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Lande« Hessen dahin Vorsorge getroffen wer­den. daß bi« restlichen zwei Drittel der Beteiligung an der Treuhandstelle und an den Leistungen für die Treuhandstelle von den in den Richtlinien vorgesehenen Stellen (ßanö- gemeinben. Verbände oder Gemeinden) über« nomnten werden. Die hessische Regierung wird einen dahingehenden Gesetzentwurf dem Land­tag vorlegen.

2. AIS Kreditinstitut zur Gewährung von Umschuldungskrediten in Hessen wird die Hes­sische LandeSbank in Darmstadt und ge­gebenenfalls andere hessische öffentliche Kre­ditinstitute benannt.

3. Der genaue Betraa. der für den hessi­schen Bedarf in Betracht kommt, kann erst irach entsprechenden Ermittelungen genannt werden. Schätzungsweise wird er auf 4 Millionen Mart angenommen, der durch die unter der Führung der Landesbankzentrale au^unehmenden AuSlandanleihe zu beschaffen ist.

Der Ausschuß erklärte sein Einverständ- n is dazu.

Aus den Landtagsausschliffen.

Der Finanzausschuß beschäftigte sich am DonnerStag zunächst mit einem Zentrumsantrag, der die Regierung er­sucht, das bisher geltende System der Beran- lagung der Einkommensteuer der Landwirtschaft dahingehend abzuändern, daß die Veranlagung nach einem dreijäh­rigen Durchschnitt erfolgt. Der Aus­schuß schloß sich einstimmig dem Anträge an. Da die hessische Regierung mit dieser Art der Veranlagung, die der Handhabung vor 1914 ent- , spricht, einverstanden ist. wird sie dementspre- ! chend in Berlin vorstellig werden.

Der Ausschuß begann darauf die Beratung des neuen Dewerbesteuergesetzes Da ;u dieser Borlaae zahlreiche Anträge der Frar- tionen angekündigt sind, wird der Ausschuß zwei Lesungen vornehmen, wobei mit der ersten Lesung sofort begonnen wurde. Artikel l der Vorlage wurde genehmigt Bei Artikel 2 < Befreiungen von der Gewerbesteuer) entspann sich eine lebhafte Debatte über die Befreiung der öffentlichen Sparkassen von der Gewerbesteuer. Hier wird bekanntlich von den Banken gefordert, daß auch die Sparkassen ge­werbesteuerpflichtig sein sollen, weil sie sich mehr und mehr mit Bankgeschäften befassen, für die die Danken gcmerbesteuerpslichtig seien. Die Ansichten int Ausschuß waren geteilt,- die Ab­stimmung wird daher erst in der nächsten Woche vorgenommen, xumal auch noch zahlreiche An° träge der einzelnen Fraktionen angekündigt sind. Auch über Artikel 3 erfolgte aus dem gleichen Grunde noch feine Abstimmung. Bei Artikel 4 wurt< die Frage des Konressionswer- les der Apotheken angeschnitten und er­örtert ob hier eine Gewerbebesteuerung erfolgen soll oder nicht. Zur Abstimmung kam eS nicht Der Ausschuß beriet dann noch die Arttkel 5 und 6 der Vorlage. Bei denen wesentliche Aenderungen nicht erfolgten.

Der ttesctzgebungsausschutz

«2 Ausschuß- erledigte am DonnerStag eine ganze Anzahl von Eingaben aus Straferlaß bzw Strafermäßigung einzelner Gefangener. Die Ab­stimmung über die Regierungsvorlage betr. Mo Gemeinde, und Provinzialwahlen wird bis zur endgültigen Stellungnahme der Fraktionen zurückgestellt. Einige kommunistische Anträge bezüglich des Freidenkerunterrichts an den. Schulen, der Höchstklassenziffern, auf freie Stellung von Lehrmitteln an den Volksschulen, wArdeu der Regierung als Material überwiesen' Verschiedene andere kommunistische Anträge über Schüler- und Glternräte, sowie die geistige Schul­aufsicht werden durch die Regierunqsantwort firc erledigt erklärt.

Der dritte Ausschuß erklärte eine Eingabe deS Oberbürgermeisters dec Stadt Darmstadt auf daS Verbleiben der Oberpost di rektiou Darmstadt durch die Rogierungsantwort als erledigt, da die Regie­rung bereit« in der gleichen Richtung Schritte unternimmt. 3n einem angenommenen Zentrums­antrag wird die Regierung ersucht, auf die Pro- vinzialverwaltungen einzuwirken, daß eine all- zufrühc Obsternte auf den Provinz i-

alst raßen unterbleibt. Ein Antrag, die bäu­erlichen Gefährte von der P,licht der Beleuchtung bei emtretender Dunkelheit ge­nerell zu befreien, wird gegen drei Stimmen abgelehnt. Ein kommunistischer Antrag auf Herabsetzung deS Preises für Licht- und Äraft- strom wird durch Sie RegierungSantwort für erledigt erklärt. Verschiedene Anträge betreffend die Drucklegung der Jahresbericht« der höheren Schulen Verben dahin erledigt, daß ein Antrag Keller (D. Dp.) an- genommen wird, nach dem die Direktoren der betr. Schulen vor Drucklegung die Genehmigung der die kosten tragenden Stellen einzuholen haben. Ein kommunistischer und ein vvlkspar- teilicher Antrag, die Entlassung weiblicher ver­heirateter Beamten betreffend, wird abgelehm. Ein Antrag wegen der Errichtung von R o t - Wohnungen wird Ser Regierung als Ma­terial überwiesen mit dem Ersuchen, auf die Gemeinden einzuwirken bei der Erstellung Von Rotwohnungen Baracken und SisenbahnwaggonS möglichst zu vermeiden. Eingaben verschie­dener Bauunternehmer werden der Regierung überwiesen mit dem Ersuchen, von Fall zu Fall zu prüfen, ob der Staatszuschuß zum Wohnungs­bau schon vor der Fertigstellung des Hauses in voller Höhe gegeben werden kann. Auf Vor­stellungen erklärt die Regierung, auch weiter­hin für die Verbesserung der DerkehrSver- hältnisse im Odenwald besorgt zu sein.

Ein Tag her alten Armee in Kassel.

WSR. Kassel, 15. April. Zur feierlichen Uebergabe der Fahnen der alten Wehr­macht an dos Rote PalaiS (Kasseler Residenz- schloß) nahmen am Sonntag mittag die Trup­penteile deS Standortes Kassel auf dem Friedrichsplah Aufstellung, inmitten die Fahnenkompagnie mit 54 Fahnen und Standarten des ehemaligen 11. und 12. Armeekorps, während sich auf der Schloßrampe die Svjtzen sämtlicher Kasseler Behörden ver­sammelten. Man bemerkte u. a. in Vertretung deS erkrankten Obervräsidenten Dr. Schwander den Vizepräsidenten des Oberpräfidiurns Volck' hart, Oberbürgermeister Dr. Stadler und Landeshauptmann v. Gehren. Allmählich hatten auch die vielen Regiments- und Kriegervereine aus Kassel, Kurhessei; und Rachbargebieten, die einst unter Siefen Fahnen gestanden hatten, ihren Aufmarsch vollendet. Eine unübersehbare Zuschauerin >nge umsäumte tro?. deS schlechten Wetters den abgesperrten Platz. Der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II, General der Artillerie Kreß v. Kressen­stein, übergab die Fahnen mit einer An­sprache. in der er darauf hinwies, daß sich unter diesen Fahnen und Standarten Feldzeichen der tapseren kurhessischen, nassauischen und wal- deckischen Truppentelle befinden. Auf diese 54 Symbole der militärischen Treue haben Lau­sende und Abertausende von deutschen Männern den Fahneneid geleistet. Sic sind Symbole der treuen Pflichterfüllung, die viele Tausende deutscher Männer den Heldentod fürs Vaterland erleiden ließ. Den Deichswehr­soldaten aber sollen diese alten Feldzeichen ein Mahnmal fein an die verantwortungs- üolle Pflicht, es jenen Mäimern gleich zu hm.

Aach einem Hurra auf das deutsche Vaterland ergriff Vizepräsident Volckhart das Wort und führte aus, daß er die Feldzeichen in die Obhut deS preußischen Staat» nehme und verspreche, sie hier im Schloß treu und sorg­sam auszubewahren. Jeder Einwohner der Pro­vinz Hessen-Rassau, der die Fahnen in ihrem neuen Heim besuchen wird, werde in ihnen ein Stuck Heimat erblicken. Sie sind es, die den hessischen, nassauischen und waldeckschen Regi­mentern vorausgetragen sind, als sie in den ruhmreichen Schlachten mit Hingabe stritten für das deutsche Vaterland. Sie mahnen auch heute zur Treue und Ginig- ifeit, und die Hessen, die Rassauer und die Walöecker sind auch heute bereit, getreu dem Borbild ihrer Vorfahren, dem deutschen Ge­danken sich zu weihen und tätig teilzunehmen an dem Aufbau und Ausbau des jungen Volks- staatcs, der deutschen Republik. Unter den Klän­gen des Deutschlandliedes wurden die Fsld- Zeichen erhoben und in feierlichem Zuge in

die lorbeergeschmuckten Vvrräurne des Sch los- s e» geleitet, worauf sie im Fahnensaal unZ> Treppenhaus eine würdige Unterkunft san­den. Unterdessen nahm der Wehrkreis oefehls- haber Parade dec Garnison ab, der sich ein Vorbeimarsch des langen Zuges der Vereine anschloh.

Auftakt zur Frankfurter Frühjahrsmesse.

(Eröffnung der vier LouderauSstellungen.

Lpb. Frankfurt a. M.. 15. April. Heute wurden die Sonderausstellungen, die im Gegensatz zu früherer Gepflogenheit diesmal bereits eine Woche vor dem eigentlichen Messe- beginn dem Publikum freigegeben werden, durch Stadt rat Schlotter als Vertreter der Stadt Frankfurt a. W. und der Messegesellschaft feier­lich eröffnet. Er betonte, daß dic Sonveraus- ftellungen zwar größeren Rachdruck auf daS Schaumähige legen, aber einen inneren Bestand­teil der eigentlichen Messe barstetten. Die Er­öffnung bekam eine besondere Rote durch die Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Reichs- und der preußischen Regierung, des Regierungs­bezirks Wiesbaden, der Frankfurter Behörden, einer Reihe von diplomatischen Vertretern aus­ländischer Staaten, darunter Frankreichs. Bel­gien«, Italien-, der Schweiz und Oesterreichs, sowie der internationalen Handelskammer In Paris und vor allem des ReichsverkebrSminlster» Sr. Kröhne. Stadtrat Schlotter behandelte bas Wesentliche Ser Sonderausstellungen, und zwar .be» flachen Dache»", Sie eine Fortsetzung der früheren Bau- und Möbelmesse darstelle, der .Deutschen Qualitäts­marken sch au im rechten Lichte", die ihren Ursprung in 6er Vorjahresausstellung »Don bet Faser zum Gewebe" hat und wohl den Mittelpunkt der gesamten Aus­stellungen bilden dürfte, der Ausstellung .Dec Frcmdenverkeh t", die in dem Werte dec Propaganda im engsten Konnexe mit der Messe stände und schließlich wieder der Ausstel­lungVon Nahrung»- und Genußmit- t«ln", deren eigenartiger Charakter al« Fort­setzung der letzten Schau'Blumen und Fichte gewahrt werde. Anschließend folgten die Be­grüßungsreden der erschienenen Güste und dec Vertreter der Aussteller-. Sie alle betonten den Wert der Messe und ihrer Sonperausstel- lungen in dem Weiteraufbau und Ausbau von internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Heraus­zugreifen ist die Rede des französischen Staats- kommissar« für die Messe, Herrn D e c t r a n d - Taquet, da durch die französische Ausstellung und durch die angrenzenden schweizerischen, bel­gischen und österreichischen Ausstellungen der internationale Charakter der Messe am besten zum Ausdruck kommt. Bertcand-Taguet sand Worte de» Dankes für die Aufnahme, dic ihm und seinen Landsleuten in Frankfurt a. M. zuteil geworden ist. Sc gedachte der erfolgreichen Frankfurter Internationalen MusikauSstsllung. die einen hervorragenden Wert für die erneute Verbindung der Völker gehabt habe, unb der Anwesenheit der französischen Seidenindustriellen, die im Romen der französischen Regierung die Goethe-Reliquien im Vorjahre zurückreichten. <3r betonte die Notwendigkeit des friedlichen Zu« sammenwirkenS der Völker tmb stellte In Aus­sicht. daß di« Beteiligung Frankreichs an der Frankfurter Messe in den nächsten Zähren mehr unb mehr wachsen würde. Sr gedachte dann des Erfolgs der deutschen Ozean'tteger unb brachte ein Hoch auf Frankfurt a. M unb seine Messe aus.

Bei vem Essen, das die Messe ihren aus- unb in­ländischen Gästen gab und dem u. a. Reichsverkehrs- minlfter Dr. Kröhne beiwohnte, begrüßte Bürger­meister Gräf im Namen des verhinderten Ober­bürgermeisters die Anwesenden. Konsul Dr. Ko t- 3 enberg sprach für den Aufsichtsrat Der Messe- gesellschaft und dic Internationale Handelskammer und begrüßte insbesondere Botschaftsrat Dc. D ö h k e (Paris), der einen hervorragenden Anteil an der Verbindung Daris-Frankfurt habe. Der französische Staatskommissar Vectra nd-Taquet feierte Industrie und Handel, die zur Verständigung der Völker Wesentliches leisteten, dankte insbesondere den Veranstaltern der Textllmesse und toastete auf Frankfurt und feine Messe. Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne gedachte der Damen.

Oie neuen Gebühren der hessischen Hebammen.

Der hessische Minister für Arbeit unb Wirt­schaft veröffentlicht eine Bekanntmachung vom 4. April, durch die die bisherigen Gebühren der hessischen Hebammen nach der Ver­ordnung vvm 2. 3uni 1927 abgeänbert werden. Danach find für alle Verrichtungen unb Auf­wendungen der Hebammen bei der nach der ReichSvctticherungsordnünq zu gewährende Wochen- oder Familienhilfe von den Kranken- kafsen an die Hebammen itHgenbe Leistungen, ahne Rücksicht auf bi« Dauer de« Beistände« unb bic Schwierigkeit der Entbindung, zu bewirten: a) bei einer gewöhnlichen Entbmdimg eme

Pauschgebüh-r von 36 Mk

b) bei einer MehrlinaSgeburt eine solche von 40 Mk:

c) für bi« Tätigkeit, bie etne Hebamme vor der UebetlÜbnmg einer Wöchnerin ht ein Kran­kenhaus ober ein« ®n tbmbungSanflalt ent­faltet, eine Pauschgebuhr von 10 Mk..

d) für den Beistand bei einer Fehlgeburt, in­soweit eine Verpflichtung der Kranken! affe zur^Z^hlung vorliegt, eine Pauschgabühr ntm Ms Abgeltung für Beratungen unb Behand­lungen vor der Entbindung (Schwcmgerfchaftt»- beschwerben) gilt eine besondere Pauschale von 2 Mk.

An Stelle von Wegegeld unb Fahrtkosten hat die Hebamme bei Entfernungen von über drei Ätiomttern Anspruch auf eine Pauschale von 0 Mk., bei über vier Kilometern von 8 UU., bei über fünf Kilometern von 10 Mk. ufto., für jeden Kilometer 2 Mk. mehr, höchsten» 20 Mk. Für Desinfektionsmittel sind der Hebamme 1L0 Mark zu vergüten. Die Krankenkassen haben außerdem eine -Wochenhilfepackung" zu liefern. Die Hebamme ist nicht berechtigt, an bie Wöch­nerin irgendwelche Ansprüche zu stellen. Dies« Gebühren für Hcbanunen 'treten für alle auf hessischem Gebiet ab 1. April erfolgten Ge­burten in Kraft.

Landesverband Hessen des V. O. A.

DSR. Frankfurt a. M, 14. April. Heut, fand in Frankfurt a. M. eine Tagung des 2 an* * besve rban de» Hessen des Verein« für ba» Deutschtum im AuSlanbc statt, die von fast allen Ortsgruppen gut beschickt toox Staatsrat Block begrüßte die Erschienenen, unter denen sich auch der Präsident de« hessischen Land­tages, Delp, befand.

Dr. Staubinger aus Szatmac (Au- mänfen) schilberte eingehend bie Derhältniste seines Bezirke» unb bie Geschichte ber beutschen Bewegung in diesem ehemals ungarischen Ge­biete. Die Nachkommen der Schwaben, die von Maria Theresia in Ungarn angeflebelt worden waren, feien durch eine kluge unb entgegen­kommende Politik von feiten der Ungarn fast ganz magharifiert worden. Die Schwaben hätten sich fast ihrer Muttersprache geschämt, unb erst mit bem Weltkriege unb seinen Folgen fei eine neue Bewegung zur Stärkung be» Deutschtum« ent­standen Besonders jetzt, ba bas Gebiet zu Ru­mänien gekommen ist, fei der Kamps wieder stärker entbrannt. Es gehe hier, wie überall in den MinderheitSgebieten, um bie Erziehung ber 3itflenb. Gerabe hier konnte ber Redner von einer Reih« von Erfolgen berichten, bte durch htc Einrichtung von Kindergärten, Ontematen, För­derung von Studenten usw, ihren Ausdruck fanden. Rach dieser mit großem Beifall auf­genommenen Rede gab HenS, Shijtemburg, einen ausführlichen Bericht über bie vorn Bureau International böbucation in Genf einberufene internationale Konferenz über bie Probleme ber Zweisprachigkeit, die vom 2. bi« 5. April in Qufemburg abgehalten wurde Sr legte habet besonder« auch die Frage der Zweisprachigkeit in den Dialekten bar unb begründete seine For­derung, bah in ben Schulen auch im Heimat«- Maleft unterrichtet werben sollte. Ein Vertreter ber Bukowina betonte bie Q3erbunben6eit ber im Auslanbe lebenden Deutschen mit bem Mutterlanbe, warnte aber vor einer Uebev- schStzung ber Onteffigen*. Was man brauche, bas seien Führer, bte im Volkstum groß ge­worben seien unb bie Derbunbenheit mit dem Volke fühlten.

der

Riviera gegen Riviera.

Von Anita Eberlein.

San Remo, im April

Sruher fuhr man einfachan die Riviera". Niemand wußte genau, wo sie eigentlich ansing und wo sie aufhörte, welches Stuck zu Frank­reich und welche« Stück zu Italien gehörte. Menton« - Bordighera? Halt irgendwo um Mont« Carlo herum, dieser internationalen Dreh- scheibe. Wenn jemanden in Frankfurt a. O. in Klagenfurt oder Olten die Laune ankam, dann setzte er sich einfach in ben Zug und fuhr hin. Grenzen gab es eigentlich nur vom Hörensagen 'lJ!cc Baedeker hielt sich nicht damit auf, tem Mensch fragte nach Pah und Dokumenten' ,VVr S^bentanz machte von San Remo einen kleinen Abstecher nach Paris, und Frau Bünzll dampfte mal nach Algier, statt nach Vihnau.

. ® R°.r ^01« al» der bös« Imperialismus bk !" Atem hielt, jeden Tag da» ..Gleich- gcw.chf |ich zu verschieben drohte und die Zei- tungcn fortgesetzt Wolken am Mplomatenhimmel cn ^rften. Wie bekannt, bat dann, diesen, anar- Xton ^"ltand der Paßlosigkeit ein Ende zu bereiten, bie Großmacht der internationalen Dveh- ant ^tv'.era dem Deutschen Reich den mXÄ un,b ic6t ift endlich Ordnung in fte Geschichte gekommen Seit dem Siege Mo- "«70» weih man, dah es zwei Rivieren gibt, eine französische und eine italienische, und wer eS nicht weiß, nun. ber lernt die Eäsur gründlich kcnncn. Bwm an dem Bahnhof da» Wort Bent^ nuglia erscheint. Pässe. Kniekehlen und die höchst.

Xr2n°JnfVInrtn ^Sinnen zu zittern. In e.^n schmalen Pserch hineingeirieben. kommt man sich, den Koffer un Arm. plötzlich so vor al»

-aut zum Markt, 'lind die - Schwarzhemden haben scharfe Augen auf Aout. E» weht hier eine Lilft. die nicht nach Relken und Mimosa riecht.

-Che nrolumo!

nOa Da kann man nicht» wachen, da» ift Kampf um« Mittelmeer?'

Merkwürdig, dieses Wlttelmeer Man hat mir in der Schule so lange «ingebläut es fei in her ligurischen Gegend dazu da. die Riviera w

erwärmen, ich la» so ost von den Secalpen, dem Apeiinin unb anderen zweckmäßigen Einrichtun­gen des Fremdenverkehrs, bie den scharfen Rord- wind abyalten, bis ich es glaubte. Genua, die Superbci. bereitete mir daher eine kleine Über­raschung, al» ich sie, am 21. März eintreffend, in jenem Regligö antraf, das die weihnachtlichen Skifahccc in zweitausend Meter Höhe vorzu" finden wünschen. Erstaunt prüfte ich den Kalen­der: Frühlingsanfang. Ein Blick auf« Thermo­

meter: 2 Grad Celsius. Den Fuß aus die Straße: 15 Zentimeter Schnee. I,n Wetterbericht las ich andern Tags sogar, die Schneehöhe habe siebzehn Zentimeter betragen.

Mimosa, dachte ich. und schnubbertc in die Pfeisende Winterlusf. Ein Trost nur. daß die Zeitungen aus« bestimmteste versichern, so etwas sei seit. 1829 nicht mehr dagewesen, und auch damals ntzr im Januar. Schön, bis Ostern wird es dann wohl aufheitern.

f^fächlich al» ich In Savona an kam. wo bte Ponente beginnt, was man an Ansätzen ö" vlrandprornenadea unb Tropenkultur merkt, regnete es schon. Es regnete, wie es nur in Der Regenzeit an der Riviera regnen kann. Wie um Ostern herum in Rom.

Die Palmen hier haben, cs ist im Führer vorgeschrieben, im Freien zu wachsen. Daher frieren sic so jämmerlich. Mir ging es unter dem Pelz ebenso.

^Inzwischen sind acht Lage vergangen, ^ehn Lage Es reanet immer noch Jeden Morgen drohen die Gäste, heute nun aber ganz bestimmt abzurcisen. da« sei doch unerhört. Dazti gehe man doch nicht an die italienische Riviera Wenn man nicht einmal in Italien ein bißchen blauen Himmel sehe

Unb dann stapfen sie unter bem Riesenschirm ben ihnen ber Pikkolo entgegenträgt unb kava- ucrhaft über sie hält, wenn e$ sich um Damen handelt, planschend und plätscheritd ins Kasino

Die Hotel» sind überfüllt. Du flüchtest au» dem angeblich rauhen Frühling des Nordens, wo langst die Veilchen blühen, an die blau Mufte und erhältst bebaute unendlich. Slg- nora ein kleine« Nordzimnicr fo daß du ?u^m^scInben Sonne auch ba« Meer nicht

I SiYt man allo stunden(ang in ber Halle

ißt, trommelt auf« Barometer unb würbe die Fliegenden lesen, wenn welche da wären. Zum Teil werden sie durch verkörperte Witze ersetzt.

Auf hundert Gäste entfalten fünfzig Engländer DtetÄtg Deutsche und zehn Schwei-er. Wo das weiße Kreuz im roten Feld erscheint, in welchem Falle daS Haus Suisse ober Helvetia heißt, braucht man nur die Zahleir etwas zu ver­schiebet): neunzig Schweizer unb zehn Menschen, reden. Desgleichen vereinfacht sich die Rechituna bei Den Zusätzen Angleterrc des Anglais und so weiter. Den Deutschen kommt man nicht so offensichtlich entgegen, doch heißt we Mark würde ebensogern genommen wie oa« Pfund und die Fränkli. Franzosen unb Ita­lienern begegnet man nicht, sie bleib n verbissen zu Hause sitzen, wie cs bei feindlichen Nachbarn nun einmal fo Sitte ist.

Am Grtmde genommen werden auch Die Schweizer, wie überall in Italien, zu ixm ger- manici gerechnet, das Feld gehört also ziemlich unbestritten der Herrenrass«, den inglcsi. Sie wissen es gar nicht mehr anders. alS^daß man tie auch in den kleinsten Lädelchen in ihrer Muttersprache bedient, keine Miß wurde auch nur dasgrazic lernen. Tiiank you very eingeborene runzlige Mütterchen, das sich bemüht, der hochmütiacnt blonden Frau dos Fenster in ber Straßenbahn 8» öffnen, bekommt nichts anderes zu hören

Wentone lieg an der fra,tzösisch«n. Bordighera iLalientfchen Rtviera. Früher Schwetter- städichen. j£t)t zwei verschiedene Welten. Men- kone tst tm Frühling zwar genau so deutsch wie Bordighera, aber man spricht von denendrüben" als sei man weit entfernt voneinander

Dw beiden Bivieren find Rivglinnen geworden wie die lateinischen Schwestern. Der Geruch der ber sich fo aufbrtnqttch in den Du" ver Nelken mischt. Auf Schritt und Tritt suhlt man die schneidende Grenze. Wohl ver- 7« .LrL"-Wauc ^ug" noch tote einstmals alle Llserkostlichkeiten tote die Schnur bie Perlen, toobl üerf?bTt zwischen Nizza und San Remo w sieht immer den Finger

Mufsolini« daztotschen. Ich würde e« nicht wagen.

»fem einc ^tte zu bauen

Vorläufig beschränkt 'Ich her Kampf um»

Mittelmeer Mttlob noch auf Ding», die man unter die Rubrik Konkurrenz einrelhen kann. Die italie­nische Riviera soll sich selbständig machen, wo­möglich der anderen den Rana ^4u*hn. Dazu genügen natürlich Aferproinenoden.

Palmen unb Tea-P-X.0"'8 nicht, es muß vor allem Monte Carlo L- ^gestochen werbet,. Mussolini hat also in öai'cjSf1? einzige Au-nahm« von dem itaV' Spielverbor. ein entsprechende» Kallno 4 v '«richtet.

Ob man jnt^^iutergarten' mit den Beinen »der im ersten ÖtodSJnjt gettoni spielt, ist ganz aleich. der Eintritt f?nti 5 Lire. Nichts von Der Komödie mit der \lu ctg{j<bf<bift im Klub nicht« vom roten Plüsch- unb .rnot^p&ttm' Dil- derkitsch jener längst verklungenen Zeit-l^ wo fabelhafte Glück-rltier die Bank sprengten ober ihr zuckendes Herz, nicht» Dom alten Monte- zaubcr. Eine sehr moderne Bank mtt großen Tischen und grünem Lampenschirm darüber. Ein Schalter mit Der Antichrist,.Cassa, wo man sein gutes Geld hingibt und dafür die bunten gettoni bekommt, mit Deren Hilfe es nach einem mehr oder minder kurzweiligen Herurnrolleit endgültig im italienischen Staatssäckel landet.

Die Kunden sitzen mit der Miene geplagter GeschästSleute herum Warberpelz neben Home­spun, dic unnahbare Lady neben dem Faszisten- jüngling mit Gummikragen und Monokel, ab* geleckte Bleististe neben Solitär». Alle arbeiten i 'gestrengt wie zu Hause, mit Listen. Büchern, ^oaarithmentaseln unb Horoskopen und Kom­passen und wie die .Systeme" olle au»sehen. Jede« en bet jedoch unfehlbar, unfehlbar mit dem Haug zur Kassa. Der Heine Saal mit dem Fünslire-Sinsatz und dem Tabakqualm gleicht eher einer Winkelbank aus der Inflationszeit, im großen, wo nicht geraucht werden darf, können Einsätze von 20 M» 500 Lire ab und bi« zu einer halben Million .getätigt" werden. Aber selbst hier fehlt es an den maßlos eleganten unb ^eh.iini-.iSvollen Glücksgöttinnen, bie still hinter dem Spieler steben. tote man es au» den Ro­manen weiß. Geschäft. Geschäft. Die einzigen Träumer sind bie guten Remonesen. Bald totrb dec Tag kommen, wo auch sie, wie ihre Nachbarn an der andern Riviera, keine Steuern mehr be­zahlen muffen...