmittel) schiedsrichterliche Entschei­dung anrufen. Der Schiedsrichter ist von dem Präsidenten de» Internationalen Gerichtshöfe» zu ernennen. Er soll neutrale S!aal»ange- Hörigkeit besitzen.

Vie morgige Kabinettssihung wird voraussichtlich eine der letzten der gegenwärtigen Regierung sein. Man rechnet damit, dah etwa am Dienstag nächster Woche, wenn da, vorläufige Wahlresultat seststehl, da» Kabinett übermal» zusammenlritl, um dann den formellen Rücktrlttsbeschluh zu fassen.

Die Geldbeschaffung.

Die Lcffnung ded AutziandSanleihemarktS.

Eigene Drahimeidung de,Gießener Anzeiger,'.

Berlin, 16. Mai. LmMc wir erfahren, wird der Reich,oerkehrsministcr in der Rablnettsfihung am Mittwochnachmiltag der 3tcid)»regierung Mittcilun- gen über feine SteUungnahme zu dem Antrag der Reichsbahn auf Tariferhöhung machen. Die Fragen, die sich aus dem Tarifcrl)öbung»antrag der Reichs­bahn ergeben, konzentrieren sich wesentlich aus das Problem der Geldbeschaffung. Zwei Möglich­keiten sind dabei in Erwägung zu zicben. Eii.inal, und daran scheint man vor allem im Reichsver- fehrsminifterium zu denken, daß die Reichsbahn für 1928 doch den Versuch macht, auf dem Wege kurzfristiger Kredite, etwa von sechs bis zwölf Monaten, Gelder zum Zwecke von Reuinoesti- tulionen aufdemZnlandmarkt auszunebmen, und zweitens, alle Mi tel einzusetzen, um der Reichs­bahn den bisher verschlossenen Ausland- anleihemarktzu offnen. Hier mündet die Frage der Tariferhöhung in das große und vielseitige Pro- blem der deutschen Änleihepolitik im Zusammenhang mit Deutschlands Reparationsoerpflich­tungen.

Man sagt mit Recht, daß eS eigentlich einen vollkommen unbc'lbar.m Zustand bedeute, dah da- größte deutsch: wirtschaftliche Unternehmen auf Grund der Repa'ativnsbestimmung?n voll­kommen vom ausländischen Anleihmiar t aus­geschlossen fei 3m § 9 b?4 Reichs bahn- aesctzes vom August 1924. dessen enger Zu­sammen da" g mit d r Entstehwrg deS Dawes- planeS bekannt iTt. wird ausdrücklich auf die an sich selbstver bliche Rorwendigkeit hin- getoiefen. dah d r Betrieb der Reichsbahn sicher -u führen und dah Anlagen wieBe­triebsmittel nach dem jeweiligen Stand der Technik gut zu unterhalten unb .weiterzuentwickeln" sind, ilnb gerade zu diesem Zwecke einer zukünftigenIDcitcrent- wicklunn, beim b~r laufende Stand der 'Reichs­bahn ist heute durchaus gesurzd. wird die Taris- erhdhui g verlangt. Hier wird ein innerer Widerspruch in b?r Reparafionspolifik unserer Gläubiger deutlich, die auf der einen Seite in ihrem eigenen Interesse eine zeitgemähe Weiterentwicklung und Modernisierung der Reichsbahn verlangen müssen, aber auf der an­deren Seite ihr den ausländischen An­leihemarkt versperren, auf dem selbst bic Kommunen zwn Zwecke produktiver An­leihen gerade in diesen Tagen wieder in einem gewissen Umfange zugelassen werden. Dielen Wider'pruch zu lösen, wird die R.nchsregierung mit allen Mitteln verbuchen müffen.

Die Reichsbahn leibst hat interessanterweise wohl eine Berechnung für ein fiktives Jahr auf Grund der vorgefchlagenen Tarif­erhöhung aufgestellt, hat eS aber in ihrer Denk­schrift unterlassen, für das jetzt schon laufende Jahr 1-28 einen Doranschlag zu machen. Vie gibt lediglich gewisse Zifsem für ihr Er­neuern ngS- und Anlageprogramm an. ohne sie aber in dem Rahmen eines Gesamtvoranschlages für 1928 mi stellen. Mit dieser Taktik er­schwert sie natürlich, und das dürfte wohl nicht ganz unabsichtlich fein, d i e Beurtei­lung ihrer finanziellen Entwicklung ün kommenden Jahr. Die man weih, setzt sich

auch in den ersten Monaten dieses Jahres die seit 1924 ständig zu beobachtende Einnahme- fteigerung sogar recht beträchtlich und über Erwarten günstig fort. Nachdem im Jahre 1926 sich bei der Dett.ebsrechnung eine DetriebS- zahl von 81,06, d. h auf 100 Mk. Einnahmen kamen 81,06 Ml Ausgaben, ergab, ist im ver­gangenen Jahr diese Ziffer bereits auf 8 2,37 Mark gestiegen, waS eine auherordentlich günstige Lage darstellt. Auch nach der Dilanz von 1927 ergibt sich, dah nach allen Abrech­nungen immerhin für 1928 noch ein flüs­siger Dortrag von rund 40 Mill. Mk. der Reichsbahn aut Verfügung steht, eine Summe, die sich, abgesehen von der VermögcnS- rechnung, in bezug auf Reuanlagen 1928 wahr­scheinlich noch wesentlich vergrößern wird. SS bleibt allerdings bei der Ablehnung der Tariferhöhung da- eine Bedenken, dah man

im Grunde genommen von selten der Reichs­bahn wichtige ReuauSgaben auf 1929 ver­tagt. so dah dann die Reichsbahn mit wesent­lich weite rgehenden Erhöhung-Wünschen hervortreten wird. Der Stern deS Problems liegt also in der Möglichkeit, kurzfristige Strebitc auf dem 3nlanbmarft aufzunehmen oder der Reichsbahn den Auslandanleihemarkt auf dem Dege politischer Derhandlungen zu öffnen.

Dänemark senkt seine Bahntanse.

St open Hagen. 15. Mai. (Tel.f Die dänische Reichsbahn hat die Ad icht. die Fahrpreise für die 2. Klasse in nächster Zeit herabzusetzen. 3m Rahrerkehr wird geplant, da- Elnklas- s e n s y st e m einzusühren. das heißt, ein Mittel­ding zwischen 2. und 3. Klasse. Außerdem sollen die Fahrpreise insgesamt um ein beträcht­liches fallen.

Die Erkrankung des Reichsaußenministers.

Die Tatsache, daß der Reichsauhenminister ernstlich erkrankt ist. läßt sich jetzt kaum mehr verheimlichen, obwohl alles geschehen ist, um die Ausmerksamleit der Oesfentlichkeit davon ab­zulenken. CS muß für ihn sehr bitter sein, daß er gerade jetzt, wo er den Stampf um das Man­dat in Bayern ausnehmen und alS Parteiführer in einer Reihe größerer Städte sprechen wollte, vollkommen auSfällt. Er hat offenbar gehofft, daß er sich noch aufrecht erhalten könnte, biS der Wahlkgmpf vorüber war. Aber er hat seinem Körper seit 3ahr und Tag a u viel a u g e m u t c t, hat sich trotz dringendsten ärzt­lichen Zuraten- nicht den erforderlichen Er­holungsurlaub gegönnt, so dah eine kleinere Attacke, die er sonst vielleicht spielend über­wunden hätte, ihn jetzt niederwirst. Unb, wie wir fürchten, ihn auf Monate hinaus aus der politischen Arbeit auöschaltet. Auch dagegen wird er sich sträuben, weil er alS Minister und als Parteiführer in der kommenden Zeit unent­behrlich ist. Die Derhandlungen über die R e - gierungSneubildung werden sich, wie sie auch Immer gehen mögen, außerordentlich schwie­rig gestalten. Sie verlangen eine ruhige und erfahrene Hand. Sind sie vorüber, dann wird Dr. Strefemann da- ist wohl die allgemeine Auffassung auch weiterhin Außenminister bleiben; bann aber glaubt er benBeben bin» reichenb vorbereitet, um ben endgültigen Kamps um ble Räumung deS Rhein- l a n b e S aufnehmen zu können, ben er Im vorigen 3ahre vertagen muh e, weil er einsah, daß wenigsten- in Frankreich vor der Kammer­wahl die psychologischen Doraussetzungen für so weittragende Entscheidungen nicht vorhanden waren.

Dr. Strcfcmann ist Optimist, ein deutscher Außen- Minister muß aber auch heute Optimist sein, wenn er unter den ungünstigen Vorbedingungen des Ver­sailler Vertrages überhaupt aktive Politik treiben will. (Er glaubt, dah es ihm gelingen wird, die Besatzungsfristen ganz wesentlich abzukürzen und im Zujammenhang damit das Reparationsproblem de­finitiv zu lösen in der Form, die eine erhebliche Herabsetzung der deutschen Jahresleistungen bedeutet und dadurch die zu Lasten der Wirt­schaft gehende Steuerkraft stark herab­senkt. Er glaubt, seines Erfolges sicher zu sein und will nun nicht im letzten Augenblick auch diesmal wieder die Früchte seiner Bemühungen einem andern überlassen. Denn schließlich ist er schon einmal, wenn man so will, um die Auswirkungen seiner Arbeit betrogen worden. Er hat in den drei Monaten, wo er Kanzler war, mit rücksichtsloser (Energie, unter schwierigsten Verhältnissen die Vorbedingungen für die Stabilisierung der Währung unb der ganzen wirtschaftlichen Verhältnisse geschaffen. Der (Erfolg davon ift nachher zu Unrecht Herrn Dr. Marx zu- geschrieben, nur weil er sich damals in das Bett legen konnte, das Dr. Etrejemann zurecht gemacht hatte. Wer will es dem Minister verdenken, wenn er fich dagegen wehrt, daß ihm ein zweites Mal das- elbe geschieht? Trotzbem, gerade wenn er fein Ziel erreichen will, muß er sich schonen, um die nötigen Kräfte für den diplomatischen Endkampf in Reserve zu haben. Daran sind nicht nur seine engeren politischen Freunde interessiert, sondern alle, die in der Verfolgung der von Dr. Strefemann nun einmal eingeschlagenen Linie die einzige Möglichkeit sehen, um uns aus den schwersten Verstrickungen des Ver­sailler Vertrags zu befreien.

Siresemanns Befinden.

Immer noch ernste Nierencrkranknng.

Berlin. 15. Mal. (WIB.) lieber die Crfraa- fang de» Reichsministers de» Auswärtigen. Dr. Slrefemaun, ist heute abend von den behan­delnden Aerzten folgende Mitteilung er­gangen:

3ra Befinden de» Reichsauhenminificrs Dr. Sfrefemann ist insofern eine Veränderung einge- trelen, al» die Magen- und Darmer- scheinnngen sich gebessert haben. 3n- desien hält die Störung der Jl i e r en­töl i g fe i I an. Abendtemperatur 37.6. Puls 80. Der Charakter der Erkrankung muh auch heute noch als ernst angesehen werden.

gez.: Prof. Dr. H. Zonbek. Sanitälsrat Dr. Giseo > us. Dr. Schulmann.

Wie dieB. Z." meldet, sind die Aerzte der An- sicht, daß Lebensgefahr für den Reichsauhen- miniflcr im gegenwärtigen Augenblick nicht b e - steht. Augenscheinlich hat Dr. Strcfcmann gestern nachmittag eine Krise durchgemacht, die von den Aerzten al» überwunden angesehen rd. Die Erkrankung de» Minister» ist deshalb besonder» ernst, weil diesmal beide Tlieren in ihrer Tä­tigkeit stark gehemmt sind. Die eine liiere de» Pa­tienten ist seit langer Zeit chronisch krank. Bei der bisher gesunden liiere ist inzwischen eine Ent­zündung aufgetreten, die außerordentlich schmerz­haft verlausen ist. Gestern abend trat eine leichte Besserung ein, so dah Dr. Strefemann nach lagen wieder einige Nahrung zu sich nehmen konnte. Die Erkrankung ist um so ernster, al» gleich­zeitig hiermit Derglffungeer Meinungen in Magen und Darm mit heftigem Erbreche« sestgestellt werden mußten, hinzu kommt, dah da» Herz de» Auhenminifterv wieder arg ge­schwächt ist. Da Dr. Strefemann durch seine Krankheit längere Zeit an» Bell gefesselt ist, wird Staatssekretär v. Schuberi, der in den nächsten Tagen von seinem Erholungsurlaub im Weihen Hirsch bei Dresden zorückkehrt, die Leitung der Ge­schäfte im Aohenministerium vertretungsweise Über­nehmen.

Der Herr Reichspräsident hat fich durch Staatssekretär Dr. Meißner wiederholt nach dem Befinden de» Herrn Reichsauhenminister» erkun­digen und «hm seine besten Wünsche sür eine baldige Wiederherstellung über­mitteln lassen.

Britische Anteilnahme.

London, 15. Mai. (WB.) Da- Befinden des Reichsministers des Auswärtigen, Dr. Strefemann. erweckt hier allgemeine An- toilnahme. Es wirb ber aufrichtigen Hoffnung AuSbruck gegeben, baß eine baldige Genesung Dr ©trefemann instand setzen wird, sein hier stets mit Bewunderung verfolgte- Wirken im 3ntercffe der europäischen Verständigung mit der gewohnten Energie fortzufetzen und die Früchte seiner staatsmännischen Politik voll reifen zu sehen. Der britische Minister des Auswärtigen, Sir Austen Ehamberlain, erkundigte sich bei dem deutschen Botschafter S t h a m c r ein­gehend nach dem Befinden de- Reichsministers de- Auswärtigen und drückte den herzlichen Wunsch nach Besserung seine- Gesundheits­zustands und rascher Erholung aus.

Rückzug Tschangtsolins.

Japans Forderungen an Südchina.

Paris, 15. Mai (WB.) Nach einer haoasmel» bung aus Peking räumen die Nordtruppen Rao- tingfu an der Eifcnbahnstrecke Pekinghankau und rücken über geling und Tientsin nach der Mandschurei ab. (Eine Meldung der na- tionalistischen Telegraphen-Agentur besagt sogar, daß Tschangtsolin Peking in einem Pan;er- zug bereits verlassen habe und am Sonntagvor- mittag in Tientsin eingetroffen sei. Die Nordtruppen sollen nach d'r gleichen Meldung eine S er tei bl­au ngslinie in Schankwan, wo die Große Mauer ;um Meere führt, oorberelten

Das japanische Äriegsminiflerium hat den Ober- kommandierenden der japanischen Streitkräfte in I|inanfu, General Fukuda, angewiesen, der süd- chinesischen Regierung folgende Forderungen zu unterbreiten: 1. formelle Entschuldigung des Generals Dschiangkaifchek wegen der Zwischen­fälle in Iftnanfu; 2. Bestrafung des Generals hoyaotfu und der übrigen für die Vorfälle oerant- roortlidxn Offiziere: 3. Einstellung der Feindselig! eit e n, ber Propaganda und der kriegerischen Betätigung in einem Umkreis von zwanzig chinesischen Mellen um Tsinanfu, Tientsin und die Eifenbahnstrecke von Schantung. Der chine­sische Diplomat, der mit General Fukuda verhandeln wird, foll nachweifen, daß er von General Dschiana- kaischek akkreditiert ist. General Fukuda hat gleich, falls Anweisung erhalten, die chinesischen Gesungenen freiflulaf fen.

Der WirtschafiSrai des völlerdundes.

Die Handeldverlräge. Tk Wettagrar« krisitz.

Genf. 15. Mai. (DD.) 3m Wirtschaftsrat beS Völkerbundes hat ber frühere Reichs- Minister Dr. Hermes unter Bezugnahme auf bat ihm vorliegende Gutachten des Reichs- wirtschaftSrateS zu den Ergebnissen ber Welt- wirt'chafiskonferenz betont, baß ber ReichS- wirtschaftSrat nach eingehenden Beratungen sich einstimmig zu ben von der WeitwirftchaftSkon- ferenz aufgestellten Leitsätzen bekannt Hal unb daß damit nach der bereits vorausgegangenen Zustimmung der Reichsreg'.erung auch di« praktische Wirtschaft durch Vertreter sämtlicher bedeutenden Dirtschastsgruppen Deutschlands einschließlich der Arbeiterschaft ein­mütig dem Werk der Weltwirtschaftskonferenz zuge stimmt hat. Mit SerruyS stimmt. ro führte Dr. Hermes dann auS. die deutsche Dele­gation darin überein, daß eine der wertvollsten Auswirkungen der Weltwlrtschaftskonferenz da- Zustandekommen des deutsch-französi­schen Handelsverträge - ist. Die einsich­tigen Männer ber Wirtschaft begrüßen diesen Erfolg rückhaltlos, trotz der nicht unbeträchtlichen Opfer, die für diese Verständigung haben ge­bracht werden müssen. D.e Förderung des Ab­schlüsse- eine- solch wichtigen Abkommen- zwi­schen zwei benachbarten WirtschastSnallonen durch die Weltwirtschaft-konferenz läßt erhossen, dah die In diesem Abkommen sich au-drückende Iona le Bereitschaft beider Vertragspartner zu einem angemessenen Ausgleich der beiderseitigen wirtschaftlichen 3ntercffen zu gelangen, al- ein nachahmenswertes Do r b r l d angesehen wer­den wird.

Kein Wirtschaftszweig kann sich heute mehr der Erkenntnis verschließen, dah die allmähliche Ausgestaltung der Wirtschaftsbeziehungen der einzelnen Völker der örbc Im Rahmen eine- wohlabgewogenen HandelSvertragSshstemS eine» der stärksten und ersten Mittel für die Förderung der Wohlfahrt der einzelnen Staaten und damit deS friedlichen Fortschritte- der Menschheit überhaupt darstellt. DaS bedeutet nicht die Preisgabe lebenSwich- tiger nationaler Wirtschaft-Interessen, wie ja überhaupt die einzelnen Volkswirtschaften der Länder nicht durch eine überstaatliche Wirt­schaftsorganisation ersetzt werden sollen.

Die Weltwlrtschaftskonferenz hat In Ihrem Schlußberlcht auf die Internationale Bedeutung und das große Ausmaß der au» dem Krieg flammenden Schuldoerpflichlungen gegen das Ausland hlngewlefcn und den Sah aufgcflcllt, dah der Ausgleich eine» Saldo», den ein Land dem andern schuldet, rechtlich nur durch Liefe­rung von Waren oder durch Leistungen er­folgen kann

AuS dieser wichtigen These ber WeltwirtschaftS- konserenz ergibt sich die natürliche Folgerung, daraus hinzuwirken, daß die zusätzlich er­zeugten Waren und die zusätzlich angebotenen Leistungen eineS Lande- aus dem Welt­markt untergebracht werden können. Wir werden hier erst dann au einer Gesundung kommen, wenn der deutschen Landwirt- s ch a s t die Möglichkeit zu rentabler Wirt­schaftsweise zurückgegeben wird. Der Weg hierzu bestehl In der Erreichung eines ange- meffenen Verhältnisses zwischen den Preisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse und die Be­triebsmittel.

Der schwedische Generalpostmeister O e r n o erklärte bann, bah In zahlreichen Ländern die Preise für industrielle Erzeugnisse zu doch seien im Verhältnis zu ben Preisen für land­wirtschaftliche Erzeugnisse. Der Vertreter der Amsterdamer DewertlchaftSzentrale. O u he­ge e ft, der die Kreoithilse für bic Landwirt­schaft alS sehr dringlich bezeichnete, brachte einen Antrag ein, wonach vom VölkerbundSrat ein FachmännerauSschuh eingesetzt werden soll, der mit ben Regierungen die Möglichkeiten zur 3ntensivierung ber Lanbwirtschaft beraten soll. Der Führer beS Schweizerischen BauernbunbeS. Prvfelsor L a u r. wandte sich gegen ben unbeschränkten Freihandel, verlangte aber andererseits von bet Lanbwirtschaft alle Anstrengungen zur Rationoli'ierung unb Hebung ihrer Produktion. Der Oberkommissar für In­dien. Sir Atu! E h a 11 e r j c e. vertrat die An­sicht. daß die europäische 3nbuftrie z u teuer fabriziere und deshalb keinen genügenden 2lbsay auf ben anberen Kontinenten finden könne. Für ben Fall von internationalen Besprechungen ber Hersteller bestimmter Fabrikate verlangte Ehatterjee bic Hinzuziehung ber Rohstofflieferan­ten unb der Verbraucher.

Nobiles Polflug.

Kingsbah, 15. Mai. (WTD.) Die ,3taliaw ift heute nachmittag um 120 Uhr aufgestiegen. General Robile hat um 6'» Mj>r nachmittags nach Rom brahtloS folgende Mitteilung ge­geben: .Wir fahren feit l1/, Uhr übet Pack- e i S. Seit \xjt Stunden sind wir immerwährend in Rebe! eingehn Ilt unb finb infolge- besten tiefer gegangen, so daß wir jetzt 150 Meter über bem Spiegel be s zugefrorenen Meeres fliegen. Die Sichfigkeit wechselt zwi­schen 2 unb 15 Kilometer. Es b etet sich uns ein prachtvolles Schauspiel. An Bvrb ift alles wohl." Ein Funkst ruch von 9 Llhr abend- besagt: W:r befinden uns 81° 29" nördlicher Breit« und 35® 50 östlicher Länge. Seit einigen 6tun*