(Sfepfte beim Zentrum.
Berlin, 14.$ebt. (IBB.) Die Zentrums- Fraktion des Reichstages hielt im Anschluß cm die heutige Plenarsitzung eine längere Sitzung ab, über die folgender Bericht ausgegeben wurde: „Die Zentrumsfraktion des Reichstages erörterte in ihrer heutigen Abendsihung den Bctidjt über den Stand der Verhandlungen im interfraktionellen Ausschuß. Beschlüsse werden nicht gefaßt. Die Beurteilung der Gesamtlage ist in der Fraktion nach wie vor eine skeptische, was den Erfolg der Verhandlungen angeht. Sollte eine E i - nigung über das Reichsfchulgefeh jroifdjen den Regierungsparteien nicht zu erreichen fein, dann würde die Koalition als gelöst anzusehen sei«. 3n diesem Falle wären baldige Reuwahlen die notwendige Folge."
Ein Schritt zur (Steuerreform.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 14. Febr. Bei Verabschiedung des Gesetzes zur Aenderung des Einkommensteuer- gesehes am 2. November 1927 beschloß der Reichstag die Regierung zu ersuchen, einen Ausschuß einzusehen, um die Frage zu prüfen, ob die Einkommen st euerschähung en nicht nach dem dreijährigen Durchschnitt erfaßt werden könnten, was auch für die Körperschaftssteuer nur von Vorteil sein dürfte. Daraufhin hat der Reichsfinanzminister eine Kommission gebildet, die sich aus Vertretern des Reichsrats, des Reichstags, der Wissenschaft und der Praxis zusammenseht und die nun, wie bereits gemeldet, im Reichsfinanzministerium zusammentritt. Damit wird der erste Schritt zu der schon seit langem theoretisch erwogenen Steuerreform getan. Man darf dies auf jeden FaN begrüßen, denn zumal bei der Einkommensteuer hat die Praxis gezeigt, daß hier bei der Erhebung außerordentliche Schwierigkeiten bestehen, die nur auf der Kompliziertheit des Verwaltungswesens der Steuerbehörden, die in den verschiedenen Ländern sogar noch recht unterschiedlich sind, beruhen. So hat die Statistik z. D. festgestellt, daß dadurch sogar Verluste eintreten, die bei einem rationierten Steuerverfahren unbedingt vermieden werden könnten. Sn Ergänzung zu diesen Maßnahmen hat der Reichsfinanzminister ja bekanntlich seinerzeit auch noch einen Erlaß herausgegeben, der die steuerliche Berück- sichtigung der schwierigen Lage der Landwirtschaft verfolgt. U. a. ist damit ein System in der Behandlung besonders schwieriger Fälle gegeben, denen durch Stundungen und Herabsetzungen der Einkommen-, Umsatz- und Vermögenssteuer Rechnung getragen werden soll. Es entspricht den Tatsachen, daß die Finanzämter in diesen Tagen angewiesen werden, dem Erlaß des Reichsfinanzministers entsprechend zu handeln.
Zur Aussperrung in der Metallindustrie.
Berlin, 14. Febr. (WTD.) Der Reichs- arbeitsminister hat sich mit Rücksicht auf die drohende Ausdehnung des Kampfes in der mitteldeutschen Metallindustrie entschlossen, von Amts wegen ein neues Schlich tungsver- fahren einauleitcn. Die Verhandlungen finden voraussichtlich am Freitag, dem 17. Februar, im Reichsarbeitsministerium statt. — Der den Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften angehörende Gewerkverein deutscher Metallarbeiter erläßt heute eine Erklärung, in der es heißt: Der Hauptv»-rstand des Gewerkvereins deutscher Metallarbeiter erblickt in der Maßnahme des Gesamtverbandes deutscher Metallindustriellereinen Verstoß gegen bestehende Tarifverträge. Für die sich daraus ergebenden Folgen wird der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller die volle Verantwortung zu tragen haben. Die von der Aussperrung betroffenen Mitglieder des Gewerkvereins werden in der Verfechtung ihrer Tarifrechte volle Unter- stützung erfahren.
Das amerikanische Marineprogramm.
Kanonenpulver nützlicher als „Reispuder" sagt Mr. Wilbur.
Indianapolis. 14. Febr. (WB.) Der amerikanische Marinesekretär Wilbur führte in einer Rede aus. die Regierung werde mit Telegrammen, Briefen und Entschließungen überschüttet, in denen die Absender ihrer B e st ü r - zung über das neunjährige Marine- Programm zum Ausdruck bringen, dessen Ausführung 7 40 Millionen Dollar kosten würde. Wilbur bedauerte diese Kritik an der Regierung und erklärte, die Frauen gäben in den Vereinigten Staaten jährlich das Doppelte dieses Betrages fürVerschöne- rungsmittel aus. Kanonenpulver sei aber manchmal nützlicher als Reispuder.
Von zuständiger Stelle wird weiter erklärt, die Regierung sei der Auffassung, daß der Bau der in dem neuen Marineprogramm vorgesehenen 2 5 Kreuzer für die unmittelbaren Bedürfnisse ausreiche. Die Pläne für den Bau weiterer Zerstörer, Unterseeboote und Flugzeugmutterschiffe seien nicht so dringend. Es wird in unterrichteten Kreisen angenommen, daß der Präsident sich gegenüber Mitgliedern des Marineausschusses bed Repräsentantenhauses erneut gegen eine Belebung des Wettrüstens ausgesprochen und daß der Kongreß nur einen Teil der von der Marine ongeforderten Mittel bewilligen wird.
Vsquiih f.
London, 15. Febr. (WTB. Funkspruch.) Lord Oxford and Asquith, Premierminister des liberalen Kabinetts, das England in den Krieg führte, ist an einer schweren Bronchitis heute morgen gestorben. - Fast ein Vergessener, ist Asquith, der in seinen letzten, Lebensjahren Lord Oxford hieß, in Vereinsamung und Bitterkeit gestorben. And doch war er eine Persönlichkeit, die fast ein MensGeaalter hindurch das innerpott tische Leben Englands maßgebend beherrschte. Gladstone hatte ihn entdeckt und in verhältnismäßig jungen Jahren zum Innenminister gemacht. Rach dem Tode Campbell- Bannermans übernahm er 1908 die Führung der Partei und das Ministerpräsidium, das er tn den Krieg hinein führte, bis ihn Lloyd George, den er erst zum Schahkanzler gemacht hatte, aus seinem Amte verdrängte. Asquith war 'Imperialist und Sozialist, er war
Oer Wehretat keine Luxusausgabe.
Reichswehrminister Or. Groener im Haushaltsausschuß.
Berlin, 14. Febr. (VDZ.j 3m Haushalts- ausschuß erklärte Reichswehrminister Groener: Der Verlauf der Debatte hat ergeben, daß zwischen meinen Anschauungen und denen der meisten Abgeordneten eine weitgehende lleberein- stimmung herrscht. Das zeigt mir, daß ich den richtigen Kurs steuere. Wir werden uns bemühen, einen zuverlässigen und leistungsfähigen Offizierersatz zu erlangen, dessen Gesinnung über allen Zweifel erhaben ist. Für die Nichtabiturienten und Bolksschüler ist es schwierig, sich das nötige Bildungsniveau zu verschaffen; daß es möglich ist, zeigen mancherlei Beispiele. Dem Reichsheere gehören seit dem Bestehen im ganzen 209 ehemalige Unteroffiziere als Offiziere an. Ob es immer glücklich ist, darauf hinzuweisen, daß eine Anzahl Offiziere aus dem Unteroffizierstande stamme, ist mir sehr fraglich. Mit dem Moment, wo sie Offiziere geworden sind, sind sie vollwertige Offiziere. Wir dürfen keinen gesellschaftlichen Unterschied machen; damit würde die Einheitlichkeit und die gemeinsame kameradschaftliche Gesinnung, die alle umschlingt, völlig zerstört werden. Die Beförderung und die Besoldung sind nicht so glänzend, wie es vielfach geglaubt wird. Bei der Beförberuna zum Oberleutnant ist ein Durchschnittsalter von 27$ Jahren ermittelt, zum Hauptmann von 33 Jahren.
Rach den Erfahrungen des Weltkrieges und meiner festen innersten ilebergeugung ist es ungeheuer wichtig, daß die Führer jung gehalten werden, das, was wir jetzt aber bei unseren Beförderungsverhältnissen erleben, geht über die Sahre hinaus, die ich für den Aufbcru unserer Führung für zweckmäßig halte. Aus dem politischen Kampf der Meinungen muß die Reichswehr herausbleiben. Die Beziehungen zu den Bünden spielen immer noch eine Rolle. Durch die bekannte Verordnung ist aber
der Wehrmacht die politische Betätigung wie jegliche Zusammenarbeit mit politischen Vereinen verboten. Meine persönliche Einstellung zu den Bünden geht dahin, daß ich es nur begrüßen kann, wenn die Ertüchtigung unserer Jugend, ihre sportliche Ausbildung von allen gleichmäßig gut Betrieben würde und das Ziel wäre eine tüchtige, körperlich leistungsfähige. geistig freie Jugend heranzubilden. Mit ande.en Worten: die Grundlage zu schaffen für eine Ertüchtigung des ganzen Volkes, ©in abgesagter Feind bin ich aber von jeder Svldatenspielerei.
Das Reichsbanner Schwarz-Rvt- G o l d hat Polittschen Charakter und hat das auch wiederholt ausgesprochen. Der Arbeiter- Turn - und Spvrtbund bezeichnet sich selbst als auf dem Boden des Klasseickampses stehend. Die Kriegervereine haben ihren unparteilichen Charakter nicht nur betont, sondern bewiesen. Das Flaggen am Tage der Reichsgründung, das hier berührt wurde, ist vom Reichspräsidenten Ebert am 11. April 1921 angeordnet worden. Sch habe keine Absicht, an dieser Verordnung etwas zu ändern. Sch werde mich nie scheuen, von der Wehrmacht der Deutschen Republik zu sprechen. Sch hoffe, daß das auch von den Offizieren so ausgekaßt wird, daß es leine Schande ist, dem neuen Staate zu dienen. Der Wehretat ist keine Luxusausgabe und wenn wir sparen, müßten wir an einer weniger dringlichen Sache sparen. Die Reichswehr ist, wie ich mich bereits unterrichtet habe, viel besser als ihr Ruf. Sie dürfen wirklich das Vertrauen haben, daß die Reichswehr ein absolut zuverlässiges Snftrument der verfassungsmäßigen Regierung sein und bleiben wird.
Oie Steglitzer Schüleriragödie.
Berlin, 14. Febr. (WB.) Sm Krantzprozetz, der nach der Pause am Sonntag und Montag heute früh um 10 Ahr wieder begann, stellte der Verteidiger den Antrag auf Haftentlassung des Angeklagten, da nach dem bisherigen Verhandlungsergebnis fein hinreichender Verdacht auf Mord mehr bestehen könne. Das Gericht verkündete nach kurzer Beratung den Beschluß auf Haftentlassung des Angeklagten. Als erste Zeugin wurde dann die Mutter des Angeklagten, Frau Krantz, vernommen. Sie erklärt, ihr Sohn sei immer ein fleißiger Schüler gewesen. Sm Charakter habe er eine gewisse Weichheit gezeigt, dadurch habe sie sich auch in seiner Erziehung immer von Milde leiten lassen. Er habe immer viel gelesen und auch Gedichte gemacht. Don dem Gelde, das er durch Nachhilfestunden verdiente, habe er seiner Mutter stets ein kleines Geschenk mitgebracht. Als er das Einjährigenzeugnis erhalten hatte, habe er öfter einmal mit Freunden getrunken, war auch verschiedentlich betrunken, weil er nicht viel vertragen konnte. Die Eltern bemerkten dann, daß er unter dem Einfluß offenbar schlechter Freunde nachläfsigund unpünktlich wurde. Die Erlaubnis zum Aebersiedeln nach Mahlow habe ihm die Mutter zuerst .verweigert. Erst auf Verwendung des Günther Scheller habe sie ihn in das Landhaus Scheller nach Mcchlow ziehen lassen. Sie habe dann aber, als sie den schlechten Einfluß des Günther Scheller auf ihren Sohn bemerkte, verlangt, daß ihr Sohn zurückkomme. Er sei auch wirklich gekommen, aber da sie an diesem Tage nicht zu Hause gewesen fei, sei er bald wieder fortgegangen und wieder nach Mahlow gefahren.
Auf Befragen von Sachverständigen gab die Zeugin noch an, daß Paul Krantz als Kind von den Großeltern erzogen und dabei stark vergöttert worden fei. Er konnte als Kind schon vor seiner Schulzeit allerlei Gedichte auswendig, womit die Großeltern lyn gern Bekannten vorführten. Alle Leute sagten damals: Paulchen wird einmal ein großer ZRann.
Krantz war damals schwächlich und in seiner körperlichen Entwicklung etwas zurückgekommen. — Der Kaufmann Otto Scheller, der Vater der Hilde und des Günther Scheller, erklärt, er habe Krantz und seinem Sohn große Freiheiten gewährt, da er seinen Sohn zu kennen glaubte und sich sagte, daß solche Jungen, die unter dem Schulzwang stehen, das Abenteuerliche lieben und einmal frei für sich leben wollen. Als er die Gedichte des Krantz gelesen hatte, habe er seiner Tochter geraten, zurückhaltend zu sein, denn das Wissen des Krantz schien ihm etwas sehr vorgeschritten. Auf Bitten seiner Kinder habe er ein längeres Derweilen des Krantz in Mahlow gebilligt. Da er selbst geschäftlich viel fort war. habe er sich in Mahlow nicht viel um die jungen Leute kümmern können. Auf weiteres Befragen gibt der Zeuge an. er habe Wahrnehmungen gemacht, daß sein Sohn mit Freunden zuweilen getrunken hatte. Er habe davon gehört, daß sein Sohn ge
äußert habe, er woUe Hans Stephan eins a u s w i s ch e n. Er habe Stephan das Haus verboten, als er einmal sah, wie Stephan seine Tochter zu küssen versuchte. Später habe er Stephan noch einmal in seiner Wohnung angetroffen und sei darüber so erbost gewesen, daß er ihm eine Ohrfeige gegeben habe. Stephan habe noch öfter versucht, sich seiner Tochter zu nähern. Daß die beiden sich nach der Entzweiung Stephans und Günthers noch getroffen haben, sei ihm nicht bekannt gewesen.
Der beste Freund des Angeklagten Krantz, der Oberprimaner Karows ki, hält Krantz für einen impulsiven Menschen, der sich mehr vom Gefühl als vom Verstand leiten lasse. Günther Scheller dürfte von beiden der geisttg Führende gewesen sein, lieber Sel bstmordabsichten der beiden ist ihm nichts bekannt. Auf die Frage des Sacboerständigen Professor Spränget, ob sowohl der Zeuge als auch seine Kameraden der Ansiäst waren, daß Krantz wirklich in ironisch wegwerfender Weise über die Liebe zu Hilde Scheller gedacht habe, äußerte der Zeuge Karowski, er stehe auf dem Standpunkt, daß Krank bis in die letzten Tage tatsächlich so ironisch gedacht habe. Es könne sich aber in den allerletzten Tagen daran etwas geändert haben. — Der ILhäh- rige Maler und Graphiker Heinz Müller, der mH Günther Scheller bis zmn Jahre 1925 befreundet war, ist nach und nach durch den Verkehr mit Günther in schlechten Ruf gelangt und hat sich dann, wie er erklärt, zurückgezogen, da auch
feine (Eltern den weiteren Verkehr verboten.
Einmal fei er, der Zeuge, mit Günther in die Schel- lersche Wohnung gekommen, wo sie Hans Stephan mit Hilde antrafen. Hans Stephan fei ganz verstört gewesen und bald verschwunden. Günther, der etwas gesehen hatte, sagte: Das ist ja eine nette Bescherung. — Ein Nachbar der Familie Scheller berichtete, daß er bei feinem elfjährigen Sohne ein Buch sexuellen Inhalts gefunden habe, dos von Günther Scheller stammte. Er sei deshalb mit den Eltern Schellers in Verbindung getreten, um sie zu bitten, derartige Bücher einzuschließen. Frau Scheller habe ihm darauf einen Vortrag über von ihr vertretene andere Erziehungsmethoden gehalten. Der Zeuge hat dann seinem Sohn den Verkehr mit Günther Scheller verboten. — Di« Mutter G ü n- therSchellers will es nicht gebilligt haben, daß ihr Sohn das Buch gelesen und an andere Jungen weitergegeben habe. Günther habe sich mit Stephan entzweit, weil er die Möglichkeit zu weiterer Ausbildung im Autofahren und zur Erwerbung des Führeffcheins baburd) verloren habe, daß Stephan Günther bei bem Herrn, mit bem er bie Fahrten gemacht habe, oerbrängt hatte. Die Zeugin bestreitet, daß ihre Tochter Hilde vergnügungssüchtig sei und oft zum Tanzen gegangen wäre. Die Dinge, die mit Stephan und Krantz vorgefallen seien, habe Hilde Scheller ihrer Mutter erzählt und auch die Einzelheiten nicht verschwiegen, sie habe dabei aber nicht gesagt, baß sie der aktive Teil gewesen sei. Auf Frage bes Vetteibigers, wie die Mutter die Eröffnungen ihrer Tochter über die Vorfälle mit Krantz und Stephan aufgenommen habe, sagt Frau Scheller, sie habe sich bemüht, ihre Tochter wieder auf den rechten Weg zurückzuführen.
wohl auch zu klug, um nicht zu sehen, welche Gefahren auch ein siegreicher Krieg für England haben könnte. Shm wurde deshalb vorgeworsen, daß er die Kriegführung nicht energisch betrieb, so daß er ein Opfer der Tatkraft Lloyd Georges wurde. Seit den Zeiten datiert die erbitterte Feindschaft zwischen den beiden Führern der Liberalen, die teilweise bis hart an den Bruch der Partei heranging und zuletzt dazu führte, das Asquith die Leitung der Partei niederlegte, sich gleichzeitig aber auch ganz aus dem polittschen Leben zurückzog. Für die englische Politik wird mit seinem Namen die Lösung der irischen Frage verbunden bleiben, für die Weltpolitik trägt er als Ministerpräsident die Derantwortung für die englische Kriegs- polittk; wenn auch Wohl kein Zweifel mehr darüber besteht, daß er von den Bindungen, die England vorher auf sich genommen hatte, nichts wußte und mehr seinem Vertrauen zu seinem Außenminister Edward Grey zum Opfer gefallen ist.
Dom Schulkreuzer „Berlin".
Schulkreuzer „Berlin" ist am 13. Februar von Trinkonomali (Zeylon) nach Rangoon (Sn- bien) in See gegangen.
Aus aller Wett.
Millionenbetrug am Reich.
Ein Betrugsskandal von ungeheurem Ausmaß, durch den das Deutsche Reich um Millionenbeträge geschädigt worden ist, beschäftigt zur Zeit die Berliner Staatsanwaltschaft. Es konnte ermittelt werben, baß seit länger als einem Jahr große Betrügereien mit Kriegsanleihe-Altbesitz anmelbungen verübt worden sind. Als einer der Hauptschuldigen wurde der aus dem großen Moabiter Aktenschiebungsprozeß bekannte Bankier Kunert verhaftet. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Kunert in fortgesetzter Handlung, auf betrügerische Weise Äriegs- anleihe-Neubesitz als Altbesitz angemeldet und somit das Reich um außerordentlich hohe Beträge geschädigt. Der Unterschieb zwischen Altbesitz und Neubesitz spielt bei der Aufwertung der Kriegsanleihe deshalb eine besonders große Rolle, weil die Altbesitzer eine fünfmal s o hohe Aufwertung erhalten als bie Neubesitzer.
Mtlerungsumschlag im Schwarzwald.
Die durch starke Schneefälle und Wintergewitter gekennzeichnete Witterung der letzten Tage ist im Laufe der Nacht zum Dienstag umge
schlagen. Die Temperaturen sind im allgemeinen stark gestiegen und liegen auch auf dem Hochschwarzwald mehrere Grade über Null. Der Schnee ist in Regen übergegangen. Die Wasserläufe des südlichen Schwarzwaldes sind bereits im Steigen begriffen. Auch der Wasserstand des Oberrheins ist um einen halben Meter gestiegen.
(Ein Skifahrer löblich verunglückt.
M a c t i g n h (Kanton Wallis), 14. Febr. (WB.) Drei Genfer Skifahrer stiegen am Freitag zur Montfort-Hütte empor, wo sie e i n geschneit wurden. Am Dienstag morgen entschlossen sie sich zur Abfahrt. Dabei wurde einer von ihnen, der Präsident des Stadtrates von Gens, Grohrat und Fürsprecher Marcel Brunel. von einer kleinen Lawine verschüttet. Seine Kameraden fuhren zu Tal, wo sie die Rettungskolonne mobilisierten. Er konnte jedoch nur noch als Leiche geborgen werden.
Der Typhus in Hagen.
Nachdem am Samstag und Sonntag zehn Personen wegen Typhusverdachtes ins Krankenhaus eingeliefert worden waren, hat sich bie Gesamtzahl aller an Typhus Erkrankten auf 65 erhöht. Die Zahl ber Todesfälle beträgt elf.
Grohfcuer in einem Schiffsneubau.
Sn dem Neubau des für die Hamburg- Amerika-Linie bestimmten Dampfers „Los Angeles" brach auf der Deutschen Werst in Finkenwärder Feuer aus, zu dessen Bekämpfung fünf Löschzüge und ein Löschboot aufgeboten wurden. Ein ungeheuerer Qualm, aus dem auch Helle Flammen herausschlugen, erschwerte das Dordringen an den Brandherd, der sich im vorderen Schiff befand. Stundenlang mühten sich die Mannschaften ab, des Feuers Herr zu werden. Erst nach Mitternacht konnten drei Lösch- züge zurückgezogen werden. Sm ganzen wurden zwölf Rohrleitungen angelegt, die ungeheure Waffermassen in das Schiff schleuderten, das großen Schaden erlitten hat.
Der Kampf gegen bas Schneeballsystem.
Sm Zusammenhang mit der Bergmannschen Schwindelafsäre hat die Polizei in der letzten Zeit ihr erhöhtes Augenmerk auch auf den Unfug des Schneeballsystems gelenkt, und es ist ihr dabei gelungen, nicht weniger als 15 Schneeballgeschäfte in Berlin aufzudecken. Die Betriebe sind geschlossen worden und gegen sämtliche Firmeninhaber derartiger Geschäfte Verfahren bei der Staatsanwaltschaft eingeleitet worden. Sn der Mehrzahl sind es Ausländer, und insbesondere Holländer, die diese Geschäfte betrieben haben, und sie haben mit ihrem System unzählig viele Dumme bettogen, die trotz der immer wieder ergangenen Warnungen und Aufklärungen jedesmal wieder auf den Leim der Schwindler gekrochen sind. Die Festgenommenen werden sich wegen Betruges und wegen verbotenen Glücksspiels und wegen Vergehens gegen das Lotteriegesetz zu verantworten haben.
3roei Bergleute löblich verunglückt.
Aus der Kruppschen Zeche »Hannibal", Schacht I. in Bochum, sind zwei Bergleute beim A b - teufen in den Stapel hinabgestürzt und konnten nur als Leichen geborgen werden. Beide waren verheiratet. Während der eine Frau und zwei Kinder hinterläßt, ist die Frau des anderen erst vor 14 Tagen gestorben. Dieser Marm hinterläßt zwei Seine Kinder.
Oie Wetterlage.
©wolkenlos 0neuer, onaro bedeckt, ® woikio. > oedecn. eireorw
* Schnee ä Graupeln eHebel K Gewitter,© Windstille. -O-> seht leichter O$i massiger Südsüdwest q stürmische» nordwesl Oie Ptene fliegen mu dem winde. Oie oeiden Stationen stenenoen Zafr ten geben die Temperatur an. Oie Linien verbinden Orte mU^jieldicA eutneeresniveau umocrechnetz/» Luftdruck
Wettervoraussage.
Die milde, ozsamsche Luftzufuhr läßt die Temperaturen noch etwas weiter ansteigen. Da mit der Fortbewegung des Nordmeertiefs ein« weitere Zufuhr von feuchtwarmen Luftmaffen verbunden ist, so erfährt die Wetterlage zunächst wenig Aende- rung. Mildes, neblig-wolkiges Wetter, verbunden mit vorübergehender Bewölkungsabnahme !onne einzelnen Re gen fällen ist zu erwarten. Später nach Beendigung der Warmluftzufuhr wird wieder allgemein Temperaturrückgang einsetzen.
Wettervoraussage für Donnerstag: Weiterhin wolkiges, mildes Wetter und vereinzelte Niederschläge.
. W i t t e r un g s a u s si ch te n für Freitag: Neblig-wolkig, auch vielfach vorübergehend ausklo- rend; Temperaturrückgang und vorwiegend trocken.
Lufttemperaturen am 14. Februar: mittags 9,7 Grad Celsius, abends 7,4 Grad Celsius; am 15. Februar: morgens 6,4 Grad Celsius. Maximum 10,2 Grad Celsius, Minimum 5,3 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 14. Februar: abends 4,8 Grad Celsius; am 15. Februar: morgens 4,3 Grad Celsius. — Niederschläge: 1,8 Millimeter. — Sonnenscheinbauer: brei Viertel- stunben.


