Verurteilung des Krieges zum Ausdruck kommt, wird von der ungarischen Regierung außerordent- lich hoch eingeschätzt. Ern derartiges Bestreben kann jedoch nur dann zu einem Erfolge führen, wenn der Krieg nicht nur kraft vertraglicher Verpflichtungen als Mittel der nationalen Politik ausschei^t, sondern wenn an seine Stelle auch ein anderer wirkungsvoller Modus zur Lösung von Verwicklungen tritt, die aus ungerechten oder naturwidrigen Situationen entstehen. Die ungarische Regierung gibt ihre Zustimmung zu dem Vorschläge Amerckas natürlich unter der Voraussetzung, daß die Regierung derDer- cinigten Staaten sowie die übrigen Signatarmächte einen derartigen Modus suchen werden, um für die -Zukunft die Wiedergutmachung bestehender -Ungerechtigkeiten auf friedlichem Wege zu sichern. Die ungarische Regierung wird rechtzeitig die nötigen Schritte unternehmen, damit ihre Zustimmung gemäß den Bestimmungen der ungarischen Verfassung volle rechtliche Geltung erlangt.
Major von Tschudi f.
Der Vizepräsident des Aeroklubs von Deutschland.
Wiesbaden, tz. Oft. (LPD.) Am Montagmorgen starb plötzlich in einem Berliner Sanatorium der Vizepräsident des Deutschen Aero- Klubs, Major von Tschudi. infolge Rippenfellentzündung und Herzschwäche. Er hat vor einigen Tagen das Sanatorium aufgesucht, um sich einer Operation zu unterziehen, verschied aber ganz plötzlich noch vor der Opera tton. Sn ihm verliert die deutsche Lufthansa einen der regsten nationalen und internationalen Pioniere. Er wurde am 29. Januar 1862 als Sohn des nassauischen Obersten von Tschudi in Wiesbaden geboren, trat 1831 als Fahnenjunker in das Füsilier-Regiment v. Gersdorff ein und wurde im Jahre 1833 Leutnant. Don 1890 bis 1894 besuchte er die Kriegsakademie und kam von dort zum Luftschiffer-Bataillvn. Im Februar wurde er Hauptmann und Kompagniechef im Infanterie-Regiment v. Alvensleben. Fünf Jahre später wurde er zum Lehrer im Luftschifferbataillon ernannt. Don 1902 bis 1906 war er gleichzeitig Führer der Funkentelegraphenabteilung, die ihm ihre erste Organisation verdankt. Im Jahre 1906 trat er als Chef-Ingenieur in den marokkanischen Staatsdienst Wer: 1908 kehrte er nach Deutschland zurück und übernahm 1909 die Leitung der Internationalen Luftschiffahr ts- Ausstellung (Jla) in Frankfurt a. M. Don 1910 bis 1914 war er Direktor des Flugplatzes Berlin-Johannisthal. Während des Krieges war er u. a. Leiter des Flugzeugdepots in Antwerpen und wurde 1917 zum Geschäftsführer des Aero-Klubs in Deutschland ernannt. Seit 1927 ist von Tschudi Dizepräsident des Deutschen Luftsahrtverbandes und der Fede- ratton Aeronautique Internationale gewesen.
Die letzte Probefahrt des „Graf Zeppelin".
Vermutlich am Mittwoch Amerikastart.
Friedrichshafen. 8. Oft (WTB.) Der „Graf Zeppelin" ist heute nachmittag 13.33 Ähr bei schönem Wetter zu seiner letzten Dersuchs» fahrt vor der großen Fahrt nach Amerika aufgestiegen. Dr. Eckener befindet sich nicht an Bord. Das Schiff wird heute von Kapitänleut- nant Flemming -geführt. An Bord befinden sich außer den bereits gemeldeten Gästen auch die Gräfin Frankenstein-Zeppelin, Professor Dieckmann, der bekannte Fünffach» mann, um Versuche zu unternehmen, ferner der preußische Handelsminister Dr. Schreiber, Staatssekretär Dr. Seefeld, ferner als Vertreter des Reichsrats Exzellenz v. P r e g e r (Bayern) und Staatsrat Ahlhorn (Oldenburg) als Vertreter des Reichstages die Abgeordneten Dr. Herz, Klöckner und Schulz-Brom- 6er g. Die heutige Fahrt hat den -Zweck, außer der Beendigung der Peilversuche auch die Ge- fchwindigkeitsmefsungen vorzunehmen.
Der „Graf Zeppelin" krepzte während seiner oiereinhalbstündigen Fahrt fast dauernd über dem Bodenseegebiet, so daß man dauernd beobachten konnte, wie die Motoren in wechselnden Kombinationen noch einmal ausprobiert wurden, bis das Schiff schließlich mit allen fünf Maschinen auf volle Fahrt lief. Bei dem schönen 5)erbstwetter bot das Schiff gegen den Himmel einen wundervollen Anblick. Für die letzte Stunde der Fahrt entschwand es dann den Blicken, bis es gegen 17.30 Uhr wieder über Friedrichshafen erschien und anzeigte, daß es zu landen beabsichtige. Die Lan- dungsmanöoer zogen sich heute eine halbe Stunde lang hin und waren besonders schwierig. Einen Augenblick lang schien es, wie wenn das Heck auf die Gebäude der Werft heruntergekommen wäre. Das Schiff hob sich noch einmal und wurde bann mit der Spitze nach unten und hochgehobenem Heck über die Werftgebäude hinweg gedreht. Es landete schließlich punkt 18 Uhr. Damit hat der „Gras Zepvelin" bas Programm seiner Versuchsfahrten für bie große Amerika-Fahrt DoHenbet. Für morgen ist schlechtes Wetter prophezeit worben. Dr. Eckener rechnet aber trotzdem damit, daß die Amerika-Fahrt am Mittwoch früh an getreten wird, um so mehr, als er ja auf dem Festlande schlechteres Wetter in Kauf nehmen will, wenn die Wetterlage über dem Ozean gut ist Das Schiff wird nun morgen für die Amerika-Fahrt klar gemacht Der Betrieos- stoff wird aufgefüüt, der Proviant wird an Bord gebracht, und bis zum Dienstagnachmittag müssen die Passagiere ihr Gepäck abgegeben haben. Nach der Landung äußerte sich Dr. Eckener dahin, daß er bis morgen mittag darüber entscheiden werde, ob die Fahrt am Mittwoch angetreten wird.
Wie die „Dossische Zeitung" noch zu berichten weiß, wird «Graf Zeppelin" auf seiner Amerikafahrt Bildfunk an Bord haben, nachdem die Versuche, die Professor Dieckmann auf der letzten Probefahrt gemacht hat, geglückt sind Diese Einrichtung wird in den Dienst der Wetterberatung gestellt, was eine umwälzende Reuerung bedeutet. So braucht der Wetterwart an Bord des Luftschiffes nicht mehr die einzelnen Wettermeldungen zusammenzu- stellen, sondern er bekommt die fertige Wetterkarte als Bild hinan fgefunkt. Auf diese Weise kann man so zeittg wie möglich dem schlechten Wetter ausweichen und bessere Zonen aufsuchen.
Der abgeblasene Bürgerkrieg.
Don unserer Berliner Redaktion.
Der 7. Oktober, der in Wiener-Neustadt von schicksalsschwerer Bedeutung werden konnte, ist i n aller Ruhe vorübergegangen. Die Stadt selbst hat zwar für vierundzwanzig Stunden den Eindruck eines Heerlagers gemacht. Nicht weniger als drei Armeen waren da nebeneinander aufmar» schiert. Am Vormittag die Heimwehren der bürgerlichen Parteien, am Nachmtttag die der sozialdemokratischen Schutztruppe, in der Mitte zwischen ihnen stand, mit Maschinengewehren, Kanonen und spanischen Reitern ausgerüstet, ein Drittel der Bundesarmee, um jede Berührung der feindlichen Parteien zu vermeiden, was ihr denn auch gelungen ist. Der österreichische Staat hat zwar einige Millionen Kosten aufroenben müssen, aber er ist über biefen kritischen Tag wenigstens hinweggekommen.
Ob es wirklich zu bieser Komöbie des angedrohten Bürgerkrieges kommen mußte? Unserer Auffassung nach nicht. Die Heimwehren hatten schließlich doch das Recht, sich auch einmal in Wiener-Neustadt zu versammeln. Welches Ziel sie damit verfolgten, mag unentschieden bleiben. Aber der Anspruch, daß auch sie bas Recht auf Demonstrationen in Oesterreich ausnutzen konnten, wo sie wollten, ist nun boch einmal unbestreitbar. Schwierig würbe bie Lage erst badurch, baß bie Sozialbemokraten biefe Demonstration als einen Eingriff in ihre geheiligten Rechte betrachteten unb mit Gewaltanwenbung drohten, falls bie Heimwehr wirklich in bie sozialistische Hochburg einmarschieren wollte. Sie haben geglaubt, mit bieser Drohung allein bie Regierung unb bie bürgerlichen Parteien ins Bockshorn jagen zu können. Das ist ihnen mißlungen, unb so würben sie bazu gezwungen, Gegenkunbgebun- g c n zu veranstalten, bie allerdings sehr leicht als Funke im Pulverfaß wirken konnten, nur daß im letzten Augenblick bie Sozialisten Angst vor ber eigenen Courage bekamen. Die Furcht vor den Heimwehren steckt ihnen seit ben Wiener Juli- unruhen noch stark in ben Knochen. Sie wissen, baß mit ben Bauern nicht gut Kirschen essen ist unb haben in ber entscheibenben Stunbe beshald alles öermieben, was Anlaß zu Reibereien hätte geben können.
Trotzbem ist es gut, baß biefes Experiment einmal gemacht würbe, nicht nur für Oesterreich, sondern auch bie deutsche Sozialdemokratie kann daraus lernen. Die Parteien der Linken haben sich seit ber Revolution baran gewöhnt, stark einseitig zu den- ken. Sie haben bas Recht ber Straße proklamiert unb hatten es für selbstverstänblich, baß sie in den Großstädten stundenlang ben Verkehr lahmlegen können, um ihre Demonstrationszüge durchzujagen nach bem Dichterwort: Alle Räber stehen still, wenn bein starker Arm es will. Dieselben Parteien aber emp- finben es als eine Provokation, sobald von anderer Seite das gleiche verlangt wird. Wir haben das bei dem Stahlhelm erlebt, wir haben das in Berlin vor kurzem noch bei den nationalsozialistischen Arbeiterparteien gesehen, die von ben Kommunisten zu- sammengehauen wurden unb zahlreiche Opfer ins Krankenhaus abliefern mußten: bei Hamburg sind
sich zuletzt sogar Kommunisten und Sozialbemokraten blutig in bie Haare geraten. Sie sollten aus bem Beispiel von Wiener-Neustadt sehen, wohin ber Weg führt, ben sie gehen. Demokratie verlangt Toleranz nach allen Seiten, unb daß bie Heimwehren sich im sozialistischen Bau bas Recht auf die freie Meinung erkämpften, wirb hoffentlich auf bie Sozialisten unb noch mehr auf bie Kommunisten nicht ohne Eindruck bleiben.
DieWienerpreffe zum i.Oktober.
Außenpolitische Wirkungen. Zurück zur Arbeit.
Wien, 8.Oft. ($11.) Die bürgerliche Presse betont einstimmig, baß die Staatsautorität am 7. Oktober in Wiener-Reustadt den eigentlichen Sieg davongetragen habe. „Oesterreich ist ein Ordnungsstaat" überschreiben beispielsweise die „Wiener Aeuesten Rachrichlen" ihren Bericht. Die „Reichspost" schreibt, daß die Regierung jenen Weg gewählt habe, der auch für die zukünftige Entwicklung der geeignetste sei. Dadurch, daß der Staat sich wieder im Besitz der vollen Verfügung über Polizei, Gendarmerie und Bundesheer erwiesen habe, habe er seine Stellung über den Parteien und auch seine Autorität ihnen gegenüber bewiesen. Die bevorstehenden Verhandlungen über die Sicherung des inneren Friedens in Oesterreich könnten nur geführt werden, wenn keinen Schwierigkeiten aus dem Wege gegangen werde. Die Verhandlungen seien em Hauptpunkt der österreichischen Innenpolitik in den nächsten Wochen. — Das „Reue Wiener Tageblatt" führt u. a. aus: Die svzial- demokrattschen und verwandten Blätter hätten eine Gefahrenstimmung erzeugt, die im Auslande zu schweren Schädigungen der österreichischen Wirtschaft geführt habe. Das Blatt verlangt von den Sozialdemokraten Umkehr auf der ganzen Linie. — Die „Reue Freie Presse" behauptet in einem Leitartikel mit der Äeberschrist „Zurück zur Arbeit", daß die Tschechoslowakei, Ungarn und Italien ihren Grenzschutz gegen Oesterreich verstärkt hätten und dah die Rationalbank in den letzten Tagen einen Devisenausgang von fünf b is sechs Millionen Schilling verzeichnet hätte. Man solle nunmehr zur Arbeit zurüÄehren. Auf beiden Seiten müsse auf die besondere Lage Oesterreichs Rücksicht genommen werden. — Die sozialdemokratische Presse drückt sich außerordentlich befriedigt aus. So nennt die „Arbeiter- zeittmg" den gestrigen Tag einen Tag des Triumphes. Der sozialdemokratische Parteivorstand veröffentlicht eine Dankeskundgebung, in der es u. a. heißt: Die Regierung lja&e beinahe das ganze Bundesheer mobilisiert, um ein paar tausend Heimwehrleute vor dem Zorn des Volkes zu schützen. Die Landsknechte des Faszismus hätten sich in Wiener-Reustadt nicht anders bewegen formen als versteckt unter einem Riesenaufgebot von Militär und Gendarmerie.
Hessens Finanzlage.
Eine Uebersicht
über die ersten sieben Monate 1928.
Darmst a d t, 6. Oft. Die nunmehr vorliegenden Ziffern über die Einnahmen unb Ausgäben des Volksstaates Hessen im ersten Halbjahr 1928 und im Monat Juli 1928 ergeben folgendes Bild (alles in 1000 Mk.):
A- Ordentlicher Haushalt. Im allgemeinen wird bemerkt, daß bei verschiedenen Po- sittonen der Ausgaben und insbesondere der Einnahmen vier Zwölftel des Jahressolls nicht erreicht werden, da die Brutto-Einnahmen unb -Ausgaben der betreffenden rechnungspflichtigen Kafseverwaltungen erst gegen Ende des Rechnungsjahres voll ausgewiesen werden.
Einnahmen: Steuern 1.Halbjahr 10537, Juli 7559, zusammen 18 096 bei einem Jahressoll von 77800; Heberschüsse der Unternehmungen und Betriebe (hier ist zu beachten, dah ben größtenteils noch ausstehenden Einnahmen aus staatlichen Holzverkäufen schon die vollen Holzhauerlöhne usw. gegenüberstehen, so daß sich hier eine Mehrausgabe ergibt): 1. Halbjahr 1515, Juli 58, zusammen 1573, Zuschüsse 1. Halbjahr 12, Juli —, also insgesamt 1585; Ju stiz: 1. Halbjahr 309, Juli 355, zusammen 664 (Jahressoll 4611);Dolksbi ldung, Wissenschaft, Kunst und Kultus: 1. Halbjahr 58, Juli 5, zusammen 63 (8458-; übrige Landesverwaltung: 1. Halbjahr 2838. Juli 1083, zusammen 3921 (20 252). Die Gesamteinnahmen betragen also im 1. Halbjahr 12215 im Juli 8944, zusammen 21 159 gegenüber einem Jahressoll von 114 756.
Ausgaben: Justiz: 1. Halbjahr 2529, Juli 751, zusammen 3280 (12 221); Volksbildung. Kunst. Wissenschaft unb Kultus: erstes Halbjahr 9873. Juli 3099. zusammen 12 972 (43 593); wertschaffendeErwerbslosen- fürforge: —; Wohnungswesen — (12); Schuldendienst: 1. Halbjahr 218, Juli 56. zusammen 274 (2256); Ruhegehälter: erstes Halbjahr 3676. Juli 1207, zusammen 4883 (14 583); sonstige Ausgaben: 1. Halbjahr 8267, Juli 3076. zusammen 11 343 (41 538). — Die Gesamt- ausg aben betragen also im 1.Halbjahr 24 563. im Juli 8189, zusammen 32 752. — Es ergibt sich also für den ordentlichen Haushalt eine Mehrausgabe von 11593.
B. Außerordentlicher Haushalt: Die Gesamteinnahmen betragen im 1. Halbjahr 5478 im Juli 1, zusammen 5479 (16 006). wobei 11 für Wohnungswesen bereits im ordentlichen Haushalt unter Ausgabe (12) enthalten sind. — Die Gesamtausgaben betragen im 1. Halbjahr 165. im Juli 843. zusammen 1008 (16 006). Diese Ausgaben verteilen sich insgesamt auf Landeskultur- Wesen 60. Verkehrswesen 6, sonstige Aufgaben der Hohettsverwaltung 852, Zuschüsse und Reu- inbefhetungen für Unternehmungen und Betriebe, sowie Vermögen 90. Im außerordentlichen Haushalt verbleibt also eine Mehreinnahme von 4471 Der hessische Finanzminister verzeichnete also Ende Juli ein buchmäßiges Minus von 7 122 000 Mark.
Anschlüffigkeii im Zentrum.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers*.
Berlin, 9. Oft. Sowohl im Reich als auch in Preußen steht zurzeit die Regierungs- umbi Ibung im Mittelpunkt aller politischen Erörterungen. Für den Kanzler Hermann Müller
kommt es darauf an, das Zentrum fester an ferne Regierung zu binden, Herr Otto Braun dagegen soll sich mit einer Erweiterung der Preußen-Koalition durch die Hereinnahme der Deutschen Volkspartei einverstanden erklären. Das Zünglein an der Waage bildet augenblicklich das Zentrum, das sich im Reich bisher ebensowenig zu einem engeren Heranrücken an das Kabinett entschließen konnte wie zur Freimachung eines Mirristersessels in Preußen für einen Dolks- parteiler. Dun hat inzwischen der Reichsparteivorstand des Zentrums getagt, scheint sich aber auch nicht schlüssig geworden zu fein, welchen Kurs er empfehlen soll. Das über die Sonntagssitzung ausgegebene Kommunique ist recht nichtssagend, was sonst aus der Sitzung bekannt geworden ist, reicht nicht aus, um die Hoffnung auf baldige Entschließungen des Zentrums als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Allein die Tatsache, daß dem Parteitag alle weiteren Entscheidungen zugeschanzt wurden, ist bezeichnend für die im Parteivorstand herrschende älnschlüssigkeit. Die Dinge werden vermutlich jetzt so laufen, daß man es ben einzelnen deranttoörtlichen Persönlichkeiten überläßt, sich um die Schwierigletten Reich—Preußen, die sich wegen ihres inneren Zusammenhanges nur gemeinschaftlich aus der Welt schaffen lassen, herumzukommen. Das schließt natürlich nicht die Fortführung der eingeleiteten Verhandlungen in Preußen wie auch -Unterhaltungen im Reich aus, wobei jedoch die Zentrumsvertreter stets Wert auf die Feststellung legen dürften, daß sie Ermächtigungen zu irgendwelchen Zugeständnissen dieser oder jener Art nicht besitzen.
Wie das Rachrichtenbureau des DDZ. ergänzend erfährt, ist in ber Sitzung des Parteivov- standes des Zentrums zwar fein Beschluß Sur Koalitionsfrage im Reich oder in Preußen gefaßt worden, doch hat man ausdrücklich den Fraktionen der beiden Häuser freie Hand für etwaige Koalltionsver- hand langen gelassen. Das ist insofern bedeutsam. als in der zweiten Hälfte dieser Woche im Preußischen Landtag die Koalttionsparteien zu offiziellen Verhandlungen über die Regierungserweiterung zusammentreten. Für das -3en- trum wird der Abgeordnete Heß die Unterhandlungen führen, für die Demokraten der Abgeordnete Falk, für die Sozialdemokraten der Abgeordnete Heilmann. Der preußische Ministerpräsident wird sich an diesen Besprechungen nicht beteiligen, sondern die Parteien unter sich lassen. Man hofft, dah Ende der VÄxche bereits die volksparteilichen Llnterhändler Stendel und Schwarzhaupt hinzugezogen werden können. Die Verhandlungen werden sich außerordentlich schwierig gestalten.
Aus aller Wett.
Essener Kongretz für Chorgesangswesen.
Auf der ersten Tagung für Chvrgesangs- toefen in Essen, die heute eröffnet wurde, erinnert Reichsinnenminister Severing in seiner Ansprache an seine eigene aktive Sängerschaft, toie der Reichsinnenminister die DvlkSerziehungs- mittel des Reichsrunbftmks unb des Kinos zu überwachen hätte, nämlich in dem Sinne, um eine zu öde Einseitigkeit dieser Mittel auszuschalten, ebenso obliege ihm neben der Erziehung von Auge und Ohr auch diejenige der Seele, und das könne nur dadurch geschehen, daß das deut
sche Volk die innere Annäherung zum Chorgesangs wesen wieder erhalte. Wie Severing mitteilte, gehen feine Bestrebungen dahin, die Mitglieder des Reichskabinetts, des Reichsrats und auch des Reichstages von der Rotwendigkeit der wirtschaftlichen 11 n - te rstützung des deutschen Chorgesangwesens zu überzeugen. Als zweiter Redner begrüßte Kultusminister Dr. Decker die Tagung. Er hob hervor, dah es im Zeitalter eines übermäßig betonten ödem Materialismus' notwendig sei, die künstlerischen Eigenschaften, so auch diejenigen des Chorgesangwesens, tatkräftig zu unterftütjen. Der Minister feierte dann ben Beschluß der gemeinschaftlichen Arbeit zwischen ben drei großen deutschen Sanges- und Chorverbänden auf öer Essener Tagung als einen bedeutsamen Schritt auf dem Wege zur deutschen Einigkeit. Im einzelnen schilderte der Redner die Bedeutung ber Schule für den Vollsgesang und die Arbeit der Jugendbewegung für das deutsche Volkslied. Es folgten dann drei Vorträge über das Ehor- gesangswesen.
politisches Attentat in Indien.
Wie aus Bombay gemeldet wird, ist auf den Vorsitzenden des Komitees der indischen Zentrab Regierung, Sir Sankaran Nair, der gleich- zettig als Vertreter 9 n b i e n s für bie Zusammenarbeit mit der Simon . Komin i s s i o n zur Ausarbeitung der neuen indischen Verfassung ausgewähtt wurde, ein Anschlag verübt worden. Ein Wagen des Zuges, in dem», sich Sir Sankaran Noir nach Bombay begeben wollte, um die Ankunft der Simon-Kommission zu erwarten, wurde bet Manmad in bie Luft gesprengt. Drei Reisende wurden getötet unb acht verletzt, von denen inzwischen zwei gestorben sind. Nach einer weiteren Meldung befand sich Sir Sankaran Nair nicht in dem Unglückszug, sondern traf aus Simla in Bombay ein.
Raubüberfall
in einem Reuyorker Juwelier laden.
In einem Juwelievgeschäft inderl2. Etage eines Wolkenkratzers in der 5. 2ü>enue wurde von vier maskierten Männern ein Raub- übevfall verübt. Zwei der Räuber bedrohten den Verkäufer unb einen gerade anwesenden Kunden mit Revolvern, während die beiden anderen EdelsteineimWertevon200 OOODvb- lar an sich nahmen. Den Däubem. die ihre Opfer fortwährend mit den Revolvern in Schach hielten und sie bei der geringsten Bewegung mit dem Tode bedrohten, gelang es, unerkannt zu enüommen.
Zwanzig italienische Arbeiter von einem Erdrutsch verschüttet.
Bei Neapel wurden zwanzig Erdarbeiter, die beim Bau der Straße Arenella Capella bei Cangiani beschäftigt waren, von einem Erdrutsch verschüttet. Erst nach schwierigen Rettungsarbeiten gelang es ber Feuerwehr, einen Teil der Verunglückten zu retten. Sieben Arbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden, dreizehn weitere mit schweren Verletzungen.
vom dritten Stock in den Hof gestürzt.
In einer Hallenser Schokoladenfabrik wollte eine 19jährige Arbeiterin von einem Baugerüst einen Stuhl holen und sprang dazu auf ein Glasdach. Dieses brach ein, die Unglückliche stürzte drei Stock tief indenHof und erlag bald darauf ihren Verletzungen.
Auch Opfer ihres Berufes.
Im Laufe eines Friseurkongresses in Groningen in Holland fielen plötzlich 30 Tagungsteilnehmer, die Demonstrattonen machten, besinnungslos zusammen. Sie waren von den Parfümwolken betäubt worden, die so stark waren, dah die unglücklichen Opfer der Haarkunst in ein benachbartes Krankenhaus gebracht werden mußten, wo es dann gelang, sie aus der Ohnmacht zu erwecken.
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Wien
La <oruna
Montag.
d. 8. OK11928, 7‘aDdS-
SS——
Die Wetterlage.
G wontenros. <j nerter. onafö oedeen ® WöOtio. • bedem, • iteoe^
* Schnee Graupeln e Nebel K Gewit'rr.fg) Windstille. seh» leichte» 0$i <£> «assige» SQdsodwest 'n stürmische» «ordwest tle Piene fliegen mit dem winde. Ole beiden Stationen steneoden lallen geben die Temperatur an. Ole Urnen verbinden Orte eu^ldchcob •m* -.eeresnivea* umoerechneteo lultdEMca
Wctiervo raussage.
In ganz Europa hat erheblicher Lustdruckfall ein« gesetzt. Das Barometer zeigte heute Morgen in Deutschland stellenweise 10 Millimeter weniger als am Vortage. Dabei ist es zur Ausbildung einer Rinne tiefen Druckes gekommen, die sich von Irland nordwefllich bis über Skandinavien erstreckt. Ihre Ausläufer werden sich auch in unserem Gebiete durch Bewölkungszunahme und einzelne Niederschläge auswirken.
Wettervoraussage für Mittwoch: Vielfach wolkig, Temperaturen wenig verändert, einzelne Niederschläge.
Witterungsaussichten für Donnerstag: Meist bedeckt unb weiterhin Regenschauer.
Lufttemperaturen am 8. Oktober: mittags 14,2 Grab Celsius, abends 8 Grad Celsius; am 9. Oktober: morgens 7,4 Grad Celsius. Maximum 14,5 Grad Celsius, Minimum 5,8 Grad Celsius. — Erdtempera- turen: am 8. Oktober: abends 10,7 Grad Celsius; am 9. Oktober: morgens 8,3 Grad Celsius.


