lpielig. daß nur ganz wenige Sonntagskinder darin werden leben — und die Miete bezahlen formen. Ob jedoch diese vom Glück Begünstigten dann nicht doch das säst ebenso .billige" Bewohnen einer Billa im Totlage in West end vorziehen werben, ist auch nod) eine ungelöste Frage
TaS Königreich der Hunde.
— Paris.
Ein französisches Segelschiff, das von der Mo- zarnbique-Küste nordwärts fuhr, bemerkte an der Küste der unbewohnten Insel Iuan de Reva ^Westlich Madagaskar) ein leeres Rettungsboot In der Annahme, dah sich Schiffbrüchige auf dem Eiland befanden, lieh der Kapitän ein Doot losmachen und sich hinüberrudern. An der Küste war lein Mensch zu erblicken, wohl aber ein Hund, anscheinend ein großer Weiher Terrier, der dem anrubernden Boote ruhig entgegensah. Wenige Minuten später hatten sich ihm vier weitere Hunde hinzugesellt.
Ein Matrose aus dem Doot ergriff dicht vor der Küste ein Stück Holz und warf es nach den Hunden. Sofort begann der Terrier wütend zu bellen — aber nicht, wie Hunde sonst bellen, sondern mit einem Geheul, das dem wilder Wölfe glich. Auf dieses Signal hin näherten sich immer mehr Hunde dem Strande, darunter Tiere von der eigenartigsten Kreuzung. Als ihrer etwa 30 bis 40 beisammen waren, kamen sie in drohender Haltung, mit gesträubtem Haar und gefletschten Zähnen auf die von dem Boot beabsichtigte Landungsstelle zu, und da man keine Waffen mit sich genommen hatte, sahen sich der Kapitän und seine Leute gezwungen, unverrichteter Dinge zu ihrem Segelschiff zurückzukehren. Die Hunde folgten dem Boot fast bis in die Brandung, kehrten dann oufS Land zurück und zerstreuten sich dort, bis aus den Terrier, der zurückblieb und dos sich entfernende Boot bewachte. Ohne Zweifel war er der Anführer dieser vierbeinigen Inselbewohner.
In der Frühzeit der Segelschissahrt war die Insel Iuan de Reva ein beliebter Anlegeplatz, an dem sich die Schisser mit frischem Wasser, Schildkröten und Früchten versorgten. Bon Zeit zu Zeit blieben Schiffshunde auf dem Lande zurück. Aus ihnen muh die Herde entstanden sein, die heute die Insel bevölkert. Fern von den Menschen sind sie in den ursprünglichen Zustand ifjrer Rasse zurückgekehrt, und ohne die zufällige Entdeckung des französischen Segelschiffes hätde niemand von diesem einsamen Königreich
der Hunde erfahren. Unb hier fehlt nur die Feder Iack Londons. unS die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner zu schildern.
Ein Krokodil von drcihundent Zähren.
(r) Amsterdam.
Im Ausstellungsraum der großen Gerberei ,Nimrod" in Socrabaja fRiederländilch- Indien) ist die Haut eines vor einigen Wochen durch e-nen bekannten Iäger von Soerabaja geschossenen Riesenkrokodils zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt.
Es mag besonders erwähnt werden dah dieses Tier das größte Krokodil ist, das bisher jemals zur Strecke gebracht wurde. Die Länge des Tieres beträgt von der Schnauze bis zum Schwartende ein Redakteur des „Rieuwen Soerabaja Courant" hat sich aus journalistischem Berantwor- tungsgesühl selbst die Mühe gemacht, das Monstrum auszumessen. — beträgt nämlich 5,70 Meter, während das größte bisher geschossene Krokodil nur 4,95 Meter ausgcwiefen hat. Ein in Riedcrländisch-Jndien anwe ender deutscher Forscher ist im Augenblick damit beschäftigt, nach wissenschaftlicher Methode das ungefähre Alter des Tieres festzustellen. Man ist der äkeberzeu- aung, daß es einige hundert Iahre auf seinem Panzerrüden hat.
Dies Riesenkrokodil wurde im Llrwald an der Mündung des Porong-Flusses geschossen, die von jeher als ein wahres Iägerparadies gilt. Die Bestie galt den Eingeborenen als heilig und unter den Jägern war es so gut wie ausgemacht, daß man sich ihr nicht bis auf Schußweite nähern könne.
Aus Anlaß dieses seltenen Jagdglückes wird eine ähnliche verbürgte Geschichte in die Erinne- rung zurüctgerufen. Bor einigen Iahren wurde an der Mündung des Solo» Flusses von dem bekannten Krokodiljäger G uff roh ein ähnliches Ungeheuer durch einen Gewehrschuß niedergelegt. Das Tier zeigte am Halse einen eigenartigen, hervorstehenden Auswuchs, wie einen in die Haut eingeharschten Splitter beträchtlichen Umfanges. Man schnitt diese Wucherung auf und entdeckte darin völlig eingewachsen eine Speerspitze und stellte nun unter Zuhilfenahme bekannter Wissenschastler eine Untersuchung über das annähernde Alter dieser Speerspitze an. Es erwies sich daraufhin, daß das Krokodil mehr als dreihundertIahre alt gewesen sein muhte, denn die Speerspitze stammte einwandfrei noch aus der Zeit der Ostindifchen Compagnie!
Oie Wohlfahrtslast.
Von Bürgermeister Dr. Frey, Beigeordnetem der Stadt Gießen.
Die Erdrosselung der deutschen Städte und ihrer Selbstverwaltung zugunsten einer vom lebendigen Geiste des Bolles abgekapselten Zen» iralbureaukratie schreitet fort. Wie in Kalau der Bleistift zu spitzen ist, wird ist Berlin verordnet. Das bedingt eine Massenerzeugung von Gesehen und Verordnungen. Da der Versuch, das ganze öffentliche Leben in ein zentrales Schema zu pressen, naturgemäß zum Mißlingen verurteilt ist, so gefällt sich die Gesetzgebung in einem nervösen Herumtasten. Früher klagte man über daS Veralten der Gesetze. „Sie schleppen von Geschlecht sich zu Geschlechte und rucken langsam nur vom Ort." Heute das nicht weniger üble Gegenteil: Wer sich heute den Text eines sozialen Gesetzes ersteht, wird nach vier Wochen bemer
ken müssen, daß sein Buch veraltet ist. Die letzte
„'Verordnung zur Abänderung der Verordnung" ist erschienen. So entsteht jene hastige und täp-
j- Pische Dielregiererei, die seit Iahren die Geißel der Praxis ist. Gesetze machen kostet Arbeits- \ kräfte und also Geld: Gesetze durchführen kostet noch mehr Arbeitskräfte und noch mehr Geld. Besonders gilt das dann, wenn Gesetze und Verordnungen, von vornherein faule politische Kom- promißgeburten, sich als dermaßen mißlungen erweisen. daß sie zwar das Reichsgesetzblatt zieren. aber wegen ihrer Unbrauchbarkeit bald fttll in der Versenkung verschwinden. Gin großer Teil der .Wirtschaft" — selbst überzentralisiert, gern bereit, das Erbe erledigter Städte auf gewisse« Gebieten anzutreten — nimmt diese'Entwicklung beifällig auf. Die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit wundert sich dann, wo die vielen Beamten Herkommen. Sie sehe sich den Umfang der Reichsgesetzblätter der letzten Iahre an und sie wird des Rätsels Lösung sinden.
Die Schlinge um den Hals der Gemeinden ist geschickt aus drei Bestandteilen gewirkt. Der erste ist die Auferlegung des größten Teils Der inneren Kriegslasten durch die berüchtigte dritte Steuernolverordnung. Die Woh ls ah rt s last , die zu s/10 auf den Krieg zurückzuführen ist, läßt die Voranschläge der Städte gewtzltig anschwellen. Man vergleiche einmal die Voranschläge der Vorkriegszeit mit den jetzigen, indem man bei beiden die Ausgaben der Wohlfahrtspflege und dazu der sonstigen Rachkiwgsaufgaben (Wohnungsamt, Mieteinigungsamt) wegläßt' man berücksichtige ferner, daß heute 15 Mk. für das zu zahlen find, was in der Vorkriegszeit für 10 Mk. feil war, und man wird finden, daß bas, was den Städten für ihre eigentlichen Aufgaben heute zur Verfügung steht, überaus dürftig ist im Vergleich zur Vorkriegszeit. Aber die hohen Ziffern, die nun entstehen, sind so schön zu verwenden, den Städten „Verschwendung" vorzuwerfen. Daher nun der zweite Bestandteil der Schlinge, die berühmte A n l e i h e p o l i t i k des Reiches. Das dritte aber ist die Beschränkung der Steuerhoheit und die Riedrighaltung der Einkünfte, insbesondere die Entfernung der Einkommensteuer aus dem Bereiche ihres Einflusses. So sind die Städte gezwungen, diese Lasten immer wieder durch höhere Anspannung der Grundsteuer, der Gewerbesteuer und der Tarife ihrer Betriebe zu finanzieren. Und diese Lasten werden nicht geringer. Ist doch die Wohlfahrtspflege der Gemeinden gesehgeberisä) das Mädchen für alles! Tauchen auf anderen Gebieten (Tabaksteuer, Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. Aufwertung. WohnungSwirtschast) Härten und Schwierigkeiten auf, so ordnet das Gesetz ganz einfach an, daß der Bezirksfürforgeverband diese Härten auszugleichen hat, mit anderen Worten die Gemeinde hat zu bezahlen. Oktette. die an sich gut und notwendig sind, wie bas Reichsgesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, werden erlassen Aber wer den Aufwand trägt, darüber macht man sich in Berlin kein Kopfzerbrechen. Das Ende ist wie Immer so auch hier, daß die Gemeinde bezahlt. Man kann es den Gewerbetreibenden bie sich durch diese Entwicklung als diejenigen fühlen
müssen, aus deren Tasche immer wieder von neuem die Gesamtheit angehende Dinge finanziert werden sollen, nicht verdenken, wenn sie sich mit Entschiedenheit dagegen zur Wehr setzen. So ist es dahin gekommen, daß der Handwerker, der Kaufmann, früher in vorderster Linie Träger städtischen Gemeinsinnes, heute als verärgerter Kritiker abseits steht. Die leitenden Männer der Stadtverwaltung aber, gezwungen, jener Gesetzgebung Geltung zu ver- schasfen, geraten mehr und mehr in Gegensatz zu ihrer eigenen Bürgerschaft. Die Drachen- faat, die man — bewußt? — gesät hat, geht trefflich auf. Aber die Bürgerschaft sollte nicht in denen Gegner sehen, die ihre Vertrauensmänner fein sollten und sein wollen. Kein Nörgeln und Schimpfen über die Gemeindeverwaltung hilft. Es gilt, in den großen politischen Parteien des Reichstags Einfluß zu gewinnen, damit jener unseligen Entwicklung gesteuert, die Selbstverwaltung der Städte wieder hergestellt und eine gerechte Verteilung der Lasten vorgenommen werde. Die Stadtverordneten sind heute in übelster Lage. Die Bevölkerung macht sie für alle diese Dinge verantwortlich. In Wirklichkeit find es leine 20 Prozent der Geschäfte der Stadtverwaltung. in denen sie noch frei in ihrer Entschließung find. Ein Widerstand gegen die Wohlfahrtslasten insbesondere nützt ihnen nichts. Irgendwelche Einschränkungen der ohnebin kärglich bemessenen FürsorgelOstungen (Richtsatz der ilnterftüljung für ein Rentnerehepaar 70 Mk. monatlichI) würden nur die Aufsichtsbehörde auf den Plan rufen. Freiwillige, nicht unbedingt vom Gesetz vorgeschriebene Leistungen geschehen — in Gießen wenigstens — nur zugunsten unserer Kinder (Milchfrühstück, Erholungsfürsorge) und nach der Erklärung des Schularztes und der berufenen Vertreter der Lehrerschaft nur in einem Maßstabe, der eine Verringerung ohne schwere Versündigung an der Zukunft der Kinder nicht gestattet. Alle deutschen Städte tun etwas, zum Teil sehr viel, für ihre Kinder, nicht nur aus menschlichen Gründen, fondern weil sie sehr wohl wissen, daß hier gemachte Ersparnisse nur scheinbar sind und die Ausgaben später verzehnfacht auf dem Gebiete der Tuberkulose- und der Krüppelfürsorge, nun aber als ZwangSauf- gaben, wiederlehren.
Mitunter geht die Behauptung von Mund zu Mund, es würden Leute unterstützt, ober zu stark unterstützt, die dessen nicht bedürften. Gewiß ist jede menschliche Einrichtung Irrtümern unterworfen, und das städtische Wohlfahrtsamt ist weit davon entfernt, sich für unfehlbar zu halten. Um aber solche Irrtümer nach Möglichkeit auszu- schließeu. ist in der Gießener Fürsorgeordnung eine weitgehende ehrenamtliche Mitarbeit der Bürgerschaft als Wohl- sabrtspfleger. Bezirksvorsteher. in den Fürsorge- ausschüsfen und im Beschwerdeausschuß vorgesehen. Wie über vieles in der Welt, so wird man auch über die Behandlung eines Fürsorgefalles mitunter verschiedener Meinung sein können. Ein geordneter InstanAenzua ist daher vorgesehen. Aber jeder Einwohner soll lich als Mitarbeiter des Wohlfahrtsamtes betrachten, zum mindesten da. wo er Kritik an der Fürsorgearbeit zu üben wünscht. Man hört gelegentlich, dah foldbe Kritik weitgehend in dem Sinne geübt wird, es geschehe deS Guten zu viel. Was aber dem Dersasser dieser Zeilen auffällt, ist folgendes: Als Fürsorgedezernent erhält er zwar häufig Briefe und Gesuche von Menschen, die ihn da oder dort aus Rot aufmerfiam machen, der nicht oder nicht genügend abgcbolfcn werde. Man ist für solche Hm- weise dankbar und untersucht die Dinge genau. In den meisten Fällen freilich, nicht in allen, zeigt es sich, daß der mitleidige Helfer sich hat täuschen lassen. Richt in einem einzigen Falle aber ist jemals die umgekehrte Klage an den Dezernenten gerichtet worden. Rur ehrenamtliche unmittelbare Mitarbeiter haben gelegentlich solche Einwendungen übermittelt. (Bon anonymen Wischen sei
hierbei abgegeben.} Wer glaubt, daß die öffentlichen Wohlsahrtseinrichtungen von Unberufenen ausgenutzt werden, und sich kritisch dazu äußert, der hat die Pflicht, dem Leiter des Fürsorgewesens schriftlich ober noch besser münblich die Fälle mitzuteilen. die ihm dabei vorschwcben. Er wird als Helfer willkommen geheißen und sein Rame wird geheimgehalten worden, gseichviel. ob die Erörterung dieser Fälle leine Vermutung bestätigt oder entkräftet. Auf alle Fälle wird er über bat Ergebnis Rachricht bekommen
Vielfach werden endlich zur Prüfung der Angemessenheit der Wohlfahrts la st brr eigenen Stadt Vergleiche mit anderen Städten gezogen. Obwohl, wie das Sprichwort sagt, jeder Vergleich hinkt, so können solche Vergleiche in der Tat lehrreich sein. Allerdings ist dabei mancherlei zu beachten, wenn man sich nicht den Vorwurf oberflächlicher Behandlung zuziehen will. Wan kann nur Städte miteinander vergleichen, in denen bas Verhältnis der Stabt zu den GebietS- körperschasten höherer Ordnung gleichmäßig geregelt ist. Z. 2. ist ein Vergleich nicht zulässig mit Städten, wie etwa Friedberg ober Bingen, die feine eigenen Dezirksfürsorgeverbände bilden und bei denen der weitaus größte Teil der Wohlfahrtslasten in denen ihres Kreises drin steckt unb von diesem getragen wirb. Natürlich bleibt diese Last den Einwohnern jener Stabte nicht geschenkt; sie tritt in der Kreisumlage auf. erscheint aber dem flüchtigen Betrachter nicht als Wohlfahrtslast. Zu den Städten, die hierher gehören. zählen denn auch unsere Rachbarstädte Wetzlar und Marburg. Ein Vergleich mit ihnen ist daher völlig unzulässig. Ieder Vergleich überdies mit Städten eines anderen Landes kann nur unter sehr eingehenden und schwierigen Berechnungen gezogen werden. Die Länder gewähren den Städten zu den Wohlfahrtslasten gewisse Zuschüsse, die sehr verschieden sind und bei Ver
gleichen berücksichtigt werden müssen. Hier wird ein Zuschuß zur Rentnerfürsorge und zur Fürsorge für Kriegsbeschädigte und Äricgerbinter» blicbenc gegeben dort nicht. Hier wird die so- acnannte Landesfürsorgelast. die Fürsorge für Personen ohne gewöhnlichen Aufenthalt an einem bestimmten Orte, vom Lande ganz getragen. dort wirb Ne zur Hälfte auf die Gemeinden abgewälzt. Hier werden bie Kosten der Fürsorgeerziehung stark bezuschuht. dort weniger ober gar nicht. Hier werden größere ober geringere Beihilfen zur außerordentlichen Fur- sorgelast (Fürsorge für Geisteslranke. Geistesschwache. Krüppel, Blind?, Taubftumme, Epileptiker u. dgl.) gewährt, dort gar keine. Endlich ist zu beachten, daß vielfach die gesamten bedeutenden Kosten der' I u g e n d f ü r s o r g e. die das Reichsgefeh für Iugendwohlfahrt erfordert, im Voranschlag deS Wohlfahrtsamtes gar nicht enthalten sind, weil bas Iuaenbamt r-om Wohlfahrtsamt völlig getrennt ist. Das gilt besonders für große Städte. So bleibt eine einfache Der- gleichsmöglichkeit nur zwischen den Städten beS gleichen Landes. Für Gießen kann insbesondere ein Vergleich der fünf großen «Städte Aufschlüsse bieten, die sämtlich alS selbständige BezirkSsürsorgevcrbände auS ihrem Kreise her- ausgehoben find.
ES ergeben sich folgende Verhältnisse:
(Fintrobneriatil
Sti6ti^tr3u|*u6 iux .7TobIfcbrtepR.tin|<f)L b<r HugenWLderoi ft. Voranschlag 19M
Äuf bei <wf ö«r vrv>N>»roKg
Darinstadt 89 465
Offenbach 79 362
Mainz 108 537
WormS 47 015
Gießen 33 600
3167 900 35
2 958 080 37
3 944 430 36
1631560 35
892 000 26
Die Voranschläge sind mit Ausnahme des Gießener sämtlich von den Stadtvervrdeten genehmigt.
Hessischer Väckerverbandsiag in Gießen.
Der 9. Verbandstag deS Zw ei g ve r b a n ds Hessen im ZentralverbandD rutsche r Bäcker-Innungen Germania am Sonntag in Gießen nahm, wie in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz gemeldet wurde, einen harmonischen und fruchtbaren Verlauf. AIS Vertreter der Behörden wohnten Regicrungsassessor Dr. G ü n g e r i ch für die Provinzialdirektion und daS Kreisamt Gießen. Bürgermeister Dr. Frey für die Stabt Gießen, als Landtagsabgeordnete Frl. Birnbaum - Gießen (Deutsche Volkspartei). Prof.' Wer n er-Butzbach(Deutsch- nationale Dolksp.), Amtsgerichtsdirektor Keller-Gießen (Zentrum), ferner als Verirrter der Handwerkskammer Direktor Schüt t ler und Syndikus Röhr, für die Industrie-' und Handelskammer Gießen deren Präsident, Kommerzienrat Schirmer-Gießen, der 2. Vorsitzende des Germania-Verbandes ©rüber - Berlin, sowie eine Anzahl weiterer Ehrengäste der Tagung bei.
Rach zwei Begrühungschören des Gefangver- einS Kornblume-Darmstadt eröffnete der Der- bandSvorsitzend« Finger- Darmstadt den Der- bandstag mit BegrüßungSworten an die Ehrengäste und bie vielen Delegierten aus allen Teilen des Hessenlandes, ferner gedachte er, während die Versammlung sich von den Plätzen erhob, der im verflossenen Geschäftsjahr verstorbenen führenden Verbandsmitglieder. Den herzlichen Gruß der Gießener Bäcker-Innung und deren Veste Wünsche für einen erfolgreichen Verlaus der Verhandlungen übermittelte Obermeister Loeber-Gießen. 3m Auftrage des Provinzialdirektors und namens deS KreiFamts Gießen, ferner auf Wunsch der übrigen vertretenen Behörden usw. begrüßte Regierungsafsessor Dr. Güngerich -Gießen den VerbandStag und gab ihm beste Wünsche mit für seine Verhandlungen. In gleicher Weise sprachen G r ü ß e r - Berlin für den Germania-Verband, Abg. Prof. Werner für die Deutschnationale Lanbtagsfraktion, Abg. Frl. Birnbaum für die Fraktion der Deutschen Vollspartei. Qtbg. Keller für die ZentrumSsraktion im Hessischen Landtage. Obermeister Winkler-Mainz für die dortige Bäcker-Innung.
Den Geschäftsbericht für das abgelaufene Iahr erstattete der Verbandssynbllus, Rechtsanwalt Dr. M a u re r-Darmstadt. Dem Verband gehören z. Zt. 33 Innungen mit 1597 Mitgliedern an. von den Derbandsmitgliebern wurden am Schlüsse des Berichtsjahres 952 Gesellen und 737 Lehrlinge beschäftigt. Die sozialen Einrichtungen des Verbandes haben sich auch im Berichtsjahre durchaus bewährt. Mit der Entwicklung des DerbandeS kann man aufrieben fein, erforderlich ist aber weiteres festes Zusammen stehen zur Wahrung der, gemeinsamen Interessen des Bäckerhandwerks.
Anschließend folgte ein Vortrag über .Die wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bäckerei auf dem Lande", den Obermeister Feherabend-Wimpfen hielt. Das Korreferat über die Verhältnisse des Bäckergewerbes in der Stadt erstattete Obermeister Loeber- Gießen. Der erste Referent bedauerte die Festsetzung der Verkaufszeit erst ab 7 Dlhr morgens und nur bis 7 Ahr abends, bie für die Verhältnisse auf dem Lande gar nicht passe. Der zweite Vortragende üble Kritik daran, bah von einzelnen Kollegen auf dem Lande bereits viel früher alS in der Stadt mit der täglichen Arbeit begonnen werde und dieser unstatthafte Vorsprung dann zum Schaden her Stadtbäcker bei der Lieferung an Kliniken usw. bedauerlich in Erscheinung trete. Weiler wurde von beiden Rednern übet bie hohen Steuer- und Soziallasten geklagt, Stellung gegen bie Konsumvereine genommen, der Achtstundentag als nicht passend für das Bäckerhandwerk in der Stadt bezeichnet, Kritik am Submission-Wesen geübt und nachdrücklich Stellung genommen gegen eine überspannte Handhabung der Gesetze über die Arbeits- und Verkaufszeit. Ss wurde auf- geforbert, einig und fest zusammenzustehen und mit allen Kräften auf die Erfüllung der berechtigten Wünsche bes Bäckerhandwerk- hin- zuwirten. In der Aussprache wird mit Dankes- Worten an die Vortragenden deren Standpunkt von zahlreichen Rednern gebilligt.
lieber Berufs st andsprohaganda und Reklarne sprach dann Obermeister Grüßet- Berlin, vom Germania-Verband. Der Redner gab leinen Zuhörern wertvolle Fingerzeige für die Hebung ihres Geschäfts durch zweckmäßige und gefällig« Gestaltung der Schaufenster-Aus- lagen. der LadentiIch-Gestaltung. durch individuelle Behandlung der Kundschaft. Berücksichti
gung der Geschmacksrichtung bes Publikums. Dienst am Kunden usw. Die Gedanken des Redners erscheinen uns so bedeutungsvoll, baß wir empfehlen möchten, sie in ausführlicher Weis« in den Fachschriften zur Kenntnis aller An- aehörigen des Bäckergewerbes zu bringen. Wer den Ratschlägen dieses Vortragenden hinsichtlich der Berufsstandspropaganda folgt, wird u E. gut beraten fein.
Syndikus Röhr von der HandwertSkammer- Rebenstelle Dießen sprach über LehrlingS- wesen. Er stellte die große Bedeutung des Lehrlingswelens für die Zukunft bei Handwerks in gedankenreichen Darlegungen wirkungsvoll heraus und empfahl bringend, bei der Auswahl der Lehrlinge nur die qualitativ besten jungen Leute anzunehmen. Kräfte, die nach dem Fehlschlagen anderer Bemühungen die Erlernung des Handwerks nur noch als letztes Mittel ansehen, seien ungeeignet für die Sicherung einer gedeihlichen Zullinft deS Handwerks. Der Redner forderte die Vornahme bet Eignungsprüfung vor der Annahme von Lehrlingen. Weiler beschäftigte er sich mit Fragen her Berechtigung zur Annahme und Anleitung von Lehrlingen.
Lieber bie Pensionskasfe innerhalb des Zentralverbandes referierte Bäckermeister Hainz - DieteSheim. der auf Grund eingehender Nachprüfungen allen Bäckermeistern den Anschluß an diese Kasse empfahl In her Aussprache machte sich zwar auch eine gegenteilige Auffassung bemerkbar, immerhin schien aber boeb die Mehrheit deS Derbandstages sich der Ansicht des Vortragenden anzuschließen.
Die Gründung berInnungSkrankcn- taffen behandelte Herr We st haus- Wiesbaden, der die 03orteile dieser Einrichtungen innerhalb der Innungen eindringlich heraus- arbeitete und praktische Winke zur Schaffung von Innungskraickenkassen gab. Der Vortragende wies in seinem Referat auf die bisherigen zahlreichen guten Erfahrungen der Innungen mit ihren eigenen Krankenkassen hin.
Heber dringende Aufgaben der Handwerterorganisationen und Handwerkskammern sprach Obermeister Rommel-Offenbach, der sich u. a. mit der Gewerbesteuer, der Ausübung bss Handwerks, der unlauteren Konkurrenz, Steuerfragen usw. befaßte. Der Vortrag bewegte sich auf derselben geistigen Linie, tote die beiden ersten Referate des TageS, nur erhob dieser Redner in seinen Ausführungen starke Vorwürfe gegen bie Handwerkskammern. deren Direktor Schüttler bann zu einer eingehenden Llbwrhr daS Wort nahm.
Anschließend wurde die endgültige Fassung der Satzungen der llnterstutzungskafse einstimmig gulgeheißen. Der Antrag auf Erweiterung deS geschäftsführenden Vorstandes um ein Mitglied (von drei auf vier) wurde mit großer Mehrheit abgelehnt.
Die Verbandskasse schließt für das Iahr 1927 mit 22 709 Mk. Einnahmen, 18 038 Mk. Ausgaben und einem Bestand von rund 4670 Mk. ab. Die Unter st ühungskasse schließt mit einem lleberschuß von rund 12 066 Mk ab. Den Rechnern wurde einstimmig Entlastung erteilt
Der Haushaltsplan des Zweigverbanbes füt 1928 gleicht sich mit 19164 Mk. au«. Er wurde genehmigt.
Nachdem der bisherige Vorstand entlastet worden war. erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, bei bet der bisherige Derbands- vorsitzende. Finger-Darmstadt, mit überwältigender Mehrheit wieberqewählt wurde: ein Ergebnis, das lebhaften Beifall fand. Zum Rechner wurde K r ä me r - Darmstadt, zum Schriftführer O l b e r t - Darmstadt wiedergewählt. Ebenso wurde Obermeister Feherabend - Wimpfen erneut in den Vorstand gewählt.
Als Ort des nächsten Verbaubstages wurde auf Vorschlag von Obermeister Feyetabenb- Wimpfen daS freundliche Städtchen Wimpfen am Neckar bestimmt.
Oer Austtang -er Tagung.
Am Sonntagabend vereinigten sich die noch hier verbliebenen Delegierten mit den Mitgliedern der Gießener Innung und deren Freunden zu einem Gefellschaftsabendim Saale des 6afä Leib. Nach einer schwungvollen Begrüßungsansprache des Obern^isters W. Loeber erfreute der Gießener Radfahrerverein 1885 durch ausgezeichnete Darbietungen von Radfahrerreigen wahrend eine Anzahl junget Damen einen reizenden Tarureigen. der von Tanzlehrer Bäulke einstudiert war. vorführten. Tanzlehrer Bäulk« und Frl. Spieß boten sodann vortreffliche tan^ünstlerische Aufführungen.
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