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ür. in Erster Blatt

178. Zahrgang

Zrettag, |». Mai 1928

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dmtf enb Derlog: vrLHI'fche Unive^sitülr v»ch- nnö Stdnbrnderet L. Lange tu Stehen. Sdfriftletting und Geschäftrstelle- 5ch«llttafte 7.

1bm|m m lijeifea ftr bie Iaqe»nummer bi» !» Aachnnkag vorher.

Preis IMr l eim höbe für HnjeiqeR ron 27 mtn Brette önllch 8. au«u><lrt» 10 Beichsp'ennlq fürHe- Mamean teigen von 70 m Breite 35 'Heid)»Pfennig Platzvorschritt 20* mehr. ffhefrebaNienr

Dr Fnedr B3db Lange, verantwortlich fürDohuli Dr jr TDilb Lange tHr {VeuiBeton Dr fy Ibgriot, für ben übrigen led «trift Blumidjein, für ben An- jeigentetl Hurt fiillmann.

Idmtüd) in Sieben.

Wendung im Colmarer Auionomistenprozeß

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Be-

der fol-

folgreich -u Ende _

einen wirklichen Beitrag -um Frieden der Welt

heutigen Sitzung gab der Staatsanwalt sende Erklärung ab- Heute beginnt der zehnte Ler- Handlungslag. Bis jeßi ift ein einziger An-

wegung neue» Blut zugeführt hat.

(Sitzungsbericht.

Tal mar, 10. Mai (WTB) Zu Beginn

französische Chauvinismus, der auch mit diesem Trou*ft wieder der autonomistischen

England und der Kelloggpaki

Chamberlain vor dem Llnterhaus.

(Siresemanns Geburtstag.

Berlin. 10 Mai. (Prio.-Tel.) Reichsauften- Minister Dr. Stresemann hat zu seinem 50. Ge­burtstage außerordentlich zahlreiche und herzlich gehaltene Glückwünsche erhalten. So hat der Herr Reichspräsident dem Minister in einem Handschreiben unter gleichzeitiger Uebersendung von Blumen seine besten Glückwünsche ausgesprochen. Reichskanzler Dr. Marx hat In einem sehr herz-

irgend einer anderen Regierung zu beraten, e- sei denn, baft wir der Ansicht sind, bah e« wünschenswert ift. die- zu tun. Aber der Zweck der amerikanischen Regierung war nicht nur, unsere Unterschrift zu erhalten C-ftr Zweck war sogar in erster Linie, bi« Unterschrift von sechs Regierungen zu erhalten, und trenn wir irgend etwas dazu beitragen können. Ein­stimmigkeit unter diesen Regierungen herbei- zusühren. so werden wir gern bereit sein, es zu tun. Lloyd George meint« schlichlich er sei sich nicht klar darüber, welche Linien Lhambir- la n versolgrn wolle. Er wisse nicht, ob Chamber- la.n Vorbehalte machen würde. DttS würde ein Fehler sein. Amerika sei daS einzig« Land in der Welt. daS im Vergleich zum Vorkriegs­stand Heer und Flotte vermehrt habe. Wenn ein solches Land eine Einladung zur Verfemung deS Kriege« ergehen lasse, so müsse dieS ange­nommen werden.

Rach reelleren Rednern fragte da» konservative Mitglied Lhacel« t, ob Groft >rilannien nicht die wenigen auf deutschem Gebiet verbliebenen britischen Truppen ablransporheren könne. Man sage jetzt gerade immer, Deutschland sei gleich- berechtigt, und heute sogar England» bester Freund in Europa. Wenn England ausländische Truppen in Kent und CornroaU sehen würde, so würde e» dem Lande gegenüber, da» diese Truppen dorth n gestellt Hal. nicht diegteichenEmpsindungen haben, al» wenn e» frei rocke.

Unterstaatssekretär für Aeufteres, Locker- Lampson, brachte bann die Debatte zum Ab- schluß. Er erklärte, er hoffe, da» Ergebnis der Be­ratungen mit den Dominions werde in einigen laaen befanntgegeben werden. ..Die Frage der britischen Truppen im Rheinland wird von der Tatsache ge­leitet, daß wir im Einklang mit Belgien und Frankreich und mit der Repara- t ion »frage handelten." Das Problem der Re­parationen sei, wie er hoffe, einer praktischen Lösung weit näher als vor einem Jahre Die britische Re­gierung verfolge die Frage der Besetzung des Rhcin- lande» sehr sorgsam, und niemand würde sich mehr freuen, als die Regierung, wenn die Rhci. 'anbbe- setzung früher?, u einem Ende käme, als man noch vor einigen Jahren für möglich hielt.

England bleibt fest.

Der Ausweisungsbefehl für CarU von Rumänien.

ß o n b o n , 10. Mai. (WB ) 9m Unterhouse te'lte der Innenminister mit, baft er von Herrn Jo­ne s c u eine Mitteilung erhalten habe, die Be­dauern im Ramen des Prinzen Carvl darüber ausspricht, baft dieser unbeabsichtigt der britischen Regierung Schwierigkeiten oer- urfad)t habe und Zusicherungen gibt, baft, wenn bas Ersuchen des britischen Innenministers, Carol möge bas Land sobald wie möglich oerlasien, zu­rückgezogen wird, er während seines Aufent­haltes in England keine politisch« Tätig- k e i t ausüben werbe. Der Innenminister fuhr fort.

geklagter verhört worden, denn bas Ver­hör des zweiten ist kaum begonnen worden. Drei­zehn Lngeklaate lind noch zu vernehmen, ferner 300 Zeugen Dreißig Anträge sind bis setzt gestellt worden. Ich habe folgende Berechnung angestellt: Der letzte Belastungszeuge kann, wenn wir weiter lo fortfahren, Ende Juni vernommen werden, dann könnte der erste Entlastungszeuge von den 250 kommen. Das würde lange Wochen oder lange Monate dauern. Dann würde die Anklagerede kom­men Ich würde mich mit zwei oder drei Stun­den begnügen. Dann kämen die Plädoyers von acht Anwälten 'unb die Erklärungen von 15 Angeklag­ten. In diesem Falle würden wir bis Herbst hier in Colmar verhandeln. Die Angeklagten üben ihr gutes Recht aus. auch die Zahl der Anträge ist nicht begrenzt. Die R chter stehen eben einer anormalen Lage gegenüber. Ich bin mir bewußt, daß ich den Beweis zu erbringen habe Ich habe keine Angst, ich werde beweisen, baft sich die An- geflagtcn dahin verständigt haben, die Regierungs­form zu ändern und die Bürger aufzufordern, sich gegen die Behörden zu bewaffnen. Meine Beweise finde ich in der Korrespondenz der Angeklagten untereinander, in ihren Aeuherungen in der vcstentlichkeit und in ben Zeugenaussagen. Man könnte schneller 3 u m Ziele kommen, näm­lich, wenn beide Parteien, die Anklage und die Verteidigung, auf das Zeugenoerhör oer-

lich gehauenen Handschreiben seine und der Reich», ngierung Glückwünsche au. gesprochen Blaut». htretär Dr. Pünder hat für d,e Reichskanzlei, deren Ches Dr Stresemann al» Reichskanzler war. Glückwünsche übermittelt und ein Blumenarrange­ment mit entsprechender Widmung überreicht Un- ter den zahllosen weiteren Glückwünschen, die b.s» her clngclaufen sind, seien erwähnt Der Re ch»- arbeitsminifter Braun», der preuft.sche Minister- Sräfiöent Braun, der prenftische Jnnenmir iter irzesinski. der preuftilche Handelsminister Dr Schreiber, der söchsiiche Ministerpräsident Heidt namen» der sächsischen Regierung, der Senat der Freien Stadt Danzig, Erz. Lewald namens de» Deutschen Reichsauvschusse» für Leibesübungen, der Verein Berliner Kauf- leute und Industrieller, der Verein Deutscher Zeitungsverleger, der Zentralverband de» Deutschen Bank- und Bankiergereerbe», die Industrie - und Handelskammer von Berlin, der Reichsverband der deutschen In- dustrie, da» Reichsbankdirektorium, der Generaldirektor der Deutschen Reich^bahnge- sellschaft, Dr.-Ing. Dorpmüller, der Präsident des Senat» der Freien und Hansastadt Ham- bürg. Der österreichische Bundespräsident Dr. Hainisch hat den österreichischen Geschskv- träger in Berlin beauftragt, dem Reich außen- minifter die Glückwünsche des Bundespräsidenten zum 50. Geburtstag persönlich zu übermittln. Bundeskanzler Dr. Seipel hat dein Reich», auftenminifter direkt seine Glückwünsche ausge­sprochen. Die Deutsche Volk» Partei hat durch eine Abordnung ihres Parieivorstandes ihrem Vorsitzenden eine Adresse überreichen lasten, in derdem weitsichtigen und tatkräftigen Staats- manne, der als Kanzler des Reiche» in dem furcht­baren Schickfalssahre 1923 die todbringenden (Be­fahren klaren Auges erkannte und sie mit rorifem Rat wie starker Hand zu meistern den Mut fand, dem erfolgreichen Auftenminifter, der dann die Ruhr befreite und die Räumung des Rheinlandes ein­leitete, dem überzeugten Vorkämpfer des ßiberalis- mus, dem bewahrten Parteiführer" die Glück­wünsche der Deutschen Dolkvpartei ausgesprochee werden.

Con bon, 10.Mai. (WTB.) DaS Unter- hauS hatte heute in Erwartung ber Erklärungen Chamberlains zum Äcllogg-jjalt bas Gepräge eineSgroßen TageS". Macdonald leitete die Debatte über den Voranschlag deS Zvreign Office ein. Dann erklärt« Sir Austen Chamberlain, die Reg erung begrüße nicht nur warm die Initiative ber Vereinigten Staa­ten, sondern habe die Ho,snuna. daß sie er-

Die französisch« Vureaukratie hat zielbewuftt av«S daraus angelegt, um daS Verfahren gegen vie elsässischen .Hochverräter". daS vor einer Doch« in 4olmar begann, zu einem Skandal- prozeft zu machen, durch den alle Qtutono- mtften gründsich kompromittiert werden sollten. DaS einzige, wo« ihr bisher aber gelungen ist. besteht lediglich darin, baft sie einen P r oze ft» fkandal provozierte, wie et In einem europäi­schen Staat immerhin selten ist, und baft die StaatSanwaltschast jetzt, nachdem ihre Anllage bereits so gut wie zu lammen geb rochen ift. -um Rückzüge blasen muft. Die Herren hatten sehr klug gerechnet. Sie hatten eS nicht gewagt, daS Dersahren vor den Wahlen durchzuführen, sie hatten sich mehr davon versprochen, wenn sie alleS in ein geheimnisvolles Dunkel hüllten und dadurch die Autonomisten gewilsermaften moralisch anrüchig machten, um ihnen die Sym­pathien zu rauben und ihre WahlauSsichten zu schmälern. Die Dirtuna tst auch da die ent- aegenaesetzte gewesen' ihrer Prelle beraubt, tm Gefängnis sitzend, ohne bi« Möglichkeit irgendeiner Wahlagitation, haben zwei der Hoch- beträtet ein Mandat erobert und konnten vor dem Gericht in ihrer neuen Würde als ..DeputeS" auftreten. Die ganze Art der Ve- handlung bet bisher doch nur Angeschuldigten hat ihnen die Sympathien ihrer Landsleute In verstärktem Maft« zu geführt, eben durch diese Methoden tst für Frankreich die Autonomie­bewegung erst recht eine politische Gefahr ge- tvorben

Und nun der Prozeh selbst. Die Staatsanwalt- schast hütete sich ängstlich, ihr eigene» Anklage- material betanntjugeoen. Sie hatte viel Papier vollschrerben lasten und verschanzte sich dahinter, baft fle «r st vor ben Richtern selbst mit ihren Beweisen für da» staatsgesährluhe Treiben der Angeschulblgten heroortreten würde. Don Tag zu Tag Hal man daraus gewartet, statt dessen oer- wickelten sich Vorsitzender, vnklagebehörde und Der- leidiger in eine stark in» Breite gehende politisch« Debatte, deren wesentliche» Ergebni» war, baft der vorsiNende, wo er Irgendwie konnte, gegen die Angeklagten entschied So reihie sich em Ina an ben andern, ohne baft wesentlich Reue» geschah, bl» Herr Poincart In Straftburg erschien und sein Schatten über da» Gericht fiel, da» plötzlich seine Taktik änderte, die Vernehmung der Ange­klagten, die ja eigentlich die Voraussetzung jeder Verhandlung bildet, abbrach und mit dem Zeugenoerhör begann, aber auch der Kron- zeuge der Staatsanwaltschaft konnte nicht viel mehr al» Gerüchte oortragen Irgendwelche Beweise feh­len immer noch. E» ist die Behauptung ausgestellt, baft die Autonomisten Elsaß - Lothringen von Frankreich losreiften wollten, und sich dafür von Deutschland Geld geben liehen. Sie selbst bestreiten da». Mit gutem Grunde, well gerade bei Ihrer Persönlichkeit und bei ihrer Vergangenheit lebe Vorliebe für Deutschlanb ausgeschlosten ift. Und jetzt kommt plötzlich der Staatsanwalt mit einem Vorschlag, ber auf eine glatte Kapitulation Srausläuft. Er hat ausgerechnet, baft bei der Fort- |ung der bisherigen Methoden das Verfahren s zum Herbst dauern würde. Er will also die Verhandlung fompromieren und in a ch t laaen zu Ende führen, pibl damit aber ^eichzeitig zu. baft er s o gut wie gar kein Material in Hänben hat. Da» ganze Verfahren war also von vornherein eine Farce. Es wird mit einer moralischen Rechtfertigung ber Hauptange­klagten enden, selbst wenn pro form* einige der nicht anwesenden, in Deutschland lebenden Ange­klagten, deren Barne wohl eigen» zu diesem Zweck auf die Liste gesetzt ist, verurteilt werden sollten. Der wahre Verurteilte bleibt aber jedenfalls der

einen Geschästsbriefumschlag der FirmaS. ft. Gesellschaft für Kapitalisierung in Straftburg", ber handschrifttich die Adresse: Fräulein Jeaane

Müllet, Burg bei Freiburg L B, trägt, vor.

Dieser noch nicht abgesandt gcwe'ene Umschlag war bei ber Haussuchung am Weihnachtsabend in der Wohnung von Häuft vorgcsunden worden. Gr enthielt einen gedruckten Bericht über ein« Rede deS kommunistischen Abgeordneten Huber In der Kammer. Häuft erflärt hierzu, er wisse nicht, wie dieser Dries in seine Wohnuna ge­kommen fei. Er hab« sich allerdings einmal fünfzehn Sparscheine von der S. Ä. Gesellschaft für Kapitalisierung kommen lassen. AuS Spar­samkeit habe er diese noch brauchbaren Um­schläge. wie er dieS mit anderen zu tun pfleg«, innerhalb seiner Druckerei weiter verwen­det. Rach Hause habe er derartige Umschläge nicht mitgenommen. Sie Adresse sei nicht von chm geschrieben, sondern vermutlich von RooS. der sich einmal einen Umschlag in seinem Bu- reau von seiner Sekretärin habe geben lassen. Die Empfängerin, Ieanne Müller sei ihm un­bekannt. Die DiSkusfton über diesen Dries nimmt den Rest der RachmittagSsiyung in Anspruch, weil der Vorsitzende die Vermutung auSspricht, baft eS eine Ieanne Müller in Burg b. Freiburg nicht gäbe, sondern baft bieS eine Deckabreffe sei unb baft ber Brief für einen Spio- nagedlenst bestimmt gewesen fei.

leisten werde Ehamberlain fragte:Ist es nicht ganz natürlich unb ber Mühe wert, baft wir unS ein wenig Zeit nehmen, um bie Beziehung der neu vorgeschla^e.ien Verpflichtung zu den be­stehenden Derp llchtunge.r, d.e wir übernommen haben, zu erwägen? Der Zweck sei. ein Doku­ment zu erhal «.i, daS alle unterzeichnen wür­den in demselben Geiste, mit demieiben Wohl­wollen und derselben Eirtschlostemheit, es ou|- rechtzuerhalten. Seiner Ansicht nach fei keine <,tit vergeudet worden. KelurggS Rede habe gezeigt, baft es vollkommen möglich sei. bie bestehenden Verpflichtungen mit der neuen Er­klärung, zu der Kellogg eingeladen hat. in Einllana zu bringen. Die englische Regierung habe ihre Prüiung des Vorschlages beendet. Ihre Bemerkungen unb Anregungen für die Antwort an bie Vereinigten Staaten be änden sich bereits auf dein Wege nach den Tom nions."

In Anbetracht der Zahl der Mächte, an die der amerikanische Vorschlag gerichtet worden fei, unb der Schwierigkeit, durch Korrespondenz diese Mächte bereitwillig und leicht in einem Ab- kommen ]u vereinigen, habe er versuchsweise angeregt, baft der weg geglättet unb etwaige Differenzen auf ein Mindestmaft bcsch'änkt wer­den könnten, wenn eine Zusammenkunft der Juristen staltfind«, bei der sie Ansichten und Argumente austauschen könnten. Aber sobald er erfahren habe, baft der Vorschlag sich einer ber in Betracht kommenden Regierungen nicht an­empfehle, habe er ihn zurückgezogen.

Ehamberlain erhärt: ..Wir werben daher die Verhandlungen durch di« gewohnten diplomati­schen Kanäle fort eyen. Sobald di« Antwort ber Dornin onS bei . er britischen Regierung ein­gegangen sein wird, tP.ft sie. bi« öri.ische Ant­wort der Regierung der Vere.nigten Staaten zu Übergelen. Ich brauche nach meinen e-n ähren­den Worten kaum zu sagen, baft unser« Arttwort dahingehend 'ein wird, baft es unser Wunsch ist, an Dem Abschluft eineS solchen Pattes, wie er' vorgeschlagen wird, mitzuwirken unb unS mit ben interessierten Regierungen an den Verhandlungen zu beteiligen, bie zu biesem Zweck erforderlich sind."

DaS Mitglied der Arbeiterpartei Renn - w ort Hy fragte fobann, England jetzt voll­kommen Ire. lei. vorausgesetzt daß die Domir-.ion- juftimmen. di rett zu verhandeln unb den Vertrag zu untcrze chnen und nicht in irgendeiner Weis« gezwungen to. beispielsweise mit Frankreich zu beraten. Hierauf erwiderte Ehamberlain: Rein. Wir sind natürlich nicht gezwungen, mit

zichten würden Ich würde mich verpflichten, keine einzige Zeile zu verlesen, die nicht in den Akten zu finden ist. wenn dieser Vorschlag nicht angenommen werden wird, würde ich Vorschlägen, nur eine gewisse Zahl von Zeugen beiderseitig oer- hören zu lassen, um schneller zum Ziele zu kommen.

Zu Beginn ber Vachmittagssitzung erklärte Rechtsanwalt Fournier, baft die Bertrlbl- guna von 250 Entlastungszeugen nur 2 8 a a f- rechterhalte unb auf bie Vernehmung ber übrigen verzichte. Rochmal» wirb jcboch ver­langt. man möge ben Angeklagten, beten verhör jetzt fortgesetzt wirb, bie Tatsachen nennen, bie ihr Erscheinen vor bem Schwurgericht wegen Komplotts gegen bie Sicherheit be» Staates not- wendig gemacht haben.

Hierauf erklärte der Vorsitzende, da- find« sich alles in ber Anklageschrift. Der Staatsanwalt erklärt, sich mit sechs DelaftungSzeugen zu be­gnügen. Dann wirb baS Verhör Schalls fort­gesetzt. Dieser erklärt, baft die Schutztruppe als solche im Februar 1927 aus gehört habe zu bestehen, daft man allerdings nach Gründung der Autonomistenpartei (25. September 1927) sie wieder zu beleben versucht habe, da neue Drohungen gegen bie Autonomisten erhoben wurden, baft sich aber auch bann nur 2530 Personen zusammengesunben hätten, zumeist bie- selben wie früher, unb baft man bann bie Schutztruppe aufgehoben unb in einen po­litischen Debattierklub umgewan- b e 11 habe. DaS Verbot ber Schuytruppe sei nicht nach bem Muster beS Stahlhelms unb des ^yikingbunbeS. besten Satzungen er nicht einmal kenne, abgefaftt worden. Dann äuftert sich Schalt auf eine Frage de« Vorsitzenden über die Gründung der Autonomisten­partei. die er zusammen mit bem in bet Schweiz besinblichen Roo« am 25 September 1927 dorgenommen habe Er habe bi« Gründung der Autonomistenpartei beschleunigt, um ein Ge­gengewicht gegen die von ihm al« verderblich erachteten politischen Bestrebungen be« Baron« Zorn Der. Bulach zu schaffen.

Menn man von einem freien Elsaß ge­sprochen habe, sei damit die moralische Freiheit, nicht die politische gemeint

Man habe ein theoretische« Höchst Programm fest­gesetzt. nämlich ein republikanisches Eisaft zu­sammen mit einer Revublik Frankreich, ähnlich wie in angelsächsischen Ländern unb ein Minbest- programm. das die Wiederaufrichdung der Ver- fastung von 1911 zum Ziele hatte. Die Der- schmclMNg der Autonomistenpartei mit ber so­genannten Oppositionspartei deS Da- ronS Zorn von Verlach. s«>i erst erfolgt, nach­dem Belach daS Programm der Autonomisten­partei angenommen hab«. AuS dem Programm führt Schall folgende Grundsätze an: Wahrung der elsoft-lothr.ngischrn Heimat-recht« durch eine SelbstverwaltungSorganisation. be ihren Sitz in Straftburg hat und all« provinzial- .politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und so­zialen Interessen diese- Lande« umfaftt. Die aroftstaallichen Interesten die wir auf Grund be« Versailler Vertrage- mit Frankreich gemeinsam haben, s-vllen nach wie vor durch Pari- ver­treten werden. D e Ziele de« ZenttalauSschustes der nationalen Minderheiten in Frankreich, fo fuhr Schall fort, sind auf da« Selb st bestim­mung-recht und aus den internationa­len söderali-mu- yerichiet gewesen. In diesem Zusammenhang betragt dec Vorsitzende den Angeklagten Schall über einen von ihm am 20. Dezember 192? geichriebenen Dries an Dr Engel in Mülheim a d. Ruh., ber bie Ver­tretung ber heutigen Minderheiten in Supen-Malmedy innerhalb de- Zen- tralauS'chuste« der nationalen Minderheiten habe. Schall erklärt hierzu, baft ein solcher Vertreter ebenso hätte -^gelassen werden können, wie auch ein Beobachter von ben Flamen abgeorbnet wor­ben fei.

Dann beginnt das verhör des Angeklagten Buchdrucker Häuft, eines Sohnes des früheren Reichslagsabgeordneten und elsässischen Canb- lagsabgcorbnelen häuft, ber vor der Schaffung des ftcimalbunbes einem Bund ftelmatlreuer Elfaft colhringer, der elroa 20 Mitglieder um­faßte, angehörte und dann später dem Helmal­bund bfitral

Er erklärte, die Grünbung der Autonomistenpartei sei erfolgt, weil innerhalb dos Heimalbundes zwei Strömungen herrschten, nämlich eine, di« ben Hei­matbund als unparteiische Organisa­tion erhalten wollte, und eine andere Richtung, ber auch Schall angehörte, die eine politische Partei wollte Auf der Gründungssitzung der Autonomistenpartri am 23. Dezember 1927 soll nun der im Ausland befindliche Vorsitzende der Autono­mistenpartei Roos, in einer Rede, nach einem Poi.zeibericht, von einem freien und unab­hängigen E 1 faft gesprochen haben. Rach einem Bericht der .Zukunft" habe Roos aber nur von einem freien Eisaft schlechthin gesprochen. Häuft betont, daß die Freiheit in moralischem, nicht aber in politischem Sinne gemeint sei Außer­dem finde sich in dem Bericht der ,r3u!unftÄ über dieselbe Rede des Roos noch eine andere Stelle, bie ein ganz anderes Bild gebe und lautete ..Wor­auf will die Autonomistenpartei hinaus'' Will sie das Elsaß von Frankreich loslölen? Die Antwort auf diese Frage ist klar. Die Autonomisten sind keine Separatisten." Dann hält ber Vorsitzende bem Angeklagten Häuft