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Nr. 32 Erster Matt

178. Jahrgang

Dienstag, 7. Zebruar 1928

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MetzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Friede Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wich Lange, für Feuilleton Dr H.Thyriot, für den übrigen leil Ernst Diumschein; für den An- zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Amerika will die Llbooiwaffe abschaffen.

Eine ßrflarung Kelloggs.

Ein internationales Abkommen über die Ubootwafse

Oltaroa, 6. Jebr. (IDIB.) 3n einer Unter­redung mit Pressevertretern führte Staatssekretär Kellogg aus, die Vereinigten Staaten befürwor­teten die Einstellung des Baues oder der Verwendung aller Unterseeboote, die eine barbarische Methode der Kriegführung darstell­ten. Die französifche Presse habe anscheinend die Haltung der vereinigten Staaten in dieser Frage mißverstanden. Die vereinigten Staaten seien bereit, mit der ganzen Welt einen Vertrag einzu­gehen, um das Ziel zu erreichen, auf das die von Fotheringham im Repräsentantenhaus eingebrachte Entschließung abzielte. Kellogg sagte weiter, er wisse nicht, daß diese Angelegenheit gerade am Vorabend der Unterzeichnung des Schiedsvertrages mit Frankreich veröffentlicht werde. Sobald die gegen­wärtigen Verträge, deren Grundlage die Root* Abkommen bildeten, abgelaufen feien, würden Angebote;n ihrer Erneuerung gemacht werden. Auf den Vorschlag Briands zur Aechtung des Krieges näher einzugehen, lehnte der Staatssekre­tär ab.

Schlechte Aussichten.

Zustimmung in England, aber heftiger Widerstand der anderen Mächte.

London, 6. Febr. (WD.) Der diplomatische Berichterstatter deS »Daily Telegraph" schreibt: Sehr tiefen Eindruck hat in britischen diplomatischen und politischen Kreisen KelloggS Erklärung gemacht, baß die amerikanische Re- gierung bereit sei, mit allen Mächten einen Vertrag zu unterzeichnen, der die Verwendung de* Llnterseebootes unbebingt verbietet. Der Korrespondent erinnert jedoch daran, das) Frankreich und auch Italien, letzteres zum größten Teil infolge Frankreichs Hart­näckigkeit, in der Frage sich bisher dem Ein­treten Englands für die Abschaffung der Unter­seeboote nachdrücklich widersetzt haben. Die -Uebereinftimmung Amerikas und Großbri­tanniens in einer Politik der Verfemung des Llnterseebootkrieges würde jedoch einen star­ken moralischen Einfluß in ganz Europa ausüben müssen. Es bestehen Gründe zu der Annahme, daß Kellogg diesen Schritt nicht unter­nommen hat, bevor er sich durch Sondie­rungen in Tokio überzeugt hat, daß, wenn Amerika bereit sein sollte, die Llnterseebootwaffe aufzugeben, Japan bereit sein würde, diesem Vorgehen zu folgen, unter der Voraussetzung der Zustimmung aller anderen Flottenmächte. DieTimes" schreibt in einem Leitartikel: Kelloggs Erklärung bedeutet einen entschiedenen Fortschritt gegenüber der Haltung seiner Regierung zur Zeit der Washingtoner Kon­ferenz. älnglücklicherweise besteht jedoch gegen­wärtig keine Hoffnung auf allgemeine ^Unterstützung. Frankreich hat sich dem ur­sprünglichen Vorschlag heftig widersetzt. Auch Japan und Italien sind ihm ungünstig gesinnt gewesen. Frankreich und Italien erklären das Unterseeboot als für die nationale Verteidigung notwendig. Jetzt wird es zweifellos für nicht weniger unentbehrlich angesehen. Außerdem haben einige der klei­neren Aationen ihre Unterseeboote feit dem Kriege dauernd vermehrt. Das Unterseeboot ist tatsächlich die Waffe der ärmeren Mächte geworden. Wenn die Länder, bei denen die Unterseeboote in besonderer Gunst stehen, dazu gelangen, ihre allgemeine Llbschaffung als wünsck^nswert anzusehen, so wird jedes Vor­gehen, zu dein sie bereit wären, bestimmt von anderen begriffen werden. Aber für eine solche Aenderung des Standpunktes bestehen augen­blicklich leider keine Anzeichen.

Amerikas Gründe.

Die japanische Ueberlcgenheit.Im Kampf um die Vorherrschaft zur Lee.

Eigene Drahttneldung desGießener Anzeigers"'.

Berlin, 7. Febr. Die Erklärung des ameri­kanischen Staatssekretärs Kellogg, daß die Washingtoner Regierung bereit sei, eine inter­nationale Vereinbarung über die Abschaf­fung der Unterseeboote zu unterzeichnen, hat in allen europäischen Hauptstädten ein nicht unbeträchtliches Aufsehen hervorgerufen. Man fragt sich allenthalben nach den Gründen, die die nordamerikanifche Union veranlaßt haben könnten, plötzlich die Ll-Boot°Wasfe preisgeben zu wollen, nachdem sie sich stets für deren Beibehaltung eingesetzt und auch auf der Washingtoner Abrüstungskonferenz einen engli­schen Antrag auf Abwrackung sämtlicher UZBoote abgelehnt hatte. Die verschiedensten Mutmaßun­gen tauchen auf, schießen aber bis auf wenige am Ziel vorbei. Vergleicht man einmal die 11 - Boot -Neubauten der letzten Jahre miteinander, bann wird man finden, daß die Japaner doppelt so viel Boot« fertiggestellt haben als die Vereinigten Staaten. Bei dein ungeheuren Aktionsradius dieser modernen Kriegsschiffe liegt es auf der

Hand, daß eS in einem künftigen amerikanisch­japanischen Krieg den Japanern ein Leichtes ist, mit ihren Booten b i s an die amerika­nische Küste vorzustoßen. Die sechzig japani­schen U-CBoote können aber weiter die dreißig amerikanischen ohne Schwierigkeit von den ja­panischen Inseln sernhalten und darüber hinaus noch zu einer beängstigenden Gesahr für die Flotte der nordamerikanischen Union werden. Die Annahme dürfte zutreffend fein, daß d i e japanische Ueberlegenheit die Regie­rung in Washington veranlaßt Hal, die Abschaf­fung der U-Boot-Waffe zur Debatte zu stellen.

Recht interessant ist aber der Hinweis eines englischen Blattes, daß dieser Vorschlag K-'loggs der beste Beweis dafür sei, daß Amerika zu einer Seemacht erster Ordnung sich ent­

wickeln tollt Sind die U-Boote verschwunden und hat die Union die Kreuzerreserve, die sie sich anschaffen will, bann werden d i e Ver­einigten Staaten die Meere beherr­schen. Es berührt in der Tat auch merkwürdig, daß die Amerikaner auf der einen Seite fortgesetzt mit dem Bau ganzer Kreuzergeschwader drohen, auf der anderen aber nur die Llbschaffung der Unterseeboote anregen. Ihre Taktik spricht gerade nicht dafür, daß sie ehrlich eine Rüstungsbeschränkung zur See wollen. Sie finden auch nur Unterstützung bei den Engländern, deren Presse die Erklärung K lloggs begrüßt. Das tut sie aber nur, weil sie die Flotte Frank­reichs und auch anderer Rationen um diese wertvolle Waffe bringen möchte. Den Engländern liegen nicht weniger als neunzig neue französische

Unterseeboote gegenüber, während sie selbst seit dem Kriegsende nur sechzehn Boote in den Dienst gestellt haben. In Frankreich weiß man sehr gut, welchen Wert das U-Boot besitzt hier hat man infolgedessen auch wenig Verständnis für die Gedankengänge der Amerikaner. Ebenso kann sich auch die italienische Presse für die Qleußerung KZloggs nicht begeistern, eben weil das U-Boot ein guter Küstenschutz und auch eine brauchbare Ofsensivwafse ist. Die Abschaffung der U-Doot-Wafse wird unter diesen Umständen vielleicht noch 24 Stunden die internationale Diskussion beherrschen, bann aber aus ihr Der« schwinden, eben weil bie einen auf bas U-Boot nicht verzichten wollen unb bie anberen nach ber Vorherrschaft zur See streben.

Golk der Völkerbund nach Wien verlegt werden?

Genf oder Wien. Das politische Bauprogramrn des Völkerbundes.

Bon unserem ^.--Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Wien, Anfang Februar 1928.

Es ist wirklich an der Zeit, die politische Eiter­beule der Uebersiedlungspläne des Völkerbundes aufzustechen. Was hat es denn für einen Zweck, immer wieder nach alt­bewährtem Muster zu dementieren, vielsagend zu lächeln und entrüstet zu tun, wenn einer mal die grobe Wahrheit sagt? Eine offene Aus­sprache ist denn doch besser, und darum sei es ehrlich eingestanden: jawohl, eine ganze Reihe führender Persönlichkeiten Oesterreichs spielen seit Monaten mit dem Gedanken, bie Pläne des Herrn White Williams von ber Reuhork Times verwirklichen zu helfen unb damit denVölker- bund nach Wien zu bringen. Und es sind nicht allein Wiener Geschäftsleute, Haus­meister und Autochauffeure, die diese Idee auS Gründen höherer Fremdenvertehrseinnahmen billigen, o nein! Man kann sich kaum eine politische Frage vorstellen, die schwieriger zu erfassen wäre, als bie der Uebersiedlung von Genf nach Wien. Das Problem ist genau so kompliziert wie die ganze Liga der Rationen selbst unb bas balkanisierte Mitteleuropa bazu.

Wer ist nun für die Uebersiedlung? Vor allem der sehr ehrenwerte Herr 2ßiUiams und mit ihm eine ganze Reihe von Völkerbundsjournalisten, Attaches und Beamten, denen dasspießige Genf 3 um Hals herauswäch ft", die gern in der Heimatstadt von Johann Strauß sich die Nächte um die Ohren schlagen möchten an der Seite jener berühmtenfeschen Wienerinnen", die übri­gens dem heutigen internationalen Girlgeschmack durchaus nicht mehr entsprechen, was allerdings eine Sache für sich ist und eigentlich gar nicht hierher ge­hört. Dann stehen hinter dem Plan die Ungarn, Hei, bas wäre eine Sache! Der Völkerbund in Wien! Einen Katzensprung, und man ist im .Zentrum der Welt", packt die internationale Politik beim Schopf und schleppt sie, bzw. ihre Vertreter nach den herr- lid^en Magnatenschlössern,seift" sie dort tüchtig ein mit feurigem Wein unb noch feurigerenFrauen", was mehr wert ist als die schönsten Reden des alten Äpponyi zusammen, und ... Ja, ja, nickst nur der sprichwörtlich gewordene kleine Moritz stellt sich unter Politik absonderliche Dinge vor ...

Befürworter des Planes find dann auch jene un« garnfreundlichen Kreise um Rothermere in England, deren Eintreten für die Revision von Trianon zwar löblich, aber nicht ganz ohne Eigen­nutz ist, was man gleich erkennt, denkt man auch nur einen Augenblick an die Londoner Pläne, in denen die ungarischen Soldaten bie Rolle edlen Ka­nonenfutters in einem möglichen Kriege mit Ruß­land spielen. Unb auch die Italiener wären garnickst verärgert, fäme ber Völkerbund nach Wien. Sie würden sich darüber vielleicht am meisten freuen. Denn sofort wären zwei Möglichkeiten, die sie beide in gleicher Weise fürchten, a u s g e s ch a l - t et: ber Anschluß Oesterreichs an Deutsch lanb, unb auch bas Zustandekommen einer Donauföderation, in ber man be­kanntlich in Rom bas Wieberauferstehen Oesterreich- Ungarns erblickte.

Im engeren Völkerbund gibt es außerdem bie zehnmalklugen Politiker, bie bie Liga gern in berRähe des europäischen Gefah­renherdes" wüßten. Das klingt sehr schön, nicht wahr? Und hier, in Wien, gibt es Leute, die an bie Donauföderation.nicht glauben, den Anschluß nicht wollen, und in derInter­nationalisierung" das Heil erblicken, dann diefeinen Herren", bie Angst haben, baß sie vielleicht doch noch einmal in bie Uniform gesteckt werben könnten, bie Pazifisten aus Ueberzeugung und die aus persönlicher Feigheit unb last not least die erwähnten Hausmeister, Chauffeure, bie Hoteliers, Kaffeehausbesitzer unb Schuhputzer ausvolkswirtschaftlichen" Gründen. Ja, und dann, ich will sie nicht vergessen, bie Lokalpatrioten, bie in ber Burg unb in Schön­brunn toieber Weltpolitik sehen möchten.

Unb wer ist bagegen? Die öster­reichische Station! Die Anschlußsreunde, bie in ber Lieberzahl finb, unb auch bie Anschluß­gegner, bie bie Föderation mit den Rachfolge­

- floaten wollen. Die Wirtschaft vor allem, ba sie denVölkerbundsschmuggel" fürchtet, und mit Recht, denn er würde dieses Land vollends zugrunde richten. Eine Warenkontrolle wäre zur Unmöglichkeit geworden, und es gibt eine ganze Reihe von Oesterreichern, die nicht vom Fremdenverkehr leben, sondern aus die­sem armen Boden mit ihrer Hände Arbeit her­ausholen, was herauszuholen ist. Die Oester- reicher, es sind noch immer acht Millionen, können nicht mit einem Schlage alle Fremden­führer werden.

Gegen die Uebersiedlung von Genf nach Wien sind die Franzosen, die Tschechen unb Sübslawen. Für sie entschwinben mit der Uebersiedlung alle Hoffnungen auf bie Verwirk­lichung einer Donauföderation, wobei man sich freilich Rechenschaft darüber ablegen muß, baß ein- endgültig.' Verhin^r^ng des Anschlusses Oesterreichs an bas Reich auch etwas Verlocken­des hat. Wenn man das Erwünschte nicht er­reicht, kann man baS Unerwünschte wenigstens hintertreiben. Dagegen finb, auch bas sei gesagt, bie weiblichen Angestellten des Völker­bundes, die Angst haben, ihre Heiratsaussichten würden an ber Donau auf ein Minimum zusam­

menschrumpfen. Man unterschätze blefcn Um« staub nicht, bie Damen bes Völkerbundes haben auch ein Wörtchen mitzuredenI

Im März soll also in Gens ber Vorstoß unternommen werden, um den Völkerbund nach Wien zu bringen. Offiziel wird es unter der Parole geschehen: Einsparung der Ausgaben für den Reubau des Völkerbundpalastesl Aus der Uebersiedelung wirb nichts werden. Es ist haft ein Ding der Unmöglichkeit, den Sitz des über den Rationen stehenden Völker­bundes vom Boden ber praktisch seit Jahr­hunderten neutralifierten Schwei» weg in den Kern eines vor knappen zehn Jahren zusammen- gebrochenen Reiches zu verlegen, um den still aber heiß von drei Mächtegrupven gerungen wirb. Der Völkerbund kann es sich einfach nicht leisten, auS ber stillen politischen Ruhe dec Schweiz in den Sturm herauszutreten, der Deutsch-Oesterreich umtobt. Aber man wird bei ber Diskussion wenigstens die Oesterrelcher ken­nen lernen, die mit den LebenSinteressen ihrer Ration Fangball spielen, man wird sich ihre Ramen merken tonnen, unb das ist allerhand wert.

Dis neue hessische Regierung.

Hauses. Er ist (von den Kommunisten abge­sehen) stets einstimmig gewählt worden. Der neue Staatspräsident gehört bet Sozialdemokra­tischen Partei an.

Don unserer Darmstädter Redaktion.

Darmstadt, 6. Febr. heute gegen abend tagten im Landtagsgebäude wiederum die Fraktionen der zur Weimarer Koalition gehörenden Parteien (So­zialdemokraten, Zentrum und Demokraten), um bie Verhandlungen zur Regierungsbildung zum Ab­schluß zu bringen. Es wurde beschlossen, die Regie­rung in der weise zu bilden, daß erhält: Das Staatsmini st erium, mit dem das neu ge­schaffene Kultusministerium verbunden ist, der bis­herige Lomdtagspräfideni Adelung (Soz.).

Das Finanzministerium der bisherige Mi­nister des Innern, Kirnberger (Zenft.), der zu­gleich Stellverfteier des Ministerpräsidenten ist.

Das Mini stet i um des Innern Abgeord­neter Leufchner (So;.), damit verbunden ist das 3 u ff 13 m i n i ff e r i v, m , das wie bisher von Mi­nisterialdirektor Dr. Schwarz verwaltet wird.

Das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft Abgeordneter K o r e 11 (Dem ).

Die Verhandlungen über einige Aemter, die nicht mehr zum Kabinett gehören, sind noch nicht abge­schlossen. Da nach Artikel 38 der Verfassung die Mit­glieder des Gesamtministeriums zu ihrer Amtsfüh­rung des vertrauens des Landtags be­dürfen, fo wird zur Bestätigung der Minisierliste der Landtag auf Dienstag, den 14. Februar, einbe­rufen. An der Bestätigung ist nicht zu zweifeln.

Oie neuen Männer.

Staatspräsident Adelung.

Der bisherige Präsident des Hessischen Land- tags unb (zweite) Bürgermeister von Mainz, Bernharb Adelung, ist 1876 in Bremen geboren. - besuchte bie Volksschule in Bremen unb wurde bann Buchbrucker. Rach seiner Ausbildung be­reiste er bann Deutschland, Oesterreich, bie Schweiz, Frankreich unb Italien. Von 1897 ab arbeitete er als Schriftsetzer in Mainz unb wurde 1902 Redakteur ber Mainzer Volkszeitung. In ben folgenben Jahren würbe Adelung in die Stadtverordnetenversammlung und in den Kreistag gewählt. 1903 trat er in die Zweite Kammer des Hessischen Landtags ein, der ei (mit älnterbrechung in den Jahren 1938 bis 1912) bis zu dessen Auflösung im Jahre 1918 an- gehörte. Rach den Reuwahlen zum brnstituieren- den Landtag wurde Adelung zum Präsidenten gewählt unb bekleidete seit dieser Zeit ununter­brochen das Amt bes Landtagspräsibenten: er genoß wegen seiner unparteiischen Geschäfts­führung hohes Ansehen bei allen Parteien bes

Kinanzminister Kirnberger.

Der neue Finanzminister Ferdinand Kirnber- ger wurde am 12. Januar 1875 als Sohn des Mebizinalrates Dr. Kirnberger in Mainz ge­boren. 3m Frühjahr 1898 legte er bie Fakul­tätsprüfung in Gießen ab unb im Oktober 1901 beftanb er bie Staatsprüfung. Er war zunächst als Regierungsassessor bei ben Kreisämtern Mainz, Groß-Gerau unb Darmstadt unb im Ministerium bes Innern tätig. 1906 wurde er Kreisamtmann. Als solcher versah er bis 1912 das Amt eines Feldbereinigungskommissars. Dann wirkte er am Kreisamt Offenbach bis zum Ausbruch des Krieges, ben er als Hauptmann ber Lanbwehr bei dem Felbartillerie-Regiment Rr. 27 mitmachte. 3m 3ahre 1917 wurde er als ständiger Hilfsarbeiter in bas Ministerium des 3nnem berufen. 1920 erfolgte seine Er­nennung zum Oberregierungsrat bei dem Lan- besernährungsamt. Rach einer kurzen Tätig­keit bei ber Provinzialbirektion Mainz kam er 1921 als Vortragender Rat in bas Ministerium für Arbeit unb Wirtschaft. 1922 wurde er unter Beförderung zum Ministerialrat wieder in das Ministerium des 3nnem übernommen. Während der schweren Erkrankung des Minister von Bren­tano im 3uli 1927 versah er das Ministerium des 3nnern als Minister ohne Portefeuille unb würbe nach bem Tobe bes Herrn von Brentano (21.3uli) im August zum Minister bes 3nnem ernannt. Kirnberger gehört bem Zentrum an.

Ministerfür Arbeit und Wirtschaft Korell

Der Minister für Arbeit unb Wirtschaft, 2ldolf Korell, ist aus bem evangelischen Pfarr- stanbe hervorgegangen; er ist am 20. März 1872 in Obergleen im Kreise Alsfelb (Oberhessen) geboren, besuchte bie Volksschule zu Pohlgöns, bann bie höhere Bürgerschule zu Butzbach unb schließlich bas Gymnasium in Gießen. An ber Landesuniversität absolvierte er auch fein Stu­dium ber Theologie unb trat bann in den vor­bereitenden Pfarrdienst ein. Er bekleidete in den nächsten 3ahren Pfarrstellen in Alsfeld, Darmstadt, Düdelsheim unb (12 3ahre) in König- ftäbten (Kreis Groß-Gerau) unb (feit 1912) in Rieder-3ngelheim. Pfarrer Korell war früh in bas politische Leben cingetreten, schon als Pfarr­assistent war er politisch tätig im Sinne ber 3been bes Pfarrers Raumann. Er wandte sich der Fortschrittlichen Dolkspartei zu, für bie er vielfach als Dersammlungsredner auf trat unb