Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 13. Dezember 1928.
GemeindeabendderMaLthäuSgemeinde
Alljährlich im Advent hält die Matthäus- gemeinde ihren großen Gemeindeabend ab. Der Saal des Eafe Leib war am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt. Da« charaktervolle Pro- Sramm des Abend« hatte viele angezogen; ins- efondere aber auch da« Bedürfnis nach Gemeinschaft untereinander. Denn das letzte -Ziel dieser Gemeindeabende bleibt, aus der Gemeinde Gemeinschaft zu bilden, zumal bei der Gröhe und besonderen Schwierigkeit der Matthäusgemeinde als der gröhten Gemeinde unb Altstadtgemeinde Dietzen«. Ein Grundgedanke trug den Abend: Die Heimkehr der Seele auS dem Weltgetriebe. Moskowskis Suite für zwei Violinen und Klavier leitete den Abend ein. Frau Dr. Fischer (Klavier), Musiklehrer Franz Bauer junior unb Studienassessor Knauh (Violine) spielten: drei Musiker, prächtig aufeinander eingespielt, Menschen guten Willen-, die seelischen Hintergründe der Suite aufzusuchen. Es war eine Freude, diese Musiker musizieren zu hören. Wie sie das taten, mit Hingabe und Freude an der Sache, tat wahrhast wohl. Ein Menuett von Haydn, Deutscher Tanz von Mozart, zwei romantische Stürfe von Dvorak folgten: alles feine, gepflegte Musik, voll sprudelnder frischer Einfälle, nicht vom Gehirn, sondern vom Herzen diktiert. Frau Dr. Wehl fang mit weicher, warmer Stimme, beseelt unb ohne jede Ausbring- lichkeit, drei Lieder von Schubert, Lieder von Wolfgang Frank, Friedemann Bach, Max Reger; „Seligkeit" von Schubert. „Mariä Wiegenlied" von Reger lagen ihr vortrefflich. Reicher Beifall lohnte die Musiker: ihnen ein Beweis, wie gute Musik in einer Zeit des musikalischen Kitschs ein Bedürfnis unsres Volkes ist. Der Vorsitzende der Männer- und Frauen-Dereinigung der Matthäusgemeinde, Berufslehrer W e h r h e i m , halte die Anwesenden begrüßt unb darauf hingewiesen. Wie in dieser Welt des Materiellen ideelle Werte gepflegt werden müssen, wie dazu die Kirche berufen ist. in eine Welt der Rot unb der Schuld die Botschaft der Liebe unb bet Vergebung zu tragen. Der Gemeindepfarrer. Pfarrer Mahr, unterstrich diese Gedanken; er sprach von Weihnachten als dem Lieb der deutschen Seele. In dieser Welt deS Machtrauschs. deS wirtschaftlichen
Kampfes, der Organisation, verkümmert die Seele unb kommt bet einzelne nicht zu seinem Recht; bet einzelne fühlt sich nur als Rümmer in einem großen Betrieb. Mittel zum Zweck. Die Seele schreit nach ihrem Recht. Hier setzt die soziale und religiöse Botschaft des Ehristen- tums ein. Sie sucht den Menschen unb sucht aus neuen Menschen eine neue Welt zu gestalten: ein
im Sande verlief. Da erschien eine- Tages ein Herr in meinem Butcau, bet feine Ahnung davon hatte, bah er bas fehlende Glied herbei- brachte. Er legte eine silberne Ähr auf den Tijch und erzählte mir, baß ein schweizerischer Hanblungsreiienber, der keine Aufträge in England erhalten hatte, ihn unb Eap tain Tighe eines Tages auf der Straße ange- spr«hen, und ihm zwei Musterexemplare von Schweizer Repetier-Uhren zu zwei Pjund das Stück angeboten habe mit der Versicherung, daß das die beiden einzigen Exemplare fe en. die in England existierten. Eaptain Tighe sei stets auf mechanisches Spielzeug vergessen gewesen, unb so hätten beide sich die ilßcen gekauft. Die Uhr Eaptain Tighes war verschwunden. der Herr stelle daher fern Exemplar der Polizei zur Verfügung, wenn sie glaube, _ baß sie ihr von Ruhen sein könne. Diese Alßr führte dazu, daß der Mörder in die Hande des Gerichtes tarn.
Der Leichenbeschauer wollte mit der Freigabe des Toten zur Bestattung schon nicht mehr länger warten, wenn ich ihm nicht die Versicherung geben könnte, daß neues Beweismaterial zu erwarten sei. Aber irgendein Gefühl sagte mit. daß ich dieses Material noch rechtzeitig finden würde. Am Mittag des Tages, der für die endgültige kronanttiche Leichenbeschau festgesetzt war, ries ein Pfandleiher aus der Gegend von Piccadlllh an, und teilte mit, daß man einen verdächtigen jungen Menschen, bet ein silberne- Salzfaß versetzen wolle, mit einer freundschaftlichen Plauderei im Laden aushalte. 3n weniger al« zwei Minuten, als die Unterhaltung bereits zu stocken begann, erschienen dort Detektive unb hielten den jungen Mann auf ein Zeichen hin mit Mitteln zurück, die wett überzeugender wirkten als Unterhaltung. Der Mann sprach englisch mit französtschem Akzent unb erklärte, er heiße de S tarntet, sei französischer Bürger und sei Korporal In der Königlichen Freiwilligen Truppe. Da- Salzfaß sei ihm von einem Freunde geschenkt worden, dessen Ramen ihm im Augenblick entfallen sei. Als die Detekttve erkürten, sie würden mit ihm fein Quartier au,suchen, malte sich Bestürzung auf seinem Gesicht: noch bestürzter wurde et. als sie dort unter dem Bett versteckt einen Kasten fanden, der zwei silberne Uhren unb einen alten Regenmantel enthielt; denn eine der beiden Uhren glich auf« Haar der Uhr, die mir anvertraut worden wat, und der 5>tener aus Wingsield Lodge erklärte sich bereit, darauf zu schwören, daß der Regenmantel ihm gehörte.
De Siamiec hatte seinen Beruf verfehlt gehabt. Es war ein ganz erbärmlicher Einbrecher unb ein ungeschickter Mörder. Aber als Ro- vsllenschreiber hätte er sicherlich ein großes Vermögen verdienen können. Aus den Schatzkammern seiner Phantasie holte er einen australischen Soldaten mit Ramen Reginald Fisher hervor, der in bedauerlichem Umsange dem Trunk er» geben war. Fisher war ein Deserteur, der sich rinen Lebensunterhalt damit erwarb, daß er andere Soldaten freihielt, wobei er seinen Gasten Opium in die Gläser schüttete, um ihnen dann bk Taschen cvuszuräumen. ES war ein rechter Filmbösewicht. Ec hatte da- Hau- in Wimbledon ausgekundschaftet unb be Stornier gezwungen mitzumachen. Er hatte das Fenster offen gefunden und erklärt, daß sei geradezu eine Einladung zum Einsteigen. Er hatte sich nach oben mit dem Schüreisen geschlichen unb den Regenmantel gestohlen, um damit die Blutflecken auf seiner Uniform zu verdecken. Die Leichenbeschaukommission hielt e« für angebracht, ihrem Gutachten die Bemerkung beizufügen, daß fte Zweifel an der Ex ist enz Fisherö hätte. De Stornier faß allein auf der Anklage banck und wurde allein im Gefängnishof von Wandsworth gehängt. Sensationelle Erfindungsgabe hatte nichts genützt.
fein, sondern eine schöne Schrift. 3m Zeitalter der Schreibmaschine müßte man daraus den größten Wert legen. 3um Schreiben solle man sich Zeit nehmen. Prof. Koch baut seine Schrift auf der gotischen Schrift auf. Sie hat nicht die vielen Rundungen wie die von Sütterlin, auch keine Schlei,en, sondern ist eckig. Da« Schristblld soll ruhig wirken. 3n seinen Schlußworten betonte der Dorttagende, daß er selber keine Stellung für ober gegen die Offenbacher Schrift nähme, da man erst die Entwicklung abwarten müßte. 3n der Aussprache dagegen wurde sehr deutlich darauf hingewiesen, daß man nun nicht wieder — nachdem an s ast allen Schulen deS Kreises Gießen die Sütterlinschrift. wie auch in Preußen, ein- geführt sei — ändern solle. Daß die Offenbacher Schritt schön sei, wurde von allen Rednern anerkannt, ob sie aber für das prakttsche Leben, und dafür habe die Schule doch In erster Linie zu erziehen, großen Wert hat, das wurde bezweifelt. Eine entsprechende Entschließung wurde an die Vereinspresse unb an den Hauptvorstanb des Hesfifchen Landes-LehrervereinS gerichtet. 3m zweiten Teil gab der Qbmannftelloertreter des Landesve.elns, Lehrer Kaufmann. Gießen, einen kurzen Bericht der Verhandlungen über den Stellenplan. Gegen 6.30 Uhr schloß der Vorsitzende, Lehrer Hofmann, Lang-Göns, mit Dankesworten an die Vortragenden die anregend verlau ene Verlamm ung.
** Der Kavallerie-Verein Gießen beging am Samstag im Saale des Gas« Leib sein diesjähriges Winterfest, verbunden mit dem 22. Stiftungsfest. Die Kapelle Weller leitete die Feier mit schneidig gespielten Kaoalleriemärfchen ein. Pro- sesfor Dr. K r a e m e r als Bezirksvorsteher des „Haffta"-Bezirks Gießen hielt eine eindrucksvolle unb zu Herzen gehende Ansprache. Große Begeisterung trat zutage, als wm Schluß der Rede Prof. Dr. K r a e m e r im Namen des „Hafsia"-Präsi- diums dem Vorsitzenden des Kavallerie-Vereins Gießen, Kamerad S o l d a n, das „Hafsia"-Ehren- kreuz für hervorragende Leistungen im Kriegeroereinswesen überreichte. Kam. S o l d a n dankte bewegt, begrüßte die anwesenden Gäste und schloß seine Ansprache mit einem Hoch auf das Vaterland, worauf stehend das Deutschlandlied gesungen wurde. Ein Elfenreigen, den Kam. Hartmann unter großer Mühe mit Kindern von Kameraden eingeübt hatte, fand volle Anerkennung. Eine angenehme lleberraschung wurde dem Verein zuteil, als die Iungmmmschaft des Marine-Vereins Gießen unter ihrem Qugenbleiter Emrlch einen Flaggenreigen vorführte, der ausgezeichnete Schulung zeigte und ganz dem Rahmen des Festes angepaßt war. Sogar eine stattliche Anzahl Fuldaer Kameraden ließen es sich nicht nehmen, sich an dem Fest zu beteiligen. Es war ein wohlgelungener Abend.
Oberheffen.
Landkreis Metzen.
CO Klein-Linden. 12. Dez. Aus der jüngsten Gemeinder at ssi h ung ist als beioiv ders wichtig u. a. zu berichten: Die Stabt G ie- ßen beabsichtigt,eineKraftwagenlinienach den Außenteilen bet Stabt bzw. auch nach unserem Vorort einzurichten. Es wurde eine Unteriommission gewählt, die mit der Kommission der Stabt Gießen über bk Angelegenheit verhandeln soll. In diese Kommission wurden Bürgermeister Jung und die Gemeinderäte Friedrich Jung, Friedrich Weber unb Wilhelm Langsdorf gewählt. Don einer Seite wurde angeregt auch mit der KraftverkehrSgesell- schäft .Hessen" in Frankfurt a. M. in Unterhandlungen au treten, ein Beschluß darüber wurde aber nicht herbeimführt. An Hundesteuer sollen Im Jahre 1929 zu den staatlichen Sätzen durch die Gemeinde für den ersten Hund 6 Mk., für den zweiten Hund 12 Mk. und für den dritten Hund 18 Mk. erhoben werden. Auf Anttag der Bewohner der De r g ft r a ß e um be s fe re Be- 1 euchtung ihrer Straße beschloß der Gern einberat die Anbringung einer Straßenlampe an die Straßenecke Am Kirchpfad—Bergstraße. An Stelle des verstorbenen Gomeinderatsmitgliede« Wilhelm Weber wurde Gemeinderatsmitglied August L u h als Vertreter der Gemeinde in den Vorstand der Bezirtssparkasse Gießen entsandt
K Alten-Duseck, 12. Dez. Zu einer Weihnachtsfeier im RühIschen Saale, di« einen sehr schönen Verlauf nahm, Hai en am Sonntag die Schüler der 1. und 3. Klasse ihre Angehörigen unb Bekannten eingeladen, um einige sich im Rahmen der Zeit hallenden Theaterstücke zur Ausführung zu bringen. Trotz einer am Sains.ag vorausgegangenen Kindervorstellung und anbertociagen örtlichen Veranstaltungen h ttte die Einwohnerschaft der Einladung in so großer Zahl Folge geleistet, daß der Saal eine halbe Stunde vor Beginn der Feier schon überfüllt war und für die zahlreichen Rachkommenden eine Wiederholung der Auf.ührung für Montagabend in Aussicht gestellt werden mußte. Während bte Schüler der 1. Klasse zwei von Weih lachtsstim- mung getragene S ücke in packender Weise zum Vortrag brachten, hatten die Kleinen sich die Aufgabe gestellt, hauptsächlich den Humor zur Geltung unb die Lachmuskeln der Besucher in Bewegung kommen zu lassen. Allen Darstellern konnte man es an merken, daß sie mit vollem Herzen bei der Sache und ihrer Ausgabe aufs Beste gerecht zu werden bemüh, waren. Daß ihnen die« gelungen, zeigte der starke Beifall der Gäste. Am Schlüsse d.r Mo ttagsaufführung sprach Schul- vvrstanbsmffglieb C i n h ä u s e r den Schülern seine A::er^nnung für d s von ihnen Darg^bo.ene aus. dankte den beuen feLenoen Lehrern Ranft und Fatz für ihre großen Bemühungen und bat sie, in ihren Bestr^oungen um die Pflege eines guten Verhältnisses zwischen Schule und Elternhaus auf dem beschrittenen Wege wie bisher
von l, g, f tusw. Sütterlin geht schon weiter unb gibt ganz gleichmäßige Teilung, baß also auf die Kleinbuchstaben ein Drittel des Zeilenraums entfällt, aui I. b lufto. zwei Drittel und aUf f, h ufto. drei Drittel. Prof. Koch teilt den Rarm in sieben Teile unb gibt den Kleinbuchstaben drei davon. Weiterhin verlangt er nicht, wie Sütter- (im, die Steilschrift, sondern eine leichte Schrägschrift. Er erklärt, eine steile Schrift sei tot Die Offenbacher Schrift will keine Schnellschrist
umgekehrter Weg, al« ihn Vie Well mit ihren ' Organisationen geht. Don dieser Wandlung des Menschen, von seiner Heimkehr au« der Welt des Irdischen zur Welt deS Swtgen sprach er- greifend bte bramatische Legende „Die Heim- i seh r" von K. Roettger, der von allen r Charondichtem der bekannteste ist, bekannt durch i seine Legenden von Lkesus. 3n drei Dildern gestaltet der Dichter das Gleichnis vom verlorenen I Sohn: dramatische Bilder von tiefer psycho- 1 logischer Wahrheit, reich an Innerer Handlung, i arm aber an äußerer Handlung unb darum für die Spieler schwer zu bewältigen. Daß eS den- । noch gelang so daß das Spiel tiefe Bewegung auSlöste. beweist, daß hier eine Spielschar am Werke ist, die Spielgemeinschaft ist, die nicht Theater spielt, sondern Mittler des Leben« für das Leben selbst sein toill: Laienspiel im höchsten Sinn des Wortes. Diese Spielletstung ist ein neues, wohlverdientes Ruhmesblatt in der langjährigen Arbeit der Bereinigung. Ihr „Gevatter Tod", das Märchen von den „Sterntalem“ sind nicht vergessen. Solche Darbietungen find Höhepunkte deS GemeindelebenS. Wesentlich zum Erfolg trug die einheitliche Inszenierung, die Stilbühne, bei. Die großen Linien deS Spiels wurden durch nicht« gestört.
Theophilus-Spiel.
Die Katholische Spielgemeinschaft Gießen für Mo.ttagabe..d zu ci .ec »Theo- philus"-Aufführung ei.igeLben. Diele waren der Einladung gefolgt. Der Saal war dicht besetzt, als Univ.-Drof. D. Dr. Steinbüchel das Wort ergriff, um in einem eialei enden Dort rag die Grundidee des Stückes zu erläutern. Der Redner führte u. a. aus: Das Stück stammt aas bem Griechischen, wurde später ins Lateinische übertragen und von Roswitha von Gan» dersheim umgedichtet. Der Dame Theophi- luS, zu deutsch Gottlieb, ist ein Symbol für den Inhalt. DaS Stück zeigt un« Gott im Mittelpunkt des Leben«, es verkündet die Tiefe des Gottesgedankens. Der Kampf Gottts um den Menschen wird symbolisch dargestell.. Gott tritt uns einerseits gegenüber als der heilige, der in seiner Souveränität Gehorsam von den Menschen fordert. Er zeigt auf der anderen Seite aber auch seine Heilsbereitschaft; er neigt sich aus seiner Gottesferne herab zu den Menschen unb sucht die Gemeinschaft mit ihnen. Der heischende Gott in seiner absoluten Heiligkeit ist allein gut. Darum heißt das Gesetz, das wir im Gebot des Herrn zum Ausdruck bringen: „Dein Wille geschehe!" Wenn wir dann weiter beten: ,Dein Reich komme!", so müssen wir uns klar sein darüber, daß das Reich Gottes, d. I die Gemeinschaft aller derer, die sich dem Gotteswillen beugen, nur bann kommt, wenn der Wille Gottes geschieht. DaS Christentum ist in seinem innersten Wesen eine tief sittliche Religion; es will die Vereinigung des Menschenwillens mit dem heiligen Gotteswillen. Es fordert ein tiefftes Reffen der Menschrnpersönlich- feit durch den Gehorsam gegen Gott. Rur in diesem Gehorsam gegen Gott wird der Mensch heilig. Die ewige Seligkeit ist die fetbftoerftänb- ließe Folge des WenschengeswrsamS gegen Gott; sie ist die Erfüllung de« menschlichen Wesens in Gott. Dem Menschen tritt Gott aber nicht nur als der heischende Gott, der Gehorsam fordert, entgegen. Er zeigt un« auch seine Gnade und seine Liebe. Er {teilt an den Menschen nicht bloß Forderungen, er ermöglicht auch deren Erfüllung. Gott ist nicht nur der „Herr", er ist auch der .Vater". Er weckt in der Seele des Menschen die Sehnsucht nach Gott. Er kämpst in seiner Gnade m i t dem Menschen und u m den Menschen. Der Mensch, der durch Gottes Heiligkeit, zerbricht, wird durch Gotte« Siebe erhoben. Gott sandte seinen Sohn zu den Zöllnern unb Sündern, um ihnen die frohe Botschaft von der Erlösung zu bringen. Das ist der tiefe Ernst des heutigen Spiels, das in der Adventszeit von besonderer Bedeutung ist.
Rach einer Pause begann das Spiel. Theophilos verschreibt sich, um zu Reichtum zu kommen, dem Teufel; er schwört Gott unb die Matter Gottes ab. Dafür erhält er Gold m Fülle. Später wird er von der Reue gepackt; er wirft sich der Mutter Gottes zu Füßen unb fleht um Fürbitte bei ih em Sohn. Durch die Hilfe Maria- et wieder in Gnaden angenommen. Die Darsteller: H. Schäfer (Vorsprscher), P. Schäfer (Throphilus), Werner (Gauller), H. Gantenberg (Sa'anas), A Heiß le r (Prediget). und Luise Dechert (Maria) entledigten sich ihrer Aufgabe mit viel Geschick unb großem Können. Sie schufen eine prächtige Leistung, die auf die Besucher einen starken Eindruck machte.
•• SchülermonatSkarten gelten nicht mehr für Eilzüge. Anläßlich der Tarifänderung am 7. Ok.ober wurden im Bezirk der Reichst hndirektton Frankfurt a. M. die Eilzüge für 2nh iber von Schllermonatskarlen allgemein vorbehaltlich icberyn igen Widernuses freigegeben. Leider kann diese Maßnahme aus betrieblichen Gründen nicht beibehalten werden.
" Siesta-Reisekissen. Der „Siefta“-®«- sellschaft ist von der Reichsbahn vertraglich das alleinige Recht eingeräumt worden, auf den St reden der Deutschen Reichsbahn an die Reifenden der Schnell-, Eil- unb Personenzüge Reisekissen zum Gebrauch während der Fahrt zu vermieten. Die von der Siesta bereitgehaltenen Kissen sind mit weißem Leinen überzogen unb haben eine Schlinge zum Au hängen. Sie werden gegen die Gebühr von 1 Mk. verliehen. Die Kissen werden in einem versiegelten Papierumschlag geliefert, wodurch gewährleistet wird, daß fee frisch und unbenutzt sind.
•• Vom Bezirks-Lehrerverein Gie- ßen-Land. Der D.D. Gießen-Land hielt am Samstag eine Versammlung im Zeichensaal der Goetheschule ab, in der Lehrer Kreiling, Heuchelheim, einen Vortrag über die Offenbarer Schrift (Pros. Dr. Koch, Offenbach, ist ihr Schöpfer) hielt. An Hand von Beispielen zeigte der Vortragende die Eigenarten der neuen Schrist unb gab die nötigen Erläuterungen. Rach Prof. Koch haben die sogenannten Kleinbuchstaben, wie o, a, e ufto. *u wenig Berücksichtigung gefunden, in der alten Schrift bilden sie nur einen Bruchteil der Ober- und Unterlängen
Begrüßung-Worten de« Dorsihenben Heinrich Münster Lehrer Traut einen aufschlußreichen Lichtbildervvrtrag über „ZiLgenkrank- heiten, Rasse unb Körperbau der Ziegen" hielt. Anschließend sprach Kontrollassistent Sinn vom Landwirtschaftskammerausschuß Gießen über die Wichtigkeit der Milchleistungsprüfung und neuzeitliche Fütterung der Ziegen. Hierauf berichtete der Vorsitzende des Kreisziegenzuchtvereins Gießen, Landtagsabgeordneter Fenchel (Ober- Hörgern), über die Erfolge der Ziegenzucht In Oberhessen, besonders aber im Kreise Gießen, auf den Prämiierungen In Dortmund, Darmstadt unb Leipzig Der Redner forderte auf, bei der weiteren Aufwärtsentwicklung der Ziegenzucht nicht zu erlahmen, sondern sich der guten Sache mit allem Eifer zu widmen unb die Zucht immer weiter auszubauen. Kontrollassistent L i n n überreichte schließlich noch dem Züchter Heinrich Rau I V. ein Ehrendiplom von der Leipziger Wanderausstellung der D.L.G. für erfolgreiche Ziegenzucht. Eine kleine Verlosung und gesellige Darbietungen bildeten den Ausllang de« Abends.
U Ronnenroth. 12. Dez. Bei der Wahl des Kirchenvorstandes wurden hier uie- dergewählt: Konrad Mißler. Konrad X o chlll^, Georg Heinrich Rinker, Friedrich Kiefer und Heinrich Lang, neugewählt wurde Bür- germeifter Hoppe. Die Herren wurden am Sonntag im Gottesdienst durch Pfarrer Köhler feierlich auf ihr Amt verpflich sst. — ‘Sei der zweiten Versteigerung der Masse- grundstücke aus der Feldbereinigung wurden 8000 Mark mehr als bei der ersten Versleigeruna erxielt. Die Versteigerung des Mnssegeländes erbrachte insgesamt nahezu 50 000 Mark. Di« Feldbereinigung ist bis auf einige Fälle, die das Oberschicht wrricht en schttden soll, b :e.ibeL Soweit man yört, sind die Grundbesitzer im allgemeinen mit dem Ergebnis des Fel'obeveini- glmgsverfahrenS zufrieden.
Kreis Friedberg.
# Wohnbach, 12. Dez. Heute feierte bet Dienstknecht Wilhelm Diehlmonn von hier sein 25jähriges ArbeitsjubilSurn bei Landwirt Hermann Rückeifen unb besten Schwiegersohn Georg Wolf.
Kreis Büdingen.
A Ridba. 12. Dez. Heute fand hier der Weihnachtsmarkt statt. Vormittags war Schweinemarkt, auf dem etwa 250 Fe lei unb Springer aufgetrieben waren. Der Handel war lebhaft, da ville Kau luftige erschienen waren. Die Preise waren fest u.ib blieben aus der seitherigen Höhe. Es wurden für je ein Paar bezahlt: 6 Wvchm alte Ferkel 35 bis 40 Mark, 8 Wochen alte 50 Mark und 12 Wochen ala 60 Mark. Springer wurden mit Z5 bis 80 Mk» daS Paar bezahff. Rachmittags war Krämermarkt, der meistens S.äabc mit Spielsachen, Wvtt° und Weißwaren aufwies unb nur mäßig von Käufern besucht war.
y Echzell, 11. Dez. Der bisherige Pächter dec ßiejigen Gemeindejagd, Hochächtee Schuch zu Hof Schleifelb, ha: die 3agb für den Rest der laufenden Pachtperiode an Edgar Bieber in Offenbach abgetreten. Der Gemein berat hat dazu die Genehmigung erteilt, aber bett jährlichen Pachtbetrag von 1000 auf 1200 Mk. erhöht. Bei einem kürzlich in unserer Gemarkung abgeßaltenen Treibjagen wurden 2 79 Hasen erlegt. An diesem Tage nahmen 60 Schützen an der 3ayb teil
Kreis Schotten.
V Gedern, 12. Dez. Aus eine Eingabe der hiesigen Bürgermeisterei an tAe Reichsbahndirektton Srantfurt a. M. wird nun auch an Werktagen bei den Perfonenzügen 4104 und 4137 der Wagenzug Heldenbergen—Windecken bl« Lauterbach durchaeführt. Durch diese Anordnung ist daS luftige Umsteigen in Stockheim fortgefallen. — Fast durchweg kann man in den Bogelsberggemeioben die Tatsache feststellen, daß die während der Kri^szeit und ersten Rachkriegszeit stark empor zeblühfe Schafzucht merklich im Abnehmen begriffen ist. So zählte die hiesige Schafherde noch vor wenigen Jahren etwa 650 Tiere, während e« heute nur noch 250 sind. — Die von der Stadt errichtete Wander Herberge geht ihrer Vollendung entgegen. Täglich kommen stellenlose Wanderer und verlangen Obdach, das ihnen zur Zeit nur in dem falten Arrest lokal gewährt wenden kann. — Die Abrechnung des in diesem Jahre erbauten neuen 5 af e l ft a 11e« ist nun erfolgt Die Gesamtbausumme für die mustergültige Qlnlage beträgt 32 506 Mk. — An der von dem Rhein-Main-Lahn- Fulda-Sugenb^erbergen- verbond zu errichtenden Jugendherberge ist nun das gesamte Holzfachwerk und das Dach auf geschlagen worden. Durch den eingetrelence Frost wirb es nicht möglich sein, das Gebäude zur Wintersportsaison schon so weit serttgzustellen, daß es benutzt werden kann.
Kreis Alsfeld.
r. Ober-Ohmen, 12. Dez, Heute vormittag wurden auf der Ohmtalstraße infolge Glatteises drei Automobile aus der Fahrbahn geworfen. Die Kraftwagen konnten nur durch Inanspruchnahme fremder Hilfe wieder flott gemacht werden. — Infolge des Glatteises stürzte ein siebenjährige Junge zwölf Treppenstufen tief auf den Hof und zog sich erhebliche Verletzungen am Kopfe zu.
Kreis Lauterbach.
ß Lauterbach, 12. Dez. Der Stadtvor- stand beschäftiate sich in feiner aeftrigen Sitzung unter bem Vorsitz des Bürgermeisters Walz zunächst mit der Prüfung der Rechnung der Stadt, sowie des ft ä bt. Elektrizitätswerkes für 19 2 7. Die Rechnung der Stadt schließt in Einnahme mit 373 539,57 Mark, in Ausgabe mit 302 567,03 Mark ab. Es verbleibt somit ein Rechnungsrest von 70 972,54 Mark. Der Rechnungsrest des Vorjahres betrug 67 034,19 Mark. Der diesjährige Rechnungsrest hat sich somit um rund 4000 Mark erhöht. Die Dermögensrechnung der Stadt schließt in Einnahme mit 246 689,41 Mk., in Ausgabe mit 243 328 Mark ab. Der sich hiernach ergebende Rechnungsrest in Höhe von 3360,45 Mark besteht in der Hauptsache aus liquidierte« Außenständen, die noch Bücherfchluß größtenteils bereits eingegangen sind. Die Gefamteinnahme des stabt- Elektrizitätswerkes beträgt 140 624,52 Mark, i bte Ausgabe 120 082,68 Mark. Es verbleibt somit ein Rechnungsrest von 20 541,84 Mark aegenüber t 18 025,43 Mark im Vorjahre. Die Versammlung genehmigt die Rechnung. — Die Hundesteuer . für bas Kalenderjahr 1 929 bleibt in ben» i selben Höhe, wie im Jahre 1928 bestehen. Hierna« i beträgt bte Steuer für den ersten Hund 12 Mark,
n g e n, 13. Dez. In der Wirtschaft Weimer versammelten sich am Samstag die Sie b* zigjöhrigen des Kirchspiels Kirch berg zu einer würdigen Feier. Herr K r ö l z begrüßte in einer seindurchdachten Ansprache die Iw bilare, die sämtlich in körperlicher und geistiger Rüstigkeit das biblische Alter erreicht haben. Darauf folgte man mit großer Aufmerksamkeit dem interessanten Vortrag des Lehrers Dr. Balser, der auf Wunsch der Siebzigjährigen das Werben unb Wachsen des deutschen Volkes schilderte. Don der Frische feines Gedüchtnisfes legte Weißbinder» nieifter Heinrich Weimer eine Probe ab; in bvamntifd) beschwingtem Vortrag hörte man von ihm die während der Schulzeit gelernte Schillerballade „Die Bürgschaft-, Erinnerungsgefpräche wechselten mit gemeinsamem Gesang unb musikalischen Borträgen und hielten die Gäste bis zu später Stunde zusammen.
9 Hattenrod. 12. Dez. Der hiesige Ziegenzuchtverein hatte für Samstagabend in den Saal deS Gastwirts Dörr eingelaben, wo nach


