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178. Jahrgang

Dienstag, 15. Mai 1928

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid Bub Derlog: VrLhl'sche Untoerfitäu-Bndh enö Sietnörnderct k. Lanze ti Slessetu $d)riftlcttHng and -eschäflrstelle: SchnlKrasse 7.

annabet hi Injeiaca für die lagesnummet bie jnm Wad)mittag c>c>rh«.

Preis fitr l mm Höhe 8r Snjeiqcn von 27 inm reut örtlich 8. aus märt» 10 Reichspfennig für 5t e- klameanjeigen von 70 11 rn Brette 35 Wt.ch»p1cnntg, Platzvorschnst 20* . mehr.

Cbefrebahttut

Dt <}nebr DiU» Lange, verantwortlich für Dolutk Dr Jt DUH Lange für JVtuiDrlon Dr H ibrjrtot, für den übrigen Teil Ernst Blumichein, für den An. jetgenteil Aurl <5t0mann.

sämtlich in Rieften

Oie Tariferhöhungspläne der Reichsbahn.

Erhöhung der Gütertarife um 10 Prozent. - Liebergang zum Zweiklaffensystem. - Erhöhung der Kahrpreise vierter Klasse um 12 Prozent. Verdoppelung der (Schnellzugzuschläge. Auch Zuschläge für Eilzüge. - Fortfall der B. p.

Unwirtschaftlich und unsozial.

Don unterer Berliner Redaktion.

Onit der offiziellen Veröffentlichung der Relchsbahndenklchrift ist nun endlich au4) da- letzte Geheimnis entschleiert, da- noch darüber hing. Und man muh leider lagen, daß die Forderunoen der Gesellfchaft sich hiernach nicht erfreulicher au-nehmen als zuvor. DaS wesentliche war in der Oeffentlichkeit ja auS den zahlreichen grossen und kleinen Indiskretionen der letzten Monate bereits bekannt geworden, und da- Grundurtkil, das man sich über die Ab­sichten der Acich-bahngefelüchaft inzwifchen ge­bildet hat. wird durch die nunmehr erfolgte Publikation in keiner Weise entkräftet. Dir wollen es dahingestellt fein lassen, aus welcher Veite das grössere Interesse an einer so langen Geheimhaltung bestand, ob bei der Reichsbahn oder der Acich-rcgirruna. Don Schuld und Fehler sind jedenfalls alle beide nicht frel- -usprechen.

Was die Reichsbahn jetzt mitteilt, wusste sie bereit» im Herbst vorigen Jahres, als sie mit arohem Applomb erklären liess, sie werde durch ok damals vorgenommenen Erhöhun­gen der Deamtcngehälter nicht zu einer Tarif­erhöhung gezwungen werden Heute begründet sie d: Rotwendigkeit einer wesentlichen Tarts- erhöhuna, die auf den Durchschnitt der Güter­tarife 10 Proz., auf den Durchschnitt der Per- sonentarise 15 Proz. auSmacht. eben mit einer Steigerung der persönlichen Aus­gaben um 436 Millionen Mark Aber auch die Reichsregierung hat durch die Lässigkeit, mit der sie namentlich von der Veite der Schieds- rrichtsbarkeit her die Frage der P r e i S b i l - u n g behandelte, mit der sie ausserdem über die zweif^io» nicht leichte vituation der Reichsdahr> hinweggehen zu können meinte, sehr mit dazu bei- fletraaen. dass die Dinge sich gerade jetzt, un­mittelbar vor den CEDablcn, In der unerfreulichsten Weise a u I p 1 b c n. Wir möchten hierbei das Reichswirtschasisministerium allerding- bi- zu einem sehr erheblichen Grade au-nehmen. da e4 nach unserer Kenntnis der Dinge schon seit dem Herbst des vergangenen Jahres an immer wieder seine warnende Stimme erhoben hat. ossensicht- Nch aber gegenüber dem Zweckoptimismus des ReichSstnanzministerS nicht recht sich durchsetzen tonnte

So präsentiert sich der augenblickliche wirtschaft­liche Kesamlsachoerhalt höchst unerfreulich. Der grosse (Elfenfdjiebefprud) de» vergangenen Jah­re» balle bereit» eine Eifenpreiserhöhung ur ttolge, der kürzlich ergangene Kohlenfchied»- pruch war Seranlaffung xu einer nicht unbeträcht- ichen Verteuerung der Kohle, die ihrer- eit» wieder zu einer cherauffekung der CElfcnpreife ührte, und es ist jetzt nahezu selbstverständlich, dass lie Neichsdahn als Grossoerbraucherin von Kohle und Lifen ihrerseits auf eine Erhöhuna der Tarife drängt, auch wenn sie diese Forderung nicht unmittelbar damit begründet. Wir Jagten schon vor einiger Zeit, dass als Folge der Herauf- setzung von Kohle- und Eisenpreise ein Preiswelle clntreirn müsse, die Im Endergebnis ein viel­fache» des privatwirtschaftlichen Nutzeffektes der Kohlen- und Eifenverteuerung barfteüen werde, wenn e« nicht gelinge, die Heraufsetzung de» Prei­se» der Urprobufte schon bei den Grossverbrauchern ausxufangen. Die Absichten der Neichsbahn- oesellschaft laufen aber ganz offenkundig auf da» Ge a e nteil dessen hinaus, was erstrebenswert ist. Durch die Verteuerung der Gütertarife um zehn Prozent würde felbftocrftandlich die deutsche Wirt- fchast In allen Ihren Zweigen ausserordentlich park belastet werden, und die Verteuerung des Personenverkehr» um 15 Prozent ist so unsozial, dass gerade in einem Deutschland stark überspitzter Sozialpolitik hiervon gar nicht gesprochen werden dürfte. Denn wenn es zu der von der Reichsbahn vorgeschlagenen Reform des jetzigen Dierklassen- Eystem» kommt, so dass nur noch zwei Klassen übrig blieben, dann würden gerade die brei­ten minderbemittelten Schichten, die heute die vierte Wagenklasse für ihren Berufs- und Erholungsvcrkehr benutzen, die grösste Last einer derartigenReform" zu tragen Haden.

Da» aber kann und darf niemals da» Ziel einer Reichsdahnreform (ein. Gegen den Uebergang auf da» vereinfachte Zweiklassensystem, eine Polster- und eine Hol;klasse, ist arundsu,lich selbstverständlich nicht» einzuwenden. Die Notwendigkeit ihrer Ein­führung wird aber der deutschen Oeffentlichkeit nur dann einleuchten, wenn dabei nicht ein Vorteil für die Reichsbahn durch Vermehrung ihrer Einnahmen unter gleichzeitiger Erhöhung der Tarife heraus- springt, sondern umgekehrt das reifende Publi- tum einen Vorteil erfährt, indem seine Bequem­lichkeit unter gleichzeitiger Verbilligung de» Fahrpreises erhöht wird.

Es fragt sich nun alles in allem, inwieweit die Forderung der Reichsbahngesellschaft phratroirt- schastlich begründet und reparationspolitisch not- wendig ist. und es fragt sich weiter, ob bei Be- jahung der beiden Vorfragen kein anderer Ausweg als der einer Tariferhöhung besteht. Denn die Reichsbahngesellschasr im vergangenen Jahre ein Ertragsdcslzit von 250 Millionen Mark

errechnet hat. so ist da» natürlich für den Haupt- träger der Reparationen sehr bedenklich Es will uns aber scheinen, dass man bei der Reichsbahn nicht in dem wünschenswerten Masse nach gesunden prioatwirtschaftlichcn Grundsätzen vorgehl. Tatsöch- lich wird nämlich ein wesentlicher Teil der laufen- den Einnahmen zu Neuanlagen jeder Art ver- wendet, d. h. also, das Anlagekapital wird aus dem Betrtebsergebnis oergrö- ssert Das ift ein Verfahren, dass allen gesunden kapitalwirtschaftlichen Prinzipien widerspricht, da die Privatwirtschaft für derartige Bedürfnisse A n leihen aufzunehmen pflegt. Dir wissen, dass der Reparationvagent im Herbst vergangenen Jahres diesen Weg durch seine Haltung ziemlich verbaut hat. Man hat aber sich auf deutscher Seite niemals Mühe gegeben, die Auffassung Parker Gilberts über die Notwendigkeit von Anleiheaufnahme der Reichrbahngefellfchaft im Auslände zu erschüttern. Ein grosser Teil der Vorzugsaktien, die man der Reichsbahn für ihre Kapitalbedürfnisse auf den Wea mitgegeben hat, befindet sich noch in ihren Tresors. Es muss nun möglich fein, diese Aktien an den Mann zu bringen, d. h., den Reparationsagen, ten von der Notwendigkeit einer Veräusserung dieser Stücke zur Kapitalbeschaffung zu überzeugen. Wenn da» gelingt, dann wird sich eine Tarifer­höhung vermutlich völlig vermeiden lassen, oder man wird dann doch mindestens dabei wirt­schaftlicher und sozialer verfahren können, als das nach den Vorschlägen der Reichsbahn der Fall fein kann.

Die Denkschrift.

Derlin, 14. Mai. (WB.) Der Dertoal- kungsrat der Deutschen Aeichsbahngesellfchaft hat sich in llcbereinftimmung mit der Hauptverwal­tung entschlossen, bei der Aeichsregierung die ®<ne6miflLaflinerullgmeinenXa- riferhöhuna zu beantragen. Die Erhöhung soll die Sinnaymen aus der Güter- und Personenbeförderung um 5v. H.. d. h. 250 Mill. TU., steigern. In einer Denkschrift werden die beabsichtigten Tarifmassnahmen er­läutert und begründet. Entsprechend dem Der- hältnis der Einnahmen auS dem Güterverkehr Aum Personenverkehr (etwa 70:30 v. H.) müsste Der grössere Teil der erforderlichen Mehr­einnahmen aus dem Güterverkehr zu decken versucht werden. waS eine Erhöhung der Gütertarife um 10 Prozent bedingt. AuS dem Personenverkehr blieben dann noch rund 55 Mill. TU. zu decken. Würde man hierzu eine prozentuale Erhöhung aller Klaffen durchführen, so würde die Abwan­derung, die schon seit langem ein Ausfall von jährlich rund 30 Mill. TU. gemacht hat, verstärkt ftattfinben. Dazu komme der K ra f t- wagen und da- Auto, die einen verstärkten Wettbewerb machen würden, der mit einem Aus­fall von weiteren etwa 100 Will. TU. verbun­den fein würde. Um diese Derluste wieder ein- zubringen und ausserdem eine Mehrein - nähme von 55 Millionen Mark au« dem Personenverkehr zu gewinnen, müsste der der Eisenbahn verbleibende Derkehr dann mindestens um 15 v H. verteuert werden.

Die Ncichsdahngcscllschasl stellt nunmchr zur Er­wägung. ob nicht da» Zwelklassenf yfiem eingesührl werden fall, durch da» die bisherige Abwanderung in eine Auswanderung ver­wandelt wird. Sie schlägt vor, die seht stark ge­miedene dritte Klasse w beseitigen und dafür die Preise der Polsterklasse um ein Geringe» zu er­mäßigen. Diese Massnahme würde die Erhöhung de» jetzigen Fahrpreise» vierter Klasse um nur 12 v. h. ermöglichen.

SS ist beabsichtiat. die Preise der Zeitkarten der Holzllafse nicht mitzuerhöhen. Aach der Er­höhung der Tarife würde sich der Zahrpreis für die durchschnittliche Entfernung von 23 Kilo­meter. der zur Zeit eine Reichsmark beträgt, in der vierten Klasse nur um 10 AeichSpsennig er­höhen. Es ist ausserdem im Lchnellzua ver­te hr in der dritten und zweiten Klasse eine Verdoppelung der heutigen Zu­schläge in Aussicht genommen, ferner die Ein­richtung einer vierten und fünften Schnellzugs- Aonc. ES wird als Mindestschnell)ugs;uschlag er­hoben werden in der Holzklasse 2 Reichsmark, in der Polsterklasse 4 Reichsmark und in den Lurusklassen und Schlafwagen 6 Reichsmark. Ausserdem sollen die Eilzüge mit einem Zuschlag belegt werden, wobei zur Scho­nung des starten Rahverkehrs jedoch eine Rah- zone von 1 biS 35 Kilometer vorgesehen werden soll. Die beschleunigten Personenzüge fallen als belorcdere Zugllaffe fort. waS aber nicht bedeutet, dass später keine Züge mehr ge­fahren werden dürfen, die durch Fortfall meh­rerer. Aufenthalte eine schnellere X<f5d>erung ermöglichen.

Oer Derfassungstag.

Berlin. 14.Mai, (WTB.) Wie daS .2.T." hört, hat die preussische Regierung mit Unterstützung einer Reihe anderer Länder i m Reichsrat einen Antrag eingebracht, der ver­langt. dass der 11. August als Geburtstag der

Weimarer Dersassung »um Rationalseier- tag erklärt wird. Der Antrag dürfte noch in dieser Woche zur Beratung gelangen.

Ernsthafte Erkrankung des Tleichsaußenminifters.

Berlin, 14. Mai. (IDIB.) Reichsanssenminister Dt. Slrefemann Ist nicht unbedenklich erkrankt und hat infolgedessen jeder weiteren Tätigkeit Im Wahlkampf entsagen müssen. Auch der geplante Berliner Besuch be» tschechoslowakischen Aussen­minister» Dr. Beneid, ist au» diesen Gründen abgesagt worden, lieber die Erkrankung ist heute abend von den behandelnden Aerzten folgende Mitteilung ergangen:

Reichsminister Dr. Slrefemann ist an einem fieberhaften, poratyphusähnlichen Magen- und varmkatarrh ernstlich erkrankt. 3m ver­lause der Erkrankung hat sich eine A f f e k t i 0 n der Rieten hinzugefellt, die strengste Schonung und Bettruhe de» Minister» dringend erforderlich macht. Infolgedessen ist jede

Tätigkeit de» Reichsministee» für die nächste Zeit ausgeschloffen.

gez.: Pros. Dr. H. Z 0 ndek. Sanitätern! Dr. Gifeviu ». Dr. Schulmann."

wie einige Morgenblätter ergänzend berichten, machen die behandelnden Aerzte die 11 e b r r a n - streogung in der letzten Zeil für die Erkrankung, für die bestimmte ürfachen nicht festzustellen sind, mitverantwortlich. Für eine Fleischvergiftung hät­ten stch keine Anhaltspunkte ergeben. Dr. Sltese- mann habe seit drei lagen keine Nah­rung zu sich zu nehmen vermocht, wa» eine Schwächung de» ganzen Organismus zur Folge ge­habt habe. Darin fei gestern abend eine Besse­rung eingetreten. Dr. Slrefemann konnte zum ersten Male wieder etwa» Nahrung vertragen. Da­gegen mache die Nlerenaffektion jetzt mehr Sorgen al» da» Magen- und Darmleiden. Die Aerzte und feine Umgebung hoffen, dass Dr. Sfrefc- mann» starke Widerstandskraft audj dle»mat die Krankheit wieder überwinden werde. Aber selbst im günstigsten Falle werde der Heilungsprozeh meh­rere Wochen In Anspruch nehmen, während welcher der Patient äusserster Schonung bedürfe.

Dom Wirlschafisml des Völkerbundes.

samten Sckeck- und Wechselvcrkehr international zu vereinheitlichen, einstweilen hält man dieS nur bei den Ländern möglich, die dem euro­päischen kontinentalen Softem angehcrm. Wäh­rend sich den Arbeiten diefes Komitee- vor allem sachlich« Schwierigkeiten entacgenftcllcn, macht sich bei den ankeren Beschlüssen öeu DölkcrbundSorgane auf dem Gebiete der Wirt­schaftspolitik immer wieder da- alle Problem bemcrtbar, da' wohl die Regierungen zunächst bereit sind, Zusagen zu erteilen, aber aus innenpolitischen Gründen nachher gezwungen wer­den, von einer endgültigen Din - du n g einstweilen abzusehen. G ride uni et diesem Gesichtspunkt hat d r belgische Minister­präsident Theunis bei d^r Eröffnung des Wirt- schastsrates die Rotwendigkeit der M i t - arbeit ber öffentlichen Meinung in den beteiligten Staaten so besonder- stark h-r- vorgehvbeir und in den Tlittdpunft gestellt. Die Lage der Weltwirtschaft.

Gens, 14. Mai. (WB.) Die erste Tagung des WirtschaftSrateS deS Dölkerbunde- ist von dem Dorfitzenden, dem früheren belgischen Minister­präsidenten

Eigene Drahtmrtdung desGiessener Anzeigers^.

Berlin, 15. Mai. Der Dölkerbund ent­wickelt sich in den letzten Jahren neben seinen rein politischen Funktionen immer mehr zu einem Forum lür b.i Internationalen Probleme der Weltwirtschaft. Diese Entwicklung hatten die Gründer dieser Organisation in den düsteren TertaiIler Tagen wohl weniger im Auge ge­habt, als dass der Bund ein Instrument ihrer politischen Macht werden sollte. Aber gerade diese Wendung deS Völkerbünde- zu den Aus­gaben der Deltwirtschast, wie sie sich jetzt so deutlich in der Eröffnung deS neugegründeten WirtschaftSrateS manifefti.'rt, ist abgesehen von ihren direkten Wirkungen und Erfolgen auch für den Völkerbund selbst und seine Existenz äusserst bedeutungsvoll. SS Aeigt sich nämlich, dass allein die Tatsache dieser internationalen Organisation auS sich heraus eine gewisse Anziehungs­kraft über den ursprünglich ihr zugedachten Rahmen hinaus entwickelt. Der Völkerbund ist fähig, wenigstens fchrint eS so, sich selber weiter­zubilden und auszubauen, er beginnt ein Eigenleben zu führen und e- kann einmal der Moment kommen, dass man eher geneigt fein wird, mit Rücklicht auf feine rein fachlich gegebenen Möglichkeiten Schranken vor fein AuSdehnungSbedürsniS zu fetzen. Aber zweifellos ist diese Entwicklung an sich zu begrüßen, auch wenn sie und ihre bisherigen Ergebnisse nicht Immer die praktischen Erfolge erzielen, die man nach der Wichtigkeit der in Angriff genommenen Ausgaben zunächst erwarten könnte.

DaS Arbeitspensum des Völkerbundes im Jahre 1927/28 war natürlicherweise vor allem von den Beschlüssen der grossen D e l t w i r t » schaf4Skonserenz bestimmt. 2m Oktober sand eine internationale Konferenz zur Ablchas- fung der Sin- und Ausfuhrverbote und Beschränkungen statt, die zu einem Abkom­men führte, da- von 18 Staaten unterzeichnet wurde. DaS Abkommen selbst sieht nach In­krafttreten innerhalb einer Frist von sechs Mo­naten die Verpflichtung vor. alle Ein- und Aus­fuhrverbote wie Beschränkungen aufzuheben, ausgenommen, wenn besondere Umstände dieser Verpflichtung entgegenstehen sollten. Im 2uli d. 2. soll eine zweite Konlerenz nachfolgen, in der über die von einigen Staaten gemachten Vorbehalte, wie über die Frage deS 3n- kvafttretenS Beschluss zu fassen ist. Gerade über diese Probleme ergeben sich bei diesem Abkom­men gctoiffe Schwierigkeiten, die aber jeder internationalen Regelung, die weitgehend in die Souveränität der Staaten eingreist. entgegen- stehen und die sich z. 2. in hohem Masse auch bei der Durchführung des Washingtoner Acht­stundentag-Abkommens bemertbar ge­macht haben. 2Cro eine Erscheinung, die kaum auf daS Konto des Völlerbündes. wie eS so gerne geschieht gesetzt werden fann.

Weiter hat der Völlerbund wichtige Arbeit mit dem intcr tahonalcn Abkommen über die Vollstreckung von im Ausland ergange­nen Schiedssprüchen geleistet. Das Ab­kommen baut sich auf dem Protokoll von 1923 über die Schiedsklausel im Handelsverkehr auf und kann nur von solchen Staaten unterschrieben werden, die bereits dem ersten Abkommen bei­getreten waren. Ziemlich erfolglos dagegen find bisher die Versuche des Sachverständigenkomitees oeblieben, das sich mit d:r Vereinheit­lichung deS Scheck- und Wechsel- rechtes beschäitigl hat. Die Arbeiten sind zwar noch nicht abgeschlossen, aber ber Ver­such ist ausgegeben worden, die gesetzlichen Be­stimmungen in der ganzen Well über den ge-

Theunis

mit einer Ansprache eröffnet worden, in der er einen Uebetblid über die Entwicklung des Wirtschaftsleben- feit der WellwirtschastSkon- ferenz gab. Die Zustimmungserllärungen gewisser Regierungen zu den Empfehlungen der Well- wirsschaftskonserenz feien fo gut wie rein pla­tonisch geblieben. Zur Förderung der Auf­gaben deS Wirtschaftsrates ist die Mitarbeit der öffentlichen Meinung und vor allem die kräftige Vertretung seiner Ziele durch feine Mit­glieder selbst nötig, damit die Regierungen, ohne die der Wirtschastsrat nichts unternehmen könne, unter diesem Antrieb zur schrittweisen Verwirk­lichung übergeben.

AI» erster Redner erklärte bann

<5ir Arthur Balfour

Die Kaufkraft zeige noch fein entschiedene» An­steigen. Eine Besserung de» internationalen Han­dels könne nur durch Hebung des (Ernteertrages und durch Niederleguna ber Z 0111chran » k e n erreicht werden. Erfreulich fei das Zustande­kommen des neuen Abkommens über die Auf­hebung der Ein. und Ausfuhrverbote, und Einschränkungen, bei dessen Verhandlungen sich die grossen sachlichen Schwierigkeiten zeigten, auf die man stosse, sobald man an die Verwirklichung ber wesentlichsten Grundsätze ber Weltwirtschasts- konferenz herantrete. Es fei höchste Zeit, dass man jetzt auf bem Gebiete ber Tarifpolitik entscheibenb an bie Prüfung ber Miste/ für eine wachjenbe Stabilisierung bes internationalen Han- bels gehe. Der Wirtschastsrat bürfe keinen Antrag annehmen, ber bie Fortbauer ber gegenwärtigen Tartfoerhältnisse für eine weitere Reihe von Jah­ren bebeuten würbe. Zur grünblichen Prüfung ber einzelnen Bebürfnisse und Interessen wäre es vielleicht angeze gt, in Genf bie not opalen Vertre­ter der verschiedenen grossen Industrien ber einzel­nen Cänber zu einer Aussprache zusammenzuberu» fen. Hieraus gab ber Seiler der Hanbelsoertragsab- Teilung im französischen Wirtschastsministerium,

Serruys

einen optimistisch gehaltenen lleöerblick über die Auswirkungen der Weltwirt^chastSkon- fereru auf die Wirtschaftsverhandlungen des abgeiauferten 2ahres die seiner Ansicht noch eine fühlbare Sumesänderung ün Sinne des Ab-