mäßiger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Heiden Ländern in den letzten acht Jahren erschwert haben. Die erste Folge dieser Einigung wird sein, daß dadurch der Weg für eine Beteiligung der Reichsbank an der von den internationalen RotenbanLen geplanten Mion zur Stabilisierung der rumänischen Währung und für eine Beteiligung der deutschen Danken an der internationalen Kredit- aktion für Rumänien freigemacht ist. Als weitere Folge wird von beiden Seiten erhofft, daß die früheren engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bald wiederher- gestellt sein werden. Es £onn nunmehr auch in Aussicht genommen werden, daß die Verhandlungen zum Abschluß eines Handelsvertrages zwischen den beiden Ländern in absehbarer Zeit ausgenommen werden.
Maniu bildet-asrumänischeKabmeit.
Starke Vertretung Siebenbürgens.
B u k a r e st, 10. Nov. (WB.) Dem unter dem Vorsitz von Maniu aus Mitgliedern der Nationalen Bauernpartei gebildeten Kabinett gehören u. a. an: Inneres: B a i d a , Auswärtiges: Professor Mironesco, Finanzen: P o p o v i c i, Krieg: General Cikoski, Unterricht: Professor Costakosco, öffentliche Arbeiten: Halippa, Landwirtschaft und Domänen: Mi ha lache, Justiz: I u n i a n, Industrie und Handel: Madgearu. Als Minister ohne Portefeuille gehören dem Kabinett Vertreter von Siebenbürgen und der Bukowina an. Außerdem wurde eine Reihe von Unterstaatssekretären ernannt. Von den Mitgliedern des neuen Kabinetts stammen fünf aus Siebenbürgen, ebenso zwei Minister ohne Portefeuille, ein Minister stammt aus Bessarabien, einer aus der Bukowina, die übrigen aus Altrumänien.
SüdslawischeMinderheiterrpolM
Eine Denkschrift Stefan Kraffts.
Belgrad, 10. Nov. (WTB.) Der Führer der Deutschen Partei, Dr. Stefan Krafft, hat nach Beratungen mit dem Ministerpräsidenten und den Parteiführern an den Ministerpräsidenten ein Memorandum gerichtet, worin er, gestützt auf mehr- fache Empfehlungen der Interparlamentarischen Union und der Union der Dölkerbundsliga die Errichtung einer aus Vertretern der Majorität und der nationalen Minderheiten bestehenden paritätischen Kommission vorschläot. Diese Kommission hätte die Aufgabe, frei von Parteigesichtspunkten die Lage der Minderheiten zu prüfen, ihre Beschwerden zu beurteilen und die Rechts- und Gesetzwidrigkeiten festzustellen, die zu Reibungen zwischen Majorität und Minoritäten Anlaß geben. Namentlich soll die Lösung der Schulfrage in Angriff genommen werden.
Krönungsseierlichkeiteli in Japan
London, 10. Nov. (TU.) Die japanischen Krö- imngsfeierlichkeiten begonnen am Samstagvormittag in dem alten kaiserlichen Palast in Kioto. Neben den kaiserlichen Prinzen und Prinzessinnen nahmen die in Tokio beglaubigten Diplomaten in der Thronhalle Aufstellung, mehr als tausend führende Persönlichketten aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens hatten auf dem die Tnronhalle umgebenden Galerien Platz genommen. Als der Kaiser den erhöhten Thronsessel bestieg, ertönte ein Gongschlag, worauf die Truppen salutierten und das heilige Schwert neben den Kaiser gelegt wurde. Der Ministerpräsident verlas von den zur Halle führenden Stufen eine Gratula- tionsadresse, die mit einem von allen Anwesenden wiederholten dreimaligen „Lang lebe der Kaiser" schloß. 2)ie Rede wurde durch Radio in ganz Japan verbreitet. Es ist dies das erstemal, daß die Kaiserin an den Krönungsfeierlichkeiten teilnimmt. Am Sonntag werden Tänze vor dem Heiligen Schrein folgen, in dem der heilige Spiegel aufbewahrt wird und am Montag folgt die Entsendung der kaiserlichen Boten nach dem großen Schrein in Ise, dem Mekka aller loyalen Japaner. In Ise wurde der Ueberlieferung zufolge der heilige Spiegel von der Sonnengöttin dem damaligen Herrscher persönlich übergeben und wird seither als die bedeutendste Reliquie aufbewahrt. In Tokio sind aus Anlaß der Krönungsfeierlichkeiten Glückwunschtelegramme aus der ganzen Welt eingegangen.
Europa und die Vereinigten Staaten.
Eine Waffenstillstandsrede desPräsidenten Eoolidge.
Washington, ll.Rov. (WTB. Funkspruch.) Präsident Eoolidge hielt aus Anlaß der Waffenstillstandsseier eine Rede, in der er die gegenwärtig zwischen den Vereinigten Staaten und Europa schwebenden Fragen eingehend erörterte. Eoolidge hob hervor, daß die Vereinigten Staaten beim Friedensschluß sich weder an der Aufteilung des deutschen Kolonialbesitzes beteiligt, noch das Privateigentum behalten hätten. Dagegen beliefen sich Amerikas Kriegs- k o st e n selbst nach Abzug der Schulden der Alliierten auf 36 Milliarden 500 Millionen, wozu noch weitere 1 Milliarden Zinsen bis zur Tilgung der Schuld des Bundes hinzukamen. Den Kosten dieser schrecklichen Tragödie ständen wenigstens größere Fortschritte der Selbstregierung in Europa gegenüber, wenn auch in einzelnen Ländern die soziale Zersetzung so stark sei, daß sie sich neuen Formen des Absolutismus unterwürfen, um der Monarchie vorzubeugen.
Die Schulden abkommen wurden abgeschlossen nicht im Hinblick auf die Höhe der Schuldeii, sondern unter Berücksichtigung der Zahlungsfähigkeit der Schuldner. Wir leisteten mit Rat und Tat Beistand, enthielten uns aber jeder unerwünschten oder unserer Ansicht nach erfolglosen Einmischung uiid wollten außerdem auch nicht die Rüstungen unterstützen. Denn, welche Hilfe wir auch bei der Beendigung des Krieges leisteten, wir fühlen uns verantwortungsfrei von Beginn an. Wir wünschen auch nicht künftige Kriegsvorbereitungen zu finanzieren. Wir halfen in der Rachkriegszeit in gleicher Weise Freund und Feind. Präsident Eoolidge bemerkte, daß er wiederholt für finanziellen Wiederaufbau durch amerikanische Anleihen eingetreten sei. 3m allgemeinen habe Europa jedoch einen solchen Grad der finanziellen Stabilität und des Wohlstandes erreicht, so daß man von Amerika keine Verpflichtung zu einer Hilfe erwarten könne.
Oie Lage im Aussperrungsgebiet.
Annäherung der Parteien?
Essen, 11. Nov. (TU.) Die Oeffentlichkeit erwartet dem am Montag vor dem Duisburger Arbeitsgericht zu fällenden Spruch über die Rechtmäßigkeit der Aussperrung in der rheinischwestfälischen Metallindustrie mit stärkstem Interesse. Man ist sich allerdings auch dessen bewußt, daß ein Spruch, wie er immer auch lautet, die Schwierigkeiten nicht von heute auf morgen abändern kann, weil sich wahrscyeinlich die unterlegene Partei mit dem Spruch nicht zufriedengibt und die höhere In- stanz zur weiteren juristischen Entscheidung an- rufen wird. Beide Parteien sind sich darüber klar, daß eine befriedigende Lösung des Konfliktes nur durch eine Verständigung gefunden werden kann. Nachdem beide Parteien ihre Verhandlungs- bereitschaft erklärt haben, wird als Vermittler der Reichsgerichtspräsident Dr. Simons genannt. In Kreisen, die die überaus schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Ruhrrevier kennen, hält man es jedoch für zweckmäßiger, mit der Regelung dieser schwierigen Lage eine Persönlichkeit zu betrauen, die die Verhältnisse des Reviers durch praktische Erfahrungen kennt.
Der zweite Vorsitzende des Christlichen Metallarbeiterverbandes, Schmitz, Duisburg, betont in einem Artikel in der „Köln. Ztg.", daß die Gegensätze zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerlschaften nicht unüberbrückbar seien, und daß eine Vermittlungsallion nicht auf Ablehnung stoßen werde, vorausgesetzt daß der materielle Inhalt des Schiedsspruches nicht geändert werde. Auch aus der Presse spricht die Hoffnung, dem Arbeitskampf in der rheinisch-westfälischen Metallindustrie ein baldiges Ende zu bereiten. Rach der ersten Woche der Airssperrung machen sich auf allen verwandten wirtschaftlichen Gebieten die Auswirkungen geltend. Die Berichte der Landesarbeitsämter weisen auf die zunehmende Erwerbslosigkeit der mittelbar durch die Aussperrung betroffenen Wirtschaftskrei.e, wie z.B. auf die zahlreicher gewordenen Feierschichten im Bergbau, auf die Abschwächung ber Handelsumsätze und anderes hin. Schwierigkeiten tauchen auch hinsichtlich der Versorgung der ni ch t- organisierten Ausgesperrten auf, die nunmehr den einzelnen Gemeinden zur Last fallen. Allenthalben haben die Städte bereits Rotmaßnahmen getroffen, die auf längere Zeit durchgeführt, die städtischen Haushalte schweren Belastungen ausseyen müsien. Es wird bekannt, daß gewisse Kreise, Verwaltungen und Kommunen sich bereits gezwungen gesehen haben, zur Deckung der Mehrausgaben höhere Kassen- k r e d i t e in Anspruch zu nehmen.
Verhandlungsbereitschaft M Christlichen Mtallarbeiterverbandes
Duisburg, 11. Rov. (WTB.) Die heute ab- gehallenc Delegiertenkonferenz des Christlichen Metallarbeiterverbandes erklärte sich unter erneutem ausdrücklichem Hinweis darauf, daß der Schiedsspruch deS Reichs- arbeitsministers für die nordwestliche Eisenindustrie zu Recht bestehe und Geltung erlangen müsse, angesichts des ungeheuren Schadens, der durch das Vorgehen der Arbeitgeber schon jetzt eingetreten sei, mit einer von unparteiischer Seite ausgehenden Vermittlungsaktion einverstanden, da der Rechtsstreit ausgetragen werden könne, auch wenn die Betriebe wieder in Gang seien. Die Konferenz erteilte den Unterhändlern des Verbandes alle erforderlichen Vollmachten. Die Delegiertenkonferenz beschloß, die Auszahlung der satzungsgemäßen Tlnterstühung einzu stellen, da sie davon Kenntnis erhalten habe, daß die von den Gewerkschaften gewährte öln- terstühung auf die Unterstützung der Wohlfahrtsämter angerechnet werde. Sie erhob gegen diese Maßnahme Einspruch. Die Wohlfahrtsunterstützung der Kommunen werde getragen von allen Steuerzahlern, wozu auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gehören, die nicht dafür bestraft werden dürfen, daß sie sich gegen die Wechselfälle des Arbeiterlebens schützen.
Beschlüsse
des Deutschen Meiattarbeiterverbandes
S t u t t g a r t, 10. Rov. (WTB.) In einer Tagung des Beirats des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde ein Beschluß gefaßt, auf keinen Fall die bisherige Stellung aufzugeben. Weiter wurde beschlosfen, daß weit über 200 000 ausgesperrten Arbeitern il n ter* stützung in Höhe der offiziellen Arbeitslosen- unterstützungssätze zuteil werden solle. Der Beirat des Deutschen Metallarbeiterverbandes er- llärte sich mit den ausgesperrten Arbeitern vollkommen solidarisch und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung einschließlich ihrer Organe das Verhalten der Arbeitgeber eingehend untersuchen werde, um eine schwere Gefahr für das deutsche Wirtschaftsleben zu beteiligen. Ferner wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich die Ausgesperrten wie bisher in mustergültiger Ordnung verhalten sollen.
Eine Erklärung der Firma Krupp.
Essen, 10. Nov. (WTB.) An die noch im Betriebe befindlichen Arbeiter und Angestellten des Essener Werkes der Firma Krupp wurde ein Flugblatt verteilt, in dem es u. a. heißt: Nachdem Krupp seine Monopolstellung in der Herstellung von Kriegsmaterial verloren hat, sind seine Produktionsbedingungen nicht andere, wie für jedes sonstige Stahlwerk ober jede Maschinenfabrik: sie liegen ehernochungünstiger, namentlich hinsichtlich der geographischen Lage des Werkes und der Eignung der vorhandenen Werkstätten für den modernen Fabrikbetrieb. Für die Gußstahlfabrik würde bei einer Lohnsumme von 57,3 Millionen Mark in den letzten 12 Monaten sich bei Einhaltung des Schiedsspruches ei neErhöhung der Unkosten um rund 3 Millionen Mark jährlicy ergeben. Nachdem die Gußstahlfabrik im verflossenen Geschäftsjahr erstmalig seit Kriegsende ohneVerlust gearbeitet hat, wird man verstehen, was diese Ziffern bedeuten: Die Wiederkehr der Verlustwirtschaft für die Essener Fabrik. Zum Schluß wird ausgeführt: Eine lange Dauer des Arbeits- kampfes würde nicht nur den einzelnen Arbeiter jetzt schwer treffen, sondern auch künftig durch Der- lüft der Kundschaft die Beschäftigungsmöglichkeiten für viele Werksangehörige vernichten. Möge daher auf Seiten der Arbeiterführer wirtschaftliche Einsicht einkehren, damit sich auch die Tore der Kruppschen Werke bald wieder öffnen.
Oie Rückwirkungen auf den Bergbau.
Duisburg, 11.Nov. (WB.) Die Vereinigten Stahlwerke, Gruppe Hamborn, erlassen an chre Belegschaftsmitglieder folgende Mitteilung: „Der in der Eisenindustrie ausgebrochene Arbeitskonflikt hat dadurch Rückwückungen auf den Bergbau, daß er uns wesentlich zu Förderein- schrönkungen zwingt. Unsere Förderung geht zu nahezu 60 Prozent an die eisenerzeugende und verarbeitende Industrie des Nordwestens. Da dieser Absatz restlos f o r t[ä Ut, müssen wir die Förderung erheblich einschranken, d.h., mehrere Feierschichten in der Woche einlegen. Unsere schlechte wirtschaftliche Lage im Bergbau gestattet es uns auch nicht, nur einen Teil der Förderung auf Lager zu nehmen, da hiermit die Festlegung größerer Kapitalien verbunden ist, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Hüttenwerke liegen bekanntlich seit dem 1. November still. Die Leiter dieser Werke kämpfen nicht gegen das Tarif- und Schlichtungswesen, nicht gegen die Staatsautorität: sie kämpfen für die Aufrechter- Haltung des heutigen Preisniveaus und damit gleichzeitig für die Erhaltung der Kaufkraft der Bevölkerung. Jeder weiß aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres, daß der Arbeiterschaft mit Lohnerhöhungen, denen notwendigerweise Preiserhöhungen mit Absatzver- Minderung, Feierschichten und Entlassungen folgen müssen, nicht gedient ist, daß vielmehr die Kaufkraft des Geldes durch geeigneteMaß- nahmen des Staates gehoben werden muß."
die über die strikte Geschäftsbasis hinausgeht. Wenn wir, so schloß Eoolidge, etwas mehr Entgegenkommen vonseiten Europas finden könnten, namentlich bei der endgültigen Liquidierung der Kriegsschulden und bei der Frage der Rüstungsbeschränkung entsprechend dem Antikriegspakt, wird unsere Zuversicht auf die Wirksamkeit weiterer Bemühungen von unserer Seite, dem Fortschritt Europas zu helfen, stark gefestigt werden.
Oie Reichsreform.
Das Arbeitsgebiet der Unterausschüsse.
Berlin, 10. Nov. (WB.) Die durch den Ver- fassungsausschuß der Länderkonferenz am 24. Oktober eingesetzten beiden Unterausschüsse traten heute unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Die Ausschüsse beschlossen einmütig, zunächst folgende Arbeiten in Angriff zu nehmen:
1. Die Angrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern. Im Zusammenhang damit sind zu erörtern: die Fragen der reid)5eigenen Verwaltung, der auftragsweisen Verwaltung von Reichsaufgaben durch die Länder, der Eigenoerwaltung der Länder einschließlich der Länderoerwaltung traft eigenen Rechts.
2. die finanzielle Auseinandersetzung zwischen Reich und Ländern.
3. Die Organisation der Länder (Landtage, Landesspitzen, Regierungen), unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Preußen, und dem Reich und der Einfluß der Länder auf das Reich (Reichsrat).
Als Referenten wurden bestellt: Zu Fragen 1: Reichsminister Seoering, Dr. Held (Bayern), Staatspräsident R e m m e l e, Ministerialdirektor Dr. Brecht unter Beteiligung des Landeshauptmanns Dr. H o r i o n : zu dem Fragengebiet 2: Dr. Brüning, Mitglied des Reichstages, Reichsminister a. D. Dr. Hamm, Professor Dr. N a - wiasky: zu dem Fragengebiet 3: Ministerialdirektor Dr. Brecht, Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter, Staatspräsident Dr. B e l x , Bürgermeister Petersen. Es wurde in Aussicht
genommen, die Referate bis zum ersten Drittel des Januar 1929 fertigzustellen.
Schicksalswende!
Die Bolkspartei verlangt eine feste Koalitionsregierung.
Berlin, 11. Rov. (WTB.) Die »Nattonal- liberale Korrespondenz", das Sprachrohr der Deutschen Dolkspartei, schreibt in einer Vorschau auf die Tagung der Parlamente: Die Reparationsfrage ist nicht nur das Schicksal des Deutschland von heute, sondern auch das unserer Kinder und Enkel, ja vielleicht unserer Urenkel. Ihr gebührt darum der Vorrang vor allen anderen Fragen, mögen sie noch so wichtig sein und uns noch so sehr bedrücken. Es geht um die endgültige Lösung der Reparationsfrage und die endgültige Festsetzung der deutschen Reparationslast.
Deutschland steht an einer Schicksalswende und bedarf einer großen, sich ihrer entscheidenden Aufgaben voll bewußten Regierung. Es genügt nicht, daß die Enffchlüsse dieser Regierung von einigen Parteien getragen werden: hinter dieser Regierung muß die Autorität einer Koalition stehen, die sich auf eine unbedingt feste Mehrheit im Parlamen t und im deutschen Volke stützen kann. Damit ist das Ziel der kommenden Koalitionsverhandlungen, sachlich gesehen, mindestens ebenso bestimmt wie durch den Ausfall der Wahlen. Eine Minderheitsregierung kann uns nicht helfen. Wir bedürfen einet entschluhf ähigen Mehrheitsregierung, einer starken und verantwortungsbewußten Regierung! Wenn der deuffche Parlamentarismus sie nicht schaffen kann, verdient er jede Kritik, die an ihm geübt wird.
Aus aller Well.
Der Ausbruch des Aetna.
Auf Grund einer ersten Zählung soll sich die Zahl der Flüchtlinge aus den bedrohten Ortschaften am Aetna auf ungefähr 4300 belaufen. Der Staat hat eine Summe von 25 000 Lire der bedrohten Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Don Verbän
den und Organisationen erfolgten zahlreiche Spenden für einen Hilfsfonds. Die zuständigen Behörden arbeiten ein Projekt für den sofortigen Wiederaufbau von Mascali aus. Der Hauptstrom der Lava des Aetna ist über die Eisenbahnbrücke von Mascali vorgedrungen, so daß die Eisenbahnlinie Catania — Messina unterbrochen ist. Er rückt in Richtung auf Carrabba vor, von wo er nach dem Meere fließen würde. Ein anderer Arm der Lava bewegt sich in Richtung auf Nunzia ta. Es ist ganz unmöglich, eine Erkundung im Flugzeug über dem Ausbruchsgebiet auszuüben. Die Räumung des unteren Teils von Nunziata wurde gestern beendet. Aus dem oberen Teil des Lavaftromgebietes quoll ein Bach hervor, der mit großer Schnelligkeit 900 Meter weit am Südrand des Hauptstromes herunterfloß und dann allmählich zum Stillstand kam. Der Haupfftrom der Lava rückt weiter mit einer Geschwindigkeit von fünf Meter in der Stunde nach dem Meere vor. Die beiden Seitenarme sind noch nicht zum Stillstand getommen. Der zur Beobachtung des Hauptkraters auf dem Aetna verbliebene Beamte des Observatoriums meldet, daß nichts auf ein Nachlassen des Ausbruches hindeute.
Ehrung
Hans Delbrücks durch den Reichspräsidenten.
Der Reichspräsident hat den Berliner Historiker, ^lniversitätsprofessor Geheimen Regierungsrat Dr. Hans Delbrück. zu seinem 80. Geburtstag den Adlersch ild des Reiches verliehen und mit einem Schreiben zugehen lassen, in dem er ihm beste Glückwünsche ausspricht unb unter Würdigung der wissen- schastlichen Forschungsarbeit des Gelehrten ihm besonderen Dank und Anerkennung dafür ausspricht, daß er noch heute seine reichen Kenntnisse und hingebungsvolle Arbeft in den Dienst des Reiches stelle. Der Reichspräsident schließt mit dem Wunsche, daß Dewrück noch manches Jahr gesegneter Arbeit in geistiger und körperlicher Frische beschieden fein möge.
Steckbrief gegen einer, falschen Arzt in Prag.
Die Prager Polizeidirektion erließ einen Steckbrief einen einen 22jähr. Johann Stampfl aus Prag, der sich in verschiedene Prager Spitäler eingeschmuggelt und dort ärztlich« Funktionen ausgeübt hatte. Gr legte sich falsche Ramen bei, entwendete aus den Anstalten wertvolle wissenschaftliche Instrumente und macht« bei Buchhändlern betrügerische Schulden. Er soll sogar eine Operation und -'ne D uiübertragung dorgenommen haben. Der Schwind.er entstammt einer angesehenen Pr^ .. Familie. Er ist mehrfach vorbestraft.
Friedhofsschändung.
Friedhofsschänder haben auf dem israelitischen Friedhof in Harburg große Verwüstungen angerichtet. Sie haben eine große Anzahl Grabsteine umgewvrfen und zum Teil zerbrochen. Es handelt sich anscheinend um halbwüchsige Burschen, die bisher nicht ermittelt werden konnten Auf die Ergreifung der Täter hat die israelitische Gemeinde eine größere Belohnung ausgesetzt.
Großer Walbbranb am Schwarzen Meer.
Seit einigen Tagen wütet ein über mehrere tausend Hektar sich erstreckender Waldbraich rrt den Bezirken Maikop und Tuapse an der Küste des Schwarzen Meeres. An einigen Stellen tonnte das Feuer dank dem energischen Eingreifen! der Bevölkerung eingedänrmt werden.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das umfangreiche Rordwest-Druckfallgebiet, das sich weiter vertieft hat und im Raume von Island etn Barometergefälle bis 725 Millimeter aufweist, beherrscht mit seiner Südsette die Witterung Deutschlands. Weitere maritime Warmluststaffeln des Tiefs dringen vor und lassen zunächst das trübe, übertoiegenb wolkige und regnerische Wetter fortbestehen. Dabei gestaltet sich infolge starken Barometergefälles die Luftzufuhr, die vorwiegend aus Südweften stammt, zeitweise lebhaft. Die Temperaturen steigen noch etwas weiter an.
Wettervorauss age für Dienstag: Fortdauer des meist wolligen bis bedeckten Wetters, Temperaturen noch etwas ansteigend, zeitweise Riederschläge, aufllarende lebhafte Süd- westwinde.
Wittern ngsausfichte n für Mittwoch Weiterhin wolkiges Wetter mit einzelnen Riederschlägen, zunächst keine stärkere Temperaturänderung.
Lufttemperaturen am 11. Rovember: mlttaaS 4,1 Grad Celsius, abends 5 Grad CelsiuS; am 12. Rovember: morgens 5 Grad CelsiuS. Maximum 5,5 Grad Cels uZ, Minimum 1,1 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 11. Rovember: abends 4,9 Grad Celsius: am 12. Rovember: morgens 4,4 Grad Celsius. Riederschlag 2,9 Millimeter.


