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Nr. 287 Erstes Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 6. Dezember 1928

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Die Illustrierte

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gietzen.

Der kranke König.

Don unserem -f-Derühterst<ttter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, oerboten.

London. 4. Dezember 1928.

Der König tst krank. Die nüchter­nen Berichte der Aerzte täuschen niemand darüber, daß di« Krankheit deS Königs ernst ist. Allein di« Tatsache, daß der Thronfolger, der P r i n c o f Wales, der sich zur Zeit in Oftafrlla befindet, mit größter Be­schleunigung die Heimreise angetreten hat, läßt schlimme Befürchtungen wach werden. Aach den heute feststehenden Reifeplänen wird der Prince os Wales aus Daressalam mit einem Kreuzer nach Suez fahren; von Suez bringt ihn ein Sonderzug nach Alexandria, und in Alexandria steht einer der schnellsten Kreuzer bereit, um den Thronfolger nach Brindisi oder nach Marseille zu bringen. Man spricht das Wort nicht aus; aber jedermann fühlt es: Es ist ein Wettrennen mit dem Tode.

Gewiß ist der Zustand deS Königs durchaus nicht hoffnungslos; aber man weiß schon seit Zähren, daß der König, wenn er auch nicht kränklich ist, so doch eine nicht widerstandsfähige Konstitution besitzt, und diese Erkenntnis führte dazu, den Thronfolger mit allen Mitteln der englischen Oesfenllichkeit menschlich nahe zu brin­gen miß ihn in wiederholten Weltreisen auch der überseeischen Bevölkerung vorzustellen. Denn cs wird ungeheuer schwer fein, den heute regierenden König Georg V. zu ersetzen. Das zu begreifen, fällt so männern deutschen Beobachter und Besucher dieser Znfel zunächst nicht leicht. Daß England ein Königreich nicht nur dem Damen nach ist. daß der Engländer in feinen Königen sich selber ehrt, gehört als Eindruck immer wieder zu den Tleberraschungen desjenigen, der zum ersten Male seinen Fuß auf englischen Boden setzt. Wir wollen hier nicht von der schönen Gewohnheit sprechen, jede öffentlich« Dor­stellung. jedes Programm in einem Lichtspiel­theater mit der Vorführung des Bildes deS Königs und den Klängen der Dationolhymne zu schließen. Die Person des Königs ist in den letzten Zähren zum Träger des Reichsgeöan- tens geworden.

Man ist in England wesenlosen, gedanklichen Konstruktionen immer abhold gewesen. Zm Eng­länder steckt finnfällig und sichtbar ein Stück nordischer Lieber lief erung, gepaart mit einem naiven unmittelbaren, aber durchaus glaubhaften Hang sum Dramatisch-Theatralischen. Wenn das Königspaar bei festlichen Gelegenheiten in feier­lichem Aufzuge in der goldstrotzendeit Staats- aroffe vorüberfährt, wenn der König anderfeits in der schlichten Tracht des Bürgers in den Gärten d(8 Buckingham-Palastes viele Tausende begrüßt, so ist die Teilnahme daran, die häufig als Byzantinismus erflärt wird, doch im Grunde nur der Ausdruck einer durchaus echten Ehr­furcht vor der Tradition des eigenen Volkstums.

Aber es ist nicht nur die Funktion des Trägers der Krone, nicht seine staatsrechtliche Stellung, die heute Gegenstand der Sorge ist. All dieses tritt in den Hintergrund, weil der kranke König in seiner stillen, menschlich-herzlich zurückhaltenden Art. seinem bescheidenen Auf­treten und seiner persönlichen Würde dem Eng­länder gefällt. Zm kleineren Kreise der politisch Llnterrichteten, derjenigen, die um die Wirklichkeit der poli.ischen Dinge etwas wissen, ist man sich auch darüber klar, daß eine ernste Wendung im Befinden des kranken Königs staats­politisch m e h r zu bedeuten hätte als nur einen Wechsel in der Person des Trägers der Krone. Vom deutschen Standpunkte aus kann hierzu ge­sagt werden, daß die Besserung der Beziehungen der beiden Völler nicht zuletzt der taktvollen, sorg­samen Behandlung dieser Fragen durch denKonig zu verdanken gewesen sind. Er hat den deutschen Botschafter stets mit ganz besonderer Auszeichnung behandell, eine Auszeichnung, die nicht selten im Gegensatz zu der nicht immer liebenswürdigen Art der Kabinettsminister stund. Wenn heute die Mitglieder der deutschen Bot­schaft in mancher Hinsicht eine bessere Stellung genießen als selbst vor dem Kriege, so ist das der persönlichen Znitiative des Königs zu ver­danken.

Aber diese Dinge sind in der Oeffentlichkeit natürlich unbemerkt und unbekannt geblieben. Für die maßgebenden Kreise der englischen Po­litik, für das Kabinett und die hohen Würden­träger des Landes ist vielmehr das Bewußtsein bedeutungsvoll, daß diese soeben mit einigen Strichen gekennzeichnete persönliche Bedeutung des Monarchen auch für die heutige innenpolitische Problematik des Staatswesens, das England heute darstellt, von ungeheurer Wichtigkeit ist. So hoch man auch die vom Persönlichen ge­trennte oder die unpersönliche Geltung des Trä­gers der Krone einschähen mag, so übersieht doch niemand, daß von einer sich dem Greisen­alter nähernden unö_ menschlich gewinnenden Er­scheinung mehr Würde und Bedeutung aus- strahtt als von einem jungen König, ber in das Erbe der Väter erst hineinwachsen muß. Ohne Zaudern sind vor vier Zähren die sozialistischen Minister in Hof tracht zu den Staatsbanketten gegangen. Sollte im Laufe der nächsten Jahre die Arbeiterpartei, die auch hier von republika­nischen Tendenzen nicht frei ist, wieder zur Macht gelangen, so erhellt, welcher Art die Sorgen sind, die den staatsbewußten Politiker angesichts der ernsten Erkrankung des Königs bedrücken. Auch hier spürt so mancher, der ein Gefühl für die Untergründe der politischen Willensbildung hat, ein acherontischeS Frösteln.

DieEinheiisfroni der Alliierten in derRäumungsfrage

Redner und Gchristgelehrie.

Aristide D r i a n d ist in seiner frühesten 3u- gend einmal Rechtsanwalt gewesen nicht für lange, denn ein kleiner Zwischenfall beendet« etwas plötz.'ich diese Laufbahn, um ihm eine grö­ßere und ruhmreichere zu sichern. Chamber­lain ist zwar Seiner Majestät Geheimer Rat, aber fein Zurist. Beide also dürsten sich in Rechtsfragen mehr auf die Sachkenntnis Dritter verlassen. Und wie die politische Konstellation im Augenblick ist, besonders feit der Exponent einer englisch-französischen Entente, Sir William Tyrrell, den Hof St. Zam.s in Paris vertritt, wird es in der Regel die Auffassung Poinoar 6 s fein, die in internationalen Rechts­fragen von den beiden Außenministern der West- Mächte tuntigetan wird.

Das haben wir gestern gesehen, als wir Chamberlains Tknterhausretie in der höchst merkwürdigen These gipfeln sahen, Deutsch­land habe die vertragsmäßigen Verpflichtungen nicht in dem Maße erfüllt, daß es auf Grunti des Artikels 431 des Versailler Vertrages einen Rechtsanspruch auf tiie Räumung des Rhein­landes gelten machen könne das hat B r i a n ti in der Kammer paraphrasiert, als er mit un­glaublich banalen und abgebrauchten Argu­menten unge ähr tiie Doktrin vertrat, tiie wir seit Zahr unti Tag in tien ihm früher so feindlich gefinmen Pariser D.ättern nationalistischer Fär­bung sanden. Es mag ein gut Teil politi­scher Taktik in diesen beiden Auslassungen der Männer mitsprechen, die in wenigen Tagen dem deutschen Rerchsaußenminister in Lugano gegenübertreten werden. Es mag sich mehr oder weniger um das übliche Drillantfeuerwerk ge­handelt haben, das besonder« in Frankreich not­wendig ist, um dem außenpolitischen Unter­händler em zuverlässig eingespieltes Orchester für kommende Auseinandersetzungen fern von Paris zu verschaffen. Aber eS steckt doch auch ein Mangel an Erkenntnis darin: an Erkenntnis der Kräfte und Meinungen, die a u f der Gegenseite, in Deutschland obwalten und der vielleicht noch viel wichtigeren inter­nationalen Dolksströmungen zu dem 3tieal einer offenen unti ehrlichen, tien alten Me­thoden der Geheimdiplomati« abgewandten inter­nationalen Politik hin.

Es wirft enttäuschend und entmutigend, wenn man nicht nur alte, längst abgespielte unti witier- legte Argumente über tiie deutschen militäri­schen Möglichkeiten, über den Grundgedanken von Locarno, über Ziel und Zustandekommen der Thoiry-llnterhaltung und über den Anschluß- gedanken leichthin vorgetragen sieht, als handle es sich hier um irgenöeine banale Tagesfrage der politischen Routine-Arbeit unti nicht um tiie politische Schicksalsfrage der Welt schlechthin. Unti wenn man obendrein einen solchen wahrheitswitirigen juristischen Eiertanz aufführt, wie chn Briand mit dem Argument gegen den Anschluß angestellt hat, tien er als tienSelbstmord einer Ration" bezeichnet unti von einer auch nur lOprozentigen Volks- minderheit verhindert wissen möchte (wofern diese Mindecheft nur tien französischen Bedürfnissen entsprechend eingestellt wäre!), so schlägt man damit historischen Wahrheiten unti als heftig verkündeten Grundsätzen des Minderheitenrechts schamlos ins Gesicht.

Es ist fein sehr erquicklicher Auftakt für Lu­gano und für tiie Reparationsverhandlungen, der hier von Öen beiden Außenministern ge­liefert wurde. Der unpräparierte Redner unti der rechtsunkuntiige Znterpret internationalen Rechts brauchen auf Öen Beifall nicht stolz zu fein, Öen sie gefunöen haben; der gesunde eng­lische Sinn hat überdies meist Kritik gezeitigt!

pariser Presseecho.

Man applaudiert.

Paris, 5. Dez. (WB.) Die gestrige Rede Briands wird von der Presse gebilligt. Cs findet sich nur eine Kritik gegen sie in dem so­zialistischenPeuple". Leon Blum schreibt: Die Rede Driantis hat nicht nur tiie öffentliche Meinung Deutschlands enttäuscht unti ver­letzt, sondern auch die öffentliche Meinung der Welt, weil sie sich in Ton unti Linie von den Worten und früheren Handlungen Briands ent­

fernt. Briand hat tiie Eröffnung der Rhein- lantiverhantilungen, die tiie notwendige unti un­vermeidliche Folge von Locarno und Thoiry, dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbund unti der Unterzeichnung des Locarnopaktes waren, angenommen. Aber wenn diese Verhandlungen Erfolg haben, wie auch ich die vollkommene lleberzeugung habe, hat Briand im Voraus dieses Gelingen eines Telles seines Inhalts von Vertrauen, Wiederversöhnung unti Pazifismus beraubt. DerM atm" schreibt: Die Kam­mer bereitete dem Redner in allen Punkten eine warme Aufnahme, tier besonders hervorgehoben hat. daß er in allenFragen mitPoincarö völlig einig ist. Rechts unti in der Mitte des Hauses schien man eine gewisse Koketterie darein zu setzen, bei allen Stellen, die sich auf die Politik von Locarno bezogen, der gegen­über man lange hier eine gewisse Reserve ge­zeigt hatte, zu applaudieren. Das beöeu-

London, 5. Dez. (WB.) Im Unterlaufe richtete Thurtle an Chamberlain die Anfrage, ob er in Verbindung mit der Frage der weiteren Be­legung des Rheinlandes der von dem ver­storbenen Präsidenten Wilson, Clemenceau und Lloyd George unterzeichneten Erklärung, die im Juni 1919 zur Interpretation des Artikels 431 des Versailler Vertrags veröffentlicht wurde, Be­achtung geschenkt habe. In dieser Erklärung, so er­klärte Thurtle, ist mitgeteiü worden, daß die alliierten unti assoziierten Mächte, wenn Deutschland z» einem früheren Zeitpunkt als nach Ab­lauf der 15jährigen Frist Beweise feines guten Willens und befriedigende Bürgschaften für feine Absicht, alle feine Ver- pflichtungen zu erfüllen, gegeben habe, bereit fein würden, über eine frühere Beendigung der Besetzung untereinander zu einem Abkommen zu gelangen.

Staatssekretär Chamberlain:

Jawohl. Die ftagliche Erklärung besagte, wenn Deutschland zu einem früheren Dalum als dem 10. Januar 1935 einen Beweis seines guten Willens und zufriedenstellende Garantien für die Sicherung der Erfüllung feiner Verpflich­tungen gegeben habe, dann würden die inter­essierten alliierten und assoziierten Mächte, näm­lich Großbritannien, Frankreich und die ver­einigten Staaten sich bereit finden, un­tereinander ein Einvernehmen über eine frühere Beendigung der Vesehungszeit herbei- zusühren. Die ehemals alliierten Mächte sind auch jetzt von dem Geist der Erklärung vom 16. Juni 1919 beseelt, wie die in Genf am 16. September dieses Jahres von den Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, Belgiens, Ita­liens, Japans und Deutschlands angenommene Entschließung zeigt, in der die Er­öffnung offizieller verhandlun- gen hinsichtlich einer baldigen Räumung des Rheinlandes gebilligt wird.

Thurtle fragte dann:Äann ich dann der Auf­fassung sein, daß Deutschland nicht notwendig sämtliche die Reparationen betreffenden Vertrags- artitel voll und ganz erfüllt haben muß, um eine Prüfung der Frage der Räumung des Rheinlandes zu erreichen?" Chamberlain verwies den Abgeordneten lediglich auf feine Antwort vom Montag. Als darauf der Abgeordnete Thurtle fragte, ob nicht ein Widerspruch zwischen der Antwort Chamberlains vom Montag und seiner heutigen bestehe, wurde dies von Chamberlain be­stritten.

Als Kenworthy fragte, ob Chamberlain bei der Abfassung feiner Antwort vom Montag der Inhalt des Locarno-Paktes gegenwärtig gewesen sei, antwortete Chamberlain bejahend, be ft ritt aber, daß der Locarno-Pakt mit der Auslegung des Vertrages von Versailles i n irgendeiner direkten Beziehung stehe. Auf eine Frage Rennie Smiths, ob der Staatssekre-

tet, baß unsere Außenpolitik sich von nun an einer ungeheuren Mehrheit erfreuen wird unti daß keine andere augenblicklich möglich ist. DieLiberi e" schreibt, man brauche nicht intelligent zu sein, um vorauszusehen, tiaß nach einer Serie von Konzessionen der Augenblick gekommen fei, in dem sich tiie Rotwendigkeit ergeben werde, Deutschland c in Rein zuzu­rufen, unti das fei gerecht, Deutschland tiaS Recht gegenüberzustellen und ihm aufs neue öen Zwang fühlbar zu machen. Dieser Augenblick fei gekommen. Genau wie zur Zeit öer Ruhrbesehung ersetze jetzt öic zweite unti dritte Zone des Rheinlandes Essen. Durch dieses Druckmittel könne man eine Zustim­mung Deutschlands zu Frankreichs berechtigten Forderungen erlangen. Man würde sich einem neuen Traum hingeben, wenn man hoffe, Deutschlands Dankbarkeit und seine Freundschaft zu erringen.

tär h i n s i ch t l i ch d c r j u r i st i s ch c n S e i t e der Frage in seiner am Montag erteilten Antwort, das von seinem Vorgänger im Staatssekretariat des Aus- roärtigen 1919 unterzeichnete Dokument in Rech­nung gezogen habe, antwortete Chamberlain im wesentlichen, daß dieses Dokument keinen Be­zug auf die von ihm am Montag abgegebene Er­klärung habe. Nennte Smith:Ist dieses Dokument nicht eine Interpretation der juristi­schen Seite der Angelegenheit?"

Chamberlain:

Rein, gewiß nicht. Das-Dokument ist eine Erklärung der Absichten der drei genannten alliierten Regierungen und eine gegenseitige Verpflichtung zwischen diesen drei Regierungen. Es ist nicht eine Verpflichtung gegen­über der deutschen Regierung oder gegenüber anderen alliierten Regierungen, obwohl alle diese Regierungen zur Zeit im Geiste dieser Er­klärung handeln.

Wetigewooti: Was immer auch tiie juristische Interpretation des Art. 431 fein mag, ist cs a ls ungültig zu betrachten, tiaß wir, solange tiie derzeitige Regierung im Amte ist, uns der französischen Auffassung entlie­ßen, diese beiden Fragen, nämlich di« Räumung und tiie Reparationen, in zwangläufi gern Zusammenhang zu hatten und tiie deutsche Rechtsauffafsung zu bestreiten, daß die beiden Fragen nicht im Zusammenhang stehen. Cham­berlain ersuchte den Abgeordneten, feine Frage fchristlich einzureichen. Wedgewovti:Ha­ben tote nicht einen Anspruch darauf, dies end­gültig klargestellt zu sehen? Die Ant­wort am Montag war nicht klar. Was ich wissen möchte, ist, ob die Antwort, die der Staats­sekretär am Montag hinsichtlich des juristischen Znhattes des Art. 431 erteilt hat. Großbri- tannienverpflichtet, nunmehr tiie fr an» zösi schen Rechtsansprüche gegen die deutschen Rechtsansprüche zu unter­stütze n." Chamberlain ersuchte daraufhin tien Abgeordneten nochmals, seine Frage schrift­lich einzureichen. Angesichts der Bedeutung der Angelegenheit habe er ein Recht darauf, daß ihm derartige Anfragen vorher angekün­digt würden.

Eine deutschnationale Interpellation zur Außenpolitik.

Berlin, 6. Dez. Die deutschnationale Reichs- tagsfraktion hat eine Interpellation eingebracht, in der die Reichsregierung gefragt wird, ob sie bereit sei, dem Völkerbünde zu erklären, Deutschland werde, falls tiie Tagung der vorbereitenden Abrüstungskommis- f t d n nicht zu dem vorgesehenen Zeitpunfte statt- fintict und nicht zur Einberufung der Ab­rüstungskonferenz mit dem Programm einer für alle Völkerbundsmitglieder gleichartigen Regelung führt, seine Mitarbeit in der vorbe-

Rhmland-ebaüe im britische« Mechaus.

Unangenehme Anfragen der Opposition. Chamberlain weicht aus.

Denn di« Sorge um den kranken König ist ja tiie Sorge um tiaß eigen« Schicksal. Eine neue Generation wächst heran. Wird sie imstande sein, tien am Horizonte aufziehen den Gefahren zu begegnen ? Englands Größe stammt aus tier Achtung vor dem historisch Gewordenen. Dieses Reich hat sich organischer entwickelt als je em Weltreich vor ihm. Seine Selbst­herrlichkeit bedarf auch äußerlich tier Krönung. Unti darum, weil sie dessen bedarf, ist es niemals gleichgültig, wer heute unti wer morgen König ist.

Der König ist krank. Heute oder morgen kann eine Krisis auftreten. Wie sie ausläuft, hängt nur noch von der Widerstandsfähigkeit des Körpers ab, der heute Träger der Krone des englischen Weltreiches ist. Aber es ist nicht nur der Träger der Krone, es ist tier Träger tier Einheit tier Ration. Die Krisis mag ausgehen, wie sie will, sie brachte das steht heute schon fest für jeden unvoreingenomme­nen Chronisten die Erkenntnis, tiaß auch im Leben tier Volker von heute in unserer an­geblich so modernen Zeit, tiie angeblich von

früheren wesensverschietien ist tiie nicht ver­standesmäßig erfaßbaren Kräfte tiie wirklich maß» gebenden für die politische Größe eines Volles sind.

Günstiger Krankheiisbericht.

Lympalhiekundgcbung der Arbeiterpartei.

London, 6. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nach dem gestern Abend ausgegebenen Krankheitsbericht hatte der König einen ruhigen Tag ver­bracht. Die Temperatur ist im Vergleich zu Dienstagabend gestiegen, ein Beweis, daß die Verschlimmerung der Infektion weiterhin aktiv ist. Die Kraft ist aufrechterhalten. An maß­gebender Stelle hält man das Abendbulletin für nicht ungünstig und unterstreicht, daß der allge­meine Zustand der Körperkräfte sich auf demselben Niveau gehalten hat. Es sei seit mehreren Tagen das erstemal, daß die Aerzte hinsichtlich des allge­meinen Kräftezuftandes, dem die allergrößte Wich­tigkeit beigemessen werde, eine beruhigende Erklä­rung abgeben konnten. Das erneute Ansteigen des

Fiebers fei lediglich einer der Wechselfälle, mit denen man von vornherein gerechnet habe, und habe keinerlei alarmierenden Charakter. Der Zu­stand des Herzens fei nach wie vor der Gegen­stand, dem die Sorge der Aerzte vor allem gelte. Einer der Aerzte wird von jetzt ab die Nacht im Palast verbringen.

Der Prinz von Wales ist an Bord des KreuzersEnterprise" am Mittwoch in Aden eingetroffen und nach Auffüllung des Brenn­stoffes sofort wieder in See gegangen. Der Kreuzer hat die 1750 Meilen lange Strecke von Dares­salam nach Aden in nur 731 Stunden zurückgelegt. Der Prinz wird wahrscheinlich die Reise an Bord des Kreuzers f ortfeßen und nicht, wie er­wartet, auf den KreuzerFrobisher" umsteigen. Der Herzog von Gloucester ist am Mittwoch nach Kapstadt abgereist, wo er sich am Freitag nach England einschiffen wird. Der Vollzugsrat der Arbeiterpartei richtete eine Sympathie- kundgebung an den König, in der der Hoffnung auf eine baldige Genesung Ausdruck ge­geben wird.