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Nr. 2U Erster Blatt

178. Jahrgang

Zrettag, 7. September 1928

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frenlfart am Kain 116M.

GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

t>md wut Dtrlofl: vrAhl'sch« URwersilätr-vLch. Stdutrnderd B, Lange hi Gietzeri. Lchriftiewm- onö GeschLftrKelle: 5ch«lftraße L

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LhesredaKtenr Dr. Jnebr. DUH Lange. Berantwonlich für Tolttih Dr. Jt Wilh Lange für Feuilleton Dr tz Thynot. für den übrigen Ted Ernst Blumfchein- sir ben An­zeigenteil flurt tzillmann, sämtlich in öie^en

Die neue Mittlerrolle für Deutschland. Don Dr. Paul Kohrbach.

AI» B.Smarck vor fünfzig 3^ ^nt- tt-irrung der Än'K. bic nach dem rusttsch-turtt- scheu Äneg« zwt'chen Rußland. unb

Ocftcrre.d>-Ungarn auszubrechen drohte, ben ber­liner Ä Dr.gr cf) von 1878 berief, brauchte er dabei ben QluMrud, DeutidblanD se: bereit, -wischen den sich gegenüberstehenden Parteien den ehr- lichen Makler zu machen, Rußland hatte den jtr.eg gewonnen und den Türken einen Freden bUtiert. der auS der Hälfte der Balkan- halbin'el ein russische» Basallengebiet machte - aber se-.ne Kräfte waren erschöpft. England drohte mt: Krieg, wenn d.e rufsifchen Ansprüche nicht stark zurückgefchraubt würden. Oesterreich-Lingam erflArte sich für mitinterefficri und machte An­stalten. sich *u bewaffnen. In dieser gefähr­lichen europätschen Lage unternahm es Di»- tna rd. den Frieden zu retten, indem er sich al» Vermittler zwischen den zugespihten 3n- leresiengegensätzen anbot. ®r konnte es, ver­möge der ungeheuren politischen und persönlichen Autorität, die er besah, und e» gelang ihm auch, aus dem Kongreß einen Ausgleich zustande zu bringen. Allerdings. Rußland war nicht besrie- digt. und von der Stunde an wuchs in den maß­gebenden russischen Kreisen die Abneigung ge­gen Deutschland, mit der Begründung Deutsch­en!) hat uns verraten, Deutschland hat sich ge­weigert. un» den schuldigen Dank dafür zu be­weisen daß wir durch unsere Neutralität ihm erlaubt haben. Frankreich zu besiegen! Der Ber­liner Kongreß war die eigentliche Geburt-steile jene» panslawistischen Dogmas, daß der Weg nach Konstantinopel durch daS Brandenburger Tor in Berlin führe.

Wenn schon solche (besahreu mit der Bolle dc» eßrlichen Makler» zu einer Zeit verbunden waren, al» Deutschland aus der Höhe seine» Ansehen» stand und eine Persönlichkeit von dem Format Bi»marck» Zeine Geschäfte führte um wieviel schwerer und dornenvoller würde sich heute eine solche Aufgabe für Deutschland gestalten! lind doch Haies d.n Anschein, al» ob sie ihm zugeschanzt wer­den soll, denn nach den au» Dens kommenden Nach­richten hat Poincarö bei der Pariser Unterhaltung mit Stresemann die Anregung gegeben, Deutsch­land möge in der Frage der Kriegsschul­den den Vermittler zw ischen Frank­reich und Amerika machen.

Man dars wohl annehmen, daß die Nachricht sell'st richtig ist. Gelange eS jetzt Poincare, nach dem großen Erfolg der 6labilificrung deS Franten, fei eS auch nur bei einem Fünftel seine» allen Wert», auch noch einen durchgreifen­den Nachlaß der von Frankreich an Amerika ge­schuldeten Summen zu erreichen, so würde dieser Triimtph seine Stellung ganz unvergleichlich festigen. Deutschland wünscht die Näumung de» Rheinlandes. Gut! Dann soll Deutschland erst die Kastanien für Frankreich au» dem Feuer holen und Amerika zu einer Reduktion seiner Schuldfvlderung bewegen. Wie Deutschland da­macht, ist seine Sache. Seine Position in Washington Hal sich ja infolge der Haltung, die e» dem Kellogg-Patt gegenüber eingenommen hat. so günstig gestaltet, daß eS vielleicht wagen dars, sich an die Vermittlerrolle zu machen! Glückt sie, so ist der entscheidende Vorteil bei Frankreich Glückt sie nicht, so kann Frankreich mit aufrichtigem Bedauern" feftftdlcn, daß es ihm angesichts der Schwere und Unsicherheit seiner eigenen Verpflichtungen nicht möglich ist, das ..Pfand", das es m Gestalt des NhemlandeS für die deutschen Zahlungen bi Händen hält, preiszugeben. Außerdem isl ja bekannt, daß Snt- Scheidungen von fo großem Gewicht wie ein Schuldennachlaß an Amerika in Washington nach den dortigen Grundsätzen nicht getroffen werden, bevor die nächste Präsidentenwahl erfolgt ist. Danach kann Deutschland den ihm zugemuteten Schritt jetzt überhaupt nicht tun, und die Näu- mungähiagv vertagt sich damit automattsch auf da- nächste Jahr!

Wir würden e» für einen Fehler halten, wenn die deutsche Politik auch nur grund­sätzlich aus diese Maklerrolle einginge. Welchen Grund sollten die Amerikaner haben. Frankreich durch deutsche Vermittlung etwa- au- zugesteben. waS sie ihm direkt nicht zugcstehen wollen? Irgendwelche Gegenleistungen kann Deutschland Ameriia nicht anbieten, und Freund- schaftsgeschenke. zumal von solchem Umfange, wer­den in der Politik nicht gemacht. Davon abge­sehen. hat Deutschland aber ein Necht auf Näumung. denn es bat feine Verpflich­tungen aus dem F r ieden - v e r tr a g e erfüllt Nur eine ganz unsinnige, gewaltsam herbcigezogene Auslegung kann behaupten, zur Erfüllung im Sinne des betreffenden Versailler Diktaiparagraphen gehöre die vollständige 'Be­zahlung der verlangten Tribu klammen.

Die Franzoien haben durchaus ohne formelle und moralische Begründung die Näumungsfrage mit zwei anderen fragen verquickt, die vcrttags- mähig nicht- mit ihr zu tun haben: mit ihrer sogenannten militärischen Sicherheit und mit der Sicherheit für den Eingang der deutschen Repa- rationSzahlungen. Die erstere ist erledigt durch den Vertrag von Locarno, durch den außer Deutschland auch noch Sngland und Italien zu Garanten der französischen Ostgrenze geworden sind, und die zweite ist erledigt durch den Dawespl an. Die er toll darüber entscheiden, was Deutschland tatsächlich leisten kann und in welcher Form feine Leistungen geschehen sollen. Wenn Deutschland sich nun darauf einlaffcn

Deutschland stützt sich aus Tatsachen.

Dw erfk Besprechung zwischen Reichskanzler Hermann Müller und Briand m Gens gibt begreiflicherweise überall zu eingehenden Kommentaren Anlaß. Gewiß ist eS ein wichtiger Schritt vorwärts, wenn bei einer solchen Gelegen­heit der Vertreter der deutschen "Reichsregierung in aller Form da» wiederholt, was 6 t r e f e - mann in feinen Pariser Desprechunaen schon Briand und Doincar - bi Aussicht gestellt hat, nämlich die formelle Anmeldung der Forderung Deutschlands auf Räu­mung de» besetzten Gebiets. Darüber kann eS jetzt keinen Streit mehr geben, daß tatsächlich diese Forderung Deutschlands in aller Form angemeldet worden ist und al» solche in aller Form bestehen bleibt. Alle Versuche der Franzosen, den Vorgang in seiner Bedeutung Herabzusehen und ihn lediglich al» eine mehr oder weniger private Unter­haltung zwischen zwei Staatsmännern hinzu- stellen, werden ihnen nicht» nützen. Selbstver­ständlich wird kein verständiger Vien Id) erwartet haben, daß schon gle-h beim ersten Schritt der französische Auhenmmister einsach die deutschen Forderungen cmnehmen und die schleunige und völlige Räumung de» besetzten Gebiete» zu- gestehen werde Die Pariser Besprechungen SttesemannS haben über die zu erwartende Hal­tung Frankreichs völlige Klarheit geschallen. Die Hauptsache ist und bleibt zunächst die Tat­sache, daS unser Verlangen nach Räumung ge­stellt ist und daß die anderen Mächte das wissen. Mit der ersten qemernsamen Besprechung, die noch im Saufe dieser Woche stattfinden wird, sind die Verhandlungen übet die RäumungSsrage in Fluß gekommen, und es wird nun tue Hauptaufgabe der deutschen Dolitik sein, dafür zu sorgen, daß sie im Fluß bleiben.

Auch wenn Briand nicht durch bestimmte Teile der französischen Presse in mehr ober weniger ver­steckter Form die Ausiasiung der französischen Ne­gierung betanntgegeben hätte, wüßten wir ganz ae- nau, was er auf Müllers Dünsche geäußert bat. tr­ist längst bekannt, daß Frankreich mit allen Mitteln eine Lösung anstrebt, die auf eine Verquickung der Räumungsfrage mit den Reoara- tionszahlungen und den französischen Kriegsschulden an Amerika hinausläust Es muß zugestanden werden, daß von un» selbst vor zwei Jahren in Thoiry eine solche Anregung er­gangen ist. Aber damals ist dieser Gedanke von Poincarö schroff von der f)anb gewiesen worden, und nun haben wir keine Veranlassung mehr, von uns aus darauf zurückzukommen. Unfer Rechtsan- fpruch auf die sofortige und völlige Räumung des besetzten Gebietes ist ebenso unanfechtbar wie der moralische. Die Handhabe bietet, wie Briand selbst durch die französische Presie verkünden läßt, der Ver­sailler Vertrag. Das immer wieder zu betonen und sich nicht durch französische Winkelzüge von dieser klar oorgezeichneten Richtlinie ablenken zu lasten, muß als Richtschnur für unsere Politik gelten. Dor allen Dingen müssen wir nunmehr versuchen, den Franzosen klarzumachen, was sie eigentlich längst wissen sollten, daß die amerikanische Regie­rung, wenigstens die jetzt vorhandene, jede Der- quickung der deutschen Reparationszahlungdn mit der französischen Kriegsschuld an Amerika schroff a d l e h n t. Ob sich nach der Wahl und Amtseinfüh­rung eines neuen amerikanischen Präsidenten in Washington auch eine neue Auffassung durchsetzen wird, kann vorläufig niemand voraussehen.

Ganz offensichtlsch glücklicherweise logar etwas gar zu offensichtlich, versucht die französische Po­litik unter Benutzung ihrer eigenen und der ihr ergebenen Presse in anderen Ländern eine Art von Sermürbung»- und Irveführunastakttk etn- zuschlagen. Ss soll un» gut v.iacrcbct werden, nicht zu starken 'Druck auSzuüben und un# mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß Frankreich selbstverständlich Gegenforderungen zu stellen hat. Demgegenüber wird e» für un» leicht fein, auf die Verträge von Locarno und unsere Er­füllung der ReparationSverpf lich-

wvllte. al» Vorbedingung dafür, daß die Fra n- zosen ihrer VertragSpfl icht nachkommen, erst noch eine fo wenig auSiichtsvolle Aufgabe wie die Vermittlung mit Amerika in der Schul­denfrage zu übernehmen. so würde es damit, überflüssiger und gefährlicher Weise, auf den Vorteil verzichten, den ihm die einfache Be­tonung feine» Rechtsansprüche» gewährt.

Bei der zweiten Zone handelt e» sich ohnehin nur noch um eine kurze Frist. 3n Frankreich fühlt man sehr wohl die moralische Schwierig­keit. in die man geraten würde, wenn man jetzt, nach der Unterzeichnung des Kellogg- paktes. sich noch langer weigern wollte, über die Räumung zu sprechen. Wan fängt also mit dem Gespräch an. aber auf eine Weise, die von un» zurückgewiesen werden muh. SS ist nicht untere Sache. Frankreich auf eine Plattform hinauszuhelfen, von der aus es im­stande wäre, mit einem Schein der Verhand­lungsbereitschaft die Räumung tatsächlich zu ver­zögern.

Der Reichspräsident in Ostpreußen.

Berlin. 6. Sept. (ZIL) Reichspräsident von Hindenburg reiste am Donnerstagabend mit dem fahrplanmäßigen Zuge zum Besuch feines Gutes Reu deck (Kreis Rosenberg) nach Oft- I preußen. Der Aufenthalt in Ostpreußen, der

tun gen al» vollgültige Gegenleistung hinzu- tocifen. Wird hieran feftgehalten, bann ist untere Stellung unerschütterlich.

Die gestrigen Besprechungen.

Genf. 6. Sept. (WTB.) Reichskanzler Her­mann Müller hat heule nachrntttag den Be­such des österreichischeit Bundeskanzler Seipel erwidert. 5emer empfing Staatssekretär von Schubert den Besuch de» ungarischen Außen­minister- Walko. Weitere Besprechungen mit der deutschen "Delegation waren für heute nicht vorgesehen. Der Zeitpunkt für den Besuch Briand- beim Reichskanzler ist noch nicht festgesetzt. Der ungarische Außenminister hatte außerdem im Verlaufe deS heutigen Tage- Unter re Düngen mit dem österreichischen Bundes­kanzler Seipel, dem h Händischen Außenminister Beelaert-. dem tschechoslowasischen Außen» minrfter Be nesch und dem japanischen Rats- mitglied A d a s ch i. Die Hauptdelegierten der Älernen Entente haben heute abend eine Zu- fammenluntt bei Soti11ch. dem jugoslawischen ständigen Delegierten beim Völkerbund

Berlin. 7. Sept. (XU.) Wie der ..Vor- wärt»" aus Genf meldet, llt ein betonterer Besuch deS Reichskanzlers bei den "delegierten Englands, Belgiens und Italien-, ähnlich Dem Schritt wie bei Briand nicht in Aussicht genommen. Da Briand sich bereitcrtlärt habe. Die übrigen DesatzungSmäch te Direkt zu verständigen, um mit ihnen eine gemeinsame Aussprache mit Dem Reichs­kanzler zu vereinbaren.

Erwartungen der deutschen Delegation.

Genf, 6. Sept. (XU.) In Kreisen der deut­schen Abordnung rechnet man anscheinend fest damit, daß nach den Einzelunterredungen zwischen Reichskanzler Müller und den Vertretern D^r Be­satzungsmächte, am Samstagnachmittag die erste all- gemeine Aussprache zwischen Briand, Scia- I o i a, Lushendun, Hymans und Müller tattfinden wird. Man betont nachdrücklich, daß legenwärtig von irgendwelchen schriftlichen vor- chlägen oder Denkschriften, die den Befotzungsmöch- ten vorgelegt werden sollen, wie von französischer Seite behauptet wird, keine Rede sein könne Man betont, daß

von deutscher Seite keinerlei Vorschläge zu machen feien, da die deutschen Forderungen auf Räumung des Rheinländer sich auf Tatsachen stützten. Aus die Erfüllung de» Artikels 431 des Versailler Vertrages, auf den Abschluß de» Lo­carnopakte» und den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Deutschland könne lediglich auf dieser Grundlage die Verhandlungen mit den alliierten Mächten aufnehmen.

Man erwartet nunmehr, daß von französischer Seite diese Tatbestände zugegeben werden, jedoch erftärt werden wird, daß, da die Räumungssroge durch den Versailler Vertrag geregelt werden soll, somit eine Verbindung zwischen dem Räumungsproblem und der Rcparationsregelung bestehe. Hierdurch würde die Frage der Mobilisierung der Bonds des Da- wcsplanes und im Zusammenhang damit die Frage der interalliierten Lchuldcnregclung aufgerollt sein. Man siebt jedoch anscheinend hier noch nicht klar, in welcher Weile von französischer Seite diese Frage­stellung erfolgen wird. Zunächst dürfte somit die deutscheThese einer französischenThese gegenüber st ehe n. Erst wenn über die grund­sätzliche Frage Klarheit geschaffen sein wird, auf wel cher Basis die Räumungsoerhandlungen überhaupt geführt werden können, wird eine sachliche Wetter- siihrung der Besprechung als möglich angenommen. Sollten jedoch, wie fast zu erwarten ist, von franzö-

keinerlei offiziellen Charakter hat, wird etwa eine Woche dauern.

Schwierigkeiten beim Standesherren-Geseh. Eigene Drahtmeldung der .Gießener Anzeigers'.

Berlin, 7. Sept. Die Durchführung des Ge- l'etzentwurfes über die Standerherrensragc der im Januar d. I. veröffentlicht wurde, und der zurzttt dem Reichsrat zur Beratung vorliegt, scheint auf Schwierigkeiten zu stoßen. Der Gesetz­entwurf ist noch von der alten Regierung und dem Iustizminister Dr. Herat ausgearbeitet worden, und deckt sich daher nicht mit den Absichten und Wünschen der preußischen Koalition. Um diesen Gegensatz zu überbrücken, find Verhandlun­gen zwischen dem Reichsjustizministerium und der preußischen Regierung eingelötet worden, die aber noch zu keinem Abschluß geführt haben. Es ist mög­lich. daß der alte Entwurf zurückgezogen wird, oder daß man sich auf Grund der ictzigcn Besprechungen zu einer Aenderung im Reichsrat im Sinne der preußischen Regierung entschließt.

Rußlands

Beitritt zum Kellogg-Pakt.

Moskau, 6. Sept. (DB.) Volkskommissar Litwinow übergab dem französischen Botschaf-

silcher Seite die Reparation»- und die interalliierte od)>enfrage al» Grundlage der Räumungsver­handlungen erklärt werden, so würde sich zunächst eine weitere Arbeit von Seite der Sachverständigen und dann erst daran die endgültige Klärung des ge­samten ^Reparation*- und Schuldenproblems an- schließen.

Erst nächste Woche weitere Besprechungen?

Pari-. 7. Sept. (WTB. Funlspruch.) Der .Hava- -Vertreter in Gens bezeichnet es al» allgemeine Annahme, Daß Die llntenxDu ;ien wegen Der Rheinlandsrage. Deren Ansang Die Besprechung Hermann M i^l l e r - V r i a n o ge­bildet habe, vor Ansang kommender Woche nutzbringend weder sortge- setzt, noch ausgedehnt werden können.

Eine hoffnungsvollere Atmosphäre."

London,?. Sept. (WTB. Funkspruch.)Time*"" berichtet aus Gens: Die erste wirkliche Fühlung­nahme zwischen Minister Briand und dem Reichskanzler hat dort eine Hoffnung»- vollere Atmosphäre erzeugt, und da» irrige Gerücht, daß der Kanzler im Begrisse steht, noch Berlin zurückzukehren, hat der Erwartung Platz ge­macht, daß

die vesprechungcn der Räumung»frage wenig- ftens zur Entdeckung einer festen verhand- lung»grunblage führen werden, bevor die völ- kcrbund»versammlung zu Ende gehl.

Obgleich die Verhandlungen jetzt nicht annähernd soweit sortgeschritten sind, wie sie vor zwei Fahren standen, als Briand mit Stresemann in T h o i r t) zusammenkam, werden sie jetzt auf eine geschäfts­mäßigere Grundlage gestellt. Als einen weiteren Ge­winn des augenblicklichen Meinungsaustausche» be­zeichnet der Korrespondent die angebliche Erkenntnis, daß die Zurückziehung der alliierten Truppen aus dem Rheinland sechs ober sieden Jahre vor der feft- gesetzten Zeit nicht erwogen werden könne, ohne einen entsprechenden Vorteil für die andere Seite, etwa in der Art einer finan­ziellen Vereinbarung, durch die die Daweszahlnngen endgültig den Gläubigern Deutschlands sichcrgestellt werden. Er nennt weiter eine Erörterung über die Art und Zeit der Ueberwachung des ge­räumten Gebietes notwendig Dem Korre­spondenten zufolge wird endlich auf französi­scher Seite nichtmehr davon gesprochen, irgend- welche politische Bedingungen an eine vorzeitige Rhcinlandräumung zu knüpfen.

Dor allem Zeitgewinn für Briand . . .

London, 6. Sept. (WTB.) P e r t i n a r mel­det Dem .Daily Telegraph" au» Genf zur Unterredung zwischen Reich-kanzler Müller und Briand:

ES verlautet. Daß Der Reich-.'anzler die ge­samt e Frage DerRheinlanDbesehung aufgeworfen und Den stärksten Nachdruck auf Di» moralische Recht Deutschlands auf Räumung seine» Gebietes gelegt Hit. ange­sichts der friedlichen Gesinnung. Die e» bewiesen habe als es Die VocamoDerli ige unterzeichnete, dem Völkerbund beitrat, Art 36 Der Statuten de» Haager GerichtSbose- betreffend Zwang»- schiek^gerlchtsbarleit oeipflichtete unD Dem Kel- lvgg-Pakt zusttmmte. Periinar bcmcrlt. Briand Hobe Dr. Stresemann niemals versprochen, daß die Räumung Des Rhernloirde» aus Den Abschluß der LocarnovertMge folgen werde. ®» werde jedoch auf deutscher Seite erklärt, daß Briand Dr. Dttesemann zu Der Annahme veran­laßt habe, daß Die Räumung Die natürliche Folge Locarno» fein werde. Andererseits habe Der

ter 1) e r b e 11 e den von Litwinow unterzeichneten Akt über den Beitritt der Sowjetunion zu dem Kelloggpakt. In der Begleitnote spricht Litwinow die Uederzeugung aus, daß die SotDjdrcgicriing ein genaues Verzeichnis der zum Sei tritt zum Pakt aufgeforberten Länder und des weiteren eine Mitteilung über ihren Beitritt und die Ratifizierung durch die einzelnen Regierungen erhalten werde.

Tschitscherin in Deutschland.

Eigene Drahtmeldung des .Gießener Anzelgers".

Berlin. 7. Sept. Der rusiische Außenkom- miffar Tschitscherin. De len Erkrankung doch bei weitem ernster ist, als e» vielfach russischer­sei tS dargestellt wurde, wird sich in den nächsten Tagen nach Deutschland begeben, um sich hier einer längeren Kur zu unterziehen. Der Termin feiner Ankunft in Berlin steht noch nicht fest. Auffifcherfeits legt man jedoch Wert Darauf, schon jetzt feft^u ft eilen, daß Der Auf­enthalt Tschitscherins in Deutschland rein pri­vater Natur sei und ihm auch nicht im ge­ringsten irgendein: polit sche VebeuL-ng yjfärr.e. Aller Voraussicht nach wird sich Tlch'ttcherin diesmal nicht von feinem Frankfurter Arzt, son­dern von einem Berliner Aerztekonzilium unter­suchen lassen. Erst ün Anschluß Daran wird festgestcllt werden, wo der russisch? Auhenkom- misiar seinen Erholungsurlaub in Deutschland verbringen wird.