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Nr. 215 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Montag, 10. September (928

Karl Peters.

Jo feinem 10. Todestage am 10. (September

Don Dr. Srnfi (kmald Kanckel.

Jahrhundertelang Hot 'ich brr kolonlale Aus- bc6nunö<brong bet beutidfcen Volke» ausschtteh- l'ch aut ben europäischen Äoehnml vclchränkr wo b<e grobe Dfiliebluni immer weitere Gebiete in brn deutlichen ÄulturfreU zog. Der erste Der* luch. überseeisches Äolent allonb zu «Nverben. ben brr Drohe Äurfütft mit Erfolg unternahm nnitbt schon von seinen Aachsolgern wieber auforgeben Go kam e* bah man in Deutschland zu Beginn brr letzten "Veriobe der Besttzergnitung überseeischer Gebiete burch bie europäischen Staaten solchen Plänen saft ganz verstänbnislvs aegenüberslanb und die Männer, auf ber.n Jnihatine sich schliehlich ber deutsche Kolonialbesitz ausbaute, zunächft mil einer all­gemeinen Gleichzu.tigleit. ja gerabezu teinba<ten .Ablehnung zu fumpfen hatten. Der überseeische Äolomalpttmter war in Deutschland e.ne ganz seltene Erfcheinung und muhte deshalb besonders, wenn er die gewohnten Bahnen verlieh, stet- mit Schwierigkeiten rechnen, wie dies bei tinem lEannc brr Fall war der au» der Reihe dieser Gröberer durch die Gigenart seiner Persönlichkeit herausragt.

Biel.' 3obre hat sich die deutsche Oefsentlichkcit lerbenschastllch mit der Person und den Daten ron Äarl Peters beschöstigt. dessen Todes­tag sich am heutigen 10. September zum zehnten Male jährt. Am 27. September 1856 war er in Neuhaus in Hannover geboren, studierte Rechts- wisserrscha't und Aationalölonomie. ergriff jedoch' »ach anfänglicher wislenschoftlicher Betätigung feinen der üblichen Berufe, sondern war ganz erfüllt von denl Siel, auch dem deutschen Volk überseeischen Kolonialbesitz zu verschaffen Die ftärffte Anregung hierzu war ihm durch seinen mehrjährigen Ausenthalt seit 1830 in England gekommen, dessen koloniale Erfolge und die Selbst- verstänblichkcit ihrer Erreichung den tiefsten Sm- brurf auf ihn gemacht hatten. Aoch in seinem spateren Buch(Snglanb und die Engländer'', in bem er seinen deutschen Landsleuten bie Eigenart des Inselvvlks darzuftellen versucht, lagt er. dah man das Studium deutscher Studenten In Eng­land nur begruben tonnte, w.'il sie dadurch näher mit einem Bolk vertraut.würben, bas mit Hilfe seiner kolonialen Fähigkeiten einen grohen Teil des Erdballs in seinen Besitz gebracht und damit ber Ausbreitung der weihen Aasse wesentliche Dienste geleistet habe.

3m März 1884 kommt Peters auS Englaird zurück, gründet zusammen mit dem Grafen Bebr-Bandelin die .Gesellschaft für deutsche Kolonisation' und unternimmt schon ein halbes 3ahr später die erste Expedition nach Oft- afrika. wo er aus einem verwegenen Marsch mit

mcht cnÄUltcten. woraus er zur D> Position ge­hellt wird Denze Wochen nachdem ihn die Deutsche KolonialgeleUschalt au ihrem Vorsitzen­den gewählt hak ha!« ber Abgeordnete Bebel am 13. März 1596 im Aerchetag eine grvhe Aede gegen tue deutschen Kolonialpläne. wobei er 'Geiers zahlreicher ®raulam!citcn. besonders bei ferner S,limanbfcharo-SSpedition, belchuld.;: Ein daraufhin angestrengte- Beriah.en ende« mit ber «^nstei.tlassung des Kolon.'Pioniers. der ver­bitten über d-.c Bcrstänl nislof«gleit nach England gebt, bas er seitdem nur noch ,u kurzen Besuchen m Deutschland verlädt 3n London, wo er in ständigem Verkehr mit englischen Kolonialkreisen steht gründet er noch eine deussch-englrlche Gc- sellschast zur Erforschung ber *o!Ndbcr Aho- defias. der Schöpfung des von ihm bewundenen englischen Kolonisators 3eal Rhodes 3n Deutschland hat er «rotz der später immer stärker werdenden Erkenntnis, dah man ihm zu einem guten Teil unrecht getan habe in der offiziellen Kolonial Politik niemals mehr eine Volle spielen können.

Es ist ein tragisches Schicssal, das Peters an sich bat erleben müllen. Seine Stiftungen als Kolonialpionier. der mit sicherem Blick ein her­vorragend enlw.cklungsfähiges Gebiet heraus­fand und mit unerhörter Energie für Deutsch­land ficherte. werden in der kurzen deutschen Kolomalgeschichte stets einen besonderen Platz entnehmen. Als Mensch mit grober Sielsetzung sprengte er g<w st in mancher Beziehung den Rahmen des Ueblichen. sein Durchgreifen in ge­fährlichen Situationen entsprang einem kolo­nialen Herrentum, wie es zweiselloS dem Eng- länbcr näher liegt als dem Deutschen. Deshalb fühlte er NH zu diesem Volk, bcffjn Kolonial- ersolge er immer wieder mit einem gewissen Aeid und voll gröhter Anerkennung feinen Landsleuten vor Augen h'ibrle. so h »gezogen, dah er trotz aller Vaterlandsliebe als Geächteter manchmal in feinem Urteil über daS eigene Volk ungerecht wurde Er hat in den späteren Jahren niemals aufgehört, durch Bucher und Aussätze feine Anfchauungen vor die Ocffentlidj- feit zu bringen und für eine deutsch-eng­lische Verständigung zu arbeiten, in der er eme Sicherung der Stellung der weihen Aasse in der Welt erblickte. Wenn wir heute versuchen, fein Bild für die deutsche Geschichte festzuhalten, so muh dabei die Anerkennung dessen, was er für Deutschland erreicht hat. obenan stehen Schat­ten fallen demgegenüber nicht ins Gewicht, be­sonder» bann nicht, wenn man sich vor Augen hält, wie aobere Völker kolonisiert haben. PeterS wollte Aaum schaffen für die Entwicklung des deutschen Volks, was auch geschah und wozu feine Initiative das ihrige mit be getragen hat. 3n c.ncr dunklen Seit, als das Unterliegen Deutschlands im Kriege jedem Beobachter fchon nahe war, ist fein Leben zu Ende gegangen. Aoch früh genug, um ihn nicht mehr den Verlust seines Werkes erleben zu lassen.

ganz wenigen Begleitern und gegen den Willen ber deutschen Behörden durch Verträge mit ver- schiedernn Aegerfürsten die Grundlage für die spatere Kolonie Deutfchostafrika legt. Die letzten Wochen dieser Expedition muh er sich fieberkrank tn ber Hängematte tragen lassen, aber mit eiserner Willenskraft zwingt er sich zum Durch- balten und bringt die Verträge nach Deutschland, wo wn 3ahne 1885 die Deutsch-Ostafrikanische Ge­sellschaft von ihm gegründet wird. 1887 geht er wieder hinaus um die Verwaltung der rasch aufblühenden Kolon« zu übernehmen. 1880 90 gelingt es ihm. etn grohes Hinterland hinzuzu- gewinnen. tnbem er mitten hinein in das Gebiet Der feindlichen Fürsten von Uganda vorstöhi und nwt dem Sieger vierzehn Lage nach der grohen Schlacht den Prolektoratsvertrag ab- schkestt, der die Kolonie bis an den Viktoriasee aus dehnt 1891 wird er zum Kaiser! ichen Kommissar f ü r Deu tsch-Ostasrika er­nannt. bereiter die Abgrenzung nach Horben durch eine Expedition an den Kilimandscharo vor. die schliehlich 1897 zur endgültigen Festlegung der Grenzen des deutschen Protektoratsgebietes führt. 1895 wird er zum Landeshauptmann der Kolonie ernannt, aber die ständigen Konflikte mit den Aeichsbehörden. der Widerstand in der Heimat veranlassen ihn. den Posten überhaupt

Aückgang der deutschen Geburtenziffern.

'Der Rückgang der Geburtenziffern, der feit dein Kriege in Deutschland so gut wie m den anderen Ländern eingetreten ist. beginnt die öffentliche Meinung zu beunruhigen. Während man 1920 in Deutschland 1 651 593 Geburten ver­zeichnete. sank die Sohl im nächsten Jahr auf 1 611 420. im Jahre 1922 auf 1 450 893. dann auf 1 340 154 und 1925 auf 1 .334 311. Während des 19. Jahrhunderts hatte sich die Sahl der Geburten in Deutschland zwischen 37 und 40 auf je 1000 Seelen ber Bevölkerung bewegt. Schon vor bein Kriege, im Jahre 1913, hatte aber bie Sahl der Lebendgeborenen nur noch 27 auf 1000 Einwohner erreicht, während sie noch drei Jahre vorher 30 betragen hatte. Natürlich war der 'Rückgang während des Krieges noch viel ftärter; in den beiden letzten Kricgsjahren 1917 und 1918 betrug die Geburtenzahl nur noch 13 auf 1000. Aach dem Kriege fefcte 1920 unb 1921. wie überall, eine Erholung ein. Die Ge­burtenzahl stieg zunächst wieber bis auf 25.5. womit fie immer noch deutlich hinter bem letzten

Der neue Studienbau des Deutschen Museums.

Die grohe Bedeutung des Deutfchen Mu­seums für das gesamte Kulturleben unsere- Volkes und bic Gebiete der Wissenschaft und Technik ist anläßlich der vor wenigen Tagen er­folgten Grundsteinlegung für den Ctu- bienbau des Deutschen Museums sowohl vom Reichspräsidenten v. Hindenburg als auch von den vielen hohen Festgästen in ihren An­sprachen unb Reben einbrucksvoll gewürdigt wor­ben Mit bet ®runbftetniegung ist der letzte Schritt zur Verwirklichung der Idee des Deut­schen Museums von Meisterwerken ber Natur­wissenschaft unb Technik getan, wie sic Oskar v. M i 11 e r schon vor mehr als 25 Jahren in der Gründungssstzung bar gelegt hat. Dic ganze Entwicklungsge'chichte bes Deutschen MufenmS m München trägt daher auch den Stempel der Persönlichkeit Oskar v Millers, dessen unbeug­same Willenskraft die unüberwiriblich scheinenden Schwierigkeiten bewältigte unb ber bas geschaf­fene Werk allen Schwierigkeiten zum Trotz zu ber Gröhe führte, m ber es heute vor ben be» wundernden Augen einer ganzen Welt da ft eh t. Es war em werter unb überaus beschwerlicher Weg seit ber Eröffnung des tn ben Räumen be* alten Nationalmuseums unlergebrachten .Provisorischen Mufeums" im Herbst 1905 bis auc Einweihung des Deutschen Mufeums" tm Akar 1925, und es bedurfte einer ungewöhtckich starken Persönlichkeit, das unter erfreulichen An­fängen begonnene Unternehmen durch d e Kriegs- und Nachkriegsjahrc mit allen ihren furchtbaren wirtschaftlichen Folgeerscheinungen hindurchzu- fuhrem Als am 7. Mar d. 3. mit der Eröffnung k^er Abteilungen Bauwesen. Beleuchtung. Heizung unb Kühlung. Wasserversorgung. Gastechnck unb Elektrotechnik bic innere Ausgest al tun g des ge­tarnten Ausstellungsbaues vollendet war. würbe als^Ergänzung bes SammlungSgebäubes zu­gleich ein neues Werk in Angriff genommen: me Errichtung des Stubienbaues. Ss sollen hier bie_ Dor tr agssäle unb eine umfangreiche Büchersammlung untergebracht werben, um den Gelehrten und Studenten, wie auch den prak­

tisch tätigen Ingenieuren, Industriellen. Gewerbe­treibenden und Arbeitern Gelegenheit zu geben, die in den Sammlungen des Museums ge­wonnenen Eindrücke zu vertiefen und nach eige­nem Willen auf den hier gezeigten Gebieten Studien zu treiben. Die Bibliothek soll hierbei eine besondere unb neue Aufgabe erfüllen, indem sie auf rein na tu rwissen schäft, ich-rechn ische Lite- rahir eingestellt sein wirb, ohne bie bestehenden grohen Umversalhibliolheken um eine weitere zu vermehren. Als auSaefprochenc Dolks- bihliolhek wirb sie besondere Einrichtungen für bas ungeschulte Laienpublikum aufweisen. vor allem eine auhergewöhnlich grohe Handbiblio­thek mit zahlreichen Nachschlagewerken. grund­legenden Büchern ber verlchieb^en Gebiete unb einer besonders guten Auswahl populär-wissen­schaftlicher Werke Die Bücherfmnmlung ist als eme Sontralstelle ber gesamten icchnifch-wisscn» schaftlichen Literatur gedacht und sie soll den Gelehrten unb Studenten sowie ben praktisch tätigen Ingenieuren zur Verfügung stehen Su einer solchen Aufgabe, bie zur Seit tmn einer behelfsmähig unlergebrachten. schon über hun - berttaufenb Bände und siebenhun­dert S«itschriften umtassenden Bücher- sammlung erfüllt wird, ist das Deutsche Mui cum besonder- berufen, weck es durch feine Beziehun­gen zu allen Ländern am ehesten bic technischen Zeitschriften unb Bücher ber ganzen Welt fam» mein kann, wozu ihm auch bereits viele Ver­leger chre Unterstützung zugefagl haben. Eine einzigartige Bilbungsstäne wirb die Plan- sammlung werden, die alle in das ArbeitS- gebe: des Deutfchen Museums einfchlagenden Maschinen- und Baupläne in vorbildlich über­sichtlicher Gliederung enthalten und sogar zum Kopieren zur Verfügung stehen wird. Die un neuen Stubienbau vorgesehenen Vonragsi'äke schliehlich tollen nicht nur ben regelmäßigen Vor­tragsreihen des Deutschen Museum» dienen, fonbem auch außerhalb des Muleums stehenden Kreisen für technisch-wcktenschatrliche Vorträge zur Verfügung stehen unb insbesondere bei Führun- gen unb Besichtigungen Gelegenheit bieten, er- forberlnhe Erläuterungen au herhalb ber Mu­seum-räume abzugeben.

Vorki-cg-stanbe zurückblieb Von 1922 an macht sich a*. er bie rüdiauftge Betvegung wieber gel- tenb. 1925 trtrug bic Relativilatszahl nur noch 20 5. in ben folgenden Jahren noch 19.*> und im ersten Semester d.o lausenden Jahres noch 19 Trotzdem steigt d.r Bevölkerung de- Deutschen Reiches und der Uebertchutz der Gebür­te ii über die Tode-fälle bleibt im­mer noch sehr erheblich, wenn er auch allmählich geringer wird 3m Jahre 1926 be­trug er r.imcr noch 4910??. Man kann mit Bestimmtheit Voraussagen, dah «n absehbarer Seit die Sterblichen in Deutschland zunehmen und bah bomit ber bisherige hohe Stand der Bevölkerungsüberfchüfse verringert werden wird

I D e Sunobmc ber Sterblichkeit ist deshalb vor» I au»zusehen, «veil der gegenwärtige .«normale tiefe I Stand auf zwei vorübergehende Ursachen -urück- lufübrcn ih. auf die über grolle Sahl ber Todes- älk wahrenb des Är eges n id bie ihm noch »;nc Senlang folgende Blsckadeperiode. sodann auf bae Ueverw.egen ber ungewöhnlich «bl# reichen lugendlichen Altersklassen der letzten Vor» kriegSjadre. denen gegen u?cr bie Fahl der älteren Leui< ber bciwn natürlich cm. hoher Sterb- ig ersch-'nt Der Ge­burtenrückgang inochi <>ch i-i ganz Dcutsch- lanb fast g l e i ch m ä h i g bemerkbar, ist aber am stärksten in ben Grvststäbten

50 Jahre GesangvereinHeiterkeit" Gießen.

War vor acht Tagen anlählich bes Sanitäts- kr'.snncTNages bas Rote Kreuz auf werstem Grund das hervorstechendste Merkmal des Tages und des Strastenbckbes lv waren es am DamStag unb gestern anlähl.ch ber 50Iahr«eier deS Gesangvereins ..Heiterkeit" bic grohen Schaven der Diener bes beutfchen Liebes mit ihren Vereinsfahnen. Aus nab unb fern, be­sonder- zahlreich natürlich au- der engeren Hei­mat waren bic Mannergesangvereine hierber- gekommen, um 'ich m Gcmcinschast mit den Giehener Männcrgctangvercinen. der Turncr- fchaf«, ben Rabfahrern, ben Feuerwehren usw. an ber Feier beS halbhiinbcrljährigen Bestehens ber GrcstcnerHeiterkeit" zu beiciligcv Dem 3ubdherein unb feinen auswärtigen Gästen zu Ehren war an zahlreichen Häutern F'.aggcn- schmuck angebracht, imb b c Beteiligung weiter Kresc unserer Burgerfchaft an dem Feste be- kunbete bem Verein, dah sein sünfzigjähriges Wirken im Dienste bes deutschen LiedeS wohl» verdiente Anerkennung gefunden Hal.

Bevor der festliche Glanz der Iubckäurn-- veranftaltungen in breiter Oeffentlichkci« ent­fallet wurde, versammelte sich der Gelangverein ..^eckvrkeit" in schöner Pietät am Damstagnach- mittag zu einer

Toiengedächtnissfeier auf dem Neuen Friedhof.

Aach dem Ehoral ..IefuS meine Suverficht" und dem Thorgcfang der Sänger ..Hier roinlct selige Ruh'" Hte4t Pfarrer Decker die Gedächtnisrede-, der ii. a. tagte. Solches Jubiläum läht die Gebanlen in die Vergangenheit gehen Wie selbstverständlich steigt damit das Gedächtnis an bic Toten auf. bie mit uns verbunben waren in gemeinsamem Streben. Unb das Gedenken wird zum Danken. So geben unsere dankbaren Grübe zu ihren Gräbern hier unb in der Ferne. »Fromm handelt, wer die Toten ehrt!" In­mitten der Gräber berührt unS ber Ernst des Lebens tief, unb wir werben an solcher Stätte gewih auch dankbar für die frohe Kunst, die Gott uns zum Schmuck deS Geben» geschenkt hat. Letzte Gemeinschaft bestehl aber nicht im ver­gänglichen Schmuck des Lebens. Die Drucke von uns, den Lebenden, zu den Derftorbcnen und doch Gegenwärtigen schlägt der Glaube, der »über die Trümmer dieses Leben- emporsteigt". Da- Gedenken an bie Toten wird zum Bekenntnis bes ewigen Lebens nach dem Bibelwort .ich sehe die Toten vor Gott stehen". Das gibt erst unserer Feier Ginn und Weihe 3m Glauben sehen wir Seil unb Ewigkeit in Eins und wissen uns verbunden mit allen, denen zum Schl uh dieser Feierstunde deS Liedes Wort al- dank­barer Druh erflingen wird: »oleib du im ewigen Leben mein guter Kamerad!" Aach Kranznieder­legungen am Grabe des Ehrenvorsitzenden E Aoll und an der letzten Ruhestätte deS EhvrmeisterS L. Becker erklang ber Chor .Der gute Kamerad". Als Abschluh der Feier wurde der Choral »Wie fie so sanft ruhn" gelungen.

Am Samstag abend wurde bic Jubiläumsfeier in ber festlich geschmückten und vollbesetzten

Napoleon in Todesgefahr.

(Sine dramatische Episode auS Napoleons Leben, die bisher von keinem feiner Biographen er­wähnt wurde, ist von dem Historiker Abbc- Teissier an entlegener Stelle auigefunben worden, nämlich in einem Buch, das dem Abt des Klosters von Wont-CeniS. Dom Gäbet, gewidmet ist. Nach ber Krönung bes Kaiser- in Aotre Dame wollte er auch die Krone ber lombardischen Könige auf sein Haupt fetzen unb reiste im Frühling mit einem grohen Trotz von Wagen nach Mailanb. Am 19. April 1805 kam er in Lanslcbourg an. Der Mont-Cenis war von dichtem Gewölk umgeben, und die Wetter kundi­gen Bewohner fürchteten einen schweren Sturm. Aber der Kaiser war ungeduldig: er wollte auf jeden Fall den Mont-CeniS überfchreiten. lieh dos ganze Gefolge zurück, nahm nur ar.igc Dogen mit stieg zu Pferde und ritt los. be­gleitet von Berthier. Duroc und dem Prä- tekten bes Mont Blanc-Gebietes. Der Bürger­meister von Lanslebourg beorb:cte vier kraft­volle Bergföhne. bem Kover auf jeiten Fall zu folgen. Ein wilder Schneesturm bricht los. Napoleon fteiat vom Pferde und fetzt sich in den Wagen. Die Kälte wird immer schlimmer. Plötz­lich ein Schrei: der kaiserliche Wagen ist tm Schnee umgefallen und bic Pferde können ihn nicht hcrauSziehen. .Die Sänfte'" ruft ber Kaiser wütend. Die vier Träger las-en Aapolcon hivem- setzen. aber in dem Sturm und der Kälte gleitet bald der eine aus. bald versinkt ber andere im Schnee. Der Kaiser wird ängstlich. »Haben Gie keine Furcht." trösten ihn die wackeren Berg- föhne. .Wir halten Sie." Aber die Kälte wird immer furchtbarer, der Prä­fekt Masf^my fällt ohmiiächtig zu Boden. Der Kaiser, von ber Kälte gÄchüttelt, ruft: .Haltei an, Träger, ich kann nicht mehr!" Der eine von ihnen hebt Napoleon aus der Sänfte unb sagt ihm ..Gehen Sie. Sire, gehen Siel Mut. Mut?' Aber Napoleon kann leine Beine nicht fortbewegen. er schwank« unb ftüut Die Träger bringen ihn nach bem am nächsten ge­legenen Unterschlupf Man legt ben erstarrten Körper auf eine Bank. Man reibt ihn mit Branntwein ein unb bringt ihm wieder etwas

Vollshalle in Gegenwart zahlreicher Ehren-1 gälte unb vieler (Sicherer unb auswärngcr Gast- . vereine, mit einem

Jubiläums Konzert

unter Leitung de» Vcrein»-Chormeister» Wilhelm schattier und unter 'Mnwirkung ber Saprlle 1 Weller fingcleitft. Nachdem die Kapelle die Vor- . tragefolge mit Wagners ..Einzug der Gaste auf der Wartburg" eröffne« hatte, brachie der Chor im An- Ichlutz an den Eangcrgruh zunöchf« in feiner Hul­digung an den Ühmeiftcr Franz Schubert betten MompofilionrnHeilig ifl der Herr" au» der Deui- fchen Meffc II zum canftu»,Die Nach!" und mit Drdicftcrbrfllcituiifl ben (IhorDer (öondelfahrer' Zum Lortrag. schon hierbei zeigte fich, dah der Harte Männerchor feine» Slimmfnmntrrial besitzt, da» unter der Leitung des Chornieifters schatt­ier in schöner Ausgeglichenheit der Stimmen zu einem prartitiarn gefänglich,n ülangkorper geformt ist. Datz der Verein oud) den fchwierigften üompo- fitionrn ein guter Interpret fein kann, stellt? er mit dem Gesang der Werthfchen Ballade /Walter | von Birbach" unirr Bemei«. edenfo mit de, Dar­bietung des Podbcrtsktzfchen ChorsFriedrich Jiol- bart", dem das Orchester eine gute inftrumeniate Begleitung gab. sehr erfreulich war es. datz der Chor unb Irin künftlerifchrr ftührrr drm fchanrn Volkslied einen Plan in brr Mittr der vortrag»- folge angrwiefrn hatten und Hier in feiner gelang- l:d)er Durcharbeitung SilchrrsIm schönsten Wie- srngrundr". Hansen-Poslhorngriitze" und Sur- lauly»Nur dir Hoffnung frstgehottrn" zu Grhor brachten. Die sangerschar derHeiterkeit" bereitete ihren mehrere taufend Äöpfr starten Brfuchrrn mit den fchon abgerundeten. t>dn flelher Sllrinurbeit und trefflichem mufikaNfchcm Empfinden zeuaenden Darbietungen, denen dir künstlerisch feinfühlige Prrfönlichteit dr» Thormelster» schättlrr eine wirkungsvolle Ausprägung gab. einen befonberen' Feftgcnutz. der ihr orrdientermahen mit anhalten- bem. lebhaftem Beifall gedankt wurde. Dir Ko-

c r bereicherte bic Vortragsfolg, nut zwei Kompositionen von Grlrg aussigurt Ior- lalfar", der Ouvertüre zur OperRaymond" von Thomas unb mit brr Hochfchrn Fantafir für Trom­peteDer Lirbrsstrauch", bei berrn Wiedergabe Herr Schwarzlofr als immer wieder gern gehörter Solist einen neuen Triumph feiner gereiften Virtuo­sität errang. Der lebhafte Beifall vrranlahte den glanzenden Solisten zu einer dankbar begrüßten Sugabc. Mit dem Friderirus Rer-Mnrfch fand da« Iubilaumskonzerl feinen Abfchluh. Unmittelbar anfchlietzend folgte bann ber

!?eftKommers.

Hierbei begrützte der Bereinsoorfihenbe Hch. Weber die grotze (Bäftefdjar mit einer kurzen Ansprache, wobei er die Vertreter des Staates und ber Stabt Bietzen befonders willkommen hietz. Er gedachte dann der heute noch lebenden drei TOitgrunber des Vereins: Conrad Steinhaufer, Heinrich Seidemand und Jakob Gilbert, unb feierte bann das deukfche Lied, dem allezeit treu zu bienen die .^Heiterkeit" bereit fei. Bei der anfchlietzenden Ehrung verdienter Mitglieder wurden der 2. Vorsitzende Emil Koch für 30jährige akttoc

Wärme in bk Glieder Der Kaiser erwacht, blickt um sich und fagt lächelnd:Mein Gott! In welchem Sustand befinbe ich mich, unb was würbe man in Pari» sagen, wenn man es wühle!" Man erfuhr aber nie etwas davon in Pari», denn der ..Monckeur' erwähnte nur den Su- sarnmenbruch des Präfekten unb fügte hinzu, bah die Reife über ben Mont-Cenis glücklich vonstatten gegangen fei. Halbtot vor Källe würbe Napoleon m bas Klotter gebracht, wo bet Abt Dom Gabel ihn sofort in ein Simmet führte, in bem ein helles Feuer brannte Der Kaiser wollte sich an ba- Feuer setzen, aber ber Abt sagte ihm:Sie sind berieten, Sire, wenn Sie sich zu rasch erwärmen, setzen Sie sich in einiger Entfernung nieder" Tkr Kaiser gehorcht: füc Glieder sind ihm ganz abgestorben, unb düster seufzt er .Ach, bin ich fo viele Male auf drm Schlachtfeld dem Tode entgangen, um ihn hier in diesem Hospiz zu finden " Dom Gäbet beruhigt ihn aber um die Küste vor dem Erfrieren zu fchützen. muffen d-e Schuhe abgewogen werden, und dies gelingt nicht. Die Kälte hatte die Beine fo anfchwellen lafsen. dah man d.e Schuhe selbst n cht herunterzufchneiden wagte, um nicht das Fieilch zu verletz," Schliehlich aber nimmt Dom Gäbet ern Messer upd nähert sich dem Kaiser, her mit angstvollem Blick betrachtet, wie der Geistliche mit sicheren Schnitten die Schuhe entfernt So wurde Napoleon durch die Pslege de- Abtes vor dem Erfrierungstode gerettet.

Hochschulnachnchten.

Prozessor Dr. Max Schneider tn Bres­lau hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der Mu- 'ckwr lenfchaf t an ter Umhcrfität Halleal« Aach- fclger des noch B.tlin gegangenen Arnold Sch.rmg erhallen unb angenommen. Gebürtig aus Eis- leben, absolviertc Schneidei feine llnioersitäts- fhibien in Leipzig und Breslau als Schüler von H. Kretzfchmar. H. Riemann. 3oh. Dollelt. W. Dunbi unb K Stumpf unb bega?rn 1897 seine künstlerische Tätigkeit als Theaterlapellmeister in Halle, wirkte später in Berlin und München, fetzte seine Shibien in Leipzig fort unb fiedelte 1904 mit Kretzschrnar nach Berlin über.