Hr.2C8 Zweites Blatt
GietzenerAnzeiger^eneral-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, (5. November 1928
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Jetzt ist die Walze vorüber. E l n
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Oer Ausbruch des Aetna
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ins Meer.
Daten
für Mittwoch, 14. November.
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unterzieht. Dann wird das heilige Licht durch Aneinanderreiben zweier Hölzer gewonnen. An diesem Abend und in dieser Nacht wird mtr Licht gebrannt, das an dem heiligen Funken entzündet wurde. Nun begibt sich der Kaiser barfuß und langsamen Schrittes, in weihe Gewänder gehüllt, zur Opferhalle. Kleber ihn wird ein Schirm mit dem Abbild des Phönix getragen. Zum Schluß folgen verschiedene Staatsbankette.
Zyklop in seiner Wut dem Odysseus nachgeworfen habe, der Sage nach. . . Märchen also.
Klavier- n Franz
'ei Ernst •harten lusB-efs.
flattern wie sliegensucheich dicht über dem furchtbaren Fluh, halten sich mühsam, schwanken und taumeln schließlich wie fallende Blätter hinein.
Vögel oder eiserne Brücken, das ist.....
Lava eins. Die Eisenbahnbrücke bäumt Uu|, Weißglut rinnt durch ihre Adern, sie schmilzt. Vorbei.
»r große lensllien iahn rel. 1403
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Wilhelm von polenz.
Zu feinem 25. Todestage.
Von Walter Mahr.
Die letzten 50 Jahre deutscher Literatur zeigen eine Rastlosigkeit cher Entwicklung, wie sie keine Zett vorher kennt. Ein Programm jagt das andere, eine Richtung löst die andere ab, was heute aktuell und modern, ist morgen abgetan und unmodern. Lind alle diese Richtungen beherrscht die gleiche Parole: Los von der Tradition! Von der Tradition im Leben wie in der Kunst. Wir brauchen eine andere Technik, einen anderen Stil, eine andere Stosfwahl, ein anderes Verhältnis des Künstlers zu der von ihm dar- »ustellenden Welt. Am Anfang dieser Entwicklung steht der Naturalismus: er leitet die neue Spoche ein. Richt daß der Raturalismus ein plltzliches Einbvechen neuer Ideen bedeutet. Er ist vielmehr letzte Steigerung und Auswittung ter Aufklärung, ja letzte Konsequenz jenes vernünftig, objektiv und wissenschaftlich gerichteten Weltbilds, das seit langem der sichere Besitz der gebildeten Oberschicht des europäischen Abendlandes war, und das, durch Romantik und Klassik kmz unterbrochen, im Jahrhundert der Ratur- ivissenschast, der Technik und des Materialismus seine letzte Konsolidierung erfuhr. In ZolaS Werben liegt der Riederschlag dieser neuen Welt- mschauung vor. Zola nachzueifern, ihn zu erreichen, ist das Streben der Dichter jener Zeit.
Wilhelm v. Po lenz geht vom Raturalismus aus. Geboren ist er am 14. Januar 1861 auf Schloß Ober-Cunewalde in der sächsischen Ober- llarsih, Sohn eines Kammerherrn und Kloster- oogts. Er besuchte das Gymnasium in Dresden, genügte dort seiner Militärpflicht, studierte darauf tn Breslau, Berlin und Leipzig die Rechte.
kurzem juristischen Vorbereitungsdienst in Dresden verlieh er fein« Laufbahn, studiert« in Verlin und Freiburg Geschichte, erwarb daS Rittergut Leuba und übernahm dann das Stamm- M seiner Familie Ober-Cunewalde, wo er am 13. November 1903 starb.
In seiner literarischen Sturm- und Drangzeit Dar Polenz «in Mitglied der Schar, die sich an- '°mgs tn Berlin, später in Friedrichsbagen, um di« Bruder Hart sammelte. Trotz der äußerlichen Zugehörigkeit zu diesen Vorkämpfern des Raturalismus ist Polenz doch nicht konsequenter Natu- rÄist geworden. Seine Entwicklung beginnt mit ten modern-realistischen, feinen Llnterhaltungs- winan und erreicht ihren Höhepunkt in Werken iraftvoller Heimatkunst. ,Sühne" war Polenzens
Magma.
Don unserem römischen ^.-Korrespondenten. Taormina, Rovember 1928.
Es wird immer unverständlich bleiben wieso in unserem aufgeräumten Europa, in diesem wohlgeordneten Hause, in dem die züchtige Hausfrau waltet, unartige Kerle zurückgeblieben sind, die sich damit vergnügen, in der „guten Stube", in dem Empfangssalon für seine Besucher, herum- ^uspucken. Wenn so etwas im Bureau vorkäme, tn Berlin, oder gar im Boudoir, in Paris!
Wohlwollend, wie die Fremden nun einmal gegen di« Lausbuben ihres Gastgebers zu sein pflegen, betrachten sie die wilden Burschen: mit Interesse, wie den bösen Eber im Zoo: durch die Lorgnette, wie einen aufsässigen Chauffeur. Di« Herrschaften tomnten mit der Bahn zum Kraterrand heraufgefahren und brechen in den vorgeschriebenen Ausruf des Entzückens aus: Very nice, indeed! Die Sonntagsschriftsteller schreiben von dem Pfeifchen, das der Alte immer noch schmaucht.
Zuweilen aber geht die gutmütige Spuckerei in Raserei über und das Pfeifchen tn den ilr- zvrn der Schöpfung. Mutter Erde gebärt.
Wir stehen daneben, können jeden Augenblick, wenn uns die Geschichte riskant erscheint, ins Auto springen. Wir stechen mit dem Spazierstock in das Blut unseres Planeten, der Arbrei brodelt um die Lackkappen unserer Schuh«, Magmageruch steigt in gepuderte Rüschen. Magma —!
Es wird immer unverständlich bleiben.
der Theologie tn kirchlich-konfessionellem Sinne bricht. Er wendet sich von seiner Laufbahn ab, heiratet die Tochter eines atheistischen Arztes und widmet sich dem Beruf eines Volks- und Iugendlehrers.
Zwei Jahre später erschien des Dichters Meisterwerk: „Der Düttnerbauer", „dem deutschen Nährstande gewidmet". Kein geringerer als Tolstoi hat dem Roman di« wärmsten Worte der Anerkennung gezollt. Der Büttnerbauer, der sein Gut bei der Erbteilung stark verschuldet übernommen hat und es trotz heißester Liebe zur Scholle und unermüdlicher Arbeit nicht zu halten vermag, ist der typische deutsche Dauer, sein Schicksal das tausend anderer, die wie er, von dem geltenden Recht hilfb>s im Stich gelassen, im unzerreihbaren Spinnetz eines gierigen Ausbeutertums zappelnd sterben müssen. Ganz vortrefflich hat Polenz das Standesmähige des Dauern mit individuellen Zügen, das Trieb- mäßige des Raturmenschen mit bewußten Antrieben durchsetzt, und so eine Dauerngestalt zustande gebracht, die von Anfang an überzeugend wirkt und zuletzt zu tragischer Größe emporwächst. Es werden nicht die Schwächen und Untugenden des Dauern verschwiegen, sein Trotz und sein Eigensinn, aber das eine, die Liebe zur Scholle, versöhnt. Es ist erschütternd, zu lesen, wie der alte «infame Dauer Abschied von der geliebten Scholle nimmt und fein Leben unter einem blühenden Kirschbaum endet.
Soziale Fragen behandelt „Der Grabenhäger". Diesmal beschäftigt Polenz sich mtt dem Adelsstand. Der Roman wird vielfach als bestes Werk des Dichters bezeichnet. Aesthetisch gerichtete Ra- turen werden bte schöne Linienführung, die Feinheit und künstlerische Reife der Darstellung bewundern. Die Wucht des „Düttnerbauern" erreicht er nicht. Deine Entstehung geht wie die aller seiner Werke auf eigene Erübniss« und Erfahrungen zurück.
„Der Grabenhäger" ist der letzte Roman seiner fest tn Duft und Boden der Oberlausitz begründeten Heima-tttvnst. Polenz rückt jetzt von der Scholle ab und behandelt tn feinen letzten Werken große Fragen der Zett im Anschluß an rein individuell« Geschicke. „Thekla Lüdekind" (1899), „Liebe ist ewig" (1901), „Wurzellocker" (1902) machen des Dichters letzte Schaffensperiode aus. Die ersten beiden Werke sind Frauenromane, in denen nicht nur Probleme angefchnitten, sondern auch gelöst und mit eindringlicher Wahrheit gestaltet werden. Ein Literaturroman ist „Wurzellocker". ein Bekenntnis Po lenzens aus seiner Berliner Zett. . . . . ..
Alle ausländischen Botschafter in Japan wohnen den Krönungsfeierlichkeiten bei. Der Kaiser symbolisiert die Gröhe Japans und trotz aller revolutionären Agitationen im Land der ausgehenden Sonne hat man gegen die Kaiserverehrung nichts ausgerichtet. China ohne Kaiser ist zum Chaos herabgesunken. Japan ist groh und stark geblieben.
Sonnenaufgang 7.16 llhr, Sonnenuntergang 16.13 llljr. — Mvndaufgang 9.23 llhr, Mond- un ter gang 17.10 llhr (Erdferne).
354: der Kirchenlehrer Aurelius Augustinus in Tagaste geboren; — 1716: der Philosoph Gottfried Wilhelm v. Leibniz tn Hannover gestorben: — 1825: der Schriftsteller Jean Paul (Friedrich Richter) in Bayreuth gestorben: — 1840: der Bildhauer Augwsto Rodin in Paris geboren.
Der Blick von Taormina auf den nächtlichen Vulkan ist übet alle Mähen schön. So ähnlich muß es vor Millionen und Abermllllonen Jahren ausgesehen haben, als dieses Gestirn die Kruste anlegte, auf der wir heute stehen. Treiben auf dünner Scholle über der Magma — unbegreiflich.
Unten, am Fuße der Hephalstosschmlede, sieht es anders aus. Flüchtling« mit hohlen Augen, Lastwagen mit ärmlichem Hausrat, Massen von Militär. Ein KrlegSblld. Eben schraubt man die Schienen auf, drei Glutarme greifen nach der Hauptlinie Messina—Catania. Es heißt, die Eruption ebbe. Niemand weiß Sicheres. Professor Ponte, der Letter des Observatoriums, hat
Die Hausbesitzer, dl« das vom nächsten Hügel aus mttansehen müssen, die erst dem Befehl des Militärs wichen, erstarren. Aschgrau überzieht ihre Züge wie die Lava aschgrau an der Oberfläche erstarrt. Zu erstarren scheint. Der Schein ist das Tückische daran. Di« Tiere müssen es erfahren.
Magma, daS glutflüfsig« Erdinnere, hat eine seltsame Gewallt über alles Irdische. Bevor es erstarrt, macht es erstarren. Die Katzen ducken sich vor der heranzischenden Schlange, unbeweglich, bis es Zett ist zum Sprung. Dann sind sie mtt einem Satz in ihrem Racken, krallen sich in di« Hydra hinein, statt zur Seite zu springen. Hetzen über di« dünne, heiße Kruste, irrsinnig hin und her, bis sie einfinfen und schon im Wegsacken zerschmelzen, zu Rlchts zergehen. Die Vögel, von der unheimlichen Gewalt unwider- stehlich angezogen, stoßen tn Schwärmen herab,
Für die menschlichen Schmarotzer im grünen Fell des Berges bedeutet jede solche Sage den Verlust von Haus und Herd, von Hab und Gut, toenn nicht von Leib und Leben. Manchmal wiederholt sich das Märchen alle dreihundert Jahre, manchmal schon in einem Dutzend, in einem halben Dutzend von Jahren. Das letztemal schrieb man 1923. Damals jedoch war eine andere Gegend an der Reihe. Heute hat es wieder, wie im 17. Jahrhundert, Mascali getroffen. Genau so getroffen: Begraben. Richt einmal Blumen aufs Grab. Zugeschüttet. Aus.
Mascall besteht aus drei Ortschaften mit insgesamt 7000 Einwohnern. Runzlata, Punta- lasso und Carrabba, wenn man auch noch diese Industriegemeinde hinzunehmen will, zählen zusammen nicht mehr als 2500, Mascali ist also die größte. Sie hat saubere Häuser mit Bal- konen, Bogenlampen, Faszio und einem Kriegerdenkmal, das gerade elngeweiht werden sollte. Da natürlich auch der Ortsheilige ein Fest hatte, war das Städtchen festlich geschmückt, als die Hydra kam.
Mir war wieder so, als rückte die russische Dampfwalze heran. Drei Armeen auf eine Front von höchstens 200 Metern Ausdehnung, umklammernd. Es blieb nichts anderes übrig, als der Rückzug. Kaum war die Stellung geräumt, da —
Ob man jemals so etwas schildern kann, so darstellen, daß ein Leser es miterlebt? Ich stehe in einer Straß«, die ganz leer ist und daher um fo aufgeräumter wirkt: eben die „gute Stube", die nur gelegentlich geöffnet wird. Die Häuser wundern sich: auf was warten wir denn? Die Fenster stehen offen, die Haustüren aber sind sorgfältig geschlossen, damit fern Unbefugter während der Abwesenheit der Bewohner eintrete. Run, wir brauchen nicht allzulange zu warten. Auf einmal bricht zwischen dem Haus Rr. 27 und dem Haus Rr. 22 — oder ist es Rümmer achtundzw — — schon nicht mehr zu lesen — bricht die Kraterdiviston durch. Richt stürmisch, durchaus nicht, langsam, zäh, unwiderstehlich, als Ätoänge sich nur ein Berg in eine enge Straße. Ein rauchendes, stinkiges Ungeheuer.
Heut« vor acht Tagen, man saß gerade beim Tee in Taormina, stieg aus der schneeweißen Stirn des Aetna plötzlich eine Rauchsäule auf, die sich zu einem ungeheuren Pinienschirm entwickelte. Pallas Athene brach aus dem Haupte des Zeus, des gewaltigen DctterS. Di« Erde wand sich in Wehen.
In der Rächt war das „grandiose Feuerwerk' der Sonntagsschriftsteller da.
Am nächsten Morgen öffnete sich der Mund des Gottes zu einem gräßlichen Schrei. Dumpf rollte er unter den Füßen der Menschen fort. Die Seismographen ließen vor Schreck den Zeiger fallen.
Der Aetna öffnete hundert Mäuler zugleich, eines auf 2700, eines auf 1650, eines auf 1150 Meter Höhe. In Strömen floß das glühende Blut heraus, vermengt mit gelbem ©eifer.
Hier stürzte es herunter wie ein Wasserfall, dort kroch es schlammig über die Falten und Runzeln hinweg. So oder so spritzt« «s schließlich auf die Menschen. Sie wuselten durcheinander wie Käfer, wie aufgescheuchte Ameisen — was sind wir anders als Ungeziefer für einen Berg?
Eine feurige Hydra mit drei Hauptköpfen wälzte sich aus vererbtem Instinkt dem Meere zu. Seit Jahrtausenden ist das in der Aetna- familie so üblich. Di« Herrschaften, die den Winter in Taormina oder Syrakus verbringen, schauen schon gar nicht mehr zum Fenster hinaus, wenn der Zug durch die erstarrten Schlangenleiber fährt. Sie sehen kolossale Rumpftrümmer am Strand und im Meere liegen und lesen tn ihrem Führer, daß das die Steine seien, die der
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um Flugzeuge gebeten, die hundert cater zu beobachten.
Fünfzig Meter noch, dann stürzt die Lava
Die Kaiserlrönung in Kioto.
Den zehnten Tag des durch Hausgeseh für die Thronbesteigung des Kaisers festgelegten Monats Rovember haben die das Ritual beherrschenden Priester des kaiserlich japanischen Hauses als das glückverheißende Datum für die Hauszeremonie der Thronbesteigung erkundet. An diesem Tage nimmt der neue Kaiser, gekleidet in ein rotes Gewand — Symbol der ausgehenden Sonne — und mit einem Zepter — dem Symbol der kaiserlichen MachtVollkommenheit — zum erstenmal auf dem Thronsessel Platz, nachdem ein Gottesdienst vor dem an geweihter Stätte aufgestellten Kashiko Dokoro vorausgegangen ist, diesem kaiser- lichen Heiligtum, in welchem der Heilig« Spiegel aufbewahrt wird, eine Gabe der Sonnengöttin <m ihren Enkel Rinigi, den Vorfahren des ersten Kaisers Iimmu-tennv. Dann verliest der Kaiser seine Thronrede, der Premierminister seine Glückwunschadresse, und schließlich dröhnt durch di« heiligen Bezirk« der Tempelstadt bei Kioto daS dreifach« „Banzaü". Damit ist Japan enbgüütg und formell in die Aera „Showa" eingetreten, die Aera des „glänzenden Friedens", die di« Aera „Taisho", der „großen Gerechttgkett" abgelöst hat.
Um die Bedeutung des KrönungSaktes in Japan zu verstehen, ist es interessant, bas Krönungsgebet des Hohenpriesters anzuführen. Es lautet: „In der erlauchten Gegenwart des Oberherrschers, des lieben Kindes von Groß-Bamalo, der als menschlich-gegenwärtiger erlauchter Gott das große Land der acht Inseln regiert, vollziehe ich ehrerbietigst di« Preisrede auf Grund der Glückwunschworte Der himmlischen Gottheiten. — Die im hohen Himmcklsgefllde göttlich wohnenden hochherrlichen teuren Ahnen Gottherrscher und Gott- herrscherrn versarnmetten auf ihr Geheiß die achthundert Myriaden Götter, legten im hohen Hmnnelsgefilde die Grundlage der Regierung und erteilten ehrerbietig ihren Auftrag mit den Worten: „Seine Hoheit der hochherrliche erlaucht« Enkel der Sonnengöttm (Rinigi no Mikoto) soll das Land der frischen Reisähren, des üppigen Schttfgesildes, als ruhiges Land friedlich regieren und auf dem himmlischen, hohen, erhabenen Ditze der himmlischen Thronfolge erhaben sitzen, und als himmlisches hehres Mahl, als langwährendes, hehres Mahl und fernwährendes hehres Mahl tausend Herbste und fünf bim bert Herbste lang die frischen Reisähren friedlich und ruhig im heiligen Opferhofe genießenI" Das Krönungsgebet schließt: „Wiederum lunde ich, ihr Prinzen von Blut, ihr Prinzen, Würdenträger und Qeute der hundert Aemter, die ihr im erlauchten Paläste des Oberherrschers ehrerbietig dienet, und du Volk aus den Ländern aller vier Himmelsgegenden des Llnterhimmlischen Reiches, versammelt euch allesamt und sehet! verehret! freuet euch! höxet! und vernehmet die G'lückwunschrede in dem Sinne, daß ihr im erlauchten Palast« des Oberherrschers in einem, gedeihlichen erlauchten Zeitalter wie stets üppiger gedeihende Maulbeerzweige empor gedeihen und ehrerblettg dienen sollet! Mso künde ich in Seinem Hamen in Ehrfurcht! So künde ichl"
Rach dem in besonderen Tempeln und Heilig- tümern Opfer dargebracht wurde, wird die ChinLo-n-Zeremonie zur Befriedigung der Geister abgehalten. Es folgt dann über zwei Tage die Hauptzeremonie des Dankfestes. Sie ist erfüllt von jahrtausenden alten Traditionen mit nrythischen Gebräuchen, die von den Westländern schwer zu verstehen sind. Am Rachmittag ver- läfjt der Kaiser das Schloß und begibt sich in einen provisorischen Palast, in dem er bis 6 llhr, umgeben von der Kaiserin und feiner Familie, verbleibt. Dann beginnt das feierliche Läute - rungSbad. Eigentlich bedarf der Kaiser, der göttliche Eigenschaften besitzt, keiner Läuterung: aber er will der ganzen Ratton ein Beispiel dadurch geben, daß er sich dieser Wasserzeremonie
erst« größere Arbett, psychologisch scharf dunch- geführt, aber immerhin ein Lknterhaltun gsrvman. Französischen Einfluß zeigt die Skizze „Versuchung": Das Jonglieren mit heiklem Stoff, die Maupassantsch« Antithese, das Frappieren- wdllen, das Haschen nach Effekt. Man merkt, Polenz ist ein Könner, aber echte, reife Kunst ist es noch nicht. Es ist dann auch bei dieser einen „Versuchung" geblieben. Polenz zieht sich von dem Berliner Literatenleben auf die Scholle zurück. Er wird Heimatdichter.
Was hat es mit der Heimatkunst auf sich? Timm Kröger, einer ihrer bedeutendsten Vertreter, sagt einmal: „Als wesentliches Merkmal der Heimatkunft erkenne ich ihre Gebundenheit an einen Ort oder eine bestimmte Landschaft mit Unterstreichung der in dieser Umwelt hervor- tretenden Eigenart bei Menschen sowohl wie bei der Ratur." Das bedeutet aber nicht, daß das ganze Gebiet dichterischer Darstellung von ihr nicht ausgenuht wird. Ein echter Heimatdichter wird feine Gestalten nicht weniger ins Typische und Allgemein-Menschliche hinaufheben als ein anderer, der sich vorgesetzt hat, eine ganze Welt an uns vorüberrollen zu lassen. Richt über Rächt ist diese Bewegung gekommen. Sie war latent wie selbstverständlich vorhanden in den Werken Liliencrons, nicht minder bei Gerhart Hauptmann, Halbe und wie sie alle heißen mögen. Aber sie war noch feine Bewegung, noch fein Programm.
Die Heimatkunst, wie ihre besten Vertreter sie wollen, ist die treue Darstellung aus heimischen Leben heraus, aus dem heimischen Leben in seiner Gesamtheit und unter dem Einfluß der Zeitbewegungen. Sie ist durchauL vollwerttge, edyte Kunst. Sie wird in dem Maß« große Kunst werden, als sie es vermag, die Entwicklung großer Persönlichkeiten vom Heimatboden aus in Doll und Menschheit hinein darzustellen. Das aber ist sie bei Polenz geworden.
„Der Pfarrer von Breitendorf" (1893), „Der Büttnerbauer" (1895), „Der Grabenhäger" (1897), sind die Hauptwerke des Dichters. Grundver- schieden in der Problemstellung, sind sie darin eins, daß sie alle drei lebendige Erzeugnisse der Heimatschcll« sind.
Im „Pfarrer von Breitendorf" ist der Träger der Handlung eine nüchterne Ratur, aber mtt jener Anlage zum Glauben im höheren Sinn, di« vor dem Untergang tn den Tiefen des materiellen Lebens wir vor den Gefahren unfruchtbarer Spekulation bewahrt. Sein Berus ist ihm ans Herz gewachsen. Allein der Widerspruch zwischen Glauben und Bekenntnis bei den meisten feiner AmtSb rüder bringt «8 mit sich, daß et mit
Pompeji liegt unter dem Todesstreifen, den sie nachzieht, nur der Kirchturm ragt noch aus dem llrbrei heraus. Er zittert derart unter dem Druck, daß die Glocken zu läuten anheben, Nagend, gespensterhaft, herzzerreißend. Dann fällt er, wie der letzte treue Soldat.
Heber den Friedhof, denke ich, wird die Zerstörung hemmungslos hinwegziehen. Da ist es. als stemme eine unsichtbare Faust die Toten- stätte empor und von dem Kriegerdenkmal fallen, als risse der Vorhang des jüngsten Gerichts, die Hüllen. So gedachte Mascali seiner Gefallenen. . . .
Durch Weinberge und Zitronengärten. 150 000 Lire kostet hier der Hektar. Der Lava ist auch das egal. Mit 70 Meter Stundengeschwindigkeit bettet sie ein. Genietruppen werfen sich dem höllischen Zuge entgegen, überall kracht es von auffliegenden Minen. Die Italiener haben, das sieht man gleich, Erfahrung in dieser Form der Abwehr. Stier wälzt sich die Lava in die künstlich auf- gerissenen Ableitungskanäle, Einkanalisie - r e n heißt man das. Der feurige Strom wird einfach von den Ortschaften weg und ins Meer geleitet. Leider ist es nicht überall so einfach, denn er weih sich zu verteilen, zu gabeln, einzukreisen.
Richt alle Bewohner haben sich rechtzeitig dem Zug der Zehntausend angeschlossen. Da ist ein altes Ehepaar, das sich von seinem Häuschen nicht trennen konnte. Die Madonna würde ein Wunder tun, die Feuerschlange vor der Türe stehenbleiben. Als der Morgen graute, war jeder Ausweg abgeschnitten. Die beiden Unglücklichen standen auf dem Dache und schrien und rangen verzweifelt die Arme. Unmöglich jeder Hilfeversuch. Das Haus versank in den glühenden Wogen.
Bauern auf dem Felde soll «s ähnlich ergangen sein, man weiß es nicht genau. Ihre Frauen, die sie bei Einbruch der Rächt fortgeschickt hatten, fanden an der Stelle des Lagers nichts als Magma.
Auch in seinen Novellen hat uns Polenz echte Heimatkimst voll unmittelbarer Lebensnähe gegeben. Weniger Glück hatte er als Dramatiker« ©ein Drama vom entlassenen Strafgefangenen „Andreas Dochholt" ist voller Unwahrscheinlichkeiten und Unmöglichkeiten, so daß ihm ein Erfolg nicht beschieden ftin konnte.
■ Zu früh nahm der Tod dem Dichter die Feder aus der Hand. Im Alter von nur 42 Jahren ist er an den Folgen einer Operation gestorben. Ein teueres Vermächtnis hinterließ er noch in dem unvollendet gebliebenen Roman „Glückliche Menschen" und in den von seinem Bruder heraus- gegebenen Gedichten.
Hochschulnachnchten.
Prof. Dr. Erich Rothacker in Heidelberg hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der Philosophie an der Hnloerfität Bonn als Nachfolger von Prof. Max Went- scher zum 1. April 1929 angenommen.
Professor D. Hans Freiherr von Soden in Marburg hat den an ihn ergangene Ruf auf den Lehrstuhl der Kirchengeschichte an der Universität Heidelberg als Nachfolger des Geh. Rats H. von Schubert abaelehnt.
Zur Wieoerbesetzung des durch die (Emeritierung von Prof. R. Lorenz an der Frankfurter Universität erledigten Lehrstuhls der physikalischen Chemie ist em Ruf an den ord. Professor Dr. Georg von Hevesy in Freiburg i. D« ergangen. — Der durch den Weggang des Prof. Friedr. Hildebrandt an der Medizinischen Aka-' demie in Düsseldorf erledigte Lehrstuhl der Pharmakologie ist dem v. Professor Dr. med., Dr. med. vet. h. c. Wolfgang Heubn « r in Göttingen angeboten worden. — Der ordentliche Professor für Geologie und Paläontologie an der Universität Greifswald, Dr. Johannes We ige lt, hat einen Ruf an die Universität Halle als Nachfolger des Geh. Rats 2oh. Walther erhalten.
Der durch den Weggang des Prof. E. Salb kowski nach Berlin an der Technischen Hochschule in Hannover erledigte Lehrstuhl der praktt- schen Mathematik ist dem Privatdozenten Dr. rer. nat. Erwin Fues an der Technischen Hochschule in Stuttgart angeboten worden. —• 3ur Wiederbesehung der durch die Emeritterung des Prof. QL v. Brandls an der Technischen Hoch- schul« in Aachen erledigten Professur für Freihandzeichnen und Aquarellieren ist ein Ruf an den Dozenten an der Technischen Hochschule in München, Architeften Hermann Haas er* gangen. _ , . > -
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