Einzelbild herunterladen

mäßiger wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Heiden Ländern in den letzten acht Jahren erschwert haben. Die erste Folge dieser Einigung wird sein, daß dadurch der Weg für eine Be­teiligung der Reichsbank an der von den internationalen RotenbanLen geplanten Mion zur Stabilisierung der rumänischen Währung und für eine Beteiligung der deut­schen Danken an der internationalen Kredit- aktion für Rumänien freigemacht ist. Als wei­tere Folge wird von beiden Seiten erhofft, daß die früheren engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bald wiederher- gestellt sein werden. Es £onn nunmehr auch in Aussicht genommen werden, daß die Verhand­lungen zum Abschluß eines Handels­vertrages zwischen den beiden Ländern in absehbarer Zeit ausgenommen werden.

Maniu bildet-asrumänischeKabmeit.

Starke Vertretung Siebenbürgens.

B u k a r e st, 10. Nov. (WB.) Dem unter dem Vor­sitz von Maniu aus Mitgliedern der Na­tionalen Bauernpartei gebildeten Kabinett gehören u. a. an: Inneres: B a i d a , Auswärtiges: Professor Mironesco, Finanzen: P o p o v i c i, Krieg: General Cikoski, Unterricht: Professor Costakosco, öffentliche Arbeiten: Halippa, Landwirtschaft und Domänen: Mi ha lache, Ju­stiz: I u n i a n, Industrie und Handel: Madgearu. Als Minister ohne Portefeuille gehören dem Kabi­nett Vertreter von Siebenbürgen und der Bukowina an. Außerdem wurde eine Reihe von Unterstaatssekretären ernannt. Von den Mit­gliedern des neuen Kabinetts stammen fünf aus Siebenbürgen, ebenso zwei Minister ohne Portefeuille, ein Minister stammt aus Bessarabien, einer aus der Bukowina, die übrigen aus Alt­rumänien.

SüdslawischeMinderheiterrpolM

Eine Denkschrift Stefan Kraffts.

Belgrad, 10. Nov. (WTB.) Der Führer der Deutschen Partei, Dr. Stefan Krafft, hat nach Be­ratungen mit dem Ministerpräsidenten und den Parteiführern an den Ministerpräsidenten ein Me­morandum gerichtet, worin er, gestützt auf mehr- fache Empfehlungen der Interparlamentarischen Union und der Union der Dölkerbundsliga die Er­richtung einer aus Vertretern der Majorität und der nationalen Minderheiten bestehenden paritäti­schen Kommission vorschläot. Diese Kommis­sion hätte die Aufgabe, frei von Parteigesichtspunk­ten die Lage der Minderheiten zu prüfen, ihre Beschwerden zu beurteilen und die Rechts- und Gesetzwidrigkeiten festzustellen, die zu Reibungen zwischen Majorität und Minoritäten Anlaß geben. Namentlich soll die Lösung der Schulfrage in Angriff genommen werden.

Krönungsseierlichkeiteli in Japan

London, 10. Nov. (TU.) Die japanischen Krö- imngsfeierlichkeiten begonnen am Samstagvor­mittag in dem alten kaiserlichen Palast in Kioto. Neben den kaiserlichen Prinzen und Prinzessinnen nahmen die in Tokio beglaubigten Diplomaten in der Thronhalle Aufstellung, mehr als tausend füh­rende Persönlichketten aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens hatten auf dem die Tnronhalle umgebenden Galerien Platz genommen. Als der Kaiser den erhöhten Thronsessel bestieg, ertönte ein Gongschlag, worauf die Truppen salutierten und das heilige Schwert neben den Kaiser gelegt wurde. Der Ministerpräsident verlas von den zur Halle führenden Stufen eine Gratula- tionsadresse, die mit einem von allen An­wesenden wiederholten dreimaligenLang lebe der Kaiser" schloß. 2)ie Rede wurde durch Radio in ganz Japan verbreitet. Es ist dies das erstemal, daß die Kaiserin an den Krönungsfeierlichkeiten teilnimmt. Am Sonntag werden Tänze vor dem Heiligen Schrein folgen, in dem der heilige Spiegel aufbewahrt wird und am Montag folgt die Ent­sendung der kaiserlichen Boten nach dem großen Schrein in Ise, dem Mekka aller loyalen Japaner. In Ise wurde der Ueberlieferung zufolge der heilige Spiegel von der Sonnengöttin dem damaligen Herr­scher persönlich übergeben und wird seither als die bedeutendste Reliquie aufbewahrt. In Tokio sind aus Anlaß der Krönungsfeierlichkeiten Glückwunsch­telegramme aus der ganzen Welt eingegangen.

Europa und die Vereinigten Staaten.

Eine Waffenstillstandsrede desPräsidenten Eoolidge.

Washington, ll.Rov. (WTB. Funkspruch.) Präsident Eoolidge hielt aus Anlaß der Waffenstillstandsseier eine Rede, in der er die gegenwärtig zwischen den Vereinigten Staaten und Europa schwebenden Fragen eingehend er­örterte. Eoolidge hob hervor, daß die Vereinig­ten Staaten beim Friedensschluß sich weder an der Aufteilung des deutschen Kolonialbesitzes be­teiligt, noch das Privateigentum behalten hätten. Dagegen beliefen sich Amerikas Kriegs- k o st e n selbst nach Abzug der Schulden der Alliierten auf 36 Milliarden 500 Millionen, wozu noch weitere 1 Milliarden Zinsen bis zur Tilgung der Schuld des Bundes hinzukamen. Den Kosten dieser schrecklichen Tragödie ständen wenigstens größere Fortschritte der Selbstregie­rung in Europa gegenüber, wenn auch in ein­zelnen Ländern die soziale Zersetzung so stark sei, daß sie sich neuen Formen des Absolutismus unterwürfen, um der Monarchie vorzubeugen.

Die Schulden abkommen wurden abge­schlossen nicht im Hinblick auf die Höhe der Schuldeii, sondern unter Berücksichtigung der Zah­lungsfähigkeit der Schuldner. Wir leisteten mit Rat und Tat Beistand, enthielten uns aber jeder unerwünschten oder unserer Ansicht nach erfolglosen Einmischung uiid wollten außerdem auch nicht die Rüstungen unterstützen. Denn, welche Hilfe wir auch bei der Beendigung des Krieges leisteten, wir fühlen uns verantwortungs­frei von Beginn an. Wir wünschen auch nicht künftige Kriegsvorbereitungen zu finanzieren. Wir halfen in der Rachkriegszeit in gleicher Weise Freund und Feind. Präsident Eoolidge bemerkte, daß er wiederholt für finanziellen Wiederaufbau durch amerikanische Anleihen eingetreten sei. 3m allgemeinen habe Europa jedoch einen solchen Grad der finanziellen Stabilität und des Wohl­standes erreicht, so daß man von Amerika keine Verpflichtung zu einer Hilfe erwarten könne.

Oie Lage im Aussperrungsgebiet.

Annäherung der Parteien?

Essen, 11. Nov. (TU.) Die Oeffentlichkeit er­wartet dem am Montag vor dem Duisburger Arbeitsgericht zu fällenden Spruch über die Rechtmäßigkeit der Aussperrung in der rheinisch­westfälischen Metallindustrie mit stärkstem Interesse. Man ist sich allerdings auch dessen bewußt, daß ein Spruch, wie er immer auch lautet, die Schwierigkeiten nicht von heute auf morgen abändern kann, weil sich wahrscyeinlich die unterlegene Partei mit dem Spruch nicht zufriedengibt und die höhere In- stanz zur weiteren juristischen Entscheidung an- rufen wird. Beide Parteien sind sich darüber klar, daß eine befriedigende Lösung des Konfliktes nur durch eine Verständigung gefunden werden kann. Nachdem beide Parteien ihre Verhandlungs- bereitschaft erklärt haben, wird als Vermittler der Reichsgerichtspräsident Dr. Simons genannt. In Kreisen, die die überaus schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Ruhrrevier kennen, hält man es jedoch für zweckmäßiger, mit der Regelung dieser schwierigen Lage eine Persönlichkeit zu be­trauen, die die Verhältnisse des Reviers durch praktische Erfahrungen kennt.

Der zweite Vorsitzende des Christlichen Metall­arbeiterverbandes, Schmitz, Duisburg, betont in einem Artikel in derKöln. Ztg.", daß die Gegensätze zwischen dem Arbeitgeberverband und den Gewerlschaften nicht unüberbrückbar seien, und daß eine Vermittlungsallion nicht auf Ablehnung stoßen werde, vorausgesetzt daß der materielle Inhalt des Schiedsspruches nicht geändert werde. Auch aus der Presse spricht die Hoffnung, dem Arbeitskampf in der rheinisch-westfälischen Metallindustrie ein baldiges Ende zu bereiten. Rach der ersten Woche der Airssperrung machen sich auf allen verwandten wirtschaftlichen Gebieten die Auswirkungen geltend. Die Berichte der Landesarbeitsämter weisen auf die zunehmende Erwerbslosigkeit der mittelbar durch die Aussperrung betroffe­nen Wirtschaftskrei.e, wie z.B. auf die zahl­reicher gewordenen Feierschichten im Bergbau, auf die Abschwächung ber Handels­umsätze und anderes hin. Schwierigkeiten tauchen auch hinsichtlich der Versorgung der ni ch t- organisierten Ausgesperrten auf, die nunmehr den einzelnen Gemeinden zur Last fallen. Allenthalben haben die Städte bereits Rotmaßnahmen getroffen, die auf längere Zeit durchgeführt, die städtischen Haushalte schweren Belastungen ausseyen müsien. Es wird bekannt, daß gewisse Kreise, Verwaltungen und Kom­munen sich bereits gezwungen gesehen haben, zur Deckung der Mehrausgaben höhere Kassen- k r e d i t e in Anspruch zu nehmen.

Verhandlungsbereitschaft M Christlichen Mtallarbeiterverbandes

Duisburg, 11. Rov. (WTB.) Die heute ab- gehallenc Delegiertenkonferenz des Christ­lichen Metallarbeiterverbandes er­klärte sich unter erneutem ausdrücklichem Hin­weis darauf, daß der Schiedsspruch deS Reichs- arbeitsministers für die nordwestliche Eisenin­dustrie zu Recht bestehe und Geltung erlangen müsse, angesichts des ungeheuren Schadens, der durch das Vorgehen der Arbeitgeber schon jetzt eingetreten sei, mit einer von unpar­teiischer Seite ausgehenden Ver­mittlungsaktion einverstanden, da der Rechtsstreit ausgetragen werden könne, auch wenn die Betriebe wieder in Gang seien. Die Konferenz erteilte den Unterhändlern des Verbandes alle erforderlichen Vollmachten. Die Delegiertenkonferenz beschloß, die Auszahlung der satzungsgemäßen Tlnterstühung einzu stel­len, da sie davon Kenntnis erhalten habe, daß die von den Gewerkschaften gewährte öln- terstühung auf die Unterstützung der Wohlfahrtsämter angerechnet werde. Sie erhob gegen diese Maßnahme Einspruch. Die Wohlfahrtsunterstützung der Kommunen werde getragen von allen Steuerzahlern, wo­zu auch die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gehören, die nicht dafür bestraft werden dür­fen, daß sie sich gegen die Wechselfälle des Arbeiterlebens schützen.

Beschlüsse

des Deutschen Meiattarbeiterverbandes

S t u t t g a r t, 10. Rov. (WTB.) In einer Ta­gung des Beirats des Deutschen Metall­arbeiterverbandes wurde ein Beschluß gefaßt, auf keinen Fall die bisherige Stellung aufzugeben. Weiter wurde beschlosfen, daß weit über 200 000 ausgesperrten Arbeitern il n ter* stützung in Höhe der offiziellen Arbeitslosen- unterstützungssätze zuteil werden solle. Der Bei­rat des Deutschen Metallarbeiterverbandes er- llärte sich mit den ausgesperrten Arbeitern voll­kommen solidarisch und gab der Hoffnung Aus­druck, daß die Regierung einschließlich ihrer Or­gane das Verhalten der Arbeitgeber eingehend untersuchen werde, um eine schwere Gefahr für das deutsche Wirtschaftsleben zu beteiligen. Fer­ner wurde zum Ausdruck gebracht, daß sich die Ausgesperrten wie bisher in mustergülti­ger Ordnung verhalten sollen.

Eine Erklärung der Firma Krupp.

Essen, 10. Nov. (WTB.) An die noch im Be­triebe befindlichen Arbeiter und Angestellten des Essener Werkes der Firma Krupp wurde ein Flugblatt verteilt, in dem es u. a. heißt: Nachdem Krupp seine Monopolstellung in der Herstellung von Kriegsmaterial verloren hat, sind seine Produktions­bedingungen nicht andere, wie für jedes sonstige Stahlwerk ober jede Maschinenfabrik: sie liegen ehernochungünstiger, namentlich hinsichtlich der geographischen Lage des Werkes und der Eig­nung der vorhandenen Werkstätten für den moder­nen Fabrikbetrieb. Für die Gußstahlfabrik würde bei einer Lohnsumme von 57,3 Millionen Mark in den letzten 12 Monaten sich bei Einhaltung des Schieds­spruches ei neErhöhung der Unkosten um rund 3 Millionen Mark jährlicy ergeben. Nachdem die Gußstahlfabrik im verflossenen Ge­schäftsjahr erstmalig seit Kriegsende ohneVerlust gearbeitet hat, wird man verstehen, was diese Ziffern bedeuten: Die Wiederkehr der Verlustwirtschaft für die Essener Fabrik. Zum Schluß wird ausgeführt: Eine lange Dauer des Arbeits- kampfes würde nicht nur den einzelnen Arbeiter jetzt schwer treffen, sondern auch künftig durch Der- lüft der Kundschaft die Beschäftigungsmöglichkeiten für viele Werksangehörige vernichten. Möge da­her auf Seiten der Arbeiterführer wirtschaftliche Einsicht einkehren, damit sich auch die Tore der Kruppschen Werke bald wieder öffnen.

Oie Rückwirkungen auf den Bergbau.

Duisburg, 11.Nov. (WB.) Die Verei­nigten Stahlwerke, Gruppe Hamborn, er­lassen an chre Belegschaftsmitglieder folgende Mit­teilung:Der in der Eisenindustrie ausgebrochene Arbeitskonflikt hat dadurch Rückwückungen auf den Bergbau, daß er uns wesentlich zu Förderein- schrönkungen zwingt. Unsere Förderung geht zu nahezu 60 Prozent an die eisenerzeugende und verarbeitende Industrie des Nordwestens. Da dieser Absatz restlos f o r t[ä Ut, müssen wir die Förderung erheblich einschranken, d.h., mehrere Feierschichten in der Woche einlegen. Unsere schlechte wirtschaftliche Lage im Bergbau gestattet es uns auch nicht, nur einen Teil der Förderung auf Lager zu nehmen, da hiermit die Festlegung größerer Kapitalien verbunden ist, die uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Hüttenwerke lie­gen bekanntlich seit dem 1. November still. Die Lei­ter dieser Werke kämpfen nicht gegen das Tarif- und Schlichtungswesen, nicht gegen die Staats­autorität: sie kämpfen für die Aufrechter- Haltung des heutigen Preisniveaus und damit gleichzeitig für die Erhaltung der Kaufkraft der Bevölkerung. Jeder weiß aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres, daß der Arbeiterschaft mit Lohnerhöhungen, denen notwendigerweise Preiserhöhungen mit Absatzver- Minderung, Feierschichten und Entlassungen folgen müssen, nicht gedient ist, daß vielmehr die Kaufkraft des Geldes durch geeigneteMaß- nahmen des Staates gehoben werden muß."

die über die strikte Geschäftsbasis hin­ausgeht. Wenn wir, so schloß Eoolidge, etwas mehr Entgegenkommen vonseiten Europas finden könnten, namentlich bei der endgültigen Liquidierung der Kriegsschulden und bei der Frage der Rüstungsbeschränkung ent­sprechend dem Antikriegspakt, wird unsere Zu­versicht auf die Wirksamkeit weiterer Bemühun­gen von unserer Seite, dem Fortschritt Europas zu helfen, stark gefestigt werden.

Oie Reichsreform.

Das Arbeitsgebiet der Unterausschüsse.

Berlin, 10. Nov. (WB.) Die durch den Ver- fassungsausschuß der Länderkonferenz am 24. Okto­ber eingesetzten beiden Unterausschüsse traten heute unter dem Vorsitz des Reichsministers des Innern zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. Die Aus­schüsse beschlossen einmütig, zunächst folgende Ar­beiten in Angriff zu nehmen:

1. Die Angrenzung der Zuständig­keiten zwischen Reich und Ländern. Im Zu­sammenhang damit sind zu erörtern: die Fragen der reid)5eigenen Verwaltung, der auftragsweisen Verwaltung von Reichsaufgaben durch die Länder, der Eigenoerwaltung der Länder einschließ­lich der Länderoerwaltung traft eigenen Rechts.

2. die finanzielle Auseinandersetzung zwi­schen Reich und Ländern.

3. Die Organisation der Länder (Land­tage, Landesspitzen, Regierungen), unter besonde­rer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Preußen, und dem Reich und der Einfluß der Länder auf das Reich (Reichsrat).

Als Referenten wurden bestellt: Zu Fragen 1: Reichsminister Seoering, Dr. Held (Bayern), Staatspräsident R e m m e l e, Ministerialdirektor Dr. Brecht unter Beteiligung des Landeshaupt­manns Dr. H o r i o n : zu dem Fragengebiet 2: Dr. Brüning, Mitglied des Reichstages, Reichs­minister a. D. Dr. Hamm, Professor Dr. N a - wiasky: zu dem Fragengebiet 3: Ministerial­direktor Dr. Brecht, Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter, Staatspräsident Dr. B e l x , Bürgermeister Petersen. Es wurde in Aussicht

genommen, die Referate bis zum ersten Drittel des Januar 1929 fertigzustellen.

Schicksalswende!

Die Bolkspartei verlangt eine feste Koalitionsregierung.

Berlin, 11. Rov. (WTB.) Die »Nattonal- liberale Korrespondenz", das Sprachrohr der Deutschen Dolkspartei, schreibt in einer Vorschau auf die Tagung der Parlamente: Die Repara­tionsfrage ist nicht nur das Schicksal des Deutsch­land von heute, sondern auch das unserer Kinder und Enkel, ja vielleicht unserer Urenkel. Ihr gebührt darum der Vorrang vor allen anderen Fragen, mögen sie noch so wichtig sein und uns noch so sehr bedrücken. Es geht um die endgültige Lösung der Reparationsfrage und die endgültige Festsetzung der deutschen Reparationslast.

Deutschland steht an einer Schicksalswende und bedarf einer großen, sich ihrer entscheidenden Aufgaben voll bewußten Regierung. Es genügt nicht, daß die Enffchlüsse dieser Regierung von einigen Parteien getragen werden: hinter dieser Regierung muß die Autorität einer Koalition stehen, die sich auf eine unbe­dingt feste Mehrheit im Parlamen t und im deutschen Volke stützen kann. Damit ist das Ziel der kommenden Koalitionsver­handlungen, sachlich gesehen, mindestens ebenso bestimmt wie durch den Ausfall der Wahlen. Eine Minderheitsregierung kann uns nicht helfen. Wir bedürfen einet entschluhf ähigen Mehrheitsregierung, einer starken und verantwortungsbewußten Regierung! Wenn der deuffche Parlamentarismus sie nicht schaffen kann, verdient er jede Kritik, die an ihm geübt wird.

Aus aller Well.

Der Ausbruch des Aetna.

Auf Grund einer ersten Zählung soll sich die Zahl der Flüchtlinge aus den bedrohten Ortschaften am Aetna auf ungefähr 4300 belaufen. Der Staat hat eine Summe von 25 000 Lire der bedrohten Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Don Verbän­

den und Organisationen erfolgten zahlreiche Spen­den für einen Hilfsfonds. Die zuständigen Behör­den arbeiten ein Projekt für den sofortigen Wie­deraufbau von Mascali aus. Der Hauptstrom der Lava des Aetna ist über die Eisenbahnbrücke von Mascali vorgedrungen, so daß die Eisen­bahnlinie Catania Messina unter­brochen ist. Er rückt in Richtung auf Carrabba vor, von wo er nach dem Meere fließen würde. Ein anderer Arm der Lava bewegt sich in Rich­tung auf Nunzia ta. Es ist ganz unmöglich, eine Erkundung im Flugzeug über dem Ausbruchsge­biet auszuüben. Die Räumung des unteren Teils von Nunziata wurde gestern beendet. Aus dem oberen Teil des Lavaftromgebietes quoll ein Bach hervor, der mit großer Schnelligkeit 900 Meter weit am Südrand des Hauptstromes herunterfloß und dann allmählich zum Stillstand kam. Der Haupfftrom der Lava rückt weiter mit einer Ge­schwindigkeit von fünf Meter in der Stunde nach dem Meere vor. Die beiden Seitenarme sind noch nicht zum Stillstand getommen. Der zur Beobach­tung des Hauptkraters auf dem Aetna verbliebene Beamte des Observatoriums meldet, daß nichts auf ein Nachlassen des Ausbruches hindeute.

Ehrung

Hans Delbrücks durch den Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident hat den Berliner Historiker, ^lniversitätsprofessor Geheimen Re­gierungsrat Dr. Hans Delbrück. zu seinem 80. Geburtstag den Adlersch ild des Reiches verliehen und mit einem Schreiben zugehen lassen, in dem er ihm beste Glückwünsche ausspricht unb unter Würdigung der wissen- schastlichen Forschungsarbeit des Gelehrten ihm besonderen Dank und Anerkennung dafür ausspricht, daß er noch heute seine reichen Kenntnisse und hingebungsvolle Arbeft in den Dienst des Reiches stelle. Der Reichspräsident schließt mit dem Wunsche, daß Dewrück noch manches Jahr gesegneter Arbeit in geistiger und körperlicher Frische beschieden fein möge.

Steckbrief gegen einer, falschen Arzt in Prag.

Die Prager Polizeidirektion erließ einen Steck­brief einen einen 22jähr. Johann Stampfl aus Prag, der sich in verschiedene Prager Spi­täler eingeschmuggelt und dort ärztlich« Funktionen ausgeübt hatte. Gr legte sich falsche Ramen bei, entwendete aus den Anstalten wertvolle wissenschaftliche Instrumente und macht« bei Buchhändlern betrügerische Schulden. Er soll sogar eine Operation und -'ne D uiübertragung dorgenommen haben. Der Schwind.er entstammt einer angesehenen Pr^ .. Familie. Er ist mehrfach vorbestraft.

Friedhofsschändung.

Friedhofsschänder haben auf dem israelitischen Friedhof in Harburg große Verwüstungen angerichtet. Sie haben eine große Anzahl Grab­steine umgewvrfen und zum Teil zerbrochen. Es handelt sich anscheinend um halbwüchsige Bur­schen, die bisher nicht ermittelt werden konnten Auf die Ergreifung der Täter hat die israelitische Gemeinde eine größere Belohnung ausgesetzt.

Großer Walbbranb am Schwarzen Meer.

Seit einigen Tagen wütet ein über mehrere tausend Hektar sich erstreckender Waldbraich rrt den Bezirken Maikop und Tuapse an der Küste des Schwarzen Meeres. An einigen Stellen tonnte das Feuer dank dem energischen Eingreifen! der Bevölkerung eingedänrmt werden.

Oie Wetterlage.

Jn füyen-

Häparai

frinrt

11 Coruna

Sonntaq, iVb, 1928,8 "mgL.

ewOTttmw. Qnenn, c» nam ottfecet» -rtixi» oedtcti »KeW * Schnee a Graupeln e Hcoti K 6ewitter^)wiMStilic.^^ xlw

»enter Osi mssipe» iod$ciovc$i q iturmech« nordwety ort »reue theoen mit dem Winde. Die seiden Stationen stehenden iaf* n geaen die Temperatur an. Pie Limen ctrpindeo Orte oul QlcKUfl> ni 'Verev'iveau umaereeheetee UJldrmt

Wettervoraussage.

Das umfangreiche Rordwest-Druckfallgebiet, das sich weiter vertieft hat und im Raume von Island etn Barometergefälle bis 725 Millimeter aufweist, beherrscht mit seiner Südsette die Witterung Deutschlands. Weitere maritime Warmluststaffeln des Tiefs dringen vor und lassen zunächst das trübe, übertoiegenb wolkige und regnerische Wetter fortbestehen. Dabei ge­staltet sich infolge starken Barometergefälles die Luftzufuhr, die vorwiegend aus Südweften stammt, zeitweise lebhaft. Die Temperaturen stei­gen noch etwas weiter an.

Wettervorauss age für Dienstag: Fortdauer des meist wolligen bis bedeckten Wet­ters, Temperaturen noch etwas ansteigend, zeit­weise Riederschläge, aufllarende lebhafte Süd- westwinde.

Wittern ngsausfichte n für Mitt­woch Weiterhin wolkiges Wetter mit einzelnen Riederschlägen, zunächst keine stärkere Tempera­turänderung.

Lufttemperaturen am 11. Rovember: mlttaaS 4,1 Grad Celsius, abends 5 Grad CelsiuS; am 12. Rovember: morgens 5 Grad CelsiuS. Maximum 5,5 Grad Cels uZ, Minimum 1,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe am 11. Rovember: abends 4,9 Grad Celsius: am 12. Rovember: morgens 4,4 Grad Celsius. Riederschlag 2,9 Millimeter.