Trauerseier für Minister Henrich.
3m städtischen Saalbau in Darmstadt fanden sich am Sonntag auf Einladung der Demokratischen Partei Parteifreunde und Freunde des verstorbenen Finan^ministers Henrich zusammen, um feiner gemeinsam zu gedenken. Die Feier, zu der sich auch Staatspräsident Adelung eingefunden hatte, wurde eingeleitet durch den Vortrag eines Streichquartetts in v°Moll von Franz Schubert durch das Drum-Quartett. Generalintendant Prof. Ebert rezitierte die Abschiedsrede aus Hölderlins Empidokles. Frau Kuhn-Liebel, begleitet von Erwin Palm, leitete durch eindrucksvolle Darbietungen der Litanei von Franz Schubert über zu Minister Korells Gedächtnisrede, in der er davon ausging, bah man, um den Verstorbenen zu verstehen, an feine Herkunft aus einem oberhessischen Bauernhause denken müsse. Aus diesem Kreise harter Pflichterfüllung fei er in das Büro des 'Beamten gekommen, wo er ebenfalls nur die Pflicht gekannt habe. Da sei in feinem Leben die Sonne Friedrich Aaumann auf gegangen, der manchen Mann zum Kämpfer neuer Ideen gemacht habe. Henrichs Arbeit weitete sich. Die ersten Baugenossenschaften in Darmstadt entstanden unter seiner Mitwirkung. 3n den großen politischen Kämpfen in Hessen 1906/0Z war er der Führer seiner Partei. Allen feinen Mitkämpfern war er überlegen an Dienst- und Pflichtgefühl. Später trat er in städtische Dienste und bald im Staatsdienst in die vorderste Linie. Dann schilderte der Redner das glückliche Familienleben, das der Verstorbene geführt, die volle Harmonie, In der er mit seiner Frau gelebt habe, und die Freude, toenu er, nach scharfer Debatte im Finanzausschuß oder im Landtag heimgekehrt, die Enkelin auf dem Arme tragen tonnte; dann ging ein Leuchten auf in feinen sonst so ernsten Augen. Als vor zehn Jahren das Staatsschiff in Aot war, da war auch Henrich unter denen, die es wieder auf geraden Kurs brachten Es folgte die Besatzung. Henrich half dem Staat über die Inflation hinweg. Aber die Folgen der Stabilisierung waren für Herz und Seele noch schlimmer, denn jetzt muhte auch gerechtfertigten Wünschen gegenüber ein hartes „Aein" gesprochen werden, weil die Mittel fehlten, nicht aber der Wille zur Hilfe. Mit den Worten: „Er ist vollendet, wir haben ihn gefeiert, uns bleibt nur übrig, in seiner Art zu wirken und unsere Pflicht zu tun", schloß Minister Korell seine Rede auf den Verstorbenen. Franz Schuberts „Verklärung", gesungen von Frau Kuhn-Liebel, und die „Envatine" aus dem Streichquartett V-Dur, op. 130, von Beethoven (Drum-Quartett), beschlossen die Feier.
Das neue hessische Kirchensteuergesetz.
Der Minister für Kultus- und Dildungswesen, Staatspräsident Adelung, legt jetzt mit Zustimmung des Gesamtministeriums dem Landtag den Entwurf eines Gesetzes über das Besteuerungsrecht der öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften (Kttchensteuer- gesetz) vor, nach dem bereits die Veranlagung und Einziehung der Kirchensteuer 1929 dorgenommen werden soll. Der Gesetzentwurf, der wahrscheinlich schon in den nächsten Sitzungen des Geseh- gebungsausschusses beraten werden dürste, besagt in seinen 28 Artikeln etwa folgendes: Aach Auffassung des Kultusministers verlangt die Vorschrift in Art. 137 Abs.3 der Aeichsver- fassung, wonach jede Religionsgesellschaft „ihre Angelegenheiten selbständig innerhalb der Schranlen des für alle geltenden Gesetzes ordnet und verwaltet", zur Regelung des Kirchensteuer- rechtes ein Staatsgesetz. Diese staatsgesetzliche Regelung erscheine auch mit Rücksicht darauf erforderlich, daß die Kirchen und sonstigen öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschasten vermöge ihrer hohen kulturellen Aufgaben und Bedeutung eine weitgehende staatliche Förderung verdienen. Andererseits müsse sich der Staat bei Inanspruchnahme der Steuerpflichtigen durch Kirchensteuer entsprechenden Einfluß sichern.
Die evangelische und die katholische Kirche sind berechttgt, von ihren Kirchenangehörigen Steuern zu erheben, insoweit nicht die Erträgnisse ihres Vermögens und die sonstigen ihnen zu Gebote stehenden Mittel xur Bestreitung ihrer kirchlichen und religiösen Bedürfnisse a u s - r ei ch e n (Landeskirchensteuer). Das gleiche Recht steht den Kirchengemeinden (OrtSkirchen- fteuer) zu. Die Steuererhebung ist abhängig davon, daß ein ordnungsgemäßer Voranschlag der Kirche oder Gemeinde aufgestellt ist, daß eine aus den Kirchenangehörigen oder den Gemeindemitgliedern gewählte Qlkrtretung (S teuerver tre tung) dem vorgesehenen S.euerbedarf zustimmt und die Steuersätze beschließt (Steuerbeschluh) und daß die Steuererhebung staatlich — durch den Kultusminister — genehmigt ist. Diese Steuervertretungen der Kirchengemeinden müssen aus mindestens fünf Mitgliedern bestehen. Der Kultusminister behält sich die Genehmigung einer entsprechenden Verfassung für diese Steuerausschüsse, die von der Kirchenverwaltung aufzustellen wären, vor. In Ausnahmefällen sind die Kirchen zu Kirchen-- steuerrorauszahlungen ermächtigt, wenn nämlich die Steuerbescheide nicht rechtzeitig zum Beginn des Rechnungsjahres zugestellt werden können.
Die Kirchensteuer wird erhoben als Zuschlag zur Reichseinkommen st euer. Daneben ist die Erhebung eines Zuschlages zur Reichsvermögens st euer ober nach den Desteuerungsgrundlagen zur staatlichen Grund- und Gewerbesteuer zulässig. Auch kann die Kirche auf Grund einer besonderen Cteuersahung eine Kopfsteuer von ihren volljährigen Mitgliedern erheben, also gewissermaßen einen Mitgliederbeitrag, wie es bisher in Württemberg, Thüringen, Braunschweig zugelassen und in Preußen geplant ist. Für Lohnsteucrpflichtige erfolgt die Besteuerung nach festzusehenden Pausch- sähen der Lohnsteuer, die der Genehmigung des Ministers bedürfen. Bei besonderen Verhältnissen kann die Erhebung nach Klassen erfolgen gemäß der vom Kreisamt erfolgten Klassifizierung der Einwohner nach Einkommens- und Vermögensverhältnissen, was bisher nur in israelitischen Gemeinden geübt wurde.
Del gemeinsamer Veranlagung zur Kirchensteuer von Ehegatten verschiedener Bekenntnisse wird die gemeinsam zu entrichtende bürgerliche Steuer halbiert und der kirchliche Zuschlag nach den Sähen der einzelnen Kirche bemes en. Das gleiche Verfahren gilt für in Mischehen lebende Lohn- und Gehaltsempfänger. Falls nur ein
Dreißig Jahre Bücher- and Lesehalle in Gießen.
Von Universiiciis-OberbibliothekarprofL)r.Frihsche, Schriftführer des GießenerLesehalle-Dereins
Eindringliches ßefen macht still. Es sondert den Menschen ab von seiner Umgebung, sammelt ihn auf das innere» lautlose Zwiegespräch mit dem Schriftsteller Wenn der vordem lärmende Knabe in ein Geschichtenbuch versinkt und schwer davon loskommt, sängt er an. ein Selbst zu werden. Daß er nicht überhaupt vereinsame, dafür sorgen schon die Gespielen und Haus und Schule, aber er hat doch einmal gelernt, durchaus bei sich und zugleich durch eine Vorstellung, im Umgang mit den Personen jener Geschichte, gesellig zu sein. Er wächst heran zum Verkehr mit Gedanken; auch sie spinnt er weiter, wie er dort die Erzeugnisse der Einbildungskraft verlebendigt; er gewöhnt sich jetzt, zu verweilen, die Beziehung zwischen Gedanke und Ausdruck wird ihm wichtig, er ahnt, was Stil sei, und schließlich wertet er das Buch als Denkmal des Schrifttums und das Schrifttum als Form seines Volkes. Wer dieser Wohltat teilhaftig geworden ist, der gönnt sie den andern.
Man sage nun nicht: „Die Zeitung bringt ja überall hin — damit sei es genug!" Die Zeitung erseht niemals das Buch. Sie bietet Stoff im Flusse bar. Fehlt im Denken und Fühlen des Lesens das Ständige als Grundlage und Widerhall, so gleiten Bericht und Betrachtung vorüber. Man werfe auch nicht ein: „Auf Gemeinschaft nur kommt es an. Ihr entzieht sich der Leser im Winkel." Gemeinschaft beruht auf Wechselwirkung. Wer zu Zeiten für sich zu sein fähig ist, steuert dem Verband reicheren Beitrag, als wer nur in ihm sein Dasein empfindet. Dieses älrgesetz menschlichen Wesens gilt unabhängig von der Verteilung geistiger Gaben und wirtschaftlicher Güter.
Träfe das im Schrifttum Vollendete mit dem Volkstümlichen zusammen, so wäre ein höchstes Ziel erreicht. Aber was heißt denn „vollendet", und wie fassen wir Umfang und Inhalt des Begriffswortes „Volk"? Wir nähern uns von beiden Seiten her, und dabei beobachten wir, daß jenes „Ständige", von dem die Rede war, doch nichts Starres an sich hat; wir staunen über die Fülle der Erscheinung, die von hüben und drüben zueinanderdrängt. Das zeitlich Bedingte und das Ueberzeitliche, der Gemeingeist und das persönlich Einzigartige sind zwischen Leser und Buch und weiterhin zwischen einer Lesergemeinde und ihrer Bibliothek tausendfältig aufeinander eingerichtet. Bei größeren Maßen kann das Triebwerk leicht zum „Betrieb" vergröbert erscheinen. In Heineren Verhältnissen, auf übersehbarem Raume, gewahren wir deutlicher die Feinheit der beweglichen Gliederung. Unsere Gießener Bücherhalle ist unansehnlich. Sie enthält etwa 7500 Bände und leiht im Jahre etwa 15 000 aus. Diese Statistik besagt nicht viel. Auch die durchschnittliche Zahl der regelmäßigen Entleiher — rechnen wir 3001 — bedeutet wenig gegenüber der Einwohnerzahl. Die Zunahme war aber nie nur berechenbar, sie war Wachstum. Ein Leserstamm hat Ringe angesetzt, und dieser Lebenstrieb hat den Krieg und die ihm folgende Aot unb Erregung überdauert.
Den Grundstock der Büchersammlung gaben 1898 Geschenke ab. Durch Sichten unb Ordnen bekam der Zufall Sinn. Dann gestaltete sich langsam ein Bücherschah durch sparsamen bedächtigen Ankauf. Die beiden ersten Verwalter, der eine dem Leben, der andere unserer Gegend längft entrückt, haben sich entsagend gemüht, unsere Armut fruchtbar zu machen. Bei der Erwerbung der Bücher wurde ein literarischer Plan gegen die Wünsche der Leser immer abgewogen. Diese Wünsche kommen uns ja niemals einheitlich und selten unmittelbar eindeutig zu Gehör. Auch versagen — auf dem dichterischen Felde zumal — die herkömmlichen Maßstäbe verbriefter Vorbildung. Aus Wahlverwandtschaft haben oft einfache Leute etwa über Gottfried Keller den Weg zu Goethe gefunden, und zu Homer, zu Shakespeare hin bedarf vielleicht eine ursprünglich weltoffene, weltkräftige Aatur überhaupt keines Vermittlers. Dennoch wäre es verkehrt, einen Kanon der Klassizität allen aufzudrängen. Lesestoff mittlerer Lage, der mit seinem Menschenalter oder auch nur mit seinem Jahrzehnt auftaucht und einsinkt — die Engländer nennen das fiction — läßt sich menschlicherweise nicht ausschliehen. Wir „führen" die Marlitt nicht mehr, aber sie zu verspotten ist billig: unseren Müttern half sie über den Alltag hrnweg, sie
dachte rechtlich, und sie war eine gute Erzählerin. Der Anspruch ans Erzählen ist es, der sich geheimnisvoll toanbelt In dem, was er herauskehrt und was er verdeckt, wechselt der Fadenzug des Berichts von Geschlecht zu Geschlecht nach bisher unerforschten Gesetzen. Wir verstehen noch nicht, warum eben noch beliebte Romane wie übet Aacht langweilig ober gar lächerlich wirken. Aur ein kleiner Teil bet jeweils guten Erzahlunasliteratur behält bauernden Wett. Aber gerade von ihr, von der natürlichen Freude am Fabulieren ans entringt sich mancher Leser unb manche Leserin der Stofflichkeit unb ersehnt eine strengere Einpassung des Gehaltes in die Gestalt, und jene anberen, die nicht dahin gelangen, die an der Erzählung haften, bei denen die Bewegung des Lesens mit dem Fortgang vorgestellter Geschehnisse zugleich erfolgt, sie vernehmen doch eine edlere Sprache und erfassen ein höheres Leben. Das vollzieht sich unbewußt unb trägt sich auf breiter Fläche ans; literarisches Bewußtsein entkeimt ba und dort bei einer Minderheit unb beeinflußt mittelbar in unmerklichen liebergängen das tätige tägliche Zusammensein. Wir sehen durch einen Schleier. Selbst die Vorliebe für das „Reueste", so unreif sie oft an uns heran tritt, sie entspringt nicht immer nur bet Aeugier von heute auf morgen: manchmal spricht berart unbeholfen der Glaube an eine hellere Zukunft, ohne ben der Mensch unb die Menschheit nimmer beständen. Die Auswahl der Bücher zum Einordnen in die Sammlung und die Ausgabe des geeigneten Buches in jedem besonderen Falle erfordern weiten Um- blick, regsame Einsicht unb Stetigkeit ohne Enge. Daß die leitende Bibliothekarin mit den Büchern so vertraut war wie mit den Bücher suchenden Menschen, hat ein günstiges Geschick gefügt. Sie bleibt uns hilfreich, sie gibt ihre ilebertieferimg weiter zu treuen Händen. In den letzten Jahren hat sich die Vvlksbildungs- lehre, wenn anders der Streit der Schulen das bezeugt, beinahe zur Wissenschaft entwickelt. Wir sind an diesen Erwägungen beteiligt, wir beachten auch die Erfahrungen anderer Städte: aus dem, wie unsere Bücherhalle geworden ist unb was sie werben soll, aus besonderen Bedingungen und einem allgemeinen Ziel ergibt sich ihr Charakter. Bei aller so dankenswerten Fürsorge der Stadtverwaltung konnten wir niemals aus dem Vollen wirtschaften. Das hat fein Gutes, es spannt, es schmeidigt die Kräfte. Freiere Bewegung brauchen wir dennoch. Von Grund aus wandeln sich in der Gegenwart die Ansichten der Aatur wie der Geschichte; an den Problemen diel mehr als an „Ergebnissen" der Forschung ist die Gesamtheit der Ration wie nie zuvor durch vielfältige Vermittlung beteiligt, unb dazu ringt diese Gesamtheit selbst um neue Formen ihres Bewußtseins. Wissenschaft unb Bildung suchen einander. So müßten wir unseren Bestand an lehrhaften Büchern stetig erneuern. Hier fehlen uns Helfer und Mittel. Darm schieben wir den Aerchruck des Katalogs von Jahr zu Jahr hinaus, und ohne offenen Katalog wiederum stellt sich die Bibliothek weder ihren Benutzern noch nach außen hin als ein Ganzes dar.
Die 1927 wieder eröffnete Les ehalle wird erst bann — wie vor dem Kriege — mit der Dücherhalle dem Wesen nach verbunden fein, wenn die Wochen- und die Monatsschrift von der Zeitung zum Buch die Drücke schlagen. Die Aussicht des Publikums über sich selbst reicht nicht aus, die Jugend bleibt unberaten, es ist ba fast alles noch zu tun.
Richt nur darauf kommt es ja an, dc»h die wirtschaftliche Grundlage sich verbreitere. Wir hoffen auf die tätige Teilnahme jüngerer Frauen unb Männer. Die Generation der Gründer hat sich gelichtet, der Lesehalleverein ersehnt inneren Zuwachs. Der Wirkungskreis des durch Wahl und Amt in Staat und Stadt beauftragten Gemeinsinns ist jetzt weiter gezogen. Trotzdem behalten die gemeinnützigen Vereine ihren Beruf. Aus ihrer privaten Herkunft heraus, in ihrem loseren Gefüge wiederholen sie je und je den ursprünglichen Vorgang menschlichen Zusammenschlusses zu seinen Zwecken. Staat und Gemeinde in ihrer jeweils befestigten Gestalt fordern ein ergänzendes, immer neu aufquellendes Element. Aur wo es dauernd einströmt, wird sich aus Bindung und Freiheit Kultur, das heißt lebendige Gesittung ergeben.
Ehegatte aus Arbeitslohn zur Einkommensteuer herangezogen wird, so haften beide als Gesamtschuldner, also auch der „Verdiener" für des „Aichtterbieners" Kirchensteuer.
Die Kirchensteuer Verwaltung erfolgt durch das Landesfinanzamt, das auch die Beitreibung unb Festsetzung der Zahlungstermine vornimmt. Eingeengt ist in Zukunft bas Recht der Beschwerde gegen die Heranziehung zur Kirchensteuer. Es können nur noch angefochten werden: die Steuerpflicht gegenüber der besteuernden Kirche ober Gemeinde, die Heranziehung zu einer Kopfsteuer, die Richtigkeit der Steuerverteilung (etwa bei Gesellschaftern von offenen Handelsgesellschaften, 'Kommanditgesellschaften), sowie die Richtigkeit der Einstufung in einen Pauschsatz ober eine Klasse. Die Beschwerde geht in erster Instanz an das Kreisamt, die weitere Beschwerde an den Kultusminister. Erweist sich aber im Einzelfall die Einziehung der Kirchensteuern als eine außergewöhnliche Härte, so kann die Steuervertretung die Steuer ganz ober zum Teil erlassen. Gegen diesen Beschluß der Steuervertretung, bas heißt also für die örtliche Kirchensteuer der Kirchenvorstand, ist kein Rechtsmittel gegeben.
Mit diesem Gesetz, das auch gilt „für die israelitischen Religionsgemeinden mit der Maßgabe, daß ihre Verbände berechtigt sind, ihre Umlagen unmittelbar auf die Mitglieder der dem Verband angehörenden Religionsgemeinden auszuschlagen" sowie „für andere religiöse Körperschaften und die Gemeinden, die sich die gemeinschaftliche Pskge einer Weltanschauung zur Aufgabe machen, soweit ihnen die Rechte jener Körperschaft des öffentlichen Rechtes gewährt sind", tritt das alte hessische Kirchensteuergesetz von 1875 mit seinen Abänderungsgesetzen außer Kraft. Um schon für das kommende Rechnungsjahr wirksam werden zu können, sollen als Steuervertretungen die nach den bisherigen Bestimmungen gebildeten kirchlichen und religionsgemeindlichen Vertretungen gelten. Der Entwurf beabsichtigt keine grundlegenden Aenderungen in den seitherigen rechtlichen Beziehungen zwischen den politischen Gemeinden und den QrtSttrchengemeinben. Den
Kirchen ist auch nicht verwehrt, mit Zustimmung des Ministers nähere Vorschriften über die Besteuerung ihrer Mitglieder zu erlassen.
Oberheffen.
Landkreis Gietzen.
CO Klein-Linden, 12. Noo. Die Beerdigung des Rektors i. R. Albert Boßler fand heute unter Teilnahme fast der gesamten Bevölkerung und vieler Freunde des Verstorbenen aus nah unb fern statt. Den langen Leichenzug eröffnete der Turnverein, dessen langjähriges Mitglied der Verstorbene war. Am Grabe eröffnete ein Schülerchor die Trauerfeierlichkeiten. Der Ortsgeistliche, Pfarrer Bremmer, zeichnete an Hand des Bibelworts aus dem Evangelium Matthäus Kap. 20, Vers 8 ein getreues Lebensbild des Verstorbenem Ungezählte Kranzspenden wurden am Grabe niebergelcgt und dabei von allen Rednern die großen Verdienste des Verstorbenen gewürdigt. Es ließen Kränze nieber* legen: das Lehrertollegium und die Schule, die Gemeinde, der Lehrerverein Giehen-Land, der Turnverein, der Verein der Kinderschule, die Gesangvereine „Eintracht", „Arion" unb „Harmonie" und die christliche 3ugenbberein igung.
* Lollar, 12. Noo. Der Sängerchor der hiesigen Sängerverenigung unter der Leitung seines Chormeisters Rhode (Marbura) brachte den Patienten der Chirurgischen Klinik in Gießen, unter denen sich zur Zeit auch drei Mitglieder des Vereins befinden, ein Frühkonzert dar. Der Verein fang drei Chöre und einige passende Volkslieder in schönster Weise. Die Darbietungen wurden von den Patienten mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Oberschwester der Klinik brachte den Herz- lichen Dank der Kranken in warmen, anerkennenden Worten für den Verein zum Ausdruck.
U Rabertshausen, 12. Aov. Das zu imferer Gemeinde gehörige, im vorigen Jahre von Bürgermeister Reichhardt gepachtete Hof - aut Ringelshausen ist verkäuflich. Die Geldknappheit, sowie die schlechten landwirtschaftlichen Verhältnisse in der gegenwärtigen Zeit
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Wersen ihre Schotten hemmend auch auf die Lösung dieser Aufgabe. Allzu großes Äauf- intercsse für dieses Besitztum soll nicht vorhanden sein. Der zur Gemarkung Ringelshausen gehörige Steinbruch dagegen, der von Pflastermeister Zimmer (Bisses) in Betrieb genommen ist, zeigt eine aufwärtsstrebende Entwicklung. Das vorzügliche Steimnaterial wird zum Teil von Zimmer selbst zur Pflasterung verwendet, zum Teil wird es mit der Bahn verfrachtet. Durch die Herstellung einer neuen Abfuhrst raße wird bet Abtransport erleichtert; burch Pferdefuhrwerk werden die Sterne nach dem allerdings über eine Stunde entfernten Bahnhof Oberwiddersheim zu« Verladung gebracht.
U Rodheim a.d. Horloff, 12. Aov. Der Gesangverein „Sängerkranz" dielt am, Samstagabend feine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aach kurzen Be- grühungswvrten gab der 1. Vorsitzende, H^Ru- b c l, einen Rückblick auf bas vorflossene Arbeits- jahr. Der Verein nahm an dem Bundesfest m ^Hmgen unb an bem Sängerfest in Steinheim tetL ®aö rin letzten Jahr angeschaffte Harmonnmr befriedigt vollauf. Die Rechnungsablage zeigte einen wirtschaftlich guten Stand des Vereins. Die Mitgliederzahl ist durch Wegzug von Sängern etwas gesunken. Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes wurden Georg Klippen al8 2. Vorsitzender unb Hermann Aagel als Rech- ner gewählt. Von einem öffentlichen Winterver- gnügen will bet Verein in diesem.Winter absehen; erstmalig hat man sich für die Abhaltung eines Famvlienabends entschlossen. Außer an dem im Mai 1929 ftattfinbenben We rtungssin- gen des Horloff-Wettertal-San^ev- b u n d e s gedenkt bet Verein noch an em em Wettstreit im kommenden Sommer teilzunehmen. Rach Erledigung der Tagesordnung blieben bw Mitglieder bei Liederootträgen noch einige Stunden beisammen. — Allgemein fällt in diesem Herbst das starke Auftreten der Blut- lau s in unserer Gemarkung auf. Besonders werden die Obstbäume bet Gärten von diesem Schädling heimgesucht. Scharfe Bekämpf ungsmahnah- men, am zweckmäßigsten mit Unterstützung durch die Gemeinde, wären am Platze. — Der noch vor wenigen 3ähren hier herrschende Wohnungsmangel ist nun vollständig behoben. 3a das Wohnungsangebot ist vielleicht größer als die Aachfrage. Eine im vorigen 3ahr leerstehende Hofteite ist zwar wieder von zwei Familien bezogen worden, dafür ist aber neuerdings die Wohnung der nach Amerika ausgewanderten Familie Uftner unbewohnt.
Kreis Friedberg.
WER. Friedberg, 12. Aov. Am Samstag ist in ber hiesigen Zuckerfabrik der 25jährige Arbeiter 3oseph Ebert tödlich verunglückt. — In diesen Tagen fand die diesjährige Mitgliederversammlung der Bezirks- sparkasse Mathilden st ist Friedberg statt. Rechner E l b e c t erstattete den Geschäftsbericht für 1927. Aus ihm ist besonders die Zunahme im Sparverkehr hervorzuheben. Im Jahre 1927 wurden 2 480 000 Mk. neu eingelegt, 140 000 Mk. Zinsen wurden gutgeschrieben. Zurück- erf>oben wurden 1340 000 Mk., so daß ein Reinzuwachs von 1 280 000 Mk. zu verzeichnen ist, durch ben bet Bestand an Spareinlagen auf ben Bettag von 3 330 000 Mk. angestiegen ift 3n ben Monaten Januar bis Ende Oktober 1928 wurden 2 659 000 Mk. eingelegt, zurückerhoben wurden 1 376 000 Mk., so daß die Sparkasse heute 4 631 000 Mk. Spareinlagen verwaltet. Dieser De trag wurde von Januar 1924 bis heute, also In vier Jahren zehn Monaten, hereingenommen und verteilt sich auf 7472 Sparbücher. Die Giroeinlagen beziffern sich auf 1 400 000 'Mk., so daß Spar-- und Giroeinlagen zusammengenom- inen heute 6 Mill. Mark Einlagenbestand ergeben. Auf jeden sechsten Einwohner des Bezirks entfällt ein Sparbuch, unb auf jeben Einwohner 100,70 Mk. Sparguthaben unb 30,50 Mk. Giro- guthaben
<£ Bad-Nauheim, 12. Nov. Die Anregung zu gemeinsamer freundnachbarlicher Zu» sammenarbeit zwischen unserer Stadt und der Kreisstadt Friedberg ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Am Samstagabend fand im Sprudelhotel die erste Aussprache über dieses Problem im Rahmen eines Kommunalpolitischen Abends der Deutschen Volkspartei statt, zu dem auch einige Herren aus Friedberg erschienen waren. Als Referent sprach Landtagsabgeordneter Dr. Nie» poth über allgemeine Fragen der Verwaltungsund Kommunalpolitik. Er gab in der später einsetzenden Aussprache der Hoffnung Ausdruck, daß die beiden Nachbarstädte künftig gemeinsam an der Lösung ihrer großen kommunalpolitischen Aufgaben arbeiten möchten. Stadtv. Hotelier Krauß behandelte in eingehender Weise das Zusammenarbeiten beider Städte und bedauerte, daß nicht schon früher der ernsthafte Versuch gemacht worden sei, zwischen den Nachbarstädten ein besseres Einvernehmen zu erzielen. Die von Friedberg anwesenden Herren gaben ihre Bereitschaft kund, den Gedanken der Zusammenarbeit nach feder Richtung hin zu fördern.
Kreis Schotten.
□ Lauk»ach, 12. Aov. 3n ber jünaften Sitzung bes Gerneinberats wurde zunächst die Errichtung einer Haushaltungsschule beraten. Rektor Döll gab hierzu ausführlich« Erläuterungen. Man beschloß bie Errichtung einer solchen Schule unb bewilligte zu diesem Zweck für dieses Jahr 1000 Mark. Weiter wurden bau Kreise zwecks Vergrößerung der Kreisbaumschule weitere zwei Morgen Land überlassen. Zur Ehaussierung des von ber Planke nach bet unteren Langgasse ziehenden Hofes unb zum Sehen bet hier nötigen Grenzsteine wurden 100 Mark bewilligt. Betreffs ber Kanalisation würbe beschlossen, keine Kanalgebühren zu erheben. Für Ablauf bes Wassers soll ein prozentualer Zuschlag zum Wassergelb erhoben werben. Die Beschaffung eines Kanalreinigungsge- rates wirb zurückgestellt. Der seitherige Wiesenwärter bleibt bis zum 1. April 1929 im Dienst. Die Stelle soll zur Bewerbung ausgeschrieben werben. Die Miete in ben Reubauten ber Gemeinde an der Licher Straße soll um 50 Prozent erhöht werben. Am sog. Bürgerturm sollen bie nottoenbigen Ausbesserungen Dorgenommert werben. Außerdem wurde beschlossen, zwei Totenfrauen anzunehmen.
? Eichelsdorf, 12. Aov. Ein eigenartiger Fall einer Grenzverwirrung, wie er in feinen Auswirkungen wohl nur selten vorzukom- men pflegt, konnte jetzt in hiesiger Gemarkung festgestellt toerben. Ein Ausmärker erbte vor Jahrzehnten von seinem hier ansässigen Schwiegervater u. a. einen Acker, ber aus zwei Parzellen bestand unb insgesamt 37 Ar groß war, wie es auch un Grundbuch verzeichnet ist. Sei
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