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Jet ganzen Schau auSst-ellungsiechnisch am schwer­sten. ES sollen Ding« gezeigt werden, die ihrer Natur noch nicht auSstellbar sind. Geistige Vorgänge können nur in ihrem Ergebnis, in ihrer Wirkung, nicht aber an sichausgestellt' werden. Begriff«, wie Organisationstalent, all­gemein« Bildung, Verantwortlichkeit, Schnellig­keit und Sicherheit des Arbeitens, müßten sinn­fällig gemacht. Man begreift di« Proble­matik, die Schwierigkeiten und Grenzen einer Zei-tungsausstellung.

Dennoch ist eS aller Ehren wert, was man hier erdacht, auf gekaut, verständlich gemacht hat Mit vielen Bttdem, Tafeln, Modellen, Ma- schinen. Raumeinrichtungen. Trickfilms, plastischen Landkarten wird zu zeigen versucht die Man« nigfaltigkeit des Materials, di« Quellen und ZugangSstraßen in die Zeitungsredaktion, die Vachrichtenübermittelung mit den modernsten Me­thoden, Telephon. Telegraph. Kabel, Rundfunk, Reportage. Rohrpost: die Sichtung und Verar­beitung des Einlaufs, der Weg der Rachricht durch die einzelnen Gruppen des Betriebes. Man schaut in fünf tadellos eingerichtete RedaktionS- räume hinein Politik. Lokales, Feuilleton, Handel und Sport mit den entsprechend auS- gestatteten Bibliotheken und je einem sehr ge­schickt entworfenen Bilderfries an allen vier Wänden, der die Fülle des auf den Zeitungs­mann einstürmenden Materials veranschaulichen, und welcher zeigen soll, wieviel Wissen, wieviel Erfahrung. Geschick, kritische Begabung und tech­nische Fertigkeit dazu gehören, dieses Material zu bewältigen, zu sichten, zu bewerten, auS- zuwählen und in der richtigen Form darzubieten. Wie schnell, wie intensiv, wie verantwortlich der Zeitungsmann arbeiten muh, kann man frei­lich immer nur ahnen. Auszustellen ist das nicht.

Riesige Rotationsmaschinen sind ausgebaut, Setzmaschinen werden bedient, die Tätigkeit des Druckfehlerteufels und des Korrektors kann man übersichtlich verfolgen, Schreibmaschinen, Rohr­posten, Fernschreiber, Metteurtische können besich­tigt werden. Der Verein Deutscher ZeitungS- verleger baut das ganze Zeitungswesen in einer wirksamen Drehbühne vor dem staunenden Be­schauer auf. Ein Trickfilm schildert den Werde­gang einer Kunstausstellungskritik. Ein riesen­haftes Modell mit zahllosen, bald hier, bald dort farbig aufblihenden Glühbirnen gibt ein Bild vom erdballumspannenden Netz des Welt- nachrichtenvcrkehrs. DieS ist nur eine kleine Aus­lese. Alles ist lebendig, anschaulich, praktisch ausklärend und werbend zugleich.

Dann die Riefenschau der deutschen Tages­zeitungen. Die grasten Konzerne und Verlage haben brausten eigene Ausstellungshäuser er­richtet. Die meisten sind, einzeln oder in Gruppen zusammengefaht, in der Haupthalle unlergebracht.

DerGießener Anzeiger" ans der pressa.

DerGiestener Anzeiger" ist in der GruppenauSstellung des Kreisvereins Hessen und Hessen-Nassau würdig vertreten. Die Außenwand dieses Dchauraumes (Westhalle. Erd- geschoß, Stand 8) zeigt links die vom LandeS- wappen zusammengesaßten Kopfseiten aller hier­her gehörigen Blätter, rechts nebeneinander die Titelseiten der vierzehn auf der Pressa mit einem eigenen Stand vertretenen Zeitungen. Die innere Ausgestaltung deS Raumes ist nach dem Ge­sichtspunkt der Einheitlichkeit vorgenommen wordsn.

Die Ausstellung de«Giestener Anzeigers" l weift an der Rückwand des zur Verfügung , stehenden Raumabschnittes die Kopfseite d«S * Blattes in stark vergröberter, stilisierter Wieder- . gäbe auf. in der linken oberen Hälfte geschmückt mit dem Giestener Etadtwappen, rechts unten von Hohlweins schönem Wandkalender 1927 überdeckt. Zn der darunter stehenden Vitrine sind bei sparsamster Ausnutzung deS knappen Raumes angeordnet: eine Text- und eine Bild­seite der großen Jubiläumsausgabe desGieste­ner Anzeigers" von 1925, die Voranzeige und eine Sette der ersten Ausgabe van 1750, die Titelseiten der Zeituna und der drei grasten Bei­lagenHeimat im Bild".Familienblätter" und Scholle", der Jubiläumskalender 1925 von Koch, der Kalender 1928 von Mahr, wo­durch dec Charakter unserer Zeitung als eines Heimatblattes nachdrücklich untersttnchen wird, und schliestlich eine zusammenfassende Uebersicht über die verschiedenen Sanderfeiten.

Aon hohem Interesse und in engem Zusammen­hang stehend mit der Ausstellung der modernen Tageszeitungen ist die anschließend untergebrachte Sonde r s ch au der Maschinen. Einen breiten Raum im Obergeschoß nimmt die vielgliedrige Z e i t- s ch r t f t e n s ch a u mit zahlreichen Fachgruppen und Unterabteilungen ein. Es wäre ferner zu erwähnen das weiter draußen halbrund aufaeführte sogenannte Staatenha uv. in dem sich die ausländische Presse ein Stelldichein gibt. Etwa vierzig Nationen führen hier ihre Presse, ihre Nachrichten- und 93er- kehrvmittel vor. Am Freitag zur Borbesichtigung, waren allerdings erst zwei, Oesterreich und Schweden, wirklich fertig: beide Ausstellungen sind äußerst ge- schmackvoll und sehr instruktiv zusammengcstellt.

Es wäre ferner zu nennen ..., aber cs hat keinen Zweck, die Aufzählung ins Endlose fortzufetzen. Die Hauptgruppen haben wir zu umrelßen, den Sinn lind die Aufgabe derPressa" haben wir in Kürze anzudeuten versucht. Damit wolle man sich bescheiden. Dieser Bericht soll weder den dickleibigen Katalog- wälzcr noch die eigene Anschauung und Beurteilung ersehen. Evndern nur dazu anregen: Fahrt hin an den Rhein, nach Köln, zur Pressa, zur Weltschau der siebenten Großmacht! Aus der Heimreise wird man­cher sich des Gefühls nicht erwehren können, bei der c r ft c n Großmacht der Erde schauend und bewun­dernd zu Gast gewesen zu sein. Dr. Th.

Gewerbeschau in Kirchhain

WSR. Kirchhain, 14. Mai. 3n Kirchhain findet gegenwärtig eine Veranstaltung statt, deren Bedeutung weit über die Grenzen des Kreises Kirchhain hinauSgeht. 3n drei grasten 2 uS - stellungShallen zeigen Handwerker und Gewerbetreibende de« Kreise« unb eine graste Anzahl auswärtiger Firmen die Er- zeugmfse und Beweise ihrer Leistungsfähigkeit und ihres Gewerbes lei he« Das van der Stadt Kirchhain zur Derfüguna gestellte Ausstellung«- gclänbe darf als vorbildlich bezeichnet werden. Alm die grast« städtische Fest- und Markthalle gruppieren sich mit mehr alS 200 Meter Front die übrigen Arrsstellung«bau»en Die Ma schi- nenauSstellung bedeutender auswärtiger Firmen, sowie daS umfangreich» offene AuS-

stellungSgelände reihen sich an diese Hallen an. Anschließend an die Ausstellungshallen liegt die Feftwie e mit einem Vergnügungspark. Die feierlich« Eröffnung der Ausstellung fand am Samstagvormittag 11 Alhr statt. Der Eröffnung voraus ging die Tagung de« Schmiede - DezirkSverbandes von Hessen - Ras­sau. v -w« * ' >

Medizinalrat Är. Doat-Vutzbach

80 Jahre alt.

Am morgigen 16. Mat begeht Medizinalrat Dr. E m i l D o g t in Butzbach in seltener körper­licher Rüsttgteit und ebensolcher aeiftigen Frische seinen 8 0. Geburtstag. Richt nur die ge­samte Bürgerschaft van Butzbach, sondern auch im ganzen Hessenlande und wett über dessen Grenzen hinaus gedenken Freunde und Körper­schaften dieses Tages. Gehört dach Dr. Dagt seit vielen Jahrzehnten Körperschaften und Ver­bänden an, die sowohl im Staats-, als auch im sonstigen öffentlichen Leben von Bedeutung sind, und in welchen er noch heute trotz seines hohen Alters in vorbildlicher Weise tätig ist.

AlS Sohn des Llpothekenbefitzers Vogt gebaren, widmete er sich gleichfalls diesem Berufe und übernahm vom Vater im Jahre 1873 di« Apotheke. Wie hoch er gerade in feinem Berufe geschätzt wird, geht daraus hervor, bah Dr. Vogt noch heute, wie schon vor 30 Jahren, Mit­glied der pharmazeutischen Prüfungskommission der Universität Gießen ist. Heute noch übt er seine Tätigkeit in dieser Kommission au«, wie er auch als Revisor des Hess. Apothekerverbandes noch im letzten Vierteljahr eine ganze Anzahl Apotheken in Oberhessen revidierte. Ob dieser beruflichen Tätigkeit ernannte ihn im Jahre 1925 die Universität Gießen wegen seiner Verdienste um die Pharmazie und die allgemeine Wohl- sahrtspslege zum Dr. med. ehrenhalber, nachdem er bereits im Jahre 1870 zum Dr. phiL promo­viert hatte. Gr wurde in den ReichsgesundheitS- rat berufen und stand jahrzehntelang an der Spitze des Hessischen und Oberhessischen Apotheker­vereins. Auch dem Deutschen Apothekerverein ge­hörte er 22 Jahre lang als 2. Vorsitzender an.

Reben dieser beruflichen Tättgkeit war Dr. Vogt aber auch auf anderen Gebieten äußerst rühng tätig. Rach dem Kriege 1870/71, den er als Feldapotheker beim 6. Lazarett der hessischen Division rnitmachte, wurden allenthalben Krie­gervereine gebildet, und Dr. Vogt war einer von denen, der die Bedeutung dieser Be­wegung richtig erkannte. Als daher im März 1874 die Hess. Kriegerkameradschaft gegründet wurde, trat er in deren Präsidium ein. Er übernahm dann 1875 in der Krieger­kameradschaftHassia" das Schriftführeramt, das er bis 1914 behielt. Welch aufopferungsvolle Tätigkeit er hier ausgeübt hat, ist eine- be­sonderen Artikels wert. Hervorgehoben soll nur hier werden, daß er seine Hauptfürsorge den bedrängten und in Rot geratenen Kameraden widmete. Gr veranlaßte bi« Gründung verschie­dener Stiftungen und widmete den Ertrag eines von ihm verfaßten Werkes:Das Kriegerver­einswesen in Hessen" als Grundstock für diese Stiftungen. Aber diese Tätigkeit genügte ihm nicht. Wir sehen Dr. Vogt als Mitglied des Vereins vom Roten Kreuz dessen Zweig­verein Butzbach et seit 43 Jahren leitet, ebenso wirkt er tätig und fördernd im Alice- Frauenverein mtt. Die hiesige Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz rief er im Jahre 1888 mit 28 Mann ins Leben.

Arn 6 Januar 1887 wurde er zum De- melnbetat der Stadt gewählt. Erst im Jahre 1920 legte er dieses Amt nieder. Für die Ver­dienste. die er sich um das Gemeinwohl der Stadt erworben, ernannte ihn der Gemeinderat am 8.Januar 1920 zum Ehrenbürger der Stadt. Auch im kirchlichen Geben der Stadt ist er seit über 40 Jahren als Mitglied deS Kirchenvorstandes tätig und wahrt die Interessen der evangelischen Gemeinde. Richt unerwähnt soll bleiben, daß er im Jahre 1913" in den Aussichtsrat der Butzbach Licher Eisenbahn gewählt wurde, der ihn im Jahre 1919 zu seinem Vorsitzenden wählte. Hier ver­tritt er die Interessen der an der genannten Bahn beteiligten Landgemeinden und der Stadt Butzbach.

In politischer Hinsicht gehört er feit über 40 Jahren der früheren nationalliberalen, der jetzigen Deutschen Volkspariei an. Sr war längere Jahre Vorsitzender der Butzbacher Ortsgruppe, und wurde auch als Qfbgeoröneter zum Hessi­schen Landtag gewählt, dem er 15 Jahre lang angehörte. All diese Tätigkeit wurde durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft seitens der verschiedenen Körperschaften anerkannt, besondere Auszeichnungen erhielt Dr. Vogt von den frü­heren Regenten Hessens, Preußens, Datzems und Sachsens.

In den wenigen Mußestunden, die dem über­aus eifrigen Manne blieben, widmete er sich der Jagd. Draußen im Feld und im grünen Wald lag er dem Waidwerk bis in die letzte Zett ob. und alS eifriger Jäger steht er der Butzbacher Jagdgesellschaft seit Jahrzehnten als Vorsitzender vor.

Wollte man seine Tätigkeit während des Welt­krieges schildern, so müßte man einen besonderen Abschnitt dieser Tätigkeit widmen. Auch hier war er ein vorzüglicher Organisator auf dem Gebiet der uneigennützigen Rächstenhilse. Sr organisierte LiebeSgabensammlunaen, richtete Heimarbeit ein usw.. und al« der Krieg zu Ende ging, organisierte er die Winternothilfe und hals, wo er konnte und wo es nottoenbig war. Richt unerwähnt fei, daß die unter seiner Lei­tung veranstalteten Gelbsammlungen bei Abschluß her Rotaktion einen Al eberschuß von 25 000 Mk. ergaben, bie der Stadt zum Besten der Rvt- leidenden überwiesen wurden, die aber leider durch die Inflation verloren gingen.

Medizinalrat Dr. Vogt kann morgen auf ein arbeitsreiches, aber auch erfolgreiches Leben zu- rücfbliden. Die Butzbacher wissen. waS sie an diesem Manne haben und sie gedenken seiner an seinem 80. Geburtstage voll Verehrung und Dankbarkeit. Sie bringen ihm herzlichste Glück­wünsche dar, hvssend. daß er dem Hessenlande noch lange erhalten bleiben möge.

Berliner Börse.

Berlin, 15. Mai. (DTB. Funkspruch.) Schon gestern abend sehr still, konnte sich auch heute früh bisher noch kein Geschäft entwickeln. Die Tendenz ist abwartend, die Spekulation zurückhaltend. An Kursen ist noch nichts zu hören. Am Devisenmarkt nennt man Daris 124,02, Mailand 92,65, Spanien 29,06 zu 2940, I das Pfund 488,30 und den Dollar 4,1795.

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orb ach.

Alle für die Redaktton bestimmten Mittellun­gen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schach­redaktion des ..Gießener Anzeiger«.

Problem Nr. 161.

Don P. 5. Blate.

Schwarz.

a b c d e t g h

a b c d e t g h Weiß.

Weiß zieht und seht in zwei Zügen matt.

Weiß: 6 Steine. Ka3; Db3; Tc4; La2; Se8, g6.

Schwarz: 8 Steine. Kd5; Tdl; Lfl; Sc8, g4;

Bc7, 15; g2.

Ein ausgezeichneter Zweizüger!

Endspiel Nr. 55.

Don Graf 3. de Dilleneuve ESclapon, Rizza.

8

5

6

3

7

4

2

1

W

S

7

6

5

4

3

2

Weitz.

Schwarz, d e

e h

a b

Weiß am Zuge erzwingt den Gewinn. Weiß: 4 Steine. Kfl; De8; Lb5; Bg6.

Schwarz: 5 Steine. Khl; Tg2, g7; Se7; Bh6.

Eine clcaante Studie, deren Lösung nicht leicht zu durchschauen ist.

Lösung deS Problems Rr. 158. Don S. Sardvtsch.

1. Df6-h6l usw.

Lösung des Endspiel« Rr. 54. Don P. Henacker-Wien.

1. Sh3-f2!, Le4xf3 iSonst 2. Lxe4 + usw.) 2. Sf2 dl!!, Lf3xdl-> IFaü« 2......blD oder T,

so 3. Sc34- usw.) 3. Ka4-a3 b2-blD oder T 4. patt. «Falls 3....., b2-bl Spr. +, dann 4. Ka3-

b2. Sbl-d2. 5. Kb2-cl RemiSi

Aus der Lchachwelt.

Der achte Kongreß de« Mittelrheinisch«, Schachbunde« findet d:«les Jahr wiederum in der Pfingstwoche im Kursaal zu Bad Ems statt.

Mit Ausnahme des Meister'chatt.'turnicrs, da« ber its Freitag, den 25. Ma., morgen« 9 Uhr, beginnt, werden die anderen Veranstaltungen, wie Haupt-, Reben-, Tombola- und Damen- turnler erst Sonntag. 27. Mai, 9 Uhr früh, eröffnet.

Dienstag, den 29. Mai, abends -4 ^Ibr, Ab­schluß de« Turniers. Bekanntgabe des Ergeb­nisses, Preisverteilung im Kursaal.

Dir Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonStisch.

Brautwerbung.

Die folgende Kinderfzen« lieft man in der

D. A. Z.:

.Wir wollen Heiraten spielen", sagt Marianne.

»Na gut", erwiderte Hansi ich beschloß, meine 3eitung«Ieftüce noch nicht sortzulegen.

Zwei Stuhle und die Wasserbank sind die Wohnung. Hansi klingelt, d. h. er drückt da« Däumchen gegen di« Stuhlleiste und macht ,rrrr".

.Mach auf", sagt Wariannlein, wa« soviel bedeuten soll, wie .ich habe geöffnet".

Hansi verbeugt sich: .Ach, verzeihen Sie bitte, ist hier wohl Heirat?"

.Warten Sie mal einen Augenblick", sagt Marianne, nimmt die Puppe au« dem Wagen, zupft das Kleidchen zurecht und stellt vor: .Meine Tochter Lottchen."

Hansi betrachtet das Lottchen, mustert da« Kleidchen, beschaut sich die Wäsche, fritifiert die Haarfrisur (Lottchen hat keinen Bubikopf) und moniert einen fehlenden Schuh.

.Weiter haben Sie wohl keine Tochters

.Nein." antwortet Mariannlein bedrückt, .die andere ist kaputt nein, krank', verbessert sie.

Die Händchen auf dem Rücken tritt Hansi einen Schritt von dem .Objekt" zurück und fragt: »Wie alt ist sie denn?"

Marianne beeilt sich zu versichern, daß da« Töchterchen schon 14 Jahre alt sei.

.Ich werde sie nehmen", entschließt sich Hansi.

.Na, Gott sei Dank!" sagt Mariannlein.

Großer Unterschied.

Was hat das Känguruh vor dem Menschen vvrau«? G« kann mit leerem Beutel groß« Sprünge machen.

Kameradschaft.

Unter Kameradschaft verstehen wir, daß ein Mann für den andern ein tritt, erklärt der Feldwebel in der JnstrukttonSstunde.

..Wenn also z. B. ein Kamerad bei seinem Frühstück sitzt und seine Knöpfe noch nicht blank geputzt hat und plötzlich Alarm geblasen wird waS würdest du dann tun, Müller?

Ich würde sein Frühstück effen." erwiderte dieser,damit er sein« Knöpfe putzen kann."

Deutsche Demokratische Partei

Gestern abend trat die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Demokratischen Par­tei mit einer zweiten öffentlichen Wäh­lerversammlung unter dem Vorsitz von Rektor L o o S vor die Oesfentlichkeit. Als erster Redner sprach

NniverntiitSprosessor Dr. Deutschbein-Marburg, der sich zunächst mit Fragen der auswärtigen Polittk beschäftigte. Der Redner stimmte der von ReichSauhenminister Dr. Stresemann geführten Außenpolittk in vollem Umfange zu, forderte die unbeirrt«, ftmfequcnte Weiterfüh­rung dieser Polittk und warnte vor jedem Zick- zackkurS. In der nächsten Zett seien die Fest­setzung der Daweslasten, die Rheinlandräumung und die Herbeiführung einer allgemeinen euro­päischen Abrüstung die Hauptpunkte der deut­schen Außenpolitik. Hm dieser Politik daS ent­sprechende Schwergewicht zu geben, müsse das deutsche Volk in größter Geschlossenheit hinter dem Außenminister stehen. Zu Fragen der Jnnenpolittk übergehend, sorderte der Redner vor allem eine Vereinheitlichung und Verein- sachung des jetzt außerordentlich komplizierten Steuersystems und Steuerapparats, er betonte u. a. weiter, daß di« Demokratische Partei stets eine soziale Polittk betrieben hab« und dabei insbesondere für die Kleinrentner und die Mieterschaft eingetreten fei. Zur Durchführung dringend notwendiger Reformen forderte der Redner die Schaffung einer starken Linken im Reichstage, damit dort eine stete und sichere Mehrheit für eine Linksregierung vorhanden sei. Der Redner setzte sich dann mit mancherlei Vorwürfen, die gegen die Demokraten erhoben würden, auseinander und bemerkte dabei u. a., daß di« Demokratisch« Partei die Ansicht ver­trete. daß Besitz in steuerlicher und sozialer Hinsicht verpflichte, daß sie in keiner Weise kirchenfeindlich fei und daß sie einem Schulgesetz­entwurf in der bisherigen Fassung schon heute entschiedensten Kamps ansage. Zum Schluß be­tonte der Redner, feine Partei lehne e» ab. Ver­sprechungen vor der Wahl zu geben, sie werde aber eine ausrechte und klare Polittk treiben, da sie sich al« bie Partei ansehe, die über alle Stände und Konsessionen hinweg die wahre deuttche VolkSpartei sei. (Lebhafter BeifallI)

Al« zweiter Redner sprach dann der Vor­sitzende der Demokratischen Partei in Hessen.

Landtagtzabg. Lbcramttzrichter

Schreiber-Yilbel.

3m Hinblick auf die flaue Haltung bet Wähler- schäft in diesem Wahlkampfe stellt« der Redner zunächst zur Erwägung, ob es nicht beffer sei. die Legislaturperiode zu verlängern, um bie Heiligkeit von Wahlen zu Derminbem. Er sprach slch fobarm gegen da« Listenwahlsystem au«, da

es die Wahl entpersönllche. unb empfahl die Rückkehr zum Einzelwahlrecht. Der Redner bc- fchästigte sich hieraus mit bet Außenpolitik unb betonte, wenn wir auf diesem Gebiet« so wenig vorangekommen seien, so sei daran die Deutsch- nationale Volkspartei schuld. Die Außenpolittk Stresemanns billigte der Redner in vollem Um­fang unb sagte weiter, die Demokraten ständen auf dem Standpunkt, daß vor der Rheinland­räumung an eine Befriedung Europa« nicht ge­dacht werden könne. Alm die Rheinlande frei au machen, sei aber eine große Mehrheit de« Volkes, und zwar die große Koalttion. erforder­lich. Rachdem der Redner finanzpolitische Fra­gen erörtert unb dabei die Finanzpolitik Rein­hold« lobend besprochen hatte, stellte er al« wichtigste Forderung an den künsttgen Reichstag die schleunige Durchführung einer großzügigen VerwaltungSresorm auf, die sowohl au« sinanz-. wie au« nattonalpolitischen Gesichtspunkten drin­gend nottoenbig sei und nicht mit kleinen Mit­teln durchgeführt werden dürfe. Die vielen Par­lamente, Abgeordneten unb Regierungen in Deutschland seien ganz überflüssig. Sodann warnte der Redner vor der llnterstützuna der Splitter­parteien. die doch ohne jede polittsche Macht und Einfluß im Parlament bleiben würden. Hierauf polemisierte er gegen die Wirtschaft-Partei unb insbesondere gegen die vom wirtschaft-partei­lichen Spitzenkandidaten Dr. Rohde abgegebene Erklärung über die Entscheidung de« Hessischen StaatsgeriLtshosS in der Frage de« Sperr- gefehes uno die von Rohde angetünb iflte An­zeige gegen Ministerialdirektor S chwarz. ES fei unverantwortlich von Dr. Rohde, in solcher Weise sich zu äußern. Er (Redner) sei für feine Person für die Auflösung be« Land­tages gewesen, aber er habe sich dem Spruch des Staatsgerichtshofe« gefügt, denn der Staats- gerichtshof habe ja nicht allein nach juristischen Gesichtspunkten zu enttcheiden. sondern auch po­littsche Erwägungen dabei gelten zu lassen. Degen Dr. Rohde« Aeußerung gegen Ministerialdirek­tor Schwarz erhebe er schärfsten Protest. Zum Schluß betonte der Redner, daß die Demokra- ttsche Partei j£te polittsche Arbeit immer auf der Grundlage einer hohen sittlichen Weltan­schauung leist« unb jeden willkommen heiße, der auf Tr.cfcr Grundlage mit arbeiten wolle. (Leb­hafter Beifall).

Da eine Aussprache von der Versammlung nicht beliebt wurde, schloß bet Versammlungs­leiter Rektor Loo« mit einem nochmaligen Appell an die Wähler den Abend.

Daten für Mittwoch, 16. Mm.

1788: der Dichter Friedrich Rückert in Schweinfurt geboren; 1831: der Physiker David Edwin Hughes in London geboren; 1855: der österreichische Poli­tiker Gras Leopold von Auersperg in Budapest ge­boren; 1859: bie Dichterin Frieda Schanz (So pouir) in Dresden geboren.