Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 15. Februar 1928.
Hütet Euch vor Gasvergiftung!
Die zahlreichen, beinahe täglichen Unglücksfälle, die durch unabsichtliche oder absichtliche Einatmung von Leuchtgas Leben und Gesundheit vieler Menschen bedrohen, lassen es ratsam erscheinen, auf das Wesen und die Verhüt u n g s m ö g l i ch k e i t e n der Leuchtgasvergiftung besonders hinzuweisen.
Bei der Vergiftung mit Leuchtgas handelt es sich im engeren Sinne um eine Vergiftung mit Kohlenoxyd, das, je nach der Art der Gewinnung, im Leuchtgas zu 6 bis 25 Prozent enthalten ist. Gelangt dieses Kohlenoxyd durch länger dauernde Einatmung in größeren Mengen in die Lunge, so tritt es durch deren Vermittlung ins Blut über, sprengt dort die an sich lockere Verbindung des Blutfarbstoffes mit dem Sauerstoff und setzt sich an seine Stelle. Mangel an Sauerstoff ist aber bekanntlich unvereinbar mit der Lebenstätigkeit des Körpers. Glücklicherweise führt erst die Einatmung eines immerhin beträchtlichen Quantums von Kohlenoxyd dazu, dem Blut so viel Sauerstoff wegzunehmen, daß es zu Vergiftungserscheinungen kommt. Unsere Vase, die den Gasgeruch wohrnimmt, ist uns auch hier zum „Wächter der Gesundheit gesetzt. Allein auch sie kann gelegentlich uns den Dienst versagen, nämlich dann, wenn, wie es bisweilen bei Rohrbrüchen vorkommt, das Leuchtgas vor dem Eintritt in den Wohnraum erst Erd- oder Fehlboden passiert, an dem diese Geruchstoffe haften bleiben.
Aus allen diesen Gründen ist es daher wichtig, zu wissen, wie man sich gegen Leuchtgasvergiftung schützen kann. Zunächst sollte man darauf bedacht sein, alle möglichen Gefahrquellen auszuschalten:
1. Man sorge dafür, daß vor Abschlietzen des Haupthahns alle Cn^zelflammen gelöscht werden.
2. Man prüfe Rohrleitungen und Schläuche auf Undichtigkeiten und achte besonders darauf, daß Schläuche, die zur Verbindung mit Gaskochern, Gasöfen, Plätteisen usw. dienen, so befestigt sind, daß ein Abgleiten unmöglich ist.
3. Für die gefahrenfreien Anlagen von Gasöfen usw. in bezug auf Absetzung wird heutzutage durch die Gasanstalten und Behörden mit großer Aufmerksamkeit gesorgt.
4. Gasbeleuchtung oder gar Gasheizung im Schlafzimmer sollte man möglichst überhaupt vermeiden. 3m letzteren Falle ist ein wertvoller Schuh das auch aus gesundheitlichen Gründen sehr zu empfehlende Schlafen bei offenem Fenster.
Wenn trotz Innehaltung dieser Vorsichtsmaßregeln es durch unabwendbare Tlnglücksfälle doch zu einer Gasvergiftung kommt, so ist schnelle Hilfe dabei wichtigstes Erfordernis. Daß man so rasch als möglich für ärztliche Hilfe sorgen muh, ist selbstverständlich. Allein zweckmäßiges Verhalten bis zum Eintreffen des Arztes kann häufig eine wichtige und wertvolle Hilfe sein. Diese besteht etwa in folgendem:
1. Man betrete einen mit GaS angefüllten Raum zunächst mit angehaltenem Atem oder binde sich, toerm Zeit dazu, ein feuchtes Tuch vor den Mund, das für einige Atemzüge die giftigen Gase festhält.
2. Man öffne möglichst unverzüglich ein Fenster oder schlage es mit der in ein Taschentuch gewickelten Faust ein.
3. Einen etwa offenstehenden Gashahn schließe man sofort.
4. Da das Ziel der Hilfeleistung die Zufuhr von Sauerstoff sein muh, suche man ten Verunglückten aus dem gasgefüllten Raum schleunigst ins Freie zu bringen.
5. Künstliche Atmung und nach ihrem Einsehen, oder aber, wenn sie noch erhalten, unmittelbare Zufuhr reinen Sauerstofses wird in vielen Fällen das Leben wieder zurückbringen können. Dr. K.
Taten für Donnerstag, 16. Februar.
Sonnaufgang 7.14 Ufjr, Sonnenuntergang 17,15 ilfjr. — Mondaufgang 3.58 Tlhr, Monduntergang 11.43 Uhr.
1497: Philipp Melanchthon in Bretten geb. (gest. 1560). _— 1620: Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, in Kölln a. d. Spree geboren (gest. 1688). — 1834: Der Raturforscher Ernst Häckel in Potsdam geb. (gest. 1919). — 1871: Kapitulation von Belfort. — 1891: Der Rasseforscher Hans Günther in Freiburg im Dreisgau geb. — 1920: Koburg wird Bayern einverleibt. — 1923: Das Memelgebiet kommt unter litauische Oberhoheit.
Bornotizen.
— Tageskalender Mittwoch: Stadttheater: 7.30 Uhr „Peer Ghnt" (Ende 10.45 Uhr). — Vortrags-Vereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der Universität, Lichtbilder-Vortrag. — Lichtspielhaus. Babichofstraße: „Höhere Tächter". — Astoria- Lichtspiele: „Die Opium-Höhle von Hc. <?aii“.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Die für Sonntag, 19. Februar, ursprünglich geplante Ausführung von „Sommernachtstraum" als Fremdenvorstellung muß verschoben teerten, da das Orchester nicht verfügbar ist. Es wird dafür die hochspannende Kriminalkomödie „Der Hexer" gegeben, die, wie überall, so auch hier bei den bisherigen Aufführungen einen Sensationserfolg erzielt hat. Da aber das Stück noch nicht durch das ganze Abonnement gegangen ist, müssen für diesen Sonntag „Gewöhnliche Preise" gelten. Der Anfang der Vorstellung bleibt aber wie bei den Fremdenvorstellungen auf 6 Uhr bestehen, da er sich gut bewährt hat.
— Volk in Vvt. Vom Verein Deutscher Studenten wird uns geschrieben: Am Freitag, 17. Februar, abends 8'-t Uhr, spricht auf Einladung des Vereins Deutscher Studenten der bekannte österreichische Generalstabsoffizier und verdiente Oberbefehlshaber des Tiroler Frontabschnitts im Weltkrieg, Oberstleutnant Leon aus Wien, über Land und Leute, Geschichte und Schicksal Südtirols. Vc allen Grenzlanden, die vom staatlich organisierten Siedlungsboden des deutschen Volkes durch die Pariser Schandverträge des Jahres 1919 losgerissen wurden, ist Süd tirol heute das bedräng teste und bedrohteste. In keinem anderen europäischen Staate haben sich Kriegspsychose und Siegerwillkür so un
vermindert und rücksichtslos erhalten, als in Südtirol. Mit allem Fanatismus, dessen der Faszismus und die Gewaltherrschast seines römischen Diktators fähig sind, wird der Vernichtungskrieg gegen deutsches Wesen und deutsche Kultur in Südtirol seit vielen Jahren schon geführt. Aber immer noch widersteht das kampferprobte, furchtlose Südtiroler Volk menschenunwürdiger Unterdrückung: trotz Schmach und Terror stehen sie treu in schicksalhafter Verbundenheit zum deutschen Muttervolk. Unsere Pflicht ist es, es nicht zu vergessen. AuS berufenem Munde wird der Gießener Bürgerschaft am Freitag Gelegenheit gegeben sein, von einem der verdientesten Söhne dieses schönen Landes, den Mussolinis Machtspruch aus ter Heimat vertrieb, die Rot unserer Südtiroler Volksgenossen kennenzulernen. Eine stattliche Reihe selbst aufgenommener Lichtbilder werden die eigenartige Schönheit und die erhabene Bergwelt dieses Landes eindringlich vor Augen führen. (Siehe heutige Anzeige.)
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** Der Provinzialausschuß Ober« Hessen hält am nächsten Samstag, 18. Februar, vormittags 8.30 Uhr beginnend, im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, eine öffentliche Sitzung ab mit folgender Tagesordnung: 1. Berufung des Kreisdirektors des Kreises Gießen gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 27. August 1927 i. S. Vergütung des Bürgermeisters der Gemeinde Großen - Linden. 2. Klage des Wilhelm Becker zu Großen-Linden auf Aufhebung des Bescheids des Kreisamts Gießen vom 29. Dezember 1927 wegen Versagung einer Legitimationskarte. 3. Berufung des Ministers des Innern gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 29. Januar 1927 i.S. Klage des Heinrich Häuser III. zu Burkhardsfelden wegen Entschädigung für ein an Maul- und Klauenseuche gefallenes Rind: hier: Kostenurteil. 4. Berufungen a) der Gemeinde Ranstadt und b) des Fritz Wei- mann und Genossen gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Büdingen, betr.: Ortsbürgernutzen in Ranstadt: hier: Klage des Fritz Weimann und Genossen gegen die Gemeinde Ranstadt. 5. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Frankfurt am Main gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Alsfeld auf Erstattung von Pflegekosten für Irmgard Heuser, geb. 25.Iuni 1925, Tochter der Emilie Etling geb. Heuser.
** Verkehrsverein Gießen. Der in der jüngsten Generalversammlung gewählte Ausschuß des Gießener Verkehrsvereins hat in seiner gestrigen Sitzung den geschäftssührenden V o r st a n d des Vereins wie folgt bestimmt: Stadtv. Schwieder 1. Vorsitzender, Kaufmann C. Frensdorf 2. Vorsitzender, Derwaltungs- sekretär Maus Schriftführer, Kaufmann Loeb Rechner, Redakteur B l u m s ch e i n, Beigeordneter Dr. Hamm und Hotelier Schwab Beisitzer.
*" Anlagenkonzert findet morgen, Donnerstag, vormittags 11.30 Ahr am Liebig-Denkmal durch das Musikkorps des 1. (Hessischen) Grenadier-Bataillons, 15. Infanterie-Regiments, unter Leitung von Obermusikmeister L ö b e r statt. (Rur bei günstiger Witterung.) VortraoS- folge: 1. Armeemarsch II, Vr. 195. „Der König- gräher Marsch" G. Piefke, 2. Ouvertüre zur Oper: „Die diebische Elster" G. Rossini, 3. Große
Fantasie auS dem Wufikdrama: .DaS Rhein- gold" R. Wagner, 4. „Rhetnwellenl- Walzer, W. Löber, 5. Kürassiermarsch „Großer Kurfürst" W. v. Eimon.
** Desih wechsel. Das Anwesen „Zum Ritter". Mäusburg 14, bisher der Firma Gebr. Adami gehörig, ging in den Besitz der Firma Lang & Wiederstein. Porzellanhaus, über. Die Erwerberin toill das Haus, wie man hört, für ihre Zwecke modern um- oder neu aufbauen.
*' Eine Achtzigjährige. Am morgigen Tage begeht die Hebamme Frau Lina Herbert Wwe.. Katharinengasse 10 wohnhaft, ihren 80. Geburtstag in voller körperlicher und geistiger Frische. Frau Herbert ist geborene Gießenerin und übt ihren verantwortlichen Beruf schon seit Jahrzehnten und bis heute noch aus.
" Die 5 reite. S a ni t ä t sk olv n n e vom Roten Kreuz in Gießen tourte im verflossenen Dereinsjahre 1927 insgesamt zu 3225 Hilfeleistungen (im Jahre vorher 3182) herangezogen. Darunter waren Krankentransporte 1555 (1532), Transporte mit dem Krankenkrastwagen ter Kolonne 827 ( 386), mit dem städtischen Krankenkraftwagen 230 (342), mit der fahrbaren Trage 298 (506), mit dem Fahrstuhl 136 (274), mit Privatkraftwagen 11 (24), sonstige 53. Es hantelte sich bei diesen Fällen um Knochenbrüche 145 (112), innere Erkrankungen 574 (566), ansteckende Krankheiten 37 (20), Frauenkrankheiten 187 (165), Blinddarm- und Bauchfell 166 (185), Verven- und Geisteskranke 183 (224), sonstige Verletzungen 263 (262). Don den Hilsstesinfä- toren ter Kolonne tourten in 40 Fällen Desinfektionen ausgeführt. Deim ilmbetten und Daten von Schtoerkranken tourte die Hilfe von Kolonnenmitglietern in 18 Fällen in Anspruch genommen. Kranken -Nachtwachen tourten 12 gestellt. Aus der Verleihanstalt für Krankenpflegegeräte tourten insgesamt 254 (250) Geräte ausgeliehen: diese Verleihanstalt tourte im Der ich ts- jahre wesentlich erweitert. Die Sanitätskolvnne zählte zu Beginn des Jahres 1927 insgesamt 78 Mitglieder, am Schlüsse des Berichtsjahres 90: inaktive Mitglieder zählt die Kolonne 12. Vorsitzender ist Oberregierungsrat Dr. Heß, Kolonnenärzte sind Dr. med. ® r o i« und Dr. med. Veumann-Spengel, Kolonnen führer L Kratz, dessen Stellvertreter K. Graulich.
•* Der Evang. Arbeiterverein hielt am Sonntag im Vereinslokal seine Hauptver- sammlung ab. Vach dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht zählt ter Verein 206 Mitglieder. Die Finanzverhältnisse sind zufriedenstellend. Außer belehrenden und geselligen Veranstaltungen hat ter Verein auch im letzten Jahre auf sozialem Gebiet wesentliches geleistet. Der Zusammenschluß mit den benachbarten Vereinen und der Anschluß an den Verband haben den Verein im abgelaufenen Vereinsjahr ein gutes Stück vorwärts gebracht. Die Veuwahl des Vorstandes ergab einstimmige Wiederwahl ter ausscheidenden Mitglieder, neugewählt wurde Polizeiwachtmeister i. R. Schäfer. Anschließend an die Hauptversammlung fand ein gemütliches Zusammensein statt, wobei ter Frauenchor des Vereins durch Liedervorträge erfreute.
** Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Nieder-Erlenbach (Kreis Friedberg) ausgebrochen.
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M politische im (Dritiif
hat and) bas Wirtschaftsleben dieser Luder. deren köstlichste Gabe der Tabak ist, völlig um- gestaltet. - Eine moderne Völkerwanderung verpflanzte mit zahllosen Ärtsgemeinschast ten and) ganze Tabakkulturen von einem Gebiet ins andere
^rese Umfdjidjtung veranlaßte den Ehef unseres Hauses als sahnenden §^akfachrnann.die neuen Ven hältniffe auf mehrmonatiger Grieutreist zu studieren und bei Leistungsfähigen DibakLauern eme Auswahl unter den edelsten Sorten persönlich zu treffen. Lkr smü damit in der Hage unsere altbewährten Marken in einer (Qualität zu bringen, die in seiner Abtönung dem Zeitgeschmack aufs gluck- üchste entspricht-.
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Waldorf A^oria.


