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Oberheffen.

Landkveis Gietzen.

Aus der nördlichen Wetterau. 14. Qlufl. Eine willkommen«, vom Landwirt dies- mol 'ehr begriihte LlnteQ-brechung der Grntearbeiten bedeutet der Regen, der gestern einsetztc. Die Fortdauer der seitherigen trockenen Witterung hätte einen schlechten Aus­fall der Hackfrüchte zur Folge gehabt und die Futterknappheit, die sich allmählich geltend machte, hätte schlimme Formen annehmen können. Hostent- sich dauert der Regen noch einige Tage an. txrmit der Landwirt dieser Sorge behoben wird. Die Erntearbeiten nahmen Heuer, wohl wie in keinem Jahre zuvor, einen ungemein raschen Verlaut. Infolge einer verständnisvollen Düngung, die Lagerfrucht zu vermeiden sucht, und dank des günstigen Wetters zur Zeit des Wachstums konnte das Getreide fast vollständig mit Ma­schinen umgelegt werden. Rur vereinzelt stehen noch Aecker mit Weizen und harren des Schnitts. Im übrioen aber sind Gerste und Roggen vollständig, der Hafer -um Teil in der Scheune geborgen. Allerorts sind die Dreschmaschinen in voller Tätigkeit, zu­meist noch draußen auf dem Felde, wo der kleine Landwirt seine Ernte endgültig beschließt. Wie die Druschergebnisse zeigen, sind Äörner- und Strohertrag recht zufriedenstellend Run- mehr konnte erst infolge des Regens mit dem Stürzen der Stoppelfelder und mit dem Säen der Erbsen und Wicken begonnen wer­den. bk der Landwirt als Grünfutter im Herbste gern verwendet. Die Frühkartoffeln liefern nur mittlere Erträge und sind von den Händlern begehrt. Wenn Ende dieser Woche die Frucht geborgen werden kann, wird sofort mit dem Grummetgrasschnitt begonnen werden. In­folge des anhaltend heihen Wetters wird diese Ernte diesmal schlecht ausfallen, besonders bei trockenen Wiesen.

Kreis Friedberg.

' Buhbach. 14. Aug. Bei dem gestern ge­meldeten Kraftwagenunfall an demEisen- bohnübergang am Block Ober-Mörlen handelt es sich um einen Kraftwagen der Kreisbauernschast Höchst a. M. Der Wagen, der vollständig zer- trümniert wurde, war mit dem Ehaufseur Jo­hannes Fay aus Aieder-Hofheim i. TaunuS und dem Beifahrer Wilhelm B a u m b a ch aus Höchst am Main beseht. Boumbach wurde schwer und Fay leichter verletzt. Die beiden Verun­glückten wurden durch die Freiwillige Sanitäts- lokönne Dad-Rauheim dem Bad-Rauheimer Krankenhaus zugeführt. Dem Vernehmen nach war die Eisenbahnschranke bei dem Passieren des Wagens nicht geschlossen.

> Gambach, 14. Aug. Der hiesige Ge­sangvereinHarmonie" unternahm am Sonntag einen Familienausflug nach Holzheim, um seinen langjährigen, verdienstvollen Dirigenten, Georg Sarnes, durch einen Besuch zu beehren. In dem geräumigen DameSschen Saale hatte sich auch der GesangvereinHar­monie" Holtheim eingefunden. Lieovorträgc der beiden Vereine und gemeinsame Ehore wechselten miteinander ab. Der Vorsitzende derHarmonie" Dambach, Herr Reck, würdigte die Verdienste des Im ÜmkreiS weit bekannten Dirigenten, der sich schon jahrzehntelang mit ganzer Kraft der Forderung des deutschen Männergesangs widmet. Herr DameS führt zur Zeit die Vereine von Hambach, Holzheim, Oberhörgern und Gberstadt.

:: Pohl-GönS, 14. Aug. Der 12. August wurde dahier als Wlssivnssvnntag ge­feiert unter Beteiligung der ganzen Gemeinde und ztchlreicher Gäste von nah und fern, so daß Der große Platz vor der Kirche voll besetzt war. Im Gottesdienst predigte der Sohn des OrtS- ^eistlichen, Pfarrer R a u m a n n von Ober-See­men, in packender, begeisternder Weise auf Grund von Luc. 5.4,5 über den Segen gottgewollter, treuer Arbeit, wahrend Missionar Walther, der vormittags in der mit Pohl-Göns vereinten @cmctnbe Kirch-Göns gepredigt hatte, die Li­turgie versah. In der Rachversammlung sprach Missionar Walther ernst und eindringlich Ueber den Wert der Kleinigkeiten im Leben!" 'Beide Veranstaltungen wurden verschönt durch 'Vortrag von Thören und Liedern des Gesang­vereins von Pohl-Göns und des Kirchenchors von Lang-Göns, wie auch des Posaunenchors Lang-Göns, unter Leitung des Herrn Boller zur Erhöhung der Feier mitwirkte. Rack kurzer

Oie kirchlichen Wahlen.

Ein svwoyl für das kirchliche Leben der Einzel- gemeinde als auch für dos der Evangelischen Lan­deskirche in Hessen bedeutsames Ereignis steht nahe bevor die kirchlichen Wahlen, und zwar zunächst btc der K i rche n gern e ind e - Vertreter Bekanntlich hatten die letzten Wah­len im September Oktober 1922 stattgefunden. Da nun gemäß dcr Kirchenverfassung b:c Amts­dauer der Mitglieder der Kirchengemeindever­tretung auf 6 Jahre beschränkt ist. hat das Landeskirchen amt demnächst vorzunehmende Reu­wahlen angesrdnet welche wieder aut Grund des Kirchengefetzes. die kirchlichen Wahlen be­treffend, vom 28. Juli 1922 zu erfolgen haben. Dieses Gesetz sieht die Listenwahl vor. welche aber, wie die nun sechsjährige Erfahrung lechrt. bei der grasten Mehrheit des hessischen evangeli­schen Kirchenvolkes keine günstige Aufnahme ge­funden hat. In weiten Kreisen lehnte man mit Recht bk Uebertragung der staatlichen Wahl- Praxis aus die Kirche ab und protestierte mehr oder weniger stark gegen das neue Kirchenwah'.- oesetz. Leider haben sich die Hoffnungen aus die dringend gewünschte Aenderung dieses Gesetzes nicht erfüllt, so daß noch einmal noch dem Wahl­modus von 1922 gewählt werden must.

Die Kirchenvoriländc haben nun die Ausgabe, die Wählerlisten nachzuprüfen und zu er­gänzen bzw. neu aufzustellen, damit nach § 11 der Kirchenvcrfassung in sie ausgenommen werden könnenolle konfirmierten Gemeinbeglieder. die bei der Offenlegung der Wählerliste das 25. Le­bensjahr vollendet haben". Dabei ist zu beachten. bd3 das Stimm recht bei denjenigen Ge­meindegliedern ruht, die nicht geschäftsfähig sind oder denen die bürgerlichen Ehrenrechte ab­erkannt sind. Sehr wichtig ist auch folgende Bestimmung der Kirchenverfasfung:Durch Be- schluh des Kirchenvorstanbes kann einem Ge­meindeglied das Stimmrecht imb Vie Wählbar­keit entzogen werden, wenn es durch seinen Wan­del öffentliches Aergernis erregt oder die Be­obachtung der kirchlichen Ordnung in Bezug auf Taufe. Religionsunterricht feiner Kinder. Kon­firmation und Trauung offensichtlich und beharr­lich verweigert. Solche Entziehung kann nur auf Zeit, höchstens auf 5 Jahre, erfolgen. Der sie aussprechende und dem Beteiligten zuzustellcnde Beschluß kann binnen einer Woche durch Be­schwerde an den Delanatsausschust angefochten werden. Gegen dessen Beschlust können der Vor­sitzende des Kirchenvorstandes und der Beteiligte Beschwerde an das Landeskirchenamt erheben, das endgültig entscheidet." Von Bedeutung ist ferner h 18 der Kirchenverfafsung. welcher be­sagteWählbar sind alle nach § 11 stimm­berechtigten Gemeindeglieder von bewährtem kirchlichem Sinn uni) chvbarem Lebenswandel." Damil wollte der Gesetzgeber etwas Doppeltes klar zum Ausdruck bringen, einmal dies, dah es sich bei den Wahlen zu kirchlichen Körperschaften nicht handelt um Zugehörigkeit zu irgendeiner politischen Partei oder irgendeinem Berufsstand, sondern um die religiös-sittliche Qualität der«

jenigen Personen, die als gewählte Vertreter das kirchliche Leben entscheidend zu beemslutten haben, lodann dies, da st unumgängliche Voraus­setzung tut Mitgliedschaft bei einer kirchlichen Körperschaft ist: die Bewährung in kirchlicher Ak­tivität. d h. in lebhafter und übcryugimge- treucr Teilnahme am kirchlichen vor allem am gottesdienstlichen Gemeindeleben. Der Wahl- k v m m i s s i o n aber ist auf Grund von $ 9 des kirchlichen Wahlgesetzes, wonach sie die Wahlvorichiage zu prüfen. Anstände zu beseitigen und über ihre Gültigkeit oder älngüliig'eit zu entscheiden ha:, eine grobe Verantwortung auf- erlegt, da sie ktc Ausgabe hat, in sorgfältiger Prüfung scstzustellen, ob jene Bedingungen des § 11 der Kirchenverfassung erfüllt find oder nicht, eine Aufgabe, die angesichts der kirchlichen Lau­heit und Gleichgültigkeit in unserer Zeit gar nicht ernst genug genommen werden kann. Bezüg­lich der für die Wahlen der Kirchengcmeinde- vertreter festgesetzten Termine ist noch zu bemerken, bah Vie Wahlen selbst in der Zeit vom 23. September bis 7. Oktober stattfinden und dah die Wählerlisten vom 20. bis 25. Au­gust ofsenzulegen sind.

Ist der Wahltag ordnungsgemäh festgesetzt und bekanntgegebcn. so sind mindestens drei Wo­chen vorher Wahlvorschläge bei dem Vor­sitzenden der Wahckommission einzureichen, welche von 20. in Kirchengemeinden. bic weniger alS 10 Kirchenvorsteher haben, von 10 wahlberech­tigten Gemeindealiedern unterschrieben sein und die schriftliche Erklärung der Vorgeschlagenen enthalten muffen, dah sie zustimmen und bereit sind, die Wah! an*unei>men. Die Ausnahme bcsfeEben Gerne:ndeglieds in mehrere Wahlvor- schlage ist unstatthaft, die Verbindung mehrerer Wahlvorschläge ist möglich. Ist nur ein Wahl- vorschlag evngerercht und unbeanftanbet geblie­ben. so wird dies zwei Wochen vor dem Wahl- termbn bekanntgemacht mit dem Anfügen, dah innerhalb einer Woche ein weiterer Wahlvor­schlag eingereicht werden kann. Erfolgt dies nicht, so gelten di« auf dem einzigen Wahlvorschlag Dor geschlagenen ohne wei-tcre Wahlhandlung als gewählt. Beschwerden gegen Anordnungen der Wahlkommission gehen an den Dckanstsausschuh. dessen Entscheidung unverzüglich einzuhvlen und endgültig ist.

Die Beteiligung bei den kirchlichen Wah­len lieh seither leider viel zu wünschen übrig. Wenn man aber bedenkt, dah gerade vom AuS- gang der Wahlen zur Kirchengcmeindevertrctung auch die Zusammenictzung des örtlichen Kirchen- vorstandeS. des DelanatStages und des Landes- kirchentages abhängt, dann dürfte erhellen, welche Bedeutung den kirchlichen Wahlen zukommt. Es kann und darf den Wahlberechtigten nicht gleich­gültig fein, welche Personen die örtlichen Kirchen- körperschaften und die gesamtkirchliche Vertre­tung des Kirchenvolkes bilden. Darum: mehr Interesse und mehr Beteiligung bei den kom­menden kirchlichen Wahlen!nn.

Ansprache des Ortsgeistlichen, Pfarrer Rau- mann, sprach Missionar Walther das Schlußwort. daS im gemeinsam gesprochenen Va­ter ilnfcr und Mit dem Gesang .So nimm denn meine Hände" ausklang. Es war ein in allen fernen Teilen schön und erhaben verlaufenes Fest: die für die Baseler Mission erhobene Kollekte ergab den schönen Betrag von 140 DU.

Aus der Wetterau, 13. Aug. Die neue Wetlerbrücke zwischen Ossenheim und Fauerbach wird gegenwärtig von der Prvvmziäl- verwaltung mit einem Kostenaufwand von 36 000 Mark errichtet. Die Brücke ist für den starken Berlehr von Friedberg quer durch die Wette rau bis Ridda von größter Bedeutung. Deshalb hat auch die Provinzialverwaltung die Hauptstraße Friedberg Rieder-Florstadt Staden mit Klein- pflaster hcrgestellt so dah Tie, zu den schönsten Vcrlehrsstraßcn Oberhessens zählt. Die neue Wetlerbrücke soll am 1. Oktober übergeben werden.

KreiS Büdingen.

A Bad Salzhausen, 14. Aug Heute in der Mittagsstunde ereignete sich hier etn schwerer Unfall. Ein Fuhrmann des Him- melsbachschen Sägewerks in Ridda fuhr mit einem Wagen Holz durch bk Hauptstraße, als

plötzlich das Pferd vor einem Tanzbären scheute und durchging Der Fuhrmann konnte nach eini­gen Augenblicken Herr über das ängstliche Tier werden und wollte dann etwas am Wagen ordnen, als das Pferd mit den Hinterbeinen auSschlug und den Mann schwer auf der einen Seite traf, so dah er bewußtlos zu- sammenbrach Gin Auto brachte bert Schwerverletzten nach Ridda.

]:[ Gelnhaar. 14 Aug. Seit Dienstag. 7. August, ist der 14jährige Ludwig Wi l lm a nn. Sohn des Landwirts Heinrich Willmann von hier, spurlos verschwun­den. Es ist schon öfters vorgekommen, daß der Junge sich 23 Tage von House entfernte. Seit SamStag werden nun eifrige Nachforschungen angestellt: heute morgen gingen die Schulkinder, sowie aus jedem Hause eine Person aus die Suche. Der Junge wurde aber nicht gesunden.

y. VonderRidda und Ridder, 14. Aug. Die Getreideernte ist hier fast ganz be­endigt. Rur vereinzelt sieht man noch Aecker mit Weizen und Hafer auf dem Halm. Roggen und Gerste sind ganz, Hafer und Weizen teilweise schon unter Dach. Auf Dresch­plätzen und S)Dfen brummen die Dreschma­

schinen. Die .<5merertrage ftnb bei Roggen und Gerste gut, noch besser aber beim Hafer. Weizen gibt ebenfalls gut ins Wah und hat in knesem Jahre fast gor nicht durch Brand ge­litten. Dazu ist das Stroh von dem bis jetzt ein­gebrachten Getreide vorzüglich. Epötkartvf- fein und Hackfrüchte bube- t rotz der langen Trockenheit infolge des kürzlich nicbergegange- rcii Regens ein gutes Aussehen. In den feuch­ten Wiesengrnnden der beiden Flußtäler hat auch das Grummet noch einen verhältnismäßig be­friedigenden Stand, auf trockenen Wielen dagegen ist altes verdorrt. Die Aepfelcrnte fällt überall gering-aus. Rur einige geschützt gelegene Gemarkungen zeigen stellenwei'e guttv^angenc Bäume, am besten sind Gelber Richard. Kanada­reinette und Scha^Snase durch btc Frühjahrs­fröste gekommen. An Dirnen gibt es eint W ttelernte, Walnüsse fehlen aber fast goni Sehr reichlich fällt bagegen bic Zwe tfchen- ernte aus. so dah jetzt schon viele Bäume ge­stützt werden müssen. Bleibt die Witterung noch weiwr günstig, so kann in diesem Jahre der Land­wirt mit den Erträgnis'en des Feldes in unserer Gegend zufrieden sein. Leider wird aber rn manchen Gemeinden viel über Diebstähle in den Gärten geklagt. Befmckkrs. Gurken. Bohnen und Kohlgemüse sind nicht gleich- mäßig gut in den Gärten vorhanden und werben deshalb viel gestohlen. Strenge ^lufsicht nnb Verstärkung der Feldpolizei für einige Wochen wird als Abhilfe von vielen Gartenbesitzern ge­wünscht Hoffentlich wird dies wie in frühe^m Iahven von den Behörden recht bald angeoebnet

Kreis Schotten.

lb. Schotten, 13. Aug Von jeher war der Schottcner Sommermarkt für große Teile bes Dogelsberges Abnehmer von Jung­vieh, bas von vielen Züchtern besonders für diesen OH art t aufgezogen wurde. AuS dem Erlös wurden vielrach Ziele von Güterfausgeld beglichen, denn der Schottcner Sommermarkt - ein aus der _ schweren Sommerarbeit des Gebirglers heraus­ragender Feiertag - war ein vtzii gebrauchter Zahlungstermin. Da in diesem Jahre von aus­wärts die Rachfrage nach Jungvieh sehr gering war und bic einheimischen Viehhändler infolgedessen große Zurückhaltung zeigten, blieb das allerorts zahlreich vorhandene Jungvieh, das in diesem futterknappen Jahre nur mit Mühe durchgebracht werden kann, ohne Käufer.

sGedern. 14 Aug. Das KrcisbezirkS- krankenhaus Gebern, welches setther Eigen­tum des hier begüterten Fürsten von Stol­berg-Wernigerode war. ist in den Be­sitz der beteiligten Bezirksgemeinden überaegan- gen. Eine Kommission, bestehend aus Regie­rungsrat Dr. H e l m r e i ch - Schotten, Dr. mcd. Dach- Gedern, den Bürgermeistern Müller- Gedcrn, K i pper-Obericcmen und Kunkel- Burkhards verhandelte persönlich nut dem z. Z. im hiesigen Schlosse wohnenden Fürsten. In An­betracht des guten Zweckes, den das Haus er­füllt, und von der Tatsache ausgehend, daß die finanzielle Cagc der BezirkSgemeinden durch bic mehrfachen Mihcrnten der letzten Jahre recht schlecyt ist. hat der Fürst in der richtigen Er­kenntnis, hier ein wirklich gutes Derk zu tun. den vorher verlangten, wesentlich höheren Preis auf 3500 Mark herabgesetzt, was aufeits bank­bar anerkannt wird.

EichclSdorf. 13. Aug. Dieser Tage wurde der Tagelöhner H o p m a n u von hier von einem um stürmenden Getreidewagen in einen Weizenacker geschleudert und trug scheinbar nut schwere Prellungen davon. Auf ärztlichen Rat wurde der Verunglückte nunmehr in die Ehirup- gische Klinik nach Gießen überführt, da feine Verletzungen doch ernsthafterer Ratut zu sein scheinen. - Schon mehrmals hat «S in der Rachkriegszeit in den postalischen Ver­hältnissen unseres Dorfes Acnderungcn gegeben. Die vor einigen Jahren hier eingerich­tete Postagentur wurde bald wieder abgebaut und nach Obcr-Schmitten verlegt, ist aber auch dort längst eingegangen. Am 1. August b. I. ist die hier bestehende PosthilfSstellc wieder m eine Postagentur umgctoanbelt worben

Kreis Lauterbach

ch Aus dem oberen Vogelsberg, 13. August. Gestern am Sonntag und heule kamen wieder eine Reihe von Bärenführern mit ihren armen Tieren durch die Oberwalbdörser. Da schon oft genug über die Grausamkeit dieser Tier­quälerei geflagt wurde und die Bemühungen der

zwisck)en hohen Gartenmauern eng und dunkel hin­wand, über die einige alte Kastanien und Linden ragten. Das erste Haus, das Mit feinem Garten an den Hof desLion d'or" stieß, lag fast unsicht­bar im Grün versteckt, von den Blutbuchen und Linden beschattet, in einem alten, tiefen, jetzt stark verwilderten Garten. Reben der kleinen Tür in der hohen Mauer waren eine Messingklingel und ein Türschild befestigt mit dem Warnen des Besitzers des Hauses. Auf diesem weihen Porzevanschild stand halb verwischt zu lesen: Dupvn, Advokat. Obwohl dieser Advokat längst verstorben war imd das Haus seit Jahren leerstano.

Diese enge Gasse lief zwischen hohen Garten mauern hin, hinter denen noch andere Villen zwi- schen den Bäumen atlftauchtkn, und mündete in eine der dunklen und (ehr schmutzigen Gassen, die auf die Bahnhofstraße führten. Die Rue Victor Hugo spaltete sich in der Mitte, und Zwar durch einen schmalen ttßca, der zwischen den Garten­mauern nach dem Walde herauflief. Dieser Pfad mar von Brennesscln durchsetzt und sa eng, dah ein Magen hier nicht durchkam. Er mürbe nur sel­ten benutzt und endete oben am Kirchhof der Stadt.

Das Haus mit dem SchildDupon, Advokat", lag mit geschloßenen Lüden ui dem alten Garten. Der Sohn dieses Advokaten stand bei den Husaren in Nantes, und seit vier Jahren bemühte sich der Besitzer desVion b'or*1, im Auftrage seines Freun­des. des ffapltainc Rens Dupon. dessen Haus zu nerkanfen, ober die Lage schreckte toben ab, der (ftelb genua gehabt hätte, das arohe Besitztum zu bezahlen. Früher hatte man sich wenig daraus gemacht, in engen dumpfen Gassen zu wohnen, jetzt ober war em neues Villenviertel draußen oor der Stadt erstanden, und diese Häuser in der Rue Victor Hugo standen olle leer und in ihren schon angelegten Gärten wucherte Nie Unkraut kniehoch E» wuchs dort, was eben wuchs, ohne Pflege und ohne Gärtner, und die Pappschilbei- ..Zu Verkäufen", die an den Balkons angebunden bmnnc'.ten. he wegte der Dind.

Nachdem We Kinder zu Bett gebracht wiren. machte sich Herr Gontard fertig, um zur Jagd m fahren, (fr war schon rmgekleibet. in hohen Stic sein und Leberwesle, beim die Rächte waren N, - zulande immer kühl Indem er die fxhnte umhin;i und fehle Mütze mrfsetzte. sagte er zn feiner Fr«

Ös zieht ein Gewitter herauf, gib gut acht, daß nichts passiert."

Sie lächelte, vor dem Spiegels stehend, und ord­nete ihre Haarlocken über der Stirn, eine schmale dunkle Franse, die sie immer sehr glatt gekämmt trug.

Mas für eine unnötige Sorge?" bemerftc sie leichthin.Was soll denn passieren?"

Run ja. ich habe immer die Idee, es brennt ein mal. So ein altes Haus ... der ganze Dachboden ist morsch ... man sollte eben keine alten Häuser übernehmen. Richt mal von seinem eigenen Vater."

Sie antwortete nicht unb schob mit einer etwas ungebuldigen Bewegung eine Schublade zu.

Ja. nun geh doch endlich, Charles."

Er zögerte noch einen Augenblick, als ob er etwas oergepen habe.

..Das ich sagen wollte, Odette. Hast du gesehen, wie blau Mamas Lippen wieder waren, heute abend?"

Reim das habe ich nicht gesehen", sagte sie, unb legte ein paar Handschuhe in die Schublade.Ich habe nicht darauf geachtet. Sie sieht immer so aus, ich kenne sie nicht anders. Das kommt eben vom Herzen."

Ja, es kommt vom 5>erzen, und das Ist es, was mich ängstigt. Ich denke immer, wenn ich mal fort gebe, auch nur für eine Nacht, bann pasfiert etwas."

Ibn Himmels willen, Charles!" Die junge Frau drohte sich vor dem Spiegel nach ihrem Manne um. der in der Tür stand, die Klinke in der Hand. Das haft du nur heute abend? Erst ^warten wir den ganzen Nachmittag auf deinen Freund, mit jedem Zuge soll er kommen, und er kommt nicht, bann stehst bu da. als ob der Himmel über bir einslürzt rnenn bu mal fortgehst. Die fetten ge­schieht bas, baß bu einmal wirklich über Nacht aus bem Hause bleibft. Rim hast, du dich veröd- rodel und laßt die anbein warten ... und wes- balb'> Um etwas Cingebilbetes, dos dich plötzlich üderfüllt. Geh mm endlich"

Sie erhob sich und kiißic ibn, während sie sei­nen Kopf zwilchen ihre Aimbc nahm.

Er hielt sie einen Augenblick festOdette "

..Ja?'

Gib gut acht nicht Mol»' Unb wenn i<h mor­gen mittag wieder!wmne, fei doch bitte oben <rm

Kirchhof, dort hält der Wagen. Ich möchte gleich wissen, ob ich mich unnütz geängstigt habe. Ich weiß nicht, es ist bas Detter." Er fuhr sich über Nacken nnb Stirn:Es ist. als ob etwas über einem hängt."

Ach ja. geh mm", sagte sie lachenb. Nnb so ging er endlich.

Sie hörte feine Schritte auf der Treppe, hörte ihn nach im Hofe mit bem Kutscher sprechen, bann fiel eine Tür ins Schloß.

Sie beugte sich aus bem Fenster unb sah ihn durch die enge Gasse gehen, die noch dem Walde führte. Sie wartete noch einige Augenblicke, bann nahm sie ein Cope unb ging ebemaUs hinunter. Die ftüdxmtür ftanb offen, das Herdseuer brannte, unb in der dämmerigen großen Küche saßen die Leute eben bei ihrer Suppe.

Ich gehe noch etwas an die Lost", sagte sie zu Artemis im Vorübergehen.Ich habe Kopf- schmerzen. Legen Sie den Schlussel hinter den ersten Laden. Sie brauchen nicht aus mich zu warten. Ich gehe vielleicht noch zu meiner Tonte.

Unb sie verließ das Haus.

Kurz darauf kam Madame Gontard die Treppe herunter. Sie schaute in die Küche unb fragte: Wo ilt benn Frau Gontard eben hingegangen?"

Artemis, die Kartoffeln schölte, antwortete aas ihrer Herdecke:Spazieren. Madame."

Frau Gontard antwortete nicht, sie sah unzu­frieden ans.

Sie hatte heute abend vorgehabt, mit ihrer Schwiegertochter die Kontobücher abzufchließen. Nun hatte Odette das wieder vergefsen. Diese Tante be­wohnte ein einsam am Walde liegendes Haus in einem großen, vernachlässigten Garten, in dem feit Jahrzehnten keine ordnende Gärtnerhand etwas getan hatte. Die alte Dome lebte hort allein, machte sich ihre Stuben selbst unb hielt vier Katzen: die Leute nannten sie hie Katzenmutter. Eie war sehr geizig, verkehrte mit keinem Menschen in der Stadt, nur ihre Nichte besuch,e sie zuweilen. In lebtor Zeit war Cbctte oft dort oben hingegüngen. meist gegen Abend, imb sie kam bann immer sehr spat zuruck.

..Ich laa* es muh ... her einsame Weg . . man soll sich in acht nehmen jetzt", meinte Me okto .'imrtbKterir..

Ach, wer soll rtnem beim bt»r etmo» hin?* sagte Madame Sie war mir ärwritd). daß man

ihr nichts davon gesagt hatte. Sie stieg wieder nach oben, setzte sich in ihr Schlafzimmer ans Fenster an den Schreibtisch, zündele die Lampe an und oer- tief t< sich in ihre Kontobücher, die sie mit dem Haushaltungsbuch unb den Rechnungen verglich.

Das Haus wurde allmählich ruhia. In der Küche verstummte das Geklirr her Bestecks unb ber Schüsseln, die Leute gingen schlafen. Sie sah den Kutscher über den Hof geben nach dem matt er­leuchteten Stall, in bem die Pferde standen: ber Hausbursche Ernesto verrfdgelte dos fioffor. ste hörte Artemis auf ihre Mansarde steigen mit bem Hausmädchen, und dann war alles fMTL

In ber großen, niedrigen Stube war eine sonder­bare Enge, es war brädenb schwül, als ob die Wände geheizt seien und Wörme auestromten. Sie atmete schwer, ihr Herz ardeltete unruhig. In ber Ferne hörte man leises Donnerrollen Nun kommt bas Gewitter, dachte sie. Sie fürchtete sich nicht und blieb am offenen Fenster sitzen unlf rechnete unb schrieb, ungeachtet des immer stärker werdenden Donners.

Draußen war alles dunkel, fast schwarz; man sah im Hose nichts mehr als das matte Licht des Stallfensters und die Umriffe des großen stillen Hanfes Dupons, das mit gefchlostenen Väbrn in einem tiefen Garten lag.

Und plötzlich sah sie dort drüben etwas ganz Seltsames. Ts war ein Licht, dos durch das Hous wanderte. Da die Läden brühen geschloffen waren, konnte man es mir unbeurtid) sehen. Madome mutzte schon ihre neue Brille dazu auffetzen. Nich­tig. cs war ein Licht, das vom Keller noch dem ersten Stock stieg. Sie sah deuttich Lichtschimmer hinter den Läden der letzten zwei Fenster auf der rechten Sette im ersten Stock Sollte Nens doch noch gekommen fein? Dann wieder war alles auf einmal dunkel. Ader kaum hatte sie sich beruhigt, als sie non neuem das Licht iah. Es kam von ünrs und ging nach rechts unb blieb tti bem letzten 3bnmer. Sie fob es deutlich durch den Ladenspalt glänzen. Sie ftanb auf und zog die gestickte Schellenschnur. Es bimmelte durch dos stille, nächt­liche Haus. Gleich darauf erschien Arkemt». die .'lackikh.'ube ichies auf bem Haar, in Pantoffeln und Nochstocke. eine Kerze in ber Lurkern

(ftötlfctpmg folgt.)