Ur. (34 viertes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 9. Zuni (928
Wie die Krauen in Gießen wählten.
Bei der Reichstagswahl am 20 Mai ist bekanntlich in Hessen die nach Geschlechtern getrennte Abstimmung der ®ablbere(faiig len durchgeführt warben E» ist nun inte^fsant, sesizustelten. wie sich bei der Ausübung des höchsten Staatsbürgerrechtes die Frauen In (Biegen entschieden haben
Stimmberechtigt waren in Gießen insgesamt 23 686 Personen, davon 10 710 Manner und 12 976 Frauen, mithin also 2266 Frauen mehr ab Manner
von ihrem Stimmrecht machten Gebrauch: 7517 Manner - 70,1 Pro), der gesamten stimmberechtigten Männer, 7373 Frauen Pro), der gesamten stimmberechtigten Frauen, insgesamt also 14 890 Wahlberechtigte -- 62,88 Pro;. Gesamtbeteiligung Die abgegebenen Stimmen verteilen sich wie folgt:
Sozialdemokratische Partei: 2350 Manner « 31,2 Proz. sämtlicher abgegebener Männerstimmen, 2179 Frauen = 29,5 Pro;, sämtlicher abgegebenen Frauenstimmen, zusammen 4529 = 30,4 Pro;, der Gesamtstimmenzahl.
Deutschnationale Volkspartei: 729 Männer - 9,7 Proz., 746 Frauen - 10,1 Proz., zusammen 1475 = 9,9 Proz. der Gesamtstimmenzahl.
Zentrum: 347 Männer = 4,6 Proz., 444 Frauen ■ 6,0 Proz., zusammen 791 Stimmen = 5,3 der Gesamtstimmenzahl
Deutsche Volkvpartei: 1675 Männer 22,3 Proz, 1919 Frauen - 26 Proz, zusammen 3594 Stimmen 24,1 Proz der Gcsamtstimmenzahl.
Kommunistische Partei: 396 Männer = 5,3 Proz., 253 Frauen - 3,4 Proz., zusammen 649 Stimmen r 4,4 Proz. der Gesamtstimmenzahl.
Deutsche Demokratische Partei: 698 Manner 9,3 Proz., 575 Frauen -- 7P Pro;, ;u- sammen 1273 Stimmen = 8,5 Proz. der Gesamtstimmenzahl.
LinkeKommuntsten: 73Männer 1,0Proz., 30 Frauen » 0.4 Proz., zusammen 103 Stimmen = 0,7 Proz. der Gesaintstimmenzahl.
Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirlschaftspartei): 516 Männer = 6,8 Prozent, 486 Frauen = 6,6 Proz., zusammen 1002 Stimmen = 6,7 Proz. der Gesamtstimmenzahl.
Rationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (Hitlerbcwegung): 140 Männer = 2,0 Proz, 65 Frauen » 0,9 Pro;, zusammen 205 Stimmen - 1,4 Proz. der Gcsamtstimmenzahl.
Völkisch-Rationaler Block: 31 Männer = 0,4 Proz., 19 Frauen = 0,25 Proz., zusammen 50 Stimmen - 0,3 Proz. der Gcsamtstimmenzahl.
Christlich-Rationale Bauern- und Landoolkpartei: 64 Männer = 0,9 Proz., 47 Frauen = 0,6 Proz,, zusammen 111 Stimmen = 0,7 Proz. der Gcsamtstimmenzahl.
Volksrecht-Partei (Reichspariei für volksrecht und Aufwertung): 240 Männer = 3,2 Proz., 287 Frauen - 3,9 Proz., zusammen 527 Stimmen • 8,5 Proz. der Gesamtfttmmenzahl.
Evangelische Volksgemeinschaft (Co. grtd Deutschlands): 186 Männer ■ 2,4 Proz^ 271
men - 8,6 Proz., zusammen 457 Stimmen - Praz. der Gesamtktimmen^ihl.
Deutscher R , i ch s b l o ck der Geschädig- t« n: Lediglich eine Frauenstimme abgegeben.
Alte Sozialdemokratische Partei Deutschlanos: 81 Männer ® 0,4 Proz., 26 Frauen 0,3 Proz., zusammen 57 Stimmen - 0,4 Prozent der Gesamtstimmenzahl.
DieF Aufstellung bringt, wie man siebt, sehr interessante Angaben über die politische ©tcl- lungnahme der Frauen. Zunächst geht darau» bcrtwr, dasi die ertremen polittschen Parteien bei den Frauen wenig Sympathie befunden haben, denn sowohl die äußerste Linke, wie auch die äuherfte Rechte hat nur einen geringen Teil der gesamten abgegebenen Frauenstimmen für sich oerbuchen können. Mehr Frauen als Männer haben in unserer Stadt der Deutschen Volks- Partei ihre Unterstützung gegeben. Ebenso haben auch die Deutschnationalen eine Kleinigkeit mehr Frauen- al- Männerstimmen, während dieses Plu» der Frauen beim Zentrum schon wieder bedeutsamer in die Wagschale fällt. Die Volks-
Fliegende Menschen.
ES gibt unendlich viele Menschen, die noch nicht geflogen lind, und die eS au» Mangel an Geld, oder an Selbstüberwindung nicht vermögen, oder es ablehnen. Sie sind mit denen zu vergleichen, die den Eisenbahnen vor 100 Jahren in gleicher Weise ablehnend grgenüberstanden. Diese Menschen werden allmählich auSstcrben. 3n 100 wahren wird jedermann stiegen, und im 21. Jahrhundert werden unsere Rachkomnnm auf die Richtfliegcr der Gegenwart ebenso zurückblicken. wie wir auf untere Vorfahren vor 100 Iahren, alS die Eisenbahnen aufkamen.
ES sei zugegeben, daß die Eisenbahnen ein Fortbewegung-mittel lind, da» auf der Erde bleibt, währeird die Luit allerdings ebenso Balken hat, al» da» Wasser. Aber auch im Luftverkehr hat der Sicherheit-koeffizient immer mehr zugenommen, wenn auch Unglück-fälle sich nie gaiu vermeiden lassen werden. Es gibt überhaupt kein FortbewegungS- mittel. da- ganz gefahrlos wäre. Man lese nur die Thronik der Auto- und MotorradunglückS- fälle. die täglich in den Spalten unserer Zeitungen zu finden ist. und die doch immer nur die Unfälle de» engeren Bezirks umfaßt. Vielleicht interessiert an dieser Stelle eine vergleichende Statistik der Eisenbahnunfälle in E n g - land ün Jahre 1841 und der Unfälle im Flug- verkehr im Jahre 1927. Die London Times vom 14. Iuni 1842 meldet, dast im Jahre 1841 die Zahl der beförderten Reisenden auf den acht englischen Eisenbahnlinien 10 508, die Zahl der zurückgelcaten Entfernung 3 502 338 Meilen betrug. Während dieser Zett wurden 56 Passagiere verletzt, von denen 22 getötet wurden. Demgegenüber betrug im Jahre 1927 die Zahl der mit den Flugzeugen der Deutschen Lufthansa beförderten Reisenden 102 681, die Zahl der zurückgelegten Kilometer 9 208 029 und nur acht Fluggäste wurden tödlich verletzt.
Run gibt es eine zweite Klasse von Leuten, die einmal geflogen sind, um em gewisses Sensationsbedürfnis zu befriedigen, und sich dann im Kreise ihrer Freunde und Freundinnen als Helden feiern zu lassen. Diesen genügt e i n Flug, an dem sie lange zehren. Sie verstehen es dann wunderbar, gerade diesen Flug als etwas ganz Besondere- zu schildern Sie freuen sich, namentlich wenn sie luftfest geblieben find und die ungewohnte Empfindung des frei <n der Luft- Schwebens überwunden haben, der herrlichen Genüsse, die da- Fliegen bietet, sie find aber meist so .benommen" von der Fülle des Geschauten, daß sie kaum in der Lage sind, zu schildern, was sie im einzelnen gefeben und innerlich empfunden haben. Das kommt zum Teil wohl daher, daß an den Orientierung»f i n n beim Fliegen ganz andere Anforderungen gestellt werden als beim Wandern, Bergsteigen oder Sisenbahnfahran. Wie ganz ander« sucht die Welt da unten au», über die man htnschwebt, oder die unter einem wegstreicht 1 'UrtD was könnte man bei ruhigem Erschauen des einzelnen in bezug auf Bodengestaltung, Bauart der Dörfer und Städte, Bebauung des DodenS, Reichtum oder Armut deS Lande» Ausdehnung der Landwirtschaft. Forstwirtschaft, 2dr- dustrie und Bergbau, Dichtigkeit deS Verkehrs.
geologischen Ausbau der Erde usw. lernen. Diese Schönheiten lernt man erst kennen und immer minder von neuem ausschöpfen. wenn man öfter» geflogen ist und die Kinderkrankheiten des Fliegens überwunden hat Dann kann man erst die Vrhabenhei t de» Fliegen» voll au»- kosten. Für die. die beruflich oder au» Leiden- fchaft oft fliegen, wird jeder Flug zu einem Erlebnis, ja zu einem wahren Gottesdienst. Immer von neuem ist man ergriffen von den Wundern der Schöpfung und der Gröhe der Ratur. Richt» kann einem die Kleinheit. Bedeutungslosigkeit und Schwäche der Menschen, die man da unten wie Insusorientierchen auf dem Rährboden der Mutter Erde dahinkriechen sieht, mehr zum Be- wuhtsein bringen al» das Fliegen. Wie nichtig erscheinen dem Fliegenden die kleinen Freuden und Leiden der Menschlein da unten, man verliert da oben, wo man dem Weltgei ft näher ist. den Sinn für den Kampf und Streit, der Ni unten zwischen den Völkern und den Menschen, zwischen ihren Parteien. Konfessionen und Schichten herrscht, man fühlt sich frei und losgelöst von der Er den schwere, man atmet aus. und die Seele wird ein» mit der groben, gewaltigen, alle» umfassenden Ratur.
ilnb doch, wie grob erscheint uns auch der Menschengeist, der in jahrhundertelanger Arbeit im Kampf und Ringen mit der Ratur dieser die Geheimnisse abgelauscht und ihre Gewalten in seinen Dienst gestellt hat, der Menschengeist, der die Schöpfung, in die ihn die Allmutter Ratur hineingestellt hat. gewifsermahen vervollkommnet und ausgebaut hat. Die Städte und Dörfer, die 6traben und Eisenbahnen, die elektrischen Leitungen, die Industrie und die Kunstwerke, die da unten wie auS einer Spielzeugschachtel hergcstellt zu fein feinen, sind daS Werk der Menschenhände und des Menschen- geisteS. GS gibt in der Ratur nichts Gewaltigere» als der Menschengeist, dem es in unseren Tagen gelungen ist, die Erdenschwere zu überwinden und den jahrhundertelangen Traum de» Fliegen» zur Wahrheit werden zu lassen.
Da» sind die Gedanken derDemutpor den Raturgewalten und des StolzeS. daß e» dem Menschen gelungen ist, diese zu überwinden. Gedanken, die immer wieder von neuem den Fliegenden packen und das Göttliche in uns und in dem Weltall erkennen lassen.
Fliegen sollte Gemeingut allerMen- scheu werden, weil man durch das Fließen sich zu höheren Gedanken durchringt, das Kieme und Kleinliche vergibt und weil nur noch das Erhabene im Menschenherzen Platz behält!
Anmerkung derRedaktion: Wie wäre es, um den Gedanken deS Fliegen» auf brettere Grundlage zu stellen, wenn sich Sparvereinigungen bildeten, die durch Gnboegennahme von allmählichen Einzahlungen e» dem einzelnen ermöglichten, die Mittel zum Fliegen aufzubringen. Unb gut wäre es auch, wenn die Deutsche Lufthansa für alle Flugstrecken Erdkarten herauSgäbe, um den Fliegenden die Orientierung yt erleichtern. •Mnfere Zukunft liegt nicht mehr auf dem Wasser, sondern in der Luft!
vechtpartei unb die Evang. Volksgemeinschaft konnten gleichfalls mehr Frauen- als Männerstimmen auf sich vereinigen, die allerdings bei diesen beiden Parteien sich nicht in der erhofften Weise (Mandatserringung) auswirken konnten. Bei der Sozialdemokratischen Partei reicht die Zahl der Frauenstimmen fast an die der abgegebenen Männerstimmen heran. verhältniS- mähig in gleichem AuSmab trifft dies auch auf die Demokratische Partei zu.
In absoluten Ziffern betrachtet, hat die Sozialdemokratische Partei in unserer Stadt die meisten Frauenstimmen erhalten, in nicht allzu grobem Abstand folgt ihr die Deutsche (Bolte- Partei. Weit zurück hinter diesen beiden Parteien marschiert mit ihren Frauenstimmen die Deutschnationale Dolkspartei auf, der sich in etlichem
Abstand die Deutsche Demokratische Partei an- schlicht, gefolgt dann von der Reichspartei des deutschen Mittelstandes, hinter der schliehlich das Zentrum kommt. In erheblichem 2lbstand schlieht sich die Dolksrechtpartei an, dichtauf gefolgt von der Evang. Volksgemeinschaft, der sich unmittelbar die Kommunistische Partei zugesellt. Die übrigen Frauenstimmen zersplittern sich dann auf die anderen Listen, an denen ja leider kein Mangel herrschte.
Rundfunkprogramm.
Sonntag. 10. Juni.
8 bis 9 Uhr: Morgenfeier, veranstaltet vorn Wartburgverein Frankfurt a. M. 11.30 bis 12: Die Eltern stunde. 12 bis 13: Don Kassel: MittagS-
kvnzert. 13.45 bi» lh: Don Essen Hauptveriamm- lung de» Verein» Deutscher Ingenieure. 15 bis 16: Die Stunde der Iugend. 16.30 bi» 18: Konzert de» Rundfunkorchester» 18 bi# 19: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung? .Reidhart von Gneisenau", Dortrag mit Vorlesungen au» Gncisenau» Briefen und Dichtungen von Rektor Sbristian Bartscher 19.30 lns 20.30: Führung durch den Zoo. 20.30. Konzert des Rundfunkorchester»: SomrnernachtSklänge. An- schliebend von Berlin. Tanzmusik.
Montag. N. Juni.
16.30 bi» 17.45 Uhr: Konzert de» Rundftmk- orchester» Die Oper der Woche. 17.45 bi» 18.05: Die Lese stunde. 18.30 bi» 19: .Tierfreundschatten", Vortrag von HanS Schomburgk. 19 bi» 19.30: .Heber da» Historische Muleurn in Frankfurt a. M ' (»um 50jährigen Jubiläums. Vortrag von Kusto» Dr. Doelckc. 19.30: Dom Frankfurter Opern hau»: Martha, ober .Der Markt zu Richmond". romantifch-komifche Oper in 4 Akten.
Dienstag, 12. Juni.
12 30 bi» 13.30'Ubr Don Kassel: Mrttags- konzert. 16.30 bi» 17.45: Konzert des Rundfunkorchester»: Richard Straub- 17.45 bi» 18: Die Lesestunde. 18 bl» 18.30: Don Kassel: .Zum 100. TodeStaa des Herzog» Karl August von Weimar am 14. Ium". Dortrag von Dr. Heinrich Schlei- chert. 18.30 bis 19: Funkhochschule: .Zuckerkrankheit", Dortraa voi^ Oberarzt Dr. Spiro. 19 bis 19.30: .DaS Kind im praktischen Leven, ein 8r- ziehungSproblern' . Dortrag von Dora Sophie Kellner. 19.30 bi» 19.45: Englische Literaturproben. 19.45 bi» 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15 bis 21.15: Don Kassel Klavierkonzert. 21.15 bi» 22.15: Ien» Peter Iacobsen Zwei Rovellen. Anschliestend: Schallplatten-Konzert. Ehormusik.
Mittwoch, 13. Juni.
12.15 bi» 12.45: Schulfunk: Musik, vorgetragen von Eilli Geis — Einführung in da» Derständni» von Instrumentalmusik. 15.30 bi» 16: Die Stunde der Iugend. 16.30 bi» 17.45: Konzert des Rundfunkorchester»: Reue Tanzmusik. 17.45 biS 18.05: Die Bücherstunde. 18.45 bi» 19.15: Die Schachstunde. 19.15 bis 20: Französischer Sprachunterricht. 20 bi» 20.15: Senckenberg-Viertelstunde: „Bildung und Zerstörungen von Gesteinen". Dortrag von Professor Dr. K. Leuchs. 20.15: Rach dem Deutschlandsenter und Stuttgart: Uraufführung: Die Traumlinhe. Hörspiel in 2 Akten von Wilhelm Fladt. Anschliestend: Rach kein Deutschlandsender: Schubert.
Donnerstag, 14. Juni.
13.30 bis 14.30 Hhr: Don Kassel: Mittag»- konzert. Russische Musik. 15.30 bi» 16: Die Stunde der Iugend. 16.30 biS 17.45: Konzert de» Rundfunkorchester»: Rordische Musik. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bi» 18.45: Don Kassel: »Die Stunde der Krau". 18.45 bi» 19.15: Don Kassel: Stunde der LandwlrtschaftSkanrme» Kassel: .Welche Aufschlüsse gibt die chemische Analtzse von Trink- unb Äutzwasser", Vortrag von Dr. Haun von der Landw. Versuchsanstalt Harleshausen. 19.15 bi» 19.45: FuiHochschule »Die Sprache deS deutschen 3äger4*. Dortrag von Drofeksvr Dr. Schultz. 20 15 M» 21.15: Konzert be» Rundfunkorchester». 21.15: Don Kassel: Der vpielmcmn.
Frettag. 15. )eeL
13 bl» 14 Ahr. Schallplatten-Konzert. 15.30 bi» 16: Die Stunde der Iugend. 16.30 biS 17.45: HauSsrauen-Rachmittag, veranstaltet vom Frankfurter HauSsrauenveretn. „SS kommt BÄuch". Plauderei von Sine Wallerstein. 17.45 bi» 18.05: Die Lesestunde: Aus den »Briefen der Frau Rat Goethe". 18.30 bi» 18.45: Die Stunde „Haus und Garten": .Der Weinbau im Hausgarten". Dortrag von Garteningenieur Karl Hinze. 18.45 bis 19.15: .Kundendienst", Dortrag von Karl Blüth. 19.15 biS 19.45: Deamtenfortbildungs- kursuS: »Die wirtschaftliche Zusammenschluhbewe- gimg“, Dortrag von Dr. Fritz Äeumark. 19-45 bis 20.45: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 20.05 bi» 20.15: Film- Wochenschau. 20.15: Bunter Abend. Anschließend: Don Kassel: Spätkonzert.
Vornan von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig.
27. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Wae liegt an einer Photographie?" fragte er gelosten
„Sagen Sie das nicht. Hat man die Photographie, bann hat man die Fährte des Verbrechers, und die halbe Arbeit ist bereits getan."
Dick lächelte flüchtig.
„In diesem Falle gehört der Verbrecher dem höchsten englischen Adel an", gab er zu bedenken.
Mit einer Handbewegung schob Sneed den (Einwurf beiseite.
„(Erzählen Sie mir," drängte er, „wie sind Sie zu der Photographie gekommen? Durch Havelock?"
„D nein," erwiderte Dick, „ich verdanke sie einem glücklichen Zufall. Selford war in Kapstadt, als der neue Regierungskommif'ar seinen Einzug hielt. Die Neugierde trieb ihn auf den Balkon hinaus, gerade, als ein Prestephotograph die Hotelfront abknipste. Als ich drei Tage spater den Portier bat, mir Lord Selsord zu beschreiben, zeigte er mir dos Bild in der Zeitung. Ich begab mich sofort in die Redaktion des Blattes, lieh die Platte aus und lieft danach eine Vergrößerung anfertigen."
„Unb wie sieht Lord Selford aus?" fragte Sneed mit verhaltenem Stiem.
„Ein Dutzendgesicht", war Dicks unbefriedigende Antwort. „Allerdings kam es mir vor, als hätte ich es schon einmal gesehen."
Er schwieg, mit der Steuerung beschäftigt. South Weald war erreicht. Zu beiden Seiten der breiten Dorfstrafte lagen die kleinen behäbigen Häuser in tiefem Schlummer. Das MondNcht spiegelte sich in schwarzen Scheiben.
Hie und da bellte ein Hund.
Der Wagen hielt vor dem Hause der Dorfpolizei, in dem hinter vergittertem Fenster die winzige Arreststube lag. Aus mehrfaches Rufen und Klopfen erfchien der unfrifierie Kopf einer halb verschlafenen Frau in einem Mansardcnfenster.
Rein, ein Alarmruf hatte sie nicht erreicht. Ihr Rann war schon am frühen Nachmittag angegan
gen, um mit dem Revierförster nach Wilddieben zu fahnden. Ein Telephon hatten sie nicht. Wozu auch? Seit Menschengedenken war nicht das Geringste passiert, das eine so neumodische Einrichtung hatte rechtfertigen können. Sie wollte aber gern ihrem Mann jede Bestellung ausrichten. Die Londoner Kriminalbeamten machten anscheinend keinen sehr grafte» Eindruck auf sie.
Sneed schaute Dick triumphierend an. Wieder einmal hatte er recht behalten. Was er sagte, ging im Ansurren des Motors verloren. Das Auto jagte durch die Dorfftrafte unb hielt unter dem Druck der Vierradbremse jäh vor dcm Eingangstor von South Weall) House.
Dick lieft seine Hupe in regelmäßigen Abständen ertönen, aber aus dem kleinen Pförtnerhaus drang kein Laut und keine Bewegung nach außen. Wahrscheinlich war es unbewohnt. Dick stieg ab und pruste das Tor. Es war nur durch einen Gleit- riegel befestigt. Dick schob ihn zukuck. Das Tot schwang langsam auf. Er hakte beide Flügel nach innen ein und sprang auf den Führersitz. Mit leisem Knirschen glitten die Räder über den Fahrweg. Plötzlich stellte sich die wuchtige Masse des Hauses mit vorgeschobener Säulenhalle und Freitreppe quer vor die Anfahrt. Der Wagen hielt. Vier Augenpaare suchten die Front ab.
Kein Fenster war erhellt. Eine Totenstille begrub das Haus und alle seine Bewohner in klafteriicfes Geheimnis. Dick riß an der Glocke. Ihr helles Bimmeln verlor sich im Innern des Hauses. Danach wartete er eine Minute und läutete zum zweiten, zum dritten Male mit demselben Ergebnis. Sein scharfes Ohr vernahm nicht einen einzigen vcrdäch- tigen Laut. Alles blieb still wie zuvor. Nun hämmerten sie mit vereinten Kräften gegen die Tür. Drei Minuten gingen auf diese Weise verloren. Dcnm warfen sie Äiefelfteine gegen die Fenster der oberen Etage, vor denen die Ädcn fchlten. Aber auch auf dies Zeichen hin rührte sich nichts.
„Sie wollen nicht öffnen, wir muffen ein Fenster einschlagen", erklärte Sneed mit grimmigem Ernst.
Er blickte am Haus empor. Die Fenster des Erdgeschosses waren durch schwere Rolläden verschlossen. Nirgends bot sich eine erreichbare Scheibe.
Da deutete Dick stumm auf zwei kleine unser- gitterte Zierfenster, die das Portal ,;u beiden Seiten flankierten.
Sneed schüttelte den Kopf.
„Wer soll sich da hindurchzwängen?"
.Ich", sagte Dick lakonisch.
„Sie?" Der Inspektor maß ihn von Kopf bis zu Füßen. Einem fünfjährigen Knirps will ich das zutrauen, aber Ihnen ...?"
„Wollen wir wetten?" fragte Dick.
Er lief ,;um Auto zurück und suchte in feinem Werkzeugkasten. Mit einem Schraubenschlüssel kam er wieder. Er klopfte die Farbe vom Scheibenrah- men ab und drehte die Schrauben heraus. Nach fünf Minuten nahm er das unbeschädigte Glas aus dem Rahmen. Don Elbcrt und Staynes unterstützt, schlüpfte er seitwärts, die Füße voran, durcy die Deffnung. Dabei wand er sich wie ein Aal, bog die Schultern zusammen und zog, als er den Boden unter den Fußen sühtie, behutsam den Kopf nach. Außer einem Kratzer am Ohr hatte er keinen Schaden genommen, und Sneed stand da und staunte offenen Mundes.
Drinnen richtete sich Dick auf und versuchte, mit feinen Blicken die Dunkelheit zu durchdringen. Auf einem Treppenabsatz tickte eine Uhr. Es war, als schlüge noch das Herz in einem Körper, der nach menschlichem Ermessen sein Leben verhaucht hatte. Er überwand das Grauen, das ihn aus der völligen Finsternis des Hauses wie ein Raubtier an sprang, und tastete sich vorwärts. Plötzlich prallte er zurück. Sein außergewöhnlich feiner Geruchssinn hatte eine fürchterliche Wahrnehmung gemacht. Er riß die elektrische Handlampe aus der Tasche und lieft sie aufleuchten. Eine Kette und ein doppelter Riegel sicherten die Haustür. Er nahm die Kette ab, stieß die Riegel zurück und öffnete die Tür.
Im schmalen Strahl des Lichts suchte er Eneeds 2luge.
Hier sind bestimmt Mörder am Werk gewesen. Das ganze Haus riecht nach Blut!"
„Rach Blut ...?" fragte Sneed.
Er zog die Lust durch seine Nasenflügel ein.
„Ich rieche nichts!"
Sein Auge ruhte hilfesuchend auf seinen Gefährten, deren entsetzte Blicke über den Boden gingen.
Indessen suchte Dick nach den Licht (haltern. Er entdeckte ein Schaltbrett und drehte ra ch Hinterem- ander sämtliche Schalter an. Eine Lsmve erleuchtete die Diele, eine zweite den Treppenab atz darüber» Wo sich die Lampen befanden, die von den übrigen Schaltern kontrolliert wurden, lieft sich jetzt noch nicht feststellen.
Die Blicke der Männer streiften die Diele ab, die Treppe, die in das obere Stockwerk führte. Plötzlich packte Inspektor Sneed Dick am Arm.
„Wer — — wer — —* stammelte er mit erblassenden Lippen.
Er starrte nach oben, und als Dick feinem Blick folgte, gewahrte er das Schattenbild einer mensch- lichen Gestalt, die hinter einem Treppengeländer kauerte und mit aufgestützten Armen reglos auf sie herabsah. Im ersten Moment konnte sich Dick diese übernatürliche Erscheinung nicht erklären, und fein Blick weitete sich. Doch bann kam das Verständnis rasch, und er zog seinen Revolver. Das Licht, das jetzt auf dem oberen Treppenabsatz brannte, war offenbar tief angebracht und rückwärts von der kauernden Gestalt, so daß ihr Umriß in natürlicher Größe und ohne jede Verzerrung auf die Tapeten- wand gegenüber geworfen wurde, ohne daß sie selbst von unten zu sehen war.
Mit langen Panthersprüngen eilte Dick die Treppenstufen hinauf. Sein Schatten lief mit, entschwand einen Augenblick und erschien bann beuttich neben ber reglosen Gestalt.
Gerne Stimme klang leise unb wie beengt herab.
.Kommen Sie, Sneed!"
Der Insvektor stieg etwas langsamer hinauf. Als er den ersten Treppenabsatz erreicht hatte, wandte er sich um. Eine zweite Treppe führte in das Dunkel des oberen Stockwerkes.
Doch er bewegte sich keinen Schritt weiter. Bi» angewurzelt blieb er stehen.
Denn von oben her stierte ein weißes Gesicht mit verdrehten Pupillen auf ihn nieder. Es war das grobknochige Gesicht einer verblühten Frau in schwarzem Seiden kleide. In den Zügen lag ein Ausdruck so unmenschlichen versteinerten Grauens, als hätte sie in die Maske der Medusa geblickt.
(Fortsetzung folgt)


