Mitgliedschaft und Franz Otto mit der goldenen Ehrennadel ausgc^chnek, Arthur Münch erhielt für 25jährigc aktive Mitgliedschaft die silberne Ehrennadel mit Diplom und wurde zum Threnmit glied ernannt, ferner wurden noch Sari f) e rf • in a n n und Gustav Sonntag mit der Ernennung zu Ehrenmitgliedern ausgezeichnet. Mit einem S)od) auf die Geehrten schloß der würdige Auszeichnungsakt. Der 2 Vorsitzende Emit Roch dankte im Nomen der gefeierten Mitglieder. Nunmehr folgten die Glucklvunfchan sprachen.
Schulrat Has finger sprach al« ‘Vertreter der Hessischen Staatsregierung und des Hessischen Sängerbundes dem Vesangpere'n ..Heiterkeit" zu feinem goldenen 3ubi(äu<n herzige Glückwünsche auS und zollte dem Verein für feine hervorragende Tätigkeit zur Pflege des deutschen MännergesangeS höchste Anerkennung. Gleichzeitig brachte der Redner im Auftrage deS Oberreg.erungsrateS Dr. Hetz-Gießen für den Kreis Gießen und die Provinz Oberhessen dem Verein herzliche Glückwünsche dar. AlL äußere« Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung des Verein« durch die hessische Staatsregieruna überreichte Schulrat H a s s i n g e r dem Jubewerein ein mit.handschriftlicher Widmung deS Staat«, bräfibenien Ade lung versehene« Bild deS Altmeister« Schubert. Der Redner wünschte dem Verein am Schluffe seiner Ansprache allzeit weitere erfolgreiche Tätigkeit zur Pflege des deutschen Liede« im Hessischen und Deutschen ©änger* bund zum Wohle von Heimat. SangeSkunst und Vaterland. Bürgermeister Dr. Seid überbrachte die Glückwünsche der Stadt Gießen und de« Oberbürgermeisters und toürbiatc dabei in herzlichen Worten der Anerkennung da« bisherige Wirken de« Verein«, dem er auch für die Zukunft eine recht gedeihliche Aufwärtsentwicklung wünschte. Die Glückwünsche und Grüße de« Lahntalsängerbun de« brachte Lehrer Gengnagel- Grünberg in beredten Worten zum Ausdruck. Weitere Beglückwünschungen wurden dcr „Heiterkeit" von folgenden GZangvcrsinen zutcil: ‘Bauer- scher Gesangverein Gießen, der ber Jubsiarin einen goldenen Lvrbeerkranz für die Fahne überreichen lieh, Gesangverein „Liederkranz". Gesangverein „Concordia -Dießen. der einen Pokal mitbrachte. ferner noch Gießener Freiwillige Feuer- wehr. 6ängert>erei nigung Lollar. Kasseler
Sängerkranz Wehend. Liedertafel Marburg. Verein ehemaliger 116er, Sängerkranz Grnn- berg, Amicitia Gießen. Kavallerie-Verein Gießen. OrtSgewerbeverein Dießen. Frohsinn Londorf. Frohsinn Gießen, Liederkranz Dillenburg. Männergesangverein Wetzlar, Männergesangverein Kirchhain, Frohsinn Langgöns. Liederkranz Weilburg. Zahlreiche Fahnennagel für die neue Samte, Pokale. Diplome und Bilder waren die äußeren. Zeichen der Anerkennung und sangeSbrüderlichen Verbundenheit, die von den Gratulanten dem Verein „Heiterkeit" bezeugt wurden. Die Freiwillige Gailsche Feuerwehr
Gießen hat dem Verein ein große« Chorwerk gestiftet. Der weitere Verlauf de« Abend«
brachte eine lange Reihe von Gesangsvorträgen zahlreicher Gastvereine au« Gießen und der ilmgegeni). Die Darbietungen dieser Vereine würben von der aufmerksam lauschenden Menge mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Gießener Turnerschaft half durch Turnerinnen und Turner mit exakten und eindrucksvollen turnerischen Darbietungen den Abend bereichern. Der Radfahrverein 1 885 trug durch reizvolle« Reigenfahren gleichfalls zur wirkungsvollen Verschönerung der Stunden wesentlich bei. Die Kap elle Weller zeigte sich in der Erledigung ihrer musikalischen. Ausgabe eifrig am Werk. Daß allen Mitwirken den wohlverdienter Verfall gezollt wurhe. war bei der Vortrefflichkeit des Gebotenen selbstverständlich Die Veranstaltung fand erst Ftoeit in den frühen Morgen hinein ihnen Abschluß.
Gestern nachmittag um 2 Uhr bewegte sich ein imposanter
Zestzug durch die Straßen der Stadt. Vom Oswalds- garten aus, wo der Zug ausgestellt wurde, ging
3m Postauto über den Lovtschen.
Don Victor Klages.
Die Stadt Kotor — die man wirklich nicht mehr Cattaro nennen sollte, denn hier spricht alle« Kroatisch, und welche Veranlassung haben wir, einer kroatischen Stadt einen italienischen Hamen zu geben? — diese« Kotor ist der malerischste Punkt an der dalmatinischen Küste, nicht mir im Großen gesehen, im weiten Rahmen der Vvka, sondern auch die Stadt, da« kleine, an« Lovtschen- massiv geklebte Wrnkelnest Da ich eS durchaus mit Schel muff Skt) halte, der da sagt: „65 hat mancher kaum eine Stadt oder Land nennen hören, so seht er sich strack- hin und macht eine Reisebelchreibimg zehn Esten lang davon her." kann e« mir nicht einfallen, au« einem dreitägigen Aufenthalt in Kotor eine besinnliche und belehrende Abhandlung für deutsche Leser zu machen, ich steste mir fest, daß dieses, für meine Augen, der malerischste Punkt der dalmatinischen Küste ist, und ich bitte gern noch an dem Orte verweilt, wenn nicht der große Pafsagierdampfer mit dem Unioit Zack an der Stange gekommen wäre, der verschiedene Wagenladungen Postkarten kaufender Angelsachsen au-spie. Kotor, da« absolut kroatische Kotor, war innerhalb einer Atempause englisch geworden Ich kann so was. wie man in meiner Heimat sagt, in den Tod nicht vertragen, wobei e* mir gleichgültig ist, ob Engländer, Franzosen. Siainesen oder Perleberger die Landschaft verfälschen. Vor der Porta Fiu- mera steht das Postauto da« jeden Tag zweimal über den Lovtschen fährt: morgen« von Cetinje nach Kotor, mittag« zurück nach der ehemaligen Hauptstadt des entschlafenen Rikita, und für 44 Dinar erhält man ein Billett E« wird auf dem Kotflügel des Auto« ausgeschrieben. Zwölf schlägt'« vom Ubrturm am Marktplatz Roch etne halbe Stunde Zeit. Wohin ? Wohin? Ganz Kotor wälzt den Muret-Sanders
(sch sitze Der Wayen ist beinah not!. Reben mir eine montenegrinische Bäuerin, auf der hinteren. arg zerfressenen Polfterbank ein paar Bauern mit dem topischen Käppi, vorn beim Chauffeur und mir gegenüber Soldaten mit Knarre und Patronengurt Drei Plätze sind noch frei, und um diese Plätze erhebt sich draußen lebhafter Disput. Zwei Belgrader Damen und ein Herr wollen ihr Schosthundchen mit in den Wagen nehmen, die hohe Oberleitung aber das ist der Mann in dem braunen Anzug, der mir da« Bftlett auf dem Kotflügel ausgeschrieben hat - opponiert energisch, denn die 'Mitreisenden meint er, lönnten von dem Tier belästigt werden
er durch tre Reustadf. Bahnhofstraße. Westanlage. dm S:ltrrSweg. d e Sonnenstrabc Reuen Baue. Gartenstraße, Ke 'erallee. Licher Straße. Veorg-Phsiipp-Gailstraße und Kasierallee nach der Volkshalle. Am Festzug beteiligten sich etwa 40 Vereine mit ihren Fahnen 3n allen Straßen, die der Zug passierte, stand eine Menge Zu- schauer, die die vorbriziehenden Vereine, die zumeist flotte Warfchl'eder langen, lebhaft begrüßte. An dcr Ecke der Landmannftroße erlebte man während de« Vorbei viar'che« einen erhebenden Moment Dort erwartete einer dcr Gründer de« Vereins ..Heiterkeit", der fast 80jährige Schuhmachermester .Heinrich Seidewand, die Ankunft de« Zuge«. Wegen le:ne« hohen Alter« konnte er sich am Fest selbst nicht beteiligen, den Festzug und ferne alten Sangesbrüder wollte er aber gern noch einmal sehen. Sein alter Verein, die .Heiterkeit", bereitete seinem Veteranen und ehemaligen Vorsitzenden in spontaner Weise eine sinnige Hulbiaung.
Zn der VollShallc. die vis auf den letzten Platz gefüllt war. fand gegen 4 Uhr die
Weihe der neuen Zahne des Vereins „Heiterkeit"
statt. Der mächtige, über 100 Sänger starke Thor der „Heiterkeit" fang unter der Leitung seine« Ehormeister« Schättler als Einleitung die ..Weihe de« Gesanges" von Mozart. Rach- dem der prachtvoll vorge trage ne Thor verklungen war und der starke Beifall fich gelegt hatte, ergriff Schulrat Hafsinger «Darmstadt» da« Wort zu feiner Weiherede. Tr führte u. a au«: Die ernste Stunde, zu der wir uns zusammengefunden haben, läßt unsere Herzen zusammen schlagen in einem mächtigen Gefühl für unser Volk und unser Vaterland. Unsere Gedanken geben in diesen Lagen über die Grenzen unsere« Lande« hinaus nach Gms. und wir verfolgen mit banger Sorge ine Beratungen, die dort über die Befreiung des deutschen Vaterlandes von den Fesieln der Vesatziing gepflogen werden sollen. Wir mochten laut hinauSrüffeu Das deutsche Voll ist ebenso wertvoll wie alle die anderen Völler da draußen, es hat dasselbe Recht auf Freiheit wie sie! Wir wollen uns aber auch an das Dichterwvrt erinnern, das un« sagt. daB nur der die Freiheit nerbient. der selbst innerlich frei ist. Jeder muß sich klar darüber sein, daß er mitzuwirken hat an dem Wiederaufbau unsere« Vaterlandes. Richt nur in solch festlichen Stunden, sondern auch im Getriebe de« Alltags müssen wir uns. ohne Rücksicht auf Stand und Person, al« Vrüder und Schwestern fühlen und bewähren. Wenn eine solche 50-Iahr- feier nicht das Feuer des Opfersinn« und ber Hingabe an ba« ®anac auszulösen vermag, hat sie feinen inneren Wert. Wenn der Gesangverein „Heiterkeit" heute sich anschickt, seinem alten Symbol, bem man bie Stürme der Jahre ansieht, ein neue« hinzuzufügen, so wollen wir ben Ernst ber Stunbe begreifen, denn uns ist die Jahne lein Fetzen Tuch, sondern ein Symbol ber Treue. So weihe ich denn die Fahne ihrem heiligen Berus. Möge sie alle, die hinter ihr herschreiten, begeistern, ihre Kräfte einzu- setzen für Heimat, Sangesfun st und Vater land, möge sie sein und bleiben ein Symbol ber Einigkeit, de« Recht« und ber Freiheit. (Starker Beifall.)
Fräulein Liesel Amend trug hierauf In sehr ansprechender Weise ben Prolog vor und Frau Schwender überreichte in wirkungsvoll vorgetragener. gebundener Rebe die schmucke Fahne dem Dorsitzenben der „Heiterleit". Heinrich Weber. Er übernahm die Fahne mit herzlichen Worten des Danke« an die Stifterinnen und mit dein Gelöbnis, sie heilig zu halten in guten und in schweren Tagen. Au« der Hand be« Vorsitzenden übernahm der Fahnenträger. A. Schneider, die Fahne' er versprach, sie zu tragen zur Ehre be« deutschen Liebe« unb be« deutschen Vaterlandes. Den Schluß des sehr feierlichen Weiheaktes bildete der formvollendete und sehr beifällig aufgenommene Vortrag des Chors „Sa« deutsche Lied" durch ben Gesangverein „Heiterkeit".
Run ist dieser Hiind kaum großer als eine Zigarrenti ste, außerdem sind die Mitreisenden wahrscheinlich nicht so empfindlich, von mit weiß ich « gewiß, und es kommt denn auch so, wie es kommen muß: dem Hunde wirb ba« Einsteigen gestattet, die echauffierte, sehr wohlbeleibte Besitzerin klettert mit dem Famllienanhang Irium- phievend in den Wagon, unb übrig bleibt nur eine Verspätung von 20 Minuten.
Diese Verspätung genügt, bah die Postkarten kaufenden Angelsachsen sich sämtlicher Privatautos bemächtigen unb den Berg erstürmen, sie wollen auch einen look nach Cetinje werfen. Der schwere Venz-Postwagen fährt vier Stunden In ber dritten Stunde kommen uns bie Angelsachsen, auf flammenden Rädern laufend, in den Motor gepreßt, schon wieder entgegen. Eie haben die 132 Serpentinen traumhaft gefressen, sind vermutlich einmal durch Cetinje« Hauptstraße gerutscht. haben vor dem Konak gehalten, von hier, ladics and gentlement, wurde ein Stück Wett geschichte gemacht, haben im Rhythm u« ber Zeit geluncht, unb nun find sie wieder ba. unten tutet ber Dampfer. Do« ist eine Lust, zu reifen!
Mir gefällt c« in dem rumpelnden Benz-Kasten viel besser. Ich stehe auf dem altmodischen Standpunkt, daß man. um ein entlegene« Land kennenzulernen, so unbequem wie möglich reifen muß und auch mit einer gewissen Behäbigkeit, e« hat aus Fälle seine Reize. Mit ben Menschen in der Mcstvrpostkutsche kann ich mich nicht unterhalten, aber wenn sie mich ansprechen, lächle ich freundlich, und bann lächeln auch sie, da« ist Io nett. Wir wollen nichts fressen, wir wollen nicht« programmäßig genießen Wir haben alle ein Ziel, unb was sich au* der Fahrt begibt, ba« werben wir sehen
Da liegt die Boka KotorSka wie eine Relles- forte unter ttn«, in blauem Dunst verschwimmt die Adria, der Wagen wälzt sich aufwärts, fast schrammt er an den Karsthängen, wendet plump, faucht einer neuen Steigung entgegen. Diese« Wenden wird mit der Zeit ungemütlich. Der montrnegrinifche Wagenlenfer - selbstverständlich hat er das rote Käppi schief auf dem Ohr und immer eine Zigarette zwischen den bU-nbcnb weißen Zähnen — kann das Elefantenkücken von ei mm Autobus an ben Wegpiegungen meisten« nicht gleich richtig b?rumfrieqen. kein Wunder, denn wo die eine Serpentine endet und die neue anfängt ist ein Winkel von bestenfalls 10 Grab Da« Auto schiebt sich mit der breiten Roke gegen den Karst, muß also wieder zurück, um einen zweiten Anlau* zu nehmen. Dabei kommen bie Hinterräder d^s Waaen« unmittelbar an den Wearciad und ba« heim: an ben Ab- grunb. stell senken fich bie grauen Felsen m die
Hierauf wurden dem Jubelverein von den verschiedensten Seiten Angebinde für leine neue Fahne überreicht. Es Ivendeten die balligen Mitglieder ber „Heiterkeit" durch Fräulein Rvlte eine Fahnenfchleife. Herr Di stelbach (Berlin) überbrachte herzliche Grüße vom Berliner „Sän- gerkranz" und überreichte ebenfalls eine Fahnen- schleife. Herr Seidewand (Bersin) überbrachte im Auftrag be« Berliner Mannerchor« „Sang im Fichtenwald" mit herzlichen Glückwünschen einen Fahnennagel. Die Gießener .L'edertafel" sieh durch einen Vertreter ebenfalls einen Fah- nennaget überreichen DaLfelbe geschah durch Vertreter des Gesangvereins „Harmonie" iWirieck). be« Ruderklub« „Hassia «Gießen), de« Mandolinen- und Gitarrenverrin« .Reapolna" «Gießen) und des Gesangvereins „Lahngruß" lWeylar).
Die beim Fest anwesenden Vereine de« Lahngaue« sangen »(«bann unter der Leitung ihres Gauchormeistcc« Kasten im Masienchor -Schäfer« Sonnt ag«Iicb‘‘ von Kreutzer unb .Abschied vom Walde" von Mendelssohn-Bartholdy Mächtig brausten die Klänge der beiben Chöre durch die weite Halle und zogen alle Zuhörer in ihren Bann. Stürmischer Beifall dankte dem Dirigenten und feiner wackeren Sängerschar für ihre vortreffliche Leistung.
Hierauf begannen die Gesangsvorträge der einzelnen Vereine. Es fangen: 1 Dc- fcmgieceii „ Germania "-Grohen-Buseck und „Frohsinn'-Londorf gemein'am den Chor „Schwur am Rhein". Dirigent: Kasten: 2 der Rothschc Männerchor- Lich „SpielmannSlied". Dirigent Stein. 3. Gesangverein ..Eintracht"'-Steinbach „Rheinbrief" von Sonnet Dirigent Sommer: 4. ..Hängeroereinigung"-Lollar .Jägerwerben". Dirigent Rohde: 5. Gesangverein „Lieder- fra uz "-Weil bürg „Jägerlieb". Dirigent Damm: 6. Gesangverein „Sängerkranz"-West end-Kassel „Fuhrmannslied": 7. Gescmgrerrin „ Lieder franz"- Pohl-Gön« „Aufforderung". Dirigent Lotz: 8 Gesangverein „Lich?rtafc! '-Marburg „Mosel- weinsieb". Dirigent: Rohde: 9. Gesangverein bängerfranz-Grün berg „ Mcrtrosenchvr". Dirigent R i c o l a i: 10 Gesangverein „Harmonie"-Rödgen „DaS Geisterfchiff". Dirigent: Curtb«: 11. Gesangverein „Arion"-'Klein-Li7rden „In den Alpen". Dirigent: Ricolai. 12. Gesangverein „Concordia"-Rödgen „Voll", 'Dirigent R i c o l a i: 13. „Arion"»Klein-Linden und „Concordia"- Rödgen gemeinsam „Moselweinsicd" und „Schließt auf, schlleßl auf“. Dirigent: Ricolai. 2llle Vereine gaben ihr Beste«. Im Saale herrschte nur oft starke Unruhe.
Hieraus erfolgte durch den 2. Vorsitzenden ber „Heiterkeit". Emil Koch, im Auftrage be« Deutschen Sängerbundes eine Ehrung sie« Sängers Karl Thiel mann (Lollar), der seit 50Jahren im Dienste des deutschen Liede« steht: er erhielt den Ehrenbrief des Deutschen Sängev- bundes.
Der
Gchlußaki in der Volkshalle
am Sonntagabend wurde eingeleitet durch einen Musikvortrag der Kapelle Weller Hieraus sprach der 2. Vorsitzende der „Hetterkeit", Emil Koch, herzliche Worte des Dankes allen, bie -um Gelingen des Feste« bei getragen haben, insbesondere denen, bie die neue Fahne spendeten. Die Fahne ist gestiftet von den Frauen und Jungfrauen deS Vereins: der Entwurf ber die Fahne schmük- fen ben Bilder stammt von Gewerbelehrer W oelke.
Die Gießener Turnerschaft zeigte alsdann sehr traft und gewandt vorgeführte Freiübungen, die starken Beifall fanden. Ebenso beifällig ausgenommen wurde der Zwölfer-Schmuck- reigen, den der Radfahrer-Verein 1885 mit erstaunlicher Sicherheit fuhr. Die Gießener Turnerschaft trat alsdann nochmals an, um am Sprung bock halsbrecherische Hebungen vorzii führen. dw stürmischen Beifall auslösten. Mitglieder ber „Heiterkeit" tarnten als bann in Originalkostü- men einen ungarischen Ratümaltanz, der so gut gefiel, daß er wiederholt werben mußte. Damit war der offizielle Teil be« tn allen Teilen
wvhlaefurgenen Feste« beendet. Zum Schluß wurde noch von jung und alt in au«gicEngler Deist das Tan>drin geschwungen.
Oberhessen.
tanMvcte (Siefccrt.
OO ff lein-ßinbcn, 8. 3#pt. Sus ber Oe- meinberatrfitzung am Freitagabend, bie eine sehr reichhaltige lage^orbnung harte, ist als bemcrfenswen zu berichten: Beim Ausschlag der Gerne in den in la gen für das Rechnungsjahr 1928 wurden mit Stimmenmehrheit folgende 3arc angenommen: die Grundsteuer aus je itzy Mark öleuerwert ber Gebäude und 'Baupläne betraat 32 Pf. unb auf je 100 Wart 6kuerroert des lann- und forftroirriebafttidi genutzten Grundbesitzer. 71,5 Pfennig. Sn Gewerbesteuer wirb feftge'em aut \c 100 Wart ber gewervsictzen Anlage- und Neni<d,. fapüalien 80 Pf. und auf 1 Warf staatlichen Ok- merbeertrofl5fteuerfoll vom Rechnungsjabr den Betrag van 106 Pf. An Soribergehuubefteuer sollen auf k 1 Warf des staatlichen SteuerioU» 39,93 Pf erhoben werden Der dem Gemeinderat norgriegte F i a n zi e ru n g »p 1 a n über ben Lau ber Wasserleitung und ff a n atl f a • tion wurde genehmigt unter ber Bedinguna, daß keinerlei Beträge zur jährlichen Zins- unb Unkosten- berfung in dem Boranschlag der Gemeinde er- scheinen dürfen, da der schon start angespannte Ge meinbeooranfthlng keinerlei neue Betasiungcn ertragen kann. Die Ausführung deo ganzen öbjettet soll nicht erfolgen, wenn nicht die Arbeiten al» Rotstandrarbeiten anertannt werden und eine verstärkte Förderung nicht genehmigt werden sollte. Die jährlichen Kosten würden nach Aufstel- lung des Hessischen Ruiturbauamte» für die Wasserleitung betragen 15 920 Wart bei einem Gelamt. verbrauch pro Jahr an 50 300 Kubikmeter: mithin stellt sich ein ffubikmeter Wasser auf rund 31 Ps. Da unfere Gemeinde rund 500 Familien zählt, wären im Jahr non jeder Familie 31,40 Wart aufzubrin- gen. Die jährlich aufzubringenden Kosten sur die ffanalifatüm betragen 20 200 Warf, abzüglich 8104 Wart, welche erspart werden könllen beim Empfang nerbilligter Baudarlehen E» wären also pro Familie für ffanaNsation jährlich aufzubringen, wenn die Gemeinde in ben Genuß der verbilligten Darlehen fäme, rund 24 Warf Mithin betraaen die monatlichen Kosten für eine Familie für Wof- serleituna unb Kanalisation 4,60 Wart. Dao Gesuch des hiesigen Turnvereins um llrbcrnahmc ber Hälfte der Kosten für die CEinfriebiaung de» Turnplatzes, ben Schule unb Verein benutzen, wurde vorerst zurückgestelll. Er soll in der nächsten Gemeinderatcsjtzung über diesen Punkt und über ein weiteres Gesuch aller fporttreibenden Vereine um Schäftung eines nelien Sportplatzes beraten werden. Wegen ber Errichtung eines ff r i r « gerbenkmal» auf bem Alten Friedhof wurde eine gemeinschaftliche Sitzung mit dein Denkmalsausschuß beschlossen. Die Platzfrage ist jetzt insoweit geklärt, al» der Kirchenoorstand zuge- stimmt hat, auf die Abnutzung de» in Frage kommenden fflelänbeftürfes zu verzichten. Die Renovierung der alten Schule und de» ehe- maligen Rathauses in der Wetzlarer ktrost« soll noch in diesem Herbst oorgenommen werden. Die Arbeiten wurden an nachstehende Geschäftsleute vergeben: Weißbinderarbeiten Weißbindermeister Karl Hao» und Wilhelm Bolt, die Schreinerarbeifen Schreinermeister Rau, die (Spengler- arbeiten Gümbel (Lützellinden), die Dachdecker- arbeiten Dachdeckermeister Kohler (®r.-ßmben), die Maurerarbeiten Maurermeister Magold und die 3immerarbeften Zimmermeister Muller (Allen- darf a. d. L.). Die Errichtung einer Spielhölle au» Holz wurde Ztmmermeister Luh (Dutenhofen» übertragen. Der Anschaffung eines Schrankes für bie Ma dche nf ortbildun gsschule wurde zugestimmt unb die Lieferung Schreinermeisier R a u von hier übertragen. Die von der Frankfurter Straße nach Osten zu führende neue Straße in der Verlängerung der gegenüber cinmünbenbcn Kirchstraße soll die Bezeichnung „Kirchstraße": bie zwischen ber Hafte>te des Lokomotivführers Kopp und des Landwirt» Pb Lenz VILI. abzweigenbc neue Straße den Rnmen „Auf der Wann" erhalten.
Tiefe, unb je höher wir steigen, desto reizvoller wird die Aussicht auf eine Talfahrt Hal« über Kopf. Zwar liegen ba ein paar unförmige 6tein- blodc am Weg. sozufagen als öchuhrnauer. aber mir scheint, daß dieser Schutz mehr auf Augen- täuschung berechnet ist. Jedesmal, wenn die Karre zurückrollt, schlägt das Herz in der Kehle Die dicke Dame mit bem Hünbchen, da« sich wirklich sehr brav aufführt, muß in meinem Gesicht gelesen haben, ihre Augen beginnen zu irren. Sie weiß noch nicht recht, was los ist. Endlich merkt sie«, hastig fliegen Worte zu ihrem Mann und ihrer Schwägerin, und nun hab' ich die Qual von drei Menschen auf bem Gewissen. Die Soldaten, die montenegrinischen Bauern lächeln. An einer neuen Weylnegung enthüllt der Sergeant mit den vielen Pickeln im Gesicht eine Gemütstiefe, die einfach nieber- schmetttrnb ist. Er weist nämlich auf ein Kreuz, da« bleich aus der toten Landschaft wächst, unb wenn ich auch nichts verstehe, so begreife ich doch hier ist ein Postwagen abgestürzt, mit Mann und Waus. - die Schreckensmienen der Damen lagen genug. Als wir dann auf der Höhe sind unb vor bem kleinen Gasthauft Halt machen, gibt es eine herrliche Fruchtlimonodr. die alle Erinnerungen wegspült. Wenichen find komisch konstruierte Lebewesen.
Der anberc Teil ber Fahrt ist weniger schlimm Meist geht es bergab Da hinten in dein oben Grau liegt Cetinje. Wie ein Bandwurm läuft bie Straße darauf zu
Cetinje ist ein Kaff, m bem ein paar große Gebäude zu sehen sind: ba« ®ranb Hotel ber Konak, bas ehemalige 'Ministerium, da« im Umbau beariffene — Theater, die mcmtciwari- nischc Bank und drei oder vier andere 1Hrfe Bauten stehen neben ben Hütten wie Bäume neben ben Fliegenpilzen. Sehenswert ist da« eigentlich nicht, aber wi»ig
Schon während der Fahrt auf der Adria summte es in mir, und ich kam dahinter, daß es zwei Verszeilen Mörike« waren
Was gilt«, dich freut da« Schönste auf ber Welt nur halb, vor lauter Angst du müssest c« beschreiben
Rein unb nochmal« nein: ich will gor nichts beschreiben, unb überdies ist ba« Schönste auf ber Welt ganz aetrifi nicht in Montenegro zu suchen. Wan sieht sich da« alle« an man hat es gesehen. Punkt 6#time ift keine vage Vorstellung mehr sondern ein fester Begriff. Dos Interesse darüber bin au* gilt ben Menschen Wer hier tagaus, tagen; zu leben vermag unb nur einen Funken Intellekt in sich trägt, ber ist — weiß Gvttl — eine merkwürdige Marke.
Abend« im Grand Hotel kann man beobachten. Da sitzt ein Offizier, einer von ben vielen, bio hier berumlmifen, unb liest Zeitungen Beim Leitartikel fängt er an, Spalte für Spalte burch- kriecht er, bis zu den Inseraten auf der letzten Seite, nimmt ein neue« Blatt, beginnt von vorn. An diesem, an jenem Tisch lesen sie auch, kleine geduckte Leute, offenbar nicht hierher gehörig, vielleicht Verwaltungsbeamte, die bem Zorne Belgrad« verfallen find. In einer Ecke klappern eintönig bk Dominosteine. Kaum ein Wort sprechen die Spieler. Ab unb zu nehmen fte einen Schluck, bann ist die eine Partie beendet und bie nächste fängt an eine müde Frau mit einem lehr artigen Knaben hockt daneben, sie sehen zu, * si* sehen zu. sie sehen zu und bfintem mit den Augen. Rur der Schritt des Kellner« tönt in bem froftigen Saal. Draußen machen cinfam» elektrische Birnen vergebliche Anstrengungen. M leuchten, tot ist es in den Straßen, rauh tnept ber Wind von dm Bergen. Die .kitungen knistern, bie Dominosteine klappern. Es wird spät „Platiti. molim - bitte zahlen!" ruft einer. Der Schritt de« Kellner« schlagl hart .Laku nvc — gute Rächt." Mnb morgen ist wieder ein Tag, und morgen ist wieder cm Abend, und morgen werden sie wieder Zeitungen lesen und Domino spielen.
Das einzige, was hier bewegenb wirkt, ist das Militär. -Uniformen überall. Cetinje ist Promn- zialhauptstabt geworden, in jedem der bescheidenen Gebäude, bk früher eine Gesandtschof: beherbergten. nistet eine Behörde und davor steht ein Echilberhaus. Um den Fremhen fumurrt man sich wenia Anreißerei ist unbekannt: an bet aanzqi Küste vom Quarnero bis zur Vvka Kotorska, hab ich nichts davon bemerft. Unb dabei ist man doch Io modern wie möglich Jedes .bettete" junge Mädchen bat c-nen Bubikopf, und die fleibfamcn schwarzen Kittel, die sie tragen, reichen gerad eben über« Knie. Ob sie hübsch find b* jungen "2Xonicnognnerinnenf Rein. Aber wenn man eine häbfchc trifft, bann läßt fk bk gluläufligste Spanier n weit bratet sich, nota bene auch, was ben Stolz anbelangt. Wage sich nkmanb hierher um zu flirtm* Die Pleite märt kahenjämmerlich .
Als das Poftauco früh um 7 vorfahrt, schen dkftlben Soldaten mit Knarre unb PatrvneTignrt im Wagen Wieso? Warum? Ich kann es erst bei dem Deutsch Iprcchmben Kellner des Cats Central in Kotor «fahren vor einer Woche »ort* das Postauto von Banditen überfallen, und die Reisenden brachten nur ihre Hemden zu Tal. Wir tragtncf>m, daß man dies nicht vorher gewußt hat.


