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Gerichtssaal Brauch war, mit ..Herr Zeuge" an­redete:Ich bitte, mich Exzellenz zu titu­lieren, da ich, wie Ihnen bekannt ist. den hohen Posten eines MilttärgouverneurS bekleide." Sehr wohl, Se-ellenz," erwiderte Urfeto schlag­fertig,ich verlange aber, daß Sie mich bei Ihren Antworten mit Durchlaucht onreden, da mein uralter Adel dieselben Ansprüche aus Achtung hat wie Ihre hohe Stellung/'

Aach der Ermordui^ Mexander II. wurden in einem sensationellen Prozeß die Mitglieder der Verschwörung, die den Zaren um- Leben gebracht hatten, zum Tode verurteilt und -um erstenmal in der russischen Kriminalgeschichte öffentlich aus dem Marsfeld ausgehängt. Unter den Gehenkten befand sich die schöne Revolutionärin Sophie P e r o w s k a. Auch während der Regierung des letzten Zaren mangelte e- nicht an aufsehenerre­genden politischen Prc^essen, von denen der sen- sationellft« der Prozeß gegen die sog.Auf­rührer von Wibotg" war. Als im Juni 1906 auf DefHl des Zaren die Duma mit DeWalt aufgelöst toutöc, begaben sich mehrere Abgeord­nete nach der Stadt Wibora in Finnland und richteten von dort ein Manifest an das russisch« Bolt, in dem sie es zum Aufruhr gegen di« Zarenmacht aufsorderten. Als sie nach Rußland zurückkehrtrn, wurden sie verhaftet und mußten sich vor dem Obersten Gericht verantworten. Unter den Angeklagten befanden sich zahlreiche Mitglieder der Kadetten, darunter Rabockow. der Sohn de- früheren Iustizministers, eine in den liberalen Kreisen Rußlands hochangesehene Persönlichkeit, der einem Attentat eines russi­schen Emigranten in der Berliner Philharmonie vor einigen Jahren zum Opfer fiel. 5h«Wi- borger Verschwörer" wurden zu einer ziemlich milden Strafe, einer Festungshaft von sechs Mo­naten, verurteilt.

Schließlich sei noch ein überaus interessanter Fall erwähnt, von dem die Oeffentlichkeit niemals etwas erfahren hat. Ich entnehme ihn den vor einigen Jahren in Berlin in russischer Sprache erschienenen LebenSerinnerungen meines Vaters, der in diesem sensationellen Prozeß die Ver­teidigung übernommen hatte. Der preußische S!aat-a g:hörige K a s p r s ch a k , ein angesehenes Mitglied dar deutschen sozialdemkEratrschen Par­tei und Reichstagskandidat begab sich im Jahre 1904 nach Rußland, um sich dort an der revolu­tionären Propaganda zu beteiligen. In Warschau wuvdr er von den Mitgliedern der Ochrana überrascht. Als mehrere Geheimagenten inS Zimmer ftür ten, erschoß er vier von . hnen und verstümmelte in einem Anfall von Raserei die Leichen mit einem Messer. DI« Verhandlungen gegen Kafprschak begannen am 17. Juli 1905. Der Angeklagte antwortet« auf keine Frag: und murmelt« ununterbrochen:Ich heiße Meier." Der Verteidigung gelang es, daZ Gericht zu bewegen, Kasprs.-ak auf seinen Geisteszustand prüfen zu lassen. Er wurde je­doch für gesund erklärt und ein Jahr später im Hose der Warschauer Zitadellr ge­henkt.

Das hessische Gewerbesteuergesetz 1928. Bekanntlich wird seit dem Jahre 1920 in Hessen die Gewerbesteuer aus Grund de- Gemelnd umlagenaesetzeS erhobest. 1925 wurde eine Regelung dahin getroffen, daß für die Ermittlung de- Ertrag«- der Rohertrag 1 ausschlaggebend war und nur die geleisteten . Löhne in Abzug gebracht werden konnten. Da 9 dieser Zustand aber für u n h a l t b a r gehalten , wurde, hatte die Regierung bereit- im Vorjahre einen Entwurf für ein neue- Gewerbesteuer­gesetz cingebrachl, der aber damals vom Land­tag nicht verabschiedet worden war. Maßgebend für die Besteuerung nach dem neuen Gesetz ist das Gewerbekapital und der gewerb­liche Ertrag. Für beide Faktoren ist eine Ermäßigung unter gewissen Umständen vorge­sehen. Von der Gewerbesteuer sind jetzt be­freit:

a) Molkereigenos enschaften, Winzervereine und andere Vereinigungen zur Bearbeitung und Ver­wertung der selbstgewonnenen landwirtschaftlichen ober gärtnerischen Erzeugnisse der Mitglieder, unter denselben Voraussetzungen, unter denen auch der Geschäftsbetrieb de- einzelnen Mitglie­des hinsichtlich seiner selbstgewonnenen landwirt­schaftlichen oder gärtnerischen Erzeugnisse von der Gewerbesteuer befreit ist.

_ b) Unternehmungen, die nach der Satzung, Stiftung oder sonstigen Verfassung ausschließlich aemeinnützlgen oder mildtätigen Zwecken dienen.

c) Die Tätigkeit der öffentlichen oder dem öffent­lichen Verkehr dienenden Sparkassen, soweit sic sich auf die Pflege des eigentlichen Spar- kasfenverkehrs beschränken.

d) Der Betrieb von DerkehrSanstalten durch Verbände de- öffentlichen Rechts.

e) Die Ausübung «ine- amtlichen Berufes, einer künstlerischen, wissenschaftlichen, schriststelle- rischen, unterrichtenden oder erziehenden Tätig­keit. e- fei denn, daß damit der Betrieb beson- sonderer Anstalten oder Unternehmungen ver­knüpft ist.

Als Gewerbebetrieb im Sinne dieses Gesetzes gilt aber die Ausübung des Berufes der Rechtsanwälte, der Aerzte. der Tierärzte, der Zahnärzte, der staatlich geprüften Dentisten so­wie der Architekten, der Geometer, der Mark­scheider, der Heilgehilfen und Hebammen, die also steuerpflichtig sind.

Die von den Sozialdemokraten erneut gefor­derte Steuerfreiheit der Konsumvereine ist a b g e l e h n t worden. Don dem Dewerbekapital dürfen im übrigen die .Schulden" für Rohstoffe. Warenvorräte, einschließlich der in Bearbeitung befindlichen, oder bei Geldinstituten die dem Gewerbe dienenden baren Vorräte an Geld und Wertpapieren und die AktivauSstände abge­lebt werden Ueberflciat da- Gewerbekapital 500 Mark nicht, so wird hiervon keine Steuer erhoben. Maßgebend für den Ertrag ist das Kalenderjahr 1927. Ein Gewerbeertraä von we­niger als 1200 Mark wird nicht versteuert.

Das Gesetz bringt namentlich für landwirt­schaftlich« und Forstbetriebe Vergünstigungen, während die Besteuerung der freien Berufe, die gegen die Absicht der Re­gierung beschlofsen wurde, für diese Berufe und die Finanzverwaktung eine neu« Be­lastung darstellt.

Die Raumnot Der Gießener Volksschule

Wie wir in unserer Ausgabe vom Mittwoch mitteilten, hat das Gießener Stadtpar- l a m e n t einstimmig eine Vorlage der Stadt­verwaltung genehmigt, durch die unter Auf­wendung von rund 1 600 OOO MI. neue Schul- räume für die Volksschule u n D Fort­bildungsschule auf dem Wege deS AnboueS an die Gewerbeschule und die Schillerschule, so­wie eine- Schulhausneubaues in den Eichgärten geschaffen werden sollen. Ucber die Baupläne haben wir an Hand der Denkschrift der Stadt­verwaltung bereit- am Mittwoch berichtet. Rach- stehend fei noch der Begründung der Dor- läge Raum gegeben, aus der ersichtlich ist, daß die Reubauten in der Tat eine dringende Rotwendigkeit sind. In der Denkschrift der Stadtverwaltung wird darüber folgendes ausge- führt:

Schon Anfang dieses Jahrhunderts reichten die vorhandenen Volksschulgebäude zur ord­nungsmäßigen Unterbringung sämüicher Klaffen der hiesigen Volksschulen nicht mehr aus. Man suchte dem Rotstand durch Ausstellung von Döker- schen Baracken lPestalozzi- und Gortheschule) abzuhelfen: diese Baracken sind jetzt abgängig und müßten erneuert werden. Im Jahre 1907 erhielt die Volksschule dadurch ein weiteres Ge­bäude, daß ihr daS seither von der ehemaligen höheren Töchterschule in der Schillerftrah« be­nutzte Gebäude zur Verfügung gestellt wurde. Auch damit war den Raumbedürfnisirn der Volksschule noch nicht genügt. Es mußten weitere Baracken, die in Backstein ausgeführt wurden, im Hofe der Schillerstraße erstellt werden. Der Zustand dieser Baracken ist noch ein befrie­digender. Insgesamt sind 7 Baracken mit 9 Klas­sen für Schulz weck? errichtet worden: davon stehen zur Zeit noch 6 Baracken mit 8 Klassen. Es ist vom Standpunkt der Jetztzeit zu be­dauern. daß man vor dem Kriege die Raum­not der Volksschulen durch kleine Mittel be­kämpfte, anstatt Re durch Erstellung eines neuen DolkS'chulgebäudes restlos zu lösen.

Rach Beendigung des Krieges ft leg die Raum­not der Volksschulen in besonderem Maße. Es sei nur an die Einführung der Grundschule, die den Volksschulen etwa 200 Schüler jährlich mehr brachte, sowie an die ftärtere Unter­teilung des Volks schulwesens iRormalklassen, Förderllassen, Hilssllasfen und Klassen mit er­weiterten Lehrzielen) erinnert. Ganz besonders schlimm geflauten sich die Verhältnisse für die Fortbildungsschule. Dor dem Kriege bestand in der Stadt Gießen zwar eine Fortbildung-Schul­pflicht: sir galt jedoch nur für Knaben, und der Unterricht wurde in den Rachmittagsstunden ab- gehalten. Cs war daher ohne weitere Schwierig­keiten möglich, ihn in den vorhandenen Volks- schulgebäuLen zu erteilen. Anders wurde dies jedoch mit dem Inkrafttreten des Volksschul- grfetzes vom 25. Oktober 1921, das die Fort­bildungsschulpflicht für Knaben und Mädchen ein- führte und außerdem den Unterricht in die Tageszeit legte. Eine Benutzung der VollS- schulgebäude schied damit fast völlig aus. Für die neue FortbidungSschul« wurde somit die Be­schaffung eigener Räume, di« nur durch einen Reubau zufriedenstellend erfolgen kann, erfor­

derlich. Die ungünstige wirtschaftliche und fi­nanzielle Lag? der Stadt in der Inflationszeit und den folgenden Jahren verzögert? die In­angriffnahme eines ReubaueS.

Zur Beurteilung der voraussichtlichen Ent- wicklunz der Dolks'chulen fei nachstehend eint Ueber'icft über die jährliche Zahl der Geburten, der Volcschulkinder, der vorhandenen Klasien so­wie über die durchschnittliche Klassenstärke ge­geben. Bei dem Vergleich der Geburtenziffer mit der Zahl der Volksschullinder ist zu beach­ten, daß diese mit 6 Jahren durchschnittlich in die Volksschule ein treten, daß die Einheitsschule 4 Jahre dauert und daß die Volksschule mit dem 14. Jahre verlassen wird. Zuverlässige Schlüffe lassen sich aus der Geburtenziffer der einzelnen Jahre auf dir nach 6 Jahren zur Auf­nahme kommende Schüler^ahl infolge von Zu- und Wegzügen und sonstigen Umständen er­fahrungsgemäß nicht ziehen.

Jahr

S n 1

Volksschule Schüler

Vorschule Schüler

(Mejamt* zahl

jal)t öei Bollsschup- klassen

'Z Zz"<3

es

5p

1910

822

2589

374

2963

59

43,8

1911

606

2720

387

3107

61

44,6

1912

578

2789

358

3147

63

14,3

1913

598

2821

391

3212

64

44,0

1914

522

2851

384

3235

64

44,5

1915

413

2831

374

3205

51,4

1916

367

2827

395

3222

57

40,6

1917

309

2770

404

3174

53

52,3

1918

349

2696

474

3170

59

45,7

1919»)

549

2805

318

3123

60

46,8

1920

698

3003

178

3181

76

39,5

1921")

704

3046

3046

80

38,1

1922

639

2890

2890

81

35,6

1923

552

2649

2649

73

36,3

1924

576

2453

2453

66

37,2

1925

559

2385

2385

65

36,7

1926

528

2561

2561

68

37,7

1927

517

2715

2715

69

39,8

) Beginn des AbbauS der Vorschule.

) Grundschule durchgeführt.

Die Tabelle gibt zu folgenben Erwägungen Anlaß: Der außerordentlich starken Steigerung der Geburtenzahl in den Jahren 1920 und 1921 ist bald ein anhaltender Rückgang gefolgt. Es darf wohl angenommen werden, daß die Zahl sich etwa bei 500 dauernd halten wird: damit liegt die Geöurlcnzahl um etwa 100 unter be;< des Jahres 1910. Dagegen ist jedoch zu be­achten. daß durch das Bestehen der vierjährigen Grundschule mehrere Hunderte Kinder der Volks­schule zugeführt werden, die früher die Dor- fchulen besuchte.'.: dadurch tritt eine Erhöhung der Schülerzahl der Volksschulen ein. Insolgv- dessen ist z. 2. die Zahl der Schüler in 1927 mit rund 2700 etwa um 100 höher alS die in 1910 mit rund 2800. Die S.ärke der einzelnen Jahrgänge der Volksschule ist zur Zeit eine außerordentlich abweichende und abnorme: Die Kriegsjahrgänge 1914 biS 1918 sind der Zahl nach sehr schwach, während die Jahrgänge 1919

Stenographentagung in Wetzlar.

Dem Reichskurzschriftverein GabelSberger in Wetzlar war in diesem Jahre die Früh- j a h r s b e » i r k S t a g u n g de- Bezirk- Gießen t m Hesf. -Raff. Kurzschrift- verband ^GabelSberger" (Verband der Einhcitskurzschrift) übertragen worden.

Schon am Samstagmittag kam eine große An­zahl von Kurzschriftlern nach Wetzlar, um an der Unterrichtsleiterbefprechung tcil- zunehmen. Dr. Große- Marburg hatte das Referat über das ThemaD i e Anschau­ungstafeln im K u rz s ch r i f t u n t « r - richt" übernommen. An Hand von sechs großen Anschauungstaseln entwickelte er seine Ansicht über den Wert von AnschauungStafeln. Georg Wahl- Gießen hatte sich als Thema für seinen VortragDie erste Unterrichtsstunde in einem Stenographenverein" ge­wählt. An der Aussprache, die sich an beide Vorträge anschloh, beteiligten sich eine ganze Reihe von UnterrichtÄeitern. so Lehrer Freutzer - Friedberg, Alex Karnbach- Gießen, Lehrer Georg S ch r ö d e r - Metzlar, Referendar G a n s - Marburg, Kirckner- Wieseck u. a. Die Meinung der verschiedenen Redner ist dahin zusammenzufassen, daß man die AnfchauungStafeln wohl im Anfangsunterricht entbehren kann, aber nicht die lebende große Schrcibtafel. Je mehr man letztere benütze, desto besser fei es für den Schüler. Die Anschauung-- tafeln könnten für di« Fortentwicklung recht gute Dienste erweisen, müßten aber unbedingt klar und übersichtlich fein, was man an den jetzt erschienenen Anschauungstafeln zum Teil ver­miss«. Daß die Sütterlin-Schrist für die Steno­graphie vorteilhaft sei, wurde allgemein stark bezweifelt, weil ihre Zeichen schwer mit den jetzigen stenographischen in Einklang zu bringen

Die Vertreterverfammlung, die am Abend stattfand, hatte eine reichhaltige Tages­ordnung aufzuwelsen. Der erst« Vorsitzende, K. H. Kuhl-Gießen, leitete die Versammlung. Rach feinem Bericht zählt der Bezirk zur Zett 16 Vereine mit 1280 Mitgliedern. Ucberall hat sich die neue EinheitskurÄchrift eingeführt und als eine gute und brauchbare Stenographie er­wiesen, so daß die in fit gefetzten Erwartungen Watt übertroffen sind. 6r wies besonder- auf den Wert der Ee^chäftSstenographenprüfungrn an den Handelskammern hin und bedauerte, daß die Industrie- und Handelskammer in Wetzlar bis fetzt derartige Prüfungen noch nicht eingeführt habe. Große Srfvlge find mit der Reich-kurz- schritt errungen worden, und die Zeit ist nicht tnehr ferne, wo in allen Kontoren, Bureaus und Aeintern nur noch die Reichskurzfchrift ange­wandt werden wird, denn an den Schulen darf ja nut noch die Reichskurzschrift gelehrt werden, und der Jugend gehört ja bekanntlich die Zu­kunft Der Rechnet des Bezirk», Ludwig G ra­ve l i u -- Gießen, konnte über einen günstigen Stand der Kasienvechältnifs« berichten. Rachdem m längeren Debatten der geschäftliche Zeil er­ledigt und Marburg als Ort für den Herbst- be,y.rI4tag bestimmt war. blieb man noch kurz« 8eU unter den Klängen einer Kapelle beisammen.

Am Sonntagrnorgen trafen in großen Scharen die Wettschreiber ein. Diele Autowagen brachten die Kurzschriftler schnell nach der Spil- burg. Dort mußte man feststellen, daß die zum Schreiben vorgesehenen Räume bei weitem nicht ausreichten, um die Wettschreiber unterzubrin- gen. Das schöne Wetzlar und da» herrliche Frühling-Wetter hatten eine große Anziehungs­kraft auf die Stenographen au-geübt, so daß ins­gesamt 445 Personen dort ihre Kräfte im fried­lichen Wettkampfe maßen. Sine gewaltige Ar­beit hatte der Wettschreibausschuh zu leisten. Sie wickelte sich aber glatt ab. wenn auch mit einiger Verzögerung infolge der großen Anzahl der erschienenen Wettschreiber. Auch di« Cyren- vreise, welche die Vereine, die Stadt Weizlar, oie Angeste Ilten-Verbände, die Industrie und der Handel, sowie einige Gönner gestiftet hatten, waren ein gutes Zugmittel für daS überaus zahlreiche Erscheinen der Wettfchreiber.

Das Festessen fand imRiefen" statt, der kaum die Gaste taffen konnte. Während eine Führung der Fremden durch Wetzlar statthand und sich im .Schützensarten" ein gemütliches Beisammensein entwickelte, arbeiteten die Prü­fer und Werter noch angestrengt an dem Feft­stellen deS Ergebnisses über bie Wertung der 445 abpdieferten Stenogramme: sollte doch bas Ergebnis noch am gleichen Tage betanntgegeben werden. Tatsächlich brachte der Wettfchreibaus- schuß mit einer Unterstützung einer Anzahl be­geisterter Stenographen es fertig, daß oas 6t- gsbnis um 61/3 Uhr im Schühengarten bekannt- gegeben werden konnte.

2lbend- aab der Wetzlarer Reichs- tur»schriftverein zur Feier seines 3 5. Stiftungsfeste- eine Wendunterhattung mit Theateraufführung usw. im ..Schützengarten". Von Den auswärtigen Stenographen war noch eine ganze Reihe in Wetzlar geblieben, ein Zei­chen, daß e- ihnen dort gut gefiel. Der erste Vorsitzende des Wetzlarer Vereins. Adolf Mül­ler. begrüßte die Gäste und Kunstgenoffen. Er gab in kurzem Umrissen die Geschichte des Vereins, der sich au- kleinen Anfängen im har­ten Stzstemkampf behauptet und dank feiner recht­zeitigen Umstellung auf die Reichskurzschrift die Mitaliederzahl auf eine beträchtliche Höh' ge­bracht hat. Er dankte auch der Stadtverwaltung, den Firmen des Wetzlarer Handel- und der Industrie, lowie den kaufmännischen Verbänden für die gestifteten Tbrenpresie. DaS gleiche tat auch der erste BezirkSvorti-tzende. K. H. Kuhl. In einer kurzen Ansprache Die Darbietungen bei der Abenounterhallung waren so ausgezeich­net, daß alle Teilnehmer sich gerne noch der In Wetzlar verlebten Stunden erinnern werden.

(5vang.-kirchliche $raucnt>ereme OberheffenS.

De Oderhesfischen Svangelifch- Kirchlichen Frauenvereine versammel­ten sich am Dienstag im fcaft Leib zu ihrer ZrühjahrStagung. Rach dem gemein­samen Gelang von zwei Verfen des Liedes ..Sei Lob und ®or dem höchsten Gut gab Frl. Dahrendorfs al- Ge'chäits'sührer.n den Jahresbericht. Der Verband ist weiter ge­wachsen und zählt nun in 195 Vereinen 36 000

bis 1922 außergewöhnlich start find. Mit dem Jahre 1936 werden diele Unregelmäßigkeiten verschwunden 'ein.

Der Umfang dcs schon feit Jahrzehnten be­stehenden Mangels an ordnungsmäßigen Lchul- täuraen gibt bie Gewißheit, baß trotz des ein* getreuen und eines etwa noch cintreienbea weiteren Gebur enrüdgangei bei Ausführung bei vorgeschlagcnen Bauprvgramms (über daß wir in Rr. 109 desG.. Anz." vom 9. Mai lereittz berichtc en. D Red.) d:e zu erstellenden Schul* räume benötigt werden.

Im folgenden sei e.ne Uedersicht über die <,ahl der vorhander.en Klassen der Volksschulen und der Fortbildungsschulen sowie ihre Unferbrin» gung im einzelnen gegeben.

1. Volksschulen

Diese bestehen 1928 aus folgenden Klaffen: 60 Dorrnalklasien, 5 Zördcrklaf'e.n ? GtllSllasien und 3 Klassen mit erweiterten Lehrzielen asio zusammen 70. Sie sind wie folgt unlergebracht: e)Pestaloz»ifchule: 17 Klaffen im Haupt­gebäude. 6 Klaffen in der alten Alicesch 2 Klaffen in Baracken, zusammen 25 Klaffen Es fet ben-.e.ft, daß sich tm Ho e der JeftaioMi- fchule noch eine weitere Baracke befindet, in der jur Zeit eine Klaffe der Gewerbe- und Ma- fchinrnbauschule untergebrach' ist.

b} Goetheschulc: 21 Klassen im Haupt« gebaut)?, 1 Klass« In einer Baracke, 1 Klaff« int siraelitifchen Religion-hau- Lonhstraße. zu­sammen 23 Klasien.

c) Schillerschule: 18 Klasien im Haupt­gebäude, 4 Klassen in Baracken, zusammen 22 Klassen. Bemerkt fei, daß im Haup'.gebäude 19 Säle vorhanden sind, 1 Saal wird jeSod? zur Zeit von der Mädchen'ortbilbung-schule benutzt.

II. Die Fortbildungsschule

besaß im Schuljahr 1927 81 ganze und 9 halle oder 85'/. Klaffen. Dies« verteilen sich wie folgt:

a) Allgemeine Abteilung 13 Klaffen in der allen Klinik.

b) Gewerbliche Abteilung 33 Klassen. Davon sind 24 Klassen in den Behelf-bauten, 5 in der alten Gewerbeschule Afterweg, 3 in der alten Klinik und 1 Klaffe in der Gewerbe- und Mafchinenbauschule untergebracht.

c) Kaufmännisch« Abteilung 15 ganze und 4 halbe Klassen. Diese befinden sich in der alten Klinik.

d) Mädchenfortbildungsschule 20 ganze und 5 halbe Klaffen, die in 3 Kiasfenräumen und 1 Küche in der Deustadt sowie in 1 Klaffenraum in der Schillerfchule unterrid).et werben.

Hinsichtlich der Klaffenzahl der Fortbildungs- fchulen und ihre- Raumbedarf- ist Darauf hn> zuweisen, daß nickt wie bei der Bollsschule jede Klasse einen Klassenraum braucht, da Der Ain er­richt der Fortbildungsschulen wöchentlich n ir acht Stunden beträgt; hiervon bestehen kleine Abweichungen, die außer Betracht bleiben können. Daher können in einem Klassenraum jeweils fünf Klasien der Fortbildungsschulen unterge­bracht werden. Die Gesamizahl von 85'/, So.t- bildungsschulklasien erfordert demnach minDesten- 17 bis 18 Räume.

Mitglieder. Gs fanden 12 Verbandsveriamm- lungen statt, und mit Arbeitstagungen im klei­neren Kreis wurde ein verheißungsvoller An­fang gemacht: der Jahresbericht zeigt im übri­gen. wie groß noch hier die Ernte, und schließt mit der Bitte um Arbeiter in diese Ernte aus den Krevfen der Frauen. Der KafseTckericht er­gibt ein günstiges Bild.

Es folgte der Vortrag von Frau Maisch- Stuttgart über daS Thema:De r Dienst der Frau an der Gegenwart". Schon vor 1918 war die Stellung der Frau in der Welt eine ander« geworden: das kam durch die Technik: auch der lleberschuß des weiblichen Geschlechts gegenüber dem männlichen (z. B. 8 Millionen Mädchen hn heiratsfähigen Alter mehrt än­derte feine Stellung. Die Entwicklung zurück- fchraubEn zu wollen, wäre gegen Gottes Willen. Er will, daß die Frau sich in der gegenwär­tigen Krise auf ihre Aufgabe besinne. Sie darf sich nicht auf da-Ich' ihrer Familie beschrän­ken und nichtWahlmüdigkeit" an den Tag legen, wo ein Recht gegenüber dem Staat ihr kaum gegeben ist: sie muh dafür sorgen, daß christliche Persönlichkeiten in alle Parteien kom­men. Auf ge'etzlichem Wege sind Handhaben zu erstreben, daß die Frau z. B. bei Trinkern einen Teil dr- Einkommens erhält: in die'er und ähn­lichen Fragen ist ein Händereichen über all« Parteiklüfte hinweg möglich. Die allen Frauen irrnewohnende Mütterlichkeit gibt ihnen eine be­sonders starke gerne.nschaftbildende Kraft. Wahr­hafte Gewilfenhastigkeit gibt nur die Schulung am Evangelium: sie gibt auch echte Duldsamkeit. Achtung vor der lleberzeugung anderer. D c durch die verschiedenen Deftanlchauungen in der Oesfentlichfeit sich ergebenden Spannungen sind zu beachten: fo zu achten auf Kunst und Mulis. Kind und Mode. Sin seines Ohr und Au^e für das. waS in der Oeffentlichteit vvrgeht ist oft wichtiger als viel lesen und viel reden: ein macht­voller Wille aller Gewisfenhaften könnte das Hochkommen von nur auf das Diesfeits Ein­gestellten verhindern. Auch die Dollsgemein'chaft ist etwas Gottgewolltes: im Kampf gegen die Wohnun^not argen Schund und Schmutz, für di« Kinder stehen Frauen der Svangetilchen Verbände in vorderster Front. Da- Haus der deutschen Volksgemeinschaft kann nicht ohne die «0000«!:^« Frau gebaut werden; der Lhristen- glaubc muß sonnenhaft machen und die Frau vor Müdigkrit schützen. Das verarmte Deutsch­land braucht nicht die größten Sportplätze in der Zeit der Dohnung-not. auf deren Konto Diele unferer Sh-scheidunacn kommen. Die Re­ligion steht und fällt mit dem Familienleben Gesundheit deS Volkslörper- bedeutet feine Fruchtbarkeit (Geburtenrückgang!); und diese Fruchtbartctt ist polltisiche Wach:; echtes Stauen- tum und echte Wanne-würde sind nicht möglich ohne die Liebe zum Kinde. Augustin: ..Gebt mit bessere Wütter und ich will euch eine befe fetc Well geben! hat noch heute recht. Den Sonntag gilt es nicht zu verlieren, mir dann hat man den Segen deS Werktag-

Im Hamen der Versammelten sprach die Vor­sitzende. Fürstin Srbach-Schönberg, den Dank aus für den trefflichen zu Hetzen gehen­den Vortrag.

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