ch Mainzlar, 13. Febr. Dor etwa vier Wochen bekanntlich durch ein Schadenfeuer die Formerhalle der Firma ScheidhauerLGie- ßing zerstört worden. In rascher Folge konnten seit dieser Zeit die Aufräumungsarbeiten erledigt, ebenso die Maurer- und Zimmrerarbeiten der neuen Holle, die dieselbe Größe (80 Meter lang, 30 Meter breit) der abgebrannten erhalten hat, vorgenommen werden. Gleichzeitig wurden die notwendigen Maschinen beschosst und aufmontiert, so daß jetzt schon wieder drei Pressen in der Holle in Betrieb sind.
\ Aus dem Lumdatal, 13. Febr. Durch die starken Niederschläge der letzten Tage ist die Lumda zu einem reißenden Fluß ange- schwollen. Sie führt große Wassermengen mit sich, ist infolgedessen vielerorts über ihre Ufer getreten und hot weite Wiesengründc überschwemmt. Schaden ist bis jetzt nicht angerichtet worden.
O Odenhausen, 13. Febr. Dieser Tage hielt Landwirtschaftsassessor Dr. Selz er vom Landwirtschaftsamt Grünberg einen Dortrag über Dünaungsmahnahmen. Der Redner behandelte die Düngung mit künstlichen Dünge- Mitteln und lieh sich über die Verwendbarkeit und Streuzeit näher aus. Insbesondere wies er auf die gegenseitige Wirkung der Düngemittel hin und warnte vor einseitiger Anwendung. Für die bevorstehende Frühjahrsbestellung gab er wichtige Ratschläge. Die sich an den Vortrog anschließende Aussprache beschäftigte sich in erster Linie mit Düngungsfragen, jedoch wurden auch andere Gebiete der Landwirtschaft berührt. Die Aussprache beseitigte einige Mißverständnisse, die sich aus dem Vortrag ergeben hatten. Die gut besuchte Versammlung wurde von Bürgermeister R a ch t i g a l l geleitet. Dem Redner wurde reicher Deisall für seine belehrenden Ausführungen geschenkt.
L Rödgen, 13. Febr. Am Sonntagnachmittag fand hier auf Veranlassung des Landwirtschaftsamtes Grünberg in der Gastwirtschaft Balser ein Vortrag über „Düngungs- Maßnahmen" statt. Landwirtschaftsassessor Dr. Seiger verbreitete sich in etwa zweistündigen Ausführungen über die Anwendung der künstlichen Düngemittel. Der Redner befaßte sich im einzelnen mit der Verwendbarkeit der verschiedenen Düngemittel zu den verschiedenen Kulturfrüchten. Besondere Beachtung schenkte er der Kalkdüngung, da unsere schweren Böden zum weitaus größten Teil an Kalkarmut leiden. Die Düngung mit sog. sauren Düngemitteln haben dem Boden bedeutende Mengen an Kalk entzogen, der unbedingt wieder erseht werden muß. Die innigen Beziehungen, die sich aus dieser Frage zur Tierzucht ergeben, wurden von dem Redner erläutert. Die sich anschließende Aussprache war überaus anregend und lebhaft. Es wurden viele Fragen an den Redner gestellt, die sich einerseits mit dem Thema des Vortrages befaßten, andererseits wurden auch andere Fragen aus dem großen Gebiete der Landwirtschaft zur Aussprache gebracht. Insbesondere wurde die Sortensrage, Saatgutreinigung, Wiesenpflege und -düngung, Feldbereinigung und deren Kostendeckung, sowie besondere betriebswirtschaftliche Maßnahmen in der jetzigen wirtschaftlichen Rotzeit behandelt. Die interessanten und treffenden Ausführungen fanden bei den zahlreich erschienenen Landwirten lebhaften Beifall. Bürgermeister Becker, der die Versammlung leitete, dankte dem Redner für seinen lehrreichen Vortrag und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das Landwirtschaftsamt Grünberg bald wieder eine derartige Veranstaltung in der -Gemeinde Rödgen abhalten möchte. — Wie wir weiterhin erfahren, soll im Monat März eine Vorführung von Dünger st reumaschi- nen stattfinden. Am Abend desselben Tages soll sich ein Filmvortrag anschliehen.
B. G r oh e n°Bus e ck, 13. Febr. Am Samstag ve-anftaltete der hiesige Reiterverein einen älnterhaltungsabcnd, der von den hiesigen und den Mitgliedern des Bezirks gut besucht war. Freiherr von Rödern legte in seiner Ansprache die Gründe dar, warum man zur Schaffung rein ländlicher Reitervereine geschritten sei, und feierte die Kameradschaftlichkeit. Weitere Ansprachen hielten die Herren Glaub, R e u m e i e r und Schmidt. Von den Darbietungen sagten besonders ein von Frau Oberwachtmeister Glaub zu Gehör gebrachtes Lied, ferner lebende Bilder und ein von den Mitgliedern des Reitervereins Geilshausen flott gespieltes Theaterstückchen zu. Tanz hielt die Besucher der Veranstaltung noch lange beisammen.
Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Roman von Erica Grupe-Lörcher.
43 Fortsetzung Nachdruck verboten
Und der Hohngesang des elsässischen Pöbels ballte ihnen allen durch das Brausen der Rheinstuten nach.
In diesem Augenblick fühlte Raymond von Hammerschlag, daß die Bande zu seinem Heimallande in ihm zerrissen. Nichts mehr gemeinsam konnte er mit diesen Landsleuten haben, die hier die Leidensstunden anderer zur Sensation stempelten und selbst diesen allerletzten, allerschwersten Momenten des innerlichen Sichlosreißens von der heimatlichen Scholle die Achtung des Schweigens nicht zolltenI Ein Helles Lachen schlug tn seiner unmittelbaren Nähe auf. Es verletzte ihn. Er wandte sich unwillkürlich um. Eine junge Dame in einem hocheleganten Samtkostüm drehte sich ebenfalls zu ihm um. Er erkannte Mademoiselle Pvette Amberger, die Braut seines Detters Alceste. Sie befand sich augenscheinlich in einer kleinen Gruppe von gleichgesinnten Bekannten. Und da sie diesen gegenüber mit Vorliebe immer von neuem ihre familiären Beziehungen zur freiherrlichen Familie von Hammerschlag unterstrich, machte sie jetzt einige Schritte in ihrer etwas affektierten Gangart auf Raymond zu und reichte ihm die Hand. „Wir haben uns halb tot gelacht! Das geschieht doch diesen steifen Kerlen von Preußen zu Rechtl Immer haben sie bis jetzt gemeint, sie könnten uns schikanierenI Jetzt hat sich's Blatt gewendet!" begann sie sofort m sichtlich gut aufgeräumter Stimmung zu Raymond, nachdem sie auch Wenger durch ein Kopfneigen begrüßt.
„Sie Jiiti) für einige Tage hier in Straßburg,
„Ja. Die Grandmama will ja unsere Hochzeit draußen bei sich im Schlosse aeben. Da wollten wir noch allerlei Details besprechen. Auch wegen der Brautführer!" Jetzt wandte sie sich zu Wenger, der sich mit einer etwas reservierten Haltung zurückhielt. „Monsieur Wenger! Dürfen wir darauf rechnen, daß auch Sie einer Einladung als Brautführer zu unserer Hochzeit folgen würden?"
Z C t t i n g s h a u s e n , 13. Febr. Heute vormittag wurde ein hiesiger Händler, der unter dem Verdacht eines Sittlichkeitsoerbrechens an einem Kinde unter 14 Jahren aus Saasen steht, wegen Fluchtverdachts von der Grünberger Gendarmerie verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis in Gießen eingeliefert. Der Verhaftete besitzt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, sondern stammt aus Polen und ist nach dem Kriege erst hier zugewandert.
ck. Orünberg, 12.Febr. Die Wahrzeichen von Grünberg find von weitem der Wartturm, beim Räherkommen der mächtige einkantige Diebsturm, der spitze Kirchturm, das liebliche Brunnental und die H ö f e t r ft n f c. Letztere, ein Teil der alten Befestigung zwischen Antoniter- und Franziskanerkloster, ist infolge der Erweiterung der Stadt in der Richtung des weit draußen liegenden Bahnhofs fast mitten in der Stadt gelegen und bildet so ein kennzeichnendes Merkmal der Stadt, um das manche andere Stadt Grünberg beneiden kann. Wenn man, vom Bahnhof kommend, am Ende der Bahnhofstraße um die Ecke gebogen ist, um über die brückenartig auf Mauern ruhende Straße durch die verschwundene Antoniter- psorte in die Altstadt einzugehen, hat man vor sich ein reizvolles Bild. Rechts gleitet der Blick über die Wasserfläche und jenseits den als Scheuer dienenden Rest des Franziskanerklosters zu dem hochragenden Diebsturm. Roch links schließt sich eine Reihe auf der alten Stadtmauer stehender alter Häuser an. Links der Straße steht hoch auf der hier natürlich erhaltenen alten Festungsmauer das alte Antonfterkloster, jetzt Schloß genannt, mit dem gesondert stehenden Wirtschaftshof, einem prachtvollen hochgiebligen Holzbau. Die Aussicht nach links ist leider im Sommer durch über die Straßenmauer ragendes Buschwerk und Baumkronen verdeckt. Die dieses Bild belebende charakteristische Höfetränke gehörte weit eher als mancher alte Baum unter Denkmalsschutz. Aber wie sieht sie jetzt aus! Bei der Einfahrt zur Tränke waren schon im vorigen Sommer so eigenartige Schuttmassen ab- geladen, daß man sich beim Vorübergehen die Rase zuhalten mußte. Ietzt wird noch an den beiden anderen Ecken — sie ist dreieckig — Schutt abgeladen. Es heißt, die ganze Höfetränke sollte zugeschüttet werden, um Baugelände zu gewinnen. Da der Wasserspiegel 2 Meter tiefer als die Straße liegt und das Wasser 2 Meter tief ist, könnte es immerhin etliche Iahr- zehnte dauern, bis durch diese gelegentliche Zu- füllung das billige Baugelände gewonnen ist. Wer wird aber auf 4 Meter hohe Asche bauen wollen? Unö in der ganzen Zeit sollen wir das Bild einer Schuttabladestelle mitten in der Stadt haben? Was haben unsere Stadtvftter gegen die gute alte Höfetränke? Sie soll im Sommer einer grünen Pfütze gleichen. Für letzten Sommer stimmt das nicht, denn das Wasser war immer klar. Wenn es vielleicht für trockenere Sommer zutrifst, dann wäre dem leicht abzu- helsen, indem man aus der Wasserleitung ein paar Kubikmeter Wasser mehr hineinlaufen ließe. Sollte das wirklich zu viel kosten? Andere Städte legen mit großen Kosten ihr Stadtbild belebende Wasserflächen an. Vielleicht könnte man, um mit weniger Wasserzuleitung in trockenen Iahren auszukommen, falls es nicht zu teuer kommen sollte, den Boden der Trftnke durch Anschüttung um einen Meter erhöhen. Aber das unschöne Bild zu verewigen und schließlich die ganze Höfetränke zu beseitigen, nein, das darf aus geschichtlichem, die eigene Vergangenheit ehrendem und die gegenwärtige Heimat verständnisvoll liebendem Sinne nicht geschehen.
-t- Warlhof b. Grünberg. 13. Febr. Das etwas über 200 Hess. Rormalmorgen große Gut W a r t h o f ist im Besitze des Volksstaates Hessen und an die Hess. Landwirtschaftskammer seit einigen Jahren verpachtet. Da ein Bedürfnis nach einer weiteren Jungvieh- und Fohlenweide bestand, entschloß sich die Leitung des Provinzial-Aus- schusses der Landwirt cha'tskammer, das ausgedehnte Ackergelände durch Reuansaat nach und nach in Grünland umzuwandeln und hier eine Jungviehweide anzulegen. In drei auf- einanderfolgenden Jahren ist nun das ganze Gelände bis auf eine kleine Restfläche zu Weide eingefät und angelegt worden. Die gesamte Weidefläche wurde in einzelne Koppeln von durchschnittlich zehn Morgen aufgeteilt und ein- gezäunt. Für je vier bis fünf Koppeln ist ein gemeinsamer, neuzeitlicher Tränktrog ausgestellt, iKwmil, ■IHM......... ■ iiii ninw .. I tCT'.-wmum
zu dem au« den einzelnen Koppeln eingezäunte Triebwege führen. Die zehn Meter langen Tränk- tröge werden aus einem Hochdruckbehälter gespeist. Durch eine automatische Einrichtung schließt sich die Zuflußleituna, wenn der Tränktrog gefüllt ist, selbsttätig ab. Die Jungviehweide wird bis zum nächsten Sommer aus etwa zwanzig Koppeln mit fünf gemeinsamen Tränkstellen bestehen, die während des Weidegangs zunächst 100 Rindern und etwa 20 Fohlen gutes, saftiges Futter in reiner, gesunder Luft liefern werden. Rach einigen Jahren kann die Zahl der Weidetiere noch erhöht werden. Eine Besichtigung der Einrichtung, insbesondere in den Monaten Mai und Juni, dürste gleichsam für Landwirte und Raturfreunde von Interesse fein.
=.= Watzenborn-Steinberg, 13. Febr. Der hiesige Gesangverein „Jugendfreund" feiert fein 40jähriges Bestehen in diesem Jahre durch ein Sängerfest am 16.. 17. und 18. Juni, mit dem einGesangswett- streit verbunden ist. Gestern fand die Delegiertentagung zum Wettstreit statt. Es meldeten sich hierzu 19 Vereine mit insgesamt 906 Sängern an. Es beteiligen sich in K asse A 3. Stadtklasse: 2 Vereine, 1. Landklasse: 5, 2. Landklasse 5, 3. Landklasse: 5, Abteilung B: Richtpreisgekrönte Vereine: 2.
" Watzenborn-Steinberg, 13. Febr. Im kommenden Jahre 1929 blickt der Gesangverein „Eintracht" zu Steinberg als zweitältester Verein innerhalb unserer Gemeinde auf fein 60jähriges Bestehen zurück. In seiner Generalversammlung vom 11. Februar wurde beschlossen, dieses Jubiläum mit einer größeren Festlichkeit zu begehen und damit einen großen nationalen Gesangswett- Tt r c i t zu verbinden. Als Festtag wurden der 1., 2. und 3. Juni 1929 bestimmt. Der Verein steht unter der bewährten Leitung des Chormeisters Harnisch von Steinberg.
t Lang-Göns, 13. Febr. Zu dem Bericht in der Samstagausgabe des „Gieß. Anz." ist nachzutragen, daß zu den dort namentlich aufgeführten Patriarchen unseres Dorfes noch der im 8 5. Lebensjahre stehende 2 ohs. Henrich XII. hinzukommt. Demnach repräsentieren die 2 4 alten Leute unseres Dorfes insgesamt 1 9 8 4 Lebensjahre.
0 ©rüningen, 13. Febr. älnferMänner- gef angberein „(Sin tracht“ feierte am Sonntagabend im Saale der Gastwirtschaft Dender fein 5. Stiftungsfest, das einen schönen Verlauf nahm. Die unter Leitung seines Dirigenten, des Lehrers M a r st e l l e r (Watzenborn-Steinberg), vorgetragenen Chöre legten Zeugnis davon ab, daß der Verein innerhalb der kurzen Zeit seines Bestehens eine beachtenswerte Höhe erreicht hat. Flott gespielte Theaterstücke und einige Gesangsvorträge, die durch Karl M a r ft e 11 e r, Ludwig Krämer und Wilhelm Krämer zu Gehör gebracht wurden, ernteten reichen Beifall und trugen zur Ausschmückung des Abends bei. Zwei Mitgliedern, den Herren Philipp Katzenmeyer und Ferdinand Heß, wurden durch den Vereisvorsitz».- den Adam Buh unter Anerkennung ihrer Vei> dienste Ehrendiplome überreicht. Einige Musikvorträge und Tanz beschlossen den schönen Abend, auf den der Verein mit Befriedigung zurückblicken kann.
ri L i ch, 14. Febr. Kaum hat sich das Grab über unserem Bürgermeister Völker geschlossen, so hat die Gemeinde Lich wieder einen großen Verlust erlitten durch das Hinscheiden des Ortsgerichtsvorstehers Karl Vogt, der gestern hier zur Ruhe geleitet wurde. Obwohl bereits 84 Jahre alt, hat der Verstorbene, der weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannt und geschätzt war, bis in die letzte. Stunde seines Lebens hinein fein Amt als Ortsgerichtsvor- steher und Standesbeamter, das er feit 25 Jahren inne hatte, ausgeübt. Dem Kirchenvorstand ge- gehörte er jahrzehntelang als Mitglied an, früher auch als Abgeordneter der Dekanatssynode, und dem Dekanatsausschuß des evangelischen Dekanats Hungen. Als Direktor der Licher Bank hat er sich große Verdienste erworben. Auch war er Ehrenmitglied des Gesangvereins „Cacilia", die ihren Sangesbruder durch zwei Grablieder ehrte.
0 Muschenheim, 13. Febr. Am Samstagabend hielt der hiesige Kriegerverein im Gasthaus „Zum Vater Jahn" seine diesjährige Generalversammlung ab. Nachdem die geschäftlichen Punkte, wie Rechnungsablage, Neuwahl des
Er verbeugte sich mit einer schweigenden Zustimmung. Allerlei Erwägungen schossen ihm durchs Hirn. Er konnte nicht gerade behaupten, daß ihm die ganze Art der Familie Amberger in ihrer gewollten Kopie alles Französischen je besonders sympathisch gewesen wäre. Gerade er, der die Bodenständigkeit seiner elsässischen Heimat als sein Lebensziel betrachtete, haßte diese Manier aufgepfropfter Doppelkultur, die vor Frankreich in Anbetung versank. Trotzdem sagte er sich jetzt, er würde Alceste als langjähriger Freund durch seine Absage verletzen. Auch reizte ihn die Aussicht, mit Melusine wieder einmal nach langer, durch den Krieg bedingter Pause für eine Reihe von Stunden im gesellschaftlick)en Rahmen zusammenzukommen.
„Es wird mir ein Vergnügen fein, Mademoiselle Amberger", gab er auf elsässisch zurück; „haben Sie die Absicht, die Gäste sehr zahlreich zu bitten?"
„Hauptsächlich Jugend, Monsieur Wenger! Sie werden mit meinen Freundinnen einen Flor junger Brautjungfern finden!"
Ihm grauste im stillen vor diesem Schwarm junger Freundinnen, wenn es eine Schar ebenso permanent französisch plappernder modisch aufgeputzter junger Gänschen war, wie Poette, Amberger selbst. Sie aber deutete sein Überlegendes Schweigen falsch und fragte nun mit einem Scherz: „Hätten Sie einen besonderen Wunsch unter den Damen, wen ich Ihnen als Brautjungfer zuteilen soll?"
Er nahm sich den Mut und meinte: „Wenn ich offen sein soll, Mademoiselle Amberger, so würde ich gern eine Dame geleiten, die mir bereits bekannt ist. Man unterhält sich besser, wenn man gemeinsame Berührungspunkte hat. Sehr gern würde ich zum Beispiel Melusine führen ..."
Raymond horchte nun schärfer auf die Unterhaltung, als er den Namen seiner Schwester nennen hörte. Poetle zupfte leicht mit affektierter Gebärde an ihrem zartlila Schleier und warf Raymond einen lächelnden Blick zu, der ein gegenseitiges Verständnis enthielt. „Meine zukünftige Kusine Melusine möchten Sie führen, Monsieur Wenger? Von mir aus tät* ich Ihnen gern den Wunsch erfüllen. Aber ich glaub', — man muß Mademoiselle Melusine als Brautführer ihren Verehrer geben, mit dem sie sich wohl bald verloben wird, — wie heißt er doch,.
dieser Herr, den sie in Frankreich tennengelernt bat?"
Trotzdem sie sich bei dieser Frage an Raymond wandte, gewahrte dieser, wie sich die Züge von Wenger plötzlich verzerrten. Nicht nur Ueber- raschung las man in ihnen, sondern schmerzliche Bestürzung. Diese Anspielung auf die Beziehungen von Melusine zu dem jungen Franzosen traf Wenger anscheinend unvorbereitet. Raymond aber brauchte Sekunden, bis er seine stille Empörung einigermaßen beherrscht hatte, weil Pvette bereits — anscheinend durch ihren Verlobten Alceste — von dem Auftauchen des Monsieur Bouvier und dessen Gründe unterrichtet worden war.
„Ich kann Ihnen wirtlich nicht den Namen nennen, Pvette, ich kenne den betreffenden Herrn kaum. Ich glaube, Ihre Vermutung geht über die Tatsachen hinaus. Der junge Herr hat einen Besuch in unserem Hause gemacht. Weiter nichts."
Sie fühlte seinen Unmut, trotzdem sie den Grund nicht erriet. „Haben Sie einen speziellen Wunsch, Raymond? Wen wünschen Sie als Kavalier zu. geleiten?"
Er verneigte sich leicht. „Treffen Sie Ihre Dispositionen nach Ihren Wünschen, Kusine!" Und im stillen dachte er, seine leidenschaftliche Unruhe meisternd: „Wenn ich überhaupt zu eurer Hochzeit dabei bin! Vielleicht, — ach, vielleicht weile ich dann nicht mehr in der Heimat!"
Ehe sie sich jetzt alle drei verabschiedeten, mußte Raymond noch die flüchtige Vorstellung des kleinen Bekanntenkreises über sich ergehen lassen, in dem sie sich befanden. Mit einer gewissen geschmeichelten Sicherheit präsentierte sie den Mülhausener und Straßburger Bekannten ihren zukünftigen Vetter, den jungen Baron de Hammerschlag, und die braven Bourgeois quittierten diese Vorstellungen mit einem Gemisch von Neugierde und Reserve, denn man konnte es diesem eleganten jungen Landsmann doch nicht gleich ganz verzechen, daß er als Offizier unter den deutschen Fahnen den Krieg mitgomacht hatte.
Eifrig plappernd steuerte die kleine Gruppe um Pvette Amberger jetzt der nahen Endhaltestelle der elektrischen Dahn zu. Um einer weiteren Berührung mit ihnen zu entgehen, machte Raymond den Vorschlag, den Weg nach der Stadt zu Fuß zurück
Dorstandes u.a., erledigt waren, erfolgte durch den Präsidenten Karl Roth die Ueberreichung von Ehrenzeichen an Mitglieder, die dem Verein 50 bzw. 25 Jahre lang angehören. Mit dem goldenen Abzeichen wurden fünf Kameraden, nämlich die Herren Weisel, Müller, Reis, Seipp und S t e u l ; mit dem silbernen 17 dekoriert. Die harmonisch verlaufene Versammlung wird den Teilnehmern noch lange in angenehmer (Erinnerung bleiben. — Kommenden Sonntag wird der hiesig« Turnverein im Saale des Gasthauses „Zum Vater Jahn" eine Abendunterhaltung veranstalten.
# Langd, 13. Febr. Dieser Tage fand im hiesigen Gemeindewald Holzversteige- r u n g statt. Zum Verkauf des Brennholzes waren in der Hauptsache Einheimische anwesend. Die Preise hielten sich in normaler Höhe, ein Raummeter Buchenscheitholz kam 12 bis 13 Mk. Hierauf wurde Bau- und Ruhholz ausgeboten. Wegen des sehr schlechten Wetters hatten sich trotz öffentlicher Ausschreibung verhältnismäßig wenige Kaufliebhaber eingcfunden. Buchenftamm- holz von 30 bis 59 Zentimeter Durchmesser kam auf 50 bis 65 Mk., ein besonders schöner Stamm von PA Festmeter wurde mit 112 Mk. bezahlt. Fichtenderbstangen kamen je nach Starke auf 1,50 bis 3 Mk. Fichtenstammholz, Klasse Vb kam auf 20 bis 35 Mk. je Festmeter. Fichtennuhreis- stangen erzielten für 6 Raummeter einen Preis von 21 bis 24 Mk. Die Gebote für Eichen- Stammholz schwankten zwischen 16 bis 35 Mk., ein Preis, der als billig bezeichnet werden muß, da es sich in der Hauptsache um Schnittholz handelte.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 13. Febr. Die ehemaligen 116er in Friedberg veranstalteten am Samstagabend im Kasinosaal eine Abend - Unterhaltung, die sehr gut besucht war und einen schönen Verlauf nahm. Der Vorsitzende. Ober- postsekretär Keßler, begrüßte in feiner Eröffnungsansprache besonders den Gründer des Vereins, Kamerad Fink aus Bad-Homburg. Den musikalischen Teil des Programms bestritt eine Abteilung des Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr. Mit starkem Beifall wurden die Zithervorträge des Kameraden älngelenk und die Aufführung der Operette „Martin der Heizer" durch Mitglieder des „Liederkranz'' ausgenommen. Rach Ablauf des Programms blieb man bei Tanz und kameradschaftlicher Stimmung noch lange Stunden beisammen.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 13. Febr. Wie wir seinerzeit berichtet haben, pachtete die gräfliche Verwaltung im vorigen Jahr die Ziegelei am Lardenbacher Weg von der Stadt. Die Gebäude der gräflichen Ziegelei am „O b e r s e e" (an der Straße nach Lauter) wurden hierdurch frei. Ein Holzhändler namens Bey aus der Rheinprovinz hat die Gebäude der gräflichen Ziegelei gepachtet und hier eine 3m» prägnationsanlage (für Weinpfähle, Baumstan- gen usw.) eingerichtet.
V Gedern, 13. Febr. Am Samstag fand hier eine Bezirkslehrerkonferenz statt. Rach Erledigung verschiedener geschäftlicher Fragen hielt Lehrer Sauer- Ober-Lais einen lehrreichen Vortrag über die Entstehung der Feldmark seiner Heimatgemeinde. Er wies nach, wie sich auf Grund heute gebräuchlicher Flurnamen Rückschlüsse ziehen lassen bis auf die Zeiten der ersten Rodungen und der Gemeindegründungen. Der Redner hob den Wert der Flurnamen, die ja in fast allen Gemeinden zur Bestimmung der einzelnen Gemarkungen gesammelt werden, hervor und regte durch feine flaren und fachlichen Ausführungen zu weiteren Heimatforschungen an. Lehrer Fernges-Gedern vollendete alsdann seinen in der vorhergegangenen Lehrerversammlung angefangenen Vortrag über seine Reise nach Italien. Er führte die Anwesenden im Geiste nach Rom und Florenz und zeigte an Hand vieler und schöner Lichtbilder die unermeßlichen Schönheiten dieser Städte.
Kreis Alsfeld.
—er. Homberg a. d. Ohm, 13. Febr. Dieser Tage hielt Missionar Schmoll von der Baseler Mission in unserer Kirche einen interessanten Vortrag mit Lichtbildern, nachdem er schon am Rachmitlag den Konfirmanden im Schulsaal von den Chinesen (er war nämlich als Missionar längere Zeit in China tätig) aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen in etwa Ir/zstündigem
zulegen. Er fühlte an der lebhaften Bereitwilligkeit des Freundes, wie sehr Wenger gleichfalls an einem weiteren Zusammensein unter vier Augen lag. Es wurde ringsum stiller um sie. Droben auf der Rheinbrücke war es leer und einsam. Die unglückliche Schar ber Ausgewiesenen, der Heimatlosen mochten nun das jenseitige Rheinufer erreicht haben. Der Vorhang senkte sich auch über diese Schlußtragödie des Krieges.
Nur die gleichmäßigen Schritte der auf und ab gehenden Patrouillen klang aus der Ferne über, den leicht gefrorenen Boden. Die Sonne verkroch sich von neuem. Ein Schwall von feucht-nebeliger Luft schlug wieder von den Rheinwegen herüber. Der Reflex der Stahlhelme und der aufgepflanzten Bajonette versank in stumpfem Grau.
Raymond erwartete, Wenger würde jetzt noch seiner Empörung über diese ganzen Vorgänge an der Rheinbrücke Luft machen. Aber der schritt schweigsam, den Blick zu Boden gesenkt, neben ihm her. War schon früher manchmal eine Ahnuntz in Raymond auf gestiegen, Wenger nähme ein tieferes Interesse an Melusine, so fühlte er mit einem Schlage, daß die unbedachte Aeußerung von Poette seinen Freund aufs tiefste getroffen zu haben schien.
Und wirklich unterbrach Wenger nach einer Welle das Schweigen, als sie die lange, mit Platanen Anges ä um te Allee in ziomlichei Einsamkeit zurück- geschritten, ohne jeden Uebergang und ohne seine innere (Erregung zu verdecken: „Was ist an diese'' Aeußerung Pvette Amberger Wahres? Deine Schwester hat einen französischen Verehrer? Sie beabsichtigt, sich mit ihm bald zu verloben? Wann hat sich das alles angebahnt? Ich bin völlig im unklaren ..."
Raymond holte tief Atem. (Eine wunde Stelle war in ihm berührt. Er wußte nicht, wo anfangen, wenn er jetzt über diese Sache sprechen sollte! Und deswegen platzte er, um sich möglichst kurz zu fassen, heraus: „Ach was, Verehrer! (Ein windiger Franzos ist es! So ein monsieur le professeur de musique. Da drunten her aus Grenoble oder Avignon. Meine Schwester hat ihn damals in Bezay fenn angelernt, als iw sie zu mir rief, weil die Aerzte mich aufgaben. Anscheinend hat ihr damals schon dieser Monsieur — Gott, ich habe seinen Namen vergessen! — den Kopf warm gemacht!"
(Fortsetzung folgt.)


