ge* Mitgliedern schön ans geschmückten Saale mundeten der gute Bohnenkaffee und daS Gebäck in vorgerückter Stunde ganz vorzüglich.
v. Londorf, 9. Febr. Bei der Submission für die Kanalisierung der Mittelstraße, Freigasse und eines Teils der Kirchftrahe erhielt Bauunternehmer Koch (Hungen), der die niedrigste Offerte mit etwa 9000 Mark hatte, den Zuschlag. Die Gemeinde beabsichtigt, das ganze Dorf in den nächsten Jahren au kanalisieren.
e. Rüddingshausen.9. Febr. Hier wurle dieser Tage von den Holzmachern die „Braut", ein weithin bekannter Baum, gesollt. Die Buche stand in dem Walde zwischen Rüd- dingshausen und Deckenbach und ist Eigentum der Freiherren von Rabenau. Das alter wird auf 300 Jahre geschäht. Die Höhe des Stammes bis zu den ersten Resten beträgt 18 Meter, der Stammdurchmesser am Boden 1,20 Meter. Der Stamm allein hat also einen Kubikinbalt von 20 Festmeter. Die unteren Reste haben die Stärke von normalen Waldbäumen. Zur Riederlegung des Riesen hatte man unter Zuhilfenahme von zwei Drückmaschinen einen halben Tag Arbeit. Unweit der „Braut" stand früher eine andere Buche von etwa denselben Dimensionen, der „Bräutigam". Er muhte schon vor Jahren gefällt werden: die beiden Bäume waren mit den hohen, geraden Stämmen schutzlos den Unbilden der Witterung ausgesetzt und waren dadurch im Laufe der Zeit morsch geworden.
9 Grünberg, 9. Febr. Die jüngste G e - meinderatssihung unter dem Borsitz von Bürgermeister Jockel brachte u. a. folgendes: Der Obstbaukommission wird aufgegeben, darüber zu beraten, welche Umpfropfung von Bäumen für die Gemeinde erfolgen soll. Zu einer diesbezüglichen Sitzung sollen die beiden Flurschühen sowie der Obst- und Gartenbauverein in Grünberg zugezogen werden. Die beiden Sportvereine waren um Hebet« lassung eines Uebungsplahes eingekommen. Es wird beschlossen, dem „Freien Sportverein" und dem „Fußballklub 1 9 2 6" eine Wiese in „der Taufe" pachtweise zu überlassen. Die Ueberlassung erfolgt für das Jahr 1923 kostenlos unter der Bedingung, dah die genannten Vereine sich über die Benutzung der Wie.e als Sportplatz verständigen. Für die Erhebung einer Kanalbenuhungs- gebühr in der Gemeinde Grünberg wird beschlossen, die vom Kreisamt Gießen vorgeschlagene Ortsiahung anzunehmen. Eine vom Kreisamt Gießen vorgeschlagene Polizeiverordnung für die Entwässerung von Grundstücken wird angenommen. Der Ce- meinderat beschließt, dah die Haus- bzw. Grundbesitzer in der Gallusstrahe den vor ihren Grundstücken nicht geplätteten Teil der Bürgersteige bis zum 1. April mit Platten zu versehen haben. Der Gemeinderat erteilt der Bürgermeisterei die Ermächtigung, die seither von Schäfer Schmitt gepachtete S ch a f w e i d e anderweitig zu verpachten. Der Pachtpreis soll nicht unter 1000 Mark pro Jahr betragen. Eine Eingabe des Hochbauamtes Gießen um Zustimmung, die Abwässer und Abortanlagen direkt mit dem Kanal der Theo-Koch-Stratze zu verbinden, wird vom Gemeinderat obgelehnt, da hier kein Klärbecken vorhanden ist und der Ausgang des Kanals an einem öffentlichen Wege liegt.
: Grünberg, 9. Febr. Die Lvndorfer Straße ist jetzt zu beiden Seiten der ober- hessischen Bahn zwecks Vornahme der Kanalisation aufgebrochen. Der Bahnübergang ist für Fahrzeuge gesperrt. Der Verkehr von Londorf her wird nördlich des Bahnhofs durch den alten Stangenröder Weg nach der Stadt geleitet.
K eis Friedberg.
• Friedberg, 9. Febr. Es sei hier noch einmal auf den am Dienstag, 21. Februar (Fastnacht-Dienstag), hier stattfindenden Frühjahrspferdemarkt hingcwiesen. Mit dem Markt wird eine Pferdeprömiierung und eine Lotterie verbunden werden. Zur Prämiierung sind nennenswerte Preise bereitgestellt.
4 Dad-Rauheim. 9. Febr. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer jüngsten Sitzung endgültig, die Hindenburgspende als eine dauernde Einrichtung zu betrachten. Es wird ein Kapital von 5000 Mark au dem Zweck angelegt. Die Zinsen daraus werden jährlich zu Weihnachten dem Wohlfahrtsamt zur Verteilung an Kriegsbeschädigte und Krieger-
Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....
Roman von Erica Grupe-Lörcher.
40. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Sie verlassen Straßburg, Schwester Wendula?" „Ja. Gezwungen! Gestern abend traf uns der Befehl der französischen Behörde: das hier noch zurückgebliebene deutsche Personal des Lazaretts habe morgen früh die Stadt zu verlassen. Unsere deutschen Verwundeten müssen wir jetzt französischen Aerzten und Pflegern überlassen. Entsetzlich! Wie wird man sie da behandeln! Ich bin wie vor den Kopf aeschlagen! Aber unser Stabsarzt sagte uns, es gäbe nichts, als sich beugen!"-
Die Sonne begann, sich hindurchzukämpfen. Die grauweißen Nebel hoben sich allmählich von der Rheinebenc. Der erste zarte, gleichsam sich heroar- tastcnde Sonnenstrahl traf gerade durch eines der Entreefenster Scywester Wendula. Ihr hellblondes Haar leuchtete in seiner Fülle unter dem kleinen schwarzen Samtbarett goldig auf. Sie trug ihren schwarzen Schwestermnantel aus Loden, dessen Abzeichen des Roten Kreuzes heute jedoch fehlten. Zum erstenmal umfing sein Blick sie heute als Frau.
„Das gleidje Schicksal Hal auch uns gestern abend hier betroffen, Schwester Wendula! Auch wir find ausgewiesen ..."
Drinnen aus den anderen Zimmern klang hartes Hämmern und Klopfen. Zum Glück hatte man noch zwei Tischler deutscher Herkunft entdeckt, die Kisten lieferten und zunagelten. Die einheimischen Handwerker verweigerten den Deutschen hämisch jeden Dienst: im Gegenteil, sie freuten sich, wenn nun immer mehr von „diesen Preußen, den steifen Kerlen", ihr Bündel packen und über den Rhein abziehen mußten! ,
„Unser Empfangszimmer, unser Wohnzimmer sind schon voll ÜngemüUichkeiten des Aufbruchs. Dorf ich Sie deswegen in mein Arbeitszimmer führen, Schwester Wendula?"
Als er an ihr vorüberging, um ihr die Zimmer- tür zu öffnen, meinte er: „Es trifit sich gut. Mein ßremid Raymond ist gerade bei mir. Sie können mm auch ihm persönlich Lebewohl sagen!"
hinterblteb«« flbertoiefen. Fktr vte verflossene Weihnacht erfolgt nachträglich die Verteilung von 600 Mark. Beschlossen wurde die R e u v e r - Pachtung der Jagd, die in vier Bezirke eingekeilt ist, von denen aber nur drei seitens der Stadt öffentlich auf zwölf Jahre verpachtet werden. Den 4. Bezirk, in dem der Staat größter Grundbesitzer ist, will man unter gewissen Bedingungen ganz dem Staate überlassen, der die Jagd durch das zuständige Fvrstamt nur als Regiejagd betreiben will. Vom Standpunkt des Raturfrcundes ist diese Regelung zu begrüßen, schafft sie doch den Wildschonbezirk im Frauenwald und in den Reuanlagen, der im Interesse der naturliebenden Kurgäste und Spaziergänger eine Rotwendigkeit für unser Bad ist. Das P o l i z e i a m t hat den Entwurf einer Straßenverkehrsordnung für das Stadtgebiet Dad-Rauheim voroelegt. Fußgängerverkehr, das System der Einbahnstraßen, Sperrung gewisser Straßen für Motorräder usw. finden eingehende Behandlung. Die Verkehrsordnung ist im allgemeinen im Interesse des Heilbades zu begrüßen. Zu einigen Punkten nehmen die Stadtverordneten ablehnende Haltung ein. Entsprechende Abänderungswünsche werden beim Polizeiamt in Vorschlag gebracht. Das Polizeiamt hat ferner den Entwurf einer umfangreichen Straßenpolizei-Verordnung vorgelegt, worüber in besonderer Sitzung in den nächsten Tagen verhandelt werden soll.
WER. P o h l g ö n s, 9. Febr. Bei Renovierungsarbeiten in der hiesigen Kirche wurde unter der Kanzel das mit einer wappengeschmückten Steinplatte verdeckte Grab eines Ritters von Göns ausgefunden, der gegen die Türken gekämpft, reiche Deute mit nach Hause gebracht und die Mittel zur Erbauung der Kirche von Pohlgöns gestiftet hatte. Das hessische Hochbauamt in Friedberg hat das Grab geöffnet und untersucht.
Kreis Schotten.
Gedern, 9. Febr. Am 15. d. M. kann Alt- bürgermeisterNispelin geistiger Frische und körperlichem Wohlbefinden, das nur durch starke Schwerhörigkeit etwas beeinträchtigt wird, seinen 8 0. Geburtstag feiern. Der Hochbetagte stand jahrzehntelang an der Spitze der hiesigen Gemeindeverwaltung. Pflichttreue, Dienftfreudigkeit und strenge Rechtlichkeit kennzeichneten seine Amtstätigkeit, so daß er das Vertrauen der ganzen Gemeinde genoß. Trotz zunehmender Schwerhörigkeit, die ihm seine Amtsgeschäfte erschwerte, waltete er während der Kriegsjahre seines schwierigen Amtes, um dann in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Nicht nur seine Verdienste um die Gemeinde, sondern auch sein bescheidenes, leutseliges Wesen sichern dem Jubilar anläßlich seines 80. Geburtstages ein freundliches Gedenken und herzliche Wünsche für einen heiteren Lebensabend.
X Gedern. 9. Febr. Dei der dieser Tage hier abgehaltenen Holzversteigerung der Fürstlich Stolberg-Werni gerodischen Revierverwaltung kam der Raummeter Duchenscheit 1. Klasse auf 14 bis 15 Mk., 2. Klasse auf 11 bis 12 Mk.. Reiser auf 1 bis 2 Mk.
Eichelsdorf, 8. Febr. Die Masern, die in den Wochen vor Weihnachten verschiedene benachbarte Orte heimsuchten, treten jetzt auch hier ziemlich stark auf. Vielfach ist noch Keuchhusten damit verbunden.
Einartshausen, 8. Febr. Als eine der letzten Gemeinden des Kreises, die noch keine Wasserleitung besitzen, hat sich jetzt unsere Gemeinde enfichlosfen, den Dau der Wasserleitung ausführen zu lassen. Eine hochgelegene Quelle steht nicht zur Verfügung, so dah ein Pumpwerk notwendig wird. Die Arbeiten werden von der Firma Ritzel (Breungeshain) ausgeführt und sofort nach Beendigung der Holzhauerarbeiten begonnen. Man rechnet mit größeren Sprengungsarbeiten.
I Ober-Lais, 9. Febr. Gestern vormittag weilte hier eine Kommission der Forstbehörde, welche die für die Erbauung des neuen Forst Hauses in Vorschlag gebrach!en Plätze besichtigte. Der Kommission gehörten die beiden Ministerialräte Guntrum und Paul, Forstrat Lipp für das Forstamt Ridda, Daurat R o d n a g e l und Oberbausekretär Fink für das Hochbauamt Büdingen, und der hiesige Bürgermeister Schauer mann art Eine endgültige Entscheidung wurde nicht getroffen, da an beiden Plätzen gewisse Schwierigkeiten zu überwinden sein werden. Gerade an dem an sich besonders
Raymond, an den Schreibtisch des Freundes gelehnt, sah dem unerwarteten Besuche mit Erstaunen entgegen und erkannte auch seinerseits erst nach Sekunden in der jungen Dame seine treue Pflegerin aus dem französischen Lazarett. Er fing die letzten Warte van Dietwart auf. „Lebewohl sagen? Schwester Wendula, gehen Sie jetzt nach Deutschland zurück?"
Dietwart teilte auch ihm den Sachverhalt mit. Raymand biß die Zähne zusammen. Er ballte plötzlich seine Hände zu Fäusten und preßte sie vor die Augen.
Unter einem solchen Regime, in einer solchen Atmosphäre sollte er künftig weiter leben? Sollte die ganzen Verhältnisse hier als seine Heimat betrachten?
Dann erzählte Dietwart auch von seinem Schicksal. Er las aus den Augen Schwester Wendulas ein steigendes Entsetzen. Sie selbst trauerte über diese jäh erzwungene Ausweisung, weil sie ihre Pfleglinge zurücklassen, sie in schier hilflosem Zustande den Händen des feindlichen Lazarettpersonals übergeben mußte, van dem man nach den bisherigen Erfahrungen nicht viel Gutes für die Kameraden erwarten durfte. An diese Stadt band sie kein persönliches Band. Si« zog jetzt in ihre Heimat hinüber. Für Dietwart van Schützer bedeutete es grausame Entwurzelung, ein frecher Eingriff in persönliche Rechte. Eine Beraubung.
„Gott, wenn ich Ihnen dach helfen könnte, Herr von Schölzer," entfuhr es ihr impulsiv, „und wenn es nichts wäre, als Ihnen und Ihrer Frau Mutter beim Packen zu helfen. Sie müssen ja alles hier zurücklassen. Denn in den vierzig Kilo Gepäck, die Ihnen mitzunehmen erlaubt sind, bringen Sie ja nur Gegenstände des aUemötigften Bedarfes mit!"
Aus dem Nebenzimmer drang das Hämmern und Klopfen, die Unruhe eines eiligen Aufbruches in aller Schcmerlichkeit und Ruhelosigkeit zu ihnen herein. Dietwart reichte ihr unwillkürlich die Hand. Das waren andere Worte, das war eine andere Haltung, als Melusine ihm geoffenbart hatte!
Schwester Wendula sah ihm forschend ins Gesicht: „Es fit mir keine Redensart, Herr van Schölzer, wenn ich Ihnen meine Hilfe anbiete! Wir find im Lazarett bereits gestern abend alle abgeloft worden. Das französische Personal mitsamt dem französischen Arzte ist gestern abend angetreten. Uns
geeigneten Platze am OrtSauSgang nach Mvba macht die Wasserversorgung Schwierigkeiten, die wohl nur durch Reufasfung einer Quelle und Einrichtung eines elektrischen Pumpwerkes überwunden werden können.
Kreis Alsfeld.
te* Alsfeld, 9. Febr. In einer am Mittwoch stattgehabten außerordentlichen Sitzung des Stadtvorstandes beschäf- tigte man sich wiederum mit der Errichtung des neuen Postgebäudes. Es wurde beschlossen, daß die Bürgermeisterei zur Aufklärung der Bürgerschaft eine Darstellung des Projektes bezüglich des Postneubaues in der OrtSzeitung geben soll. Ferner soll zur Information der Wahlberechtigten für die auf nächsten Sonntag anberaumte Volksabstimmung am Freitagabend eine öffentliche Versammlung unter dem Vorsitz des Bürgermeisters stattfinden. Es handelt sich bei dieser, die hiesigen Gemüter gegenwärtig stark beschäfttgenden Angelegenheit um die Frage, welcher von den beiden in Frage kommenden Bauplätze gewählt werden soll. Der vorliegende Antrag, das „Hotel Krone" zu erwerben, niederzulegen und dort das neue Postgebäude zu erstellen, würde die Stadt etwa 50000 Mk. kosten, wogegen die Stadt bei dem Bauplatz in der Alicestraße, welcher der Stadt gefrört, keine weiteren Aufwendungen zu machen hätte; freilich wäre hier die Stellung und Lage des neuen Gebäudes für das Stadtbild wenig günstig, während hingegen die Errichtung des Gebäudes aus dem Ludwigsplatz auf der Stelle, wo gegenwärtig das „Hotel Krone" steht, für das Stadtbild eine schöne Lösung bedeuten würde.
Kreis Lauterbach.
WSR. Lauterbach, 9. Febr. Als der Güterzug am Dienstagabend in den Bahnhof Rixfeld einfuhr, bemerkte das Begleitpersonal, dah aus dem oberen Stockwerk der Bahnhofswirtschaft Flammen schlugen. Zum T.ock- nen aufgehängte Wäsche hatte Feuer gefangen, das bereits auf das Bett Übergriff. Den vereinten Bemühungen des Zug- und Dahn- hofspersonals gelang es, den Brand zu löschen. Im gleichen Zimmer hatte ein Kind geschlafen, dem so durch die Eisenbahner das Leben gerettet wurde.
P. Schlitz, 9. Febr. Gin von 300 bis 400 Personen besuchter Familienabend des hiesigen Kirchenchors nahm einen sehr schönen Verlauf. Die Feier wurde eröffnet mit der kraftvollen, zur Andacht stimmenden „Großen Doxologie", worauf ein Hornquartett ein Musikstück meisterhaft vortrug. Der Kirchenchor folgte darauf mit Gesang des Liedes: „Der Frühling naht mit Brausen". In der inneren Erfassung und äußeren Darbietung bot hier der Chor ein Meisterstück musikalischen Könnens. Dann leitete schließlich das Hornquartett zu einem reizenden Singspiel „Schuberts erste Liebe" über, das in die Biedermeierzeit versetzte, von drei Damen und sechs Herren glänzend gespielt wurde. In dem Stück war eine lustige Liebesgeschichte von Schubertliedern wundervoll umrahmt. Am Schluß des Singspiels wurden die mitspielenden jungen Damen vom Vorsitzenden des Chors mit herrlichen Blumensträußen bedacht.
Starkenburg.
* Darmstadt, 9. Febr. In einem 6a f 6 in der Waldstrahe wurde eine Anzahl Karten - s p i e l e r beim Glücksspiel betroffen. Das auf dem Spieltische liegende Geld und das benutzte Kartenspiel wurden beschlagnahmt. Die beteiligten Spieler wurden auf dem Polizeiamt vernommen und dann wieder entlassen.
WSN. D a r m ft a b t, 9. Febr. Das im Jahre 1925 gegründete st ä d t i s ch e O r ch e st e r ist heute auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung aufgelöst worden, da es in den vergangenen Jahren mit starken Defiziten arbeitete. Die Kündigungen des Dirigenten des Orchesters und feiner Mitglieder werden aufrechterhalten. Dagegen soll ein neuesOrchester organisiert werden, das in losem Zusammenhang zur Stadt steht und den Namen Darmstädter Orchester führt. Die Stadt wird zu diesem zu bildenden Orchester einen Zuschuß von 10000 Mark jährlich leisten. Als Gegenleistung hat das Orchester zweiwöchentlich Platzkonzerte und etwa fünf Konzerte auf Wunsch der Stadt kostenfrei ausführen.
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anderen brennt jetzt tatsächlich der Boden hier unter den Füßen. Unser bißchen Habe liegt in Bündelchen in einer Kammer im Lazarett. Jeder von uns ist in die Stadt gegangen, um Abschiedsbesuck)e zu machen ober um noch einmal durch die lieben alten Straßen der teuren Stadt zu gehen, die wir nun verloren haben. Sprechen Sie mit Ihrer Frau Mutter! Lassen Sie mich mithelfen! Sie wissen, in was für Situationen wir draußen im Felde haben arbeiten muffen. Mir ist keine Arbeit zu schwer oder zu anstrengend —."
„Sprich doch mit deiner Mutter, Dietwart!" ermunterte Raymond den Freund, „es können nicht genug Frauenhände mit ihrer praktischen Art in solchen Stunden zum Helsen da sein!"
„Schwester Wendula, wir sollten Sie in den letzten Stunden, die Sie hier in der Stadt verleben dürfen, für unsere allerpersönlichste Angelegenl)eit in Anspruch nehmen —?" fragte er, bereits an der Tür stehend, nochmals in hellem Zweifel zurück. Sie aber nickte ihm nur lächelnd zu und meinte: „Ja, fragen Sie nur! Wenn ich Ihnen hier noch mit-- helfen konnte, — es würde mir über den Trennungsschmerz um dieses verlorene Land etwas hin- weghelfen können!"
Er schritt nach hinten, um die Mutter bei den Leinenoorräten .zu suchen. Wie würde chr der Wunsch von Schwester Wendula willkommen sein. Denn stand sie nicht ganz allein als Frau zwischen den Männerhänden, die mit emsiger Kraft packten und hämmerten, zunagelten, Kiste auj Kiste aufeinanderschichtend? Hatte nicht gerade |eine Mutter sich schon nach der helfenden Mitarbeit einer Tochter gesehnt, als der einzige Sohn ins Feld zog und ihr Haar bereits zu ergrauen begann?
Es war seit mehr als vierundzwanzig Stunden das erste Gefühl der Freude, der Wärme, wie er nun an Schwester Wendulas Wunsch dachte.
*
Gerade als er durch den Vorplatz schritt, schlug die Entreeglocke an. Er öffnete selbst. Einen fremden Herrn in kurzem Gehpelz sah er vor sich. Seine breite, kräftige Gestalt stand im Rahmen des jetzt hereindringenden fahlen Sonnenscheins. „Herr Wenger!" rief er nach kurzem Forschen in den Gesichtszügen, die gegen das Licht lagen.
„Wie schön, daß ich Sie zu Hause antreffe, Herr von Schölzer," Wenger mar auf die einladende
Preußen.
Kreis Wetzlar.
)•( Hochelheim, 9. Febr. Dieser Tage veranstaltete der hiesige Kriegerverein einen Lichtbilbervortrag. Als Redner hatte er Major a. D. ßinöcnau aus Gießen gewonnen, der sprach über ..Meine Kämpfe in den Karpathen 1914 15" und „Der Weltttieg in Bildern". Die Ausführungen. für die der Vortragende von den ungefähr 300 Zuhörern reichen Beifall erntete, wurden durch etwa hundert Bilder näher erläutert.
Kreis Biedenkopf.
cP Riederweidbach, 9. Febr. Die hiesige Rutz- und Brennfrolzversteigerung ergab folgende Durchschnittspreise: Fichtenstämme la- bis 3v°Klasse 29,95 Mk., Kiefernstämme la» bis 2a°Klasse 21,05 Mk.. Eichenstämm^ 1. Klasse 21 Mk., 2. Klasse 25 Mk., Eichenstangen 1. Klasse 11,30 Mk. pro Festmeter. Eichennutzscheit, 1,20 L., 2. Klasse 11,30 Mk., Eichennuhlnüppel, 2,00 L., pro Raummeter 8 Mk. Brennholz: 2 Raummeter Vuchenscheit 26,50 Mk., 2 Raummeter Buchen- knüppel 20 Mk., 2 Raummeter Eichenscheit 17,50 Mark, 2 Raummeter Eichenknüppel 13 Mk., 3 Raummeter Duchenreiser 5 Ms. 3 Raummeter Eichenreiser 1 Mk.
Kreis M »rburg.
|[ Marburg, 9. Febr. Wie mitgeteilt wirb, hat bic Stabt Marburg auch jetzt roieber Gelegenheit genommen, zum Verkauf stehendes G e I ä n b c am sog. „Hirschfeld", am „Drtenberg", im „Afföller" und am „Weinberg" zu erwerben.
Maingan
Lpd. Frankfurt a. M., 9. Febr. Im Alter von 78 Jahren ist hier Geh. Sanitätsrat Dr. Oskar Pinner gestorben. Pinner war einer bet bekanntesten Frankfurter Chirurgen.
Wirtschaft.
Oie Reichsbank Anfang Sebruor.
Der Ausweis der Reichsbank vom 7. Februar zeigt einen Rückgang der gesamten Kapitalanlage in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten um 197,9 Mill, auf 2359,5 Mill. Mk. Im einzelnen haben ab- genommen die Bestände an Wechseln und Schecks um 129,3 Mill, auf 2243,6 Mill. Mk., die Lombardbestände um 68,5 Mill, auf 22,8 Mill. Mk. Die Anlage in Effekten blieb mit 93,1 Mill. Mk. nahezu unverändert.
An Reichsbanknoten und Rentenbankscheinen zusammen sind 224,6 Mill. Mark In die Kassen der Bank zurückgeslossen, und zwar hat sich der Umlauf an Reichsbanknoten um 213,3 Mill, auf 4037,8 Mill. Mk., derjenige an Rentenbankscheinen um 11,3 Mill, auf 614,5 Mill. Mk. verringert. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen haben sich dementsprechend auf 36,2 Mill. Mk. erhöht. Die fremden Gelder zeigen mit 509,0 Mill. Mk. eine Zunahme um 11,2 Mill. Mk.
Die Bestände an Gold und deckungs- fähigen Devisen insgesamt sind mit 2179,5 Mill. Mk. ausgewiesen, im einzelnen Gold mit 1886,6 Mill. Mk., deckungsfähige Devisen mit 292,9 Mill. Wk.. Die Vermehrung des Goldbestandes beruht auf der Uebernafrme eines Postens, der der Reichsbank angeboten worden war.
Die Deckung derRoten durch Gold allein besserte sich von 43,9 Prozent in der Vorwoche auf 46,7 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 50,8 Prozent auf 54,0 Prozent.
Oie Anlage der Reichsbahngelder.
Das zwischen der Reichsbahn und der R e i ch s b a n k im Frühjahr vorigen Jahres getroffene Abkommen über bic Anlage eines Teils ber Reichsbahngelber war bekanntlich am 31. Dezember 1927 abgelaufen. Wie ber WTB.- Hanbelsbienst erfährt, ist jetzt eine neue Vereinbarung zwischen der Reichsbahn unb der Reichsbank zustanbe gekommen. Hiernach wirb eine namhafte Summe ber vorhanbenen Bestäube weiter von der Deutschen Verkehrskreditbank nach den bisherigen Grundsätzen verwaltet, die in ber Hauptsache eine Ausleihung an das Bankgewerbe vorsehen. Die weiteren verfügbaren Kassenbestänbe werben dein Konto der Deutschen Verkehrskrebitbank bei
Handbewegung von Dietwart eingetreten, „ich bin heute expreß zur Stabt hereingekommen, um Sie unb Raymond zu mir herauszuholen. Wann könnten Sie beide zu mir auf mein Landhaus kommen? Am liebsten nähme ich Sie und Raymond gleich mit mir!"
.Ich kann nicht mehr kommen, Herr Wenger!" Dietnxirt streckte dem jungen Elsässer beide Hände entgegen.
War es nicht zum erstenmal seit diesen überschatteten Tagen, daß ein Elsässer, ein Sohn dieses Landes, sie nicht verleugnete, sie nicht als „Boches" mied, nein, ihnen vielmehr einen Freundschaftsdienst erweisen wollte?
Auch Wenger wurde nun auss äußerste von ber Nachricht der Ausweisung betroffen. Er schüttelte den Kopf und sagte immer wieder: „Schändlich ist das! Aber wer die Franzosen kennt, wie ich sie kenne, der wundert sich nicht über ihre Arroganz und ihren fanatischen Haß." Sein Blick streifte rings die zugenagelten Kisten unb Kasten, die bereits zum Abtransport auf dem Vorplatz, teils an den offenen Türen nach den Rimmern standen.
„Wenn Ihnen erlaubt ist, nur vierzig Kilo Gepäck jeder mitzunehmen, — wo lassen Sie Ihre ganze Wohnungseinrichtung, Herr von Schölzer?"
„Bei einem Transporteur. Uns bleibt nichts anderes übrig. Ob ber Mann zuverlässig sein wird — I ob wir je später die Sachen herausbekommen wer- I den —?" Dietmar! zuckte die Achseln.
„Es ist eine ganz große Gemeinheit!" platzte . Wenger wieder in seiner Urwüchsigkeit heraus. Auch ! er hatte gestern abend bei feinem Eintreffen hier in ber Stadt von den erften Ausweisungen gehört, j Hatte auch erfahren, wie roh unb schadenfroh sich ieilweise der elsässische Pöbel dabei draußen an der Rheinbrücke betragen hatte. Er schämte sich seiner Landsleute! Was in seinen Kräften stand, mußte er auttumachen suchen in diesen Tagen des Zwiespalts, des Hasses, der ungeheuren Ummäl^mgen.
„In meinem Stadthause hier wäre noch genügend Platz, um Ihre Sachen unterzustellen, Herr von i Schölzer! Ich habe auf meinem Boden sehr große , und trotfene Räume, in die man Ihre ganze Einrichtung tragen lassen kann. Ich selbst würde das Überwacken und die Schlüssel zu diesen Räumen an mich n-eymen."
(Fortsetzung folgt.)


