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Nr. Erstes Matt
178. Jahrgang
Srdfag, 12. Oktober 1928
Erschein« lügUch,cmtzer Sonntags und Feiertags Beilagen;
Mehenri Familienblätter Heimat im Bild Di« Schalle
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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in (Biegen.
„Graf Zeppelin" über dem Ozean.
Spärliche Nachrichten über den Europaflug.—Eckener nimmt südliche Route an der afrikanischen Nordwestküfle entlang in Richtung aus Madeira.- Wetter aussichten ungünstig.-Ankunst in Amerika voraussichtlich nicht vor Montag.
Glückauf zum Ozeanflug l
Zum zweiten Male hat es ein deutsches Zeppelin-Luftschiff gewagt, die weite Reise über den Atlantischen Ozean anzutreten. Wieder ist es Dr. Eckener, der getreue Gefährte des während des Weltkrieges verstorbenen Grafen Zeppelin, der am Steuer des neuen deutschen Luftrtesen sitzt. Aber die Zeiten haben sich geändert. 1924 war er lediglich der Beauftragte der Reichsregierung. der das als Reparationsleistung gebaute Luftschiff L. Z. 127 oder, wie es die Amerikaner bezeichneten und wie es Eckener auch von vornherein selbst nannte, Z. R. 3, die jetzige „L o s Angele s", an die Vereinigten Staaten 06311 = liefern und während der Ueberfahrt das amerikanische Personal mit der Führung des Luftkrcu= zers vertraut zu machen hatte. Dennoch war der yubel diesseits wie jenseits über diese Großtat unseres Luftschiffbaus ungeheuer, war vor allem d i e Achtung der Amerikaner vor deutscher Arbeit und deutscher Leistungsfähigkeit grenzenlos. Man sagt wohl nicht zuviel, wenn man behauptet, daß Eckener mit seinem Z. R. 3 ganz wesentlich mit dazu beigetragen hat, die stickige Atmosphäre der Kriegsoerhetzung, die noch lange Jahre nach dem Verhallen des letzten Kanonenschusses über Amerika lag und sich bei der Wiederanknüpfung unserer Beziehungen zu dem mächtigsten Staat des Kontinents am anderen Ufer des Atlantik störend bemerkbar machte, zu beseitigen. Wir wollen in diesem Zusammenhang, nicht vergessen, daß Hermann Köhl und H ü n e f e l d das ihrige dazu beigetragen haben, um Deutschland dem amerikanischen Volke wieder näherbringen und es zu veranlassen, uns mit anderen Augen zu betrachten, als es das durch die Jahre der Kriegs- und Nachkriegszeit unter der Einwirlung einer maßlosen und alles in den Schatten stellenden Hetzpropaganda der Alliierten tze- wohnt war. Und letzt schwebt ein neues Zeppelin- luftschiff, der „Graf Zeppelin", über dem Ozean, her, frei und unbehindert durch irgendwelche Bestimmungen des Versailler Diktatvertrages, der amerikanischen Nation die Grüße des deutschen Volkes überbringen und Zeugnis davon ablegen wird, daß trotz unserer Not und unserer Bedrängnis, trotz aller finanziellen Lasten, Bedrückungen durch fremde Truppen, Quälereien unserer Volksgenossen jenseits unserer Grenzen und entwürdigender Behandlung durch unsere Nachbarn wir den Mut nicht verlor en haben, uns durch eisernen Fleiß und unermüdliche Ausdauer den uns gebührenden Platz unter den Völkern des Erdballs zurückzuerobern.
Leber Irankreich und Spanien.
, Schlechte Nachrichtenübermittelung inFrankreich - Auf die afrikanifcheKüste zu
Berlin, 12. Oktober. (IBXB. Funkspruch.) Seit das Luftschiff „Graf Zeppelin" gestern vormittag gegen 9.45 Uhr die französische Grenze bei B e l - fort überflogen hat. sind die Nachrichten über den Jlug des Luftschiffes außerordentlich spärlich. Die französischen Funkstationen sind mit dem HJeiler- geben von Nachrichten äußerst zurückhaltend, so daß auch über Paris kaum neuere Mitteilungen über den verbleib des Luftschiffes zu erhalten waren. Es scheint dies seltsame verhalten auf eine wenig freundliche Gesinnung in gewissen französischen Kreisen gegenüber den deutschen Ozeanslug zurückzuführen zu sein. Heber diese Angelegenheit dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Am Donnerstag gegen 2 Ahr mittags erhielten wir über Paris die Meldung, daß das Luftschiff über dem Militärflugplatz von Lyon in Richtung auf Marse i 11 e gesichtet sei. Die Annahme, daß es seinen Kurs ändern würde und auf die Gironde-Mündung zusteuere. hat sich nicht bestätigt. Das Luftschiff passierte um 2.05 Ahr französischer Zeit W 0 nts - l i m a r in 300 Meter höhe, wurde kurz nach 16 Ahr über Marseille gesichtet.
Der Flug ging dann über das Rh6nedelta und die Bucht von Lette auf B a r c e 10 n a zu, das um 9.59 Hhr deutscher Zeit überflogen wurde. Aus Nachrichten der Flugleitung ergab sich, daß das Luftschiff Gegenwinde zu überwinden hatte, und eine Fahrtgeschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde hatte. Der „Graf Zeppelin" hat dann am Donnerstagabend 23.40 Hhr Ca Helion de la Plana an der Ostküste Spaniens zwischen Tarragona und Valencia überflogen. Bis Mitternacht ist es trotz aller Anstrengungen keiner spanischen Funkstation gelungen, mit dem Luftschiff Verbindung zu bekommen, da diese die Rufzeichen seiner Funkstation vorher nicht mitgeteilt hatte. Die stärkste Funkstation Spaniens in La (Koruna an der Rordreestkuste arbeitete eifrig daran, eine Verbindung herzustellen. Alle militärischen Funkstationen hotten Vorkehrungen getroffen, dem Luftschiff die
letzten Wettermeldungen mitzuteilen, für den Fall, daß sie die Verbindung für ihn Herstellen können.
heute früh um 5 Hhr überflog der „Graf Zeppelin" den Hasen von Gibraltar. Er befindet sich jetzt über dem Ozean. Der Kurs ging an der afrikanischen Rordreestküste entlang. |
Lieber dem Ozean mit Kurs auf Madeira. Schlechtes Wetter. —Lange Fahrt.
Friedrichshafen, 12.DEL (WTB. Funkspruch.) Die Wetterlage über dem ganzen Rord- atlantik ist nach den Wetterberichten, die bis jetzt hier vorliegen, äußer st schlecht — von den englischen Küstenstationen werden neue Sturmwarnungen an die Dampfer gegeben. Die Wind- scheide liegt zwischen dem 35. Grad. Die Windstärke auf den Azoren wird mit 7, weiter nördlich mit 10 angegeben, was also durchschnittlich 30 Stundenkilometer entsprechen würde. Sonach ist das Luftschiff mit allerhöchstens 100 Stundenkilometer unterwegs, der „Z. R. 3“ war um die gleiche Zeit, die jetzt der „Graf Zeppelin" bis zur Erreichung der Straße von Gibraltar benötigt hat, schon über den Azoren. Die Wetterlage ist also äußer st schlecht. Man rechnet auch weiterhin mit schweren Stürmen. Die hiesige Funkstation hat dem „Graf Zeppelin" bis heute morgen 7 Hhr gehört, der Standort konnte aber nicht ermittelt werden. Das Schiff nimmt jetzt keine Wettermeldungen mehr an. Auf der Funkwelle der Werft war heute Nacht das Motoren- geräufchderPropellerdes „Graf Zeppelin" so stark zu hören, wie man es in der letzten Zeit bei den Manövern übet dem Werftgelände zu vernehmen gewöhnt war. Man rechnet mit einer Fahrtdauer von 100 Stunden und glaubt, daß das Schiff über 2000 Kilometer mehr zur Zurücklegung der Strecke über den Atlantik braucht, als der I. R. 3 und somit etwa 10 000 Kilometer in südlicher Richtung bis zur Erreichung der amerikanischen Küste braucht, um von dort aus nördlich nach Reu- york zu fahren.
Die hier angenommen wird, wird das Luftschiff wahrscheinlich versuchen, unter dem 35. Grad M a - deira anzufliegen, um so Ostwind in den Rücken zu bekommen. Nach den neuesten Wetter- nachrichlen, die auf der Werst vorliegen, ist ein lief bei England zu verzeichnen, das bei westlichen Winden bis 3um 3 5. Grad herunterdringt, die bis zu den Azoren reichen. In der Gegend unter dem 35. Grad, die jetzt das Luftschiff „Graf Zeppelin" passiert, müssen, nach den Wetterberichten, östliche Winde Kerrschen, so daß man hier damit rechnet, daß tr Schiff bei einer normalen Geschwindigkeit von IGO Stundenkilometer etwa zwischen 5 und 6 Hhr heute Nachmittag Madeira an steuern wird, gleichzeitig, um eine bessere Orfsbeffimmung zu haben und eben'alls um mit den Dampfern, die auf dieser Linie nach Südamerika fahren, in Funkverbindung zu treten. Die Funkanlage der Werft selbst hat auch bei der jetzigen Wetterlage keine Möglichkeit, mit dem Schiss in Verbindung zu treten.
Bon einem englischen Dampfer gesichtet.
London, 12. Oki. (TH. Eigner Drahtbericht.) Rach einet in Reuyork eingegangenen Mitteilung der Radio-Eo. ist ein drahtloses Telegramm von dem britischen Dampfet „L y m e r i c" eingetroffen, wonach das Luftschiff „Graf Zeppelin" heute morgen 7 Grad westlicher Länge und 35 Grad nördlicher Breite in westlicher Richtung fliegend gesichtet wurde. Der neue Standort liegt führe e ft l i d) von Gibraltar, etwa 300 Kilometer südlich Eap 5t. Vincent. Diese Meldung wird durch folgende Nachricht bestätigt: Reuyork, 12. Oki. Rach einer Londoner Meldung erhielt die Western- Union eine Meldung aus h 0 rta auf den Azoren, daß „Graf Zeppelin" seinen Weg überMadeira nimmt.
Unterstützung durch den amerikanischen Wetterdienst.
Neuyork, 12. Oktober. (WTB. Funkspruch.) Das Washingtoner Wetterbureau erklärt, es seien gute Aussichten für eine Landung bei klarem Wetter vorhanden. Das Luftschiff werde westlich der Azoren mit der amerikanischen Funkstation A r l i n g t* n Verbindung aufnehmen köynen, die mit ihren Informationen von dem hiesigen Wetterbureau dem Luftschiff die weitere Ä) a h l des Kurses wesentlich erleichtern dürste. Man erwartet, daß sich der Aufenthalt des
Luftschiffes in Lakehurst auf vier Tage ausdehnen wird, die bereits mit einem überreichen Programm ausgefüllt find. In Lakehurst werden jetzt 450 Matrosen für die Landungsmanöver in Bereitschaft gehalten. Sämtliche Funkstationen erhielten den Auftrag, die ausführlich st en Wettermeldungen von den transatlantischen Dampfern weiterzugeben, von denen über zwanzig den „Graf Zeppelin" sehen dürften. Das große Interesse für den Zeppelinslug kommt darin zum Ausdruck, daß alle Fortschritte des Fluges von den hiesigen Funkstationen sofort weitergegeben werden. Fachleute, wie Kommandant W i l e y , der Führer der „Los Angelos" und Kommandant Clark, der die Einbringung des „Graf Zeppelin" überwachen wird, sind von dem Erfolg des Zeppelinfluges überzeugt und führen aus, daß Dr. Eckener der bedeutendste Luftschifführer der Gegenwart sei.
Höchste Spannung in Amerika.
Empsangsvorbereitungcn in Lakehurst.
Reuyork, 11. Oft. (£.11.) Die amerikanische Oeffentlichkeit steht restlos unter dem Eindruck des QImecilaflugcd des „Graf Zeppelin", hinter dem alle anderen Ereignisse in den Hintergrund treten. Die hiesigen Blätter überbieten sich gegenseitig mit Extraausga- b e n, in denen ausführlich der Flugverlauf geschildert wird. „Evening Post" bezeichnet in einem Leitartikel den Flug des Zeppelin als eines der größten Schauspiele des Jahrhunderts.
Besonders groß Ist naturgemäß das Interesse in Lakehurst, wo sämtliche Hotels vollkommen überfüllt find. 3n der Luftschisfhalle wird geradezu fieberhaftge- arbeitet, um für die Ankunft des Zeppelins gerüstet zu fein.
Die Absperrungslinie ist auf zehn Meilen im Umkreis erweitert worden. Man rechnet mit der Auffahrt von 200 000 Automobilen. Zahlreiche Filmleute sind bereits mit eigenen Flugzeugen in Lakehurst eingetroffen. 3m Flugzeughafen Lakehurst liegen viele Flugzeuge bereit, die dem Zeppelin entgegenfliegen wollen. Für Sitze in diesen Flugzeugen werden bereits Biesensummen geboten. Am Freitag treffen in Lakehurst weitere 130 Mann Marinetruppen aus Neuyork und Philadelphia ein. Für die Besatzung des Graf Zeppelin werden besondere Baracken bereitgehalten, während die Offiziere irn Offizierskasino untergebracht werden sollen.
Zu dem offiziellen Empfang des Luftschiffes
Der Zankapfel.
Bon unserer Berliner Redaktion.
Man hat uns wie den artigen Kinpern gern und viel erzählt von der Einigkeit, die angeblich innerhalb der Weimarer Koalition bestehl, und von den Erfolgen, die sie gerade deswegen mit ihrer vierjährigen Regierung in Preußen erzielt hat. Außerhalb der Koalition selbst ist davon nicht allzuviel gemerkt worden, konnte auch nicht gemerkt werden, weil die Mehrheit, auf die das Kabinett Braun sich stützte, viel zu klein war, als daß damit mehr als ein Lawieren möglich gewesen wäre. Run ist sie von zwei Stimmen auf ein knappes halbes Dutzend gestiegen, immer noch zu w e- n i g, als daß sich damit etwas anfangeu ließe. Aber auch mit der viel gerühmten Einigkeit ist es gar nicht so weit her. Sie war nut dadurch zu erreichen, daß alle Streitgegenstände peinlichst vermieden wurden, wo das nicht zu umgehen war, wie bei der Vertretung der preußischen Stimmen im* Reichsrat, fiel die Koalition schnöde auseinander. Gerade jetzt, wo bei den Verhandlungen mit der Volks- Partei eine innere Geschlofsenheit vom Standpunkt der Koalition aus doppelt wünschenswert wäre, um als Einheit der Volkspartei gegenüber treten zu können, zeigt sich die ganze Zerrissenheit dieses Regierungsgebildes, bei dem Streit um das Konkordat in ihrer Wirkung vermehrt noch dadurch, daß der Zankapfel nicht etwa von draußen her zwischen die drei Parteien geworfen wurde, sondern daß die Demokraten sich gezwungen gesehen haben, in der Notwehr gegen ihren eigenen Kultusminister eine Flucht in d i e Oeffentlichkeit anzutreten.
Von demokratischer Seite werden dauernd Mitteilungen über den Inhalt des Konkordats lanciert, womit die Pressestelle der preußischen Regierung allmählich zur Verzweiflung gebracht wird, weil ihr so viel Ausflüchte, um an den Dingen vorbeizureden, auf die Dauer nicht mehr zu Gebote stehen. Es wird ja auch kaum zu bestreiten sein, daß der Kultusminister dem päpstlichen Nuntius sehr starke Konzessionen gemacht hat, daß er der Errichtung neuer Bistümer zuge-
haben sich bereits Warinesekretär W i l b u r, die Admirale TH 0 f f e t f und Latimer sowie andere hohe amerikanische Offiziere, ferner der zur Zeit in Reuyork weilende englische Admiral
Pollack angemeldet.
Aus alten Windrichtungen eilen vollbesetzte Privatautomobile herbei. Die Automobile müssen etwa P/2 Kilometer von der Luftschisshallc in Lakehurst entfernt halten und die Automobilisten werden vom Startplatz in besonderen Aubomobil- omnibussen nach dem für die Zuschauer bestimmten Teil des Flugfeldes befördert. Das Rauchen ist in weitem Am kreise verboten. Für die Besichtigung des Zeppelins werden täglich bestimmte Stunden festgesetzt, und für die Besucher wird eine besondere Plattsorm errichtet, die eine bequeme Besichtigung der Gondeln des Luftschiffes gestattet.
Die Hauptattraktion der in Ehikago ftatffinben- den Radioausstellung ist eine Rlinlatur-Rach- bildung des „Graf Zeppelin", die durch ihre auf Grund der Funkberichte geleiteten Bewegungen auf einer 40 Fuß hohen und breiten Karte den genauen verlauf der Amerikafahrt des deutschen Luftschiffes anzeigt.
Bei dem Festessen, das die Deutsch-amerikanische Handelskammer in Reuyork am nächsten Dienstag zu Ehren der Besatzung des „Graf Zeppelin" geben wird, werden u. a. auch Bürgermeister Walker, Professor H 0 e h s ch, General Allen und als Vertreter des auf einer Wahlreise befindlichen Gouverneurs Smith, General Has - teil, Reden haften.
-Krsn^Gchnelligkeitsrekord.
Eine Erklärung Eckeners.
Berlin. 12. Oft. ($11.) Das „B. T." veröffentlicht einen kurz vor der Abfahrt des „Graf Zeppelin" von Dr. Eckener verfaßten Artikel, in dem darauf hingewiesen wird, daß bei dem herrschenden Sturmwirbel, der mit seiner Wirkung bis südlich unter die Azoren kreist, das Luftschiff über eine Strecke von wenigstens 1530 Meilen mit einem durchschnittli:en Gegenwind von 35 bis 40 Meilen pro Stunde rechnet und mithin bei einer Eigengeschwindigkeit des Luftschiffes von rund 70 Meilen pro Stunde nur 30 b i s 35 Meilen vorankommen werde. Das Luftschiff würde also 40 bis 50 Stunden allein für die erste knappe Hälfte der Reise brauchen. Dr. Eckener weist weiter darauf hin. daß man bei der ersten Fahrt des „Graf Zeppelin" nicht Schnelligkeitsrekorde erwarten solle.
stimmt hat, daß er bereit gewesen ist, den Einfluß des preußischen Staates bei der B e s e tz u n g der Höch st en kirchlichen Stellen wesentlich einschränken zu lassen und das er sich auch zu c.ner Formel verstand, die in das Konkordat Zusicherungen über die Errichtung von Konfes- sionsschulen hineinmauerten.
An sich ist das Konkordat nun einmal alter diplomatischer Brauch. Wenn das neue Konkordat sich darauf beschränkte, der Entwicklung der letzten Jahrzehnte Rechnung zu tragen, also den früheren Vertrag der Gegenwart anzu passen, so würde es vermutlich ohne große Schwierigkeiten über die parlamentarische Bühne gehen; wenn auch gerade in der demokratischen Partei bis in die Minister hinein Strömungen vorhanden sind, die grundsätzlich jedes Konkordat ablehnen. Sozialdemokraten, Demokraten und Volkspartei aber — als Partei gesehen — sind wohl für ein Konkordat zu haben, machen ihre Stellung jedoch von dem Inhalt abhängig und lehnen jeden Der- zicht auf staatliche Hoheitsrechte ab. Gerade das aver ist es, was Pacelli gern mit nach Hause bringen möchte, um damit feine Kandidatur für den römischen Kardinalstaatssekretär zu begründen. Darum geht der Streit, trotz aller Koalitionstreue kristallisiert sich in Preußen eine Lage heraus, bei der das Zentrum isoliert ist, höchstens bei den Deutschnationalen Verständnis findet, während Demokraten und Sozialdemokraten den Anschauungen der Volkspartei sehr viel näherstehen. Womit aber noch keineswegs gesagt ist, daß deswegen die preußische Koalition in die Brüche zu gehen braucht, denn über der grundsätzlichen Politik steht immer noch die angewandte Parteipolitik, die bei der Verteilung der Ministerien unter die Parteien auf ihre Kosten kommen will.
Becker dementiert.
„Bedauerliche Indiskretion" seiner Partei- presse.
Berlin, 11. Oft. Wie das PDZ.-Bureau erfährt. beruhen die Rachrichlen. die in der heutigen Berliner IRorgenpreffe („Possische Zeitung") über den mutmaßlichen Inhalt des preußischen Konkordates verbreitet worden sind, auf einer bedauerlichen Indiskretion. Hebrigens ist die 3n-
Die Konkordatsfrage in Preußen.


