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Th. 12 Erster Mast

178- Jahrgang

Samstag, 14 Januar 1928

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chesredaktcr

De Fnedr Dich Lange. Srrantworthd) |6r Dohlih Dr jr Dich Lanae, ftr SeuiDeton Dr tz Ihoriot. für ben übrigen 2eil Ernst Blumlchrin, für ben Sn.

Geßlers Abschied.

ReichSwehrmmtster Dt (Pebler hat heb ent« Wollen, von bet politischen Bühne abzutreten. Ir hat Ichon 'eit Iaht und Tag mit dem ®e- hanken gdpiell, ihn aber immer wieder zurück- leftellt, bi« Ichwete Schick.alSfchläge in feiner Samlhe. die sich gerade in den letzten Iahten »duften, leine Widerstand«keaft wohl soweit er- chüitert haben, datz er 'ich den Anstrengungen 'einer Xäligteit doch nicht mehr gewach en fühlt ind ben Reichspräsidenten um lofortige Ent­hebung au« Ieiner Stellung gebeten hat.

tfr ist der bienftältefte unter sämtlichen TU- ilstetn. Wenn wir richtig «üblen. ist er nicht tivniger al« 15 mal -um Minister ernannt r>ort*n. -um erstenmal 1919. al« er von den ^emeftaten au« Rürnberg geholt, seinen bor» Ilgen Oberbürgermelfterpoften ausgab, um da« Ministerium für Wiederaufbau zu übernehmen. Dach dem Kapp-Putsch ist er dann in« Weht« »In H e r i um &uuibcrqeivecbfclt. weil man ihm tic persönlichen Fähigkeiten «utraute. die scbwle- ngc Liquidation auch nach der psychologilchen Seite hin durchzuführen Im großen garucn II diese« örperimcnt geglückt. Herr Gebiet hat tatet dem Gesichlswinlel de« Staate« gesehen, ttc Erwartungen, die auf ihn gesetzt wurden.

Et hat allerdings seine Pflicht ».-füllt auf kosten persönlicher Freund- s ch a s t e n. Seine eigene Partei wollte ihm auf den, Liege, den er ging, nicht folgen. Er hat ^nächst sein ReichStagSmandai niebcrlegcn nullen, und ist dann auch au» der Partei offiziell ausgetreten. Die Sozialdemokraten ha- ben ibn gehabt, sie machten Ichon 1923, al« Di ctre'cinann die Große Koalition zu'ammen- drachte. Harte Einwendungen gegen Gehler gel­ten b und haben im November 1926 nur au« Hab gegen ihn bic Möglichkeit eine« Zusammen- gehenS mit dem Zentrum zerschlagen, damals, ehe da« neue Äabmctt Mort mit den Deutfch- iMtionalen gebildet wurde.

co ist Dr. Gehler In den letzten Jahren anläfe- hdi der mancherlei kleineren und größeren Zwischen- Hille im Betriebe der Reichswehr oft umstritten ge­lassen. Aber wenn man die heuttge Berliner Presse : Jt. |o findet man. daß er im Grunde und als Oe- intperfonlitbfeit überall in den verschiedenen 'Jjrte,lagern aufrichtige Anerkennung i. n b Würdigung findet Das Hot feine guten (Brünbe. Denn wenn man auch da und dort in LH nf »blättern ben Dorwurf leise wieberholt steht, ,r habe doch aus der Reichswehr nicht lenes zuver- li'hg republikanische Instrument bet Reichsleitung Huben können, da > man von dem Demokraten Gest- 1.1 erroarktc. so hat doch oiich bie Kritik, die oft fciug bie Grenzen bes Sachlichen überschritt, im tirunbe genau gewußt, welche schier unüberfteig- : d-en Schwierigkeiten biefer Mann zu mei­ern wußte. Don Hanse au» Zivilist unb Demokrat, !,inte er nur zwei Wege gehen: entweder den niksichlsloser Gewalt, um au» der Reichswehr xeqen alle Widerstände der in ihr verbliebenen (Sie- nnnte des alten Vfft-ier»korps au» der Kaiserzeit t re ausgesprochen republikanische Institution zu machen unb dazu fehlte ihm fast während der aanzen Amtszeit die nötige politische Macht einer >,engen, aleichgerichteten Reoicrunc:sgewalt: oder Ci* das Vertrauen unb bie Sympathie bei Reichswehr selbst dadurch zu sichern, daß ir sie mit ihren (Viqentiimfidifeiten weitgehend gegen bif politische Kri'i' in Schutz nahm und langsam b-.irch Beispiel und Anleitung zu bestem suchte, was hm an ihrer Konstruktion etwa unerwünscht schei- ien mochte. (Fr hat den letzteren Weg gewählt, n-fenbar. weil er ihm der politisch allein rr »gliche schien Und er ist dadurch vielleicht zeit- seifiq vor der Alternative: Demokratische Politik »brr Autorität bei der Reichswehr stärker an fein Gestört als an den politischen Grundgedanken ge- Hunden erschienen. Ader es ist eine große ftrafle, ih ein anderer als er es hätte bester machen können,, mb ob ein anderer als er es künftighin L* f i c r machen wird.

er selbst ih. da« bestätigt ihm jetzt auch der »Vorwärts". kein Kleber gcroefen. Gr bat nur en« ehrlichem Pttichtbewusttsein ausgehalten und Venn er jetzt geht, darf er sich lagen, bah ferne Aufgabe im wesentlichen erfüllt ist Cr hat lah'ir Sorge getragen, daß hie Reichswehr ,in zuverlässiges Instrument des Staate« geworden ist. hast alle Versuche he parteipolitisch zu infizieren sehlgefchlagen nnb. ksicht wird es nicht fein, ihn xu ersetzen, weder T.rdb der persönlichen noch nach der politischen feite, weil der Kampf der Fraktionen um den Ministersessel das ohnehin gelockerte Gefüge der feaentnärtigen Regierungskoalition unter llny finben überanspruchen könnte GZ wird auch Breits ernsthaft davon gesprochen. ihn zunächst fr xu beurlauben und einen feiner M.nistet- h legen mir der Vertretung zu beauftragen, so- l::ige bis fi<b zeigt ob mit den Neuwahlen das Kabinett schon im Laufe des Frühjahrs Per- schwinde: ober ob wir mit einer inneren Um- gruppierung erst im Spätherbst zu rechnen haben.

Ter nun nach neurqadriger Ministertätigkeit Lisfcheidenbe Reichswebrminister wurde 1875 in SubroigSbura lWürtt.) geboren. Mit feinem Tater, der die Stelle eines landwirtschaftlichen Trrwalters beim Grafen Quadt bekleidete, fie- Mtc er bald darauf nach Aeschach bei Lindau i?cr. Aach dem Besuch der Volksschule und des Edmnasiums studierte er an der Universität (klangen, die er im Jahre 1898 absolvierte int> an der er Summa cum laude zum Doktor btr Rechte promovierte. Vach dem Eiaatskonkurs wurde er auf ein Jahr

Der Wechsel im Reichswehrministerium.

Berlin. 14. Jan. (Wolff.) 3n parlamentorifchrn Äreifen wurde mit grober Bestimmtheit davon ge­sprochen. bah Reichswehrmini sl er DrGetz- I e r seine schon wiederholt geäußerte Absicht der Amtsniederlegung schon In allernächster 3ell durchführen wolle. Da» Gerücht wurde aus Acutzerungcn de» TNinister» zu rückgeführt, besten Gesunbheit»zustanb in letzter Zeit viel zu wünschen übrig Hetz. Anbererseit» wurde bezweifelt, dotz Dr. Getzler noch vor der Lrlebi- gung seine» in diesem Jahre besonder» heitz um­strittenen Etat» zurücktreten werde. Wie da» WIB. dagegen von gut unterrichteter parlamen- forischer Seite erfährt, mutz e» al» sicher gelten, datz Dr. Getzler die Leitung seine» TUinifferium» tatsächlich niederlegt. In polittschen Kreisen nahm man heute mittag noch an. datz die Be­mühungen namenttich de» Herrn Reichspräsi­denten doch noch dazu führen würden, datz Dr. Getzler bl» jur Neuwahl de» Reich», tage» im Arni bliebe. Die Besprechungen, die diesem Ziele dienen sollten, haben aber nur zu dem Ergebnis geführt, datz der Rücktritt Dr. Getzler» nunmehr al» unvermeidlich anzufehen ist. Ob die Riederlegung der Leitung de» Reichswehrmini. fterium» zunächst in der Jorm einer Beur­laubung Dr. Getzler» erfolgt, steht noch dahin. Wahrscheinlicher ist aber die baldige formelle Genehmigung der Rücktrittsbitte

Im Laufe des Dormittag» find denn auch berert» Besprechungen über die RachsoIge Dr. Getzler» ringelet fei worden. In diesem Zusammenhang er­innert man in Parlamenteri|d>cn Kreisen an die Dereinbarung, die bei der letzten Kabinett»- bilbung zwischen den Regierungspar­teien getroffen wurde, wonach bk Deutsche Doir»partei bas Reich»wehrminislerium be­kommen solle, sobald der bereit» damals akute Rücktritt Dr. Getzler» Wirklichkeit werden würde. Unter diesen Umständen Hal der Reichspräsi­dent heute vormittag dem Führer der Reichstag»- sraklion der Deutschen Dolksparki. Reich»minisfer a. D. Dt. SchoI;. den Posten de» Reichswehr- Minister» angeboten. Dr. Schot, hat jedoch abge- lehnt, da die parlamentarische Lage gerade in den nächsten Monaten fein Derbleiben in der Lei­tung der Auktion erfordert. In parlamcnlarifchen Kreisen halt man es nunmehr für wahrscheinlich, datz die Jrage der Nachsolge Dr. (Defekts so gelöst wird, datz bis zu den Reuwahlen eine k o m m i s - sarische Beaustragung erfolgt, etwa in der Jorm. datz einer der anderen Reichsminisler die Leitung bes RNnisleriumc- mit übernimmt Man nimmt an. datz für diesen JaU der Reichskanz- l <* r perfönlich die Leitung des Reichswehrminisle- riums übernehmen wird.

Der DAZ. zufolge sollen jedoch in einigen Kreisen der Koalition Besurchtungen gehegt werden, datz eine solche Art der Lösung als ..Abwicklung»- zustand" bes jetzigen Kabinett» aufgefafel. also als Bereitschaft zu baldiger Dornahme der Wahlen und etwaiger späterer Kabinettsumbildung, aufge- satzl werden. Der Reichspräsident dürste sich daher nach dem genannten Blatt zu einer provisorischen Regelung erst entschließen, wenn die Dersuche, einen neuen Wann für das Wehrminiilerium zu fin­den. gescheitert sein sollten.

Was diesen neuen Mann anbetrifft, so wird in den Blättern eine ganze Reihe von Hamen ge­nannt, deren Träger vornehmlich der Deutschen Dolfspartei angehören. Wenn man derG e r- m a n i a Glauben schenken darf, so scheint es jedoch noch nicht kestzuslehen, datz unbedingt ein Mitglied dieser Partei Rrichswehrminister werden wirb. Das Zrnlrumsbtatt sagt: Ob der Dolfspartei die Be­mühung um dieses Amt gelingt, ist durchaus noch fraglich. Darüber hätten auch noch andere zu be­finden. Es gibt nicht unbedeutende Kreise, bie eine parteipolitisch nicht gebundene Kandidatur empfeh­len. In diesem Zusammenhang hört man den Ka­men von General O r ö n e r , der ernsthaft faoorl- fiert wc den soll. Die ..Deustche Zeitung" verzeichnet da» Austauchen des Gedankens. General Heye als Stellvertreter des Wehrminlffer» einzufetzen. Gene­

ral Heye soll übrigen», wie man Ihm hier und da nachfagt, nicht abgeneigt fein, nicht nur Stellver­treter. sondern Relchswehrminister zu wer­den. Schiietzlich sei noch ein von demLokalan­zeiger" verzeichnete» Gerücht erwähnt, dotz In der Umgebung de» Kanzler» der Gedanke erörtert wor­den sei, den früheren Reichsinnenminisler Dr. ft ü I j in da, Reichswehrminislerium zu berufen. Die Lnl fcheidung wird durch den Reichspräsidenten nicht überstürzt, aber mit Rücksicht auf die 6fal»arbciten bald gefällt werden.

Zm Echo der Presse.

Berlin, 14. Jan. Zu dem von Dr. Getzler dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler zum Ausdruck gebrach en Wunsch, von feinem Amte als Reichswehrm nister zu scheidem nimmt bisher nur ein Teil der Berliner Blätter Stellung. 3n der ..D A 3 hecht es M i t auf­richtiger Bewegung sieht da« deutsche Volk einen Mann, der acht schwere Jahre hin­durch den mühsamen Wiederaufstieg -dcS Reiches mit nimmermüder Treue gefördert. der ihm Gesundheit und beste LebenSkia't geopfert hat. au« den Reihen der aktiven politischen Füh- rer scheiden. Das beste, was ein Mann und Po­litiker von seinem Wirken erhoffen kann, ist ge­schehen: Sein Werk ist gesichert! - In der ..T ägl. Rundschau" wird auSgeführt: Irgendwelche politischen Gründe dürften für die gegenwärtigen Rücktriltsabsichlen nicht vorhanden fein. Dr. Gehler« Gesundheitszustand hat unter den letzten SchicksalSschlägen besonders

Ein Aufruf für die Aufrechterhaltung

München. 14. Jan. (WTD. Funkspruch.) Die .Münchener Reuesten Rachrichten" veröfsent- lichen unter der llcbcrschrist^ .Der Kamps um Bayern" einen Aufruf, der von einer großen Zahl führender Männer aller Kreise unterzeichnet ist und für die Aufrechterhaltung und Ausgestaltung de« bundesstaatlichen Sharak- ters de« Reiches eintritt. In dem Aufruf heißt es u. a.:

-Ohne eine gewisse wirtschaftliche Kraft und Macht al« Rückhalt ist eine eigene, freie, im Heimatboden und dem Wesen seiner Bevölkerung wurzelnde kulturelle Entwicklung und Blute nicht möglich und ohne eine gewisse politische bundes­staatliche Selbstbestimmung mit einer GesehgebungSkompetenz und Finanzverwaltung ist eine entsprechend günftige Wirtschafts­entfaltung auf Grund der eigenen Vor­bedingungen dcS Landes und seiner Bevölke­rung in Bayern und ähnlich in den anderen Bundesstaaten auch nicht möglich. Das ist der Kernpunkt des Problems. Rur auf dem Wege des Bunde« st aatSgedanken« wird die Einiakeit und nationale Einheit aller Deutschen gesichert einer bodenständigen wirtlichen Kultur im ganzen deutschen Volke die Entwicklung er­möglicht und für eine unbegrenzte Heimat- und Vaterlandsliebe aller Deutschen die Grundlage geschaffen, und auch nur so bei wirklich bundes­staatlicher Struktur de« Reiche« und seiner Ver­fassung ist dann der Zusammenschlutz mit Deutsch-Oesterreich und die Wieder­gewinnung der verloren gegangenen deutsch­sprachigen Gebiete und des allgemeinen An­sehens Deutschlands in der Welt möglich."

Die Elaaisvereinfachung in Bayern.

Ein Rcgitrungsprogramm zur Lenkung der Verwaltungskoften.

München, 13. Jan. lWTB.« Der Entwurf eine« Gesetzes über die Staat«verein'achung in Bayern ist heute dem Landtage zugegangen. Sr sieht vor. daß im Bereich aller Mini­sterien bis 1. April 1933 die Zahl der Besoldungsempfänger um wenig­sten« 1 0 v. H. gegenüber dem Rechnungsjahr 1926 z u mindern ist. Die Einsparung ist auf alle Besoldungsgruppen gleichmä­ßig zu verteilen. Im ganzen wird innerhalb der

seit dem Tode seiner Mutter sehr gelitten Wie es scheint, kommt dem Rücktrilisgesuch diesmal eine ernstere Bedeutung zu. so daß man mu. einem Wechsel aut dem Posten de« Reichowedr- minifter« wird rech en müssen. Im Gegensatz zur ..Täai Rundsch " ist dav P T." der Ans , daß nicht nur persönliche und gesundheuliche Rücksichten für den Rücktrittswunsch de» Reich.- wehrministers ausschlaggebend sind, sondern daß auch die ganze politische Situation maß­gebend mitspreche. 3« ki eine sehr lebhafte ReichSwehrdebatte im Parlament au erwarten, der sich Gehler offenbar nicht niepr gewachsen fühle. Der .Deutsch e" betont: Die Reichs­wehr hat sich zu einer starken und sicheren Stütze des Staates entwickelt. Daran hat Gehler zweiseUos starke Verdienste.

Der .Vorwärts" schreibt: Der Reichswehr­minister Dr. Gehler ist. das müssen auch seine Gegner ihm nachsagen, nie ein .Kleber" gewesen Er hat schon in früheren Jahren oft feinem Wunsche nach einer weniger veranttvor- tungsbeladenen Tätigkeit in einer Weise Aus­druck gegeben, bah an seiner Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln war Später traten schwer Schick­salsschläge in der Familie und eigene Krankheit dazu, um den Wunsch zu verstärken. Sein Al- egeluch kommt der Regierung dKr in diesem Augenblick ebenso unwlllkoinmen wie in früheren. Denn für die Erbschaft, die Gehler hinterläßt, ist nicht so leicht ein Erbe zu finden. Ein jetzt zu erneimender Reichswehrminister wäre doch nur ein Platz­halter für den Mann, der nach den nächsten Wahlen kommen wird.

des Bundeschaeatters des Reiches.

nächsten fünf Jahre mit einer Einziehung von etwa 2500 bi« 3000 Stellen und neben der ent­sprechenden Senkung von Sachausgaben mit einer Minderung der Personal- auSgaben von im BeharrungSzustande jähr­lich etwa 1 4 Millionen Mark gerechnet. Die beabsichtigte Stelfenverminderung entipricht jedenfalls dem Maße, das die Reichsverwaltung auf dem Wege erreichen will, daß von drei freiwerdenden Stellen grund'ätzlich eine Stelle eingezogen wird

AIS unerläßliche Voraussetzungen für diese Senkung der StaatSausgaben verlangt der Ent­wurf neben der Entlastung des Staates von Staatsaulgaben eine großzügige Verwal­tung«- und Bureaureform und eine entsprechende Vereinfachung der Behördeneinrich- tung. Mit den, Ermächtigungsgesetz vom 9. Juli 192(5 sind aber die Reformen zeitlich nicht zum Abschluß zu bringen. Zwar liegt ein vom Ge- samttninisterium au«gearbciteler Reiormplan vor, der in der Hauptsache ferliggefteUt ist Die er Plan ist aber in allen seinen Einzelheiten 'chon deshalb nicht zur Vorlage reif, weil neuerhing« auf Verlangen de« Reichstage« von der ReichS- regierung Verhandlungen über die Aufhe­bung von Reichsbehörden eingeleitet find, von denen auch Bayern stark berührt wird. Zur Durchführung der gesamten Maßnahmen auf dem Gebiete der Behördenorganisation halt der Gesetzentwurf eine Frist von drei Jahren und eine dementsprechend bemeßene weitere Ermächtigung der Reg.erung für crior- derlich. Spätesten« in der gleichen Zeit soll die ichon eingeleitetc Vereinfachung der Dermal- tung-geschäszc mit Einschluß der Sichtung und Zusammenfassung des LandeSrechle« zum Ab­schluß gebracht sein.

Oie Länderkonfereii;.

Berlin. 14. Ian. (WTB. Funkspruch.- Da« Reich-kabinett beschäftigte sich auch in feiner gestrigen Sitzung mit den Vorbereitungen zu der in den nächsten Tagen beginnenden B e - sprechung mit den Ministerpräsiden- t e n der Länder. Die Beratung wurde abge­schlossen. ES wurde ein Einverständnis über die zu behandelnden Punkte erzielt, die für die Verhandlungen al« Grundlage biegen sollen. Vorgesehen ist, am Schluß der Sitzung t einer gemeinsamen Kundgebung der Reichs re gierung und der Ministerpräsidenten der Länder hervorzutreten.

Bayern und die Rkichsresorm.

als Hilfsarbeiter ins Justizmini­sterium berufen und dann zum dritten Staats­anwalt in Straubing ernannt Im Rovem- ber 1905 wurde er durch die Beschlüsse der städtischen Kollegien in München zum Se- werberichtcr gewählt. Am Dezember 1910 wählte das Gememdekollegium in Regens­burg mit 23 liberalen Stimmen Dr. Gehler zum ersten rechtskundigen Bürgermeister der Stadt Regensburg. Am 9. Dezember 1913 wurde er sodann al« Rachfolger Dr. Schuhs zum Oberbürgermeister von Rürnberg ge­wählt. Während der Räteherrschaft war e« dort Dr. Getzler. dessen zielsicherer Energie es zu verdanken war. datz Rürnberg und das übrige Rordbayem von dem bolschewistischen Bluwer- gießen bewahrt blieben.

So kam es. daß er im Oktober 1919 als Leiter des neu begründeten Wiederaufbaumini- ft e r i u m s nach Berlin berufen wurde, vorge-

schlagen von der Demokratischen Partei, der et angehörte. Jedoch blieb er nicht lange in diesem Amte. Als infolge des Kapp-Putsches Ende März 1920 Roske als Reichswehrminister zurücktrar. übernahm Gehler seine Rachfolger­schaft. In dieser Stellung hatte er zunächst die Herabsetzung der Reichswehr auf ein 102 000- Mann-Heer bis zum 1. Januar 1921 durchzu­führen und gleichzeitig die gesetzlichen Grund­lagen für die endgültige Reichswehr zu schaffen. Auch bestrebte er sich, die Entpolitisie­rung der Reichswehr durchzuführen, indem er ihren Angehörigen nach und nach bic Zuge­hörigkeit zu allen in diesem Sinne ungeeigneten Bereinigungen verbot. Aus dem Kabinett Dauer ist Getzler dann in alle folgenden Ka­binette bis zum zweiten Kabinett Wirth vom Oktober 1921 übergegangen. Selbst in diesem, aus dem feine Partei sich ausdrücklich zurück- zog. verblieb er auf Ersuchen Wirths und mit

Zustimmung seiner Fraktion al« .Fach- minifter". Ebenso trat et im Rvvembet 1922 in da« Kabinett Euno. im August 1923 trotz star­ker Anfeindung durch die Sozialdemokratie auch in da« Kabinett Stresemann und später ebenso in die Kabinette Marr unb Luther und wieder Marr über. Während dieser ganzen Zeit wurde sein Derhältni« nicht nur zur Sozialdemo­kratie sondern auch zu seiner ctqcnen Par'.ei nach und nach immer gespannter. Ein Konflikt mit dem demokratischen Oberbürgermeister Dr. Luppe von Rürnberg wurde im Rovember 1925 überbrückt. Sein Versuch, im Mai 1926 ein Kabinett zu bilden, scheiterte. Ganz offen­bar wurde der Konflikt mit seiner ei­genen Partei, als im Januar 192Z während der neuen Kabinettskrise Getzler dem General Reinhardt Genehmigung zur Derösfentitchung eines Artikels erteilte, in dem dieser gegen Pläne der Linken in der Frage des Hecreser-