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Gilbert in Washington, Pari- unb auch in Ita­lien abgestattel hat, um mit den maßgebenden Stellen der Gläubigerlänber über die von ihm al- Notwendigkeit angesprochcne Revision des DowesplanS Fühlung zu nehmen.

Wenn nicht größere, so doch gewiß aktuellere Bedeutung tommt indessen den Dalkangästen des Duce zu. Wenn man die Reihe der Wallfahrer zum fasMischen Diktator Italien- Revue passie­ren faßt wird man erstaunt sein müssen, welch heterogenen ©lernenIc den Weg nach Rom ge­funden haben. Grai Bethlen. der als reak­tionär verschriene Ministerpräsident Ungarn-, ist ein alter Freund Mussolini-. Sein Besuch wäre deshalb nicht besonders verwunderlich, sprächen nicht die Umstünde dafür, daß der italienische Diktator geneigt ist, die von dem britischen Zeitung-könig Lorb Rotherme re inszenierte Bewegung zur Revision de- Vertrages von Trianon zu unterstützen.Ein Vertrag ist keine Grust. die Weltgeschichte bat niemals dauernde Verträge gekannt", da- ist ein zwar unbedingt wahre- und durch unzählige Bei­spiele belegtes Wort, daS sich doch aber höchst eigenartig ausnimmt in dem Wunde eines Mannes, der keine Gelegenheit vorüvergehen läßt, ohne auf die Unverletzlichkeit de- Versailler Der- trage-, wenigsten- soweit er die Brenner­grenze und da- Anschlußverbot betrifft, hinzuweisen. Daß eine Durchbrechung diese- Prin­zip- zugunsten Ungarn- den italienischen Gönner notwendigerweise in Gegensatz zu seinem Freunde Rumänien bringen muß, scheint Mussolini vorläufig wenig Kopfzerbrechen zu machen. Der rumänische Inneriminister D u c a wird gerade eben, nachdem sein' Gegner Gras Bethlen, mit dem Rumänien erst in Genf wieder die Klingen kreuzte, Italien verlassen hat, in Rom erwartet. Rumänien ist dem Duce Dank schuldig für die Ratifizierung deS B e s s a r a b i e n abkommenS, die den Besitz dieses wertvollen KriegSgcwinns vor Rückeroberungsabsichten Sowjetrußland- erst sicherstellte. Rumänien wäre aber in erster Linie der Partner kleinen Entente, der bei einer Restauration des verstümmelten Ungarns a u S feiner Lasche die Zeche bezahlen müßte. Ob den Rumänen da- Bündnis mit Italien soviel wert ist, werden die rumänischen Staatsmänner wohl in nächster Zeit entscheiden müssen.

Zwei andere Widersacher von alt-traditioneller Feindschaft au- dem südöstlichen Wetterwinkel, die Türkei und Griechenland, haben ihre Außenminister ebenfalls fast gleichzeitig nach Rom geschickt Griechenland gehört seit langem in das britisch-italienische Mittelmeersystem, wenn man von einem solchen sprechen darf. Anders die Türkei, die zwischen dem bolsche­wistischen Rußland einerseits und England-Ita­lien andererseits stets so geschickt lavrieri hat, daß sie sich eine unabhängige Machtposition er- hait"n konnte. Der lluge Rusch di Bey. Kemal Paisas recht' Hand, wird mit einigem Miß­trauen und großer Zurückhaltinrg den Friedens- fchalmeien Mussolinis lauschen. Solange Italien seine Aspirationen auf koloniale Erwerbungen in Borderasien und Syrien nicht zu Gunsten anderer Gebiete, in Afrika zum Beispiel, aufgibt, wird os in der Türkei schwerlich einen Bundesgenossen für etwaige Dalkanpläne finden. Aber hiervon abgesehen, wäre es nach der äußerst schmerz- fcaften, aber auch radikalen Bereinigung des türkisch-griechischen Konflikts durch den Austausch der Bevölkerungen in Thrazien einerseits, Dvr- derasien andererseits, nicht nur möglich, daß beide Länder unter der tätigen Mithilfe Italiens Rfu einem für alle Beteiligten erwünschten und nützlichen Vertrag-Verhältnis kommen. Nützlich nicht zuletzt auch für den Protektor, der dann in. voller Ruhe sich seiner Hauptaufgabe, der Einkesselung Südslaviens, Franlreichs Eckpfeiler auf dem Balkan, widmen könnte. Vor­aussetzung dafür ist allerdings noch ein modus vivendi zwischen Bulgarien und ®rieten» land, die sich wegen deS unglückselig zwischen den drei Balkanstaaten aufgeteilten Maze­donien- immer wieder in die Haare geraten. Die Lösung des mazedonischen Problem-, auch nur soweit eS Bulgarien und Griechenland be­trifft, ist eine Sisyphusarbeit, die indessen auch einem Manne wie Mussolini lau:n gelingen dürfte. Trotzdem wird es her geschickten Diplo­matie RomS nicht übermäßig schwer fallen, das stark anlehnungsbedürftige Bulgarien zu sich herüberzuziehen, ohne daß der italienischen Poli­tik daraus Schwierigkeiten im Verhältnis zu seinen anderen Baltansremrden erwachsen würden.

Der merkwürdigste Gast dieser römischen Ostern ist zweifellos Herr August Zalesti, Polen- Außenminister. Er kommt eben aus dem noch recht unwirtlichen Königsberg, wo er mit Litauens Dik­tator Wolde maras nicht recht tu Rande ge­kommen ist. um sich in den italienischen Frühling und Mussolini» Arme zu stürzen. Man weiß nicht recht, welche realen Hintergründe dieser etwa- über­raschend kommende Zartlichkeitsausbruch haben könnte. Polen ist finanziell auf das engste m i t Frankreich liiert. Das polnisch-französische Mili­tärbündnis hat den ausgesprochenen Zweck, jede Ne- Vision der Versailler Verträge zu verhindeim Neben der Tschechoslowakei ist Polen die stärkste Stütze des Pariser Bündnissystems zur Erhaltung des Status quo im- Osten. Polen steht durch parallel laufende Interessen, wie die gemeinsame Freundschaft zu Frankreich in bester Beziehung zur Kleinen En­tente, gegen deren Bestand Mussolinis Balkan- Politik sich richtet. Was will also S)err Zalcski im Palazzo Ebigi ? Er kann doch unmöglich annehmen, daß ob seiner römischen Frühlinpstournee bei seinem Pariser Verbündeten eitel Freude herrscht und baß Polen der Freund zweier Großmächte sein kann deren kaum sehr friedliche Abrechmmg miteinander die Welt täglich erwartet?

Sind nun diese Osterbesuche in Rom ernsthafte, vollgültige Beweise eine» grandiosen S y st e m s der planmäßigen Vorbereitung dieser Abrechnung mit rxrßnfrcid) und seinem südslawischen Vorposten find sie der Auftakt zum Kampf um das Mittel- meer oder entspringt die außerordentliche Aktivität der italienischen Außenpolitik dem begreiflichen Be­dürfnis des Diktators, dem steigenden D-uck der innenvolltischen Siedehitze nach berühmten Mustern ein Ventil nach außen aufzustoßen? Rüstet do« in Versailles betrogene Italien systematisch zum Kamps um die Erlangung de» Lebcnsraumes für !eine überschüfstgen Millionen ober haben Must», linis Kritiker recht, wenn sie behaupten, ber Kern feiner Außenpolitik sei jener Betätigungsbrang. jene Vielgeschästigkeit. die fatal erinnert an eine nach nicht sehr lange zurückliegende Epoche deutscher Außenpolitik, die Sucht, um jeden Preis eine eure pSifthe Rolle zu spielen, den Ehraei i des Fasztsmus. außenpolitische Lorbeeren zu pstücken, um damit tv bonkliche Blößen de» System-.- im Innern zu br decken? Es wäre voreilig, dos Mailänder Attentat ernt da» italienisch«- Stoatsvberha'm-

als Kronzeugen für diese letztere Behauptung in Anspruch nehmen zu wollen. Bei der strengen Zen­sur kann man sich über die politischen i)intergriinbc dieser furchtbaren Tat, die um fo abscheulicher ist, als ihr siebzehn blühende Menschenleben, völlig Un­beteiligte, -.um Opfer gefallen sind, noch kein klares Bild machen. Daß sich der verbrecherische Anschlag apf die Person des bei seinem Volke beliebten und namentlich vom Heer vergötterten Monarchen, we­niger gegen Viktor Emanuel, den Gefangenen des Faszismus, richtete, ber durch seine kluge Zurück­

haltung nicht nur dem Hause Savoyen den Thron rettete, sondern auch sein Land vor den blutigen Schrecken der Revolution bewahrte, als gegen den Faszismus selber, gegen dic^Diktatur Mufsolinis, das erhell! aus ber ganzen Situation, in der sich Italien fei, dem Marsch auf Rom be­findet So wenig ber Diktator jemals vor Berfas- sungsoerletzung und jeder Art von Gewalt zuruckge- schreckt ist, wenn es ihm galt, sein Regime durchzu­setzen und zu sichern, so wenig wird es ihn wundern dürfen, wenn die Unzufriedenheit extrem opposi­

tioneller Kreise, deren freie Meinungsäußerung anf legalem Wege unterbunden ist, sich durch eine so furchtbare Tat Luft macht Die Bombe von Mai­land, mitten hinein in den römischen Frühling, der das fafziskische Italien als Zentrum europäischer Politik zeigte, ist ein grausiges Menetekel für den Diktator, den Bogen nicht zu überf pannen. Lus dem Pfad zumgrößeren Italien" ist eine innere Opposition, die zu den Waffen de» Anarchismus greift. Fein angenehmer Weggenosse.

Der italienische Aktivismus im Südosten.

Oie Besprechungen in Vom. - Aufnahme in Kraukreich. - Das Mailänder Attentat

Besuche bei Mussolini.

Reichsfinanzminister Köhler und der polnische Außenminister Zalcski.

Rom. 13. April. (WB.) Der zur Zeit hier auf Ostcrurlaub weilende Relch-minister Köhler hat heut« dem Ministerpräsidenten Mussolini und dem Finanzminister G r a f c n Volpi einen Besuch abgestattct. ES ßanoeU sich dabei um einen reinen Höflichkeitsakt. 3x1 dem Besuch bei Mussolini war auch der deutsche Botschafter in Rom zugegen. Der polnische Außenminister Zaleski ist ebenfalls heute nut- tag hier eingetroffen und von Mussolint empfangen worden. Die Unterredung dauerte zwei Stunden. Mussolini und Zaleski prüften verschiedene allgemeine politische Fragen und stellten die Liebereinstimmung der politischen Richtlinien beider Lander fest. Die Unterredung bestätigte die Herzlichkeit der italienisch-polni- scheu Beziehungen und die beiderseitige Absicht, sie noch mehr zu befestigen. Mussolini wird am Montag noch ein« weitere Besprechung mit Zaleski haben.

Oos Mailänder Attentat.

Die Suche nach den Urhebern.

Rom, 13. April. (WTB.)(Biomaie b Italia" meldet au» Mailand.- Die Sicherheitspolizei hotte vorgestern einen anonymen Brief erhal­ten. in dem angekündigt wurde, baß eine anarchi­stische Gruppe einen schrecklichen Anschlag vor­bereitet habe. Es wurden die gründlichsten Dor- slchlsmoßnahmen getroffen. Das Attentat wurde ober mit solcher Geschicklichkeit Ins werk ge­setzt, daß es durch die Maßnahmen nicht ver­hindert werden konnte. Die Polizei ist mrscheinend davon überzeugt, daß die Urheber des Anschläge» unter ben Anarchisten zu suchen sind. Durch die zahlreichen Verhaftungen, die vorgenommen wor­den. sollen Anzeichen dafür gesunden worden sein. Der 6 ö n i g hat gestern den Familien, die Opfer bet dem Attentat zu beklagen haben, 50 000 Lire gespen­det. Der Zustand einiger Verletzter hat sich ver­schlimmert. Einer ist heute gestorben, fo baß bte Zahl der Opfer sich auf 17 beläuft Die Bei­setzung der Opfer de» Attentat» wirb morgen nachmittag vom Dom au» erfolgen, von wo an» die bort für bte Irauermeffe aofgebahrten Särge in feierlichem Zuge burch bte Stabt nach bem Ariebhof übergeführt werben fallen. Gestern nachmittag emp­fing ber König ble fläbtischen Behörden unb Ver­einigungen unb später bk Minister Febete unb Detluzzo. Der König empfing schließllch auch bar Konsularkorps, das ihm vom deutschen Gene­ralkonsul vr. Schmitt vorgestellt ttnirbe. (Dl Schmitt ist bekanntlich geborener Oberhesse, ber in Gießen studiert Hal unb sich als Autor einer Reihe von Romanen einen Hamen gemacht hat.)

Oie pariser presse zum Mailänder Attentat.

Paris, 13.April. (WB.) Die getarnte Pariser Press« mißbilligt das Attentat von Mailand, juckt aber zmn Teil nach den Urjadjen des Attentats, so dasJournal", das schreibt: Das fcrszistische Re­gime hcrt mit eiserner Faust zu viel Elemente ber Unordnung unterdrückt, als daß es nickt der Re­aktion des Hasses und der Rache aus- gesetzt sei. Mussolini wisse darüber Desä)sid. Es sei nickt werter übervoichend, daß die Ranküne über ilyn hinweggehend, den Ches der Dynastie zu treffen sucht. DieE re Nouv«ll e" schreibt: sie werde nicht ta schamlos fein, ein Drama, dem Unschuldig« zum Opfer fielen, zum Vorwand zu nehmen, um Beweise für dieDekadenz des Foszis- mus daraus abzulerten. Für di« lateinische Sckwestemaiion schein« di« Stunde noch nicht ge­schlagen zu haben, sich von dem, was sie ersticke, zu befreien. Die Ausstände seien individuell. Wir wagen nicht zu behaupten, daß sie das Vorzeichen umsassendererBcwegungen sein werden, die früher oder später den Sieg über das Regime der Willkür davontragen werden, unter dem seit beinahe sechs Jahren unsere Nachbarn jenseits ber Alpen leben. Das Journal des DSbats" führt das Attentat auf Schüler jener Schule zurück, die ihren Sitz in Moskau habe. Ohne Zweifel wollten die Bolschewisten angesichts der allgemeinen Wahlen in Frankreich und Deutschland uni er den bürgerlichen Elementen den Terror forttreiben.

Oer eigene Kurs.

Genugtuung

über die sadistische Außenpolitik.

Mailand 12. Avril. (TU.) Di« Turiner .Gazctta del Popolo' schreibt zu den gegen­wärtigen Besuchen der italienischen Regierung durch verschiedene ausländische Minister:3ta- hen ist nicht mehr das Aschenbrödel der Großmächte wie seinerzeit vor dem Marsch auf Rom. Es verfolgt vielmehr eine eigene unabhängige und einfluß­reiche Außenpolitik, b;e selbst Sympathien und Interessen aus sich vereinigen und die Auf- merksamkeit der europäischen Völker erwecken kann. Feindseligkeiten begleiten unvermeidlich leben Aufstieg. Ser FafzismuS verfolgt ent- schlossen seine eigene Außenpolitik. Er duldet keine ilnterorbnung seiner Inter- elfen unter diejenigen Frankreichs. no<ft denkt er irgendwie daran, den franzö- nsch.'n Spuren in Mittei.survpa zu folgen oder eine plinwalzuig der Lage anzustreben. Aus den Unterredungen in Rom wird zweifellos die Freundschaft zwischen Pvl-i, unb

Italien gefestigt hervorgehen. Sin Jahrzehnt noch dem Kriegsende orientieren sich alte und neue Staaten noch neuen Erfordernissen. Einig« Unzulänglichkeiten der Friedens­verträge zeigen sich, frei von den Leiden­schaften und Ereignissen, die sie verursacht haben.

Spannung in Paris.

DerTempS" zu den Mmistcrzusammkünsten in Rom.

Paris, 12. April (TU.) Der ,.Temps" befdjäf- tigt sich heute mit den diplomatischen Zusammen­künften in Rom. Die diplomatische Tätigkeit Italiens, so leitete bas Blatt seine Ausführungen ein, halte auch weiterhin biepolitischen KreiseEu ro- pasinSpannung. Man beobachte m eh r a u s Neugierbe al» aus Angst bas Entstehen neuer Schwierigkeiten, da sich niemand, ber über bte internationale Lage unterrichtet ist, über den wahren Charakter biefer Derhanblungen täuschen könne. Bis- her habe jeboch bis italienische Regsamkeit zu keinem anberen sichtbaren Ergebnis als zu ber italie­nisch » ungarischen Annäherung geführt. An einer italienisch-t ürkischen Annäherung zwei­felt berTemvs . Die Türkei habe bestimmte Son- berinte ressen, wünsch« in den Völkerbunb auf- genommen zu werben unb eine Rolle im europäischen Konzert zu spielen, so baß man nicht glauben könne, baß sie ble Absicht habe, sich mit Italien au ver- bünben, dessen Politik zweifellos eine Beschrän­

kung ber türkischen Hanblungsfreiheit im Orient unb auf bem Balkan verfolge. Die Gerüchte über einen Mächteblock zwischen Italien, Un­garn, Bulgarien, Griechenland, Al­banien, ber Türkei unb Polen erklärt der Temps" als Phantasie, da zwischen diesen Mäch­ten keine gemeinsamen 9 n t e Lf jfe n vor­handen seien, die die unbedingte Voraussetzung für eine dauerhafte und nützliche Entente feien, wie bies ber Fall sei bei ber Entente cordial« zwi­schen Frankreich unb Englanb unb den Staaten ber Kleinen Entente. Beunruhigt zeigt sich ber- Temps" über ben Besuch bes rumänischen Innenministers D u c a in Rom, her infolge ber Er­krankung bes rumänischen Außenministers litu- l e f c n bas rumänische Auswärtige Amt leitet. Die Nachricht ber bevorstehenben Reise Ducas überrascht benTempo" beshalb, well sie noch bem Aufenthalt Titulescus in Rom unb noch ben Erklärungen Mussolinis zugunsten einer Re- oisionbesDertragsvonTrianon erfolgt, die sicherlich ber rumänischen Politik wider­spreche. Man müsse sich daher fragen, ob ber De- such Ducas nur ein Höflichkeitsbesuch fein soll ober ob Duca wie Titulescu versuchen wolle, in Rom ein Gegengewicht gegenüber den Bemühungen Un­garns zu schaffen. Rumänien werde sicherlich nicht verfehlen, darüber Aufklärung zu geben, ob es ouck weiterhin mit Polen in der Frag« ber Erhal­tung bes s t a t n * quo inMItieleuropa überein- ftimmc.

Der amerikanische Vorschlag eines Aniikriegspakis

Eine Aoie der Vereinigten Staaten an die Grohmächte.

B e r l i n. 13. April. lWTB.) Der 'Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin, Dr. 6 b u r - man, hat bem Reichsminister bes Auswärtigen, Dr. Stresemann, zugleich mit dem Entwurf eines mehrseitigen Kriegsverzichtver- trogeS und bem in dieser Angelegenheit ge­pflogenen Gedankenaustausch zwischen der fran­zösischen und der amerikanischen Regierung eine Note überreicht, tn der es heißt:

Die Regierung der Bereinigten Staaten hat. wie sie in ihrer Note vom 27. Februar 1928 feststellt, den Wunsch, den Kri« al- Institution abgeschafft zu sehen und ist bereit, mit fran­zösischen, britischen, deutschen, italienischen und japanischen Regierung einen einzigen vielseitigen Vertrag abzuschließen, dem tn der Folgezeit noch beizutreten jeder Regierung und allen anderen Regierungen freistehen soll und der den Vertragsparteien die Verpflichtung auferlegt, untereinander nicht zum Mittel des Kriege- zu greifen. Die Regierung der französischen Republik Hot auf verschiedene Lieberlegungen hingewiesen, die nach ihrer Meinung von solchen Regierungen, die Dölkerbundsmitglieder oder Dertrags- teilnehmer anderer Verträge zur Garantierung der Neutralität sind, im Auge behalten werden müssen.

Meine Regierung hat sich nicht zo dem Stand­punkt bekannt, baß derartige Meberlcgungen irgendwelche Abänderung ihres Vorschlages jür einen mehrseitigen Vertrag notwendig machen unb ist der Meinung, daß jede Nation der Welt unter gebührender Rücksichtnahme auf ihre eigenen Interessen sowohl als auch ans die In­teressen der ganzen Välkersamilie, einem solchen Vertrag bei treten kann. Sie glaubt außer­dem, baß der Abschluß eines Vertrages, der feierlich zugunsten der friedlichen Beilegung in­ternationaler Streitigkeiten auf den Krieg Verzicht leistet, durch Frankreich, Groß­britannien, Deutschland, Natten, Japan und die Vereinigten Staaten eine ungeheure moralische Wirkung haben unb schließ­lich dazu führen wird, daß alle anderen Länder der Welt bem vertrage beitreten ...

... Ich bin von meiner Regierung instruiert wor­den. bermvt den Vorentwurf eines Vertrages zu unterbreiten, ber in ben Häuptlingen die Ber» tragsfoyzi darstellt, die die Regierung der 2kveinig- ten Staaten gemeinsam mit der französischen, briti­schen, deutschen, italienischen unb japanischen sowie jeder anderen, von ähniicyen Gesinnungen erfüllten Regierung zu unterzeichnen bereit ist.

Die Regierung der Vereinigter. Staaten mürbe sich sehr freuen, wenn sie sobald als angängig bar- über informiert mürbe, ob die Regierung Eurer Exzellenz in ber Lage ist, den Abschluß eines Ver­trages, wie des hiermit übermittelten, in günstige Erwägung zu ziehen, und wenn dies nicht der Fall [ein sollte, welche AenderunZen des Textes im be­sonderen ben Verwog für Sie annehmbar modjen mürben.

Oer Borentwurf.

Der ber amerikanischen Note im Anhang beige­fügte Vertragsentwurf hat in gekürzter {vaffung fol- genben Wortlaut:

Der Präsident der Bereinigten Staaten von Amerika, ber Präsident der Französischen Republik, Seine Majestät ber König von Großbritannien, Irland und ben britischen Dominion» In Hebers«. Kaiser van Indien, der Prä­sident des Deutschen Reiche«. Seine Majestät der König von Italien, Seine Majestät der Kai­ser von Japan haben tief durchdrungen davon, daß ihr hohe, Amt ihnen eine feierliche Pflicht zur Förderung der Wohlfahrt der Menfchheil auferlegt beschlossen, einen vertrag zu fließen unb zo diesem Zwecke Ihre Bevollmächtigten ernannt ble nach Mitteilung Ihrer Vollmachten bic folgenden Ar­tikel vereinbart haben-

Artikel 1 Die hohen vertragschließenden erklären feierlich im Namen ihrer Völker, baß sie ble In­

anspruchnahme des Krieges zur Lö­sung internationaler Streitigkeiten verurteilen und auf ihn als Werkzeug staatlicher Politik in ihren Beziehungen lueinanber ver­zichten.

Artikel 2. Die hohen vertragschließenden verein­baren, baß Me Regelung ober Losung aller Streitig­keiten ober Konflikte, welcher Art ober welchen Ur sprang» sie auch sein mögen, die zwischen ihnen ent­stehen, nie anders als burch friedliche Mittet angeflrebt werden fofi.

Artikel 3. Der gegenwärtige Vertrag fall von den In bet Präambel genannten vertragschließenden ent­sprechend den (Erforberniffen Ihrer Verfassung rati­fiziert werben und sollen zwischen Ihnen in Kraft treten, wenn alle Raflflfafloneurfnnbcn tn ......

ntebergelegt sinb.

Dieser Vertrag soll nach feinem entsprechend ben Vorschriften bes vorangegangenen Absatzes erfolgten Inkrafttreten solange wie notroenbig bem Bei­tritt aller anberen Mächte ber Welt offen stehen.

Zn ntknnd besten haben die Bevollmächtigter, bie­ten Vertrag, dessen französischer uub englischer Text gleich maßgebend sind, unterzeichnet unb ihre Siegel beigefügt.

Kleine politische Tkachnchieo.

Graf Westarp hat an den Vorsitzenden ber Deutfchkonservativen Partei ein Schreiben gerichtet, in bem er erklärt, daß er sich genötigt sehe, aus dem Vorstände der Deutschkonservattven Partei auSzutreten. In der Begründung erklärt Graf Westarp u. a.: »Entscheidend ist für mich, daß ich die Auffor­derung der Berliner Konservativen, den völ­kisch-nationalen Oppositionsblock zu wählen, für einen verhängnisvollen Fehler halt«, da ein Erfolg der nationalen Sache und de- konservativen Gedanken- bei der kommenden Wahl nur erzielt werden kann, wenn die rechts­stehenden Kreise geschlossen die Deutschnationale Volk-Partei wählen. Die äußere Trerrnung von der Konservativen Partei bcbeutet für mich keinen Wechsel der Politik.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann wird am Sonnabend, ben 28. April in einer össentlichen Wahlrersammlung ht der Fest Halle zu Darm­stadt sprechen.

Am 14. April feiert der bekannte flämische Vorkämpfer Dr. Börms, der bereit- seit zehn Jahren im Gefängnis siht. seinen 50. Ge­burtstag. Der flämisch-holländische Au-schuß in Holland hat in diesem Zusammenhang einen Aufrus an die Oeffonllichkeit gerichtet. Geld­mittel zu stiften, die für eine Leibrente unb eine etwaige spätere Unterstützung der Fa­milie Dr. DvrmS verwendet werden sollen.

In Athen soll man eine Militärver- schwörung entdeckt haben, bic ben Zweck ge­habt hätte, bic Diktatur de- General- Pan ga los wieber auszurichien. Die Regierung mess« ber Angelegenheit wenig Bedeutung bei. doch würben drei Leutnants unb sieben Unter­offiziere, die an bem Komplott teilgenommen hätten, vor ein Kriegsgericht gestellt werden, ©eneral Pangalos, der gegenwärtig in Athen gefangen gehalten werd«, werde nach Kreta in das Gefängnis von Itzedin Über­geführt.

Der englische Staatssekretär de- Aeußeren. Sir Austen Ehamberlain. ist inBeglei­tung seiner Gemahlin, seine- Sohne- und seiner Tochter zu einem etwa zweiwöchigen Aufenthalt im Haag eingetrossen. Der Minister wird der Gast de- piefigen amerikanischen Gesandten Tobt» fein.