Einzelbild herunterladen

tritt

gefeiert. Aber auch dieser Rest einer alten Titte ist jetzt dahingeschwunden.

Bei der althergebrachten Schließung der Weinberge handelt es sich um eine polizei­liche Maßnahme, um dem Diebstahl vorzubeugen. Schon in alter Zeit wurde die Weinbergshut durch einen Wingertschühen ausgeübt, der an einer übersichtlichen Stelle seine Strohhütt« hatte. Wie der Schluß der Weinberge, so wird auch der Beginn der Les« und der Schluß der Weinbergshut von der Ortspvlizeibehörde nach Anhörung der beteiligten sachverständigen Win­zer festgesetzt.

Der diesjährige Wein wird, begünstigt durch das schöne, gute Welter im Nachsommer und Herbst, zur Freude der Winzer und aller fröh­lichen Weintrinker, einen besonders guten Tropfen geben und dem von 1911 und 1921 gleichkommen, so daß wir einen guten, unverzuckerten Ratur- wein erhalten werden, zumal man in allen Wein­gegenden wieder zur S p ä t l e s e, der Lesetechnik der alten Dörner, zurückkommt. Zu einem guten Wein gehört nicht nur die Reife der Trauben allein, es muß noch die sog. Edelsäule dazu­kommen, die durch einen Schimmelpilz hervor- gerufen wird, der bei Rebel in der Rächt und am Morgen und bei Sonnenschein am Tag am besten gedeiht. Bei solchemTraubendrücker", wie der Winzer den Rebel nennt, färben sich die Trauben braun, der Pilz zerstört Säure und Gerbstoff und erzeugt Verbindungen, aus denen das hochgerühmte Bukett des Rheinweines entsteht. Die Erkenntnis der Bedeutung der Edel- fäule, die man zufällig durch eine verspätete Lese in den Weinbergen des Abtes von Fulda zu Geisenheim als besonders gut für die Qualität des Weines erkannte, war eine Errungenschaft, die für die Rheingauer Weine von größter Be- b^utung wurde. Gr.

Bornotizerr.

Tageskalender für Freitag. Stadt- theater:Das Kirschblütenfest", Anfang 8 Uhr, Ende 10 Uhr.Die Wanderer", Gießener Radfahrer- Gesellschaft von 1896: ordentliche Jahres Hauptver- fammlung, abends 8.30 Uhr, im Vereinslokal. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Anna Karenina". Astoria-Lichtspiele:Richard Talmadges größter Coup".

Stadttheater Gießen. Die heutige Wiederholung der Gedenkfeier für den verstor­benen Dichter K l a b u n d: Gedenkworte-Auf- führungDas Kirschblütenfest" beginnt um 20 Uhr, Ende 22 Uhr. Am Sonntag wird als zweite Fremdenvorstellung, außer Abonnement, zu er­mäßigten OperettenpreisenDie Dollarprin- zess^n gegeben. Dienstag, 16. Oktober, findet die Erstaufführung ton ShakespearesR i - chard IH." statt. Spielleitung: Der Intendant.

*

WSR. Aus der hessischen Bevölke­rungsstatistik. 3n Hessen wurden im ver­gangenen Jahre 1010 Ehen mehr geschlossen, als im Vorjahre, nämlich 11 753, gegen 10 743, wäh­rend gleichzeitig die Zahl der Ehescheidungen von 435 auf 515 im Jahve 1927 gestiegen ist, worunter allerdings auch sechs Urteile auf Rich- tigkeitserklärung einer Ehe sich befinden. Die meisten Ehescheidungen zählt man imgoldenen Mainz", nämlich 111 bei 1410 Eheschließungen, Darmstadt 97 bei 1269 Eheschließungen, Offen­bach 125 bei 1656 Eheschließungen. Die Zahl der Lebendgeborenen hat sich von 23 546 im Jahre 1926 auf 22 253 im letzten Jahre ver­mindert, die der unehelichen Kinder von 2687 auf 2420. Interessant ist dabei die Dsrteilung in den einzelnen Provinzen: Starkenburg 10 274 eheliche Lebendgeborene und 1126 uneheliche: Rheinhessen 6304 und 727; Oberhessen 5675 und 567, Totgeborene wurden zusammen 678 eheliche und 112 uneheliche Kinder (im Vorjahre 711 und 127).

** Aufgehobene Straßensperrung. Vom Oberhessischen Automobil-Club E. 23. (21. v. D.), Gießen, wird uns folgende aufgehobene Straßen­sperrung mitgeteilt: Gießen Steinbach, im Zuge der Straße GießenLich, von heute ab.

** E i n Finanzbericht der Stadtver­waltung über die Einnahmen und Ausgaben unseres Gemeinwesens im ersten Vierteljahr des Rechnungsjahres 1928/29, also für die Monate April bis Juni einschließlich, ist im heutigen Dekanntmachungsteil enthalten. Der interessante Finanzbericht wird sicherlich das lebhafte Inter­esse unserer Mitbürger finden.

** Fremdenvorstellung im Stadt- theater. Die OperetteDie Dollarprin­zessin" wird am Sonntag, 14. Oktober, abends 6 Uhr als Fremdenvorstellung zu ermäßig­ten Operettenpreisen gegeben. Ausdrücklich sei daraus hingewiesen, daß biefe erfolgreiche und nie als ver­altet anzusprechende Operette n i ch t im Abonnement wiederholt wird.

* Vom Gießener Wochen markt. Die Stadtverwaltung gibt tm heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der Verkauf von Kraut, Kartoffeln und Obst in Wagenladungen an den nächsten vier Samstagen nur auf Oswaldsgarten Statt* finden, darf.

' Die Erhebung von @IefttiAität8- gelbem ist im heutigen Anzeigenteil Gegen­stand von zwei Bekanntmachungen bes Städtischen Elektrizitätswerkes. Auf die bedeutsamen Ver­öffentlichungen fet besonders hingewiesen.

" Der Familienwohnhausbau der Militärverwaltung, der am Kugelberg unmittelbar hinter der Kaserne errichtet wurde, ist jetzt in seiner äußeren Gestaltung vollendet. An dem Innenausbau wird zur Zeit rege gear­beitet. Es ist zu hoffen, daß das Zwölffamllien- haus in den nächsten Wochen auch im Innern fertiggestellt wird, so daß es noch bis zu Weih­nachten bezogen werden kann.

** Nächtliche Ruhestörungen in der Schützen st raße werden in einer Zuschrift an

Natürliches

Jean Weisel, (Heben, Sonnenstrabe 6, Telephon Nr. 88

und kett, den der und

die dem Zusammenschluß der Berufe unter heutigen Verhältnissen beizumessen ist, wird Besuch dieser Tagung durch- alle Spengler­

Für die Gehindheit

Sprechstunden der Redaktion

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Anzeigenausträge sind lediglich an die Geschäfts st eile tu richten.

Für unverlangt eingesandte Manuskripte ohne beigesügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.

tigen Anzeigenteil.

(Weitere Lokolnachrichlen im 2. Blatt.)

Berliner Börse.

Berlin, 12. Oft (WTV. Funkspruch.) Im heutigen Frühverkehr ist es wieder sehr still. Man taxiert unveränderte Kurse. Die Spekula- tion schreitet zu Abgaben, da zwar die Aus- landbörsen feste Tendenz haben, die Lohnstreitig­keiten in der Eisen- und Textilindustrie als Hem­mungen angefehen werden. Rur für Spezial­papiere Scheint einiges Interesse zu hefteten. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nennt man: Paris 124,23, gegen Mailand 92,63, gegen Spanien 29,9750, gegen Mund 485,15 und gegen Dollar 4,2015.

der Spengler- und Jnstallationsmeister vonHessen Hessen-Nassau statt. Angesichts der Wichtig-

. Installation-meister unserer Provinz ertoar tet. Man beachte die Einladimg in unterem hcu-

uns bttter beflogt Die dortigen Anwohner be­schweren sich darüber, daß junge Leute beiderlei Geschlechts namenllich in den Rächten zum Sonn­tag und -um Montag gröhlend und Schreiend in der Straße umherzief^n, die Bewohner von Parterrewohnungen durch Klopfen an den Fen- Stern belästigen und allerlei ähnlichen Unfug treiben. Man erhofft von der Bekanntgabe dieses Mißstandes ein besondere- Augenmeick unserer Sicherheitsorgane auf diese Straße. Untere Poli­zeiverwaltung wird zweifellos Sofort dafür Sorge tragen, daß die Nachtruhe der dortigen An­wohner in Zukunft ungestört bleibt.

Schulpersonalien. Durch Entschlie­ßung des Ministeriums für Kultus und Dil- dungswesen wurden die Studienreferendare Franz Haas, Dr. Heinrich I h l, Dr. Heinrich OH a t - thes und Karl Müller zu Studienasfefforen ernannt

** Ein Achtzigjähriger. Unfer Mitbür­ger Joh. Jak. Lat her begeht morgen (Sams­tag) in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 80. Geburtstag im Kreise feiner Kinder und Enkelkinder.

* Tennisfport in der Dolkshalle. Am 21. Oktober wird in der Volkshalle der Hallentennissport eröffnet. Der Dolkshglleverein gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß einige Spielstunden in der Halle noch zu vergeben find. Interessenten feien auf die Bekanntmachung be­sonders ausmerlfam gemacht.

** Der Turnverein von 1846 hielt die­ser Tage imPostkeller" die diesjährige Gene­ralversammlung ab, die sehr gut besucht war; ein Beweis dafür, daß die Mitglieder regen Anteil am Dereinsleben nehmen. Mit großer Befriedi­gung konnte der 1. Sprecher, älniversitäts-Ober­inspektor Erle, in seinem Bericht hervorheben, daß gerade das abgelaufene Dereinsjahr ein besonders bewegtes Turnjahr war, und mit Stolz konnte er auf die errungenen hervorragenden Siege Hinweisen. Wiederum war festzustellen, daß auch die Mitgliederzahl im abgelaufcnen Dereins­jahr erheblich gestiegen ist. Allen Vorstandsmit­gliedern und Tümern dankte der 1. Sprecher für ihre Selbstlose und uneigennützige Tätigkeit zum Wohle des Turnvereins und unterer großen deutschen Turnsache. In feinem Bericht gedachte der 1. Sprecher weiter des Ehrenmitgliedes ©au» oberturnwarts W. Will, der in diesem Jahre 50 Jahre Turner und 25 Jahre Gauoberturnwart war; die Jugend ermahnte er, sich diesen Turner zum Vorbild zu nehmen. Als Neuerung wurde die jetzt regelmäßig erscheinende Vereinszeitung genannt, die den Mitgliedern unentbehrlich ge­worden ist. Dann folgten die Berichte der ein­zelnen Fachwarte über Turnen, Schwimmen, Fech­ten, Sport, Spiel, Wandern und die Jugend­bewegung. Alle Berichte, die mit besonderem Interesse verfolgt wurden, legten Zeugnis ab von der eifrigen Tätigkeit, die in allen Abtei­lungen herrscht. Vereinsrechner A. Reining erstattete den sehr umfangreichen Kassenbericht; ihm wurde mit herzlichen Worten des Dankes Entlastung erteilt. In den Vorstand neu» bzw. wiedergewählt wurden: älniv. Ob rinsp. W. E r l e als 1. Sprecher, Fritz Linker, Ludw. Schnei­der, Karl Strack zu Schriftführern, Karl Müller zum 1. Turnwart, W. Laudon als Zeugwart, als Turnälteste: Gg. Da hm er, Her­mann Neußer, als Beisitzer: Fr. W i e g a n d t, Hans Geismar, als Dcrtteter der Spiel- und Sport-Llbteilung: W. Schulte. Mit einem freudig aufgenommenen dreifachenGut Heil" auf unsere edle deutsche Turnsache wurde die Generalversammlung geschlossen.

** Tagung der Spengler- und In­st a l l a t i o n s m e i st e r. Am nächsten Sonntag findet in unserer Stadt die Dezirksversammlung

Vor neuen Wirffchafiskämpfen

D. Red.

im Gange.

Die Weinlese, die in Büchern und Zeitungen oft

so malerisch und poetisch 00^110211 wird, ist i

Wirklichkeit bei schlechtem Wetter, bei Regen un

in

Regen und

Das Reichsehrenmal.

Noch keine Entscheidung für Bad Berka.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers". .

Berlin, 12. Oft. Ein Berliner Abendblatt beschäftigt sich heute mit der Frage der Er- richtun a eines Reichsehrenmales für die deutschen Soldaten, die im Weltkrieg gefallen lind, und weih zu berichten, daß nunmehr nach langem Schwanken im Reichsministerium des Innern die vielumstrittene Frage endgültig entschieden worden sei, und zwar im Ein­vernehmen mit der Mehrzahl aller Frontkämpfer­

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 12. Oktober 1928.

Oie Weinlese.

In unterem heimischen Weinbaugebiet, in Rheinhessen, ist zur Zeit die Weinlefe

mit' der mnJe.n $er. i ? ^ler in

.-eiiOMMtn w.iur^viMsbiH.-O'Sdf tn h

re«« Miieiti flCMiwi-

.<i «(teMteOrueUiHKue uriä ausjage.

. immer noch nicht be­macht sich wieder ein weiterhin mit unbestiin- Jetter zu rechnen.

e für Samstag: schwankend, vereinzelte

ten für 6onn- diges Wetter.

Moder: mittag 11.9 5 ®iab Celsius; am fttab CetsiuL. Maximum im 6.9 Grad ;

Zentimeter Tie- °m rad Celsius; ornl'N Telsius. - 5liebetfd)lQ5

*6E

1? bje

i "nullen und zu oller lE den

- di- « MM

verbände, die das Ehrenmal in Form eines Ehrenhains in Bad Berka in Thüringen errichtet zu sehen wünschen. Es wird weiter be­richtet, daß eine entsprechende Vorlage in absehbarer Zeit dem Reichskabinett zugeleitet werden würde. Don zuständiger Stelle wi d uns zu dieser Meldung nun allerdings erklärt, daß ihr im Augenblick von einer Entscheidung noch nichts bekannt ist. vielmehr die Frage nach wie vor noch offen stehe, infolgedes.en auch von einer entsprechenden Vorlage keine Rede fein könne. Cs handelt sich daher bei der be­sagten Meldung anscheinend nur um einen Ver­suchsballon. bei dem der Wunsch der Vater des Gedankens ist.

Bekanntlich stehen sich in der Frage der Er­richtung eines Reichsehrenmals für die im Welt­krieg Gefallenen drei Ansichten stark gegenüber. Die eine Partei wünscht das Ehrenmal in Gos­lar errichtet zu sehen, die andere auf einer Rh eininsel, und die letzte, zu der alle großen Frontkämpferorganisationen, wie Stahlhelm, Reichsbanner, Jungdeutscher Orden, der Jüdische Frontkämpferbund und andere gehören, hat sich entschieden für Bad Berka ausgesprochen. In der jüngsten Zeit ist schließlich auch noch der Vorschlag gemacht worden, die ehemalige Hauptwache in Berlin als Ehrenmal her- zurichten, ähnlich wie in London und Paris das Grab des älnbekannten Soldaten.

Das Reichsinnenministerium hat in einer Vor­lage dem Reichskabinett Mitteilung von der Ent­wicklung dieser AnKlegenheit gemacht und dabei die Gründe für Berka in erster Linie betont, ohne jedoch die Gründe, die für einen Ork^im Rhein­land oder eine Stelle in Berlin oder Goslar sprechen, außer acht zu lassen. Das Innenministe­rium hat tn erster Linie auf Berka znrück- gegriffen, weil d ie Frontkämpferver- bände hauptsächlich an der Frage interessiert sind und zum größten Teil auch die Kosten aufbringen müssen, da das Reich nur in ge­ringem Umfange Mittel zur Verfügung stellen kann. Der Reichspräsident, der zuerst an die Errichtung des Denkmals in Berlin gedacht hat. würde wohl auch mit Berka ein­verstanden fein. Bevor also von einem Beschluß in der Sache gesprochen werden kann, muh d i e Entscheidung desRetchskabinetts ab­gewartet werden.

in' feSnfl

Bel«.

8.

.Sj »hl«

BirfugJ.ten das b . «vlieh. Ken «MiinSL Die

Ergebnislose Verhandlungen in der nordwestbeutschen Eisenindustrie.

Zum 31 Oktober dieAuSsperrung beschlossen

Essen 11. Oft (S.H.) Die Verhandlungen Wer das von den Gewerkschaften gekündigte Lohnabkommen der Gruppe Rordost der deut­schen Eisenindustrie sind völlig ergebnislos verlausen. Die Gewerkschaften versuchten die Berechtigung der von ihnen geforderten allgemei­nen Lohnerhöhungen auch für die Eisen­industrie erklärlich zu macken, obwohl sie bereits bei der vorigen Verhandlung hatten zugeben müssen, daß die Wirtschaftslage der Eisenindu­strie sich in den letzten Monaten verschlech­tert habe. Von Arbeitgeberseite wurde dem­gegenüber nachgewiesen, daß die gegenwärtige Wirtschaftslage, insbesondere der mehr und mehr zurückgehende Auftragsbestand der Werke jede Lohnerhöhung zwangsmäßig verbiete und daß im übrigen die tatsächlichen Verdienste der Arbeiter in der rheinisch-westfälischen Eisen­industrie als durchaus angemessen zu betrachten seien. Die Arbeitgeber betonen, daß unter diesen Umftänben ihr Angebot, das gekündigte Lohn­abkommen ohne Aenderung auf ein weite­res Jahr zu verlängern, den Interessen der Arbeiterschaft besonders entgegenkomme. Da­rüber hinaus erklärten sie sich mit Rücksicht auf die in früheren Verhandlungen vorgebrachten Be­schwerden bereit, unter Aufrechterhaltung aller Tarifbestimmungen folgendes S onderabkom- m e n zu treffen;

Voll leistungsfähige Arbeiter über 21 Jahre, die im Zeitlohn arbeiten und einen Stundenverdienst ohne soziale und sonstige Zulagen unter 53 Pf. haben, erhalten eine nichtakkordmäßige Zulage, die eine Erhöhung ihres Stundenver­dienstes auf 63 Pf. sichert. Mit den tariflichen Zu- schlagen bedeutet dieses Angebot der Arbeitgeber für die geringstentlohnten Arbeiter eine Bezahlung von mindestens 67 Pf. je Stunde.

Die Gewerkschaften erklärten, dieses Angebot der Arbeitgeber nicht als ernsthafte Unterlage für eine Verständigung betrachten zu können und verharrten unter Ablehnung.des Angebots auf ihrer bekannten- Lohnforderung von 15 Pf. je Stunde ohne jeden Abstrich. Die Verhandlungen sind abgebrochen wor­den. Heber die Auswirkungen teilt der Arbeitgeber­verband für die nordwestliche Gruppe der deutschen Eisen- und Stahlindustrie folgendes mit: Da die Tarifkündigung leitens der Gewerkschaften und die Ablehnung des Arbeitgeberangebots einen tarif- losen Zustand herbeizuführen drohen, und eine jede weitere Belastung der Werke zwangsläufig eine Preiserhöhung erforderlich machen würde, ift es den Werken nicht möglich, ihre Betriebe nach dem 31. Oktober w e i t e r z u f ü h r e n. In­folgedessen wurde einstimmig beschlossen, der gesam­ten Arbeiterschaft zum 1. November unter einftroeb tiger Aufrechterhaltung des den Gewerkschaften ge­machten Angebotes zu kündigen.

Aussperrung in der rheiniM- weWlWen Textilindustrie.

Berlin, 11. Oft. (WTB.) Der Arbeitgeber­verband der deutschen Textilindustrie teilt mit, daß zur Unterstützung der Textilarbeitgeber- verbände von Düren, M.-Gladbach, Rheydt und Viersen zunächst die Arbeitgeberverbände der rheinisch-westsäliSchen Textilindustrie einstimmig die Sympathieaussperrung ab 2 7. Oktober beschlossen haben. In der Mitteilung wird darauf hingewiesen, daß die Arbeitgeber­verbände der genannten Bezirke fich zur un­veränderten Verlängerung der bis­herigen Tarifverträge bereiterklärt hät­ten, daß von den Gewerkschaften aber diese Vor­schläge wiederholt a b g e l e h n t worden feien. Es sei bekannt und von den Gewerkschaften aus­drücklich zugegeben, daß es fich bei dem Kampf nicht um rem örtliche Vorgänge handele, sondern um eine von den Zentralen der Textilarbeiter­gewerkschaften angeordnete große Bewegung. In der Erkenntnis dieser Zusammenhänge und der Tatsachen, daß die deutsche Textilindustrie weitere Lohnbelastungen nicht er­trägt, hat sich zur Abwehr der Forderungen die gesamte deutsche Textilindustrie geschlossen hinter die angegriffenen Verbände gestellt.

Unveränderte Lage aus dem Ardeltsmarlt.

Berlin, 11. Oft. (WB.) Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeits­losenversicherung ist in der Zeit vom 15. bis 30. September 1928 nahezu unverändert geblieben. Sie ist von rund 576 500 auf 577 000, d. i. um 500 oder um 0,1 v. H. gestiegen. Die K r i S e n u n t a r st ü h u n g wies im Be­richtszeitraum eine verhältnismäßig etwas stärkere Zunahme in der Zahl der Haupt- unterstützungsempfänger auf (von rund 82 000 auf 86 600, d. i. um 4300 oder um 5,2 v. H.).

rÄsd?

:UI*5n SÄSkif'

Kälte, auch bei der Spätlefe manchmal unter Schneegestöber, eine recht mühsame und beschwer­liche Ernte, eine Zeit harter Arbeit für alle Beteiligten. Schon einige Zeit vor Beginn der Lese bringt der Winzer alle feine Herbstgeräte, die Bütten und Fässer, die Kelter und die Traubenmühle in Ordnung. Wenn dann am fest­gesetzten Tage beim Morgengrauen die Glocke läutet, ziehen die Winzer, die Winzerinnen und Kinder mit den Herbst^eräten, ihren Schürzen und Messern hinaus in den Weinberg zur Weinlese, wo den ganzen Tag über in ge­bückter Stellung fleißig gearbeitet wird. In der kurzen Mittagspause wird das mitgebrachte Butterbrot rafch verzehrt und wohl auch ein Glas Wein dazu getrunken. Dir Leser und Lese­rinnen schütten die abgefchnittenen Trauben aus ihren Kübeln und Zubern dem Träger in den Bottich, der sie dann auf der Traubenmühle, die am Wege auf einer großen Bütte steht, mahlt. Der Fuhrmann führt dann die Maische im Lade­faß heim ins Kelterhaus, wo am Abend sofort noch das Keltern beginnt.

Während der Arbeit im Weinberge wird manches schöne, lustige Lied gesungen, manche Schnurre erzählt und mancher Spaß gemacht, schon um die kalten Füße und Hände zu ver­gessen. Die munteren Jungen, die mit dabei find, zünden wohl auch öfters ein Feuerchen an, um sich zu erwärmen und dabei zu be­lustigen.

Bei den alten Griechen waren die Tage der Weinlese Winzer- und Rationalseste. Auch bei den Römern war die Lefezeit eine Zeit der Freude, eine Ferienzeit für das ganze öffentliche Leben, wie sie es heute noch für die Schulen in den Weingegenden ist. Im deutschen Mittelalter wurde beim Schluß der Weinlese ein Herbst- schlußsest abgehalten, eine Art Erntedankfest mit Beschränkung auf einen Tag. Gemeinsamer Heimzug nach vollendeter Lese zum Gutshofe ergab schon aus der Tatsache des Fertig- seins, in guten Jahren auch aus der Stimmung und der Freigebigkeit des Gutsherrn eine allge­mein fröhliche Stimmung.

Im prunkliebenden Zeitalter Ludwig XIV, kamen Herbstfestzüge mit kostümierten Gruppen in Aufnahme, und was die Fürsten auf ihren Weingütern vermochten, fand bald auch bei be­güterten Privaten Nachahmung. Am Rhein und in der Pfalz hat man dabei auf den musikalischen Teil und auf das Volks*- filieb besonderen Wert gelegt. In neuerer Zeit war bei den vielen schlechten Weinjahren alle Herbstesfreude verschwunden, nur in einigen grö­ßeren Weinorten und auf wenigen größeren Weingütern wurden noch bis zum Kriege die Herbstschlußfeste durch einen kleinen Winzerzug

- 1

ÄÄ

i30 Dai |l

recht HJL

fe cmgestvsl drser

Xr^ÄÄisentw

ion Kleber

NS«