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Deutscher Reichstag.

Die Aenderung der Mietgesetzgebung.

Berlin, 9. Febr. (V. D. Z.) Der Reichstag setzte die zweite Beratung deS Gesetzes zur Aen­derung des Mieterschutzgesehes und der Abänderung des Reichsmietengesetzes in der Sinzelbesprechung fort. Der Antrag Lipinski (Soz.), den § 1 des Mieterschutzgesehes in seiner bisherigen Form bestehen zu lassen, der d i e Aufhebungsklage, aber kein Kündi - gungsverfahren vorsieht, wird in nament­licher Abstimmung mit 159 gegen 143 Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten, Völkischen und Rationalfozialisten abgelehnt.

Die erste Hälfte des Gesetzentwurfes, die das Kündigungsverfahren an Stelle der Aufhebungs­klage einführen will, wird in zweiter Lesung in der Ausschuhfassung angenommen. 3n der Einzelberatung des Restes der Vorlage bringt Abg. F e r l (Soz.) eine Reihe von Anträgen ein: z. B. sollen Mietrückstände aus sozialer Rot dem Hauswirt kein Kündi- gunasrecht geben, Ateliers sollen nicht als ge­werbliche Räume gelten, Untervermietung soll allgemein zulässig sein, den Ländern soll das Recht zum Lockern der Wohnungszwangswitt- schaft genommen werden. Abg. Dr. 3ör- rissen (W. Vg.) beantragt, der Räumungs­klage in jedem Falle stattzugeben, wenn der Hauswirt Ersah raum und Umzugs­kosten zur Verfügung stellt. Ferner solle das Gesetz nur noch bis 1929 verlängert werden. Abg. Winnefeld (D.V.) erklärt seine Zu­stimmung zu den Anträgen Dr. Zörrissens.

Darauf werden die Abänderungsanträge der Sozialdemokraten, Demokraten. Kommunisten und der Wirtschaftspartei, diese letzteren gegen die Stimmen der Deutschen Dolkspartei und der Wirtschaftspartei, abgelehnt. Angenommen wird die von den Regierungsparteien bean­tragte Zulässigkeit der Kündigung von Werkswohnungen unter gewissen Siche­rungen, zu denen eineMitwirkung" des Be­triebsrates gehört. Dafür stimmen nur die vier Koalitionsparteien und die Wirtschaftspartei. Abg. Lipinski (Soz.) erklärt dazu, die So­zialdemokraten mühten ihre in Aussicht gestellte Zustimmung zu dem Anträge zurückziehen, da aus der Zustimmung des Betriebsrates nur ein Verhandeln mit dem Betriebsrat gemacht worden sei. Auf gemeinsamen Antrag wird be­schlossen, daß die Rovelle am 1. AP ril 1928 in Kraft tritt und bis dahin die bisherige Fassung des Gesetzes gilt. 3m übrigen bleibt es bei der Ausschuhvorlage. Rachdem der Entwurf auch in dritter Lesung erledigt ist, wird die Schluhabstimmung für Freitag in Aussicht ge­nommen.

Ein Gchiedsverirag Amerikas mit Großbritannien und Japan.

Washington, 9. Febr. (WB.) Wie verlautet, ist der ursprüngliche amerikanische Vertragsentwurf, der Frankreich oorgelegt und zu dem französisch­amerikanischen Patt führte, der britischen und der japanischen Regierung zusammen mit einem Begleitbriefe übermittelt worden, in dem es heißt, dieser Vertragsentwurf werde als Grundlage für Verhandlungen mit den beiden genann­ten Regierungen angesehen. Gleichzeitig wurden Ab­schriften des Vertragsentwurfs auch anderen Regie­rungen übermittelt, die darum ersucht haben, aber lediglich zur Informatton.

Aus aller Welt.

Schweres BerkehrSunglück

Donnerstag abend hat sich in der Gegend von Diedenhofea ein Teil eines Strahenbahnzuges der Straßenbahngesellfchoft Nord et Lorraine los­gelöst und ist mit einem von hayange kommenden Straßenbahnwagen an einer Ueberführung z u - sammengestohen. Man verzeichnet 17 Tote und 34 verletzte, die in verschiedenen kranken- Häusern der Gegend untergebracht worden sind. Der Strahenbohnschaffner ist verwundet worden; der Skraßenbahnführer hat die Flucht ergriffen, er scheint irrsinnig geworden zu sein.

Lawinenunglück in Zürs (Vorarlberg).

Am Nordhang des Trittkopfes bei Zürs ging eine große Lawine nieder, wodurch vier Skifahrer, und zwar Werner Meyer und seine Frau aus Hamburg, Fräulein Leni Moritz aus Hamburg und Walter K u h r tz aus Halberstadt o e r s ch ü t - t e t wurden. Die genannten Personen waren ohne Führer und wurden während einer Rast von der Lawine mitgerissen. Werner Meyer arbeitete sich selbst aus der Lawine heraus, während die an­deren drei Personen von der aus Zürs angelangten Rettungsexpeditton gegen 4 Uhr nachmittags nur noch als Leichen geborgen werden konnten.

Unwetterfchoden in Norwegen.

26 Meilen von Bergen entfernt erfolgte ein großer E rdruts ch, der die Eisenbahnverbindung OsloBergen unterbrach. Im Laufe der Nacht und des Tages hat sich die Lage verschlimmert: es er­eigneten sich eine Reihe weiterer Erdrutsche, die viele Brücken der Eisenbahnlinie teils zerstörten, teils beschädigten. Auf dem Hochplateau sind große Schneemassen niedergegangen. Die Bahnoerbirüiung mit Bergen ist unterbrochen. Der Direktor der Staatsbahnen erklärte, es handle sich um die schlimmste Katastrophe, von der die Ber- gen-Bahn bisher heimgesucht sei. Das Unwetter hat sich nicht auf das Gebiet von Bergen beschränkt. Auch der südlichere Teil Norwegens wurde von einem starken Sturme heimgesucht. Hier sind eben­falls an verschiedenen Stellen Erdrutsche eingetre­ten. In der Gemeinde Balestrand wurden durch einen großen Erdrutsch drei Wohnhäuser und eine Reihe kleinerer Gebäude zerstört. Der Besitzer eines Hauses, seine Frau und drei Kinder sind wahrschein­lich u mg e k o m m e n. Von der Küste laufen Nach­richten über verschiedene Schifssunfälle ein.

Brand in einer Apotheke.

3m Laboratorium der Löwenapotheke in Büt­zow (Mecklenburg) entstand durch Ueber- kochen von Bohnermasse ein Brand, her Werte von mehreren tausend Mark an kostbaren Gefäßen, Chemikalien usw. vernichtete. Das Gebäude konnte gerettet werden. Es brannte jedoch vollständig aus.

Großer Bankkrach in Wien.

Der Mitinhaber des Banlhauses Ra­get & Wortmann, Robert Wortmann, Vize­präsident der Wiener Börse, hat Selbstmord durch Erhängen verübt. Wortmann hatte in­folge verfehlter Spekulationen inAktten

der Friedrich Krupp 2.-G. Denckwrf di« De­pot» seiner Kunden angegriffen und Effekten im Wert« von etwa 7 Millionen Schil­ling veruntreut. Der Verband der Oester- reichischen Darcken und Bankiers trat in später RachtzÄ.1 zu einer Sitzung zusammen, um Maß­nahmen zu beraten, durch die die Wiener Börse vor den Folgen des katastrophalen Zusammen­bruches bewcchrt bleiben soll. Der Selbstmord erregt in Oesterreich das größte Aufsehen. Wort­mann hat vor seinem Lode veruntreute Beträge im Werte von etwa 100 000 Dollar als Hypo­theken auf seinen Häusern sichergestellt.

Hotelbrand in Salzburg.

3m Hotel de l'Europe brach ein Dach­stuhlbrand aus, der bald größeren Umfang an­nahm und auf sämtliche Räume des mittleren Teiles des obersten Stockwerkes Übergriff. Seit 8,30 Uhr arbeitete die städtische Feuerwehr und zahlreiche Feuerwehren der Rachbarschaft an der Eindämmung des Brandes. Den vereinten

Anstrengungen der Wehren ist eS gelungen, ehre größere Katastrophe zu verhüten. Der entstan­dene Schaden ist sehr bedeutend. Das Feuer brach im obersten Teil des Mitteltrakts vermut­lich durch unvorsichtiges Hantieren eines Anstreichers mit einer Lötlampe aus und griff rasch auf das Dachgeschoß der etwa sechs Meter langen Gartenfront über. Die Arbeiten der Feuerwehr waren durch Wasser­mangel sehr erschwert.

Hannover ohne Licht.

Gegen 10 Uhr abends erlosch am Donnerstag in­folge einer Störung beim Elektrizitätswerk plötzlich im ganzen Stadtgebiet Hannover das elektrische Licht. Der Schaden konnte erst nach einiger Zeit behoben werden. Cafäs und Vergnügungsstätten usw. mußten sich mit Notbeleuchtung behelfen. Auch die Theater litten unter der Störung.

Das Fernsehen über den Ozean.

Die Bilder eines Mannes und einer Frau, die in einem Londoner Laboratorium vor einem

Die Steglitzer SchülertragödievorGencht.

Berlin, 9. Febr. (Wolff.) Dor dem Schwur­gericht des Berliner Landgerichtes 2 begann unter Vorsitz des Landaerichtsdirektors Dr. Dust der Prozeß gegen den Oberprimaner Paul Krantz, der beschuldigt wird, gemeinsam mit dem Primaner Günther Scheller am 28.3uni v. 3. den Kochlehrling Stephan erschossen zu haben. Sowohl von der Verteidigung als auch von der Staatsanwaltschaft sind zahlreiche Sach­verständige und Zeugen geladen. Der Andrang des Publikums ist außerordentlich stark.

Der Angeklagte Krantz betont, er habe viele Freiheiten gehabt, sie aber nicht ausgenuht, so daß seine Eltern keinen Anlaß zum Einschreiten gehabt hätten. Der An­geklagte schildert dann weiter, wie Günther Schel­ler ihm oft geraten habe, doch nach Mahlow in das Schellersche Landhaus zu kommen. Dort könne er ein viel freieres und ungebundeneres Leben führen. Oft habe er den Entschluß ge­faßt gehabt, ins Elternhaus zurückzukehren, um wieder ernstlicher zu arbeiten. Dann habe ihm aber immer Hilde Scheller davon abgeraten, die er inzwischen näher kennengelernt habe. 3n Gesprächen mit ihr sei immer das erotische Gebiet behandelt worden. Die Anregungen zu intimerem Verkehr gingen von ihr aus. Sie sei stark sinnlich veranlagt. Günther Scheller sei nicht direkt anormal veranlagt gewesen. Er habe allerdings in solchen Kreisen verkehrt, wohl aber nur, um Rutzen daraus zu ziehen.

Krantz schildert dann die Vorgänge, die den elgennichen Gegenstand der Anklage bildeten.

An einem Sonntagabend, während Herr Scheller verreist war, übernachteten er und Hilde Scheller gemeinsam in dem Mahlower Hanse. Zwischen dem Mädchen und ihm sei vorher keine Verabredung da­zu getroffen worden. 2Rit Günther Scheller habe er am nächsten Tage eine Zusammenkunft in der Steg­litzer Wohnung oerabedet, wozu sie mehrer« Mäd­chen einladen wollten. Auf der Treppe trafen sie überraschenderweise Hilde Scheller, die ihr« Freun­din Elinor Ratti holte und dabei unbemerkt von den beiden den Stephan mit in di« Wohnung brachte. Der Angeklagte, der dies wußte, wollte sei­nem Freunde Scheller davon nichts sagen, da er glaubte, daß Günther mit Stephom verfeindet sei. Plötzlich verschwand Scheller und ließ ihn mit Elli- nor allein. Auf weiteres Befragen erklärte Krantz, er sei durch das rücksichtslos« Verhalten Hildes un- angenehm berührt gewesen und wollte chr beweisen, daß er sich aus ihr nichts mehr machte. Da Ellinor von ihren Eltern keine Erlaubnis hatte, über Nacht in -der Wohnung Schellers zu bleiben, ging sie spä­ter fort und als Scheller zurückkehrte, versteckte sich Stephan im Schlafzimmer. Während Hilde ihm nachging, tranken Günther und ec in der Kücl>e Liköre, wobei Günther in ihn drang, ihm zu sagen, wer bei seiner Schwester sei. Als Günchsr dann erfuhr, daß es Stephan sei, geriet er in Wut und erklärte, er wolle Schluß machen mit dem Leben. Er, Krantz, habe daraus gesagt, dann mache ich mit und habe seine Pistole auf den Tisch gelegt. Plötzlich ging ein Schuß los, der jedoch keinen Scha­den anrichtete. Nachdem HiDe Scheller, die auf den Schuß herbeieilte, wieder in das Schlafzimmer ge­gangen war, habe ihn Eifersucht ersaßt. Gunther und er beschlossen nunmehr, daß f i e alle vier sterben sollten und schrieben dann beide Ab­schiedsbriese. Günther sollte Stephan, und er dann Hilde, daraus Günther und zum Schluß sich selbst erschießen.

Landgerichtsdirektor Dust brachte dann die A b- schiedsschreiben des Angeklagten und Gün-

ther Schellers, soweit sie noch vorhanden sind, zur Verlesung. Das Schreiben von Günther Scheller an dasWeltall" ist sehr verworren. Anscheinend dazugehörig ist ein Zettel, der von demselben Bogen stammt und von Krantz ge­schrieben ist. Es sieht darauf:3n dieser Mi­nute werden Hans Stephan und Männe (Kose­name für Hilde Scheller) sterben durch unsere Hand. Wir beide werden lächelnd aus dem Leben scheidenI?" 3n einem anderen Schreiben von Krantz an einen Freund heißt es:3ch er­schieße erst Hilde, dann Günther, vorher wird Günther Hans Stephan erschießen. Das ist die volle Wahrheit. Günther ist vollständig einver­standen und grüßt Dich zum letztenmal."

Der Angeklagte erzählte dann über den Hergang der Tat folgendes:

Nachdem wir diese Briefe geschrieben hatten, versuchte Günther, ins Schlafzimmer einzudringen. Es war aber verschlossen. Wir tranken weiter in der Küche und besprachen diese Dinge. Dann kam ich aber, als ich etwas klarer geworden war, zu der Einsicht, daß alles doch eine Albern­heit sei und daß es keinen Zweck habe, aber Günther war nicht davon abzubringen. Dazwischen war auch Hilde zweimal in die Küche gekommen und hatte mit uns gesprochen. 3ch glaubte nicht, daß Günther allein die Tat ausführen würde. 3d) weiß nur, daß er ins Schlafzimmer ging, als Ellinor morgens toiebetiam und klingelte. Hilde war bei uns auf dem Flur und öffnete. Wir begrüßten Ellinor, und ich sah, daß Günther ins Schlafzimmer ging. Die Situation war so, daß ich annahm, Stephan sei schon weg. Ein Fenster war auch geöffnet. Günther sah sich im Zimmer um und ich sagte zu ihm:Es ist doch keiner mehr da." 3ch war schon im Hinausgehen und hatte die Hand auf der Klinke, als ich die Schüsse fallen hörte. Als ich mich um­drehte, schoß Günther auf sich selb st.

Rachdem ich gesehen hatte, was Günther cm- gerichtet hatte, miete ich nieder und nahm ihm den Revolver weg: denn ich wollt« mich jetzt auch erschießen, aber die Mädel nahmen ihn mir weg. Der Arzt sagte mir, daß ich älnan- nehrnlichkeiten haben könnt«. 3ch selbst Kiffte auch, daß ich eine gewisse moralische Verantwortlichkeit hab«. 3ch fürchtete, daß meine erotischen Beziehungen herauskommen würden und dann bestand croch der frühere Plan, Hilde zu erschießen. 3n dieser Angst hatte ich zu den Mädchen gesagt, sie sollten er­klären, der Revolver gehör« Günther. Vorsitzen­der:Sie sollen ganz ruhig gewesen sein, auch der Arzt hatte diesen Eindrucks Sie haben sogar von ihm eine Zigarette verlang t. An­geklagter:Das geschah in der Ausregung. Durch das Gefühl meiner moralischen Mitschuld und in meiner Angst hatte ich den Drang nach einer Zigarette. Da ich fast die ganze Rächt nicht geraucht hatte."

Die Hauptzeugin,

die sechzehnjährige Hildegards cheller, gab bei ihrer Vernehmung an, daß sie den Ange­klagten Krantz durch ihren Bruder kennengelernt und ihn schließlich gern gewonnen habe. Sie bcftntt jedoch, mit ihm in intimere Beziehungen getreten zu sein, lieber die Vorgänge am Mordtag« gab bie Zeugin eine Schilderung, aus dec heroorgeht, daß der ermordete Hans Stephan auf ihre Veranlassung f)in in das ihren Eltern gehörende Haus in Steglitz gekommen ist.

Oie Wetterlage.

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Donnerstag, den QfebruarWtä 7 habends.

1 ° ° O Kiagtnf.

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G wenrtmos G neuer, c» naio oededci wolkig. - beatm. Regem * Sehnet c, Graupeln a Nebel K GrWit'rr.(§)Win<Jstille. sehr leichte» Osi massiger Südsuawest q stürmische, NordWesl feie Piene fliegen mit dem winde. Die oci den Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Die Limen verbinden Orte mit gleichem, *u* Meeresniveao umoereenneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Das Skandinavische Tiefdruckgebiet hat sich rasch nach Finnland wciterbewegt und die an seiner Rückseite folgenden kühleren Luftmassen führten besonders im nördlichen Deutschland Tem- peraturruckgang herbei. Das neue nordatlantische Tief ist ebenfalls im raschen Vorwärtsschreiten begriffen. Bereits erneute Riederschläge mitTem- peraturanstieg treten über den britischen 3nseln auf. Auch bei uns wird seine Südwestluftzufuhr es zu mildem »Wetter und Regenfällen kommen lassen.

Wettervorhersage für Samstag: Rach geringem Temperalurrückgang wieder Sem- peraturanstieg. Wolkig bis bedeckt und zeitweise Rieder schlage.

Witterungsaussichten für Sonn. t a g. Veränderliches Wetter mit vereinzelten Riederschlägen.

Lufttemperaturen am 9. Februar: mittags 6,3 Grad Celsius, abends 6,4 Grad Celsius: am 10. Fe­bruar: morgens 4,6 Grad Celsius. Maximum 6,7 I Grad Celsius, Minimum 3,5 Grad Celsius. Erd- temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 9. Februar i abends 3,3 Grad Celsius; am 10. Februar: morgens 3,4 Grad Celsius. Niederschläge 3,8 Millimeter. Sonnenscheindauer eine halbe Stunde.

Berliner Börse.

Berlin, 10. Febr. (WTD. Funkspruch.) Da feine anregenden Momente vorliegen, ist das Ge­schäft im heutiaen Dormittagsverkehr kaum neu- ! nenswert, doch scheint das Kursniveau gehalten zu 1 (ein. Man hört nur einen Farbenkurs von ca. 259,5 bis 260 o. H. Am Devisenmarkt hört man London gegen Kabel mit 4,8730 bis 4,8735, Reichsmark gegen Kabel 4,1930 bis 4,1935, Reichsmark gegen London 20,4.325.

elektrisches Auge" genannten Apparat für Fern- sehen sahen, konnte eine Gruppe von Personen beobachten, die sich in einem dunklen unterirdi- schen Raum in Hartsdale (Staat Reuyork) be­fand. Die Beobachter vermochten die Kopfbewe­gungen der in London sitzenden Personen wahrzu­nehmen. obwohl die Bilder nicht sehr scharf waren. Das Experiment des Fernsehens über den Ozean ist also zum ersten Male geglückt. Do- Ergebnis wurde mit einem schwachen Strom erzielt, was die Hoffnung rechtfertigt, daß do- überozeanische Fernsehen verbessert werden kann und so deutlich werden wird, wie das Fernsehen bei nicht allzuweiten Strecken.

Lin großer künstlicher See in Westfalen.

Um die Hochwasserschäden zu verringern, lähf die Stadt Münster L W. durch Aushebung hon etwa 600 000 Kubikmeter Erd« einen künstlichen See von 2 Kilometer anlegen. Dieser neue Aasee", nach dem Münster durchfliehenden Zufluß der Ems benannt, wird dem Ruder­sport in Westfalen neue Möglichkeiten er- schließen: er gehört zu den größten künstlichen Seen in Deutschland.

Zahlreiche Berliner Buchmacher durch den Wettschwindel geschädigt.

Der in Hamburg au'gcdeckte große Wtttrerm- betrug erregt in Berliner Sportkreisen um so größeres Aufsehen, als man feststellen konnte, daß die Schwindler auch hier gearbeitet und hiesige Buchmacher um erhebliche Sum­men geschädigt haben. 3n eingeweihten Kreisen werden die Verluste, die Berliner W.tt- annahmen durch die betrügerischen Machenschaften erlitten haben, mit mindestens 25 bis 30 000 Mark beziffert. Der Verband der konzessionierten Buchmacher Deutschlands hat eine außerordent­liche Sitzung einberufen, in der darüber beratet werden soll, wie man sich gegen ähnliche Vor- kommnisse schützen kann, und welche Maß­nahmen ergriffen werden sollen, um der Betrüger habhaft zu Werdern

Aus der provinzialhaupistadt.

Gießen, den 10. Februar 1928.

Oer neue Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts.

Vor einem zahlreichen geladenen Publikum wurde gestern abend der neue Hörsaal des Kunst­wissenschaftlichen Instituts in der Lud- wigstraße feierlich eingeweiht. In dem geräumigen und Hellen, neuzeitlich-zweckmäßig angelegten und mit den modernsten Hilfsmitteln ausgestatteten Auditorium bestieg zunächst Se. Magnifizenz der derzeitige Rektor der Landesuniversität, Pros. Dr. Rosenberg, das Katheder zu einer kurzen Bei grüßungsansprache. Der neugeschasfene Raum, jo führte er aus, sei ein alter Wunsch und helfe enblid; einem lange empfundenen Bedürfnis des Institut- ab; er entspreche den modernsten Anforderungen und sei im Ausbau ganz auf eine möglichst vollkommene Erzielung von Bildprojekttonen abgestellt. Der Dank der Universität habe vor allem drei Männern zu gelten, die sich um die Schaffung des Hörsaals her­vorragende Verdienste erworben haben: den Ehrensena. toren Buchdruckereibesitzer Richard Lange, dessen Munifixenz die Ausführung des Planes sehr erleich­tert habe, Baurat Hans Meyer, der die Bauaus­führung überwachte, und E. L e i tz (Wetzlar), der die Projektionsapparate liefert«. Das hier Erreichte sei im übrigen erst ein Anfang, ein Auftakt Aum Aus- bau und Neubau des Kunstwissenschaftlichen Insti- tuts, der hoftentlich nicht mehr allzulange auf sich warten lasse. Der Redner schloß mit einem Glück­wunsch an den Direktor des Instituts, Prof. Dr. Rauch, dem er im Namen der Landesuniversttöi für seine Bemühungen um die Ausgestaltung des neuen Raumes dantte.

Der Dekan der Philosophischen Gesamtfakultät, Prof. Dr. Aubin, überbrachte sodann dis Glück­wünsche der Schwesterdisziplinen, insbesondere der Archäologie, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die mit der Errichtung dieses Neubaues vollzogene Sezession von der Universität keine Trennung, son­dern im Gegenteil eine noch engere Verbindung der Kunstwissenschaft mit den übrigen Wissenschaften der Fakultät bedeute.

Der Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Prof. Dr. Rauch, gab hierauf zunächst eine kurze Erläuterung des neugeschafsenen Raumes und seiner Einrichtungen: zwar sei der Bau im Vergleich etwa zu den Verhältnissen im benachbarten Marburg nur bescheiden zu nennen, doch dürfe man stolz sein auf das nunmehr einzuweihende Auditorium, das nach dcn modernsten Gesichtspunkten und einem ganz aufZwcck- mäßigkeit bedachten Plan geschaffen sei. Das grunb- säülich Neue beruhe hier vor allem auf der tech­nischen Anordnung in der Vermittlung von Wott- und Bildelementen des Vortrages. Das Katheder ist so eingebaut, daß der Vortragende gleichzeittg die Hörer und die Projektionsfläche im Auge haben kann, während von den Hörem wiederum Wott und Bild bequem nebeneinander und gleichzeitig ailfge- nommen werden können. Von besonderer Wichtigkeit seien die ausgezeichneten Apparate der Firma Leist' die an Schärfe und Lichtkraft der Projektion her­vorragendes leisteten. (Im Verkaufe des Vortrags war den Anwesenden hinreichend Gelegenheit ge­boten, sich von der hohen Qualität der technischen Einrichtung zu überzeugen.)

In einem anschließenden wissenschaftttchen Vor­träge, mit dem der Hörsaal recht eigentlich einge- wciht wurde, behandelte Professor Rauch das i-m Dürer-Judiläumsjahr 1928 besonders aktuelle ThemaDürer und wir": der Vortragende führte im Wesentlichen etwa folgendes aus.

Durch alle Jahrhunderte hindurch bis in ?'c nächste Gegenwart hinein hat sich eine unvermin­derte Wettschätzung des Künstlers behauptet. Dürer selbst hat nicht wenig für seinen Nachruhm getan, vor allem, wenn man einmal von Umfang "m künstlerischer Kraft seines Werkes absehen will, buraj eine ausgedehnte literarische Tätigkeit und die ihm forderlichen, zahlreichen Verbindungen mit den hu­manistischen Gelehrten seiner Zeit. Die modernen Betrachter können in verschiedene Gruppen gefe­dert werden, je nach den künstlerischen Entwickel lungsstufen, auf die sie vorwiegend eingestellt ^>nd Impressionismus, Expressionismus und neue SE lichkeit: während man alles zeitlich und genetga) Vorhergehende als historisch-akademische Kunst ZU' sammenfassen kann. Mit dem Impressionismus be­ginnt die eigenttiche Kunstwissenschaft. Vorher kann man von ihr allenfalls als von einer historischen Hilfswissenschaft sprechen. Jede kunstgeschichtlwst Erscheinung wird von der Moderne aus gewertet, auch die Wertung Dürers ging von der neuzeit­lichen Bettachtungsweise aus. Der Vortragende unternahm es nun, in außerordentlich interessanten (und vielfach grundsätzlich zu verstehenden) Dar-