Nr. 162 Erstes Blaff
178. Jahrgang
Donnerstag, 12. Zull (928
Erich«»»» »ügU^.a-h«! Sonnlags ani tfeuriag*.
Beilagen.
(Bltfoener FamUiendlätter Heimat im Bill»
Die Scholle
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H. Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumfchein; für den Anzeigenteil Nuri HillmaNn, sämtlich in (Bieften
Die Tarispolitil der Reichsbahn.
Der Tarisertzötzungsanlrag wird aufrechtcrhaltcn.
Königsberg. 11. Juli. (WB.) Der Der- waltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft hielt in Königsberg feine Sommcrtagung ab. Die T a r i f e r h ö h u ng s f ra ge konnte in dieser Sitzung in der Hauptsache nur referierend behandelt werden, da eine endgültige Stellungnahme der neuen Reichsregierung. die erst vor einigen Tagen die parlamentarische Bestätigung erhalten hat, noch nicht vorlag. Durch die eingetrerene Verzögerung hat sich die Notwendigkeit einer Tariferhöhung noch g e - steigert, der Ausgabenbedarf ist noch gestiegen. Entgegen der Erwartung, die die frühere Regierung bei ihrer zunächst ablehnenden Einstellung hegte, ist das Anwachsen der laufenden Einnahmen im Vergleich zum Vorjahre zum Stillstand gekommen.
Die Erwerbslosigkeit.
Berlin, 11.3uIL (DB.) Der Rückgang in der Zahl der unterstützten Arbeitslosen ist in der zweiten Hälfte des Monats Iuni etwas st ä r- ker gewesen olS in den vorhergehenden 14 ■^agcTL 3n der Arbeitslosenversicherung ist die Gesamtzahl der Hauptunterftützungsempsänger in
Zeit vom 16. bis 30. 3uni von rund 626 200 nuf 610 700, i>. L um 11500 oder um 1.8 v. H.
ückgegangen. Die Entwicklung bewegt nr vUS? ^°n Wochen bei den weiblicher
"D^T^fofcn in anderer Richtung als bei den ^onnlichen. Die Zahl der männlichen Haupt- Unterstützungsempfänger ist in der Derichtszeit zurückgegangen. und zwar von 457 000 au! tv.vv' Ehrend die der Frauen von 156 200 auf 174 400 gestiegen ist.
Die Berliner Lustspionageaffare.
Ikrgebnifse der Ualersuchung gegen Ludwig.
Berlin, 11. Juli. Die Untersuchung in der Spionageaffäre bei der Deutschen Versuchsan- statt für Luftfahrt erstreckt sich jetzt, den Blattern zufolge, insbesondere auf die Tätigkeit deS RegierungSbaumeisters Ludwig in der brutschen Flugzeugindustrie vor Antritt seines Postens bei der D. V. L. in Adlershof. Es ist der Verdacht aufgetaucht, daß Ludwig, der erst im vorigen Jahre sein Regierungs- baumeistereramen gemacht haben soll, von Anfang an im Auftrage seiner russischen Hintermänner gehandelt, plan- nlästig Stellung bei den wichtigsten Werken der deutschen Flugzeugindustrie gesucht hat und dann schleunigst ttneber den Abschied nahm, wenn sein Vorhaben, sich in den Besitz gewisser Kenntnisse und Pläne zu setzen, erfolgreich d u r ch geführt war. Tatsächlich sind ihm die mit ihm arbeitenden Agenten und zeitweise auch deren Auftraggeber nach den verschiedenen Orten seiner Tätigkeit gefolgt, und in Konferenzen mit Ludwig wurden dann die Ergebnisse seiner Spionagetätigkeit entgegen- genommen und wohl auch gleich bezahlt, denn laufende Tieberweisungen an den Regierungsbaumeister über ein bestimmtes Konto haben sich bisher nicht feststellen lassen.
Auf der anderen Seite rechnet man in Kreisen der deutschen Flugzeugindustrie mit der Möglichkeit. baf) Ludwig sich auf Grund irgendwelcher früheren Beziehungen zu jenen ausländischen Stellen in Erpresserhänden befand und so immer wieder dazu getrieben wurde, feine Machenschaften bei den verschiedensten Werken und schließlich auch bei dem wichtigsten Forschungsinstitut der deutschen Luftfahrt fortzusetzen. Ludwig, der erst 27 Jahre alt ist, war erst in der ersten Hälfte des April nach Berlin gekommen. Er hatte zunächst etwa acht Tage in Grünau gewohnt und fand bann bei ber Familie eines Juristen in Schöneberg sein eigentliche- Quartier. Er hatte dort zwei Zimmer ab- aemiMet. Diplomingenieur Dr. Ludwig entstammt einer alteingesessenen Stuttgarter Be- amtenfamllie und hatte sich seit früher Jugend mit Luftfragen beschäftigt. Sine seiner Reifen führte ihn vor einigen wahren nach Mos - k a u. wo er im Dienste der deutschen Luftfahrtindustrie eine Zeitlang tätig war. Offenbar haben die Verbindungen Ludwigs zu den Sowiet- behörden ihren Tlrsprung in diesem Moskauer Aufenthalt. Die Haussuchung durch die Kriminalpolizei sand zu einer Zeit statt, als Dr. Ludwig sich in Adlershof aufhielt. Bei ber Haussuchung wurden photographische Platten und Zeichnungen beschlagnahmt, die die Polizei offenbar als Beweismaterial zu den gegen Dr. Ludwig erhobenen Beschuldigungen ansah.
Oie Sowjetbotschaft leugnet.
Berlin, 11. Juli. (WB.) Die Pressestelle der Botschaft der Sowjetunion teilt mit: Die in den heutigen Zeitungen erschienene Nachricht, daß der verhaftete Angestellte der Versuchsanstalt für Luftfahrt, der unter dem Verdacht steht, an eine fremde Macht wichtige Dokumente verkauft zu haben, i m F n t e r - esse der Sowjetunion gehandelt und mit der hiesigen Sowjet Vertretung in Verbindung gestanden hatte, entspricht nicht d e n T a t s a ch e n. Auch die durch ein Mittagsblatt verbreitete Nachricht, daß die Abberufung des früheren Militärattaches ß u n j c f f unmittelbar mit dieser Afsäre in irgendeinem Zusammenhang steht, ist falsch. Vielmehr wurde die Abberufung des Herrn Lunjesf den entsprechenden deutschen Behörden bereits Ende Februar mitgeteilt.
Oie Sieuersenkungsakiion wird im Ausschuß beraten.
Berlin, 11. Juli. (VDZ.) Der Steuerausschuß des Reichstags beschäftigte sich mit der Senkung der Einkommensteuer. Dazu liegt ein von den Sozialdemokraten, Demokraten und vom Zentrum einge- brachter Initiativantrag vor, der solgendes besagt:
Die Senkung der Einkommensteuer, die vom 1. Januar 1928 ab auf 15 o. h. bzw. zwei Mark im Monat festgelegt war, wird auf 25 v. h. bzw. drei Mark monatlich erhöht. Diefe Ermäßigung tritt am 1. Oktober in Kraft. Sie soll gelten bis zu einem Einkommen von 15 000 Mark jährlich. Daneben soll eine weitere Ermäßigung dadurch eintreten, dah bei der Steuerbercchnung Monatseinkommen auf volle fünf Mark nach unten, Wochenlöhne auf volle eine Mark nach unten abgerundet werden.
Ein kommunistischer Antrag fordert, bei allen Einkommen unter 5000 Mark 1200 Mark steuerfrei zu lassen. Reichsfinanzminister Dr. Hilfe r d i n g erklärte den kommunistischen Antrag für indiskutabel. Dieser Antrag würde einen Ausfall von 12 00 Millionen Mark bedeuten. Der Minister svrach die Hoffnung aus, daß aus den Ausschußberatungen ein Antrag hervorgehen werde, der finanziell tragbar sei, denn oberstes Gesetz sei die Erhaltung deS Glei ch g ewichts im Etat.
Abg. Dr. Becker (D. Bp.) erklärte, die Volks- Partei wollte sich der Vornahme einer Lohn- steuersenkung nicht entziehen, halte es aber für richtig, wenn die Angelegenheit im Zusammenhang mit anderen Steuerfragen im Herbst behandelt werde.
Abg. Dr. Hertz (Svz.) wies darauf hin, dah das von den Kommunisten verurteilte System des Lohnsteuerabzuyes nicht nur in kapitalistischen Staaten existiere, sondern auch m der russischen Sowjetunion.
Aus Anfrage des Abgeordneten Dr. Aischerköln (Dem.) erklärte Reichsfinanzminister Dr. fjllfcr- ding, dah die Regierung nach eingehender Prüfung die beantragte Reform der Lohnsteuer für et- traglich halte. Der Vorschlag werde da» im Etat
vorgesehene Mindestaufkommen von 1300 Millionen Reichsmark nicht gefährden. Der im Etat eingesetzte Betrag würde also in voller höhe und mit Sicherheit aufrechterhalten bleiben, während der Reichstagspause werde die finanzielle Lage des Reiche» gründlich geprüft werden, inwieweit eine Senkung der Steuern bei mittleren E i n k o m m en möglich i|(. hinsichtlich einer Senkung der sog. Real (feuern oerroie» der Minister auf da» dem Reichsrat vorliegende Sleuervereinheit- lichungsgefeh, das beim wiederzufammentrill des Reichstags oorliegen werde.
Aba. Dr. Rademacher (Dnll.) erklärte, feine Partei fei für die Steuersenkungen jederzeit zu haben, doch mühten sie auch organisch und gleichmäßig und zugunsten der am meiften betroffenen Bevölkerungskrei'e erfolgen. Aus diesem Grunde könne seine Fraktion den vorliegenden Anträgen nicht zustimmen.
Der Ministerialdirektor im preußischen Finanzministerium. Dr. H o g. teilte mit. daß die Ft- nanzminister der acht größeren Länder übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen sind, daß. so erwünscht eine Steuersenkung für die sozial bedrängten Bevöllerunysschichten sei, doch im gegenwärtigen Augenblick eine Senkung nicht mit der erforderlichen Berücksichtigung der Finanzlage von Ländern und Gemeinden erfolgen könne und deshalb als überstürzt bezeichnet werden müsse. Die Senkung gehe zu 75 Prozent auf Kosten der Länder und Gemeinden und sei deshalb unerträglich.
Staatssekretär Dr. Popih führte aus, daß die jetzt beabsichtigte Senkung nicht nur den Arbeitern. sondern auch den Angestellten zugute käme. Auch die Länder und Gemeinden hätten nur mit den ihrem Anteil entsprechenden Teilen an 1,3 Milliarden Mark zu rechnen, und dieser Betrag wäre ihnen völlig gesichert. 3a, er würde trotz der Senkung noch um eine gewisse Summe überschritten werden.
Oesterreich,WlienunddieSüdürolerZrage
Bundeskanzler Seipel erhält vom Hauptausschuß des Nationalrais
ein zustimmendes Votum
Wien, 11. 3uli. (WB.) Der Hauptausschuh des Rafionalrafcs hielt heute eine Sitzung ab, über die folgendes Lommuniqus ausgegeben wurde: Bundeskanzler Dr. Seipel erstattete einen Bericht über die Entwicklung des verhältniffes zwi- fdjen Oesterreich und Italien feit dem Februar dieses Jahres. Er gab hierauf die B o t f ch a f t e n bekannt, die feit dem Mai dieses Jahres zwischen ihm und dem italienischen Ministerpräsidenten ausgetauscht wurden. An die Ausführungen des Bundeskanzlers fchloß sich eine Debatte, an der sich Abgeordnete aller Parteien, sowie Finanzminister Kienböck beteiligten, und in die auch Bundeskanzler Dr. Seipel wiederholt eingriff. 3m Laufe der Debatte stellte der sozialdemokratische Tiroler Abgeordnete A b r a m folgenden Antrag: Der Hauptausschuh mißbilligt es, dah der Bundeskanzler die Verhandlungen mit Italien ohne Einvernehmen mit dem haupt- a u s s ch u h geführt Hal und bedauert den Mißerfolg dieser Verhandlungen, von feilen der Mehrheitsvertreter, darunter den Tiroler Abgeordneten Kolb, Straffncr und Kneußl wurde folgender Antrag gestellt: Der Hauptausschuh nimmt den Bericht des Bundeskanzlers zustimmend zur Kenntnis. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Abram abgelehnt, der Antrag der Mehrheitsvertreter mit Mehrheit a n genommen.
Mussolini über Südtirol.
Eine Frage „minderen Grades " — Es sind „nur die Gesetze durchgcsührt."
Berlin, 12.3uIL (TU.) Sin RedaktionSmit- glied des „Lok.-Anz." hatte auf seinem Runds lug durch Europa eine Unterredung mit Mussolini. Den Danziger Korridor be^ichnete Mussolini als eine in der Tat sehr ernste Angelegenheit für Deutschland, was man selbstverständlich verstehen könne. Zur Frage von Südtirol erklärte Mussolini u. a.: .Es gibt Politische Fragen allererster Ordnung und solche anderen Grades. Ein Staatsmann wie 3hr Bismarck hätte das. was Ihr hartnäckig und vergeblich als .5 üb tiroler Frage" bezeichnet, wahrscheinlich als eine solche minderen Grades betrachtet. Richk mehr als ein Dutzend Ramens- änderunaen sind vorgenommen worden. Erst vorgestern hat ein alter Dauer, der nicht Italienisch versteht, Deutsch mit mir gesprochen. 3ch will kerne Märtyrer schassen! Es sind nur dre Gesetze durchgeführt worden, die für ganz Italien gelten. Man hat die $rage von Südtirol aufgegriffen von allen Feinden ted Falzismus. Es ist nicht wahr, daß das Alto Adrge leidet, und ich will nicht, daß es leibet Aber ich lasse mir nicht von
für feine römische Politik.
den Feinden meiner Weltanschauung Schritte aus drängen und lasse mir von ihnen keine Forderungen stellen. Der Präfekt von Bolzano ist nicht der Mann, der seine Befugnisse überschreitet. Sie erhalten falsche Rachrichten. Diese Geschichten mit den Weihnachtsbäumen — welch ein Ünfinn! 3m ganzen sind zwei Männer verbannt, nicht weil sie Tiroler, sondern weil sie Antifa sz ist en waren! Einer wurde kurz darauf wieder freigelassen. 3ch gestehe 3hnen das Recht zu, 3hr Deutschtum zusammenzufassen, wie cs Ihre nationale Ausgabe erfordert. Ich würde nie hören auf Klagen von Wenden oder Polen oder anderen Dolksfplittern in Ihrem Lande. Für Italien gibt es ernstere Probleme als Südttrol, die noch unerledigt sind. Meinen Freunden will ich freiwlllig Gutes tun, aber vor Gewalt schrecke ich nicht."
©er „Manchester Guardian" über den Anschluß.
Tie einzige Lösung.
London, 11.Juli. (WTB.) In einem Leitartikel schreibt der „Manchester Guardian" zur deutsch-österreichischen Anschlußfrage. Oesterreich lebt augenblicklich von milden Gaben in Form von Anleihen durch den Völkerbund: seine gegenwärtige wirtschaftliche Struktur ist derart, dah seine Handelsbilanz unvermeidlich ungünstig ist. Es gibt eine und nur eine wirkliche Lösung, schreibt das Blatt, Anschluß an Deutschland. Da nur Frankreich und die Mächte der Kleinen Entente sich dem Anschluß widersetzen (Italien scheint weniger ablehnend zu sein als früher), so sollen s i e diese Wohltätigkeit Übernehmen, die so lange vom Völkerbund ausgeübt worden ist. Im Herzen des zivilisiertcn Europas wird ein Zu st and künstlich aufrecht erhalten, der mit Gerechtigkeit und gesunder Politik und Wtttschast im Wider- s p r u ch steht, einer unbestimmten Furcht wegen, daß Deutschland und Oesterrmch ttotz des Völlerbundes und der Völlerbundsfatzung, ttotz Locarno, vereinigt gefährlicher fein formten als nicht vereinigt. Oesterreichs Anschluß ist dadurch zu einer Angelegenheit des Völkerbundes gemacht worden. Der Völkerbund kann über Recht und älnrecht entscheiden, aber nicht über fundamentale Rechte verfügen.
Eine Entschließung der Tiroler Aationalräte.
Wien. 11. Iuli. Die Tiroler Ra
tionalräte übermittelten heute dem -Bundeskanzler Dr. Seipel die Entschließung der 298 07orbtiroler Gemeinden, in der ein Schritt ber Bundesregierung bei den europäischen Mächten zugunsten der 6 üb tiroler Deutschen verlangt wird.
Oie Vorbereitung zur Bozener Siegesfeier.
Italiener unter sich.
Innsbruck, 11. Iuli. (TU.) Die Vorbereitungen für die morgige Enthüllung des italienischen Siegesdenkmals in Bozen heben. wie gemeldet wird, in Stadt und Provinz Bozen die Italiener in die höchste Aufregung und Nervosität versetzt. Obwobl bei näherer Kenntnis des Landes das Leben des Königs Viktor Emanuel nirgends al- gesicherter angesehen werden kann, als in Südtirol — soweit es die Deutschen betrifft —, hat dock) die Furcht vor Attentaten alle italienischen Kreise ergriffen. Hunderte von bc- zahlten Agenten machen das Leben durch die fortwährende Forderung nach Au-wei-lcistung wenig angenehm. Schon in den Grenzstationen werden alle Ramen der Zureisenddn notiert. In allen Zügen und auf allen Straßen in der Rähe von Bozen wiederholt sich dasselbe Spiel. In Bozen wurden verschiedene Personen in Haft genommen, ohne daß ein ersichtlicher Grund Vortag. Es sind auch ein paar Schwachsinnige verhaftet worden. — Das morgen zu enthüllende Denkmal ist ein massiver, marmorverlleideler Betonbau von 15 Meter Höhe in Form eines römischen Triuntphbogens und wird schon seit Monaten Tag und Rächt von Kara- binieri bewacht. Runmehr sind auch auf und unter der Dalfter Drücke, welche die Zufahrt zu dem Denkmal bildet, Posten aufgestellt worden. Gestern und heute wurden alle W a s f e r h h d r a n te n und Kandelaber Straßenbeleuchtung untersucht, ob sie nicht nach Rlailänber Art geladen seien. Die Feier selbst wirb eine ausschließlich italienische Angelegenheit sein. Die Bevölkerung wird, bis auf verschwindende Ausnahmen, wo Zwang durch die Syndikate ober die Amtsbüvgenneister ausgeübt wurde, oder wie bei den in die Ballila gepreßten Kindern, die eben vor dem Antritt einer Reise nach der Adria stehen, nicht teil- nehmen und auch nicht vor dem König erscheinen.
Oer Amnestieerlaß.
Der Kompromißvorschlag der Regierungsparteien vomRcchtsausschuß angenommen.
Berlin, 12. Iuli. Bon den Sozialdemokraten, dem Zentrum, der Deutschen Dolkspartei und den Demokraten ist ein Gesehentwurs eingebracht worden, der u. a. folgendes besagt:
-Es wird Straferlaß gewährt für die beim Inkrafttreten des Gesetzes rechtskräftig erkannten und noch nicht verbüßten Strafen, die von Gerichten des Reiche« oder der Länder Wegen Straftaten verhängt wurden, die aus politischen Beweggründen begangen worden sind oder die wegen Zuwiderhandlungen gegen das Milttärstrafgesch von Militärgerichtes bis zum 1. Oktober 1920 rechtskräftig erkannt worden sind. Anhängige Verfahren werden eingestellt, wenn die Tat vor dem 1. 3anuar 1928 begangen ist, neue Verfahren werden nicht eingeleitet. Ausgeschloffen von der Straffreiheit find Landesverrat undVer- r.at militärischer Geheimnisse, wenn die Tat Sus Eigennutz begangen ist, ferner Verbrechen gegen das Leben und solche (Straftaten, zu deren Durchführung der Täter ein Verbrechen gegen das Leben begangen hat. Strafen wegen Verbrechen gegen das Leben werden gemildert. Freiheitsstrafen werden auf die Hälfte herabgesetzt' dabei tritt an die Stelle von Zuchthaus Gefängnis. Lebenslängliche Zuchthausstrafen werden in Gefängnis von 7 Iahren umgewandelt. Ist bereits ein Gnadenerweis erfolgt, so tritt die Milderung bei der im Gnadenerweis festgesetzten Strafe ein. — Der Gesetzentwurf trägt verf assungSän- dernden Charakter.
Im Rechtsausschuh deS Reichstags machte der Reichsjustizminister Koch-Weser zu dem Anttag folgende Ausführungen: Äe Reichsregierung legt den größten Wert daraus, daß diese Amnestie nicht als parteipolitische Maßnahme erscheint, sondern daß der Eindruck vertieft wird, daß diegrohe Mehrheit des Volkes dahintecfleht. Die Regierung ist nicht für häufige Amnestien. Man darf aus ber jetzigen Amnestievorlage nicht schließen, dah folche Vorlagen öfter wiederkehren werden. Die letzten Bohlen haben ergeben. daß baS neue Reich so fest gefügt ift, baß es eine solche Amnestie vertragen kann, und daß es sich empfiehlt, einen Strich unter die Vergangenheit zu ziehen. Die Anfrage nach der Tragweite des Antrages beantworte ich dahin. daß „ber politische Beweggrund" für die Amnestie maßgebend fein soll, weil nur damit eine politisch? Beruhigung eintrit!. In der Amnestie der Soldaten wollen wir nur zurückgehen bis auf die Zeit, wo die Militärjustiz aufgehört hat. Alle „Delikte aus Rot" unter die Amnestie zu stellen, ist eine juristische und praktische älTnnöglichkcit. Ich bin damit einoerftan* den. daß den Regierungen der ßänber nochmals ans Herz gelegt wird, die Verfahren wegen Delikte aus Rot nochmals nachzuprüfen und evtl. Begnadigungen eintteten zu lassen. Im großen und ganzen hat ber Entwurf der Regierungsparteien wohl das Richtige getroffen, so daß die 'Regierung ihm zustimmen kann.
Der Antrag der Regierungsparteien wurde dann unter Ablehnung aller anderen Anträge mit allen gegen die Stimmen der Bayerisch«


