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diskrelion insofern mißlungen, als die Zeilungs- Meldungen über das Konkordat im wesent­lichen Teil unrichtig sind. Ls läßt sich, wie das VDZ.-Bureau weiter hört, bevor das 6 a b i - n c H sich noch nicht mit dem Konkordat beschäftigt hat, keine authentische Auskunft über den Inhalt geben. 3m übrigen steht auf der Tagesordnung der heutigen Kabinettssihung die Be­handlung des Konkordats nicht. Ls kann höchstens sein, daß die Minister in persönlicher Besprechung sich mit der Materie beschäftigen.

Oie Reformarbeii

-er Länderkonferenz.

Eine Anzahl Berichte fertiggestellt.

Berlin 12. OIL (Priv. Tel.) Unter Be­zugnahme auf das Zusammentreten des Ber- fassungsausschusses der Länderkvn- f e r e n z am 22. Oktober melden die Blätter, daß in der nächsten Woche Leitsätze des Reichsmini st eriu m-6 des Innern zur Reichsreform zu erwarten sind, mit denen sich dann auch das Reichskabinett zu be­schäftigen haben wird. DerVorwärts" betont, das Reichsinnenministerium h rbe den dringenden Wunsch, die Arbeiten für die Reichsreform zu beschleunigen, und es teile diesen Wunsch mit der preußischen Regierung. An einzelnen Berichten liegen dem Ausschuß der Länderkon­ferenz vor: zwei grundlegende Berichte des preu­ßischen Berichterstatters Ministerialdirektors Brecht sowie eine Darstellung des sächsischen Ministerialdireltors P v e h s ch - H e s f t e r. Auch die Ministerpräsidenten D o l z-Württemberg und Held-Bayern h ben Berichte vorgelegt. Ebenso haben sich die Reichsministerien an der Material- sammlung beteiligt Den Dorsitz im Ausschuß wird jetzt Reichslanzler Müller führen, wäh­rend Reichsminister des Innern Se v e r i n g als stellvertretender Vorsitzender fungieren wird. In den Ausschuß sind außerdem neu eingetreten die Reichsminister von Guerard und Hil­fe r d i n g sowie Reichsjustizminister Koch- Weser, dieser jedoch nicht kraft seiner Minister- eigenschast, sondern als Politiker, der in der Frage den. Reichsreform führend tätig gewesen ist. Schließlich ist noch der sozialdemokratische Mi­nisterpräsident von Mecklenburg - Schwerin Schröder ein neues Mitglied des Ausschusses. Sozialdemokraten und Panzerkreuzer.

Berlin, 12. Oft. Zu der gemeldeten Ankündi­gung des sozialdemokratischen Abgeordneten Wels auf dem Brandenburger Bezirkspartei- tag, dah die Sozialdemokratie demnächst dem Reichstage einen Antrag vorlegen werde:Der Bau des Panzerkreuzers^ wird ein­gestellt", bemerkt der Sozialdem. Pressedienst: Wann und in welcher Form ein der­artiger Antrag dem Reichstag vorgelegt werden wird, ist Sache der Sozialdemokrati­schen Reichstagsfraktion. Aber dah ein derartiger Antrag kommt, und zwar bald kommt, ist unseres Erachtens so gut wie sicher." Es unterliegt keinem Zweifel, dah ein derartiger Antrag der stärksten Regierungspartei auf den Bestand der ohnehin nur sehr losen Regierungs­koalition wie eine Sprengbombe wirken mrird.

Oer pariser preffeskandal.

Der Hearstjournalist in Brüssel.

Paris, 12. Oft. (TU.) Trotz eifriger Rach­forschungen ist es der Pariser Polizei nicht ge­lungen, den amerikanischen Journalisten Horan aufzufinden. Er ist inzwischen im Automobil in Brüssel eingetroffen, hat sich zur amerikanischen Dots ch/i f 1 begeben, um seine Papiere in Ordnung zu bringen, weigerte -sich jedoch, irgendeine Erklärung abzugeben, um die Angelegenheit nicht noch schwieriger zu ge­stalten. Seinen Posten in Paris hat der bisherige Vertreter der Hearstpresse in Rom übernommen. Man glaubt zu wissen, daß die Rolle, die Horan bei der Entwendung des geheimen Dokuments spielte, eine q tt id er e war. als bisher angenom­men wurde. Er soll sich nicht darauf beschränkt haben, das diplomatische Dokument nach Reuyork zu übermitteln. Das Verhör, dem er am Montag auf der Polizeipräfektur unterworfen wurde, soll nach Auskunft des Polizeipräfektenzur Offen­barung der Wahrheit" geführt haben. Der Vor­sitzende des analo-amerikan.schen Presseverbandes in Paris, CBiro, erklärte nach einer Besprechung mit dem Generalsekretär des Quai d'Orsay, Ber­the l o t habe die schwere Verantwor­

tung unterstrichen, die Horan dprch die Der- breitung eines vertraulichen Dokumentes auf sich geladen habe, habe aber Dird beauftragt, Horan sein Bedauern über diewenig ritterliche A r t" auszusprechen, mit der er von der Polizei behandelt wurde. Gegenüber diesem angeblichen Ausspruch BerthelotS erklärt der Pariser Polizei­präfekt, wenn der Generalsekretär des Außen­amtes sein Bedauern ausgesprochen habe, so könne

es sich nur um einen reinen Höflichk eits- a k t und keineswegs eine Würdigung des Pariser Polizeipräfekten handeln. Die Polizeibeamten hätten nur di e Weisung des Präfekten befolgt, um die Wahrheit an den Tag zu bringen. Für seine Anordnungen übernehme er die volle Verantwortung.

Daß Horans Verhalten nicht in allen Teilen ein­wandfrei gewesen sein mag, scheint daraus hervor­

Schwierige Verguugsarbeikll in Prag.

33 Tote geborgen. Keine Hoffnung auf Rettung für die Verschütteten.

Prag, 11. Oft (WB.) Die Aufräumungs- arbeiten in dem Trümmerfeld des eingestürzten Detonhauses am Poric werden unter Betei­ligung von fünf Regimentern irr unvermin­dertem Tempo fortgesetzL Die Arbeiten in dem in die Tiefe getriebenen Schacht sind äu­ßerst schwierig und können nur unter Ver­wendung von Sauerstoffapparaten durchgeführt werden. Die an diesem Teile der Rettungsar- beiten beteiligten Arbeiter behaupten, in dem Kellergeschoß Leichenteile gesehen zu haben. Die Klopfsignale, die man gestern abend zu hören geglaubt hat, beruhten, wie man heute annimmt, auf Sinnestäuschung. Auch heute mittag glaubte man, aus einer Tiefe von vier Metern Hilferufe zu vernehmen. Die Arbeiten wurden sofort eingestellt, doch konnte man trotz ange­strengtester Aufmerksamkeit keine weiteren Rufe mehr Horen. Fachleute sind auch der Meinung, daß jede Hoffnung, jetzt und späterhin noch Lebende zu bergen, auf- gegeben werden müssen da die Verschütteten, wenn sie nicht von den Trümmermassen er­schlagen wurden, inzwischen den Erstickungstod gesunden haben müssen.

Mit dem Fortschreiten der Aufräumungs­arbeiten erhöht sich auch die Zahl der gebor­genen Leichen: sie ist in den heutigen Abend­

stunden bereits auf über 33 gestiegen. Rach Ab­tragung einer Betondecke wurde auch die Leiche des Baumeisters Pulzmann gefunden. Die Beerdigung der Opfer der Katastrophe findet Sonntag a uf Kosten der Gemeinde Prag statt.

Gegen 2 Uhr nachmittags ist wieder ein Teil des Kellergewölbes abgedeckt worden und zwei Manner wurden in den Keller hinabgelas en. Sie kamen jedoch zurück, ohne Menschen ge­funden zu haben. Roch im Laufe der Rächt hofft man, den 25 Meter hohen Aufzugs­turm abgetragen zu haben. Man muh damit rechnen, daß die Ausräumungsarbeiten noch mehrere Tage dauern werden.

Gin neuer Hauseinsturz in Prag.

Prag, 12. Oft. (WB.) Die Polifeikorrespondenz feilt mit, daß kurz vor Mitternacht in Lieben, einem Stadtteil Prags, die hälfteeines Reu­baues samt dem Gerüst eingestürzt ist. Es handelt sich um einen zwei- bis dreistöckigen Ziegelbau. Die Schuttmassen fielen auf die Bür­gersteige. Menschenleben sind voraussichtlich nicht zu beklagen. Feuerwehren und Sanitäts­mannschaften mit Scheinwerfern befinden sich an der Unglücksstelle.

Braud im Berliner Warenhaus Tietz.

Kurzschluß im Schaufenster.Eine Panik vermieden.Erfolgreiche Löscharbeiten

Berlin, 11. Oktober. (WB.) heute mittag gegen 1.30 Uhr entstand in den Schaufenstern des Warenhauses Tietz in der Leipziger Straße infolge Kurzschlusses der Beleuchtungsanlage ein Brand, bei dem in ganz kurzer Zeit acht Schaufenster und die dahinterliegenden Verkaufs­räume in etroa fedjs 2Heter liefe aus- brannten. Da bei Branden in Warenhäusern Grohfeuer gemeldet wird, eilten zehn Züge der Feuerwehr herbei. Die hitzeentwicklung und die Verqualmung im Innern des Erdgeschosses waren rasch so stark geworden, daß die Sappeure der Feuerwehren nur mit Rauchschuhanzügen vorgehen konnten. Es gelang aber in kurzer Zeit, das Feuer abzulöschen. Publikum und Perso­nal hatten unter Leitung der Feuerwehr i n größter Ruhe das Haus verlassen. Die Polizei ergriff umfangreiche Absperrungsmaß- nahmen und leitete den Verkehr der Leipziger Straße um, fo dah diese Hauptverkehrsader der 3nnenf(abL die sonst um diese Zelt ungefüllt mit Fahrzeugen ist, auf dem an der Brandstelle lie­genden Stück ausgestorben war.

Heber den Brand, der angesichts des rasche Umsichgreifens der Flammen leicht zu einer ge­waltigen Katastrophe hätte werden können, wer­den noch folgende interessante Einzelheiten be­kannt: Das Warenhaus Tietz in der Leipziger Straße httte angesichts der bevorstehenden Woche Berlin im Licht" besondere Vorbereitun­gen getroffen, um in seinen Auslagen und an der Front des Gebäudes sich dem Charakter der Lichtwoche anzupassen. Am Donnerstag vor­mittag waren Monteure beschäftigt, in den fünf Schaufenstern, die zwischen den beiden Haupt­eingängen in der Leipziger Straße liegen, Be­leuchtungskörper zu montieren und neue Kabel zu legen. Bei dcesen Arbeiten ist, wie mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, durch einen unglücklichen Zufall ein Kurzschluß entstanden.

3n einem der Schaufenster entstand, ohne daß die Verkäufer an den Ladentischen dahinter einen Brandgeruch wahrgenommen hätten, plötzlich

eine Stichflamme, die die ausgestellten Triko- tagen in Brand setzte. 3n wenigen Sekunden war das Schaufenster ein Flammen­meer, und das Feuer griff rechts und links mit unheimlicher Schnelligkeit auf die anderen Warenauslagen über. Bevor man noch recht begriffen hatte, was eigentlich sich ereignete, platzten die riefigen Schaufenster­scheiben, und durch den Luftzug, der so ent­stand, wurde die Glut vollends angefacht, zehn bis zwölf Meter hohe Stichflammen schlugen vom parterre in die erste Etage, in das Hut­lager, hinein.

Sv groß war die Wucht der Flammen, daß die sogenannten Brandgard inen etwa 50Zenti­meter breite Scheiben aus Drahtglas, die unter der Decke der ersten Etage senkrecht angebracht sind, die Stichflammen nicht auffan­gen konnten. Das Feuer schlug vielmehr schräg in die Räume der ersten Etage hinein, setzte die Holzverschalung der Pfeiler teilweise in Brand, während die leichten Tüllgardinen merkwürdiger­weise unbeschädigt blieben, suchte in die Kanäle einzudringen, durch die die Heizungsrohre laufen und sengte hier und da in der ersten Etage die Waren an, Im Erdgeschoß brannten die Auslagen lichterloh, und QJerfäufer*und Publikum stürzten schleunigst zu den Ausgängen, die nach der Krausenstraße hinausführen, und brachten sich in Sicherheit. In der ersten Etage, wo sich mehr Käufer befanden als im Erdgeschoß, gelang es den männlichen Angestellten, die Käufer zu den Ausgängen zu führen, die in die Krausenstraße münden, so daß in etwa fünf Minuten die obere Etage geräumt Ebenso ruhig verließ das Publikum in den dritten und vierten Etage, besonders in dem zur Mittags­zeit sehr gut besetzten Restaurant, das Waren­haus, und, erfreulicherweise, ist weder ein Käufer noch ein Angestellter verletzt wordeii. Etwa sieben Minuten nach Ausbruch des Brandes waren die ersten drei Löschzüge zur Stelle, und wenige Minuten später rückten weitere sieben Löfchzüge an. In verhältnismäßig kurzer Zeit war jede Gefahr beseitigt.

Beethoven-Abend.

Klavierkonzert Lydia Hoffmann-Behrendt

Die Klavierkomposition hatte durch Beetho­ven eine neue Richtung gewiesen bekommen durch seine eigene ausübende oianistische Tätigkeit und durch das Ringen seiner Phantasie nach Äusdrucks- fähigkeit des Klaviertones. Solange seine Phantasie noch durch das Klavier Anregung erhält, schafft er für dieses Instrument. Als er seine Ausdrucksskala hier nicht mehr befriedigt sieht, wendet er sich an­deren Klangkörpern zu. Richt zum mindesten hat gerade sein beginnendes Gehörleiden seins aus­übende Tätigkeit frühzeitig beschränkt und durch dieses unglückliche Geschick wird die bis dahin all­gemein gültige Vereinigung zwischen Komponisten und Virtuosen aufgehoben. Der Schaffende für das Klavier nimmt nun keine Rücksicht mehr auf den Erfolg des Virtuosen in seiner Person vor dem Publikum. Rur das Rein-Geistige, Klangliche treibt ihn zu neuen Werken.

Diese neuen Werke sind auf anderem Grunde er­wachsen als die damals in Wien geübte klavieri- stifcke Praxis. Richt das Geglättete, Zärtliche, Galant-Graziöse, Bravouröse ist bestimmend für feinen Klavierstil, sondern die Energie des Impul­ses, der mit Kraft hervorbricht, mit der Fülle des Klanges und dem in der Kantilene sich ausschwin­genden inneren Erregtsein. Die Reihe der Instru­mente, die er in seinem Leben benutzt hat, bezeugt ein Suchen nach einem anderen Klangideal, als es der Wiener Instrumentenbau ihm geben konnte. So bezeugt R e i ch a r d t im Jahre 1809, daß der nach Wien Übergesiedelte Klavierbauer Andreas Streicher (Schillers Jugendfreund)das Weiche, zu leicht Nachgebende und prallend Rollende der anderen Wiener Instrumente verlassen und auf Beethovens Rat und Begehren seinen Instrumen­ten mehr Gegenhaltendes, Elastisches gegeben hat, damit der Virtuose, der mit Kraft und Bedeutung vorträgt, das Instrument zum Anhalten und Tra­gen, zu den feinen Drucken und Abzügen mehr in seiner Gewalt hat. Er hat dadurch seinen Instru­menten einen größeren und mannigfaltigeren Cha-

ratter verschafft, so daß sie jeden Virtuosen, der nicht bloß das Leichtglänzende in der Spielart sucht, mehr als jedes andere Instrument befriedi­gen müssen."

Das Ringen nach seelischem Ausdruck und Farbe des Klanges läßt Beethoven eine neue Technik finden, die von Zeitgenossen oftmals als rauh und hart, ja, sogar als nicht schulgerecht und nicht pianistisch an­gesehen wird, die ihm aber andererseits den Ruf alsHerrn des Klaviers viels" einträgt. Bei ihm ist nicht das Instrument das Anregende zum Schaffen, sondern die Weite feiner Phantasie stellt immer größere Anforderungen an das Instrument: sein Klavierspiel selbst findet die eigentlichste Aeußerung in der freien Improvisation. Diele Gabe des Meisters ist es, die ihn anmaßende Gegner aus dem Felde schlagen läßt. Bei einem solchen Wettspiel mitStei - beit nimmt Beethoven aus einem soeben gespielten Steibeltschen Quintett die Cellostimme vom Pult, stellt sie verkehrt vo sich auf »uni) läßt aus einigen, an sich wenig bedeutsamen Roten ein Thema er­stehen, das sich in der Improvisation ausbreitet, so daß Steibelt heimlich den Saal verläßt und ihm nie wieder entgegentritt.

Als ein Muster der von Beethoven geübten Art der Improvisation kann nach der Angabe Czernys die auch hier gehörte Fantasie (op. 77) gelten, mit ihrer Erregung und dem Sammeln des Anfangs, ihrem Werden und Gipfeln in dem H=Dur=Ieil. Aus solcher intensiven Improvisation erwächst auch das Finale der b-Moll-Sonate (op. 57), Als der Meister die Eroica-Variationen im Freundeskreise spielt, phantasiert er noch zwei Stunden über dasselbe Thema.

Diese Sonderart des Klavierschaffens bei Beet­hoven stellt darum an den Wiedergebenden ganz be­sondere Aufgaben: spielerische Virtuosität wird ihm gegenüber versagen müssen, nur tief im Musikali­schen fundierte Klangbildung wird den Weg zu ihm finden. Dafür zeugte der im Rahmen der Gießener Ferienkurse veranstaltete Klavierabend von Frau Lydia Hoffmann-Behrendt (Berlin), die wir schon gelegentlich der letzten Trioveranstaltung gegen Ende des vorigen Konzertwinters als Begleiterin kennenlernten und die nun als Solospielerin inter­

essante Einblicke in ihr musikalisches Erleben ge- stattete. Bewunderungswürdig erscheint die rein technische Durchbildung dieser Pianistin. In dieser Hinsicht konnte man seine reinste Freude haben an dem ideal gelockerten Muskelspiel. Hier wurde, von keiner Hemmung eingeengt, Körperliches völlig in Klangliches umgesetzt: fast dröhnend wirkte sich ihr Fortissimo in dem leider nicht vollbesetzten Hause aus, ohne dagegen gestochene Klarheit in der Pas­sage und schwebende Weichheit im Verklingen ver­missen zu lassen. Wie weit ein Zurücktketen der Diskantpartie gegen die übervolle Baßregion in dem Instrument oder auch in der ungünstigen akustischen Raumwirkung (durch die vielen unbe­setzten Plätze) begründet war, entzieht sich meiner Beurteilung. Was seinerzeit schon beim Vortrag des Reger-Trios sehr vorteilhaft auffiel, bestätigte sich auch diesmal wieder: die Fähigkeit der ft'om zertgeberin für die großzügige Durcharbeitung des architektonischen Aufbaues. Darin liegt die größte Stärke ihres musikalischen Könnens. Bei diesen Vor­aussetzungen wurden die Eroica-Variationen zum Höhepunkt der Veranstaltung. Was sie da an Fein­heit in der Differenzierung im Klanglichen, an schar- fer Profilierung des Thematischen gab, wie sie das schwierige Werk aus der Fuge heraus sich zu klang­licher Apotheose erheben ließ, das war schlechthin vollendet. Im Nachschaffen der O-Moll-Fantasie, op. 77, wußte sie den Charakter der Improvisation zu wahren und gab so dem Werk die lebendige Frische in der Auswirkung. Der Sonate op. 10 Nr. 2 verlieh sie klangliche Eigenart, besonders im Alle- grctto; die burschikose Art des Finales hätte trotz des vorgeschriebenen Presto etwas Zurückhaltung in der Beschleunigung erfahren können. Die So­nate op. 57 (Appassionata) erfüllte sie mit Dämonik und treibendem Impuls in den Ecksätzen in groß­zügiger Weise. Dem Mittelsatz hätte man noch mehr Weichheit wünschen mögen. Diesem Werk wie auch dem Rondo a capriccio op. 19 (Die Wut über den verlorenen Groschen") hätte eine noch stärkere Her­vorhebung artikulierender Momente zum Vorteil gereicht.

Die Eindrücke des Abends in feiner Gesamtheit waren stark und nachhattend: man hatte das Emp-

zugehen, daß der Vorstand der Vereinigung der englisch-amerikanischen Presse in Paris nach einer Untersuchung beschloß, Horan ausder Bereini­gung auszuschließen. Der Vorstand ist der Ansicht, daß Horan oerschiedenllich Handlungen be­gangen hat, diederStandesehrezuwider- laufen.

Aus aller Welt.

Panik im Zirkus durch einen ausbrechenden Bär.

Während einer Vorstellung eines Zirkus auf dem Hebbelplah in Dres den - E o 11 a wur­de der Dompteur Georg Lark von einem großen braunen Bären angefallen. Mit Mühe konnte man ihn aus dem Dorfüh- rungskäfig hrrausschaffen, wobei noch mehrere andere Personen verletzt wurden. Dabei ge­lang es auch dem Bären aus dem Käfig zu entkommen, wodurch im Publikum eine Panik entstand. Das Tier wandte sich in den Pferdestall und fiel dort eine Zirkusreiterin an, die gleichfalls Verletzungen davontrug. Schließ­lich mußte der Bär durch das herbeigerufene Tleberfallkommando erschossen werden. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus geschafft. Der Zustand des Dompteurs soll ernst sein.

Drei Todesopfer eines Brandunglücks.

In Artern (Hnftrut) brach im Hause des Uhrmachers Bonn aus noch unbekannten Grün-: den Feuer aus. Vorübergehende, die in das Haus j eindrangen, fanden im Dachgeschoß den mit Brandwunden bedeckten sechsjährigen.. Sohn des Bonn, der noch in der Rächt seinen Ver­letzungen erlegen ist. Als man später in die verqualmte Küche Vordringen konnte, fand man auf dem niedergebrannten Sofa die halb- verkohlte Frau Bonn, die ihr eben­falls totes dreijähriges Töchter­chen im Arm hielt.

Die Wetterlage

-Rüst-

Seydlst

.NWdoyan.

Thorjh.

-Aberdeen-

La Coruna

Donnerstag, d. 11. Oki 1928,7haDds.

IpWofXentos.O neuer <j naiv oeoetei »weine,bedeut. eRege^ * Schnee a Qraupem Nebel K 6e*fitter.(§)uind$liiie. «O seW leichter 0$i -nissiger Südsüdwest stormscne» norgwesl feie Ptene fliegen mit dem winde Oie oeoen Stationen stenenden Za» len geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orw ml gleichen uf <Vercsniveau umoerecboeUo Lufldrucl

Ä-L ^Voraussage.

Die Zyklonentätigkeit ist immer noch nicht be­endet. Vom Atlantik her macht sich wieder ein neues Tief heran. Es ist weiterhin mit unbestän- bigem, teils regnerischem Wetter zu rechnen.

Wettervor aussage für Samstag: Meist wolkig, Temperaturen schwankend, oereinzelle Rcgenfälle.

W i 11 e r u n g s a u s s i ch t e n für Sonn- t a g: Immer noch unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 11. Oktober: mittags 11,9 Grad Celsius, abends 11,5 Grad Celsius: am 12. Oktober: morgens 10,2 Grad Celsius. Maximum 12,1 Grad Celsius, Minimum 6,9 Grad Celsius. Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 11. Oktober: abends 11,1 Grad Celsius,- am 12. Ok­tober: morgens 10,0 Grad Celsius. Niederschlag 5,6 Millimeter.

Inden, daß hier eine geschlossene Persönlichkeit nicht Alltägliches zu geben wußte. Dr. H.

Das Leben der Eskimos im Komj-Sebiet.

Soeben ist aus dem Komj-Gebiet und dem Gouvernement Archangelsk eine medizinische Ex­pedition nach Moskau zurückgekehrt, an der auch namhafte deutsche Gelehrte teilgenommen hatten. Die Expedition diente in erster Linie dazu, die Krankheiten der Eskimovolker festzustellen und zu ergründen. Dabei hatten die Aerzte nach den jetzt vorliegenden Berichten bei ihrer Tätigkeit mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, mußten aut Rei.nlieren den nomadisirrenden Eskimos bet ihren Wanderungen folgen und in den Behausun­gen der Eingeborenen bei 30 bis 40 Grad Frost übernachten, lieber das Leben der Eskimos hat die Expedition viele interessante Einzelheiten zu­tage gefördert. So sind recht häufig unter ihnen 80- bis 90jährige Greise angetroffen worden, ein Beweis für die lange Lebensdauer dieser Romadenvölker. Die Frauen sind bei den Eskimos den Männern gleichgestellt und dürfen Eigentum besitzen. Heiratet ein Eskimomädchen, so wird den Eltern ein bestimmter Betrag entrichtet, der jedoch späterhin der jungen Frau zurückgezahlt wird und sodann ihr persönliches Eigentum blldet. Die Eskimokinder werden von ihren Müttern so­lange genährt, bis sie selbst nach anderer Rüh­rung greifen. Die Religion der Eskimos ist grie­chisch-orthodox, die Expedition hat aber auch zahl­reiche Götzenbilder feststellen können, die auf einen besonderen Götterkult zurückzuführsn find. Als Ergebnis der medizinischen Forschungen konnte festgestellt werden, daß die Eskimos keine Geschlechtskranlh^iien kcnnen. Dagegen sind Ma­gen-, Augenleiden und Rheumatismus stark ver­breitet. Gegenwärtig sind in den Tundren deS Komj-Gebietes und des Gouvernemeitts Archan­gelsk für die Romadenbevölkerung und für die Eskimos besondere Kulturstätten eingerichtet wor­den, die sich aus je einer Schule, einem Kranken­haus und einer Handelsschule zusammensetzen.