Nr. 55 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Freitag, 10. Februar 928
Zwischen den Schlachten.
Von unserem §-Derichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Paris, 6. Februar 1928.
Die zwei großen Reden B r i a n d s und Poincarc-s haben eine neue politische Lage geschaffen. Kciner der beiden Staatsmänner hat etwas Aeberraschendes gesagt, aber es ist nunmehr ersichtlich, daß die Politik bis zu den Wahlen aller Wahrscheinlichkeit nach infesteBah- nen gedrängt ist. Dor den Wahlen sind von der Regierung keine prinzipiell wichtigen Entschlüsse mehr zu erwarten, alles ist jetzt bis nach den Wahlen verschoben.
Poincars hat ein Expose seiner Finanzpolitik gegeben. Vieles, was er gesagt hat, ist eine Wiederholung, aber bei der Aneinanderreihung bereits bekannter Tatsachen war diesmal das W i e nicht ohne Interesse. Er hat es verstanden, bei allen Hinweisen auf die unableugbaren Verdienste der Regierung um die Finanzpolitik, die vorangehende Regierung zu schonen. Die Radikalen aber atmeten auf, denn Poincars hat von »rückblickenden Polemiken" abgesehen. Die erwarteten Entscheidungen hat die Rede Poincares nicht gebracht. Die endgültige Stabilisierung ist bis nach den Wahlen verschoben. Sogar die Möglichkeit einer Revalorisierung hat Poincars in der Schwebe gelassen. Das hat in gewissen Rentnerkreisen merkwürdigerweise eine große Freude ausgelöst. Denn aus den Worten Poincares kann man nur d i e zwingende Folgerung ziehen, daß zunächst bis zu den Wahlen jedenfalls eine Revalorisierung ausgeschlossen ist. Prüft man übrigens diese Frage objektiv und leidenschaftslos, Hann würde man zu dem sicheren Schluß kommen, daß die Revalorisierung sich auch nach den Wahlen, welche Regierung auch immer gebildet werden sollte, als eine An Möglichkeit erweisen wird. Diese äleberlegung ist jedoch sehr weiten Kreisen aus verständlichen Gründen durchaus antipathisch.
Roch immer aber weiß man nicht, wie eigentlich die Wahlpolitik aussehen wird. Viele glauben, daß die jetzige Regierungs- koalitivn in einer vielleicht etwas veränderten Form wieder an die Macht gelangen wird. Tatsache ist allerdings, daß Poincars allen Parteien seiner Koalition nach Möglichkeit die Lage erleichtert, ohne seine eigenen Absichten zu verraten. Die Rechte fürchtet insgeheim, von ihrem gegenwärtigen Führer Poincars bei den Wahlen im Stich gelassen zu werden, die Linke wieder hat vor einem Aufleben der Union nationale, der jetzigen Koalition, nach den Wahlen Angst, denn das könnte nach den Befürchtungen der Aengst- lichen dann wirklich einer Diktatur nahe- kommcn. Don den Absichten der Parteien konnte man während der bisherigen Debatten nichts erraten. Lson D l u m hat in seiner Rede versucht, die Radikalen zu zwingen, endlich zwischen den Sozialisten und der gemäßigten Rechten klar Stellung zu nehmen. Das ist ihm aber nicht gelungen, And solange wollen sich auch die S o z i a l i st e n nicht klar für oder gegen die Kommunisten aussprechen. Jedenfalls macht aber der französische Sozialismus eine eigentümliche Wandlung durch, eine innere Wandlung, von der man sich keine Rechenschaft gibt, ja. die man wütend ableugnet; diese Wandlung ist aber dennoch vorbanden. Man legt der Doktrin immer weniger Bedeutung bei, man strebt nach praktischen Zielen. Der jungen Generation der Partei schwebt das Beispiel der amerikanischen Arbeiter vor. Man denkt immer weniger an den Klassenkampf und an die Endziele des marxistischen Programms.
Ein Zögern auf der ganzen Linie, ein Zögern vor jeglicher Entscheidung, das charakterisiert die Kammer, die das Land nicht mehr hinter sich fühlt. Dieser Stimmung entsprach auch die große Rede B r i a n d s vor dem Senat. Briand tat einer innerpolitischen Rotwendigkeit Genüge, indem er das Wort ergriff. Dabei gehen aus dem, was er sagte, zwei Tatsachen hervor. Erstens, daß auch in der Außenpolitik, genauer gesagt in der Räumungsfrage, nichts End-
Das alle Mecheln.
Von Liesbet Dill.
Es regnet fein. Ein Rebel verhüllt die Stadt. Aber diese graue Beleuchtung steht der alten Stadt der Kirchen, Klöster, Rönnen und Spitzenklöpplerinnen. . . Ich liebe diese altflandrischen Gassen, die so schlecht gepflastert sind, daß man sich einen sonderbaren Gang angewöhnt und von Stein zu Stein hüpft, diese bescheiden ruhigen Städtchen, die ihre Kriegswunden und ihre Schönheiten mit solch selbstverständlicher Würde tragen.
Aeberall finde ich vlämische Inschriften, überall wird vlämisch gesprochen. »Int Kelske", ein Bierlokal, daneben „Gemaahie Kostümen", ein Kleidergeschäft, „In de zwarte Katt", die „arme Clärenstraat", die oraunüchterne „Stedelyke Dolksbibliothek" und die Dar zum „Wildeman" für die Lebemänner von Wechsln. Da ist das „8 älhrenhuis" und eine „Allgemeene Bankver- eeniging". die gemütliche Wirtschaft „In de Post." Es erwarten uns keine Sensationen hier. Es sind immer dieselben träumenden Bäume, die sich über alte Mauern in das trübgrüne sanftströmende Kanalwasser neigen, dieselben stillen Menschen, dieselben Backsteinhäuser. And diese haben wieder Fenster und Türen, keine Kreideinschriften mehr an der Haustür „Gute Leute, bitte schonen". . . . Der entzückende vlämische Markt, das Singspiel erklingt und kündet lustig die Stunde an. Mecheln hat auch schwere Zeiten erlebt. Aber nun ist alles wieder geflickt, die Häuser sind wieder aufgebaut, die eingestürzte Kathedrale hat wieder ein Dach, und die Rie- ' senapostel, die in den Gängen lagen, schauen wieder hochoben von ihren Pfeilern auf uns herab. Rur unter der prachtvollen, holzgeschnitzten Kanzel liegt immer noch der vom Pferd gestürzte Absalom —
Ich bin in der Rotre Dame in eine Totenmesse geraten. Priester in goldfunrelnden Ornaten bewegen sich am Hochaltar, eine ferne Stimme singt, in den Bänken und Stühlen knie- ende Frauen, betende Männer. Man geht über geschlif ene Grab,.l tten rerst rben r Kir..en fürsten, die Altäre tragen keine Blumen, diese Kathedrale macht einen feierlich düsteren und kalten Eindruck.
gültiges vor den Wahlen geschehen kann. Zweitens, daß Frankreich geneigt Ist, sofort nach feinen Wahlen die RäumungSfrage zum Gegenstand von Verhandlungen zu machen. Diele behaupten, daß diese Derhandlungen offiziös bereits begonnen, ja sogar ein gewisses Resultat erreicht hätten. Fest steht nur die Tatsache, daß man in Frankreich geneigt ist, über die Räu- mungssrage zu diskutieren. Aeberall spricht man aber von diplomatischen oder finanzpolitischen Gegenleistungen, die Deutschland geben müsse. Die Erkenntnis von der immer stärkeren Entwertung des .,B satzungSpsandes" greift um sich und ernüchtert die Geister.
Der Schiedsgerichtsvertrag mit Amerika wurde unterzeichnet. Es ist ein ärmlicher Dertrag und unterscheidet sich in Wirklichkeit nur in den freundlichen Einleitungsworten von seinen Dvrgängern. And sogar für diesen Vertrag fürchtet man noch, denn im Washingtoner Senat soll eine Strömung vorhanden sein, welche die Ratifizierung erschweren will. Frankreich besitzt in der amerikanischen Politik eben wirklich wenig Anterstützung. Viele scheinen hier die Bedeutung der Sympathien der Reu'vrker Finanzwelt und die gewisser intellektueller Kceise zu überschätzen. Schöne Resultate soll der neue franz s-sche Botschafter in R o m, Besnard, erreicht haben. Man hofft hier auf eine weitere Besserung des Verhältnisses mit Italien und sieht daher die Verstöße der Kleinen Entente in Genf in der St.-Gotthard-Affäre durchaus nicht gerne.
Ser Katholizismus und die kirchliche EmiMNgSbeweMNg.
Eine Antwort des Erzbischofs Söderblom auf die päpstliche Enzyklika.
B e r l i n, 10. Febr. Der bekannte Führer der kirchlichen Einigungsbestrcbungen, der protestantische Erzbischof D. Söderblom von Apsala, Primas von Schweden, hat auf die bekannte päpstliche Ezhklika, die im Ramen der römisch- katholischen Kirche eine Einigung der Kirchen nur in einer Rückkehr der anderen Konfessionen in die römisch-katholische Kirche sehen kann, mit einer Kundgebung geantwortet, in der es u. a. heißt: „Aeber die Frage der Kirchcn- einigung innerhalb der römisch-katholischen Christenheit sind verschiedene Meinungen vorhanden. Treue und im höchsten Grade verdienstvolle^ römisch-katholische Christen, Erzbischöfe, Bischöfe, Priester, Aniversitätsprofessoren, so- wie Laien haben sich für den Anschluß an das gemeinschaftliche christliche Verantwortlichkeitsgefühl angesichts der Forderung der Zeit in herzlicher Weise ausgesprochen. Römische Katholiken haben sowohl an der Lausanner, wie auch an der Stockholmer Konferenz t e i l genommen, wenn auch nur als Gäste und Zuschauer. Roms ablehnende Haltung mutzte in althergebrachter feierlicher Form begründet werden. Die Enzvklika enthält daS, was zu erwarten war. Die anderen Teile der Kirche müssen dem abschwören, was sie für heilig und unentbehrlich halten, sich dem Papst unterwerfen und sich die römisch-katholischen Grundsätze zu eigen machen. Die Kundgebung erinnert an die Einwendungen, die seinerzeit gegen eine Einladung RomS zu der Stockholmer Weltkonferenz erhoben wurden. Gerade das evangelische Verlangen nach Reingläubigkeit habe sich gegen diesen Gedanken erhoben. Aber die andere Ansicht trug den Sieg davon. Wir erinnerten daran, daß alle Kirchengemeinschaften mit Mängeln behaftet sind. Wir sind lebhaft von der Wahrheit der evangelischen Lehre und dem göttlichen Arsprung der Reformation überzeugt. Anser Bestreben ist seinem Wesen nach gerade deshalb ökumenisch und katholisch (allgemein), weil es in Wahrheit evangelisch sein will. So wurde beschlossen, daß Rom eingeladen werden soll. Dies war keine leere Geste. Die Botschaft des Stockholmer Konzils wurde wiederholt im Ausschuß beraten, bevor sie dem ganzen Konzil vorgelegt wurde. Eine Erwähnung von Roms Ausbleiben war im ersten Konzept am Anfang der Botschaft
In den engen Gäßchen hat jedes engbrüstige Haus seinen „Spion" am Fenster, ein Latern- chen funkelt über der Haustür, der blitzende Messingklopfer am Eingang. In einem Laden will ich mir ein Paar Gamaschen kaufen, es ist sehr zugig und kalt in Mecheln, aber die Besitzerin versteht kein Französisch. Es ist eine Vlämin. Sie mutz ihren Mann rufen. „II parle anglaise". Rie trat das Vlämische so trotzig hervor wie jetzt. Rie habe ich hier so viele Leute getroffen, die französisch nicht verstanden oder verstehen wollen, nie so viele Inschriften in flämischer Sprache. Früher spielte in den Brüsseler Lustspielen der Vlame immer eine lächerliche Rolle. Er war der gutmütige Tölpel. Ob er das heute noch darstellt? Ich glaube es kaum. And die Vläminnen waren immer das dumme Dienstmädchen. „M’sieur, il laut vous dire“ ... „Vous n'avez neu ä dire ..."
Winddurchfegte Gassen, Kathedralen, Alleen am Wasser, ein stiller Kanal, ein Priester mit einem Regenschirm und langer, schwarzer Soutane, Vläminnen in Fransenschals und Holzschuhen, stille Häuser mit schmalen Fronten, einfach, ohne Schmuck, eine graue feuchte Rebelluft, ein verlassener, nasser Park und die altflandrischen Häuser am Markt — das ist Mecheln, Malines oder Mechelen. Der zerschossene Dahn- hof ist neugedeckt, eine stattlich hohe Halle, sauber wie dieses ganze Land. . .
Rur Mechelner Spitzen sieht man hier keine.
Die alten Weibchen au den Fenstern mit den halberblindeten Augen hinter ihren Klöppelkissen — wo sind sie hinverschwunden? Die „Malines" ist eine der feinsten, zartesten und edelsten Spitzen — viel schöner als die stolze, Prunkhafte Brüsseler, die Duchesse oder Royale. — So weich und vornehm ist sie — und nicht so augenverderbend zu arbeiten wie die andern auf Tüllgrund. Die Klöpplerinnen sterben aus. Die jungen Mädchen laufen lieber in die Fabriken
In, einem Kino gibt es „De kuische Su- zanna", Kindern niet toegelaten — im „Lief- tes-Lied" erst recht nicht. Das ist ein Film für Erwachsene. . . Im Hotel „Zu den drei Pferden" nehme ich das Lunch. Die Vlämin im Gamaschenladen hat es mir empfohlen. „Alle Reisenden essen dort". Die gehen nicht hin, wo schlecht gekocht wird. And sie sitzen
zu lesen. Die Worte wurden aber gestrichen. Das Motiv ist bezeichnend. Der Präsident des Deutschen Kirchenbundes und mehrere mit ihm waren der Ansicht, daß, wie man auch das Fernbleiben Roms von Stockholm erwähne, es von römisch-katholisck)er Seite aus als Kritik erachtet werden mühte. Man berichtete, wie achtungsvoll und würdig, positiv und christlich römisch« Katholiken in Deutschland sich über das Stockholmer Konzil äußerten, und man wollte nicht, daß die Botschaft selbst als noch so kleiner Mangel an christlichen und brüderlichen Gefühlen gegenüber den Jüngern des Heilands innerhalb der römischen Kirchengemeinschaft aufgelegt werden konnte. Der Beschluß, Rom einzuladen, beruhte nicht auf einer allgemeinen Toleranz, die im vermeintlichen Interesse des Friedens schwarz als weih gelten läßt. Die Oekumenische Bewegung hat von Anfang an
das Hauptgewicht daraus gelegt, daß Verschiedenheiten nicht verschleiert werden sollen. Rur auf diese Weise kann man hoffen, zu der Einheit zu gelangen, die sich bereits in der höchsten und innerlichsten Bedeutung vorfindet. Die Enzyklika — damit schlietzt die Kundgebung — hat in einer wohltuenden Weise den Unterschied klargelegt und verschärft. Die beiden Standpunk e sind bereits im vierten Kapitel de- Iohaunes-Svange- liums angegeben. Der eine lautet: „Alle sollen in Rom anbeten." Der andere lautet: „Die Zeit wird kommen, da wir weder in Ieruscllem, Rom oder Konstantinopel, Wittenberg o ec Genf, Canterbury oder Moskau oder Boston den Baier anbeten sollen. Gott ist Geist, und d e, die chn anbeten, sollen ihn im G e i st und in der Wahrheit anbeten."
Stirnen, Sport und Spiel.
Gchwimniwellkämpfe der Gießener Studentenschaft.
Die am Dienstag unter Leitung des alad. Turn- und Sporl hrers Dr. Möckelmann im städt. Volksbad durchgeführten Schwimm» Wettkämpfe derGictzener Studenten- schäft brachten durchweg spannende Kämpfe. Allmählich scheint auch der Schwimmsport an der hiesigen Universität die Stellung einzunehmen, die ihm unter den verschiedenen Sportarten gebührt, stellten sich doch ca. 70 Teilnehmer dem Starter.
Gleich das erste Rennen, das Brustschwimmen für Fortgeschrittene, brachte einen unerwartet scharfen Kampf zwischen R o t h m a n n (Teut.) und Stütz (Merovingia). Bis zur letzten Dahn lag Stüh noch mit 1 Meter im Vorsprung, doch durch schlechtes Wenden verscherzte er sich den Sieg. Die Zeit der beiden Ersten ist sehr beachtlich. Roth mann sollte bei eifrigem Training seine Zeit noch erheblich verbessern können. Das 4-Dahnen-Bruslschwimmen für Anfänger war eine sichere Sache für Hoffmann (Frank.), der Reih (Wingolf) mit 2 Meter das Rach- sehen geben konnte. Im Kopfweitsprung war R o t h m a n n mit 12,90 Meter nicht zu schlagen. Die 4 Bahnen beliebig gewann R o l d (Darm- stadtia) in guter Zeit. Die Lagenstaffel gewann erwartungsgemäß der Gießener Schwimmverein mit 2 Meter Vorsprung gegen die Ani- versitötsmannschast. Das Rückenschwimmen war Rothmann nicht zu nehmen. Die 3x6-Dah° nen-Bruststaffel für Korporationen war eine sichere Sache der LandsmannfchastMero- v i n g i a, deren Schluhschwimmer denn auch die Staffel mit 5 Meter vor Wingolf beenden konnte. Adclphia wurde wegen falschen Ablösens als zweiter distanziert.
Den Abschluß des Festes bildete ein Wasserballspiel, Aniv.—G. S. D., das der G. S. V. mit 5:3 Treffern für sich buchen konnte. — Rach- folgend die Ergebnisse:
6 Dahnen Drust für Fortgeschrittene: 1. Rothmann, Teutonia 1:23.1. 2.
Merowingia 1:24. 3. Erckmann, Palatia
4 Dahnen Dru.st für Anfänger; L Hoffmann, Frankonia 56.7. 2. Reitz, Wingolf 57.4. 3. Schmehl, Alemannia 58.2, 4. Hans Devnius, Adelphia 65.4.
Kopf Weitsprung: 1. Rothmann, Teutonia 12,90. 2. Reitz, Wingolf 11,70. 3. Deutsch, länder, Rheinfranken 11,20.
4 Dahnen beliebig: 1. Rold, Darm- stadtia 44.3. 2. Gebbers. 3. Raiß, Hasso-Ras- sovia 50.11.
.3X2 Bahnen Lagenstaffel: Universität. Mannschaft: Rothmann, Stüh, Gebbers 1:08.6. G. S. D. Mannschaft: Zimmer, Schaum, Rau 1:06.4.
Rücke n schwimm en4Dahnen:l. Rothmann 57. 2. Hoffmann 1:04. 3. Reitz 1:06.
3X6 Bahnen Brust staffel für Korporationen:'!. Merowingia 4:58 (Feick, schon an den Tischen, dicke, rotbackige Dlamen hinter ihrem Burgunder. Ein Oefchen brennt. Eine Vlämin schenkt die Suppe aus. Sie der- steht mich nicht, ich sie nicht. Wir verkehren nur in der Zeichensprache... Ein Menu zehn Francs. Suppe, ein hors d’oeuvre, ein Braten mit Selleriegemüse, ein Dessert. Dann bringt sie die Zeitungen, Zigarren und den Cafe filtre, der hier jede Mahlzeit beschließt. Und jedesmal, wenn die Vlämin uns etwas hinsetzt, sagt sie etwas wie „astnedick" und die Reisenden mit den Siegelringen nicken „merci". Ich sage auch „merci", obwohl ich nicht weiß, was es heißen soll. Aber es wird wohl nichts Schlimmes gewesen sein, was sie mir gewünscht hat, die blonde Vlämin in den „trois cheveaux" in Mecheln. . . .
Neues von Federmann.
Von Hans ^iebau.
Einmal hatte es Federmann auf eine Frau abgesehen.
„Guten Morgen", sagte er, als er sie traf.
Keine Antwort.
Das ging so eine Woche lang jeden Tag. Dann fing Federmann an sich zu ärgern. Und als er sie auf einer Bank im Park sitzen sah. setzte er sich neben sie. Er begatm mit Vorwürfen.
Dann kam die Liebeserklärung.
Keine Antwort.
Jedermann wartete eine OHinute. Zwei Minuten. Dann zog er einen Revolver, einen Heinen, gefährlichen Revolver.
Federmann wurde vorübergehend verhaftet. Die Dame war taubstumm. Außerdem verheiratet.
*
Teuerkauf kam zu Federmann und wollte sich tausend Mark leihen. Federmann wollte sich erst bei Mücke erkundigen, wieso kreditwürdig und so. Aber er vergaß es, und als Teuerkauf wiederkam, gab er ihm das Geld. Aber er wollte sich doch noch bei Mücke erkundigen.
Als Teuerkauf ihm nach drei Monaten die tausend Mark zurückbrachte, erschrak Federmann, ries sofort bei Mücke an und fragte nach Teuerkauf.
Weisel, Stüh). 2. Wingolf 5:05.2 (Bergfeld, Deringer, Reih).
Wasserball. Universität—G. S. D. komb. 3:5 (0:3).
Aus dem Tumgeu Hessen (D. T.j •
= Lana-Göns, 9. Febr Der 5. B e z i r k im Turngau Hessen (D. T.) hielt am Sonntag unter Leitung der Bezirksturn warte Hartmann und Lang hier seine dritte dieswinterliche Bezirks- Vorturner st unde ab. 40 Turnwarte und Vorturner hatten [ich zu der Veranstaltung eingefunden. Durchgeturnt und besprochen wurden in der Hauptsache die Kölner Freiübungen, ferner die Pflichtgeräteübungen für das Wintergeräteturnen des Bezirks, das am 18. März in Bad-Nauheim ftattfinbet. Am Abend zuvor wird die G a u r i e g ejür Köln unter Leitung von Gauoberturnwart W. Will (Gießen) erstmalig mit einem Werbe turnen öffentlich auftreten. Das volkstümliche Bezirksturnfest findet am 10. Juni in Gambach statt. In nächster Zeit werden zwei außerplanmäßige Bezirksturnstunden eingelegt und zwar: am 26. Fäiruar in Friedberg für den südlichen Bezirk, am 4. März in Gambach für die Vereine des nördlichen Bezirksgebiets.
Kußbatt-Cntscheidung in Hessen-Hannover.
Am kommenden Sonntag erfolgt in der Kasseler Hessenkampfbahn die endgültige Entscheidung um dieDezirksmeister- schaft. Mit 3:1 für Kur he ff en und 2:0 für S. E.03 Kassel — dies sind die beid Rivalen — gingen die Vorspiele punktgleich ar . sv daß dieser dritte Entscheidunaskampf nötig wurde. Wenn man auch im allgemeinen auf Grund der bisher ausgeglicheneren Leistung der 03er einen Erfolg dieser Mannschaft für wahrscheinlich hält, Jo sicht diese Ansicht doch nicht gerade auf sehr festen Füßen. Kurhessen ist durch seine guten Einzelkräfte immerhin noch ein überraschend gefährlicher Gegner, das zeigte u. a. auch der AuSgang des 3:1-VorspieleS. Soweit die Aufstellung der beiden Gegner bekannt ist, hat eS den Anschein, als ob die Verfassung der Läuferreihen den Ausschlag geben würde. And in der Deurteilung dieser Frage neigt man leicht dazu, den 03em einen Vorteil Snzugestchen, der zu knappem Siege ausreichen sollte. Im großen und ganzen ist aber doch jede Voraussage zu gewagt.
Zu bemerken ist ferner noch, daß die Der- bandsspiele innerhalb des Bezirks nunmehr dadurch erledigt sind, daß Germania Marburg auf die Punkte des einzigen noch ausstehenden Spieles gegen Sura Kassel in Kassel verzichtet hat. Germania hatte sein Verbleiben in der Dezirksliga durch seinen derzeitigen überraschenden Sieg gegen Sport Kassel (3:51) sowieso gesichert, so daß die Austragung des Spieles im Hinblick auf den Tabellenstand ohnedies bedeutungslos gewesen wäre. m. w.
/Ganz faules Aas, das", sagte Mücke, „bloß kein Geld aus der Hand".
Federmann schlug sich vor den Kops und stöhnte.
*
Federmann hatte die ganze Tasche voll Zigarren, aber nur ein Streichholz. Vorsichtig zündete er es an. Da kommt ein Herr auf ihn zu, grüßt sehr freundlich und murmelt etwas, was Federmann nicht versteht. „Wie bitte?" fragt er, bläst höflich das Streichholz aus und zieht den Hut.
„Dürfte ich Sie um etwas Feuer bitten?" sagt der Herr.
Federmann war sparsam. And so ließ er in das neue Gartentvr das alte Schloß sehen
Als er abends nach Hause kam, ließ sich der Schlüllel drehen. Aber das Tor ging nicht auf.
Der Schlosser kam. Oeffnete. „Es ist in Ordnung", sagte er und ging. Federmann probierte. Die Tür ging nicht auf. Der Schlosser kam wieder. Oeffnete. Schloß. Ging Jedermann probierte. Drückte mit Wucht gegen das Tor. Es rührte sich nicht.
Jedermann schlief bei seinem Freund Mücke. Am nächsten Morgen gingen beide an die Pforte. Mücke öffnete sie. „Sie geht jetzt nach außen auf", sagte er.
Federmann ging in das Haus.
*
Jedermann war in Hornebiels Weckend-Haus zu Besuch. Sie tranken Burgunder. „Rimm doch die Laterne aus dem Hausflur mit!" meinte Hornebiels als Federmann nach Mitternacht ging.
21m nächsten Tag kam Federmann wiedn: zu Horneb'.el und brachte ihm das Bauer zurück. Das blanke, gelbe Dauer mit dem kleinen Kanarienvogel.
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Federmann hatte einen Papagei. Der war nun schon seine hundertunl^wanzig Iahre alt. So behauptete Jedermann. Die Leute zweifelten. „Wie wollen Sie das beweisen?"
„Dor drei Iahren habe ich ihn gekauft", sagte Jedermann, „und da war er gerade hun- dertsiebzehn."


