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Samstag, 7. April 1928

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

|r. 83 Drittes Blatt

Wandern und weisen Bäder und Sommerfrischen

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ielt. Sin Segen für die leidende

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und der Liebe, die einander ihre dunkeln Lieder zurusen.

2n den Anlagen des Wiesbadener Rur- S artens entfalten fich farbenstrahlcnd und üppig ic Beete, kunstreich verflochten', und in den Scitcntälchen, am Eingang des Wifpcrtales fun­keln die großen, gelben Dotterblumen.

Der Frühling trägt am Rhein^ den Retz und die Schwelgerei des südlichen Frühlings, doch zugleich das Erfrischende. Verhaltene des nor­dischen. . . -

Der Rhein ist der Strom, den totr lieben, er ist unser, zugleich Wirklichkeit und Sinnbild.

basalle. Als Im Vorjahre das Gestein restlos ausgcbeutet und ein häßliches Loch im grünen Berg gähnte, schob plötzlich gcheimnisvoll-blaue« Wasser aus der Diese. Der blaue Vergsee stellte die Schönheit der Qlatur wieder her So war eS auch vor einigen Jahren im Lausunger Wald südlich von Rafid geschehen der zie g e I- r d t c See am Vilstein zählt zu den hundert Dergwundern Hessens!

Seit dem letzten Sommer erschlieht ein aroh- zügiger Autodienst den stillen Frieden dieser verzauberten Gegend dem großen Fremdenver­kehr.

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Bad Salzschlirf.

Die Ruezeit in Scuzschlirf mit seinem Doni- faziusbrunnen beginnt wieder am 1. Mai.

3m Rurhaus spielt vom 1. bis 5. Mai die Hauskapelle: ab 6. Mai bereits beginnen die Konzerte des vollen Rurorchesters und von Mitte Mai ab wird mit den Vorstellungen des rühm­lichst bekannten Rurtheaters begonnen.

Salzschlirf hat auch in diesem 2ahre wieder ermäßigte PauschalkureN emgerichtct -u denen ein DermögensnachweiS nicht beigebracht zu werden braucht. Es Wird empsoh en diese Ruren vorteilshalber vor dem 5. Mal zu be-

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Die Parkanlagen, über 400 Morgen grob, totre­ten vom Schöpfer des Parkes m Sanssouci. «»Lenne, geschaffen. Vach ihm hat manch kunst- verständige Hand das Werk des genialen Mei- Ittsr« fortgesetzt. Hab zwischen all den Daumen

Blumenbeeten, den springenden Wassern und traten Rasenmalten liegen die modernen Zweck- < bauten des Bades: das Kurhaus die Wände- halle die Badehauser, das Rurtheater, Musik-

saal und Museum. Schönheit und Vühlichkeit sind in ihnen überall aufs beste vereint.

Anmutige Landschaft ringsum. Waldige Hohen- rücken mit trutzigen Burgen umziehen den Hori­zont. 3m Vörden ist der Fels durchbrochen durch die Wacht des Stroms der Weser: die Porta Westfalica, dessen eine Dergseite das Kmserdenk- mal der Provinz Westfalen schmückt. Seit ura.ten Seiten eine Völkcrstrahe bildend, wichtiger strate­gischer Punkt. Statt ter Rampswagcn. der Romer und den Karren der Vandalen rollt heute die Eisenbahn durch die Kerbe. Die Schnellzuge BerlinKöln und DresdenAmsterdam fuhren hier hindurch. Sie sind es, die ncbm der Strecke HalleOsnabrück die günstige Eisenbahnverbin- düng mit Bad Oeynhausen vermitteln.

Zrühling am Rhein.

Von Alfons paquel.

Hessen, das Land der hundert I Bergwunder.

Von Rudolf Heynemann Kassel.

ADD. Man kann in Deutschland noch auf Ent­deckerfahrten gehen! Zwischen Weser. Fulda und Werra ist das .Veuland' zu suchen. Einst war es heiliges Gebiet. Hier wohnten die alten Gotter Germaniens. Da sprangen hundert und mehr spitze und buckelige Berge aus lieblichen e-alern empor, bewaldet und kahl, mit gewaltigen Spuren frühgcschichtlicher Desestigungen. den lange Zeit unbeachtet gewesenen Vingwällen der Altvor- deren... , , .

Aus dem Meihner bringt man heute noch Der »ur Märchengestalt gewordenen Frau Holle Blumenopfer dar. der Johannisberg bei.Fritzlar und der Gehülsensberg bei Wansried streiten sich um die Ehre der Stätte, an der Bonifatius Die Donncrciche fällte. Der Gudensberg war Wotan geweiht, der Odenberg nicht minder, und im Heiligenberg soll die berühmte blaue Blume zu

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Der Basalt dieser Berge erzählt von den Zeiten, da Deutschlands größter Vulkan noch in Tätigkeit war der Vogelsberg. 3n bizarren normen stehen die Berge da. gespalten, gehöhlt, geborsten und mit Moränenschutt an den Hängen.

Ein Gebirge, raub und unwirtlich, dessen Dürre Hüten den Schafen eine karge Vahrung bieten, ist der Dörnberg bei Kassel, der Schauplatz iahr- hundertelangen VölkcrringenS zwischen Sachsen und Franken seine Wälle reden eine deutliche Sprache. Der Hüter diesesBrückenkopses der alten Franken aber ist der schlasende Riese Die Basaltklippen der sogenanntenS>cnenjtcme gleichen, aus der Ferne gesehen, einem Sarkophag mit ausgestrecktem Recken darauf.

Das größte Wunder aber offenbaren diese Steine dem. der sie von der Höhe des Arnbergs erblickt... da liegen sie als getreues 2n>buö Der Sphinx... Die Aehnlichkeit namentlich des Ropses mitsamt Dem Sonnen tu che ist überraschend.

Wenige Minuten später grüht ein versteinerter Dom mit hohem Dach und stolzem Turm

Wichtel-Kirche" nennt der Volksmund den Bin- , menftein. Ein Wichtelkönig zauberte in das dornige I Bergland eine prächtige Kirche, um einem Mäd­chen aus dem Dorfe Dörnberg christliche Trauung vorzutäuschen. Das Mädchen ahnte den Betrug und als es das Kreuz verlangte, versank Der Spuk die Kirche wurde zum starren Fels

In verwunschenen Rächten reiten gespenst sche Heere auf diese Derae. Die Spuren Der riesigen Hufeisen leuchten hellgrün im dürren Gras. Es

I sind Die Hexenringe, ein Naturwunder, Dessen Urheber ein besonderer Gcbirgspil; ist.

Eins Der herrlichsten VaturwunDer in diesem engzusammengedrängten Bergwunderlande fiel. v^umu I einem Steinbruchbetrieb zum Opfer: Der Buhl Japan. | bei Weimar. Hier gab es die schönsten Säulen- '

ginnen.

Aufgehobener Bifumzwang.

Durch ein Abkommen zwischen der deut­schen und Der t s ch e ch o s l o wa ki f chen Re­gierung wurde der Dtsumzwang für den Ver­kehr beider Länder mit Wirkung vom 5. April aufgehoben.

Durch diese Masinahme gesellt sich di ^Tschecho­slowakei zu der Reihe von Ländern, die bereit« vorher den Visumzwang aufgehoben haben Es sind dies Dänemark, Finnland. Englands die Vie- derlande, Oesterreich, Schweden, die Schweiz und

Alle modernen Heilfaktoren sind zusammenge- laßt. Reben den sechs Thermal- und den beiden LolaueNen werden Trinkbrunnen und Gradier- i«rte, Fango- und Liegekuren, Massage und Lichtbäder, Inhalation und Zanderapparate her-

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Diese sonnigen Tage, mit den noch kahlen, doch stärker blinkenden Zweigen der Bäume, in denen sich das Wesen des Kiwspens wie ein dünner grünlicher Schleier sängt, das sind Die Deilchentage. Ihre Luft ist wohltuend, und der letzte Duft in Den warmen Luftströmungen am FelDrain ist nirgends köstlicher als gerade Da wo wir wanDern. Aber wenn wir uns ein Ziel I dieses Wanderns im Frühling denken ein nahes Ziel, das Doch unendlich ist. so ist es der schein.

Jetzt blühen die Veilchen im Schwehinger Park, im sonnigen Baumgarten von Brühl und tm stolzen Düsseldorfer Hofgarten.

Hnb Das schwarzgraue, schtejergrune Wasser des starken Stromes trägt seinen frischesten Glanz durch die mild wehende Luft Dieser Tage.

Der Frühling am Rhein ist ein euizigcs un­endliches Fest, in das die Ereignisse Dc» Alltags, die kleinen Wanderungen, die Feiertage von Lichtmeh bis Pfingsten nur eingebettet sind wie ein fröhlicher Anstieg in das Jahr

Rirgends entfaltet sich so Die Vielheit des Frühlings, wie in Der einzigen, langgestreckten Landschaft Des Rheines, mit ihren schmalen unD breiteren Ebenen. Die Die sonnigsten 'n Deutsch- lanD sind unD in ihren kühleren Seitentalchem von denen manche in ihren Fclsenschatten noch lang Die mürben Schneereste Des Winters be-

Auf dem ganz sanften kleinen Hügel, Den der vulkanisch einsame Kaiserstuhl zum Rhein vor» streckt, liegt Die Ruine Sponeck. Man steht dort oben im herrlichsten Landschaftsrundbild De« südlichen Deutschland, man schaut weit tn Das grüne Elsaß hinüber: hier ist die Lieblichkeit in jedem klaren Tag. Den Das 2ahr spendet, doch am lieblichsten ist Der Frühling. Die weite, warme Gegend des Rheingaues mit seinen Hai­nen wohlgepflegter Kirschbäume füllt im Mai eine einzige rosenblasse Wolle, die zuweilen schmäler wird und abbncht und sich doch weiter fortseht, den Rhein hinab in Caub und Lorch­hausen, bis Braubach und weiter bis Vallendar, bi« an den Fuß des dunklen Siebengebirges. Am anderen Ufer drüben vor dunkleren Hohen flech­ten die leichten Wipfel der Gärten, Die Kirschenalleen um Bacharach undBoppard Helle, schäumende BanD Der Bluten. Die stark besonnten Beete des hessischen Rheingaues zwi- schen Mainz unD Bingen tragen früh ihre faltig- grünen Reihen wie zehntausenD Schnüre: aus Der braunen gehäufelten Erde spriehen Die Spargel­spitzen. UnD Des Rachts singen in den Buschen den ganzen Rhein entfang. von Der Kölner ' * die versteckten Llferwaldchen

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unterbrochener Kette, die Wächter deS Frühling«

Heber Niederwalgern fahren wir nach Weiden- Hausen und benutzen hier die Herborner Strasie. die uns anfangs parallel mit der Bahn im Salz- böDctal auswärts um den Petersberg herumsuhrk und hübsche Blicke nach den Albergen und den hochgelegenen Orten Rachelshausenund D^n- bach bietet. Rachdem wir ein Wiesentälchen liberschritten haben, windet sich die ©träne über die waldbedeckten Echneeberge nach Oberweidbach, einem alten Dörfchen, in Dem noch viele Stroh­dächer zu sehen sind. An den Hängen der Alten» berge entlang geben wir nun Dem Wewbach- läld)cn abwärts nach dem malerisch gelegenen Rieder-Weidbach mit schöner Dorskirche, vor der wir einen reizenden Blick in Da« Aortal, nach Hohensolms, den Altenberg und der Sorte haben. Ummer auf guter ©trabe wandern wir weiter über Ahrdt und Altenkirchen nach Bellersdorf, wo wir auf die von Bieber kommende gelbe Kreuzniarkierung stosien. DaS Wegezeichen fu.)rt uns bald hinter dem Ort in sanfter Steigung au die bewaldete Hörte und hierauf den Renn- weg entlang nach unserem Endziel verhorn.

| Dauer der Wanderung 5 Stunden.

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I Von Sorgen frei nur muht du diesen Ort bt- bamit von Krankheit frei du ihn verlassen

. Denn Heilung find't nur hier, wer keine «en hat." Ein Grundsatz der Alten. Inschrift

den Antoninischen Bädern Roms.

nsähe und doch Lebensweisheit. Wer Hei- m sucht weil er leidend ist. hat auch Sorgen. doch ist eine gewisse Sorglosigkeit Voraus- wig für die tünstige Gesundung. War aua) K lange Winterzeit zermürbend, einengend und ^derdrückend Der Lenz, der die Vatur wieder

sErstehen läfit. muh den Glauben roicD:rbnngcn bie Befreiung von körperlichen Leiden, an Heilkraft deutscher Kurorte.

riOft hat sich Zögern bitter gerächt. Herz-, 21«* und Gelenkleiden können zu jeder Iahreszeit er Behandlung unterzogen werden. Sie sind r«de durch eine Badereise im Frühling immer rteilhast behandelt. Verschleppung war immer Htcilig. ost verhängnisvoll.

Siele ziehen Den Frühling dem geräuschvollen iergetriebe vor. Warum? Die Vorteile finD igfaltig lwenn man nicht Die Deranstaltun- h, großen Stils, vornehmlich aus die Hochsaison hllenb. als unbedingt ^r Kur gehörig betrach- t>: Srmäftiqt; «unaien.

tjj in den Fremdenheimen grohere Ruhe. Vir irdS warten, nirgends äleberfullung.

felnb die Otatur? Wo bieten sich in ?« J t landschaftliche Reize? Wir kennen m T^utsch- d Städte, nur durch wenige Kilometer ge» Keimt deren Vegetation aber um Wochen ver-

<i?ben ist. Wie Höhelage und ungeschuhte Platze n spät.ren Einzug deS Frühlings bedmam so i». e« durch Fluh. Wald und Gebirge geschützte tien in denen er anderen deutschen Lankum wrauSeilt Das mittlere Weserg^biet gehört kau wo Wiehengebirge und Teutoburger Wald iie fruchtbaren Täler vor rauhen Winden stützen, wo Werra und Weser große Wetter- «ijulatoren sind.

Inmitten der grünen Auen und der frucht- schweren Felder liegt auf einer kleinen Anhohe Vod Oeynhausen, dieStadt ohne 6 tuten. Vicht direkt eingekesselt, Daß ein ^-enschauer keinen Abfluh findet und alles 1 Morast verwandelt. So wird die sanft ab- a Heute Anhöhe zum Segern Klemkopsiges klafter und schlackenunterleate Wege helfen nnt. ch sich Parkspaziergänge selbst bei feuchter W»t- . ;ung ermöglichen lassen

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