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Nr. 185 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Mittwoch, 8. August 1928

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnrf wwö Dtrlag: Brühl'sche Ustiversilülr Buch- und Stehiönidertl K lange tu Stegen. Schulleitung und Seschäftrftelle: §ch>Istratze 7

Erich«:»« täglich, au tz« Sowxiege »nt Swrtag*.

.1»«ah>« r»n Injeiqe« für lir logttnnmmrr bis jun Nachmittag vorher.

l'tfis lir 1 mm Höhe fflr Anzeigen von 27 mm Brei«, onlich 8, aesmärt« 10 Rerchspsennig- für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platz Vorschrift 20, mehr.

Chefredakteur

Dr Fnedr 13ilb Longe. BeroMwoNlich für Politik Dr. Fr Wilh Lang» für Feuilleton Dr H Ihyriot, für den übrigen Teil Ernst Blumschein: für den An- -eigenteil Aurt tzillmann, sämtlich In Biehen

VeUo-en:

Stehen«» Familiendlätta Heimat -m Bild DI» Scholle.

«MU-BtjBßsprtU:

2 Reichs «orti und 20 Netchspfenntg für Träger» ohn, auch bei Richter- scheinen dtyelner^lumm<ni nfolge häherer ®tn>alL Fernfprechanf chltzffe: 61, M unb 112.

Anschrift für Drahtnochr richten. Anzeigeritfctw. voßschecktonlo:

Srenfterl an Main 116M

ZlMnn imtl-Sool umgetommen DieVesayung des italienischen N-Vootd F14 als Leichen geborgen

Po la. 7. Mufl. (Ägenjla Strfanl.) (Einem Ma­rineponton ift es Henle abend um 6.30 Uhr gelun­gen, das vor 34 Standen gesunkene Unterseeboot F 14 an die Oberfläche des Was- leis zu bringen. Leider Ist das Reflungsroerf ver­geblich geroefen, denn öle gesamte B e - satzung von 31 Mann Ist Infolge der Entwick­lung von Ehlorivasierskoff im Inneren des Unter seebdotes um» Leben gekommen.

Das Unterseeboot befand stch etwa 24 Mellen süd­westlich von St. Glooanna in einer liefe von 27 Bieter. Die Bettungsarbeiten wurden mit Hilfe eines großen Brückenschlffes von 240 Tonnen, zwei kleinen Brückenschifsen von je 15 Tonnen und drei großen Schleppschiffen durchgeführt. 3m Laufe des Dlenstoj gelang es den Tauchern, eine Stahl- röhre in das Unterseeboot zu leiten, mit dessen Hilfe man Lust in das U-Boot pumpte. Die rauhe See gestaltete die hebungsarbeilen außerordentlich schwierig.

Probeflug eines deutschen Ozeanflugboots.

Tas Nohrbach-btrotzflugzcug fHoinar in rravemünde

Travemünde, 7. Aua. (TU.) Am DienS- tagmorgen ist in aller Frühe der erste Aufstieg des deutschen Ozeanflugbootes Rohr­bach-Aomar erfolgt. Auf dem Flugplatz hatten sich etwa 30 Säfte und mehrere Presse­vertreter eingefunden. Man sah auch viele Film- operatcure und Photograpben, öle 6le ersten Aufnahmen vvii dem Riesenflugboot machten. 3m Flugzeug, das auf der Pötenitzer Dlek lag. waren bereit- die Führer, der "Rostrbachpilot Stein darf und der frühere türftsche Haupt­mann Ssaumi anwesend. Um d Uhr war da- Flugboot, da- mit drei DVID. 6-?Rotoreir von zusammen 2400 P. S. ausgerüstet ist und Platz sür zwölf Fahrgäste, zwei Führer und einen Bordmonteur bietet, start­bereit. Hfl erhob 'ich leicht und schnell vom Master und gebrauchie insgesamt 15 Sekunden, um sich in die Luft zu erheben. Eine Viertelstunbe lang blieb die .Avmar' In der Lust und landete dann wieder glatt und sicher auf der Pötenitzer Dies. Der erste Aufstieg deS Niesen lugbvotes ist damit vollauf geglückt. Die Flug'.eugfachleule unter denen man den Äonftcuftcur deS Bootes, Dr.-Zng. Adolf Rohrbach, bemerkte, waren über den Probeslug sehr befriedigt.

3u einem zweiten erfolgreichen Probeflug stieg das neue Großflug,eug beute nachmit'ag wieder unter Führung deS ShefpAoten Ctcmborf auf. an dem Dr.-Ing. A. Rohrbach mit dem Stabe feiltet Mitarbeiter sowie Direktor Merkel von der Deut'chen Lufthansa tciinaßmcn. Der zweite Ausstieg erfolgte mit einem FluggewichI von etwa 1 4500 Kilogramm und einer Startzeit von nur 30 Sekunden. Der Flug führte über die Lübecker Ducht und endete nach ein« stündiger Dauer wieder auf der Pötenitzer Miet, infolge der guten Srgebnr.se dieser ersten Flüge wird bereite morgen mit der Vervoll- ftäTa'igunfl der Ausrüstung begonnen. Aach end- gülftger Ausrüstung der Maschine werden in etwa 14 Tagen die Leistung-- und Abnahme- flöge durchgeführt.

Die kroatische Krisis.

Ter Kampf gegen die Hegemonie Belgrads

2 g r a m. 7. Aug. (XU.) 3m Zusammenhang mit de n b k rgniserregend'n Zustand Aaditfchs äußerlc Ich ein hervorragend.r der Radilfch- Partei iiL>t angeberenber kroatischer Poli­tiker gegenüber dem Dertreter der Xele- araphenUnion folgendermaßen: Was im Falle bes möglichen Verlustes AaditschS ge­schehen wird, kann niemand Überehen. Sicher ist nur das eine, daß durch dielen Verlust die Lage eine Verschlimmerung erfahren würde. Kroatien besitzt keinen zweiten Politiker von dem Format Aaditlch. Seine Anhänger teilen zwar seine politischen Auffassungen im allgemeinen, aber niemand unter ihnen hat wie er das Gefühl für den jugoslawi­schen Gedanken, den Aaditlch neben seiner kroatischen Einstellung hochgehalten hat Dabr- scheinlich würde übrigens nicht d:r 1. Vize­präsident der Partei. Dr. Macek. die Vach- folaerschaft Aadit'chs ernteten, sondern der ehe-

Außenminister Dr. X r u m b i t f <f> .

(rin Abgeordneter und ehemaliger Minister, dem anscheinend auch in der nächsten Zukunft eine wickt.ge Volle beschieden sein dürfte, sagte r^ o: Die letzten Ereignisse zeigen die un­logische und gefährliche 5 n I to t d lung, bie das jugoslawi'che Slaaiswefen bis- det genommen hat. Zehn Jahre nach der natio- nalen Gimgung sind wir glücklich so weit, daß

, Vtüdervölket iyre politischen Strei- tlaketten so austraacn. wie es sonst nur in jiiasebenten geschieht. A e.nand kann lagen, wohin dkcter Kampf führen wird. 5» ist eine atlac'e. Daß m Kroatien auch die. die keine " nrcr Aidttschö lind, vor allem bie g e -

Wie Frankreich im Rheinland spioniert.

Oie Tätigkeit her französischen Sicherheitspolizei

Mannheim. 7. Bug. (Einer umfangreichen Spaßerei ist man in der französischen Zone des be­fehlen Gebieter neuerdings wieder auf die Spur gekommen. Die Tätigkeit erstreckt sich diesmal neben der stusfpöhnng der Reichswehr und ihrer tinrld)hingen sowie der verschiedenen politi­schen Organisationen vor allem daraus, wertvollste technische und wisfenschask- liche Geheimnisse der Industrie zu be­schaffen und die gestohlenen Geheimnisse dem Aus­land zu übermitteln. Durch einen raschen Zugriff in der letzten Zeit gelang es gerade noch, unüber­sehbaren Schaden zu verhüten und mehrere Ver­räter zu fassen. Einwandfrei steht fest, daß d i c Auftraggeber der deutschen Agenten der französischen Besatzung angehören. Ls sind Beamte der französischen S ü r e I 4. Sie haben durch briefliches Lrfuchen sich an Arbeiter und Angestellte von Jndustriewerken herangemachl und sie für ihre Zwecke gewonnen oder zu ge­winnen oerfucht. Auch an den Eingängen der Werte, auf der Straße und In Kneipen haben sie ihre Helfershelfer angeworben. Zunächst traten sie als Vertreter von Wettbewerbsfirmen aus, um später ungescheut den Deckmantel abzuwersen und sich als Beamte der französischen Sicher­heitspolizei vorzustellen und auszoweisen. Obwohl sich die Arbeiter und Angestellten der Ge­meinheit und Strafbarkeit ihrer Handlungsweise be­wußt waren, ließen sie sich durch Drohungen, Ein­schüchterungen und Versprechungen weitertreiben und zur Werkfpäherei mißbrauchen. Ihre Bezahlung durch die Auftraggeber war kaum nennenswert. Die Späherei richtete sich auf Ge­helmakten und Geheimbesehle, neueste Kanonen und Maschinengewehre, Geheimübungen und alles mög­liche und unmögliche Geheime. Man sucht daneben auch die Geheimbefehle des Roten Frontkämpfer­bundes und des Stahlhelms, die Satzungen des

Reichsbanners und feinegeheimen militärischen Hebungen" zu erfahren. Man schickt Vertrauens­männer in die katholischen und protestantischen Wanderklubs, unter die Dugenb der .Jlatutfreunöe" und der Wandervögel, um fest zustellen, ob die Buben und Mädel nicht etwageheime militärische Hebungen abhalten. Kriegervereine und Feuerwehr, alles steht unter geheimer Heber- wachung, auch die Jndustrlewerke, alles unter dem Vorwandder Sicherheit der Besatzungs- armee". Für die Industrie- und Handelsspäherei besteht in Mainz, der Zentrale des französischen Spionagedienstes, in den Bureaus der Süreti (Ge- richlsstraße 6) eine besondere Abteilung, der die Süretebeamlen der einzelnen Sektionen, in die das besetzte und unbesetzte Deutschland für die Späherei eingeteilt Ist, ihre Berichte zugehen lassen. Mit besonderer Vorliebe machen sich diese franzö­sischen Beamten, die Angehörige der Besahungs- armee sind, und deshalb der deutschen Justiz nicht unterliegen, an beurlaubte und entlas­sene Reichswehrfoldaten heran, au» denen sie durch großzügige Versprechungen Geheimnisse über die Reichswehr herauszupressen glauben. So­weit aber die zuständigen Stellen unterrichtet sind, ist bis jetzt wohl kein befolg dieser Militärspio- nage zu verzeichnen, was wohl auch außerordentlich schwer fallen dürste, da es in Deutschland ja keinerlei Miiitärgeheimnifse gibt. Na­türlich können diese Spione nicht festgenommen werden, da sie es vermelden, irgendwie deutsches Gebiet zu betreten. Uebrigen» bedienen sie sich zu ihrem Verfahren meisten» auch dunkler Existenzen, die schon dadurch, daß sie Geldgaben von den Fran­zosen angenommen haben, ganz in den Händen der­selben sind, die sie, wenn sie nicht irgendwie ihren Wünschen nachkommen, dann einfach mit der Aus­lieferung an bie deutschen Behörden bedrohen.

3m Kampf mit den Rebeln des Polarmeers.

Oer russische Flieger Babuschkin berichtet. Keine Hoffnung auf eine Rettung Amundsenö.

(Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin. S. Aug. Der in Moskau eingetrof- fene Flieger Babuschkin, der sich an Bord des EiSbrecherS .Malygin" befand, teilte dem Vertreter der TASS folgende Einzelheiten über (eine Flüge mit: .Als der .Malygin" in un­durchdringliches Eis geraten war und sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen konnte, be­schloß ich. auSzusliegen. Bis zum vermutlichen Aufenthaltsort der Vobilegruppe blieben noch 225 bis 230 Meilen. Diese Strecke ohne Landung zurückzulegen, war für mich beschwerlich. 2ch beschloß deswegen eine Zwischen st ation auf dem Küsteneise der Karlsinfel einzurichten. Nach­dem wir an der Karlsinfel gelandet waren, ließen wir 100 Liter Benzin in fünf Behältern zurück Kaum waren wir gestartet, um zum .Malygin" zurückzusl egen, schlug das Wet­ter um. Der .Malygin" und die Hoffnungs­insel waren vollständig in Vebel gehüllt. Dir ließen uns auf eine kleine Eisscholle nieder und verbrachten hier die Vacht. etwa 40 Kilo­meter vom Eisbrecher. 3d), der Bordmechaniker Groschen und der Kinooperateur Dalentei faßen in der Kabine und schlummerten der Reihe nach. Es war notwendig, zu wachen, infolge der außer- ordentlichen Veugier der Eisbären, die sich dem Flugzeug, ja her Kabine selbst näherten und |ic beschnupperten. Abwechselnd Dache hal­tend. fcheuchten wir die Bären mit Leucht­raketen weg.

Der Rebel dauerte 28 Stunden, die Funkoer- binbung versagte, unb wir bc'annen ernst­lich um unser Schicksal besorgt zu fein.

Der Äinooperatcur Dalentei hatte inzwischen die Landung an der Karlsinfel gefilmt End­lich hat sich der Diebel gelichtet und wir be­stimmten unseren Standort, stiegen nach dem un­erquicklichen Aufenthalt auf der Eisscholle in die Luft und flogen zum .Malygin" zurück. Nachdem der Motor an Bord des .Malygin" auSgewechfelt und geprüft worden war, beschloß ich. direkt auf die Suche nach der Intel Fvyn zu fliegen, aber da begannen die weißen Vebel sich von neuem zu verdichten. Ich wartete das Ende der Vebel nicht mehr ab und beschloß, am 29. Juni auszufliegen. Degen dem Vebel flog

ich hart über der Erde. Zur Sicherung der Funkverbindung hatte ich den erfahrenen Funker Fominych mitgenommen. Leider ver­sagte der Funlapparat bereits nach 40 Minuten wieder Ohne jegliche Verbindung mit unserem Eisbrecher flog ich dicht am Eise und dachte nur daran, daß Diese mir versprochen hatte, sich mit dem .Malygin" zur Karlsinfel durchzuschlagen. Ein starker Vebel zwang mich, aus eine Eisscholle niederzugehen. wo wir unS Dom 29. Juni bis 1. Juli aushiel­ten. Vach meinen annähernden Berechnungen befand sich diese Eisscholle etwa 120 Kilometer nördlich vom .Malygin".

Rach zweimal 24 Stunben traf eine Ver­schlimmerung be» Weller» ein, cs ruckle Sturm heran. Ich mußte, ungeachtet bet voll­ständigen Hnmöglichkell, einen Flugversuch unternehmen, um oorwärtszukommen, um nicht auf ber Eisscholle umzukommen Radjbcm wir eine Stunde geflogen waren, verlor ich die Richtung und beschloß, auf bie erste beste Eisscholle niederzugehen. Es erwies (ich, baß i ch sehr günstig gelandet war etwa 25 bi» 30 Kilometer von der fjoffnung»- insef.

Der Sturm wurde um diese Zeit immer heftiger, die Lebensrnittel waren bereits zur Neige gegangen, aber wir hatten Glück: bald näherte sich dem Flug­zeug ein riesiger Bär, den ich herannahcn ließ und bann niedcrschoß. Wir schnitten ihm die Hin­teren Schinken ab und warfen das Fell und das übrige Fleisch in eine Eisspalte, um nicht durch Blutgeruch weitere Eisbären in unsere Nähe zu locken, üm vierten Tage begann der Sturm sich zu legeiC Mit großen Anstrengungen gelang es uns dann wieder in die Lust zu steigen: bald waren wir auch an Bord desM aIygin ' und unser Mißgeschick hatte ein Ende " Zum Schluß sprach Babuschkin seine Vermutungen über das Schick- f a l Amundsens aus. ,,3d) nehme an, sagte er, daß Amundsen mahl mehr kaum am Leben ist- 3d) bezweifle, daß er aufs Cis niedergegangen ist, und vermute, daß sein Motor über offenem Wasser ins Stocken kam ,Latham' ift meiner Ansicht nach ins Wasser gefallen und infolge des Sturmes umgekommen "

f am te kroatische Intelligenz, mit ihm lympathi irrt unb an bem Kampf gegen die Votmachtvolitik Befgrabs teilnimmt.

Hierher gehören auch Aeußerungen. die der Führer der unabhäng.gen Demokraten. Pri- bltschewitfch. Prelfevertretern gegenüber ge­tan hat. Pribitschewitsch tagte: Die Ratifi­zierung der Vettuno-Derträge durch dieEkuvfchlina in Abwefenheit der Kro­aten fei eine Tat. die man trotz aller bisherigem Erfahrungen Belgrad nicht zMrauen konnte. D'.e Vettunoverträg« berührten in erster Linie d i e

Interessen Kroatiens und Dalma­tiens. Ihre Ratifizierung durch das Rumpf­parlament fei nichts anderes als «ine be­wußte Herausforderung der Kroaten und ein Beweis dafür, daß Belgrad jedes Der- ständnts für die politische Wirklichkeit verloren hat. Die Kroaten werden alle Beschlüsse, die die Slupschtina in bezug auf internationale Ver­träge in Abwesenheit der kroatischen Abgeord­neten faßte als nichtig und nicht verbind­lich anfehen.

Der Reichspräsident besucht die Flotte.

Kiel, 8. August. (DTB. Funkspruch.) Reichs­präsident non Hindenburg traf heute früh gegen zwei Hhr mit dem fahrplanmäßigen D-Zug aus .Hamburg hier ein und verbrachte die Nacht In seinem Sondcrwagen auf dem Bahnhof. Um 7.45 Uhr wurde der Reichspräsident durch den Ches der Martnestatton der Ostsee, Vizeadmiral Dr. h. c. Räder und den Stadtkommandanten von Kiel, Kapitän xur See Schumacher auf dem Bahnhof begrüßt. Zu dem Empfang hatten sich ferner der feit einigen lagen hier weilende Reichswehrmini st er Dr. ® r oener und ber Chef der Marineleituna, Admiral Zenker, sowie zahlreiche hohe Offiziere der Reichemarine eingefunden. Nach der kurzen Begrüßung verließ der Reichspräsident da» Bahnhossgeböude und be­gab sich zu Fuß nach dem am Kai liegenden ixlottentenberHela". Am Bahnhof hatte eine große Menschenmenge Ausstellung genom­men, die den Reichspräsidenten mit stürmischen Hochrufen begrüßte. Pünktlich um 8 Uhr trat die ,rOela" die Fahri nach dem In der Außensörde liegenden LinienschiffS ch I e s ro I g f) o I ft e i n" an, an dessen Bord der Reichspräsident den Schieß- Übungen der Marine auf da» Fernlenkkielschiff Zähringen" beiwohnen wird. Die Belegschaften der am Hasen liegenden Werften begrüßten den Reichspräsidenten mit Hochrufen, als der Tender die Werften passierte. Die Parade wurde auf Wunsch des Reichspräsidenten allein von dem SegelschulschiffN lobe" ausgeführt. Al» der Tender in Sicht des LinienschiffesSchleswig-Lzol- skein" kam, wurde der P r ä s i d e n t e n s a 1 u t gc- feuert. Der Reichspräsident ging dann auf das Linienschiff über, das nunmehr die Flagge des Reichspräfldenten hißte und alsdann in See ging.

MnchenerKrillk an Dorpmüller.

Zum Besuch des (4enrralbireltor6 der Reichsbahn in Bayern

München, 7. August. (XU.) Zu den «ussüh- rungen des Generaldirektors Dorpmüller in Mün- chen äußern sich die Münchener Blätter nicht sehr besriedigt. DieMünch. Neuesten Nachr." sagen, die Münchener Stellen könnten aus den Aus­führungen des Generaldirektors der Reichsbahn wenig Lehren entnehmen. Die Münchener 'Presse fei darauf eingestellt gewesen, ein warmes Wort des obersten Leiter» der Bahn zu hören, welche Garantien für bie Zukunft gegeben find, um die Sicherheit der Bahnen zu er­höhen. Diese sachlichen Angaben habe Dr. Dorp­müller nicht gemacht, sondern sich in eine Bel eh- rung der Presse verloren, zu der er kein Recht be- f'ße. Seine Auffassung, daß zwischen Repa­rationslasten und Betriebssicherheit der Bahn kein Zusammenhang bestehe, werde er nicht zur Auf ssung aller Deutschen machen können. Auch derBayerische K u rier" hat etwa«' anderes von Dorpmüller erwar­tet- Die Aufklärung über die Betriebssicherheit der Reichsbahn sei er f ch u I d i a geblieben. Nach den Ausführungen des Generaldirektors wäre alles in schönster Ordnung. Nach wie vor werde man aber die Frage erheben. Wo liegen bie tieferen Ursachen biefer schrecklichen Unfälle?

Die neue

Eisenbahnbetriebsordnung.

Reue Vorschriften für die Lichcrheit der Reisenden.

Berlin, 8. Aug (Priv Tel.) Der Reichsver- kehrsniinister v. Guörard hat eine Verordnung über die Einführung einer neuen Eisenbahn bau - und Betriebsordnung erlassen Diese Verordnung tritt am 1. Oktober in Kraft Sic ent hält Bestimmungen über die Bahnanlagen, die Fahrzeuge, den Bahnbetrieb, die Bahnpolizei und schließlich Bestimmungen für das Publikum. Die Betriebsordnung gilt für alle dem allgemeinen Der- kehr dienenden Ciienbahnen Deutschlands.

Unter den Vorschriften befinden sich wichtige Be­stimmungen zur Sicherheit der Reifenden. Co wird u a. verordnet, daß die Bahn so zu unter­halten ist, baß jede Strecke ohne Gefahr mit der größten für sie zugelasseoen Ge - schwindigkeit befahren werden kann. Die Bahn muß auf den Hauptbahnen jeden Tag, auf den Nebenbahnen jeden zweiten Tag auf ihren ordnungsmäßigen Zu st and unter­sucht werden. Zur Untersuchung der Bahn dürfen grauen nicht verwendet werden. Gefahrdrohende Stellen sind wahrend der Dauer des Betriebes zu beaufsichtigen. Die Weichen, die mit den für die Fahrt gültigen Signalen nicht in Abhängigkeit sichen, oder deren Abhängigkeit vorübergehend auf- gehoben ist, müssen, trenn ein Zug sie passiert, durch Verschluß oder Bewachung gegen fremde Eingriffe gesichert werden. 3n den Zügen sind u. a. mitruführen die bei Unfällen zunächst er­forderlichen Werkzeuge, sowie die Mittel zur e r ft e n Hilfeleistung bei Verletzungen.

Weiterhin ist in der Betriebsordnung die F a h r- geschwindigkeit oorgeschrieben. Als größtzu- lässige Geschwindigkeit ist bestimmt, auf den Hauptbahnen für Personenzüge ohne durchgehende Bremsen 50 Kilometer in der Stunde, für Per­sonen ;üge mit durchgehenden Bremsen 100 Kilo­meter in der Stunde. Unter besonders gün- ftigen Verhältnissen kann die Bahnaufsichtsbehörde