Volkspartei angenommen. Einstimmig angenommen wurde eine Entschließung, bei den Ländern dahin zu wirken, daß Personen, die aus wirtschaftlicher 'n o t und aus Anlost des passiven Widerst arides straffällig geworden sind, bei der Ausübung des Gnadenrechtes in besonders wohlwollender Weise berücksichtigt werden. Die Entschließung Everling, dast in den sogenannten F e m e f ä l l e n alsbald voller Straferlaß gewährt, zunächst aber die Gefängnisstrafe in Festung umgewandelt werde, wird abgelehnt.
Oie Krisenfürsorge.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 11. 3uli. Auf der Tagesordnung steht als erster Punkt der Einspruch des nattO’ nalsoziolistischen Abgeordneten Strasser ge- fien seinen Ausschluß von der sechsten Plenar- ihung.
Der Einspruch wird abgelehnt. Dafür stimmen die Rationalsozialisten und unter lauten Pfui- Rufen der Mehrheit die Deutschnationalen. Es folgt die erste Beratung eines allgemeinen deutschen Strafgesetzbuchs, das dem Rechts- ausschust zur Fortsetzung der im letzten Reichstag nicht abgeschlossenen Beratung überwiesen wird.
Auf Antrag der in der Regierung vertretenen Parteien und der Wirtschaftspartei soll im Gesetz über die Einstellung des Personalabbaues die Frist für die Regelung der Rechtsverhältnisse der Warte st andsbeam- t e n vom 31. Juli 1928 bis zum 31. Ianuar 1929 verlängert werden.
Abg. Gottheiner (Dnl.) verlangt, dast die Wartestandsbeamten ohne weiteren Verzug in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden.
Abg. Dr. Q u a a tz (Dn.) erklärt, es wäre die Pflicht der Regierung gewesen, diese Materie schon längst zu regeln. (Rufe links: „<5ebr richtig, das sagen Sie Herrn v. Keudell!") Die letzte Regierung konnte es nicht, weil sie den Versprechungen der früheren Kabinette endlich die Tot der Desoldungsaufbesserung folgen liest.
Abg. Stein köpf (Soz.) tritt gleichfalls für eine endgültige Regelung ein. Dem neuen Kabinett müsse aber durch die Fristverlängerung die notwendige Zeit dazu gegeben werden. Um eine Schädigung der 'Beamten zu vermeiden, müsse der Regelung rückwirkende Kraft gegeben werden. — Der Antrag der Mehrheitsparteien wird in erster und zweiter Beratung angenommen.
Es folgt der AuSschustbericht über den kommunistischen Antrag zur Krisenunterst ü h u n g. Der Sozialpolitische Ausschuh schlägt dazu eine Entschließung vor, in der verlangt wird, zur Krisenunterstüyung allgemein solche F a - brikorbeiter zuzulassen, die gcwvhnheits- mästig mit Berufsangehörigen der Gärtnerei, Metallverarbeitung, Maschinenindustrie. Lederindustrie, Holz- und Schnihstofsgewerbe, Bekleidungsgewerbe und Angestelltenberufe zusam- menarbeiten. Bei weiterer Verschlechterung des Arbeitsmarktes soll die Krisenfürsorge auf sämtliche Berufe ausgedehnt werden. Die Änterstühungsdauer soll allgemein auf 39 Wochen, für Arbeitnehmer über 40 Jahre bis auf 52 Wochen verlängert werden. Die auch aus der Krifensürsorge ausgesteuerten Erwerbslosen sollen bei Äotstandsarbeiten bevorzugt berücksichtigt werben.
Reichsarbeitsminister Wissel verweist auf seine gestern im Ausschuh abgegebene Erklärung. Die gegenüber dem Vorjahr verschlechterte wirtschaftliche Konjunk- tfcu r spiegele sich auch in der Arbeitslosenzahl wider. Die als Voraussetzung für die Krisen - Lrsorge erforderliche andauernd besonders ungünstige Arbeitsmarktlage sei erfreulicherweise Noch nicht in allen Berufen gegeben Sollte es dazu kommen, so werde das Reichsarbeitsministerium gern die Krisenfürsorge auf sämtliche Derussgruppen ausdehnen. Der Minister erklärt sich auch mit den übrigen Forderungen der Entschließung einverstanden. Für die älteren Erwerbslosen solle die Hnterstützuug auf 52 Wochen verlängert werden Ob die allgemeine Ausdehnung auf 39 Wochen möglich ist, werde von der Regierung wohlwollend geprüft werden
Abg. Müller-Lichtenberg (Svy.) erklärt, der kommunistische Antrag sei nicht geeignet, die tatsächlich in der Arbeitslosenversicherung bestehenden Mißstände zu beseitigen. Durch laute kommunistische Zwischenrufe wird der Redner fortgesetzt unterbrochen Der Lärm der Kommunisten steigert sich als Abg. Müller zahlenmäßig die unzureichende Unterstützung der Erwerbslosen in Rußland darlegt. Für die Erwerbslose gebe Rußland 40 Millionen Rubel, Deutschland 800 Millionen Mark aus.
Abg. Aufhäuser (Soz.) erklärt, der kommunistische Ageordnete Rädel habe die Unwahrheit gesagt. (Abg. Rädel (Komm.): „Da kommt kein Ordnungsruf!" — Präsident Lobe: „Sie scheinen den Unterschied zwischen Unwahrheit und „erlogen"" nicht zu begreifen!“). Die Arbeitslosenversicherung sei ein Erfolg der sozialdemolrati- schen Politik. Die Arbeitslosen können nicht bis zum Herbst warten, wo frühestens das Arbeits- lvsenversicherunasgesetz geändert werden kann.
Die kommunistischen Anträge werden gegen die Kommunisten und Rativnalsozialisten abge- lehnt. Die Entschliehung des sr^ialpolitischen Ausschusses wird unter Ablehnung des volksparteilichen Aenderungsantrags angenommen.
Ein Besahungszwischenfall in Landau.
Landau. 11. Juli. (WB.) Die französische Gendarmerie meldete heute vormittag den deutschen Behörden, dalh in der Rächt von Dienstag auf Mittwoch ungefähr 23,15 Uhr an der von französischer Artillerie besetzten Kaserne in der Eornichon-Strahe ein französischer Wach-tpo st enan geschossen worden sei. Er wurde durch einen Schuh, der unterhalb des Herzens eindrang, schwer verwundet und ins Krankenhaus übergeführt. Sin weiterer Schuß ift an Dem Leibriemenschloh abgeprallt. Die Schüsse wurden aus einem Revolver abgegeben. Der Soldat konnte, obwohl er zu- sammenbrach. noch angeben, daß der Schuß von einem Radfahrer, der in Begleitung eines anderen vorbeifuhr, abgegeben wurde. Einer der Radfahrer trug einen Hellen Mantel und der andere einen dunklen Anzug. Die deutschen Behörden haben sofort eine Uirtersuchung eingeleitet. Die Ermittlunaen gestallen sich jedoch deshalb sehr schwierig, da der Verwundete bis letzt noch bewußtlos ist. Auf operativem Wege wurde ihm heute vormittag die Kugel entfernt
OieGruppeMalmgreen ausgespürt
Erfolgreiche Expedition des russischen Fliegers Tschuchnowski. Eisbrecher „Krassin" auf dem Wege zu den Schiffbrüchigen.
Rom, 12. Juli. (MTB. Funkspruch.) Amtlich wird die Auffindung der als Malmgreen-Gruppe ongesprochenen Gruppe von drei Männern der „Jlalia"-Mannschaft bekanntgegeben, die dem russischen Flieger Tschuchnowski gelungen ist. Wie es in der Verlautbarung heißt, handelt es sich um einen Bericht, den die „Litka di Milano“ nach ihrer Aufnahme des vorübergehend durch Gewitter gestörten kurzwellenverkehrs durch den russischen Eisbrecher „6 r a s s i n“ erhallen hat. 3n dem Bericht der „Eitta di Milano", in dem die Auffindung der Dreimännergruppe geschildert ist. heißt es weiterhin: Der sich ausbreitende Tiebel verhinderte den Flugzeugführer. den Eisbrecher „Krassin" wiederzufinden. Er flog darauf in Richtung der Küste, und es gelang ihm. in der Rähc von Kap P laten zu landen, wobei allerdings der Apparat beschädigt wurde. Die fünf Personen, die an Bort) waren, konnten die K ü st e e r r e i ch e n. Sie haben telegraphische Mitteilungen über die „B r a g a n z a" und über die Lage der längs der Küste erreichten Lebens- mlikcldepols gemacht.
Heber die Entdeckung der Malmgreen-Gruppe durch den russischen Flieger Tschuchnowski meldet das „B.T.“ folgende Darstellung: Der Flieger umkreiste die Gruppe fünfmal und suchte nach einer günstigen Londungsstelle. Es gelang ihm jedoch nicht, eine zur Landung geeignete Stelle in der Tlähe der Gruppe ausfindig zu machen, worauf er wieder nach der „Krassin" zurückkehrte. Auf die Meldung Tschuchnowskis hin hat dann der Eisbrecher mit Volldampf die Fahrt in Richtung auf die von dem Flieger bezeichnete Position der Malmgreen-Gruppe ausgenommen. Rach einem Moskauer Funkspruch befand sich gestern nachmittag 3 Uhr der Eisbrecher „Krassin" 80 Grad 51 Minuten nördlicher Breite und 24 Grad 10 Minuten östlicher Länge. Der Eisbrecher, der von zersplitterten Eisschollen umgeben wird, fährt mit einer Stundengeschwindigkeit von vier Meilen. Er wird Donnerstag morgen die Gruppe erreichen, wenn keine besonderen Schwierigkeiten eintreten.
Der Flieger Tschuchnowski ist nach Ausfüllung seiner Benzinoorräte wieder nach dem Fundort der Malmgreen-Gruppe hinan sge flogen. An Bord des Flugzeuges befinden sich außer Tschuchnowski noch ein Mechaniker und ein Beobachter. Das Flugzeug kann noch drei Personen ausnehmen; jedoch ist damit zu rechnen. daß die Landungsoersuche Tschuchnowskis des herrschenden Rebels wegen äußerst schwierig fein dürften.
Freude in Oslo.
Oslo. 11. 3uIL (WD.) Der Bericht des russischen Fliegers Tschuchnowski über die Auffindung der Gruppe Malmgreen ist hier m i t großer Freude ausgenommen toorben. Der schwedische Meteorologe Malmgreen ist in Norwegen durch seine Teilnahme an Amund- sens Rordpolexpeditton mit der »Maud" und an dem Polflug der „Rvrge" allgemein bekannt. Der Polarforscher Otto Sver - d r u p ertlärt in einem Interview, falls sich die Gruppe Malmgreen wirklich in so kurzer Entfernung von dem russischen Eisbrecher „Kras
sin" befinde, so sei er sicher, daß sie gerc t- t e t werden könne, vorausgesetzt, daß die Kohlenvorräte der „Krassin" ausreichen. Die Lage der ®nq>be Viglieri müsse allerdings Besorgnis erregen, um so mehr, als „Krassin" möglicherweise die Advent-Bav anlaufen müsse, um ihre Kohlenvorräte zu ergänzen. Everdrup erklärte, er glaube nicht, daß die .Krassin" die Gruppe Viglieri rechtzeitig erreichen werde, wenn sie ihren jetzigen Versuch aufgebe und auf dem Wege durch die Hin- lopen-Strahe und längs der südlichen und östlichen Küste des Rordostlandes vvrzudringen versuche.
Kann es Amundsen sein?
Berlin. 12. 3ulL (Priv.-Tel.) Aus den Meldungen über die Auffindung einer Drei- Männer-Gruppe nordwestlich der Foyn-Inseln geht nicht hervor, ob der russische Flieger niedrig genug geflogen ist, um die Männer auf dem Eise genau erkennen zu können. Anscheinend konnten nur die Menschen als solche erkannt werden, so daß durchaus auch die Möglichkeit besteht, daß es sich um A m u nd- s e n und seine beiden Gefährten handelt, die sehr gut gerade in dieser Gegend zu einer Rotlandung gezwungen gewesen sein konnten. Da weiter nach Aussage des russischen Piloten die QIZ ärmer auf dem Eise mit einer norwegischen Flagge signalisiert haben, hat die Annahme, daß es sich um Amundsen handeln könnte, sehr viel für sich.
Oie Rolle Mobiles.
Ein dänischer Polarforscher über den italienischen „Kollegen."
Kopenhagen. ll.Suli. (TU.) Der dänische Polarforscher Peter Freuchen hat sich dem „Extrabladet" gegenüber dahin ausgesprochen, daß die itcllienische R^ierung ihn zu spät um Hllfe für die „Italla"-Mannschaft gebeten habe. Roch im Mai seien die Eisverhältnisfe so gewesen, daß man eine Hundeschlittenexpe- bition leicht hätte aus führen können. Jetzt könne von dem Erfolg einer Fuhexpedition gar nicht mehr die Rede fein. Robile habe zweifellos außerordentlich leichtsinnig, ja schlimmer, gehandelt. Wenn es richtig sei, daß er gegen besseres Wissen f a Ische Berichte gegeben habe, um unangenehme Tatsachen zu verschleiern, so trage er auch die Schuld an dem Untergang Amundsens und seiner Begleiter. Er, Freuchen, sei der festen Heber- zeugung, daß Amundsen sich von Tromsoe aus sofort auf die Suche nach der „Italia"-Gruppe begeben habe. Natürlich habe er diese Gruppe nicht finden können, da daS Luftschiff damals schon längst verbrannt gewesen sei. Dieser Um- stand scheine Robile bekannt gewesen zu fein, doch habe er ihn wochenlang verschwiegen.
3n Oslo ist am Dienstagabend der italienische Journalist Escard auf dem Wege von Spitzbergen nach Rom eingetroffen. Wie er erzählt, hat Robile nach feiner Ankunft in Kingsbah sich getoeigert, irgend jemand anderes als den Chef der „Citta di Milano" und seinen Bruder zu empfangen. Robile soll von den in der Presse gegen ihn gerichteten Angriffen stark bedrückt gewesen sein.
Wissels sozialpolitisches Programm
Eine Erklärung -es neuen Reichsarbeitsministers vor -erpresse
Berlin, 11. 3uti. (WB.) ReichLarbeitS- minifter Wissel gab der Presse einen Heberblick über die sozialpolitischen Aufgaben, mit denen sich das Reichsarbeitsministerium zu befassen haben wird. Wie bereits in der Regierungserklärung hervor geh oben ist, wird die Reichsregierung den bereits vom Reichsrat verabschiedeten Entwurf eines Arbeitsschutzgesetzes alsbald dem Reichstage vorlegen. Ferner wird sich das Kabinett mit der Ausgestaltung der Arbeitsaufsicht befassen, die im 6. Abschnitt des Entwurfes behandelt ist. Zur Ergänzung des Arbei lsschutzgeseyes wird der Entwurf eines Bergarbeitergesehes vorgelegt werden, dessen Sonderbestimmungen der Eigenart des Bergbaues, insbesondere der erhöhten Hnfallgefahr unter Tage. Rechnung tragen. Die Reichsregierung beabsichtigt ferner die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Acht stunden- t a g. Hmfangreiche Vorarbeiten sind geleistet worden für den Entwurf eines allgemeinen Qlt- beitsvertraggesehes. Mehrfach ist in der Oeffent- lichkeit in letzter Zeit eine Reform des Schlichtungswesens verlangt worden. Es sind auch dort Aenderungsvorschläge gemacht worden, die selbständige Vertragsschaffung durch die Parteien des Arbettslebens nötigenfalls unter Zuhilfenahme von ihren vereinbarten Schlichtungsorganen der staatlichen Vertrags- Hilfe durch Echlichtungsbehörden vollziehen. Der Staat hat aber auf Grund der Reichsverfassung die Verpflichtung, die Regelung der Arbeitsverhaltnisse durch Gesamtvere.nbarung auch dort zu fördern, wo die Parteien mit dieser Aufgabe allein nicht fertig werden. Auf diesem Gedanken beruht die staatliche Schlichtung als Hilfe zum Abschluß von Gesamtvereinbarungen.
Der Entwurf eines Gesetzes über die Beschäftigung in der Hauswirtschaft liegt bereits feit längerer Zeit im Reichsrat vor.
Auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ist die Organisation, die durch das Gefetz vom 16.3uli 1927 geschaffen worden ist. noch im Aufbau begriffen. Für den Fall, daß die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten erheblich zunimmt, werden zur Entlastung des Arbeitsmarktes zunächst die öffentlichen Rotstandsarbeiten zu verstärken sein. Ob hierfür in ausreichendem Umfange Mittel zur Verfügung stehen, läßt fick zur Zett noch nicht übersehen Das ReichSarbeitSministerium wird I ferner im Benehmen mit dem ReichswirlschaftS- Ministerium feine Bemühungen bei den Beschaf- » fungsressorts sowie der Reichsbahn und Reichs-
post fortsehen, damit diese Stellen bei Eintritt größerer Arbeitslosigkeit möglichst umfangreiche Qt u f t r ä g e an die Wirtschaft herausgeben. Die Reichsregierung hat auch in ihrem Programm als ihren Wttlen bekundet, die K l e i n r e n t n e r b i I f e auf eine von dem Ermessen der örtlichen Fürsorgestellen unabhängige gesetzliche Grundlage zu stellen. Auf dem Gebiet der sozialen Versicherung wird die Rationalisierung der Reichsversicherung eine der nächsten Aufgaben sein. Beabsichttgt ist die Ausdehnung der Unfallversicherung auf noch nicht versicherte Berufskrankheiten. Geprüft wird, ob noch weitere bisher nicht versicherte Kreise in die Unfallversicherung einbezogen werden sollen, z. B. die Kleinbetriebe in Handel und Gewerbe, insbesondere Gast- und Schankwirtschaften. Demnächst wird eine Verordnung ergehen, welche die D e r- sicherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung erweitert.
Der Wohnungsbau des Jahres 1928 wird zwar nicht in dem starken Maße, wie zu Anfang des Jahres zu befürchten war. zurückgehen. Immerhin aber legt die Tatfache der ständigen Schwankungen auf dem inneren Markt mehr und mehr die Rolwendigkeit nahe, die begonnene Heranziehung von Auslandmitteln in vorsichtiger
Form zu erweitern.
Die Versorgung der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen ist in den vergangenen Zähren, soweit es die finanzielle Lage des Reichs gestattet, ständig verbessert worden. Es wird jetzt vor allem geprüft werden müssen, ob und inwieweit die Versorgung der Hinterbliebenen verbessert werden kann. Ich denke hierbei insbesondere an die alleinstehenden erwerbsunfähigen Witwen, sowie an die Ellern, die nur auf Renten und Zusatzrenten angewiesen sind. Durch bfe Gewährung von Erziehungsbeihilfen im Falle des Bedürfnisses ist die Waisenversorgung erheblich verbessert worden. Für die Kapitalabfindung ist im jetzigen Haushalt ein Betrag von 90 Millionen Mark vorgesehen. Ob dieser noch erhöht werden kann, hängt von der finanziellen Lage des Reiches ab. Iede Erhöhung der Dersorgungsbezüge um 10 Prozent muß — allgemein gesehen — das Reich um weitere 130 Millionen Mark belasten. Was den Verkehr zwischen Dersorgungsdienststellen und Derfergungs- berechtigten anlangt, so ist Richtschnur für den gesamten Dienstverlehr stete Sorge für das Wohl der D e r s o r g u n g s b e g e h r e n d e n und unermüdliche Hilfsbereitschaft auch in den kleinsten Dingen Ich habe
ferner die Versorgungskehörden daraus hingewie- fen, daß auch die Außenstellen Hand in Hand mit den Organisationen der Kriegsopfer arbeiten sollen, und daß sie durch Aufsätze in der Fach- und in der Tagespresse den erfahrungsgemäß regen Wünschen der Versorgungsberechtigten nach größerer Hnterrichtung entgegenkommen sollen.
Aus aller Welt.
Reichspräsident van Hindenburg zehn Jahre Ehrenvorsitzender des B. D. M.
2lm 22. Iuli ist der Reichspräsident v. Hindenburg zehn Jahre Ehrenvorsitzender im D. D. 21. Der Vorstand des Vereins hat aus An- laß dieses Jubiläumstages ein Schreiben an den Reichspräsidenten gerichtet, in dem er dem Reichspräsidenten nochmals seinen besonderen Dank für die Führung des Ehrenvorsitzes und für die Anteilnahme am Schicksal des Auslanddeutschtums und an der Arbeit des D. D. A. zum Ausdruck bringt.
Die Teilnehmer am Deutschen Sängerbundesfest in Wien.
Die ersten ausländischen Gäste zu dem vom 19. bis 22. Iuli in Wien ftatifmbenben deutschen Sängerbundfeste sind bereits in Wien eiuge- trosfen. Zahlreiche deutsch-amerikanische Sänger befinden sich zur Zelt auf einer Reife durch Deutschland auf dem Wege nach Wien. In der Person des Gerbereibefitzers Hermann Hase, Mitglied des Gesangvereins Liederkranz in Blankenheim, wird wahrscheinlich der älteste aktive deutsche Sänger zu begrüßen sein. Er hat schon dem ersten deutschen Sängerbundfest beigewvhnt und steht zur Zeit im 85. Lebensjahr. Er ist seit 64 Iahren Sanger. Der älteste Gesangverein, der in Wien vertreten sein wird, ist der Gesang- und Musikverein Alberndvrf im Bezirke Breslau, der seit 1776 besteht. Unter den Sängern dfe aus werter Ferne zu dem deutschen Sängerbund* - fest kommen, seien erwähnt die Vertreter des Gesangvereins Lyra aus Rio de Ianeiro. des Deutschen MännergefangvereiirS Lyra aus Sao Paulo, die dem deutschen Sängerbund Brasiliens angehören, ferner Vertreter des deutsch-texanischen Sängerbundes in TexaS. sowie des deutschen Sängerbundes inIohannis- b u r g in Südafrika.
Ankunst der deutschen IunkerSmaschine ht Kabul.
Die drei Iunkersflugzeuge, die vor einiger Zett von Berlin nach Kabul über Moskau—Teheran abgeflogen sind, sind am 10. Iuli wohlbehalten in Kabul eingetroffen. Lins dieser Flugzeuge war ein Geschenk der Reich«- regierung an den König von Afghanistan, und die beiden anderen hatte der König hier g e k a u f t. Die letzte Etappe des Fluges von Herat bis Kabul ist ohne jeden Zwischenfall verlaufen.
Tabakskollegium im <5erld)(sfaaL
Ern ungewohntes Bild bot heute der Sitzungssaal einer Schöffengerichtsabiellung im alten Kriminalgerichtsgebäude in Moabit. Der ganze Raum war in dichten Tabaks qualm gehüllt. Die Richter und Schöffen, der Protokollführer, die Angeklagten, die Zeugen, die Iustiz- wachtmeister, die Pressevertreter und die Zw- Hörer aus dem Publikum rauchten große Zigarren. Iedem, der im Saal erschien, lieh der Vorsitzende LandgerichtSdirektvr mtt der humorvollen Frage „Haben Sie schon Ihre Zigarre?"' vom Justizwachtmeister eine Z i - garrepräsentieren. Es handelte sich um einen Betrug-Prozeß, bei dem die Angeklagten verschiedene Leute durch Lieferung minderwertige Tabakfabrikate geschädigt haben sollen, während die Angeklagten nach wie vor erklärten, daß der Tabak ausgezeichnet sei. Iedenfalls endete die Zigarrenprobe damit, daß der Gerichtssaal erst eine halbe Stunde gelüftet werden muhte, ehe die Sitzung ihren Fortgang nahm.
Oie Wetterlage.
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Der hohe Lustdruck auf dem Kontinent bestimmt die Wetterlage Fast in gattz Deutschland herrscht heiteres Wetter bei hochsommerlichen Temperaturen. Wenn auch die Schvnwettrr- (age noch anhält, so gibt die kräftige Erwarmung Anlaß zu lokalen Gewitterstörungen.
Wettervoraussage für Freitag: Meist Weiteres und warmes Wetter, aufkommende lokale Gew: t ter Neigung.
Wettervoraussage für Samstag: Keine wesentliche Aenderung.
Lusttem» .roturen am 11. Juli: Mittage 27,2 Grad Celsius, abends 20,2 Grad Celsius: am 12. Iuli: morgens 18,3 Grad Celsius. Maximum 27,9 Grad Celsius. Minimum 13 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 11. Iuli. abends 25,7 Grad Celsius: am 12. Iuli: morgens 19,1 Grad Celsius. — Sonnenfcheindauer 13 H Stunden.
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