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Nr. M Erster Blatt

118. Jahrgang

Mittwoch, 15. August 1928

ümd unb Derlag: BritflW nnö Stetiöniderd R. tauge te «ieften. $d)riftkttiiig und GeschLstrftele: Schnlffraße 7.

Oie bnüschfranzösischen Meinlandmanöver

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mütiafdt des Wesens

1858

Wurde Harnisch als Sohn

Das Schicksal Ostoberschlefiens

bekannt ist, daß er sich vor

iren.

des daß

stets ein reger Mitarbeiter österreichischer vollswirtschaft-

(1919). <?r war reichsdeuischer und iicher Zeitschriften.

Nicht allgemein

und die körperliche und Bundespräsidenten, dem bereits 70 Jahr« hinter

geistige Rüstigkeit niemand ansieht, »hm liegen.

Am 15. August

e.ues Fabrikbirektors In der Gemeinde Gloggnitz in 'N iederö st erreich geboren. Sein« Mutter, Ma­riann« Hainisch, btt Dorkämpferin der österreichischen Frauenbewegung, lebt und wirkt noch heute als fast Neunzigjährige. Nach Be- «nbigung seiner Studien tn Wien und Leipzig ging Dr. Hainlsch als Schüler Adolf QBapncr« und Gustav Schmollers nach Derlin und trat dann aus kurze Seit ht den österreichischen Staats­dienst Seit 1890 widmet er sich privaten wissen- schaftsichen Studiert, besonder« sozialpolitischer Art, die ihm bald einen Nus tn der wissen- schastttchen Welt verschosst en. lieber Oesterreich hinaus wurde er bekannt als Schöpfer einer eigenen Zwstheorie. durch seine beiden Werke über d«SntstHung dcS Kapitalzinses" (1907) und über dieBerechtigung des Kapitalzmses"

Korrespondenzen französischer Blätter richtig sind, daß da, britische Foreign

Michael Hainisch.

3am 70 Geboetsiag des Sstereeichtfchen Bundespräsidenlen am 15. August 1928.

Es wird ott und mit Recht behauptet, dost das nochkrtegszeitiiche Deutschland sein« An­erkennung nach innen wie nach außen zum guten led der Ehrfurcht gebietenden Gestalt des Re ich s- präsidenten v. Hindenburg zu danken habe. Das gleiche kann vom österreichischen Bundespräsi­denten und dem deutschen Bruderstaat Oester­reich gesagt werden. Neben dem Kanzler Seipel «st Dr. H a i n i s ch di« marfcntefte, aber auch populärst« Gestalt des heutigen Oesterreichs geworben, lieber den Parteien stehend, hat der Bundespräsident sch bemüht, den kleinen Staat ehrenvoll zu repräsentieren.

Wit der Würde und der gewinnenden Lie­benswürdigkeit einer ausgeglichenen Persönlich­keit verbindet sch hier ein gerader, aufrechter Charakter, der frei und offen jedermann, den Diplomaten Wiens wie den schlichten Bauern der Alpentäler, sein« Meinung sagt, der aber ebenso auch jeder anderen Meinung ihr Recht läht. Wer je Gelegenheit hatte, Dr. Michael Harnisch ht den Nepräsentationsröumen am Ball- hausplotz oder anlählch einer der zahlreichen Besuchs- oder Beschligungssahrten zu sehen und zu sprechen, wird erstaunt sein über die Frei-

Oer Hüffelsheimer Buhnhofsumbau.

Noch feine Entscheidung.

Frankfurt a. M . 14. Aug. (IDIB.) Vic Nach­richten über den Rüsselsheimer Bahnhofsumbau, di« In den letzten lagen durch die Poesie gingen, wer­den von unterrichteter Stelle nicht be­stätigt. Offenbar liegt bisher weder «In« (Be- nchmlgnnq noch Ablehnung vor. Die Ver­zögerung der Entscheidung, die, wie man hört. In Pari, getroffen wird, kann aber höchst unan­genehme Folgen haben, denn die von der Firma Opel mit Zustimmung der vesahungsbehör- den vor einigen Monaten begonnenen Arbeiten (van «ine, Verladebahnhos, ans Fabrikgelände)

Sowxiags Ittertag» Betiefte:

Bietzen« JJoieilieiibltolä ßeteal tn Bild

Die Schale

,ieU»B«5igsfr«ls.

2 Heich,«er 1 und 20 Reichs pfenNtg für Träge» lohn, auch bei IHdjter» scheinen ein;elx«5tuntmrm infolge höherer Verooft. Fernsprechanschlüss«: 61, M enb 112.

Umschrift tti Drcchtnoch' richten: a«jrtget «letze».

dem Kriege gemeinsam mit dem heutigen Präsi­denten der tschechoslowatlschen Nepublik bemühte, in Schriften und Neben den damaligen öster­reichischen Negierungen die Notwendigkeit sozialpolitischer Neformen darzulegen, fretlich ohne Erfolg. 1894 wurde er sozialpoliti­scher Referent des Berliner Vereins für Sozial­politik. dessen Obmannsstellvertreter er dann durch Pick Sabre war. Die Gesell schatt der Volks- wrrte in Wien wählte ihn zu ihrem Dizepräsi- denien Auch m die politische Arena wagt« er s«h mit seinem bekanntesten Buch'Die Zukunft der deutschen Oesterreicher", das 1892 wegen seiner sozialpolitischen Prognose großes 2tu^ ichen hervorrief. Seine gröhere Liebe aber ge­hörte stets der Landwirtschaft. Seinen Besitz in Obersteiermark gestaltete er zu einer wett bekannt gewordenen Musterwirtschaft aus. Noch vor wenigen Jahren, 'chon als Bundes- Präsident. hat er ein Buch über dieLandflucht" veröffentlicht, das alle Fragen der Landwirt­schaft in gründlichster Weile erörtert.

Sv steht der erste österreichisch« Bundespräsi­dent. den bi« Bundesversammlung Anfang De­zember 1924 zum zweckenmal zum Staatsober­haupt wählte, als ein Mann der PrariS. als etne tief im österreichischen Boden und Volk verwurzelte Persönlichkeit vor uns Sein« An der Repräsentation des Ltaatswesen« hat di« Stellung des DundeSpräschenten derart gefestigt, dost man erwägt, die Verfassung zu ändern, um di« Möglichkeit zu schatten. Dr. Hamich zum drittenmal zum Präsidenten Oesterreichs wählen zu fönnen. Darin liegt wohl die größt« Anerkennung seiner Persönlchkeit.

Wir schliessen uns den Wünschen unserer öfter» reichischen Dollsgenoffen zu feinem 70 Geburtstag Don Herzen an. ©te gehen besonders dahin, dah cs chm, der von ferner grohdeutschen Ein­stellung auch in seiner Eigenschaft als Staats­oberhaupt nie einen Hehl gemacht hat, vergönnt sein möge, den Zusammenschluß der beiden großen deutschen Staaten noch zu erleben.

".Aug. (WTB.) Bundespräsi­dent Dr. H a t n t t ch wird semen 70. Geburts- tag Mif lernem^Besitz in Eisberg bei Gloh- wrtz v-üeden. Bundeskanzler Dr. Seipel bal ft* bereits heute nachmittag nach Eisberg be- dem Bundespräsidenten perfönli-ch die Glückwünsche der Bundesregierung zu über» bnngen. Die heutigen Abendblätter veröttent- lichen fehr warm gehaltene Artikel.

sischen Industriegebietes unvermeidlich ge- offen. Der Streik bot die Möglichkeit, für die pol­nische llohle bisher verschloßene Märkte zu erobern. Nichts kennzeichnet schärfer die polnische Wirtschaft, als die wiederholte Erfahrung, dah es ihr nur bann leidlich gebt, wenn die Wirtschaft Europas unter «in er Krise erbebt, wie es im Jahre des Ruhreinbruchs und im Jahre des großen engli­schen Streifs der Fall war.

Welche Gründe Harriman veranlaßt haben, sich für die Königs- und Laurahütte,

dah in erster Linie die betreffenden Operationen keineswegs als Manöver zu betrachten seien. Tatsächlich handele es sich um gewöhnlich« Hebungen in begrenztem Umfange, die. sich auf Die Kavallerie beschränken. Die Annahme der Einladung zur Teilnahme sei ein A k t der Höflichkeit gewesen und bilde ein Beispiel für die kameradschaftlichen Gefühle, die in den Armeen der beiden Machte seit Ausbruch des grohen Ärieges entstanden seien.Manchester Guardian" schreibt dagegen: Es ist vielleicht gut, daraus hinzuwcsicn, dah es sich bei den geplanten englisch.sranzosischcn Uebungen tm Rheinlande nicht bloh um Manöver der französischen Besatzung.'- ftreitfräfte handelt, sondern um d I e jährlichen Manöver der französischen Armee, an denen außer den Rheinlandtruppen mehrere ArmeekorpsentlanaderO st grenze teil- nehmen werden. Wenn die Meldungen verschiedener

Spiel mit dem Feuer.

Di« Geschichte mit dem englischen Kavallerie­regiment. das an den französischen Manövern im Rhc nlonde teilnimmt, wird immer merkwür­diger. Es gab zunächst di« Erklärung, daß irgend­welche Mißhelligsinten zwischen den Generalen der Besatzungsarmee entstanden waren, die durch eine solche nach außen hrn sichtbar« Aktion aus- gebügelt werden sollten. Es gab die zweite Mög­lichkeit. daß die Generale gerne selbständige Politik treiben und über den Kops der eigenen Diplomatie hinweg Vorgehen. Beides schemt nicht

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Zustimmung gegeben hat, dann ist es klar, daß es sich nicht nurumeinen Ausdruck mili­tärischer Kameradschaft von an Ort und Stelle befindlichen Soldaten handelt, sondern um eine politische Angelegenheit, bereit Bedeutung mindestens aus französischer Seite be­griffen wird und die zwischen beiden '.Regierungen durch di« üblichen diplomatischen Kanäle verein­bart wurde.

SiwebBe mh Snjtiaen f*r die Ingesneemer di» !» Nachmittag vorher.

Prtii ftr l W< ftr Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspseimig' ftr Ke« klameanjeigen vo» 70 mm Breite 35 Retchspfenuig, Platzoorfchrift 20', mehr.

Cbefrebaktexr

Dr. Friede W,lh. Lange. DerantwottUch für Politik Dr. Fe. Wilh Gang«; für Feuilleton Dr H.lhvru>t, für den übrigen I«il Ernst Blumschein: für den An« jeigenteil Kurt fuDmann, sämtlich in Gießen

verpulverten und btn technischen Betrieb in Grund und Boden wittichafteten. Wäre nicht vor zwei Jahren der englische Streik dazwischen a< - kommen, der dem polnischen Bergbau die Möalich- feit bot, beträchtlich« Kohlenmengen auszu'üoriN, so wäre der Zusammenbruch des ostoberfchle-

sich für den Ka 1 low itze r Bergbau, die Bismarckhütt« und di« Silefia zu inter­essieren, darüber werden Wohl nur gewisse War­schauer Negierungskreise zuverlässig Auskunft geben können. Als einheitlich«- 3nbuftriegebict tonnte Oberschlesien mit dem großen deutschen Markt vor sich, wachsen und gedeihen. Nach der Zerreißung hat sich West oberstes i cn wohl um- gestellt und uniöSbare Fäden mit der deutschen Wirtschaft wieder angeknupft. Allein Ostober« schleficn ist von einer Strife tn die andere ge­taumelt, weil der Mangel eines grohen Alsiatz- marttes nun einmal nicht zu beseitigen ist. Erst nachdem tr.e Eisenbahnlinien zum Danziger Hasen ausgebaut wurden, gelang eS emigermoßen. nach Nordeuropa Kohlen auü zu fuhren. Der Äalto- witzer Bergbau bettpielsweife. der in der Haupt­sache den Grasen Diele-Winckler gehörte, i-cr- fügte allein über etne Förderung von fast drei Millionen Dörmen. Wenn es gelingt, die vier großen Betriebe unter «in Dach zu bringen, io wird Harriman allerdings über eine bet rächt- lrche Wirrschaftsmacht verfugen.

Zu welchem Preise Harriman seinen Anteil erworben hat, ist ebenfalls nicht zuverlässig be­kannt. Es ist aber auffällig, daß diele Erwer­bung zu einer Zeit geschehen ist, tn der sich bi« Aussichten eines deutsch-polnischen Handelsvertrages künftiger entwickelt ha­ben, als das bisher angeblich der Fall war. Nur sind diese aünftigen Anzeichen einstweilen rein 'nnerpolmscher Natur, denn darüber hinaus be- recht gl nichts zu der Annahme dah sich ein« deutsche Negierung und eine deutsche NelchStagv- mehrheU haben könnte, die die Interessen der deutschen Wirtschaft wegen des Linsengerichtes c.neS Handelsvertrages mit Polen preisgebet werden. Harrnnan schemt indesien der Auffas- stmg zu fern, dah dieser Abschluß nahe bevor­steht. wodurch d« Wahrtcheinlichkeit sich erhöht, Ostoberschlesien aus der Wirtschaftskrise herauS- zufuhren.

Ohne den deutschen Markt kann Ost- oberschlesien auf die Dauer nicht leben, denn es wird noch Iahrc und Jahrzehnte bauern, bist bte wirtschaftliche Entwicklung Polens weit genug fortgeschritten ist. um Ersatz für den deutschen lilartt zu bieten. Gute Kenner Polens glauben, daß das niemals eintveten wird, so dah allo Deutschland immer wieder den Rückhalt bieten muf). Ober glaubt Harriman etwa, dah sich ein günftigei Geschäft in Polen dadurch machen ließe, daß er auf seine osto berschtet siche 3nbuftrietoerte gestützt. Eisenbahnen in Polen baut? Polen hat sich in Ostoberschlesien eines Industrie­gebietes bemächtigt ahne über die finanziellen und betr-ebsw^rl'chast.'-.chen Voraussetzungen zu verfügen. Französisches llchechifches und englisches Rattert. hat bisher c nspnngen muffen. Das hat alles nicht gereicht, fo dah mm ein Reuhocker

Der Neuyorker Bankherr Harrima n will in Ostoberschlcsien seßhaft werden. Soweit Harriman bisher als internationaler Iruftcr ober Großspeku- lant aufgetreten ist, waren seine Unternehmungen nicht immer vorn Glück begünstigt. Das vielbespro­chene Rußlondgeschaft hat ganz sicher nicht zur Nachfolge gereizt, wobei der Schluß offen liegt, ob die geschäftlichen Talente Harrimans nicht aus­reichten ober ob die Schläue der Sowjetleute größer war als die eines gerissenen Wallstreetkapitäns, im­merhin ist der Ausflug Harrimans nach Dftobcr- schlesien mehr als ein merkwürdiges Zwischenspiel. Gewiß sind in Oberschlesien gewaltige Boden- schätze an Kohlen und Erzen vorhanden, aber bas ist weder in Europa noch in anderen Erdteilen etwas Außergewöhnliches. Ebenso gewiß ist cs, dah das Jndust iegebiet Oberschlesiens vor feiner Zer- reißung eine mächtig aufblühende, in sich starke und gefertigte Organisation war In ganz Europa, ja vielleicht auf der ganzen Erde, gab es nicht ein gleiches Gebilde, bas so wunderbar durchorganisiert war, wo alle Räder und Rädchen wie in einer ein zigen gewaltigen Maschine ineinanbergriffen

Die Zerreißung Oberschlesiens, die eine Verletzung völkerrechtlicher Grundsätze Ht und bleiben wird, hat Polen den Teil des Industrie- gebietes übereignet, in dem die stärksten Vager an Kohle und Erzen vorkommen. Das war ein ver­hängnisvolles Geschenk für Polen, das bei der Rückständigkeit seiner gesamten Volkswitt- schäft mit dem hoch entwickelten industriellen Mechanismus gar nichts anfangen konnte. Zunächst einmal wurde von den Polen Raubbau getru den. das heißt, der ganze Klüngel von Beutepoli­tikern. der iich in Warschau und Kattvwitz an-

: gemacht hatte, oman^c klingenden Lohn für d,e tätige Mitwirkung an der Eroberung Ost oderschiesiens. Dieser klingende Lohn wurde viel­fach in Form von Direktor- und Auttichtsratsposten an den großen Indufttie-Unternehmungen gewährt, wöbe, allerdings der Rachtc.l in Kauf genommen werden mußte, daß diese sri'chgebackenen Direktoren von der Sache nichts verstanden, bas Aktienkapital

werden In etwa ölet Wochen beendet fein. Wenn bis dahin die Genehmigung zum Anschluß des Verladebahnhofs an die ffauplgleffe der Reichs­bahn noch nicht eingegangen Ist. fo würde dies be­deuten, dah der veriadedahnhof nicht benutzt werden kann und somit fein Dau völlig zweck- i o s wäre. THan wird von den In Paris entscheiden­den Stellen erwarten können, dah sie «In« solche Erledigung der Angelegenheit ,u verhindern wissen, denn die auf diese weife elnlrdenbe schwere Schädi­gung des grohen deutschen Industrieunternehmens müßte in der ganzen Welt als ein Akt der Willkür empfunben werden. Der Borfall zeigt jedenfalls wiederum, ein wie großes Hindernis die vcfahu,ng für die endgültige Vereinigung des dcutsch franzöfifchen Verhältnisses barstellt und wie sehr sic zu einem Hindernis für die wirtschaftlich« Entwicklung geworden ist.

£uffmanöt>er über London.

London. 14. Aua. (WTB.) Di« Blätter be­richten ausführlich über die Luftangriffe auf London, die gestern abend nach 6 Uhr begannen und bis in die Nachtstunden hinein fortgesetzt wurden. 4 0 Bombenflugzeuge verliesten ihre Flugplätze und flogen zur Küste, woraus sie umdrehten und auf London lossteuerten. als ob sie eine vom Äontinent her kommende Streit­macht wären. Unter dem Schuh dicht. r Wolken näherten fit sich London Um ? Uhr abends hatten vier Gruppen der angreifenden Flugzeuge London erreicht. Die herankommenden weiteren Gruppen wurden von der Küste von Else^r her gemeldet, ffuu Grupoe wurdr t Geschwader der LerteibigunaSstreitkräfte ange­griffen und nach längerem Äampf in fübtoefi- llcher Richtung »urückgetrieben. Eine Anzahl Flugzeuge erreichte aber die Eith unb monierte Bombenabwürfe auf das Lult- fahrtministerium und andere strategische Punkte durch Abschicsten roter Leuchtkugeln. Rach einem um 10 Uhr abends ausgegebenen amtlichen üom- muniauö waren an dem Angriff auf London 70 Flugzeug« beteiligt, während 72 Kampfflugzeug« die Derteidigungsstreitmacht bil­deten. Grvye Menschenmengen hatten sich an ver­schiedenen Punkten der Tity angesammelt, um die LustkSmpfe zu beobachten.

über, dah, wenn schon bas Militär die An­regungen gegeben hat. bi e Zivilbehörde nicht ausgeschaltet wurde, daß vielmehr die Einlabung zur Teilnahme des Regiments an den französischen Manövern vom Qual b'Or» s a h ans Foreign Office gegangen ist. also den ordnungsmäßigen Geschäftsgang durch­laufen hat. Gerade dadurch aber gewinnt die Angelegenheit noch eine besondere Bedeutung, es handelt sich jetzt nicht mehr um eine militä^sche Extratour, sondern um «ine politische Ak­tiv n die vermutlich in der Richtung zu suchen ist, day auch durch diese Manövergen,cinlchaft die neuen herzlichen Beziehungen zwischen England und Frankreich den Deutschen vor Augen ge­führt werden sollen.

Daß wir über den Fall einigermaßen ent­geistert sind, ist schließlich begreiflich. Wir wissen doch aus unserer eigenen Vergangenheit, wie der­artige Dinge aufgezogen werden, wir wissen, ein wie ungeheuerliches Faktum es ist. daß ein Regiment im Frieden in einem auslän­dischen Manöververband mitreitet. Das wäre selbst bei den engen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich em Ding der iln- mögsichke, t gewesen. Wir brauchen deshalb auch nicht daraus zu reagieren, toenn di« englische, Stockkonservativen uns mangelnden Takt vor- werfen und eine deutsche Kritik an Angelegen­heiten, di« nur England und Frankreich angepen, rundweg ablchnen.

Die beste Antwort läßt sich aus der eng- tischen Press« selbst ableiten. Fast alle liberalen Zeitungen begreifen die Erregung, di« in Deutschland cntstanoen ist. sie sprechen von einer Politik der unnötigen Nadel­stiche gegen Deutschland und nennen diesen Husarenrttt «inen ungewöhnlich törich­ten Einfall. Damit haben sie wirklich das Aind richtig getauft, denn eS gibt eigentlich tnchis WiderfpruchsvollereS. als daß dasselbe Eng­land. das durch seinen Außenmimster bei jeder Gelegenheit seine Bereitwilligkeit zur Räumung erklären läßt, nun sich an einer Handlung be­teiligt. die von Deutschland als ein Schlag ins Gef-.chl empfunden werden muß. Wäre es nicht nahel.cgend. daß im besetzten Gebiet auf Ma­növer überhaupt verzichtet würde, um wenigstens nach außen hin die Tatsache der Be­satzung einigermaßen zu verschleiern? Statt dessen tut das französische Militär alle-, um uns und der Welt begreiflich zu machen, dah eS sich auf dem deutschen Boden als Eroberer fühlt. AuS Gründen der Sicherheit der 'De- satzungstruppen wird den Opelwerken in Rüssels­heim der Bau ihrer BahnhofSanlage erschwert, obwohl jedes Kind herausfühlen muß, dah es sich habet lediglich um eine Znduttric'chtkane han­delt. Wan arrang.ert Manöver, als ob da- Rheinland Ariegtiaebiet wäre. Eine unglaubliche Illustration zur Locarno-Politik und zum Äel- logg-Pakt. die auch den deuttchen Pazifisten be­greiflich machen müßte, wie wenig Hinter­grund bet den sämtlichen französischen Streifen und leider neuerdings auch in England der Gedanke einer friedlichen Verständigung hat.

Amerika verlangt Aufklärung.

Rückkehr zum Militärbünduitz der fvorkriegtzzeit?

W a f hr ng t on, 14. Äug. tWTB > Die .Neu- hod World" eriiätt. daß tnc Nachrichten über bte englisch-französische Verständigung in der Flotten frage immer noch mysteriös klängen und daß diefe hier Beunruhigung verursachten. Es sei an der Zeit, nunmehr m biefer Frage zur völligen Klarheit zu gelangen. Auch bte Baltimore Sun fragt, ob es sich bei diesem Abkommen lediglich um eine Einigung bezüglich bestimmter Schisistopen oder um ein regel­rechtes militärisches Bündnis banble. 3n her Vermutung, daß das letztere, und zwar in viel gewaltigerem Maßstab als vor dem Desikr-.e^ geplant sei, werde man durch die Meldung bestärkt, dah England gemeinsam mit den Franzosen Man över im Rheinland abhaften wolle. Deuttchlarrd sei als Unterzeichner der Locarrrs-Verträge berechtigt. Aufklärung darüber zu verlangen, ob hier, wie der ..Man­chester Guardtan erklärt, nur eine Taktlosig­keit vorliege, oder ob schlimmere- be­schlossen fei. Aber auch ander« Na­tionen feien an der Klärung biefer Frag« stark interessiert.

Englische Oeutungsversuche.

London, 14 Aug. (DTB) Zu der TeUnahmc eines fiufarenregim/nts der britischen Besatzung on den französischen Rheinlandmanövern berichtet Dailq Telegraph", in militärischen und diplomatischen Steifen tverdc darauf hingewiefen.

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