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Nr. y Dritter Matt Metzeirer Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Mittwoch si. Januar ltz28

n« 2000

her Regie von Richard Oswald seine auffüforvng und zeigte lich als ein Film besten Qualitäten. Dah alle Feinheiten de»

will. Don diesen inneren 'reii'.ch den etwa zehn MU- die ettoa 50 000 Lichrbild- Erdenrunde« besuchen, nicht Aufgabe des nachdenklichen

Ut- von Ao-

chinesischen Wirren), kommt erft sehr spät in den Vordergrund. und bann ift da» Spiel auch schon au». Vorher aber läuft mindeste

Meter lang Episodische- au» dem Marinesol­datenleben. Kasernenhofdrill unter der Fuchtel

Wesentliche betonen Zusammenhängen ist lionen. die täglich bühnen des ganzen viel bewußt. Doch

Menschen wird es fein, der Leitenden, der Er- zieher, die geistigen 5jin!erarünbe dieser neu hcr- . aufsteigenden Kunst zu erhellen.

Dor faum*30 Jahren geboren, hat die Licht- bildbühne sich gegenwärtig die Welt erobert. Da»

eines grimmigen Sergeanten mit einem - ach 1» weichen Herzen. Humoristisch gesehen das alles und unterhaltsam, trotz der saustdicken Moral, ohne die e» bei den Amerikanern nicht geht 0« mutz alle- hübsch ordentlich ablaufen, und wenn man einen Wildling, wie in diesem Falle den Marinefreiwilligen (William Hai­nes spielt ihn vomüglich in seiner Unbeküm­mertheit» zu einem brauchbaren Soldaten schleift, bann darf das um Himmelswillen nicht tragisch fein, mutz auch gut enden, und der böse Sergeant (eine prächtige Type Lvn L h a n e y s) darf tm Grunde seines Herzen- nicht böse fein, er mutz immer nur das Beste wollen, was alles zusammen ein rührende» Gemisch ergibt, das der Reaiffeur George Hill geschickt zusammen­braut »leanor Boardmann. die Frau, um die sich da» Spiel und hie Liebe der beiden Männer dreht, bekommt am Schluß ihren tüchtig aewordenen Soldaten und der rauhbeinige, aber herzensgute Sergeant, verzichtet mit einer Träne tm Auge zugunsten de- IÜngeren und Hüb­scheren.

Metro-Gvldwyn-Maycr bringt die .(Balge n- bochzeif - französische» Mittelalter, wie e» sich die Amerikaner vorstellen. Gin blhchen naiv, dies« ganze (beschichte von dem Margui» de Bardelys. der von seinem -inde. den, Grasen Chatellerault. auS dem Weo geräumt werden soll und beinahe am Galgen endet, um im Moment der höchsten Gefahr von König Lud­wig XIII. gerettet und der Liebsten zugefuhrt zu werden. Raiv und doch durch King Didors Regie filmwirlsam zurechtgemacht. Iohn Gil­berts Marquis hat Lebendigkeit, er wirst eine Fechtszene hin. die ausgezeichnet ist. und macht so ein bißchen in Douglas Fairbank» Manier, wa» durchaus kein Schade ist. Sehr hüblch wirkt 6-leanor Boardmann, wahrend der Schurke von Graf durch Roy d'Arcy nicht unwirksam gegeben wird

3n dem neuen Reinhold Schünzel-Film der Ufa .Gustav Oll on d. du gehst so ft i11c. .** scheint e» als ob Schünzel etwas von der stet» wirksamen Stereotypie amerikanischer Ko­miker übernommen bat. der er aber einen bc-

Mlm und Volkserziehung.

Don paula Mesier»plah, Gießen.

Bor zwanzig Jahren ging man nur mit schlech­tem Gewissen ..in» Äino". Heule nennt man es »Lichtspielbühne" und wenn man auch heute noch nicht immer mit gutem künstlerischen Gewissen vor ihr sitzt, so doch schon ab und zu. Damit ist aber die Möglichkeit zugegeben, auch im Film vom Kitsch weg zur Kunst zu kommen und damit die Derpslichtung. nicht mit Achsel- zucken, sondern mit Vertiefung seines Ich- und seines Gegenstandes eine Tatsache zu einer Wert­sache zu machen.

Daß aber der Film eine überwältigende Tat- fache unserer (Scgentoart geworden ist. da» läßt sich vielleicht bedauern aber nicht leuanen. Dor allem aber soll es begriffen werden. Denn wer das Kino bl ost als eine künstliche Wache einiger großer Geschä tstüchnger ansieht, der ahnt nichts von den unterirdischen Zusammenhängen -wischen den geistigen Bewegungen. Wünschen und Energien und zwischen den Zusallsunter- nebmungen unserer Zeit

Die Filmkunst formte nur der Mensch unte­rer Zeit hervorbringen. Richt allein wegen ihrer technischen Voraussetzungen Die gan.-e Mentali­tät der Moderne war e». die sich zu dieser Vvr- ttellungsweisc zuspitzte und darum in ihr so begeistert s.ch wieder inde:. Sie Zusammenhänge mit der modernen SarftclI- und Sprechbühne lind durchsichtig: Bilder auch b:.er; mit der modernen Dichtkunst lose aneinander gereihte Worte, schlag- worlartig hingesetzl: selbst mit der modernen Ma­lerei. Plastik und Architektur, die in der äuße­ren und inneren Linie heute immer nur das

man» in der silmlschen ^Übertragung nicht zum vollen AusNang kommen, ist bei der

und dem vorwiegend Psycholo g ich en Inhalt er­klärlich Die Autoren des Drehbuch» und der Regisseur mutzten sich daraus beschränken, da» Wesentlichste herau»zunehmen. und Io entstehen zuweilen Lücken und Iprunghalte Uebergänge, die den Gesamteindruck bcctntrad)tigcn. Eine vor­zügliche Rollenbesetzung vertieftes Spiel, be­sonder» de» Hauptdarstellers lHan» Stüve), gleichen jedoch diese Mängel merkbar aus. Im allgemeinen kann man den Versuch, psychologische Achicksalsverkettungen und Erlebnisse inS Bild- pafte zu übersetzen, in diesem Filmwerk als ge­lungen bezeichnen, was in erster Linie den Darstellern zu verdanken ist. unter denen Damen wie Agne» Esterhazy. Gertrud Gysoldt. Sophie Pag ah. Ilka Grüning. Iacob Liedtke, Kurt Gerron. Siegfried Arno e. a vertreten sind

Der Parusamet-Film .Brand Im Osten", ein amerikanischer Marinesilm. was ist er nun eigentlich? Hur ein Lustspiel oder eine Propaganda für die amerikanische Flotte? Datz e» im Osten brennt, (gemeint sind die

Ser(iner$i(mpremieren

Berlin. Anfang Januar.

Der vor Iahren in der Filmpresse schon einmal ^'gekündigte Usa-Film .Dr. B e s s e l s Verwandlung nach dem Roman von Lud­wig Wolfs von Herbert 3 u 11 f e und Georg (l Klaren bearbeitet erlebte kürzlich unter

Aus her Wett des Films.

kömmlichen Schutz deutschen Gemüts beizugeben versteht. Immer ist er der gutmütige erstaunte Trottel, dem irgendein Zufall da- Glück in die Hände spielt... eben .Gustav Mond . Unb wenn auch da» Manuskript von $envi Gor - don und Friedrich Stein dte Handlung über viele verwirrende Seitenweg« führt und mit Ereignissen operiert, die nicht immer glaub­würdig erscheinen - Schünzel» belustigendes, wehmütige» Spiel versöhnt mit allen ^Wahr­

scheinlichkeiten. Der Inhalt? Gr ist beinah? nicht wiederzugeben. Gustav Mond patscht au» dem Degen in die Traufe und schließlich in die Arme der vergnügten Frieda Krause, die Käte von 71 a g b i mit erfrischender Natürlichkeit spielt Der Komiker und Regisseur Schünzel lorgt für lustige» Schwanktempo und für heitere Figuren die beiden Frechdachse Paul und Richard Kretschmar möchte man öfter» sehen! Sie bestehen mit ihrer verblüffenden Echtheit glän-

Warum kein deuischerGroieskfilm?

Don Erich Effler.

Wir sehen Im Beiprogramm wieder und wie­der amerckanische Grote-ksilme man hat uns in Berlin und auch anderswo ganze Abend- vorstellungen, bestehend aus drei oi» sechs Gin- oder Zweiaktern vorgesetzt und da» Publikum bat sich, wenn man so sagen darf, königlich amü­siert. Selbst bleienigen. Die gar seltene Gäste bes Kinos sind, die sonst überall zu nörgeln und zu mäkeln haben, haben die anderthalb Stunden amerikanische Grotesken nicht bereut.

Wohl jeder gibt zu, daß er eine solche An­häufung von Blödsinn noch nicht gesehen habe und daß er sich zwei Stunden später absolut nicht mehr auf dieHandlung" besinnen könne aber diese oder jene urkomische Szene, die blieb in der Erinnerung für lange Zeit haften und machte auf ihre Art Propaganda für wei­tere Grotesken. Und wenn man dann zu Hause sitzt oder an einem anderen Tage irgendeinen gleichgültig lassenden Film über sich ergehen lieft, bann kommt einem wohl der (Betank Weshalb machen wir Deutscke nicht solche sr^llchen Zett und Sorgen vergessen lassend« 5Urne? Weshalb lassen wir uns derartiges für unser schönes Geld aus Amerika liefern, wo doch anerkanntermaßen deutsche Arbeit, deutsche» Dchauspieltalent überall auf der Erde gewürdigt werden? Haben wir nicht Schriftsteller genug, die in Büchern und Zeitschriften ihren Geist leuchten und einen Sprüh­regen von Witzen auf uns Hemiederprasseln lassen?

Sine bedauerliche Tatsache ist, daß bei unS im allgemeinen zu wenig Wert auf da» sogenannte Beiprogramm gelegt wird. Schon die Bezeich­nung sagt, daß wir diese Filme nurnebenbei" vorgesetzt bekommen sie sollen die Zeit auS- süllen. die nach Abzug des Hauptfilme» übrig Meibt, um das Anderthalb- oder Zweistunden- prvgramm herauszubekommen. Für dieseFül­ler" will der Theaterbesitzer nicht viel Geld ous- toerfen. der Produzent unb der Verleiher an­dererseits aber sind Geschäftsleute, bi« nicht Ge­schenke machen, sondern Geld verdienen wollen und müssen. Ist keine große Einnahme mit Ge­wißheit zu erwarten, so kann aber auch kein großes Kapital in die Deiprogrammsilmc gesteckt werden. Und ohne Geld, mit bescheidensten Mit­teln. kann der genialste Regisseur nichts Beson­deres machen: ein gute» Manuskript, gute Dar­steller. geschmackvolle Ausnahmen triften eben et­was Amerika denkt da ander» geschäftlich klüger. Und der Amerikaner an sich, der gute, dumme (Jungt, der an HanSwurstiaden und gro­tesken Clownerien seinen Spatz hat, kommt mit feinem Geschmack dem Produzenten entgegen. Hier in Deutschland würde man einen Sch rist steiler beauftragen, eine Groteske zu schreiben, ein Re­gisseur holte vielleicht au» seiner humoristischen Gedankenkiste ein paar Einfälle hervor in Amerika ist ein ganzes Heer luftiger Köpfe erfinderisch tätig, um die Handlung zu bauen Stein für Stein, Idee für Idee Einfall für Einfall. Aus tausend Einfällen wählt man hun­dert au», feilt an ihnen herum, löst tedmiftbe Rätsel für ihre Verbildlichung und wenn man alle diese ..Pflastersteine", sorgfältig be­bauen. beieinander bat, dann sucht man so etwas wie geistigen Kalk, der das Fundament zufarn- menhält: den roten Fugen der Handlung, die zur Rebensach« wird. Die sich überpurzelnden Ge­schehnisse lassen ja doch nicht den Kinobesucher

später zur Besinnung. 3um Nachdenken kommen' Was kostet der ..Schaden", den der Filmtvlpatsch in so einem Film arnkfret was kosten die vor­trefflich dressierten Tiere, die Mitwirken was kostet die in einem einzigen Einakter oft zahlreich Vvrkommende Komparserie was kosten die geistigen Bäter eine- solchen kleinen Filmes, deren Hirn man durch nicht geringe Honorare anreizt, da» Letzte herzugeben? Aber es schadet nicht» der gern gesehene, frohe- Lachen verbreitende Groteskfilm verzinst da» investierte Kapital gewiß.

Ein gleicher Dersuch. eine gleiche Bewertung und Beachtung de» grotesken, des karikierenden Beiprogrammfilmes wäre auch für unS empfeh­lenswert.

Wäre e» -- wenn wir un» umstellen könnten hier ein wenig, dort ganz gewaltig. Unsere Autoren müßten in filmischem Sinne wirkliche Grotesken liefern, nicht Satiren, für die sie bis­her stets größere Reigung hatten sie müßten zündende, auch in ihrer Äaivttät zündende Titel liefern nicht Kalauer oder Witze, die fie ?gleichzeitig oder zuvor in Witzblättern veröf- entlichtcn Deren Wirkung ist nämlich gleich Rull, weil sie da» lefebungrige, deutsche Publi­kum meist kennt?

Unb bie Darsteller müßten andere fein, ganz andere neue Gesichter müßten vor.die Front! Der GroteSlbarfteller braucht im weiteren Sinne kein Schauspieler zu fein aber er muß ein durch seine Physirrnnoinie, seine Körpersprache, sein artistisches und tportlicheS Können die Masse bezaubernd^ Wesen fein, das Eigenart besitzt. Eine lebendige Dummipuppe gewissermaßen, die in» Publikum geworsen wird. Könner zu ihm sinder, unb. ehe man sie eingehend betrachten kann, wieder zurückfchnelli.

Werden wir. selbst bei gutem Willen, solche Darsteller finden? Unsere Stars sind gute Schau­spieler. unsere Komiker gute Sprecher aber bilbtoirffame Spaßmacher, die der DroteSksilm braucht, sind sie nicht. Ihnen fehlt die Be­schwingtheit, bet Rhythmus bet Groteske, ihre Arbeit ist ernst, gewissenhaft, ihr Spiel aber zu tiefgrünbig, zu crdenschwer. Vie sind wie wir selbst, und je nörblicher sie in unserem Dater- lanbe leben, jenorddeutscher" sie geboren sind, um so ungeeigneter wird sich ihrFischblut" für den Stil der Groteske erweisen. Selbst unseren ZirkuSclownS fehlt bie Leichtigkeit sieghaften Hu­mors. der allenfalls noch hier unb da in Sud­deutschland anzutreffen ist. Unb ohne einen sol­chen Humor, bet das Eis in un» selbst un» Kinobesuchern sofort und grünblid) schmelzen müßte, ist der Erfolg der deutschen Groteske un­denkbar. Gewiß mögen hier unb da in unserem Q3at erlaube körperlich und darstellerisch bzw. geistig für den GroteLksilrn prädestinierte Künstler und Genies (eben sie zu entdecken wäre eine Tat! Aber erst, wenn sie entberft und erprobt sind, wenn der Beiprogramm film bie ihm ge­bührende Achtung beim Produzenten. Theatet- besiher unb Publikum gesunden hat und wenn man hoffen darf, baß sich ein solcher Film ren­tieren würde, sollte man da» DagniS unter­nehmen. deutsche Grstesksilme. die doch auch für den Weltmarkt bestimmt fein müßten, herzustellen. BiS dahin werden wir wohl ober übel von den amerikanischen Konkurrenten unsere Lachmuskeln bearbeiten lassen müssen.

läßt Rückschlüsse zu. nicht nur auf die Eigen­schaften biefer Bildbühne, sondern av.ä) auf Eigenschaften dieser Welt, die obwohl hier al» Bielheit der Rationen verstanden doch etwas Gemeinsames von Sehnsüchtigen, Trieben und Entwickiungsniveau haben muß. um gleicher­maßen Dom Film angezoqen zu werden Es ist die» die geheimnisvolle Gemeinsamkeit des ge­meinsamen Zeitalters, die bie Bewohner acker Erdteile verbindet und bie auch im Sonderling noch den Zeitgenossen erkennen läßt. Der Mensch der Gegenwart ist Mensch der Gegensäne. darum des Radikalen unb darum bet Verein- f ach u n g. Das klingt seltsam beim Qlnblid unterer tausendarmigen Zivilisation Aber Gegen­satz ist immer zugleich Abhängigkeit, ja meist ihre selbstverständliche Folge. Sv auch hier. Ein Trachten geht heute weg vom 5rornpliz:erten In» Einfache Raturnahe, ja ins Primitive. Diesem Zug des Heute kommt der Film entgegen. Er fefjt voraus trotz seiner Reuges! a tung. ja Sublimierung der Welt eine unerhörte Der- einfochung.

Dereinsachung für die aufnehmenden Sinne, Arbeitsteilung, beim er gibt nur Schau- b a res. Filmkunst kennt bie Sprache nicht nur bie Gebärde Freilich nicht allein '".c Gebärde bes Gesichts, sondern bie des ganzen Leibe», bie uns fremb geworden, je fremder uns Leib und Körperseele wurden. So muh auch Filmkunst bas Abstrakte zurückverfolgen bi» zum An'chau- licken. Sie kann Unsichtbares nur geben, soweit es sich versichtbaren läßt. Aber ist das nicht überhaupt unser Schicksal das wir durch die Kunst eben zu mildern versuchen? Unb hat nicht jeder schon erlebt, baß nicht immer bie Sprache es war, bie ihm bas Wesentliche vermittelte?

Weiter hat der Film uns zurückerobert: bie Bewegung, ba» Glück ber Bewegung Auch dadurch zusammentressenb mit dem durch Sport geübten, liebend die Bewegung umfas entan B'.ick des modernen Menschen. Und nicht nur bie äußere Bewegung von Mensch Tier Gras. Wolle. Was er geht uns auf in ihrer Schönheit wie Riegesehenes: ber Begriff selber wirt aus bem Körperlichen weiter getragen ins Seelische. Die äußere' Dewegungg wird zur inneren Be­wegtheit, wird zum Konsllkt. Der Konflikt aber

rücktsichtbar" heran. So ergibt sich jene innigste Derbindung von Bild unb Hanblung, bie nur bem Film eignet.

Der Film gibt weiter: Dereinsachung bc» Farbigen, er kennt nur Schwarz-Weih mit wenigen, bis jetzt unlüustlerische:, Ausnahmen. Es kann ja auch nicht Ziel bes Lichtspiels sein, biefer nur optischen Welt vonbewegtem Licht im raumlosen Dunkel" möglichste Raturähnlich- leit zu leihen. Richt bie vom Auge gesehene Ratur will der bedeutsame Film eigen!I ch zeigen, sondern die vom Geist gesehene. Dte Film fünft ift die Welt des Wcglassens nach Zweck und Wert, der überhöhten Wirklichkeit, der Stili­sierung und Typisierung. eben die Welt ber Kunst.

Der Film bebautet weiter Dereinsachung im Räumlichen: er gibt nur Zweidimensio­nales Unb ber Film bewirkt eine herein- fachung unserer Ze i t b e b i n g t h e i 1: alles ist ihm Gegenwart.

Doch das Bedürfnis nach Dereinsachung geht nicht nur aus bie Form bes Sargcbotencn, sondern auch auf baffen Inhalt. Hier kann freilich ebensogut Gcbankensaulheit Ursache ber Dereinsachung sein wie bas Verlangen nach Zu- sammenprefsung ins Wesentliche. Hier zeigt sich am betulichsten, baß bas Lichtspiel genau b a 8 ist. was man aus ihm macht: entweder eine Ge­legenheit, noch mehr zu veroberslächlichen. ober abirr eine neue, ber Moderne angepahte Möglich­keit, 6ftraihmft auszubauen' in großen Linien große Zusammenhänge auszuweisen, Unai -sprech­bares in Symbole ,u fleiben. Gewiß, bie Einfach­heit bes Lichtspi"ls kann Primitivität sein. Sein Drang ins Typi'che kann zum AuSbruck jener kindlichen Raivität werden, die nur entweder ober kennt, nur gut ober böse, nur Gegensätze. Aber liegen biete Fehler wirll.ch an ben Män­geln der Filmkunst und nicht an den Mängeln der Men.'chen? Unb sollte bet Filmkunst nicht ein kindliches Stadium zugestanben werden, wo ..glücklicher Ausgang", liegende Tugend, Sen­sationen, Greuel, Erdbeben und Feuersbrünste re­gieren? Wo die Freude am frisch erworbenen technischen Können dieses zum Se.bstzweck vor- tceibt und Konslikt und Lösung ohne innere.

»end neben ber Routine chw» Iacob Liebt?«, Iusiu- Falkcnstein unb Henry Bender

Im MozarNaal läuft zur Zeit .D t« groß« Rümmer", ein amerikanischer Film. Regle führt Tfonta Bell, der lein Hanbwer? ver­steht. denn die Handlung, die nach einer Rovelle für den Film bearbeitet wurde, läuft flüfflg unb fpannend ab. bringt Momente von starker Wirk­samkeit unb gibt ben Darstellern vor allem Rorma 6b c a r e t unb O-kar Shaw gute Spielgelegenheiten. Ein kleine» Provinzmävel. bat nacb Reuyvrk kommt, um Tippmamsel zu werben, wirb ob ihrer Schönheit von einem be­rühmten Tänzer al» Partnerin für «ine Tari«tA- bfthn« engagiert unb hält sich nun prompt in übersteigertem Selbstbewuhtsein für thw .grotze Rümmer". Al» sie Ihre Kunst auf eigene Faust probieren will, geht bie Sach« schief und fk muh von Ihrer hoben Leiter derunterNetterrn Al» Tanzgirl unter vielen anderen Ist sie nur noch Rümmer, da» Große Ist au»geträumt. aber da» Schicksal meint e» gut mit Ihr. denn ihr Entdecker, ber schon längst heimlich von ihr ge­liebte. sindet sie toieber unb engagiert sie von neuem, blcfe» Mal jebvch al» Partnerin für ba» Leben.

Der Ufa-Film .Der Alte Fritz", welcher nach Aufwanb unb Ausführung zu ben beuischeu Drohsilmen zu redinen ist. enthält In seinem ersten Teil .D e r Z r I« b e" - der zweite .2u-- klang" folgt in nächster Zeit jene letzten

?. ba ber König, burch die Strapazen be­langen Kriege» gebt neben unb gealtert, nach Berlin zurückkehrt unb sich ber Aufbauarbeit an seinem Lanbe toibmet. Kann auch bleie Leistung, können auch bie Bemühungen de» König» um sein Dolk, die Diplomatie und seine Familie vom Film nicht mehr al» andeutungsweise ein- gefangen werden, so entsteht doch unter der Regie Gerhard Lamprecht» das ergreisende Menschenbild Otto Gebühr», bc» altcmben gebeugten König», dem sein Leben nur noch eine Last ist, der sich langsam von allen Freunden verlassen sieht. Immer einsamer wirb, dessen steife Finger auch die geliebte Flöte nicht mehr meistern können, ber enblich In einer ft ölen Rächt in Sanssouci sein Testament schreibt. Trotz man­cher Abschweisungen In» Anekdotische ein unge­mein reizvolle«, mit viel Liebe und taktvollem Geschick gestellte» Kulturstück, au» bem Rokoko, eine bewegende Tragödie bc« König», eben barum, well hier nichts helbisch verherrlicht, fonbem ber Alte Fritz al« Mensch gezeigt wird, mit allen großen Leiben unb kleinen Zreuben bcS McnschseinS, mit seinen wenigen guten Augenblicken unb ben vielen trüben unb melan­cholischen. in benen alle Geister beS Spottes unb ber verbissenen Dämonie au« einem einsamen Herzen bervorzucken.

Al« Abschluß eine melancholische Lustiakcit .EinFrackein Tlaaue ein Mädel' enthält alle«, wa« ba« Publikum billigerweise von einem gescllschastlichcn Unterhaitung»sllm fordern kann: Adolphe Menjou wandelt sich, al« unmanierlich von seiner jungen Frau ver­schmäht, in ben elegantesten aller Pariser Lebe­männer. ber sein Gelb burchbringt, sich in Pari« al« Zettelträger burch ein kümmerliche- Leben beißen muh unb ba« alle« mit seiner bekannten unnachahmlichen Ronchalance trägt, bl« er tounberbat sinb bie Wege alle« filmischen Ge­sche ben« I toleber in bie Arme feiner ge­liebten Frau zurücksinbet. Die Regie Luther Rceb« hat bieseS Paramountspiel mit Leichtig­keit unb Grazie zu einem guten Ende gelenkt lebhafter Beifall lohnte bie Uraufführung im Gloriapalaft. A.

Achtung: Großaufnahme!

Don Lya Maro.

.Achtung: Drohausnahme!" wenn biefe zwei Wörtchen meist mit nicht unerheblichem Stimm­aufwand ins, Atelier geschmettert werden, dann heißt da- für den Fckmschauspiclcr soviel wie etwa für den Soldaten da- Signal .Sturman­griff." Dann wird eS ernst. Womit etwa nicht sachliche Berechtigung angehesket sind? Aber ist das nicht Gesahr jeder anfangenben Kunst? Solche Veräußerlichung ist zwar für die Film­kunst eine besondere Versuchung, aber doch keine unentrinnbare.

Freilich muß im Lichtspiel mehr al« bisher vermieden werben, Veräußerlichung geradezu zu züchten. So ist das Tempo der Vorsührung in den letzten Iahren um bas Drcisachc schneller fe- worden. Das tötet jeden guten Inhalt: psycho­logischer Ausbau, innere Entwicklung verzerrt sich zur Sensation. Diese- amerikanische Tempo über­sieht. dah die zum Schluh sich steigernde Span­nung. bah die dramatische Zuspitzung nichts mit ber Schnelligkeit ber Dilbsrage zu tun hat.

Bebenlliche Oberslächlichkeit förbern auch jene Kinostücke, bie ben Durst b?s heutigen Menschen in seiner oft trostlosen LebcnSwüste mit ber Fafa morgana üppigster Feste, raffiniertester Ele­ganz und Reichtums noch weiter ausreizen. Mag der Film zum Märchenerzähler und Phantasie- befruchter werden. Aber nicht zum Erwecker von Gier und Genieherlüsten.

Hat man denn vergessen, dah Beispiel alles ist? Dah die belebte Leinwand, vor der täglich Tausende sitzen, lebendig inS Leben h!nemwirkt? Denn nicht das Gehörte. daS Gesehene ist es, das am tief ft en in die Seele sich eingtäbt und fortzeugt Wo bleiben die Künstler, die Führer, die Pädagogen? Sind sie zu vornehm, da» Kino ernstzunehmen? Wer aber schöp'erischen Geistes ift wie ber echte Lehrer unb Dilbner, ber heiht ba» Unvollkommene nicht schweigen, fonbem er lehrt e« vollkommener zu reben: ber spürt bie Sehnsüchte und Möglichkeiten he raus kommender Dinge und Menschen: der fühlt, wie der Mensch von heute sich hier eine Kunst zu formen versucht nach feinem Bilde und Gleichnisie, nach seiner Art von Rüchlemheit und nach seiner Art Liebe zum Wunder Verknüpft mit der Totalität des Daseins, hat sich in der Filmkunst ein neues Tor ausgetam das den Menfchrn des Alltags in bm Weite führen könnte. Ob es freilich Die unbe­grenzte Weite ber Oberflächlichkeit oder der Tiefe werden wird, das cnllccheiden, wie bei allen großen Dingen des Lebens, die Führenden, nicht die Geführten.