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Nr. 2*5 'frftes Matt

178. Jahrgang

Montag, (0. September 1928

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Etetz«»« Jaedicnblättti betrat im Bild

Vie Scholle.

Koeoii-Btiuwrrti.

2 Reichsmark und 30 X<id)<pffiinig fttr Tilge» lohn, auch bei Richter» schein« einzelner Nu mm er» infolge höherer Trwatt. Aernfprechanfchltffe: 51, M end 112 l»|d)rif1 für vrohtr-ach richten lejelger Liehe».

potzscheckkoitto: gTtiffirlaie Blei» 11686.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Dnid mhö Derlo): Vrühl'fche URivekßtüf^vuch. und Stetnöruderet 8. Lange in Sieben. Sd)rifiletmng und Sefchäflrftelle: Schuifttaße 7.

Lauatzwe een Snietaen fir die lagesnemmer bis jum Nachmittag vorher.

Prell |8r 1 «am Höhe ftr 3nteilen von 27 nun Brette .rttich 8, auswärts 10 Reichspfennig' für Re» dlameanzeigen von 70 mm Brette 35 Rcichspsennig, Platzoorschnst 20*, mehr, ffbeiebaklenr

Dr. Fnedr. Wlld Hange. Deranlroor'.lich für Tohtih Dr. Fr Wiltz Lange, für Feuilleton D: H.Tdvnor, für den übrigen Teil ckrnst Blumschein: für den Sn» zeigenteil Nur« Aifimann, sämtlich in Gieren

Genfer Fünferkonferenz in dieser Woche?

Eine Erklärung Bnands über die Räumung in Gicht. Die Reparationen für Frankreich am wichtigsten

Senf, 8. Sept (TB.) Reichskanzler Müller und Cerb Lushrndun wrliefjen heule gegen mittag die BoUfitjung der Bunbtsoerfamrolunfl und begaben (ich grmeinsam zu einer Besprechung an den Silz der englischen Delegation im fjolel Beau Rioage" 3n der Unterredung, an der auch Staatssekretär o. Schubert und der Vrioatsekre- tar von Lord Lushrndun teilnahmen, legte der Reichskanzler in ausführlicher weife den deuttchen Standpunkt dar. Lord Lushendun erklärte fich bereit, die Besprechungen in der geplanten Jorm sortjusetzen und ihren Stand auch in einer ge­rn e i n f a m e n Besprechung der Besat­zungsmächte zu erörtern.

Bevorstehende Erklärung Arlands über dieMeinlandfrage?

Conbon, 10. Sept. (WIB. Funkspruch) IHornlngpofl" berichtet aus Sens: 6s besteht die Meberteugung in allen Kreisen, dasz Brianö demnächst eine bedeutsame 6 r 11 ä r u n g über die Frage der Rheinlandräumung abgeben roerbe Line tintroort irgendeiner tlrt könne kaum viel länger verschoben werden, ba bie deutsche Delegation in Sens nicht un­geschickt vergebe und bie deutsche presse in un­mittelbarster weise die Räumungsfrage im Vordergründe aller politischen Probleme von internationaler Wichtigkeit gehalten habe. Die Wirkung davon sei. dasz die übrigen der Versammlung vorliegenden Probleme in den Schatten gestellt morden feien. 3n dieser Hinsicht hätten die Deutschen bereite einen Anfangserfolg errungen. Le werde in Genf geglaubt, dasz

Befand feit langem z u einer 6nt- fdjeibung in der Räumungsfrage gelangt fei

und dasz er die Gelegenheit sich nickst entgehen lassen werde, um seinen Ruf noch zu erhöhen und sich als der Staatsmann des augenblicklichen Zeitalters In bie oorberfle Stelle zu rucken. Ulan nehme da­her an, dasz er der Dölkerbundsversamm- lung die größte Uederrafchung bereiten werde

Vor allem Reparationen!

London. 10. Sept. (TDXB. Funkspruch.) .LimeS" berichtet aus Paris. Die Rede des ReichSk-anzlerS in Genf, verbunden mit den dort slallsindendei. Besprechungen der Interessierten Machte über die Rhein- landräumung, scheint in Paris den Ein­druck erweckt zu haben, bah sich die Drcig- n^sse rasch vorwärts bewegen und dah me Konferenz erwartet werden kann, die wichtige Beschlüsse erzielen könnte. Die Berichte auf die sich diese Schlüsse gründen, werden jedoch, laut .Times". in gutunterrich­teten Streifen sehr ftarf angezweiselt.

Die amtliche französische Haltung gegenüber der Befetjungsfrage habe sich nicht geändert. Die Besetzung werde als Gewähr für bie Zahlung von Reparationen angesehen, und das habe sich In keiner weise geändert durch die verschie­denen Versprechungen, auf die der Reichskanz­ler In feiner Rebe anfpieltc und bie unter bie Sicherheitsfrage fallen.

Man scheine der Ansicht zu sein, dah e£ Deutsch­land« Lache sei. eine anterc Form der Garantie vvrzuschlagen. Ts werde weiterhin die Ansicht vertreten, dah die in Thoiry besprochene Grund­lage die besten Aussichten biete. E-s sei klar, dah die Franzosen mit Ausnahme wich­tiger Militärkreise wünschen, dah die An­näherung an Deutschlandfortschreite und gern bereit sein würd.n die Zurckzehung der Truppen aus dem Rheinland«: zu sehen, wenn ein ödajj gefunden wird. Der Äorrdpon- bent bezeichnet es al- einen groben Fort­schritt. dah in allen Kommentaren zum Räu- mungSprvblem die Licherheitssrage in den Hintergrund rückt und dah die An­wesenheit der Besatzungstruppen im Rh.inlande nur der Rotwendigkeit der Gewährleistung der Reparationszahlungen zugekchiieben wird.

Der Genfer .Korrespondent deS .Daily Tele­graph- meldet, er erfahre, dah eine

Konferenz der Vertreter aller für bie Räu­mungsfrage in Betracht kommenden Staaten in dieser Woche zusammentrclen

werde, die, wie man hoffe, eine Löfung finden werde.

Wie der Genfer Korrespondent deS .Daily Telegraph", so hält auch der Genfer Korrespon­dent der .Times" eine gemeinsame Konfe­renz der fünf in Betracht kommenden Mächte m Genf über die Räumung sfrage für wahrscheinlich. Diese Konferenz würde den Zweck haben, eine Grundlage zu bestimmen, auf der

offizielle Verhandlungcn nach Schluß der völkerbundsoersammtung

fortschreilen könnten. Don deutscher Seite werde in Abrede gestellt, dah der Reichskanzler die Rotwendigkeit der Gewährung eineS quid pro quo für eine vorzeitige Räumung erkannt habe. GS werde jedoch zugegeben, dah er eS für ratsam finden könnte, zugleich mit den Erörterungen über die Räumung solche über die de u t - l ch e Reparation-schuld vorzuschlagen. Ls werde geltend gemacht, dah e- ein Dorteil für Deutschland selbst fein würde, wenn die Höhe feiner Derpslichtungen be­stimmt und eS in die Lage versetzt würde, fich sobald wie möglich von seinen Derpslichtungen zu befreien. 3n die­

ser Richtung könne vielleicht ein Abkommen er­zielt werden, aber vorläufig scheine jede Seite darauf zu warten, dah bie andere einen end­gültigen Dorschlag mache.

pariser Vermutungen.

Pari-, 9. Sept. IWD) lieber den Stand der vom Reichskanzler Hermann Müller in Gens geführten Verhandlungen über die vor­zeitige Rheinlandräumung glaubt der Auhenpolitiker des .Echo de Paris", der in Gens weilt, berichten zu können: So wie die Dinge stehen, ist nicht gesagt, dah Hermann Müller

Votschafier Gras Vrockdvrff-Rantzau t.

Berlin. 9. Sept (WB.) Der deutsche Boi- schoster In Moskau, Dr. jur. Ulrich Gras Brockbotss-Ranlzau, ist am Samstagabend in Berlin in der Wohnung seines Bruders infolge eines Schlaganfalls plötzlich verschieden. Graf Brockdorfs-Ranhau, der im 60. Lebensjahre stand, hat fich durch feine historische Rolle und durch feine (Begemuarlsleiflungen gleichermaßen um das deutsche Volk hochverdient gemacht. Der plötzliche lob dieses hervorragenden Diplomaten bedeutet einen außerordentlich schweren Der- lüft für d i e deutsche Politik. Sein Harne wird in der Geschichte forileben.

111 r t cb Gras Brockborss-Ranhau entstammte dem alten holsteinischen Gratenge­schlecht der Rantzau. Seine Mutter war eine geborene Gräiin Drockdortf. Erwürbe am 29. Mai 1869 in Schleswig geboren, studierte zuerst Rechtswissenschaften, Promovierte und wurde bann aktiver Offizier im 1. Garde-Regiment zu Fuß. 3m Jahre 1894 trat er in den diploma- tchcn Dienst des Reiche- über, wo er in Brüssel, Petersbuig. Wien und in dem Haag tätig war, bi- er 1909 Generalkonsul in Budapest und 1912 Gesandter in Kopenhagen wurde. Hier verblieb er br- nach der Revolution. Während der letzten Zeit des Kriege- wurde er nnchrsach al- kommender Leiter der Außenpolitik genannt. Doch kam eS nicht dazu. Seine Ausgabe, den Frieden zu schließen, konnte er nicht völlig zu Ende führen. Wohl war er noch der Führer der deutschen Friedcnsabordnung. die am 9. 5. 1919 8um ersten Mal mit den alliierten Mächten tn persönliche Berührung trat. Gr hielt dabei eine Rede, die von der Shiti! der alliierten Presse abgelehnt wurde. Havas berichtete, daß, al- der Gras seine Rede sitzend in Versailles hielt, habe Balfour gegähnt. Wilson seine Entrüstung kaum verbergen können und Lloyd George geflüstert: .Deutsche Dummheit!" We­gen der seiner Meinung nach der Ehre deS deutschen Volle- zu nah.'tretenden Flieden-bedin- gungen trat der Graf am 20 3uni 1919 mit dem Äabmctt Scheibemann zurück. Der Frieden wurde bann am 23. 3uni nach bem Diktat der Alliierten von Hermann Müller und Dr. Dell unterzeichnet. 3m Herbst 1922 wurde Gras Drvck- dorss-Rantztiu, der inzwischen der Demokratischen Partei bei getreten war. als Leiter der deutschen Dertretung nach Moskau entsandt. Diese war seit der Abberutung von Dr. Helfserich im Jahre 1918 unbesetzt gewesen. Später wurde er dort zum Botschafter ernannt. Seine Tätigkeit dort trug ihm am 5. Jahrestag seiner Beglaubigung ein Glückwunschschreiben deS Präsidenten der Russischen Sowjet-Republik Kalinin em, in dem B.S Derdienste um die Beziehungen der beiden Dölker gewürdigt werden.

Oie letzten Stunden des Entschlafenen.

Berlin. 10. Sept. (Priv-Tel. des WTB.) Zu dem plötzlichen Hinscheiden deS deutschen Botschafters in Moskau melden bie Blätter: ®raf Brockdorsf-Rantzau hatte am 24. 3uli feinen Erholungsurlaub angetreten. ®r kam nach Berlin und nahm bei seinem Bruder Wohnung. Einige Wochen später begab er sich auf feinen Landsitz nach Schleswig, wo er sich vollkommen erholte Gesunkcheitlich wieder gan.; auf der Höhe, kehrte er bann nach Berlin '»rück Dor etwa einet Woche erkrankte Gras Brockdorsf-Rantzau an einer Halsentzün­dung, bie ihn ans Zimmer feffelte. Dor etwa brei Tagen trat dann plötzlich eine ernste Ver­schlimmerung feines ZustanbeS ein Zu der 2n- fl * na gefeilte fich eine Herzafsektion. Am Samstag würbe bann der Zustand des Kranken ganz unerwartet bedenklich. Das Her; setzte mehr­fach aus. Der Botschafter war vollkommen bei Besinnung, fühlte sich jedoch sehr schwach und lieh seine Umgebung willen, daß er fein Ende nahen fühle. 3n den Abendstunden ver­sammelte fich feine Familie um dos Kranken­lager. Einige Minuten nach 10 Uhr erlitt er einen Schlaganfall und verlor das Be­wußtsein. Hm 10.30 Hhr trat bet Tob ein.

Sie Beifeyung finbet am Donnerstaqmittag in der FamN-engrutt Anettenheh statt Am

DienStagvormillag wird in der Berliner Drei- saliigkellskirche im Beisein ber Behörden und deS diplomatischen Korp« ein Trauergottesdienst abgehalten.

Oas Beileid

des Reichspräsidenten.

Berlin, 9. Sept. (WTB) Der Reichs­präsident hat zum Tobe des deutschen Bot- schastcrS Graf Brockborss-Ranhau im Lause des heutigen DormiltagS durch Staatssekretär Meiß­ner dem Bruder des Verstorbenen. Ernst Graf Brockdorff-Ranhau. sein herzlichstes Bei­leid au-sprechen lassen.

Siresemann beklagt eine nahezu unausfüllbare Lücke.

Baden-Baden. 9. Sept. (WTB.) Reichs- auhenminister Dr. Siresemann sandle zum Tode deS deutschen DvtschasterS in Moskau. deS Grafen Brockdorff-Ranhau. an dessen Bruder in Berlin folgende- Beileidstelegramm: .Tief erschüttert von ber Rachricht deS unerwar­teten Hinscheidens 3hreS Herrn Bruder-, des Botschafters Graf Drockdorff-Rantzau. bitte ich Sie, mein herzliches und aufrichtige- Beileid entgegenzunehmen. Ich bedauere eS sehr, Ihnen nicht persönlich die Empsindimgen. die mich bei der Rachricht von dem Tode Ihres Herrn Bruders berührten, aussprechen zu kön­nen und bitte Sie, im Geiste meinen Händedruck entgegenzunehmen. Der Tod des (grafen Brock» dorsf-Ranhau hinterläßt eine nahezu u n - au - füll bare Lücke in unseren Reihen. Seine Vertretung deS Reiches in Versailles und die mit großem Erfolg durchgesührte Ausgabe in Moskau werden ihm ein dauernde- An­denken sichern."

Tiefe Bewegung in Genf.

Genf. 9. Sepl. (WB.) Die Rachricht von dem Tode des deutschen Botschafter- tn Moskau Hal bei der deutschen Delegation in Genf tiefe Bewegung hervorgerufen.

Reichskanzler Hermann Müller hat an den Bruder des plötzlich verstorbenen Botschafter- folgendes Beileidstelegramm gerichtet: .Zu dem so plötzlichen Tode deS Grasen Brockdorsf- Rantzau sende ich Ihnen dcn Ausdruck meine­herzlichsten Beileids. Sie wis'en. wie ehr ich Ihren Bruder schätze, der i li schwerster Zeit a l S Außenminister Deutschlands Wort­führer war. AuS fernem für die deutsche Re­publik ersolgreichen Wirken berief ihn der uner­bittliche Tod viel zu früh ab."

Russisches Beileid.

Moskau. 9. Sept. (WTB Funkfpruch.- Der Dorfitzende des Bundeshaut rovllzugeausschulles Kalinin hat an den Reich-Präsidenten von Hindenburg folgendes Telegramm gelichtet: .Empfangen Sie mein aufrichtigstes Bet­leib zum plötzlichen Ableben d:S Botfchaster- Grasen Brockdorfs-Rantzau. Sein erfolg­reiche- Wirken im Laufe von sechs Jahren an verantwortlichster Stelle war ganz dem Ausbau ber freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und ber Sowjetunion gewidmet. Seine Tätigkeit sichert dem Dahingeschiebenen ein dankba re- Erinnern."

Der stellvertretende Dolkskommisiar für Auswär­tige Angelegenheiten, Litwinow, richtete an den Reichsminister des Aeußem Dr. Strefemann folgendes Telegramm:lief erschüttert von der 'Rachricdt des plötzlichen Ablebens des hochverehrten Botfchafters Graten Brockdorsf-Rantzau spreche tch der Reichsregierung, insbesondere dem Auswärtigen Amt, mein und meiner Regierung tiefempfun­denes Beileid aus. In der Perlon des Grafen Rantzau verlieren wir einen der bedeutend­sten Vorkämpfer des Ausbaues der freundschaftlichen Beziehungen zwi­schen Deutschland und der Sow,etunion. Graf Rantzau widmete an der verantwortlichsten Stelle die letzten sechs Jahre seines erfolgreichen Lebens fein ganzes Dollen und Können dieser hohen Aufgabe. In dankbarer Anerkennung seiner hohen Verdienste werden wir sei­ner stets in Freundschaft gedenken."

aus Genf das formelle l'üme:i larzem au-zn» führende Versprechen der Räumung be- Rhein­land«- mitbringen wird Aber .

wird er, wenn er svieber in Berlin eintrdft. da- Versprechen über d i e Führung von Derhanblungen in derTasche haben.

Der Genfer Berichterstatter k^-s .Oeuvre" will erfahren haben, daß Deutschland .bevor es Vorschläge mache, die eine Unterredung zu fün­fen tn dieser Woche ermöglichen wurde, wünsche, zum wenigsten die offiziöse Versicherung au erhalten, daß die Alliierten bereit feien, den Zetipunkt ker R ä n m u n g d e r z w i- ten Zone dvrzuverlegen und irgendeine Gegenleistung. Die Lage werde sich zwciscllo- am Montag oder Dien-tag Nur abzeichnor.

Oie Abrüstung das Kardinalproblem.

Pari-, 9. Sept. (WB.) Zu dem durch die Genfer Rede de - Reichskanzler - «nif- geworsenen Problem der A b r n st u n g erklärt 5erQuol > Ien":

Die Abrüstung ist ein Kardinolprodlem. Der Völkerbund würde sämtliche Hoffnungen, die man auf ihn gesetzt hat, zunichte machen, wenn er diese- Problem nicht lösen würde.

Di« wirkliche Schwierigkeit liegt dabei viel mehr ">m Konflikt ber Deegroßmachte. als in der deutsch- sranzösischen Opposttion. Kontinentale Abkom- men toärcn leichter abzuschließen. Dte Rede Müller- wird zum wenigsten den Dorteil haben, die Ausmerksamkeit ber Demokratien aus ein Problem zu lenken, in bem sie daS entscheidende Wort sagen müssen.

Oie belgischen Hetzer am Werk.

Brüssel, 10. Sept. (XU.) Dte liberale ,.®toile beige" schreibt zur Kanzlerrede, daß Belgien nicht mehr Grund habe, dem jetzigen Kanzler Glauben zu schenken, al- bem vorhergehenden. Bevor Deutschland nicht ernste Garantien für seine ehrliche, mo­ralische Abrüstung gegeben habe, könne Deutsch­land ben alliierten Mächten kein Vertrauen ein- flöhen.

Aehnlich urteilt auch die liberaleIndöpen- bencc beige". Sie schreibt, daß Deutsch­land ernstlich abzurüsten beginnen müsse Man bürfe nicht- überstürzen Die Rede Müller- beweise, daß Deutschland nach wie vor alldeutsch sei und daß die deutschen Sozialisten gute Deutsche seien.

MnleW verteidigt Frankreichs Riislungspolitil.

Pari-, 10. Sept. (TU.) Unter großem mili­tärischem Gepränge und unter Beteiligung der Frontkämpserverbände und anderer Vereinigun­gen wurde am gestrigen Sonntag in Mca u, der 14 Jahrestag der Marneschlachl ge­feiert. Reben Krieg-Minister PainIevö nah­men daran bie Minister Marin und Tor» dieu. sowie Vertreter des Staatspräsidenten, des Außenministers und ein großer Teil der französischen Generalität teil. Die früheren al­liierten Länder mit Smschluh der Vereinigten Staaten waren durch ihre Botschafter, Gesandten oder Militä-attachö- vertreten.

Bei dem Festbankett hielt Krieg-minister Painleve eine längere Rede Gr verlachte einleitend den Widerspruch zwischen ber aroßaufgezogenen Feierlichkeit und ber Unterzc.chnung de- Kellogg» Paktes zu ent- schüldigen, indem er erklärte, daß diese Kund­gebung weder imperialistischen, noch krie frischen Geist habe: noch eine andere Ration bedrohe oder demütige. Der Sieg an der Marne könne al- gemeinsamer Sieg von allen Völkern, die auf» rrchtia nach Frieden. Freicheit oder Gerechttg- feit strebten, gefeiert werden

Dell die Marneschlacht gewonnen wurde, habe ein ftetioggpaft ausgedacht und unterzeichnet werden können, hätten die Alliierten die Marneschlachl verloren, daun wäre keine Hoff­nung mehr auf eine Miederversöhnung der Ra­tionen möglich gewesen. Zwischen dem fiall für die im September 1911 gefallenen Helden und der Verurteilung des Krieges bestehe eben- sowenig ein Miderspruch, wie zwischen der un­erschütterlichen Friedensliebe Frankreichs und der schützenden Rüstung, au^. die es bei der gegenwärtigen Lage in Europa nicht verzichten könne.

Dre leitenden Manner Frankreichs mühten lich ebenso vor einem blinden Mißtrauen - ten, w« vor einem zu hochherzigen ober ver­frühten Dertrauen. Zwischen diesen bei­den Gefahren mülle Frankre ch lernen Weg finden und fortletzen. Diejenigen täuschten sich, die die Bedeutung der mora.ifchen Krähe und die wachsende Derbundenhe-. der Dölker verkennen und die Worte des Friedens ohne Gewaltinaß- nahmen alS emfchlä'ernde Ränke betrachten. Aber diejenigen täuschten sich noch mehr, die vor den üblen Tatsachen die Augen verschlöllen, die noch