Oberheffen.
Landkreis Gictzen.
• Rödgen, 13. Juli. Der hiesige Gesangverein „Konkordia" kann im nächsten Jahre cuf sein 4 5jüh/ciaes Bestehen guriirfblidcn. Der Verein beabsichtigt aus diesem Aniah die Veranstaltung eines größeren Sänger- festes, mit dem ein Gesangswettstreit verbunden sein soll. Die neuhergerichteten Gast- Hauslokalitäten in unserem Orte begünstigen den Plan des Verein- in hohem Maste. Von den beiden vorhandenen Sälen fastt jeder etwa 1000 Personen. Die einwandfreie Unterbringung der Gastvereine kann heute schon als gesichert angesehen werden. Der festgebrnde Verein hat sein letztes Fest im Jahre 1909 veranstaltet.
: Reiskirchen. 12. Juli. Im vergangenen Jahr hat die Gemeinde damit begonnen, das Rohrnetz der Wasserleitung zu erneuern. Es sind im Laufe der Jahre in der Erdleitung so viele schadhafte Stellen entstanden, dast ein grober Teil des Wassers unterirdisch oustritt. In diesem Jahr sollen die Oberdorf - stroste und ein Teil der Hauptstrabe umgebaut werden. Die Arbeiten werden von Bauunternehmer H. Schäfer hier ausgeführt und sind in dieser Woche begonnen worden. Wenn irgend möglich, soll die Sperrung der Hauptstraste, die den Verkehr von Gießen nach Alsfeld vermittelt, vermieden werden.
i Mainzlar, 12. Juli. Der hiesige Rad- fahrverein „Vorwärts" unternahm seine diesjährige Wanderfahrt nach dem schönen Rheinstrome. Die Abfahrt des Vereins erfolgte am Samstagnachmittag und führte durch das Lahntal. Zunächst ging cs bis Weilburg, dann am Sonntaginorgen weiter über Limburg nach Ems. Rur kurz konnten hier die Sehenswürdigkeiten des Bades besichtigt werden, und weiter ging die Fahrt an der romantischen Burg Lahneck vorbei über die Pfaffendorfcr Drücke nach dem -Ziel Koblenz. Der Verein kam gegen 1 Hfyr mittag« dort an. Rach eingehenden Besichtigungen wurde die Rückfahrt mit der Bahn bis Wetzlar angetreten, so dost der Verein wieder gegen 11 iifrt zu Hause anlangte. Alle Teilnehnrer waren vollauf befriedigt von dem schönen Verlauf der Fahrt, waren es immerhin doch über 150 Kilometer, die mit dem Fahrrad zurückgelegt worden waren.
T Treis a. d. Lda., 12. Juli. Bei dem Hagelwetter am vorigen Freitag sind in verschiedenen Teilen unseres Feldes die Bohnen, Gurken und teilweise auch die Kartoffeln durch die Hagelkörner stark beschädigt worden.
■ Geilshausen, 12. Juli. Am Sonntag feierte die hiesige Volksschule ihr diesjähriges I u g e n d f e st. Ein ungefähr 300 Personen zählender Festzug bewegte sich von der Schule zum Festplatz. Dank der Fürsorge des Bürgermeisters Wagner und des Försters Wallenfels war im Melmes ein herrlicher Festplatz geschaffen worden. Bei herrlichstem Sommerwetter entwickelte sich dort unter Leitung von Lehrer Wunsch ein fröhliches Treiben. Rach einem Vorspruch von Frl. Wagner begrüßte Bürgermeister Wagner mit packenden Worten die Festgemeinde. Danach wechselten Lhöre der Kinder und des Gesangvereins Jugendmut, mit Gedichten im ersten Teil des Programms ab. Der zweite Teil des Programms brachte Singspiele und Wettkampfe. Hierbei hatten sich die Herren Börger, Rühl und Wallenfels in dankenswerter Weise in den Dienst der Sach« gestellt und die Leitung der einzelnen Abteilungen übernommen. Den Höhepunkt des Tages brachte den Kindern der Schwebebaum, verbunden mit Wurstschnappen. An die Sieger bei den Wettkämpfen wurden >urch die Gemeinde Preise verteilt. Weiter bekam jedes Kind «ine Bretzel. Während der Pause und "nach Schluß des Programmes sorgte eine Musikkapelle für Unterhaltung. Gegen 6 Uhr bewegte sich der Festzug wieder nach der Schule, und damit fand das Jugendfest seinen Abschluß. Da olle« bei schönstem Wetter und bester Stimmung verlausen ist, so kann die Volksschule mit ihrem Jugendfest einen vollen Erfolg für sich verzeichnen. _______________________
Begegnung mit der Vergangenheit.
Don Sofie von Uhde.
„Du gehst zu hundert Geistern. ...“ Mahnend war cs mir gegenwärtig, als ich zum Flug nach Dresden in einen trüben und schon ein wenig abendlichen Himmel stieg. Ja, ich wollte zu Geistern gehen, zu geliebten Schatten, und es war wohl vorbedacht, daß ich in der unüberwindlichsten und schönsten Inkarnation unserer Zeit, im geflügelten Wagen, zu ihnen kam. Denn ich wollte nicht mit armseligen Händen vor sie treten, ein entwurzelter Enkel, ich wollte ihnen das Beste zeigen, was wir ihrer selbstbewußten Treue an die Seite zu ft elfen haben: den grandiosen, den erdumspannenden Fortschritt unserer Zeit.
Unb hingegebener, stolzer erschüttert als je, hörte ich den ruhig arbeitenden Motor seinen sieghaften Schritt durch die Himmel gehen.
Die Glb« schimmerte auf, die grünen Kuppeln und Dächer; aus schönem, stillem Flug senkte sich die Maschine einem teuren Boden zu. Lind endlich, nach langen Jahren, umfängt mich wieder dieser holdeste Traum des Barock.
Gibt es etwas schöneres, als nachts auf einer der Elbbrücken zu stehen, toenn die Lichterzeile der entfernten Brücken sich über den Strom spannt, der nächtlich glänzend, nächtlich rau- fchend, unter ihnen hinrollt, während die Kumpeln und Türme an seinen Ufern schweigsam tn den Himmel steigen? Dresden ist bei Rächt beinah« noch schöner als am Tage: das ungewiss« Licht der Dunkelheit entschleiert die distinguierte Ruhe seiner Plätze, Kirchen und Paläste zu unerhörter Eindringlichkeit, und erweckt die festlich heitere Melodie des Rokoko berückender noch als beim Getriebe neuzeitlichen Lebens, das ihrem Geiste fremd ist. Und wer lönntc sich dem hinreißend bewegten Zauber des nächtlichen Zwingers entziehen, wer unterläge nicht dein träumerischeit Reiz des Reustädter Marktes, wenn die vornehmen Barvckfassaden dunkel ruhen und August der Starke, golden auf goldenem Roß, prachtvoll unter die Sterne sprengt?
Wahrhaftig, ich bin zu hundert Geistern gegangen! Ich bin bei lautet alten Bildern, bei lauter Erinnerungen zu Gast, und auch die Lebenden, die mich begrüßen —: „Bist du auch einmal wieder da, mein 5tinb?" — find alte
• Grüningen, 13. Juli. Am nächsten Sonntag feiert der Adam I sheim s che Gesangverein sein 6 5. Stiftungsfest, mit dem das Wertungssingen des Hausberg — Wettertal - Sängerbundes verknüpft wird. Die Bewohner unseres Ortes rüsten in eifriger Weise zu dem Sängerseste. Die Sänger sind mit dem Dau von Ehrenpforten beschäftigt, damit den Sangesbrüdern der Gastvereine schon am Eingang zum Orte ein würdiget Empfang bereitet wird. Auch auf dem Festplatz, der sowohl in seiner Lage, wie in seiner Gestaltung als ideal zu bezeichnen ist. wirb emsig gearbeitet, um alles für das Wohlbehagen der Gäste sorglich vorzu- bereiten. Der Festplatz liegt an der Sing- und Turnhalle, die bekanntlich im gemeinsamen Desih des Isheimschen Gesangvereins und des Turnvereins ist. Durch den Ankauf eine« neuen Grundstückes konnte der seitherige Platz um das Doppelte vergrößert werden, so daß et jetzt fast 2000 Quadratmeter mißt. Wohl nur selten sind Gesangverein« in der glücklichen Lage, über derartige Einrichtungen verfügen zu können. Auch in diesen Schöpfungen des Vereins tritt der hohe ideale Sinn, der in der Sängerschaft des Jsheim- schen Gesangvereins lebendig ist, eindrucksvoll hervor. Der vergrößerte Platz hat nun neuerdings nach der Straßenfront zu einen schönen Abschluß gesunden. Durch die Hochherzigkeit eines geborenen Grüninger, des Bauunternehmers Heinrich Sames zu Darmstadt, hat der Platz als Stiftung eine geschmackvolle Einfriedigung durch Betonpfeiler mit weißem Lattenzaun erhalten, der sich recht vorteilhaft fcarbietet. Herr Sames hat schon in früheren Jahren auch durch namhaft« Stiftungen zur Anschaffung von Geräten dem Turnverein wertvollste Unterstützung angedeihen lassen. An dem Wertungssingen des Hausberg—Wettertal-Sängerbundes beteiligen sich 11 Bundesvereine. Ferner werden noch 15 Gastvereine an der festlichen Veranstaltung teilnehmen. Hoffentlich erfreut der Wettergott den feftgebenben Verein mit schönem Wetter, damit das Fest einen ungetrübten und eindrucksvollen Verlauf nehmen kann.
ch L i ch, 12. Juli. Um Unglücksfällen vorzubeugen, wurden in den letzten Tagen an verschiedenen Stellen in den Hauptstraßen unseres Städtchens War- nungstafcln für Kraftfahrzeuge ausgestellt. Sie seien dem Schutze der Bevölkerung, in deren Interesse die Tafeln letzten Endes aufgestellt worben sind, empfohlen.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 12.Juli. Zum gestrigen Schweine markt waren 724 Ferkel aufgetrieben. Bis 6 Wochen alte Ferkel wurden mit 15 bis 20 Mk.. 6 bis 6 Wochen alte mit 20 bis 25 Mk. und 8 bis 12 Wochen alte mit 25 bis 30 Mk. bezahlt. Der Geschäftsgang war ruhig; es verblieb Ueberstand.
Kreis Büdingen.
# Echzell, 12. Juli. Der jüngste Schweine markt war mit über 300 Jungtieren befahren. Die Rachfrage war gering. Es kosteten 6 bis 7 Wochen alte Ferkel 15—18 Mk., 7 bis 8 Wochen alte 17—20 Mk., ältere Jungtiere bis zu 26 Mk. je Stück. Mehr Rachfrage bestand nach Springern und Einlegschweinen, die je nach Alter und Größe mit 30—45 Mk. bezahlt wurden. Der Handel war schleppend, es verblieb Ueberstand.
Kreis Schotten.
□ Laubach, 12. Juli. Gestern abend fand im „Schühenhof" eine Versammlung des hiesigen Dürgervereins statt, in der die Bürger- meisterkandidaten ihr Programm vortrugen. Geleitet wurde die zahlreich besuchte Versammlung vom Vorsitzenden des Bürgervereins, Fabrikanten Hohmann. Bürgermeister Böhm sprach als erster der Kandidaten. Er wies auf die Fortschritte hin. welche die Stadt unter seiner Verwaltung gemacht habe, auf die durch ihn geförderte Bautätigkeit, auf seine Arbeit während der Inflation, auf den Wegebau, die Rentnerfürsorge. Der zweite Kandidat. Gerichtsrese- rendar H ö g h , hob die Vorteil« hervor, die ein juristisch geschulter Bürgermeister böte. Dann sei es nicht zutreffend, daß er für diesen Posten zu jung sei. Im übrigen sei er mit den Laubacher
Bilder im weißen Haar, Zeugen einer verflossenen Zeit, von der sie sich nicht trennen wollen in der kurzen Spanne, die ihnen noch gegeben ist. Ueberall, wohin ich komme, führen dieselben zittrigen Hände mich vor dieselben vergilbten Züge erloschener Ahnen, vor dieselben kecken Juaendbilder toter Grenadier« und Gardereiter — stumme Fahnenträger einer zerronnenen Zeit, stumm-beredte Mahner zur Treue. Und in allen diesen stillen Zimmern schaut mich da« Reiterbildnis meines Vaters in blasser Schlankheit an.
Ich wollt« doch ein wenig prahlend kommen, den stolzen Rhythmus des Fluges noch im Herzen, ich wollte zeigen, daß auch unsere Zeit so schlecht nicht ist; aber diese Stadt entwindet mir das Wort. Die unbestechliche Vornehmheit der prunkvoll-schlichten Fassaden, die ruhige Größe grün patinierter Kuppeln, all diese elegante und exklusive Lebensfreude des Barock spinnt mich ein. Und die vertrauten Schatten, die meines Blutes sind, und die ich wie leibhaftig hier auf Schritt und Tritt empfind«, lassen mich in Verzauberung über die Straßen und Plätze gehen. Unnötig, sie zu suchen in der überwucherten Gruft, wo unter altem Efeu die Inschriften der Tafeln schon erloschen sind. Eie kommen mir entgegengehuscht auf dem dämmrigen Platz hinter der Schlohkirche. in gebauschten Deidenröcken. sie wandeln bedächtig die Treppen der Brühlschen Terrasse herab, den Elfenbeinknauf des Stockes sinnend an die Lippen gelegt, sie traben in fröhlichen Uniformen auf tänzelnden Pferden über den Jüdenhof. und vor der freundlich-ernsten Abweisung ihrer Augen muß der Enkel mit dem Loblied seiner Zeit verstummen.
Auch eigene Kindertag«, auf Besuch im großelterlichen Hause verlebt, stehen fröhlich wieder da. O. diese aufregenden Fahrten mit dem Lama Wägelchen im Großen Garten, die damit endeten, daß das Lama spuckte und man benäht und glücklich über eine so intime Berührung mit der exotischen Welt nach Hause lief, um zu erzählen. — O. diese unwiderstehlich« Verlockung vor dem Schaufenster der Konditorei von Kreuhkamm. der man, das Geld für ein Schulheft in heimlicher Hand, ein dringliches Verbot lebendig in der Seele, doch immer wieder und nicht ungern unterlag.
Und bei all den lieben allen Leuten, die ich besuche, bekomm« ich wieder mit demselben verheißungsvollen Lächeln wie früher dieselben m-
Verhältnissen wohlbekannt. Als dritter Kandidat stellte sich Fabrikant Karl Michel vor. Er führte aus. tfcifi feine Freund« ihm schon vor sechs Jahren geraten hätten, sich um diesen Pollen zu bewerben. Jetzt könne er sich diesen Wünschen nicht mehr entziehen. Im übrigen sei er der Bevölkerung genügend bekannt. Er würde sich eifrig bestreben, fein Amt gewissenhaft zu verwalten. Sein Geschäft böte kein Hindernis, da er für eine Vertretung sorgen würde. Eine Aussprache fand nicht statt. — Ein« Prüfung der neuen Schießanlagen des hiesigen SchühenvercinS am Ringelsberg durch den Vorstand des Gau-Schühenverbandes Hessen und Rassau hatte ein sehr günstiges Ergebnis. Rach jeder Seite fanden die neuen Anlagen volles Lob. Ein« reiche Festfolge zeigt dieses 3 0. G a u- verbandsschießen. Samstag. 14. Juli, findet im Schühenhof «in großer Kommers statt, wobei die beiden hiesigen Gesangvereine Mitwirken. Sonntag, 15. Juli, mittags 1 Uhr, findet ein großer historischer Festzug statt unter Mitwirkung sämtlicher Laubacher Vereine mit Festwagen und mehreren Musikkapellen durch die Stadt nach dem Festplatz am Ringelsberg. Auf den Festwagen wird Altlaubacher Kulturleben dargestellt werden, u. a. das Altlaubacher Ausschuhfest, ein Wetterauer Brautwagen. Die beiden hiesigen Kunstmaler (Karl Barnas und Felix K l i p st e i n) haben für dies« Anordnungen ihren wertvollen Rat erteilt. Auf dem Festplatz findet täglich Konzert und Tanz statt. Am Montag, mittags 3.30 Uhr. findet ein Kinderfestzug vom Kriegerdenkmal nach dem Festplatz statt. Abends ist Brillantfeuerwerk. Die Preisverteilung findet am Dienstag statt, wo das Volksfest fortgesetzt wird. Ein P o st a u t o vermittelt täglich von 9 Uhr morgens ab den Personenverkehr mit dem Festplatz von der „Oberbforte" aus.
Ulfa, 12.Juli. Da der Erlös aus dem Maffegelände nicht auSreicht«, sämtlich« Kosten der groß angelegten Feldbereinigung zu decken, muhte bei der Schlußabrechnung j? der Morgen bereinigten Geländes nochmals mit 39 Mk. belastet werden. Für die Zahlung dieser Kosten ist eine längere Frist zu- gestanden. Von vielen Beteiligten, die nicht mehr mit so hoher Belastung gerechnet hatten, wurde das Eirdergebnis nur mit Unwillen entgegengenommen. Mit den Jahren aber wird man dennoch dankbar sein, die Feldbereinigung in dieser Großzügigem durchgeführt zu haben.
Rainrod. 12. Juli. Don nächster Woche ab wird die im Läunsbachtal erbaute Kreisabdeckerei in Betrieb genommen. Durch das Entgegenkommen der Wassergenossenschaft Rainrod-Ulfa—Ober-Schmitten konnte sie an deren Leitungsstrang angeschlossen toerben. Auch der ZufahrtSweg ist zum größten Teil fertiggestellt. Die neue Einrichtung wird in allen Kreisdörfern lebhaft begrüßt. Verschwinden doch damit die „Schindäcker", die schon längst ein Stein des Anstoßes waren. Sie werden den kommenden Generationen nur aus dem fortlebenden Flurnamen ins Gedächtnis gerufen werden. Man erwartet aber, daß die Kadaver mit besonderer Beschleunigung zur Abholung kommen. Sonst könnte «s lqicht möglich sein, daß das zweite Uebel großer wäre als das erste.
Id. Aus dem oberenRiddatal, 12. Juli. Die Rachfrage nach frischem süßen Wie- senheu ist sehr stark. Landwirte aus der Wetterau, die das Heu mit eigenem Gespann beim Erzeuger abholen, bezahlen bis zu 350 Mark für den Zentner. Der von Händlern gebotene Preis liegt etwas darunter. Saures Heu wird mit 220—2,50 Mk. gehandelt. Die gute Absatzmöglichkeit für frisches Heu und das Bestreben, bei dieser Marktlage etwas zu verdienen, rief für die letzten Heugrasversteigerungen zahlreiche Kauflustige auf den Plan, und es wurden weit günstigere Versteigerungsergebnisse erzielt als bei Beginn der Heuernte. — Unsere Gegend, die im Vorjahre gewaltige Mengen Obst erntete, wird in diesem Herbst fast leer ausgehen. Zwetschen- und Birnbäume zeigen geringen Behang, während die Apfelbäume kaum Frücht« tragen, denn die wenigen Aepfel, di« angesetzt hatten, sind zum allergrößten Teil abgefallen.
fernalischen süßen Suppen vorgesetzt, die von jeher mein Schrecken waren. Run, als Kind hatte man allerhand raffinierte Kniff«, um diesen Suppen zu entgehen. Aber das geht doch heute nicht mehr gut; schließlich muh man doch zeigen, daß man wenigstens ein bißchen was im Leben gelernt hat — und mit freundlicher Anerkennung schlucke ich diese vernichtenden Apfel- unb Heidelbeergebräue. Ja, man wird alt und weis«!
Geht man dann durch die Bildergalerien des Zwingers und sieht all die lieben Bekannten, den Zinsgroschen, die Sixttnisch« und di« Kinder Karls V., di« man unter väterlicher Führung kennen und verstehen lernte, und entdeckt sich schließlich selbst auf des Vaters »Heiliger Rächt" unter den Engelkindern in den Dachsparren, klein, zerzaust und frech, ein ziemlich unwürdiger Vertreter himmlischer Heerscharen, dann fällt einen di« Vergangenheit wie eine warme Welle an. Und aller innere und äußer« Kosmopolitismus. den man sich angeeignet hat, schmilzt hin in einem schlichten Heimatgefühl des Herzens.
Aber noch haltet ihr mich nicht, geliebt« Schatten? Roch ist der Ruf des lebendigen Lebens stärker als eure zärtlich« Bestürmung. Ich hab« mir an euren vertrauten Geistern aufs neue das Herz mit Ciebc und dem Gelöbnis zur Treue entzündet — heimliches Gut für kühl« und «infame Stunden. Aber nun will ich in meine Zeit zurück, recht und schlecht, wie sie ist. und will sie nützen und erkennen.
Wieder umbraust mich di« betörende Musik der schwingenden Propeller. Wir steigen in einen morgendlich zarten Himmel, der aller _ Verheißungen voll ist. In 1200 Meter Höhe, in köstlicher Ruhe schwebend, unter und neben mir die beglänzten Wolkenberge, entfliege ich wieder der liebevollen Bedrängnis der „Hundert Geister". Und indem ich meine Hand an die in prachtvoller Kraft erzitternde Wand der Maschine lege, stelle ich mit dieser ßiebfofung mich aufs neu« mitten in unsere Tage.
Ein Buchstabe.
Von (Stefan Gzelely.
Die schöne Jbolya Steiner stammt auf Budapest.
Sie ist Deickauferin in einem Zigarrengeschäft im vornehmen Tell des Broadways. Sie ist hübsch, nein auffallend schön, sie ist eine Anziehungskraft des Lachens.
Kreis Alsfeld.
r Ober-Ohmen. 12. Juli. Heute morgen verunglückte der erst 27 Jahre alte Zimmermann Wilhelm W « ndland tödlich Er war mit einem Gehilfen beschäftigt, an der Kreissäge Holz zu schneiden. Diesem wurde an- * scheinend das Holz dadurch, daß «S sich klemmte, i aus. der Hand gerissen. Da« H o l z st ü ck. eine Latte von etwa 1L2 Meter Länge, drang dem vor der Säge stehenden Wendland so unglücklich in die Brust, daß er zusammenbrach. Allem Anschein nach wurde das Herz getroffen. Der schnell hrrbeigerufene Arzt könnt« nur noch den Tod des bedauernswerten ManneS feststellen. Um den Gatten und Vater trauern seine Witwe und sein unmündiges Kind.
Starkenburg.
WSR. Darmstadt. 12. Juli. Dellern abend ereignete sich hier wieder ein schwerer Un- ' fall. In der Heinheimer Sttahe fuhr ein M o - tvrradfahrer, als plötzlich auS einer Toreinfahrt ein Auto herauSkam. Der Motorradfahrer kollidierte mit. dem Wagen, wurde über feine Maschine geschaudert und mußte mit schweren inneren Verletzungen ins Krankenhaus verbracht werden. DaS gerichtliche Rachspiel dürste nicht ausbleiben. da leider immer noch zu wenig darauf geachtet wird, bei Ausfahrt auS Höfen und Tvrhallen hörbar Signal zu geben.
Kinderheilstatte „Almfrieden" bei Winterkasten.
WSR. Winterkasten. 12. Juli. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste. Vertretern der hessischen Regierung, des LandrsverficherungS- amts und des Heilstättenvercins wurde heute die neuerrichtete Kinderheilstätte,Almfrie- den" bei Winter käst en eingeweiht. Bor drei Jahren wurde die Errichtung diese« Heim« zum Kampf gegen di« Tuberkulose bei Kindern beschlossen. Fernab von haftendem Verkehr und Treiben bet1 Geschäfts- und Groß- stad Hebens ist hier ein Quell deS Segen« für leidende Kinder geschaffen worden. Di« Haupt- und Rebenanlagen entsprechen allen modernen hygienischen und erzieherischen Forderungen und den Ansprüchen der modernen Tuberkulosebekämpfung. Der Hauptbau umfaßt rund 2430 Quadratmeter Fläche, auf da« Bett der hier vorgesehenen Belegung mit 76 Patienten kommt also ein Luftraum von rund 108 Kubikmeter und ein Flächenraum von 32 Quadratmeter, in den einzelnen Zimmern für das Bett 19,5 Kubikmeter Luftraum und 6 Quadratmeter Fläche für daS einzelne Bett. An die Kinderheilstätte anschlic- I tzend ist ein« zweistöckige Liegehalle errichtet worden mit Spielplätzen. Rasenanlagen und einem. Freiplanschbecken davor. Die Gesamttosten der Heilstätte werden sich auf etwa 720 000 Mark stellen, da noch einiac technische Einrichtungen zu vervollständigen sind.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
WSR. Wetzlar. 12. Juli. Heute wollte <nn Motorradfahrer auf der Westseite de« KvrnmarkteS in etwa vier Meter tiefer liegende Straßen einbiepen. die durch Geländer gesicherte Serpentinen nut dem Platz verbunden sind. In I einer dieser Serpentinen verlor er die Herrschaft | über das Rad, fuhr gegen ein Geländer und ■ stürzte etwa vier Met er tief ab. Mit schweren Verletzungen wurde er in das Krankenhaus gebracht.
5 Wetzlar, 12. Juli. Die hiesige F r e i w i l. lige Feuerwehr begeht am 4.. 5. und 6. August das Fest ihres 65jährigen Bestehens. Außer den üblichen offiziellen und geselligen Veranstaltungen wird die Wehr am Sonntag. 5. August, auch größere Hebungen veranstalten. Gleichzeitig wird ertoogen, ob seitens der Stadt nicht der Anfang mit einem später zu errichtenden Sammeldepot gemacht tt>ei- den soll, wozu als Jubiläumsgabe ein entsprechender Platz vorläufig gedacht ist.
XX Atzbach. 12. Juli. Die im vorigen Jahre hier gegründete Kleinkinderschule, die unter bet Leitung von Frl. Hildegard Bei -
Avanciert bald zur Aufseherin und bezieht 40 Dollar Gehalt wöchentlich.
Den ersten Heiratsantrag bekommt sie von einem Kollegen, einem Angestellten desselben Geschäftes, der 50 Dollar verdient.
Sie sagt ne nein, sie wartet.
Eines Tages kommt bann der Richtige. ®r heißt Joe B Witkins und besitzt in Ehikago einen Vater, der au« Schokoladen Millionen macht.
Joe kommt, sieht und verliebt sich. Rach zwei Tagen führt er sie in eine Musi« Hall. Rach zwei Wochen bittet er sic um ihre Hand.
Sie gibt sie ihm, ohne viel zu überlegen.
Rach dem ersten Kuß packt Joe feine Kvs- fer und fährt nach Chikagv, um die Zusa« des Schokolabenvaters zu erwirken und vvft- wendend zu seiner Frau zurückzukehren.
Der Schokoladenvater sagt zu. ®r meint, fein Sohn könnte sich tollere Sachen leisten.
Joe steigt also ins Auto, fährt zum Del»« graphenamt und gibt folgendes Telegramm am".
I love you for ever Joe.
Dann steigt er wieder in« Auto, fährt lo«, an der Ecke stoßt er mit einem anderen Wagen zusammen, fein Auto kippt um und er wird mit schweren Knochenbrüchen in« Spital gebracht.
In derselben Stunde erhält die Braut ha« Telegramm. Sie öffnet und lieft mit vor Schreck Wei tgcöffneten Augen:
1 Teave you for ever Jcc.
Jbolya ©feiner lieft das Telegramm toicSH und wieder.
Dann fragt sie den noch immer verliebten
Kollegen:
.James, möchten Si«e mich noch beiratent l ...Mit Wonne!" ruft er und in zwei Tag« find sie Mann und Frau.
Wochen vergehen.
Eines Tage« geht die Ladentür auf. erscheint. Groß« Szene, Vorwürfe, Gegenvov toütle. Sie zeigt da« Telegramm. Run fläd sich all«S auf. Der Postbeamte hatte statt „love irrtümlicherweise Jcave" telearaphiert.
Tableau. Aber amerikanische« natürlich
Denn: es findet sich ein Rechtsanwalt, bd die Sache ordnen will, ilnb der die Post ®r 100 000 Dollar Entschädigung verklagt. . . .
Schluß: die junge Frau bekommt 50 000 Dollar Damit grünbet sie ein eigene« großes Zigarre» geschäft.
Im romebrnften Teil des Droadwohs natürlich


