Oberhessen.
Landkreis Gietzerr.
j) Lich, 14. Juli. Morgen, Sonntag, wird auf dem Hardtbergs das 2u ae nd fe ft gefeiert. Nach den Gepflogenheiten der Vorjahre stellt sich nach- mitags am Rathaus unter Beteiligung der Schuljugend und aller hiesigen Vereine ein Festzug auf, der unter Vorantritt der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Lich nach dem Festplatze marschiert. Ansprachen, (Sesanasvorträge der hiesigen Gesangvereine, turnerische Vorführungen des Turn- uereins, Jugendspiele und Konzert der Kapelle werden für genußreiche Abwechselung sorgen. Der F e st g o t t e s d i c n st in der Stiftskirche findet mittags 12.45 Uhr statt.
' Lich, l4.Juli. Am Montag, 16.Juli, findet in Lich der allbekannte Sommer markt (Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt) statt. Mit dem Markt ist eine Prämiierung und Schafbockversteigerung verbunden. Da die hiesigen Märkte in den letzten Jahren sich eines zunehmenden Besuchs erfreuten, ist auch jetzt wieder mit einem starken Auftrieb zu rechnen. Auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei Lich im Anzeigenteil sei besondere hingewiesen.
-Lieh, 13.Juli. An ein und demselben Tag, am 10. Juli, konnten in voller körperlicher und geistiger Frische zwei Frauen unserer Gemeinde, Frau F. L. F i s ch e r Wwe. und Frau Ehr. Stotz Wwe. das 80. Lebensjahr vollenden. Der Posaunenchor brachte beiden Geburtstagskindern am Abend ein Ständchen dar. Zwei Tage darauf konnte Frau Lehrer Sauer in bester Gesundheit ihren 89. G e - burtstag feiern. Die große Zahl hpchbetagter Gemeindemitglieder ist gewiß auch ein Zeichen für das gesunde Klima unseres Städtchens.
Hreis Schotten.
; Aus dem Niddatal. 13. Juli. Mit dem Umbau der elekirischen Ortsnetze werden auch die Hausleitungen einer eingehenden Prüfung unterzogen. (Sämtliche Zink- Drähte, die während und unmittelbar nach Dem Kriege verlegt wurden, müssen durch Kupfer- leitungen ersetzt werden. 3m Weigerungsfälle werden die beanstandeten Leitungen abgeschnitten. Den davon betroffenen Hausbesitzern erwachsen durch die Neuausgaben doppelte 3nstallations- kosten. Die Ortsbeleuchtung, die in den meisten Dörfern ungenügend war, weil die Brennstellen unpraktisch angelegt und geringterzige Lichtbirnen Verwendung fanden, erfährt eine zweckentsprechende Verbesserung. Die hinderlichen Holzmasten verschwinden, wo es möglich ist, die Lampen werden über der Skrahenmifte angebracht. Kerzen von größerer Lichtstärke kommen zur Benutzung. Manche Gemeinden sind dazu überaegangen, besonders gefährliche Stellen im Ortsbereich während der ganzen Nacht zu beleuchten. Bei dem Strompreis von 10 Pf. pro Kilowattstunde — der Grundpreis ist entsprechend gestiegen — fällt der gesteigerte Stromverbrauch finanziell kaum ins Gewicht. Die Neuregelung oes (Strompreises hat vielfach, namentlich unter der Landbevölkerung, Unwillen erzeugt. Die Ortsbeleuchtungen haben sich aber dadurch wesentlich verbessert und werden in dieser Hinsicht weitere Fortschritte auszuwetsen haben, was im Interesse der Allgemeinheit nur begrüßt werden kann. Die elektrischen L i ch t u hren, die selbsttätig das Ein- nnd Äusschalten der Ortsbeleuchtung vornehmen, werde,: jetzt in den Transformatorenhäuschen angebracht.
Kreis Alsfeld.
.6s* AlSfeld, 13. 3ult Aus der Stadt- vorstandsihung: 3n der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung gelangte zunächst der Voranschlag der Oberrealschule und der höheren Bürger-Mädchenschule für .das Rechnungsjahr 1929 zur Beratung. Darnach *beträgt der Zuschuß der Stadt zur Oberrealschule
40 432 Mk., wovon 10 600 Mk. auf die sachlichen Ausgaben entfallen. Einer Mehreinnahme aus Schulgeld stehen Mehrausgaben infolge der Bs° soldungserhöhung gegenüber. Der Voranschlag wurde gemäß dem Beschluß der Finanzkommission aenebmigt, ebenso der Voranschlag der höheren Mädchenschule, jedoch mit dem Vorbehalt, daß die darin angesetzten Beträge nicht zur Aus- wirkuna kommen, nachdem die Schülerinnen bis auf Weiteres mit den entsprechenden Klassen der Oberrealschule vereinigt sind. — Ein von der Oberpostdirektion Darmstadt vorgelegicr Nachtragsvertrpg wegen des Posthausneubaues wurde genehmigt Der Nach-
MSwe im Sturm.
ZRommi von Sophie Kloerß.
14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Scheußlich. Ja, man muß heutzutage etwas durchmachen. Was meint ihr, wie es uns gegangen ist? Vor einem Jahr war ich so weit, daß es eine Katastrophe bedeutete, wenn ich mir die Stiefel besohlen lassen mußte. Ja, ich wußte, warum ich heiratete. Uebrigens — mein Mann war Hauptmann der Reserve. Lag in Meiningen Im Lazarett mit Beinschuß — daß ihr nicht etwa denkt, wir haben uns durch den Heiratsvermittler gefunden. .Reicher Fabrikbesitzer wünscht aristokratische Heirat.' -- Was lartsst du so, Elena? Kommt oster vor, als du denkst. Nein, bei uns war alles ganz korrekt. Und mir leben glänzend zusammen." Sie strahlte von Wohlwollen und Zufriedenheit, und die langen Brillanthänaer in den Ohren strahlten ebenso. Als sie Gast auf Elena» Hochzeit war, hatte sie ganz beslveiden Ametdysten getragen.
„ha, der Fredi schrieb mir außer der eigenen Not auch die eure. Daß der liebe Sergei einmal wieder ganx unten ist und beinahe reif für die Fremdenlegion. Daß ihr hier am Starnberger See säßet nnb verhungern wolltet — Ihr seht übrigens noch gar nicht so aus."
„Dank dem Pratklops geht es immer noch."
„Jedenfalls spürte ich den Wink mit dem Zaun- psahl und beschloß, mich nach euch umzu|el)en. Herr Schulz mußte gesrtMlich nach Bamberg, da fuhr ich mit Ihm und gleich ein wenig weiter. — Also nun schüttet eure Sorgenlast einmal aus. Aber das sage ich euch gleich, Ich bin sehr dafür, daß die Menschen sich auch selber helfen, denen ich helfen soll."
Elena hob den Kops mit kurzem Ruck. „Und wie sollen wir uns nach deiner Meinung helfen?"
..Da» müßt ihr selber wissen. Wer will, dem tut sich immer ein Weg auf."
„Wie Herrn Schulze?^
Die Hoheit lachte ganz unbeleidigt. ..Du würdest nicht zu ihm passen, gewiß nicht. Und über- Haupt —" Sie sah die schöne Nichte mit einem langen prüfenden Blick an. „Lallen wir das Abe- für Mario wäre eine Heirat —*
tra gSvcrtrag stellt lediglich eine Ausführung und Ergänzung der Hauptvertrags vom 23. Februar 1928 dar. Mit den vorgelegten endgültigen Plänen für den Neubau, die im Sitzungssaal ausgehängt waren und von dem Stadtbaumeister erläutert wurden, erklärte sich die Versammlung einverstanden. — Einführung der Neichsverdingungsorb- nung: Wie der Vorsitzende dazu ausführte, seien bereits seither schon deren Bestimmungen bei Vergebung von städtischen Leistungen zur Anwendung gekommen, es sollte jetzt noch ein formeller entsprechender Beschluß gefaßt werden. Es wurde demgemäß beschlossen, die Reichsverdingungsordnung bei Ausschreibungen und Vergebungen aller städtischen Arbeiten und Lieferungen zur Anwendung zu bringen. — Der Punkt der Tagesordnung, Verpachtung des alten Elektrizitätswerks, bzw. Genehmigung zur Untervermietung wurde aus Vorschlag des Vorsitzenden zur Verhandlung in die nichtöffentliche Sitzung verwiesen. Der seitherige Pächter will den Vertrag kündigen, wenn ihm nicht die Genehmigung zur Untervermietung von der Stadt erteilt 'wird. — Zu einem Gesuch des Alsfelder Schwimmvereins wegen Aeberlassung des städtischen Schwimmbades zu älebungszwecken wurde beschlossen, den Alsfelder Vereinen, welche den Schwimmsport betreiben wollen, das Schwimmbad auf Antrag an Sonntagvormittagen in der Zeit von 7—12 Ahr gegen Bezahlung der festgesetzten Badepreise bis auf Weiteres widerruflich zur Verfügung zu stellen. — Ein Gesuch des Gewerbelehrers Franz Seyffarth um Niederlegung eines käuflich erworbenen Hauses wurde gemäß Art. 2 Ziffer a der hessischen Ausführungsverordnung vom 1. Oktober 1924 brtr. die Ausführung des Wohnungsmangelgesetzes genehmigt unter der Bedingung, daß der Gesucysteller nach der Fertigstellung des Anbaues eine Dreizimmerwohnung mit Küche dem Wohnungsamt zur Verfügung stellt. — Bei dem nächsten Punkte der Tagesordnung: Anschaffung eines Straßen- sprengwagens entspann sich eine längere Debatte, die schließlich ziemlich erregte Formen annahm. Es drehte sich dabei um die Frage, ob ein Automobilsprengwagen oder ein solcher mit Pferdebetrieb angeschafft werden sollte. Während die Vertreter der Linken für die Anschaffung des ersteren eintraten, wünschten die Vertreter der rechten Parteien die Anschaffung eines Pfevdewagens unter Hinweis auf die hohen Kosten eines Autosvrengwagens und dessen Unterhaltung und Bedienung. Der geringste Preis für einen Motorsprengwagen in der geforderten Größe beträgt etwa 12 000 Mk. 3m Laufe der Debatte, als zur Abstimmung geschritten werden sollte, entfernten sich die Vertreter der sozialdemokratischen Partei, wodurch die Versammlung beschlußunfähig wurde. Die Sitzung mußte daraufhin geschlossen werben. Wie der Vorsitzende ankündigte, findet am nächsten Dienstag eine erneute Sitzung statt, die alsdann ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen beschlußfähig ist, in welcher die Angelegenheit endgültig ihre Erledigung finden soll, ebenso der Rest der nicht erledigten Tagesordnung.
--er. Homberg a. d. Ohm, 13.3uli. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung die Aufstellung einer automatisch-elektrischen Turmuhr auf dem Rathausturm. Die Neuerung ist um deswillen besonders bemerkenswert, weil die Uhr nicht nur ganze, sondern auch halbe Stunden schlagen wird, und weil sie zwei Zifferblätter aufweist, während die alte Stadtuhr kein Zifferblatt hat und nur ganze Stunden schlägt. — Bei dem 35. Bundesfeste des Lahntal-SängerbundeS, das dieser Tage in Kirchhain gefeiert wurde, erhielten Mitglieder des hiesigen Gesangvereins „grauen lob" ehrenvolle Auszeichnungen. Die drei ältesten aktivenSängerdes Gesangvereins „grauem* lob“ wurden von einem Vertreter des Hessischen Sängerbundes wie folgt geehrt: Den Deutschen Ghrenbrief für 50jährige aktive Mitgliedschaft erhielt Georg Wilhelm II., eine künstlerische Arkunde wurde den Sängern Eberhard Schildwächter und Daniel Kraus VII. anläßlich ihrer 40jährigen Mit- gliedschast ausgehändigt. Das Veisvtel dieser verdienstvollen Sängerveteranen sollte andere stimmbegabte Bürger, insbesondere die jungen Leute, anregen, ihre Kräfte ebenfalls in den Dienst des deutschen Liedes zu stellen.
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„Ich verzichte von vornherein."
„Es muß euch noch nicht so übermäßig schlecht gegangen sein. — Hast du etwa andere Aussichten,
Die sann einen Augenblick noch „Ich habe immer ein kleines Zeicheirtalent gehabt. Ob sich das aus. bilden ließe? So daß es mir weiterhilst?"
„Davon verstehe ich nichts. Könnt Ihr da nicht in München Nachfragen?"
- Maria hat ihre Beziehunatn, die ihr Helten werden, wenn sie wirklich an solch abenteuerlichen Weg denkt. Ich — ich könnte ja Mannequin werden. — Warum nicht? Olga Woronzosf ist Verkäuferin in einem Pariser Modesalon. Und Sergeis Kusinen .Yeiiia und Alix bedienten in Bukarest In einem Eafs."
„Weiß ich. Wenn dich die Umgebung nicht schreckt — ich rate keinem ab, der sich mit der neuen Zeit ausciirandersetzt. Denn auf deinen Mann kannst du wohl für» erste nicht rechnen."
Elena sah hochmütig in die Ferne. Sie hatte für diese sogenannte Tante nie viel übrig gehabt, nur Ihre Heiterkeit hatte die erregt. Sich von ihr raten zu lassen wie ein Schulmädchen — es ront das letzte, was sie ertragen konnte. „Im übrigen," sagte sie kühl, „wir haben immer noch Brillanten."
„Wundert mich, daß ihr sic nicht versoiclt habt. Sergei war eine Spieirattc, wie es keine schlimmere gibt. — Gott sei Dank, bei un» zm Hause werden keine Karten angerührt."
„Ja, das ist kein bürgerliches Laster."
„Liebes Kind, fett der Revolution ist dies Laster in Berlin so verbreitet wie in Monte Earlo. Man spielt sogar auf offener Straß», bi» ein Grüner kommt. Mit Kreidestrtchen auf den Trittstetnen. Darum — Aber mein Mann duldet es nicht."
„Wer verkehrt denn bei euch?"
„Bisweilen auch ruinierte (Brofofüifteii. Aber sie kämmen selten wieder. Dann auch allerhand kleinere Aristokraten, unter denen sich manche ganz famos in die Verhältnisse gefunden hoben. Dann allerhand Leute der Kunst und Wissenschaft —"
„Du hast einen Salon?"
"Dies weniger. Dazu bin ich nicht schön genug, n,4t geistreich genug, md)t albern genug. Aber ein- mol in der Woche steht unter Hou» allen offen, die uns gefallen. Und uns gefallen sehr unterschied.
-er Nieder-Ofleibcn, 13. 3uH. Dieter Tage wurde die im Basaltwerke der Mitteldeutschen Hartstern-Industrie errichtete Neuanlage in Betrieb genommen. Von jetzt ab wird täglich nur in einer Schicht gearbeitet. da diese Anlage das Dreifache der alten zu leisten imstande ist. Die durch die maschinelle Einrichtung eingelparten Arbeitskräfte finden nunmehr im Bruche leib ft "Verwendung. Nachdem die alte Anlage abgebaut ist, wird an der Stelle ein zweiter Neubau in derselben Ausdehnung aufgeführl werden.
Sie hessischen Konsumvereine gegen Minister Korell.
WSN. Darmstadt, 13. 3uli. Der Südwest- deutfche Revisionsverband des Zentralverba n d e S deutscher Konsumvereine hatte Die Verwaltung der hessischen Konsumvereine am vergangenen Sonntag zu einer Konferenz nach Darmstadt eingeladen, um gegen die Bekämpfung der K o n f u m v e r e i n e durch den Einzelhandel und gegen die Ausführungen des hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft, Korell, anläßlich der Tagung des hessischen Einzelhandels in Bingen Stellung zu nehmen Der Minister hatte bekanntlich dort gesagt, daß er in einem Gutachten den Beitritt von Kommunen zu Konsumvereinen für eine Schädigung des selbständigen Mittelstandes und eine Verletzung der von den Kommunen im Wirtschaftskampf einzuhaltenden Neutralität erklärt habe. 3n der sehr bewegten Verfammlung kam schließlich, wie letzt bekanntgegeben wird, eine Entschließung zur Annahme, die neben schärfstem Protest gegen die Kampfmaß- nahmen der Händlerorgane u. a. besagt: „im weiteren bedauert Die Vollversammlung die Stellungnahme bei hessischen Ministers Korell in der Frage der Mitgliedschaft der Gemeinden bei Konsumvereinen. Die Anwesenden fordern von Reich, Staat und Gemeinden die Anerkennung der Gemeinnützigleit der Konsumvereine unter Hinweis auf die in der Reichsverfassung niedergelegten Vestimmunaen. Sie fordern von den Behörden, daß sie sich, gerade zur Vermeidung der Verletzung wirtschaftspolitischer Neutralität, jeder einfeitigeln Stellungnahme gegen die Konsumvereine enthalten." Wie wir hören, dürften Oie angefochtenen Erklärungen des hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft auch zu einer Interpellation im hessischen Landtag führen.
Kleine Strafkammer Gießen.
* Gießen, 13. Juli. Zwei Landwirte E. und K. aus E i ch e l s D p r f wohnen dort in nächster Nachbarschaft und benutzen für ihre Landwirtschaft gemeinschaftlich Hof und Scheuern, die in getrenntem Eigentum stehen, an denen jedoch gegenseitige Uebersahrts- und Einfahrtsrechte bestehen. Die Beziehungen zwischen ihnen sind seit Jahren gespannt und haben schon häufig zu Zivil- und Privatklagen Veranlassung gegeben. Zum Teil mögen hieran die sehr engen und unzureichenden örtlichen Verhältnisse die Schuld tragen. E. hat nun in letzter Zeit zwei Prioatklagen gegen K. angestrengt, die eine wegen verleumderischer Beleidigung, die andere wegen wörtlicher Beleidigung seiner Ehefrau. Der ersteren lag folgender Sachverhalt zugrunde: Bei dem Kreisgesundheitsamt in Schotten war ein Schreiben eingegangen, in dem gegen die Höhe der Rente, die ein gewisser H. aus Eichelsdorf erhielt, Beschwerde geführt wurde. K. erzählte nun dem H., der bei ihm arbeitete, er fei bei dem Kreisarzt gewesen, dieser habe ihm gesagt, fein Nachbar fei der Verfasser des Beschwerdeschreivens. In Wirk- lichkeit war K. gar nicht bei dem Kreisarzt gewesen, dieser hat ihm auch nicht die erwähnte Mitteilung gemacht, die Verfasserin des Briefes ist auch nicht E., sondern eine Frau aus Eichelsdorf. Wegen dieser Beleidigung wurde K. von dem Amtsgericht Nidda zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. Er hat dagegen Berufung eingelegt. um eine Herabsetzung der Strafe zu er- reichen. In der andern «achc war K. von der Anklage der Beleidigung der Ehesrau E. mangels ausreichenden Beweises freigesprochen. Dagegen hat E. Berufung eingelegt. In der heutigen Hauptverhandlung, in der über die Berufungen verhandelt wurde, verglichen sich die Parteien. E. übernahm in der einen Privatklage die auf seiner Seite
liche Leute. Auch die hohe Finanz und Industrie läßt sich sehen. Stinnes, Opel, Kollmann —"
„Kollmann?" fragte Maria, die den Sticheleien der beiden Damen in stiller Helkrkeit zugehört hatte. „Ich lernte einen Herrn Kollmann kennen, als ich hinunterfuhr nach Venedig." Und sie b« richtete.
„Und das sagst du jetzt erst? Und um den Mann habt ihr euch weiter gar nicht gekümmert?"
„Wie sollten wir denn?"
'Liebes Kind, wenn uns jemand einen jolchen Dienst erwiesen hat, ich meine natürlich, ein Mann von solchem Einfluß — der andere Jüngling mar nebensächlich — dann schreibt man ihm bei Gelegenheit ein paar passende Zeilen. Bleibt in einer, wenn auch noch so lösen Verbindung mit ihm Weiß zur gegebenen Zeit wieder anzuknüpfen.'
„Mir scheint, wir verstehen doch noch wenig davon, wie mnn heutzutage leben muß."
„Das scheint mir auch. Aber gut, daß ich e» weiß. Vielleicht —"
„Bitte, lassen Sie den Herrn nicht denken, ich wünschte etwas pon ihm."
„Ich bin nicht so ungeschickt, wie hu zu denken scheinst. Dos laß nur meine Sorge sein. — Ader nun einmal im Emst, menn du also in München dein Talent ausbilden willst, dazu würde ich dir helfen. Ich werde mit meinem Manne reden."
„Er kennt un» ja gar nicht. Wie können wir ihm lästig sollen!"
„Tatata. Eine Prinzessin heiraten bringt Ver- pfUchtiingen mit sich. Darüber war er sich vollkommen klar, und es freut ihn, wenn er mir da einen Wunsch erfüllen kann. Nur — wie ich schon sagte — aus dem Fenster wirft man das Geld nicht gern. Und nun muß ich zurück zum Schiff, Ich will meinen Mann heute abend in München treffen. Du könntest mich begleiten, Mario."
Als sie durch die waldiaen Weg» zum Schiff hin- untergtnaen, sagte Ihre Hoheit Frau Schulze: „Ich habe nicht so sehr große Eile. Wir können lang cun gehen. Ich wollte dich nur einmal alleine sprechen. Mit Elena ist vernünftig nicht zu reden. Ich dachte, ihre Erfahrungen In den letzten Jahnen hatten mehr Eindruck auf sie gemacht. Ader sie ist, wie sie Immer war. Der alte Fürst Woronzoff sagte es mir schon vor dem Krieg« einmal, als sie erst zwei Jahre In Petersburg mar: Sine entzückend« örairf Entzückend
erwachsenen Kosten, während K. alle übrigen Kosten in beiden Sachen übernahm.
Wirtschaft.
Wochenbericht
vom Sranffurter Gffefftnmorff.
In dieser Woche war das Geschäft am Effektenmarkt sommerlich still. Soweit Arns atze überhaupt zustande kamen, wurden sie von der Kulrsfe vorgenommen. Publikum und Ausland waren am Markt« kaum vertreten und es macht« sich «ine wachsende Lustlosigkeit und Zurückhaltung bemerkbar. Anderseits wurden aber auch von der Kundschaft kaum Verkäufe vorgenommen, wie man es vielfach befürchtet hatte. Zunächst konnte sich hie Börse langsam, aber stetig von der Erschütterung er« hoien, Die durch die LLwenstein-Anaeicaenheit verursacht worden war. Eine stärkere Beruhigung ging von der Erklärung der Löweicheingruppe aus. woirach die finanzielle Lag« der Konzern- unternehinungen gesund fei und man zunächst nicht an einen Verkauf der Löwenfteinschen Elektro- und Kunstseideinteressen denke. Trotzdem bleibt damit das Schicksal dieser großen Aktienpakete noch ganz ungewiß. Es befriedigte jedoch, daß auch die Auslandbörsen den Rückschlag teilweise ziemlich rafch überwunden und die Reu- horler Börse von der Angelegenheit offenbar ganz unberührt blieb. Sodann betonte man, daß Löwenstein in Deutschland wohl kaum Ver- Pflichlungen gehabt habe und die deutschen Börsen somit nur indirekt von der Katastrophe betroffen worden sind. Weiter war die Tatsache von günstiger Wirkung, daß Die Mebioliquida- Uvn an der Brüsseler Börse nicht die befürchtete Schwierigkeiten und neue Fallissements mit sich brachte, da Reportgeld in ausreichender Menge »ur Verfügung stand. Trotzdem blieb eine ftade Unsicherheit und Zurückhaltung bestehen. So kann es kein Wunder nehmen, daß eine überraschend gekommene Maßnahme wie die Diskonterhöhung der Federal ReserveBank von Ehlkago von 4,5 auf 5 Prozent der Börse einen neuen Stoß versetzte und zu einer ausgesprochen schwachen Tendenz führte. Man befürchtet von dieser Diskonterhöhung sehr nachteilige Einwirkungen auf die weiter« Entwicklung der internationalen Geldmärkte. Besonders der Neuyorker Geldmarkt war wieder sehr angespannt, und die Tatsache, daß am Devisenmarkt der Dollarkurs sofort ein« kräftige Steigerung erfuhr, schien dabei die Ansicht zu bestätigen, daß die schon im 3uni beobachteten Abziehungen kurzfri st i ger amerikanischer Leihgelder aus Deutschland in stärkerem Maß« einsetzten. Vor allem aber wurden die immer noch gebeglen Hoffnungen hinsichtlich einer baldigen Senkung des ReichsbankdiskonteS durch die amerikanifche Diskonterhöhung fast vollkommen zerstört, trotzdem der ReichsbankstatuS nach dem Ultimo bereits eine ziemlich kräftige Entspannung zeigt. Der heimische Geldmarkt blieb anfangs unverändert stark angespannt, da di« Rückflüsse nur sehr zögernd einsetzten. Nur für Tagesgeld war ausschließlich eine Erleichterung zu verzeichnen (Hatz: 6,5 Prozent). Die Zukunftsaussichten der deutschen Geldmärkte werden in Börsenkreisen über auch weiterhin nicht sehr rosig betrachtet, aus den schon im Bericht der Vorwoche erwähnten Gründen. Dazu kommt noch, baß die Einzahlungen auf die neue Preußenanleihe vorbereitet werden müssen. Die Aledioliquidation , machte sich kaum bemerkbar in Anbetracht der meist nur sehr kleinen Engagements der Spekulation. Die durch die Ehikagoer Diskonterhöbung verursachte flaue Tendenz der Neuyorker Börse führt« an den deutschen Märkten naturgemäß zu einer weiteren, allerdings geringeren Abschwächung. Gegen die Kurse der vergangenen Woche traten überwiegend etwa 2- bis öprozeu- tig« Kursrückgänge em. Die Baissespekulation versuchte verschiedentlich die Abwärtsbewegung der Kurse durch Blancrxrhgaben zu beschleun.gcn, doch hatte sie damit wenig Erfolg, da di« Marktlage im allgemeinen ziemlich bereinigt ist, und di« Engagements eine weitere Verringerung erfahren haben. Einiges Interrise blieb für Elektrowerte bestehen. Auch Scbiffahrtswerte waren zeilweise etwas beachtet. 3.-G.-Farben. Montanaktien unb Danken wurden dagegen start
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schön und entzückend leichtsinnig. Trotz ihres öerpei, ocr sie stark beherrscht«, hatte sie Immer noch ein paar — hm — Verehrer. Wollen annehmen, daß sie ihr nicht mehr waren."
Maria stieg das Blut in das Gesicht. Sie schwieg.
„Wenn du vorwärts willst, mein liebt» Kind, mußt du dich losmachen von ihr. Sic ist die Frau der früheren Zeit, sie ändert sich nicht. Du kannst vielleicht eine neue Frau werden. Du host Willen im Gesicht und in den Fingern. Ich sehe es, mic du sie zur Faust ballst, weil du mir auf meine Worte über deine Schwester nicht so antworten willst, rote du möchtest."
»»w) trenne mich nicht von meiner Schwester."
„Sehr töricht, denn eine» Tage» wird sie sich von dir trennen. Ihr seid im Gleiten, meine liebe Maria. Es gehört eine feste Hond und ein fester . Tritt dazu, Balance zu hallen und wieder feftrn Fuß zu fassen. Elena wird sie nie haben."
„Ort) werde sie hallen "
„Du traust dir viel zu. — Lassen mir das Wo» habt ihr noch an irdischem Besitz? Wir wollen in dieser letzten halben Stunde doch offen reden. Aus- 9 dringlichkeit liegt mir fern, aber wenn euch geholfen werden soll, muß id) klar sehen." Und als Tiana ihr reinen Wein cingeschenkt: ,Ho, damit werdet ' ihr bald am Ende sein, trotz eurer Bratklopspeäjion. Ich werde dir schreiben, und du wirst mir offen antmorltn. Zunächst bleibt nur hier draußen, und wenn der Herbst kommt, gehst du nach München und versuAt, ob du da etwas mit deinem Zeichnen erreichst. Aber einschränken müßt ihr euch. Ss sind zu viele, die mich beanspruchen."
„Wir beanspruchen nichts."
„Willst du dir durch da» Leben helfen, mein Kind, dann gewöhne dir vor allem di« Empfindlichkeit ab. Prinzessinnen auf der Erbse finden heute keinen Konig-sohn mehr. — vjelletcht" — sie blieb stehen und bohrte mit dem Sonnenschirm im Sand« — „für Elena wäre eine Stelle als Repräsentantin in einem reichen Hause — so als Hausdame, um e» plebejisch cmszudriicken - Hm — Da» ließe sich machen. (Eine Pause. Ein kurzer Ruck. „Nein, cs acht doch nicht. Sie ist zu schön und au leichtsinnig. Denn sie wenigstens Witwe wäre, ober geschieden. Aber so — Immer den Sergei im Hinteranmd. von dem man nie weiß, wo» er anstellen roirt —
(Fortsetzung folgt.) .


