r. Bezirksklaffe Lahnfreis.
Nachdem sich am letzten Sonntag D cf ers- bausen für seine 6:1-Niederlage in Kirchhain mit einem 5:0 Sieg in Ockershausen revanchiert hatte, gelang «S auch den „Oraniern" auS Frohnhausen, durch einen 5:3 Sieg Pcher den V. f. N. Butzbach weiter vom Ende wegzukommen, das jetzt der S. V. Herborn mit zwei Punkten weniger einnimmt. Der kommend Sonntag bringt Spiele, die die Frage nach den Absteigenden weiter entwickeln werden. Herborn — Frohnhausen ist für Herborn eine letzte Möglichkeit zum Punktgewinn, mit dem es aber nur auf gleiche Höhe mit den anderen Abstiegskandidaten kommen konnte. Trotzdem sind die Aussichten nicht besonders groß. Herborn spielt zwar auf eigenem Platz, was für die Herborner schon immer ein besonderer Vorteil war. Dagegen ist Frohnhausen in letzter Zeit doch zu einer beachtlichen Form aufgelaufen. Fr ankenberg, das ebenfalls zu den letzten gehört, hat den Wetzlarer Sp. V. #it Gast und wird sich dieser entschieden spielstarker gewordenen Elf nur schwer erwehren können. Aber nicht nur am Ende, auch an der Tabellenspitze ist mit einer Entscheidung zu rechnen. Der führende V. f. B. K u r h e s s e n 05 Marburg hat Kirchhain zu Gast und damit eine Mannschaft, gegen die er nur ein Llnentschieden im Vorspiel herausholen konnte. Aber Kirchhain hat inzwischen nachgelassen, und zudem werden die Marburger dieses letzte entscheidende Spiel nicht so leicht nehmen, daß ihnen daraus ein Punktverlust entstehen könnte. Gewinnt Marburg, so ist seine Meisterschaft sicher. 3m anderen Falle sind noch evtl. Entscheidungsspiele notwendig. Damit ist aber nur entfernt zu rechnen. m. w.
V. f. B.
Einem alten Abschluß gemäß sollte die Liga am nächsten Sonntag nach Wiesbaden fahren, um gegen die dortige „Germania" das fällige Rückspiel auszutragen. Nachdem ..Germania" diese Woche um Verschiebung des Termins gebeten hatte, ist man mit Ockershausen in Verbindung getreten, um diese zu einem Gesellschaftsspiel auf hiesigem Platze zu verpflichten. Eine endgültige Zusage der Marburger Vorstädter steht noch aus, jedoch ist mit ziemlicher Sicherheit damit zu rechnen, daß das Spiel zum Dustrag kommt.
Die Ligareserve geht nach Heuchelheim, um gegen dessen Erste eine alte Rückspielverpflichtung einzulösen. Sie wird sich anstrengen müssen, wenn sie gegen die spielstarken Heuchelheimer bestehen will.
Die Dritte hat auf hiesigem Platze Großen-Dusecks Erste zu Gast, und sollte, nach ihren bisherigen Erfolgen zu urteilen, einen glatten Sieg davontragen.
Seit langer Zeit tritt auch wieder die Handballmannschaft auf den Plan; sie will sich mit Garbenteichs Handballern messen.
Die er ft e Jugend hat auf hiesigem Platz im Diplomspiel die 3ugend von Niedergirmes zum Gegner. Wenn auch durch di« Sperrung einiger Spieler in etwas geschwächter Aufstellung, sollt« ihr doch ein knapper Sieg gelingen.
Ebenfalls im Diplomspiel trifft die zweit« 3ugend auf die erste Werdorfs. Auch sie hat den Vorteil des eigenen Platzes und einig« Aussicht auf einen Sieg.
Di« erste Schülermannschaft wird ihren Gegner, di« Schüler Klein-Lin- denS, glcckt schlagen.
Freie Turnerschast Gießen.
Kommenden Sonntag fährt Gießen 1. und 2. Mannschaft nach Wetzlar, um dort ihren Rückspieloerpflichtungen nachzukommen. Gießen wird sich den Sieg nicht nehmen lassen.
Auf eigenem Platz empfängt Gießen 1b Gäste aus Hungen. Hungen 1 spielt gegen Gießen 1b. Dor diesem Spiel findet ein Jugendtreffen Gießen gegen Klein-Linden statt.
Turngau Lahn-Oünsberg A.O.T.
Am Sonntag fand in W i e s« ck die G a u - vorstandssihung statt, in der über den
Landsleute und Landstreicher.
Von unserem ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Sao Paulo, im Winter.
3n Santos geschah es zum erstenmal, daß ich den Blick in südamerikanische Abgründe warf. Auf der palmenbestanbenen Promenade am Hafen begegnete mir der „Leutnant von Brasil", der sich unter tadelloser Verbeugung für einen eben gefundenen Zigarettenstummel Feuer erbat. Seine Kleidung, die schon das letzte Stadium abgerissener Eleganz erreicht hatte, seine Aus- Lrucksweise und seine Bewegungen verrieten mir den Helden der bekannten Tragödie, die sich in den verschiedensten Handlungen und Gestalten, aber immer mit dem gleichen Schluß, in den Ländern Amerikas abspielt.
3ch bat ihn. mit mir ein Glas Wein zu trinken, was er mit einem „Verbindlichsten Dankl" und „'statten, daß ich mich gelegentlich revanchiere" annahm. Als wir in der finsteren Hafenspelunke auf wackligen Schemeln an einem kleinen schiefen Tisch Platz genommen und das erste Glas der roten, aus Wein, „alcohol puro“ und Quebracho- saft gemixten Flüssigkeit getrunken hatten, holte mein Gast aus seiner in der rechten Rocktasche verborgenen Stummelsammlung eine angerauchte Zigarre hervor, setzte sie umständlich in Brand und rief nach dem Wirt.
„3ofe, das Zeug schmeckt heute wieder wie die auf Flaschen gefüllte Gemeinheit. Bring' mal ’ne echte Importsache von drüben."
Dann wandte er sich zu mir und fixierte mich wohlwollend durch sein Monokel, das früher anscheinend als Uhrglas gedient hatte.
„Kolossal gefreut, nach langer Zeit 'nen Landsmann zu treffen. Sind wohl eben erst angekommen? Sehen noch so neu aus. Ra, werden bald genug dies Afsenland kennenlernen." Er schüttete sein Glas wieder voll, leerte es auf einen Zug und zündete sich einen neuen Stummel an.
„Tja, man muh. hier ökonomisch leben, wenn man zu Geld kommen will. Habe da einige Tips für Sie. Müssen s so machen wie Earnegie und Edison. Haben beide klein und häßlich angefangen. — Liebrigens ’n ganz heller Kopp, der Edison."
Während er so weiterschwahte. betrat ein bärtiger Mann die Gaststube, der feinem Aeuheren nach ebenfalls zur Kategorie der „AtorranteS"
Arbeitsplan für das laufende Jahr beraten und beschlossen wurde.
Am 18. März treten di« Geräteturner und -turnerinnen zum Gerätewettkampf in Wieseck zusammen. Kurz darauf werden die Leichtathleten mit einem Waldlauf ihre Saison eröffnen; als Tag dieser Veranstaltung wurde der 8. April festgesetzt. Dem wird die größte Veranstaltung des Gaues folgen: das Gau - turnfest am 1. Juli, mit dessen Durchführung der Turnverein Lollar beauftragt ist. Der 15. Juli ist der Jugend gewidmet; es findet cm diesem Tage, wie alljährlich, das Schüler-
wetturnen statt. Die Abwicklung dieser Veranstaltung liegt in Händen des Turnvereins Hausen bei Gießen. Di« Turnvereinigung Ruttershausen hat die Schwimmwettkämpfe des Gaues für den 2 9. Juli übernommen.- Der 150. Geburtstag des Turnvaters Jahn soll würdig gefeiert werden durch die leichtathletischen Wettkämpfe auf dem Berg- turnsest am 12. August in Dorlar, Kreis Wetzlar. Hierauf werden sich noch einmal die Besten des Gaues zu den Gaumei st erschaffen am 16. September in Ruttershausen treffen.
Das Sportfest der 25 Nationen.
Auch Deutschland auf der Winterolympiade in St. Moritz.
Von Albert Müller.
Am 11. Februar beginnt in St. Moritz die mit Spannung erwartete große Winte r o l y m p i a d e, die zweite ihrer Art. Zum erstenmal wird auch eine deutsche Mannschaft an dem Wettkampf teilnehmen. — D. Red.
Als vor 22 Jahren, einer Anregung des Barons Pierre de Coubertin folgend, die griechische Tradition der „Olympiaden" wieder ausgenommen wurde, steckt« der Wintersport noch in den Kinderschuhen. Niemand dachte damals daran, den „olympischen" Sportar.en auch Winterspiele anzugliedern. Erst das rasche Aufblühen des Wintersports in diesem Jahrhundert führte dazu. Die olympischen Winterspiele, die am 11. Februar in St. Moritz beginnen und bis zum 19. Februar dauern, finden nun zum zweitenmal statt, nachdem sie im Jahre 1924 der 8. Olympiade angegliedert und in Cha- monix abgehalten worden sind. Diesmal haben sich sowohl Davos, wie St. Moritz lebhaft darum beworben, zum Kampfplatz der umfassendsten Wintersportkonkurrenz erkoren zu werden. Di« Entscheidung fiel schließlich zugunsten von St. Moritz, das jetzt der glänzendsten Wintersaison entgegengeht, die es wohl je gehabt hat. Es ist hervorragend für die Wintersportkämpfe geeignet; besitzt es doch ein« wundervolle künstliche Eisbahn, die nur von derjenigen von Davos, der größten der Welt, übertroffen wird. Außerdem hat es einen See, auf dessen Eisdecke das Skijöring — dieser sashionable norwegische Sport, ein Rennen aus Skiern hinter Pferden — aus?» getragen wird; es besitzt den „Crefta-Run" für das Skeletonrennen und eine Dobkxchn; schließlich hat es noch eigens für die Olympiade eine neue Skisprungschanze errichtet, zu der große PublikumstribÜ! en mit 2200 Sitzplätzen gegoren. Diese sog. „Olhmpiaschanze" gilt cüs ein Meisterwerk und wird den Skiläufern Aekord- sprünge erlauben. Der Dau dieser Sprungschanze hat St. Moritz 200 000 Franken (160 000 Mark) gekostet.
Die Aufwendungen, die St. Moritz für die Organisation der Winterolymp ade gemacht hat, gehen in die Millionen. Dabei verfügt das Olhmpiakomitee selbst nur über geringe Mittel; die Schweiz hat zwar — im Gegensatz zu Holland, das jede Unterstützung für die diesjährigen olympischen Spiele in Amsterdam verweigert hat, weil dabei auch an Sonntagen Wettkämpfe statt- finden — ein« gewisse Subvention bewilligt; aber di« Hauptlast trägt der veranstaltend« Sportplatz. Seit vielen Monaten ist ein über ganz Europa und sogar über Amerika verzweigter Propagandaapparat in Tätigkeit; diese Organisation hat alles für die Reise der National- Mannschaften geregelt, die aus 25 Ländern nach St. Moritz geeilt sind; die meisten Sportsleute befinden sich nun schon seit längerer Zeit auf dem Kampfgelände, um sich im Training auf die besonderen Eigenheiten des Platzes einzustellen. Ein Pressedienst ist eingerichtet; das Holet Victoria wurde für die Presse reserviert und für die Bedürfnisse der Journalisten umgestaltet. Für die verschiedenen Länder ist auch ein Bilderdienst eingerichtet worden; von verschiedenen Seiten, auch von deutschen Kreisen, ist dagegen
protestiert worden, daß nur einige Photographen und zahlungskräftige Firmen di« Konzession erhalten haben, bei den Wetttämpsen Pressebilder und Filmaufnahmen anzufertigen. Das Olympiade-Komitee begründet sein« wenig liberale Maßnahme damit, daß nur auf diesem Weg eine Sicherheit für photographisch« Qualitätsarbeit gewährleistet sei.
Der tatsächliche Grund für die eigenartige Behandlung der Bildberichterftatter ist aber wohl, daß die Veranstalter versuchen, auch auf diesem Weg gewisse Einnahmen zu erzielen; die Eintrittspreis« zu den Wettkämpfen können nämlich nur einen Bruchteil dessen einbringen, was für die „Olympiade" ausgegeben worden ist. Wenn sämtliche Dauerkarten für die 2200 Sitzplätze verkauft werden — für den ersten Platz kostet eine Karte 350, für den dritten Platz 100 Schweizer Franken — dann hat das Komitee daraus eine Einnahme von etwa einer halben Millionen Franken, was bei weitem nicht zur Deckung der Kosten ausreicht. Das ist aber auch nicht zu erwarten. Ein erheblicher Teil der Hn» kosten muß natürlich als werbende Ausgabe für die Erhöhung des Fremdenverkehrs verbucht werden, und in dieser Hinsicht scheinen sich di« Hoffnungen der Gastwirte von St. Moritz voll zu erfüllen. Seit Wochen sind die Hotels besetzt, und jetzt schon beherbergt St. Moritz mehr Fremde als es normalerweise sonst aufzunehmen vermag. Dabei finden auch in ruhigen Zeiten 6000 Gäste in dem kleinen Ort Platz. Selbst in dem etwa» drei Bahnstunden entfernten Davos sind heut« schon alle Hotels besetzt — garnicht zu reden von den St. Moritz benachbarten Engadiner Dörfern wie Pontresina, Sils, Silvaphana usw.
Am 11. Februar wird also in einer Höhe von etwa 1800 Meter die weiße Olympiade, lagge mit den fünf farbigen Ringen gehißt werden, in Anwesenheit der Nationalmannscha ten von 25 Ländern — selbst Japan, Mexiko und Argentinien beteiligen sich — und eines internationalen Publikums von Rang. Unter den Anwesenden wird man den König von Belgien und den Prinzgemahl der Königin der Niederlande erblicken. Daß di« sportlichen Kämpfe in so großer Höhe stattfinden, ist nicht unwesentlich: das ist für die Atmung sehr günstig, doch arbeitet in dieser Höhe das Herz ziemlich mühsam, und daran haben sich die fremden Mannschaften durch vorhergehendes Training in St. Moritz erst zu gewöhnen versucht. Zum erstenmal ist übrigens eine sportärztliche Llntersuchungsstation mit der Olympiade verbunden, die mit allen modernen Forschungsmitteln die Körperfunktionen der Sportsleute, namentlich die Herztätigkeit bei den Skiwettläufern studieren wird; auch davon darf man sich außerordentlich bemerkenswerte, wissenschaftlich wertvolle Ergebnisse versprechen. Eine ganz besondere Leistung in physiologischer und allaemein sportlicher Hinsicht verlangt der Milltär- patrouillenlauf auf Skiern, an dem sich, neben _ den Militärmannschaften aus acht anderen Ländern, auch ein« Reichswehrpatrouille beteiligt. Es muß bei dem schätzungsweise dreistündigen Lauf ein Höhenunterschied von etwa 1000 Meter in feldmarschmäßiger Ausrüstung überwunden werden. Sehr
(Landstreicher) gehörte. Die blauen, fiug blitzen- Augen unter hochgewölbter Stirn waren ein beredtes Zeichen dafür, daß auch hier ein Leben Schiffbruch gelitten hatte. Der Ankömmling war der „Bürgermeister von Santos".
„Hallo — Bürgermeister", rief mein Gegenüber, „komm' mal her und setz’ dich an den Aristokratentisch. Es gilt, einen honorigen „Gringo" zu begrüßen und bei der Gelegenheit die Weinvorräte von Santos zu vermindern."
Der „Bürgermeister" tat sehr vornehm und reichte mir zum Gruß die Fingerspitzen. Meinem Wein gegenüber verhielt er sich allerdings weit weniger ablehnend, er trank das üble Zeug mit einem Durst, der eben nur einen Atorranten in Brasilien bei 42 Grad im Schatten quälen kann.
„Hab da gesehen", begann er nach einer Minute des Schweigens, „daß in der Stadt wieder verschiedenes passiert ist, was mit meinen Intentionen ..
„Tu' uns schon den Gefallen", unterbrach ihn der „Leutnant", „und verschone uns wenigstens heute mit Deinen kommunalen Angelegenheiten. - Darf ich Dir ’ne halbe Havanna aus meiner Liebhabersammlung anbieten?"
Er griff in die rechte Rocktasche, doch der „Bürgermeister" winkte mürrisch ab. Er rauche heute nicht, und er fei überhaupt wütend.
Weshalb er wütend war, sagte er nicht. Ich konnte es auch nicht mehr in Erfahrung bringen, denn die beiden brachen nach kurzer Zeit auf, um — wie sich der „Leutnant" ausdrückte — noch einen „nahrhaften Spaziergang" zu machen. Etwas später sah ich sie auf einer Bank am Quai sitzen, wo sie in Zeitungspapier gewickelte Bratkartoffeln mit Rindfleisch verzehrten. die sie von einem der Schiffsköche bekommen hatten. Der Wirt hatte, als ich sein Lokal ver- lassen wollte, um den beiden zu folgen, mein Interesse an ihnen bemerkt und mir einige Aufklärungen gegeben.
Der „Leutnant von Brasil" war ein früherer österreichischer Offizier, der wegen lumpiger zweihundert Kronen Spielschulden, die er zum festgesetzten Termin nicht bezahlen konnte, vor mehr als fünfzehn Jahren Oesterreich verlassen hatte. Er trieb sich zunächst als Abenteurer in den Ländern Südamerikas umher, arbeitete in den Kaffee- Plantagen Brasiliens, in den Baumwollpflanzungen des argentinischen Chaco, weidete Schafe in Patagonien, galoppierte als Gaucho durch o^«.^ouipa und landete schließlich, schon ermüdet und haltlos, vor einigen Jahren in SantoS, wo
er schnell dem Abgrund zutrieb. Seine Wider- standskrast war durch den mißglückten Versuch, sich in der neuen Welt eine Existenz zu gründen, durch die Sehnsucht nach der Heimat und durch den Alkohol zusammengebrochen. In Santos tat er den feierlichen Schwur, in Amerika niemals wieder zu arbeiten, weil das erstens zwecklos und zweitens nicht standesgemäß fei. In Atorran- tenfreifen, wo man seinen früheren Beruf kannte, nannte^ man ihn den „Leutnant von Brasil", hauptsächlich wohl deshalb, weil er auch heute noch die Allüren zeigte, die er aus seinem damaligen Milieu mitgebracht hatte.
Der „Bürgermeister von Santos" war früher Ingenieur gewesen. Er hatte in verschiedenen Ländern Südamerikas, hauptsächlich in Chile und Peru, am Bahn- und Brückenbau gearbeitet und sehr viel Geld verdient. Bei einem Streit mit einem Eingeborenen erhielt er von diesem einen Keulenschlag, der die rechte Schläfe traf. Seit jener Zeit ließ seine Arbeitskraft nach. Es traten Gedächtnisschwäche, Wahnvorstellungen und andere geistige Störungen auf. Monatelang hielt er sich in verschiedenen Sanatorien auf, bis seine Ersparnisse verbraucht waren. Sein Zustand hatte sich etwas gebessert, aber nun lag er auf der Landstraße, denn an Arbeiten war ja zunächst noch nicht zu denken.
Er ist auch nicht mehr dazu gekommen. Auf seiner Wanderschaft durch Brasilien traf er in Santos mit dem „Leutnant von Brasil" zusammen, und da ihm die Stadt sehr gefiel, beschloß er, za bleiben. Da er stets stolzen und aufrechten Ganges durch die Straßen fchritt, das eingefallene, von schwarzem Bart umrahmte Gesicht mit kritisch musterndem Auge den Menschen und Dingen zugewandt, nannte man ihn den „Bürgermeister von Santos", und es dauerte nicht lange, so hielt er sich tatsächlich auch selber für das Stadtoberhaupt.
Ich bin häufig auf meinen Reisen durch südliche Länder solchen Gestalten begegnet. Sie gleichen entwurzelten Bäumen, die schon zu lange auf dürrem steinichten Boden lagen, um in frischem Erdreich noch einmal zu erblühen. Man kann üjnen nicht helfen. Denn d-as. was noch von ihnen lebt, ist nur ein wertloses Klischee deS früheren Menschen, fast ohne Ähnlichkeit mit jenem Bilde, das einst an erhabener Stelle, im Elternhause oder im Herzen der Geliebten thronte. Sie stehen abseits vom Leben, weil sie sich selber längst gestorben sind.
gute Aussichten haben bei diesem Wettbewerb auch Norwegen und die Schweiz.
Deutschland, das zum ersten Male auf einer Winterolhmpiade vertreten ist, beteiligt sich an elf von den zwölf ausgeschriebenen Wettbewerben. E i s s ch n « l l - und -Kunstlauf, Skilauf und Skisprung, Eishockey, Bvbrennen find die wichttgen Konkurrenzen; aber auch an dem halsbrecherisch^ Skeletonrennen, bei dem der Fahrer auf einem kleinen Schlitten, auf dem Bauche liegend, den jähen Cresta Run hinunterrast — ein Sport' den früher nur die waghalsigsten Engländer pflegten — nehmen heut« schon acht Nationen teil. Es ist der einzige Wettbewerb, den Deutschland nicht bestreitet. Im Skijöring, in dem kein Wettkampf stattfindet, zeigen sich nur die Mannschaften Italiens und der Schweiz.
Die olympischen Meisterschaflen sind nicht mit Geldpreisen verbunden. Das Arnateurprin- ziv wird streng gehütet; doch ist es den nationalen Sportverbänden gestattet, chren Vertretern die Auslagen und den Erwerbsausfall zu erstatten, was für den Großteil -der Wettkämpfer unerläßlich sein wird, da viele trotz der Erleichterungen, die man ihnen gewährt, die kostspielige Reise, den TrainingSausenthalt und andere unentbehrliche Dinge aus eigenen Mitteln nicht erschwingen könnten. So sind di« Olympiaden heute durchaus fein Vorrecht reicher Sportsleute, sondern eine Volksangelegenheit im webe en Sinne. Fünf Lander, nämlich Deutschland, Lesterreich, die Vereinigten Staaten, Frankreich unu die Schweiz, haben wohl di« größten Anstrengungen gemacht, bei dem internationalen Steifen stark vertreten zu sein, indem sie Mannschaften für elf von den zwölf Wettbewerben aufgestellt haben. Die Engländer, die sich in allen Zweigen des Eissports hervorragend betätigen, auf dem Schnee aber nur das Bob- unö das Skeletonrennen bestreiten, fehlen ganz beim Skisport. Auf diesem Gebiet konzentriert sich dagegen die allgemeine Aufmerksamkeit auf Norwegen; die norwegisch« Mannschaft hat schon bei ihrem Training und bei einer Skikonttrrrenz in Klosters, bei der acht Norweger am Start erschienen, davon überzeugt, daß die Skandinavier in ihrem Nationalsport Hervorragendes leisten. Haben sie doch beim Sprunglauf alle acht Plätze vor den schweizerischen Mitbewerbern belegt, trotzdem diese zum Teil sehr gute Kämpser waren.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
I Lang-Göns, 9. gebt. Am 2 8. Februar soll hier eine Dorfkirchenvorstehertagung stattfinden. Nach einem Gottesdienst am Vormittag wird eine größere Versammlung in der Turnhalle abgehalten. Als Thema des Verhandlungstages ist „Die Fa- miliennot auf dem Lande" gewählt worden.
-i- Lang-Göns. 9. Febr. Der Landwirt Karl Bopf II. verkaufte an den Zigeleibesitzer Fischer, dahier, ein Grundstück von 400 qm zum Preise von 14 000 Luarf.
e. Mainzlar, 9. Febr. Dieser Tage veranstaltete der hiesige Gesangverein in dem Saalbau der Wirtschaft Müller einen Konzertabend, der zahlreichen Besuch aufwieS. Das Programm war sehr reichhaltig. Reben einer Anzahl ausgewählter Chöre wurden passende Musikstücke t>o-rgetragen. Di« Darbietungen der Sänger bezeugten, daß der Verein sich auf einer beachtenswerten Höhe befindet. Sie fanden bei den Zuhörern reichen Beifall. Ein« mit der Veranstaltung verbundene Verlosung zugunsten der DereinSkasse, und von einigen von Karl Kern gesungenen Couplets hielten die Anwesenden noch lange beisammen.
^Mainzlar, 8. Febr. Gestern feierte der hiesige Frauenverein im Saale der Koch- schen Wirtschaft sein diesjähriges Kränzchen. Die Mitglieder des Vereins beteiligten sich hierbei fast vollzählig. Von den benachbarten Frauen- üeteinen waren die Vorstände bzw. einige Mitglieder der Einladung gefolgt. Bei einer Verlosung von kleinen Hausha tungsgegenständen verstrich die Zeit sehr schnell. In dem von eini-
Bei Cörbelih...
Friedrich der Große hält nach dem zweiten schlesischen Krieg die Manöver seiner Truppen in der Nähe von Magdeburg ab, und zwar auf der zwischen den Dörfern Cörbelih und Pitz- puhl gelegenen Trappenheide, wo damals noch viele Trappen lebten, merkwürdige, große, jetzt in Deutschland fast ausgestorbene Laufvögel. Am Abend nach der Hebung reitet der König im Biwak langsam an den Wachtfeuern vorüber, an denen die Leute ruhen. Wer ihn erkennt, springt auf, viele schlafen, andere spielen. An einem Feuer hort er singen:
„(Bei Cvrbelitz, bei Cörbelih, Bei Cörbelih auf der Heide, Da zog der große Friederich Den Säbel aus der Scheide.
Da ritten die Husaren, Da schritt die 2nfant'rie In glänzender Parade; Sein Geist regierte sie. Bei Cörbelih, bei Cörbelih Wohl auf der blachen Heide, Da steckt' der große Friederich Den Säbel in die Scheide." „Wer hat das Lied gemacht?" „Ich, Majestät!" meldet sich ein Husar. »Wie heißt er?“ „Moltrecht, Majestät." „Warum hat er nicht mitgefungen?“ Des Königs scharfes Auge hat das sofort gesehen. „Ich dachte an meine kranke Mutter." „Wo ist sie?" „Richt weit von hier, in Cörbelih." „Warum geht er nicht hin?" „Mein Korporal will nicht, daß ich den Rittmeister frage.“ „Nehme er schleunigst sein Pferd und reite hin. Qftorgen meldet er sich bei mir.“
Darauf reitet der König auf den Pihpuhler Herrensitz zu, in dem er übernachtet, vorbei an der riesigen, am Eingang des Parkes stehenden Steingestalt des Herkules mit den Aepfeln der Hesperiden, der gewöhnlich für Adam gehalten wird.
Als sich Moltrecht am nächsten Tage meldet fragt Friedrich: „Hat sich die Mutter gefreut?* „Jawohl, Majestät, aber in der Nacht habe ich ihr die Augen zugedrückt." Der König reicht ihm ernst die Hand. „Hat er sonst noch jemand in dem Ort?“ „Nur entfernte Verwandte, Majestät" „Nach dem Manöver gehe er heute hin und soroe für das Begräbnis. Hier hat er einen Friedrlchsdvr.“ „Majestät.. .** »Nein, Dank liebe ich nicht. Kehrt, marsch." H.O«


