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Vr. 6 Lrsier Blatt

(78. Jahrgang

Samstag, 7. Januar (928

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vniik BBd Verlag: vrühl'sche Uirti>trfiMt$-Be<fr enö Stehiönideret B. tauge in Siezen. Sd>rtftfettwng unb Sefchäftrftele: rchnllttaße 7.

lii<|i( »ei Injeiarn ftr bte legrenumierr oti Jia Slachmtnag vorher

Preis fir l em he ftr Injeiqen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Rrlchspfrnnig, für Re» hlameanjetgen von 70 mm Brette 35 Nrichepfennig, Platzvorfchrift 20*. mehr atxfrebahteur

Dt. Jnebr Will) Lange. Derannoonlich für Dohhk Dr Fr tBlfi) Lange, für FeurNeton l)r Jr> Ibonot; für ben übrigen Teil Ernst Slumfcbfin, für ben An­zeigenteil Aurt QiDmann. lämtlid) in öiefeen.

Wahlen.

ür die republikanische Kandidatur scheint

um so schwerer, als eine ganze Reihe von Männern mit klangvollen Rainen für die Nachfolge des Prä- pdenten LooUdgc in Betracht kommen. Die meisten Uussichlcn h ~

im Augenblick der bisherige L)andclsminifter im ilnbinelt Coolidge, Hoover, zu haben, der auch

Zum Jahreswechsel pflegt die deutsche Presse in alter guter Tradition Rückschau und Ausschau zu halten. Rückschau auf die politische Entwicklung des vergangenen Jahre. Ausschau auf die kommenden Dinge des neuen, dessen Schwelle wir soeben über- fchlkiten. Wenn in diesen oorfühlenden Aufsätzen diesmal eine Reihe von Blättern die Wahlen in den Vordergrund ihrer Betrachtung geruckt haben, |o hat da» natürlich seinen guten Grund in der Tat­sache, bah neben weltpolitisch weniger bedeutenden Ländern wie Argentinien und Polen in den Ber­einigten Staaten von Nordamerika sowohl wie in den bedeutendsten europäischen Staaten, näm­lich in England, Frankreich und Deutsch­land da» Jahr 1928 verfassungsmäßig Wahlen bringt. 3n Amerika sind es die Prasidentschasts- wählen, in den europäischen Staaten die Wahlen zum Parlament: zum Unterhaus, zur Deputierten- kammer oder zum Reichstag

Für Amerika eine auch nur annähernd sichere Prognose zu hellen, ist ein mißliches Ding. Der gegenwärtige Präsident, der Republikaner (talmin Coolidge, hat mehrsach entschieden erklärt, daß er sich für eine Wiederwahl über deren Der- falsungsmoßigkeit man sich übrigen» nicht einmal im Klaren ist auf keinen Füll wieder zur Der- fügung stellen würde. So mußten die Republikaner aus Die Suche nach einem andern zugkräftigen Präsidentschaftskandidaten gehen. Die Auswahl ist

bei den sich von der republikanischen Regierung ver­nachlässigt suhlenden agrarisch eingestellten Be- volkerungbschichten des mittleren Westens und der Sübftaatcn die übrigen» stets eine Domäne der Demokraten gewesen sind durch seine großzügige und entschlossen durchgefuhrte Hilfsaktion bei der Ehen Ueberfchwemmungskatastrophe im Mifsts-

'ibecken zweifellos stark an Boden gewonnen hat. ß die Demokraten, die Partei Wilsons, Ijt noch nicht zur endgültigen Nominierung ihres Präsident­schaft, kandidaten geschritten, io daß also, wie schon gesagt, über den künftigen Kur» in Amerika, der ja ander», wie in den europäischen Ländern von dem Ausgang der Präsldentschaftswahlen maßgebend be­einflußt wird, heute noch nichts angedeutet werden Hann.

Webt viel ander» liegen die Dinge in Eng- lond. Da» gegenwärtige konservative Kabinett Baldwin ist die parlamentarisch stärkst sundierte Regierung, die England seit Jahrzehnten gesehen hat. Zweifellos bat das konservative Regime in ben Dohren seiner Herrschaft manches an Sympathie r der Bevölkerung ringebüht. Da» ist ein ganz na­türlicher Vorgang, der sich stets und überall wieder- holt, wenn eine mächtige Partei eine lange Zeit hindurch die Geschicke eines Landes lenkt. Die Opposition ruht sich aus und sammelt ihre Kräfte, Wahrend in den eigenen Reihen der Regierungs- Partei nicht immer jedes nach Wunsch aller An- Hänger zu gehen pflegt; Enttäuschungen, Mißver­ständnisse und Meinungsverschiedenheiten bleiben richt aus, Fronden bilden sich, man ruft noch Der- lingung der Führer, nach einer entschiedeneren Lei- ting, kurzum die Geschlossenheit der Partei wird um t stärker gelockert, ie näher der Tag der Abrech­nung mit dem Wöhler heranrückt und man im Lande Morgenlust wittert

Ton diesem Schicksal sind audi die engli'chen Konservativen nicht verschont geblieben, und das am so weniger, als ihr Regiment in eine Zeit fiel, die weder außen- noch innerpolitisch für England gerade rosig genannt werden konnte. Der Abbruch der Beziehungen Aur russischen Sowjetunion das Zurückpflocken deS Union Jack in China, schließlich die gescheiterte 6e c - abrüftung-konferenz und die sich daraus vielleicht ergebende Rotwendigkeit neuer- fdmg-ausgaben und erhöhter Steuern belasten das konservative Kabinett in den Augen großer Dählermassen zweifellos erheblich, während die geniale Balioursche ReichsverfassungS- reform. die neue Konstituierung des brittschen 3nt>cnum» al« Bund freier Länder gewiß ein gewaltiges Plus für die Regierung Baldwin be­deutet. Innervoütifch springt vor allem die Ä r i- f i t im englischen Kohlenbergbau in die Augen, die mit der Beendigung des großen Bergarbeiterstreiks keineswegs gelöst ist.^ Sin anderer Konflikt, der gerade in den letzten Tagen viel von sich reden machte, entfpann sich um die Reform des prayerbook, des Gebetbuches der anglikanischen StaatSkirche. Der Streit ist deshalb besonders merkwürdig, weil er Parla­ment und Land ohne Rücksicht auf die Partei­zugehörigkeit mitten hindurch spaltete. Der Riß machte nicht einmal vor dem Kabinett selbst halt, da z. D. Bridgeman, der Erste Lord der Ab- itiralität. heftige Angrif e gegen den Kabinetts­chef richtete und andere Kabinettmitglieder gegen die Regierungsvorlage Stellung nahmen. Diesen Streit wird man als ein besonders erfreuliches Zeugnis dafür werten dürfen, daß auch in Eng­land. dem Land einer starken religiösen Tra­dition, wieder das Intereste für kulturpolitische Fragen wach wird, und man wird eS weiter bsnerkenswert und für uns Deutsche vorbildlich finden müffen, in welch höflicher und rück­sichtsvoller Form für den kulturpolitisch Anders denkenden oder gar konfessionell Anders­gläubigen dieser Streit nach dem Zeugnis eines so urteilsfähigen Mannes, wie Lloyd George, duägctragen wurde. Für die Dahlen selbst wird chm aus dem oben angedeuteten Grunde wohl kaum besondere Bedeutung zukvmmen.

Oie deuffch-argeniinische Freundschaft.

Oer argentinische Außenminister in der Reichshauptstadt. Neuregelung der diplomatischen Vertretungen.

Der argentinische Außenminister G a l l a r d o, der in diesen Tagen als willkommener Gast in der Reichshauptstabt weilte, hat in einer Mitteilung an die Presse auch Wert auf die Feststellung gelegt, daß von seiner Seite keine Anregung, die deutsche Gesandtschaft in Argentinien i n eine Botschaft umzuwandeln gegeben worden fei. Da- ist zweifellos richtig. Derartige Fragen werden offiziell solange nicht behandelt, als eine Einigung darüber nicht feftsteht. Aber ebenso sicher ist. daß schon seil längerer Zeit -wi'chen DeutsHland und Argentinien Bespre­chungen darüber schwebten, ob nicht die beider­seitigen Desandstchaften In Botschaften um- gewandelt werden sollen. Wenn wir recht unter­richtet sind, ist auch Deutschlands Bereit­willigkeit dazu vorhanden. Schon im vorigen Jahre Tag ein entsprechender Vorschlag vor, der nur aut finanziellen Gründen nicht mehr in den Reichstag gebracht toerben konnte. Wir möchten aber annehmen, daß vom Aus­wärtigen Amt in diesen Tagen noch eine ent- sprecherdc Rachforderung gestellt wird, da wir doch daran Herangehen, das gairzc System unserer Auslandvertretungen umzubauen und der mo­dernen Krästeverschiebung entsprechend anzu- pafsen.

Die Unterscheidung zwischen Dostchaft und Desandstchast war ursprünglich eine Frage des diplomatischen Zeremoniells. Sie ist nach unserer Kenntnis aus dem Wiener Kon­greß fcftgclegt worden und war darauf auf­gebaut. daß eigentlich nur die Großmächte untereinander daS Recht hatten, sich Botschafter zu schicken, während im übrigen der diplomatische Verkehr durch Gesandte und Ministerresidenten geführt wurde. Dabei waren die Botschafter nicht nur Vertreter eineS Staates, sondern auch per­sönliche Vertreter ihrer Herrscher, wourch sich in dem Verkehr mit Monarchen be­sondere Vorschriften ergaben, wodurch aber auch bestimmte älnterfcheidungen im höfischen Leben bedingt waren, die teilweise sehr seltsame Formen annahmen. So war eS beispielsweise der Frau eines BotfchaftcrS gestattet, in Gegen­wart deS Souverän« sitzen zu bleiben, wäh­rend die Frau des Gesandten auf stehen mußte. Darüber hinaus hatte der Bottchafter das Recht deS Vortrages bei dem Herrscher, bei dem er akkreditiert war, während der Gesandte den ilmtoeg über den Außenminister wählen mußte.

Diese Unterscheidungen find durch die Llmwäl- Aungen der Nachkriegszeit im wesentlichen gegen­standslos geworden. Drei große Herrscherhäuser sind verschwunden, und in der Republik fallen naturgemäß zeremonielle Vorzüge, die der per­sönlichen Stellung der Botschafter anhaften, im wesentlichen weg. Geblieben ist eigentlich nur bas ungeschriebene Gesetz, daß Botschafter nur von Groß mäch ten allrebitiert werden kön­nen, während die Gesandten gegebenen Ver­treter der Mittelstaaten sind. Kein Wunder, daß dadurch^ die Droßmannsucht einiger der neu­gebildeten Staaten in der Errichtung von Bot­schaften sich auszutoben suchten, womit sie teil­weise auch Erfolg hatten. So ist eS den Polen gelungen, ihre Beziehungen zu Frankreich auf den Botfchaiterfuß zu stellen. So läßt sich auch Belgien bei den ehemaligen Ententestaaten durch Botschalter vertreten. Wer das find Aus­nahmen. die lediglich die Regel bestätigen.

Etwas ganz anderes aber ist. daß die Größen- Ordnung, die in der Dorkriegszeit in der Mächte­gruppierung stichweife oorgenommen war. sich heute nicht mehr aufrecht erhalten läßt. Nach dem russisch-japanischen Kriege wurde allgemein der Anspruch Japans aus eine Großmachtstellung an­erkannt. und dementsprechend wurde die japanische Gesandtschaft in eine Botschaft um gewandelt. Der Standpunkt, den beute Argentinien und mit ihm andere amerikanische Staaten vertreten, basiert also darauf, daß sie nach ihrer politischen und wirt­schaftlichen Seite hin das Recht gellend machen fön- nen. ebenfalls in den Kreis der Größ­

ter Grabmc'fer für die politische Stimmung in bcc briti'chen ^Irwähleeschaft pflegen die Rach­wahl e n zum Unterhaus in den einzelnen Di­strikten zu sein. Sowohl Liberale, wie nament­lich auch dir Arbeiterpartei haben dabei manche überraschenden Siege in Bezirken davongetragen, die bisher als gesicherte Domänen der Konser- vatiren gegolten patten. Aber es wäre voreilig, daraus heute schon bestimmte Schlüffe auf ben Ausgang der ParlamentSwablcn ziehen zu wollen, die übrigens regulär erst im folgenden Jahve stattzufinden brauchen, mit denen aber bei der politischen Stimmung in England und nament­lich auch in der Konservatrven Partei mit Sicher­heit schon für 1928 zu rechnen ist. Wie auch immer das neue britische Kabinett ausfehen möge, seine Hand.ungssreiheit nach außen ist durch die weltpolitische Lage wie sie die Pari er Zciedenssch üffe mit der Konstituie­rung der finanziellen Weltvorherr'chaft Ameri­kas und der mllitäri'chen Franko.chs in Kon­tinentaleuropa geschahen haben, zwangsläufig stark beschränkt. Jedenfalls werden wir gut daran tun. an einen etwaigen Kurswechsel in England nicht allzugrohe Hoffnungen auf eine beschleunigte Räumung der Rheinland«, heute

mSchteeingereiht zu werden Geht man allein von der Einwohnerzahl aus. so Ist diese Forderung vielleicht nicht berechtigt, aber ein solches Kriterium kann heute allein auch wohl kaum ausschlag­gebend fein, ebensowenig wie allein das territoriale Prinzip, weil die exotischen Staaten einen Länder- umfang aufweisen, der die europäischen Derhältnlsse um ein vielfaches übertrifft E» muß also schon der Durchschnitt gezogen werden aus einer ganzen Reihe von Faktoren, die ein Gesamtbild der interna­tionalen Stellung der einzelnen Staaten ergeben und da ist zuzugestehen, daß durch die Entwicklung der Nachkriegszeit das Schwergewicht der internationalen Politik sich von Europa verschoben hat, daß dementsprechend auch die amerikanischen Staaten eine ganz andere Holle spielen als noch vor zwan­zig Jahren. Sie haben sich als selbständige Gruppie- rungen entwickelt nicht nur im Gegensatz zu den europäischen, sondern auch im Gegensatz zu den Ber­einigten Staaten von Nordamerika. Man kann mit Recht darauf Hinweisen, daß die Zullmftsaussichten, die in ihrer Entwicklung vorhanden find, auch in der Gegenwart schon Berücksichtigung oer­langen.

Wenn daher Argentinien, Brasllien und Ehlle ben Wunsch haben, auf gleichberechtigtem Fuße mit den historischen Großmächten durlomattlch zu verkehren, so liegt von deutschem Seite kein Grund vor, dein entgegen zu arbeiten, zumal unsere Wirtschaftsbeziehungen nach Südamerika im Laufe der Jahre sich sehr eng gestalteten. Der deutsche Handel sh^ell auf der südlich n Hälfte des amerikanischen Kontinents eine hervor­ragende Rolle, und gerade weil wir politisch in einem gewissen Gegensatz zu den Staaten der ehemaligen Gntente stehen, müssen wir Wert darauf legen, neue Freundschaften zu suchen, die unS in Südamerika willig entgegen- gebracht werden. Wenn daher das Auswärtige Amt mit einer entsprechenden Forderung an den Reichstag heran tret en sollte, bann darf man an­nehmen, dgß die deutschen Volksvertreter dafür Verständnis haben \iub die erforderlichen Mittel bewilligen werden, um dadurch zu zeigen, daß Deutschland als einer der ersten Staaten die neu geschaffenen Tatsachen anerkennt und bereit ist, freundschaftlich mit Südamerika zusammen yu arbeiten.

Als Gast her Reichsregierung.

Berlin, 6. 3a n. (WD.) Die Reichsregie­rung gab heute anläßlich der Anwesenheit des argentinischen Außenministers Dr. G a 11 a r d o ein Frühstück, an dem auch der argentinische Gesandte Dr. Quintana keilnahm. Den Vorsitz an der Tafel führte wegen der Abwesenheit des Reichskanz­lers der bicnftaUdftc Rcichsministcr, Rcichspoft- Minister Dr. Schätz!. Mit ihm waren u. a. er­schienen Reichsminister o. Keudc11, Ministerpräsi­dent Dr. B r a u n, die Staatssekretäre Dr. o. S ch u - b e r t, Dr. Pu nver, Dr. Weismann, Reichs­kanzler a. D Dr. Luther, der Vizepräsident des Reichstags, Profefßor Dr. R i e ß e r, und der Reichs- Pressechef Dr. Zcchlin. Im Verlaufe des Esiens hielt

AeichSpostminister Dr. Sckähl

eine Ansprache, in der er ausführte: Der Herr Reichskanzler Hal mich beauftragt. Sie im Ramm der Reichsregie'herzlich willkommen zu hei­ßen und unserer lebhaften Genugtuung über die Anwesenheit Sw. Erzellenz in der Reichsyaupt- stadt Ausdruck zu verleihen Seit den ruhmvollen Tagen, in denen Argentinien sich die Freiheit erkämpfte, hat Deutschland die beispiellose Entwicklung Argentiniens mit der auf- ridjhgften Sympathie verfolgt Aus dielen Ge­fühlen der Sympathie hat sich lehr bald eine wahre Freundschaft zwilchen unseren b i- den Ländern entwickel, ein: Freund chaft welche auch durch Sic Stürme der letzten Jahre nicht erschüttert werden konnte. Dieser gegenfeiftgen Sympathie. D :tbunbcn mit ber ihrem Lande eigentümlichen großzügigen Gastlichkeit ist es zu verdanken, daß im Lause

der Jahrzehnte soviel Deutsche, die sich In Ar­gentinien niederllehen, dort eine zweite Heimat sanden Dem Austausch materieller Güter folgte bald derjenige kultureller Wechsei- beziehungen. SS ist unser aufrichttger Wunsch, daß diese politischen, wirtschaftlichen und kul­turellen Beziehungen sich immer mehr und mehr vertiefen und verstärken und daß wir berufen sein mögen gemeinschaftlich an den gro­ßen Ausgaben zu arbeiten, die eine endgül­tige Befriedung der Welt zum Ziele Haven. Don gamem Herzen entbiete tch Ihnen deshalb den WlllkommenSgruß der ReichSregie- rung. Der Minister bat laüicfjlidj dem Präsi­denten der argentinischen Ration die Gefühl: aufrichtigster Verehrung zu übermitteln und trank auf daS Wohl de» argentinischen Gaste».

Minister Gallardo

dankte darauf mit tiefer Bewegung für die Worte des RcichSpoftminifteis und jur ben WilllommenSgruh in ber Reichshauptstabt. Der Minister fuhr fort: GS war mir im voraus be­kannt, wie tiesgehenb bie Sympathiegefühle sink», bic Obre mächtige Ration meinem Lande gegen­über hegt und bie ihren Widerhall finden in ber aufrichtigen Bewunderung. die da» argeirtinische Doll für ben hohen Kulturgrab und die hervorragenden Eigenschaften des deut­schen Dolles enrpf indet. Die imtoanbelbare Freundschaft zwischen Deutschland und Argen­tinien begrüubet sich nicht allgemein auf bie Interessen wissenschaftlicher Ra kur, sondern auf ein Gefühl gegenseitiger Hochachtung, auf eine innige Wertschätzung all jener Eigenschaften, die ben nationalen Eha ratter ber betreff en ben Völker blEbcn. Die zur Befriedung ber Welt von Ihren Staatsmännern geleisteten Vorarbei­ten. bie In so nachdrücklicher Weife vermöge ihres Talentes unb ihrer Aufrichtigkeil »ur Klärung ber Stimmung be» europäischen Panoramas bei getragen haben, genieben voll­kommene ÜebereürfHm.mmg mh ber internatio­nalen ilebertleferung Argentiniens Gestatten Cie mir gleichzeitig, ben hohen Wert zu anlerstrei­chen. ben für unser Vaterland ber dl rette unb häufige Kontakt mit Ihren Gelehrten unb wissenschaftlichen Einrichtungen auf weist, ebenfo auch wie all ba» gut aufgenommen unb ge­fordert wirb, was ben Prof ef svren- unb Studentenaustausch zwischen Deutschland unb Argentinien inniger zu gestalten trachtet. Garn besonder» erinnere ich daran, daß für ben Lleberschuß Ihrer arbeitsamen und gtb'.nben Bevölkerung kein Land ber Welt bessere Aus­sichten al» unser au-acdchntes unb reiches Ge­biet darbietet, wo ba» Klima, die LebenS- gewohnheitm, die unermeßlichen noch uvgehobe- nen Schätze, die gerechte ®c?e.3flebimg allen den­jenigen die Segnungen de» Friedens bietet, bie guten Willens sind und sich in unserem Lande niederlassen wollen. Gestatten Sie mir. daß ich mein GlaS erhebe aus das Wohl Sw. Exz^lenz, aus eine glückliche Zukunft dieser großen Ration und auf bie Gesundheit ber her­vorragenden Persönlichkeit, bie mit so großer Umsicht die Geschicke berfeiben leitet, be» Ge­ne ra l s el bm a r scha l l S v. Hinbenburg. Racb Abschluß be» Frühstücks entwickelte sich ein lebhafter Gedankenaustausch ber deutschen Teilnehmer mit ben argentinischen Gästen.

Empfang beim Reichspräsidenten.

Der Herr Reich-Präsident empfing heute nachmittag den argenttnischen Außenminister. Dr. Gallardo. zum Tee. An dem Empfang nah­men außer der Umgebung des Reichspräsidenten u. a. teil ber argentinische Gesanbte unb Frau Quintana, ber Sohn de- Min.sterS. Lcga- ttonSfekrelär Lui- Gallardo. Frau RelchS- rninifter Ctrefemann, ber Staatsletretur de- Auswärttgen Amte- unb Frau v. Schubert. Der Herr Reich-präsibeTtt überreichte Minister Dallarbv beim Wschleb fein B i l b mtt ilnter- schrift in silbernem Rahmen.

wie gestern bas Zentralproblem ber beutschen Außenpolitik, au. knüpfen.

In Frankreich sinb die Aussichten nicht viel günstiger. Im April werden dort die Wah­len aut xammer der Deputiert?n ftattfinben. Ob bas Kabinett Poincarö in seiner seit­herigen Zusammensetzung, die Leute ber Rechten wie Marin urtb Tardieu neben einem Herriot zeigt, zurückkehren wirb, erscheint zweifelhaft, trt>b_ ber starken Stellung, bie brr Kabinettschef persönlich burch das Abstoppen der Franken- inflation und die rücksichtslose Sanierung ber Staatsfinanzen sich erobert hat Mein rechnet mit einiger Bestimmtheit mit einem Ruck nach links, ohne eigentlich hierfür sichere Anha'ts- punkte zu haben, glaubt jedoch nicht, daß der Wahlsieg der Linken so groß lein wird, daß er genügen werde, die Gruppe um Poinearö aus­zuschalten unb z. D. ein Kabinett Driand ober Painleve auf bie Deine zu stellen Iebenfalls find bie Hoffnungen auf eine verstärkte Stellung auch nur des Außenministers Brianb innerhalb eines Wiederkehr?nd n Kabimttz Po.n- care nicht sehr groß. Eine ent'chiedene Wendung zu neuer Aktivität in der französischen Lv - carnopolitik dürste wohl kaum zu erwarten

sein. Größte Skepsis erscheint angebracht, will man unangenehmen Enttäuschungen aus dem Dege gehen.

Run will uns unsere beutsche Linkspresse ä tout prix bavon überzeugen, wie nützlich es für bic Gestaltung ber künftigen Weltlage werben müsse, wenn bic Wahlen zum Deutschen Reichstag, beffen letzte Stimbe normaler­weise erst im Spä'.herbst bieses Jahre- schlagen würbe, vor bm Dahlen in Franlrftch ftert inben würben. Allen voran vertritt bi?fc Auffassung natürlich Herr Theobor Dolsf vom ^Berliner Tageblatt^, ber ja bekanntlich schon in ber Dil- helminischen Aera in P ris bas Gros ax»chsen Hörle und nun ben deutschm Wählern mit bet Dcsohr eines Rechtskur'es in Frankrnch gruseln machen möchte. Zwar meüti auch er gleich darauf etwas Neinlaut, baß bie Möglichkeit, durch b-os beu:fchc Dahlresultat bic Entschnbung in Frank­reich zu beeinflufsen, beschränkt sei. Aber er glaubt, .es würbe boch ein himmlischer Reis in b r Frühlingsnacht auf bie Blaublümel in bes nati: ...len Blocks fallen, wenn ungefähr acht ober vierzehn Tage vor ben Kammerwahlen bie Rieberlage bes b utschen Rationalismus, di' wir alle erwarten, sich zeigen unb bet auf geplusterte