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demottaien. Demokraten, Kommunisten und eines Teiles des Zentrums beschlossen, die kommu- nistischeu Anträge morgen auf die Tagesordnung zu lefcen.

Auf der Tribüne erhebt sich ein Wann und hält mit schreiender Stimme eine längere An­sprache, die mit einem Hoch auf b i e Inter­nationale endet Die kommunistischen Ab­geordneten und einige Tribünenbesucher stimmen ein. Sin Rot-Frontkämpfer auf der Tribüne bringt einRot-Front" aus, in daS die Kommu­nisten dreimal einstimmen. Der kommunistische Tribünenbesucher, der von der Publikumstribüne herunter in einer minutenlangen Rede auSge- führt hat. daß die Arbeiterschaft diesesAffen- cheate^ nicht mehr mitmache, wurde von einem Diener und mehreren Kriminalbeamten von der Tribüne entfernt. Aach Schluß der Sitzung brachten die Kommunisten erneute Hoch- und »Rot-Front"-Ruse aus. Erst allmählich leerte sich unter allgemeiner Unruhe daS Haus.

Der Abgeordnete Ponsick hatte nach den Feststellungen deS Arztes einen Bluterguß im linken Auge und Hautabschürfungen davongetra­gen. Abg. Ponsick gehört der Christlich-Vationa- len Bauern- und Landoolkspanei an, die sich mit den Deutsch-Hannoveranern, den Völkischen und der Volksrechtpartei zu einer Fraktion zu- sammenaeschlossen haben. Er ist Siedlungsbeirat des Äetchslandbundes.

Das Kabinett Braun bleibt.

Seine Erweiterung nach rechts.

Berlin, 9. 3uni. (prio.-Iel.) 3n der Sitzung dc, Dnlerfraftioneden Ausschusses der bisherigen Regierungsparteien des preußischen Landtags machte 2Hinifterpräfii>ent vr. Otto V r a u n die Mit­glieder des Ausschusses mit dem Inhalt der Regie­rungserklärung bekannt, die heute gleich nach der Mahl des Präsidium» im Landtag abgegeben wird. 3n der Regierungserklärung wird gesagt wer­den, daß die gegenwärtige preußische Regierung durch das Wahlergebnis sich in ihrer bisheri­gen Tätigkeit gerechtfertigt und be­stätigt fühlt, und daß die Regierung unver­ändert im A m t zu verbleiben gedenkt. Am Schluß der Rede wird der Ministerpräsident er­klären, daß mit staatsbejahenden Parteien, die loyal in der Regierung mit,arbeiten gewillt sind, 3 u ge - gcbener Zeit über eine Erweiterung der Regierungsbildung verhandelt werden wird. 3m übrigen wird die Regierungserklä­rung ein Programm für die in der nächsten Zu­kunst notwendigen gesetzgeberischen Arbeiten ent­halten. Der 3nterfraftioneUe Ausschuß erklärte sich einstimmig mit der beabsichtigten Regierungserklä­rung einverstanden.

Außerdem beschloß der Interfraktionelle Ausschuß, die (finbringuna des schon in der letzten Tagung des früheren Landtags eingebrachten Flaggenan­trags zu wiederholen, der die Beflaggung der Dienstgebäude der zum öffentlichen Gebrauch bestimmten Gebäude und sonstigen Einrichtungen der Gemeinden und Gemeindeverbände sowie der öffentlichen Straßen und Plätze als An­gelegenheit der Landeshoheit zu den örtlichen Geschäften der allgemeinen Landesverwaltung ge­hörig bezeichnet. Das gleiche gelte für die nicht vom Staat allein unterhaltenen Schulen. Auch das Flaggen durch die übrigen Körperschaften des Sffent- lichen Rechts unterliege der Bestimmung durch das Staatsministerium. Für die Reliaionsgesellschaften bestehe keine Verpflichtung zur Beflaggung.

Das neue Kabinett in Württemberg.

Der Lentrumsabqcordnetc Dr. Bolz zum Staatspräsidenten gewählt.

Stuttgart, 8. Juni. (WTB.) Der Landtag nahm in feiner heutigen Sitzung die Wahl des Staatspräsidenten vor. Zunächst gab der Abg. Ullrich (Soz.) eine Erklärung ab, worin er sagte, . das Zentrum habe erst kurz vor Beginn der Sitzung mitgeteilt, daß es im Zusamrnenwir- fen mit Burgerpartei und Bauern­bund eine der spätere Erweiterung durch andere Parteien (Deutsche Votkspartei) zugängliche Regierungsbildung vorzunehmen beschloßen habe und die Wahl des bisherigen Innenministers Bolz zum Staatspräsidenten vorschlage. Die sozialdemo­kratische Fraktion erblicke hierin eine Mißachtung des durch das Wahlergebnis zum Ausdruck gefom menen Volkswillens und schlage unter erneuter Be­tonung ihrer Bereitroilliafeit zur verantwortlichen Mitarbeit für das Amt oes Staatspräsidenten den Abg. Keil vor. In der darauf folgenden Abstim­mung wurde der frühere Innenminister Dr. Bolz (Zentr.) mit 39 Stimmen zum Staatspräsi­denten gewählt.

Der Staatspräsident Volz berief dann als Justiz- und Wirtschastsminister den bisherigen Iustizminister Dr. Veh er le, als Kultusmini­ster den bisherigen Staatspräsidenten undKultus- minister Bazille (großer Lärm links) und alS Fi- nanxminiftet den bisherigen Ftnanzminister Dr. Dehlinger.

Vach halbstündiger Pause wurde ein svzial- demokratischer MißtrauenSantrag gegen die 'Regierung mit 40 Stimmen der Rechten, des Zentrums und deS Ehristlichen BolkSdiensteS gegen 36 Stimmen der Sozialdemokraten, Kom­munisten und Demokraten bei vier (Entfaltungen der Deutschen BolkSpartei ab gelehnt. Sin dem olra tisch-volksparteilicher MißtrauenS- antrag gegen den Kultusminister Bazille erhielt 40 Ja-Stimmen und 39 Vein-Stimmen bei einer Entfaltung des Ehristlichen BolkSdiensteS. Da diese Entscheidung als Vein zählt, war der Mißtrauensantrag abgelehnt. Der demokra­tische Abgeordnete Schees erklärte hierauf, an­gesichts dieser Abstimmung stehe fest, daß der Kultusminister tatsächlich oaS Vertrauen dieses Landtages nicht besitze.

Haltlose Beschuldigungen Vadfiiebers.

Sine SrNärnng der Airma Knapp zum Doaezprozeß.

Essen. 8. Juni. (WB.) Zu den Aussagen des Monteurs Badftieber gibt die Finna Knapp (Wanne-Eickel) eine Erklärung, in der gesagt wird, daß die Aussagen des Monteurs Badstieber der Finna Knapp völlig unver­ständlich seien Ss seien nur gute und brauchbare Maschinen zur Absendung gelangt. Eidesstattliche Erklärungen hierüber seien von

Der Hessische Landtag siimmt der Auseinandersetzung mit dem Großherzog zu Eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen für die Regierungsvorlage.

Darmstadt, 8. Juni. Der Hessische Landtag ist in die Ferien gegangen, nachdem die zahl­reichen wichtigen Arbeiten, die ihm vorlagen, erledigt sind. Er hat den Skat, das Sewerbe- teuergesetz, das SteuervorauSzahlungsgesetz, das Polizeibeamtengesetz, die Defvldungsordnung und zahlreiche kleinere Gesetze und Vorlagen verab- chiedet. Der letzte Tag brachte zum Schluß bei­nahe noch eine Aeberraschung. Die zweite Lesung der Vorlage über die vermögensrechtliche Aus­einandersetzung mit dem ehemaligen Grvßherzog ist nur mit einer Mehrheit von zwei Stimmen bei elf Entfaltungen angenommen worden. Daraus geht hervvr, wie nahe die Vorlage vor dem Scheitern stand. Wären die beiden Mitglieder der Sozialdemokratischen Par­tei, Minister Leuschner und Abg. Voß anwesend gewesen und der Haltung ihrer Partei gefolgt, 0 wäre die Vorlage mit Stimmengleichheit gr­aften, selbst wenn auch dann Staatspräsident Adelung mit 3a stimmte. 3n der Haltung der Parteien hatte sich gegenüber der ersten Ab­stimmung nichts geändert, so daß von ihrer Seite neue Gesichtspunkte in der Debatte nicht hervor - traten. Lediglich die Kommunisten griffen die Sozialdemokraten wegen ihrer ^Abkommandie­rungen" in schärfster Weise an, so daß es wieder zu lebhaften Auseinandersetzungen kam, in denen Präsident Delp seine Fraktionstollegen wieder- >olt zur Ordnung rufen mußte. Mit den Stim­men der Koalitionsparteien wurde dann auch das allgemeine Vertrauensvotum Kaul ange­nommen. .

Ehe der Landtag auseinanderging, sprach Pra- ident Delp im Vamen der Abgeordneten dem cheidenden Vechnungsdirektor des Landtags, Köhler, für seine 28jährigen treuen Dienste herzlichen Dank und Anerkennung aus, dem sich die Abgeordneten ebenso herzlich anschlossen. Mit dem Wunsch aus rechte Erholung in den Som­merferien schloß Präsident Delp gegen xi5- älhr die 3unitagung des hessischen Parlaments.

Sitzungsbericht.

Das Haus ist auf den Tribünen überfüllt, der Saal selbst gut besetzt, als Präsident Delp gegen 10.15 Uhr die Sitzung eröffnet. Die Regierungsvor­lage über die Gewährung von Darlehen an Beamte zur Anschaffung von Kraftfahrzeugen zum Dienstgebrauch wird einstimmig genehmigt, ebenso die Vorlage über die Umschuldungshilfe für die Landwirtschaft. Die Regierungsvorlage über den Ausbau der Wölfersheimer Betriebe wird gegen zwei Stimmen angenommen. Abg. Dr. Wer­ner (Dn.) bittet nochmals, auch der Opposition im Aufsichtsrat einen Posten zur Berfügung zu stellen. Die Einrichtung des neuen Betriebspunktes Mel­bach wird gegen die Deutschnationalen gebilligt, die 6000 Mark zur Vornahme von Vorarbeiten des Straßenbrückenumbaues Mainz werden einstimmig bewilligt. Auch der Staatsanteil für die Herstellung der Ortsdurchfahrt in Bad Salz- hausen wird genehmigt. Die für die Schutzpolizei angeforderten zwei Lastkraftwagen an Stelle der zehn bewilligten Anhängewagen werden bewilligt.

Es folgt die zweite Lesung der Fürstenabsindunas- Vorlage. Abg. Reiber (Dem.) verliest eine Er­klärung, in der es u. a. heißt, unbeschadet ihrer grundsätzlichen Stellung au der Frage hätten die Mitglieder der demokratischen Fraktion in der ersten Lesung vor allem auch deshalb für die Annahme der Vorlage gestimmt, weil sie sich als Ange- hörigeeinerKoalitionsparteizurZu. ftimmung verpflichtet fühlten. Die eigen­tümlichen Vorgänge bei der Abstimmung erster Le­sung hätten die demokratische Fraktion veranlaßt, zu prüfen, ob sie in der Schlußabstimmung nicht eine andere Haltung als in der ersten Lesung «innehmen müßte. Rach ernsthafter Ueberlegung hätte die Fraktion beschlossen, dem Gesetzentwurf auch in der zweiten Lesung zu zu st im men. Sie sei nach An- hörung unparteiischer Sachverständiger der lieber- zcugung, daß das hessische Volk bei einem Austrag der Angelegenheit durch einen Prozeß größere

Lasten, als sie der Vergleich Vorsicht, zu tragen haben würde.

Abg. Dr. Werner (Dntl.) erklärt für seine Freunde, daß sie. wie die Sozialdemokraten tm Reichstag, setzt der stärksten Regierungspartei auch hier die' Verantwortung nicht abnehmen wollten. Der Redner kritisiert die Haltung der Sozialdemo- fraten von 1919 und heute. Das kommunistische Mißtrauensvotum lehnt der Redner ab, über das deutschnationale Vertrauensvotum müsse zunächst ab­gestimmt werden.

Abg. H a m m a n n (Som.) rechnet in seiner Weise mit den Sozialdemokraten ab, deren Anhänger bei der entscheidenden Abstimmung doch nicht voll z ä b l i g fein würden.

Abg. Kaul (Soz.) wendet sich gegen den Vor­wurf der politischen Charakterlosigkeit der So­zialdemokraten. Er stellt fest, daß seine Partei an dem Vergleich von 1919 festfalte. Seine Partei lehne die Vorlage ab. 3m demokratischen Staate sei keine Partei die Gefangene ihres Ministers.

Abg. Scholz (D.V.) begrüßt es. daß die demokratische Fraktion die fachlichen Grundsätze über die praktischen Erwägungen stellt. Die Deutsche Dolkspartei werde aus Vechtsgefühl und sachlichen Erwägungen für die Vorlage stimmen.

Abg. Best (Volksrechtpart«) falt an der Erklärung fest, daß seine Freunde aus rechtlichen Gründen für die Vorlage stimmen.

Abg. Galm (Komm.) polemisiert nochmals in heftiger Weise gegen die Sozialdemokratie. Es kommt zu lebhaften Austritten. alS der Red­ner von sozialdemokratischen .Abkomman- d i e r u n g c n spricht. Es kommt zu Zwischen­rufen, wie .Lügner", .LauSbub" ufto. Verschie­dene Abgeordnete der Sozialdemokraten werden zur Ordnung gerufen.

Llbg Dr. Leu chtgenS (Dauernbund) er­klärt nochmals Stimmenthaltung für seine Partei.

Die Abstimmung über die Regierungsvorlage zur Fürstenabfindung ergibt 29 gegen 27 Stimmen für die Vorlage bei Stimmenthaltung von Bauernbund und Deutschnationalen.

Der lommunistische Wißtrauensantrag wird bei Stimmenthaltung des Landbundes, der Vvlksrechtpariei unb der Deutschen Volkspar­tei a b g e l e h n t.

Das Vertrauensvotum Kaul wird mit den Stimmen der Koalitionsparteien ange­nommen.

Der deutschnationale Vertrauensantrag wird a b - gelehnt.

Der Antrag, die vor Eintritt des neuen ®c- meindewahlgesehes gewählten Landbürger­meister ebenfalls auf die Dauer von neun Jahren für gewählt zu erklären, wird gegen Zentrum und Kommumsten in erster und zwei­ter Lesung angenommen.

Der kommunistische Antrag bezüglich des Ur­laubs der hessischen Staatsbeamten wird ab­gelehnt. Abg. Velber (Dem.) stellt fest, daß dieDeamtenvertreter" im Ausschuß die Regierung ersucht haben, eine Neuregelung des Urlaub« der hessischen Beamten vor­zunehmen.

Abg. A r t (VRP.) begründet feine Anfrage wegen der Notlage der Kleinrentner. Die vom Reich aufgestellten Grundlinien für die Rentnerfür­sorge würden von den Iürsorgestellen nicht im Sinne der Rentner ausgelegt, wie es diese Vorschriften wollten. Der Redner bringt dann einzelne Fälle zur Sprache, in denen besondere Härten vorliegen.

Dberregierungsrat Linkenheld verweist auf seine Ausführungen zu diesem Punkt bei der Etats- beratung und gibt dem Vorredner Auskunft auf ein­zelne Anfragen. Aus feinen Ausführungen ergibt sich, daß die von dem Abg. Axt vorgebrachten Einzel- fälle vollkommen anders liegen, und von Harten keine Rede fein könne. Daß die Rcaierung sehr viel Herz für die Rentner habe, sei auch von dem Abg. Axt anerkannt worden.

den in Frage kommenden Beamten der Firma abgegeben worden. Weitere eidesstattliche Er­klärungen des Direktors Coester sowie des Bergingenieurs Seebold feien zur Verfügung gestellt worden dergestalt, daß keinerlei De- stechungs-, Schmier- oder Schweige­gelder gezahlt worden sind. Beide Herren seien bereit, bicfe Aussagen far den deutschen Gerichten oder eventl. selbst in Moskau unter Eid zu wiederholen. 3m übrigen ist die Firma Knapp der Ansicht, daß der wirkliche Sachver­halt sich im Laufe des Prozesses klar ergeben wird.

Die oberschlesischen Minderheitsbeschwerden vor dem Völterbundsrat.

Genf, 8. Juni. (WD.) Der Völkerbundsrat hat heute vormittag die Berichte über drei der vorliegenden acht oberschlesischen Min­derheitsbeschwerden genehmigt. In be­zug auf die Schuldeschwerden des Deutschen Volksbundes über die Vichterrichtung bzw. Schlie­ßung der deutschen Minderheitenschule in Br»e- sinska sieht der Vat in der Verlegung der Min­derheitenschule nach einem abgelegenen Vachbar­ort eine unbillige Härte gegenüber den sechs- biS zehnjährigen schulpflichtigen Kindern. Ferner nafat der Vat Kenntnis von den gericht­lichen Maßnahmen, die deutscherseits gegen 25 Personen getroffen worden sind, die am 25. März in Beuthen-Voßberg in die Störung eine- Vor­tragsabends des polnisch-katholischen Schulver- eins verwickelt sind. Die dritte Minderheitsde- schwerde betrifft die Zwischenfälle anläßlich der Einschreibung der Kinder für die deutsche Min­derheitenschule In Godulla, wo u. a. bei neun Erziehungsberechtigten die Fenster einge­worfen worden waren. Der VölkerbundSrat nahm von den Erklärungen der polnischen Re­gierung Kenntnis und gab der Hoffnung Aus­druck, daß geeignete Strafmaßnahmen gegenüber den verantwortlichen Perfoncn er­griffen werden Ein vierter Punkt der Tages­ordnung. der die Sicherheitsverhältnisse in Pol­nisch-Oberschlesien betrifft und 75 Terroriälle auS den letzten (Jahren aufzählt, wurde wegen verspäteter Zustellung an die polnische Regie­rung bis zur nächsten Tagung verschoben.

öer ungarisch-rumänische Opiantenstreii.

In der Nachmittaassitzung hat der Rat angesichts der Ablehnung seiner Märzbeschlüsse zum u n g a - risch-r umä Nischen Optantenkonflikt eine von Chamberlain eingebrachte Entschließung angenommen, in der der Rat sein tiefes Bedauern darüber ausspricht, daß die streitenden Parteien bis heute noch zu keiner Berftänbigung auf der Grund­lage der vorn Rat ergangenen Empfehlungen gelangt ist. Der Rat hält seine Entschließungen vom 9. Sep­tember 1927 und vom 9. März 1928 ausdrücklich aufrecht und fordert beide Regierungen noch ein­mal eindringlich auf, den langjährigen Streit durch gegenfeitige Zugeständnisse zu beenden. 11 tu­te f c u stimmte diesem Entschließungsantrag zu, während Graf Apponyi ankündigte, daß er sich der Stimme enthaften werde. Rach der Annahme dieser Entschließung, mit der, wie der Ratspräsident unter dem Widerspruch des Grafen Apponyi er­klärte, der Streitfall für den Rat abgeschlossen ist, verlas Titulescu einen bereits genau formulier­ten neuen Vorschlag zur Behandlung der Streitfrage. Er schlägt im wesentlichen vor, daß ein mit dem yaU besonders vertrautes Mitglieddes Rates von diesem damit betraut wird, auf der Grundlage der (Empfehlungen des Rates zu unter­suchen, ob im Rahmen Der rumänischen Agrarreform Enteignungen oorgenommen wurden, die der Ver­trag von Trianon verbietet und gegebenenfalls eine Entschädigungssumme feftzusetzen. Dieser Unparteiische soll sich nach eigenem Ermessen zwei Beisitzer wählen. Beide streitenden Parteien verpflichten sich im voraus zur loyalen Vollstreckung der getroffenen Entscheidung, die als endgültig zu gelten hat. Etwaige Entschädigungssummen sollen von der ungarischen Regierung an die Optanten be­zahlt und auf die von Ungarn an Rumänien zu leistenden Reparationen verrechnet werden.

Graf Apponyi erklärte sich außerstande, von sich aus zu dem Vorschlag Stellung au neh­men, sagte aber eine wohlwollende Prüfung durch die ungarische Regierung au. Für den Fall des Scheiterns deS rumänischen Vorschlags, gegen den Graf Appont.! große Bedenken vorAu- bringen hatte, kündigte er an, daß Ungarn sich mit seiner alten Forderung auf Ernennung des rumänischen Schiedsrichters von neuem an den Vat wanden werde, und regte die Einholung eines Gutachtens deS Stän­

digen ^Internationalen Gerichtshofes im Haag an. Er betonte noch einmal, daß Ungarns For­derungen und der von ihm eingenommene recht­lich« Standpunkt bis auf weiteres unverän­dert fortbestehen. Die Rede des Grafen erreichte ihren Höhepunkt, als er den Rat vor die Derantwvriung stellte, ohne älmschwrife eine klare Entscheidung darüber zu treffen, ob er die ihm durch den Trianon-Vertrag übertragene Verpflichtung zur Ernennung eine- neuen rumänischen Schieosrichters ausführen wolle oder nicht. Heine Weigerung, so fagte Apponyi, würde einen der Grundpfeiler des Völker­bundes. die internationale Schiedsgerichtsbarkeit, erschüttern. 3m Falle der Weigerung würde Ungarn sich an die Völkcrbundsver- fammlung wenden, damit dieses Problem vor der Weltöffentlichkeit drsiutiert würde. Weiter erklärte Graf Apponyi, daß nach den Verfand- lungen der letzten anderthalb Jahre, wie cs ihm scheine, alle Dergleichsmöglichkeiten erschöpft seien, und daß daher nur noch der Trian 0 n - Vertrag maßgebend sein könne Ungarn müsse den moralisch und materiell drückenden Vertrag von Trianon erfüllen und müsse daher auch seinerseits auf der SriHllung des Trianon-Dertrages bestehen.

Zialien und die Kleine Entente

Gegen die Revision deS Triauonvertragh.

Bukarest, 7. 3uni. (XU.) Die Vede Musso­linis hat in rumänischen Vegierungskreilen be­greiflicherweise größtes Aufsehen erregt. ES wird u. a. daraus hingewiesen. daß. obgleich Italien Freundschastsverträge mit Rumä­nien und Jugoslawien habe, Mussolini die Revision deS VertrageSvon Tria­non verlange. Demgegenüber stellt der .Ade- verul" fest, daß vor einigen Tagen der rumä­nische Gesandte in Rom zu Mussolini gerufen worden fei. der ihm erklärt habe, daß er eine Revision des Trianon-VertrageS nicht anstrebe. An einer anderen Stelle weist der .Abeverul" daraus hin, daß man nach den Erklärungen WustoliniS nunmehr feststellen könne, daß Ita­lien die Waffen von Szent Gotthard geliefert habe. Deswegen habe die Kleine Entente die Pflicht, sich mit allen diesen Fragen zu beschäftigen und klipp und klar zum Ausdruck zu bringen, daß sie niemals in eine Revision des Trianonvertrages eintvlftiqen würde. Die Lupta" schreibt, daß die ÄIctne Entente fest zusammenhalte, trotzdem die drei Staaten der Kleinen Entente nicht immer ein gemeinsames Interesse hätten. Mussolini gefährde aber durch seinen Opportunismus den Frieden, und sowohl die großen wie auch die Heinen Staaten hätten die Pflicht, zu beweisen, daß sie dies nie und nimmer dulden würden.

Oie südslawische Krisis.

Erneute Larmszencn in der Velqrader Skupschtina.

Belgrad, 9. Juni. (TU.) Die Skupschtina nahm gestern unter unerhörten Lärms»enen sei­tens der Opposition einen Antrag oeS Vor­sitzenden an, wonach acht Abgeordnete we­gen ilnrufaftiftung in der letzten Sitzung für drei Tage aus dem Parlament auSzuscklie- ßen feien. Die ausgeschlossenen Abgeordneten erhoben heftigsten Widerspruch Sin vppsitio- neller Abgeordneter erklärte sich mit den Kundgebungen der UniversitätS- fugend solidarisch und rief den Ministern zu:3br Mörder der Jugend!' 'Alle ausgeschlos­senen Abgeordneten erklärten, da» Parlament solange nicht zu verlassen, bis die gleiche Po­lizei, die in das Volk hineingeschossen habe, sie aus dem Sitzungssaal entfernen werde. Die Verhandlungen mußten schließlich wegen des ungeheuren LärmS unterbrochen wer­den. 3n politischen Kreisen wird behauptet, daß die Regierung die schärfsten Maßnah­men gegen die Unruhestifter ergreifen wolle. So werde sie am SamStag die Ausschließung deS Oppositionsführers Pribitschewitsch Vorschlägen. Die Opposition will m diesem Fall daS Parla­ment verlassen.

Mussolini und die Verträge.

Ein Kommentar zur LenatSrede deS Duce.

Rom. 8. Juni. (WTB.) DieAgenzia di Roma" bemerkt, besondere Bedeutung würde in den Pressebesprechungen der Rede des Minister- präsidenlea im Senat den Srllärungen Musso­linis bezüglich einer eventuellen Revision der Friedensverträge beigemessen. Sie würden in Europa eine neue Scheidung der Gei­ster herbeisühren. da die besiegten Staaten sich auf Mussolinis Seite stellen werden. GS handele sich aber, wie Mussolini ausdrücklich erklärt habe, nicht darum, daß eine diplomatische 2ftti' diesem Sinne unternommen würde, sondern allein um ein allgemeines Prinzip, das Mussolini im europäischen Interesse aufgestellt habe, damit die öffentliche Meinung der ver­schiedenen Länder es ruhig überdenken und bi** fütteren könne.

Oer Landauer Ftaggenzwischenfall.

Skandalöse Behandlung der verhafteten.

Landau (Pfalz), 8. Iuni. (TU.) Im Lan­dauer Militärgefängnis sitzen immer noch der Autogaragenbesitzer Eugen Franck und die ledige Anna Ramberger auS Zweibrücken in Untersuchungshaft wegen des Flaggenzwi'chen- salloS in Zweibrücken. bei dem in der Rächt zum 1. Mai die Trikolore am OssizierSkasino der Garnison heruntergeholt und zerrissen am Bis- marckdenkmal niedergelegt wurde. Bekanntlich ge­lang es nicht, die Täter dieser unüberlegten Tat sest;unehmcn. Dasür ergriff die DesatzungS- behörde den genannten Franck, der in Ausübung seines Berufes mehrere junge Leute über den Rhein fuhr und die Kornberger, die die Automobilfahrt mitgemacht hatte und bann wieder nach Zweibrücken zurückgekehrt war. Beide Verhafteten sitzen in Landau in Einzelhaft und sind biS heute nicht vernommen worden.

Erst in dieser Woche dürften sie den Besuch von Verwandten und ihres VechtSbeistandes empfangen. Die Ausrüstung ihrer Zellen be­stand bisher nur aus einer Pritfche Erst vor einigen Tagen tarnen noch Tisch und Stuhl dazu Vur eine halbe Stunde täglich dürfen sich die Beiden im Freien bewegen. 3m gesamten übrigen Teil des Tages müssen sie in ihrer Zelle ohne Beschäftigung ober geistige