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Sachsen und bet Pfalz Auch im 2t^rärl<m6 unb R.ederlachsen sowie in Oberbayern wird über flauen Geschäftsgang geklagt. Die Beschäftigung der Hutindustric war zufriedenstellend. Der Wäschembustrie fehlten in Sackfen und Hes sen Spezialkräfte (perfekte Oberhemdennäherrnnen). 3n Oberbayern bestanden gute Hnterbrrngungg- möglichkeiten für Weißnäherinnen.

3m Holz- und Schnitz st ofsgewerbe war die Beschäftigung weiter befriedigend. Dur in einigen Drzirten bestand noch Nachfrage nach Bau- und Möbeltischlern. Die Möbelindustrie war örtlich sehr verschieden beschäftigt.

3n der ChemischenIndustrie wurde der bisherige günstige Stand in der Beschäftigung ge­halten, nennenswerte Einstellungen sind nicht er­folgt.

Auch da- Baugewerbe bot weiter im all­gemeinen gute älnterbrinaungsmöglichkeiten; allerdings waren, wie aus Stuttgart berichtet wird, die Beschäftigungsverhältnisse vielfach nur von kurzer Dauer. 3n der Baustoffindustrie blieb die Deschästigungslage weiter befriedigend: nur aus Hessen wird eine weitere leichte Verschlech­terung gemeldet.

3m D a st - und Schankwirtschaftsge­werbe hielt die saifonmäßige AufnahmefähiKeit weiter an. Der Bedarf an tüchtigem Fachpersonal konnte nicht immer gedeckt werden.

Auf dem ArbertSmarkt für ungelernte Ar­beiter blieb die Dermittlungstätigkeil ziemlich rege, allerdings handelte es sich »um größten Teil um AusKlssstellen. Die Abnahme der aus der Arbeitslosenversicherung unterstützten Ar­beitslosen am 15. Suli gegenüber Ende 3uni um 31 000 und die Abnahme der aus der Ärifenfür- sorge unterstützten Personen um 24 000 in der gleichen Zeit ist mir zum Teil aus die Besserung des Arbertsmarktes. zum unteren Teil auf den Ablauf der Uebergangdbeflimmungen tn der Arbeitslosen­versicherung zurückzuführen.

Von den Gchlachtviehmärkien.

DaS Geschäft an den deutschen Schlachtvieh­markten war m der Berichtsperiodc ziemlich unterschiedlich, entsprechend der unregelmäßigen Beschickung. Das Angebot war überwiegend reichlicher, doch stand diesem auch eine größere Dachs rage gegenüber, zumal die Schulferien zu Ende sind und man mit einem vermehrten Kon­sum rechnet. Der sehr stattliche Export entlastete zusehends. Auch das gute Abschneiden der Frisch­fleischmärkte wirkte günstig ein. Die Auftriebs- zah^en waren allgemein erhöht und betrugen für Binder 21 000 (1Z 500), Kalber 20 300 (18 500), Schafe 14 300 (9000) und Schweine 7Z 700 (69 500).

Bei Großvieh waren vor allem gute Stiere und junge Ochsen begehrt. Der Versand trat lebhaft in Erscheinung. 3n fetten Weidekühen war fast fein Bedarf, und diese gaben vorwiegend leicht nach, während sonst der Markt durchweg 2 bis 4 Pf. besser lag. Kälber fanden schlanke ilnterfunft bei Besserungen bis zu 6 Pf. Der Schafmarkt war von potenten Käufern besucht und vorwiegend um 2 bis 3 Pf. gebessert. Schweine lagen gut disponiert. Namentlich mittelschwere und leichte Qualitäten waren bevorzugt. Das flotte Geschäft hinterließ feinen Best. Aufschläge von 2 bis I Pf. bildeten die Begel.

Die nachstHenden Preise verstehen sich in Pfennig per Pfund Lebendgewicht.

Rinder

Kälber

Schafe Schweine

Berlin

18-62

45-79

30-67

62-74

Bremen

20-58

45-80

25-62

56-73

Breslau

18-54

40-63

40-60

60-72

Lhemnitz

23-58

42-68

47-56

55-72

dort mund

28-64

5588

57-75

Dresden

26-60

52-75

50-65

60-71

Düsseldorf

2'2-66

45-80

60-76

Silberfeld

25-64

45-83

60-75

Bfien

26-59

50-115

36-57

60-75

Frankfurt M.

28-60

55-74

48-52

60-77

Hamburg

15-60

35-88

17-62

52-65

Hannover

20-60

40-90

34-65

58-7'2

Husum

18-58

44-56

Karlsruhe

14-58

4977

53-73

Kassel

25-61

50-65

60-68

-kiel

20-50

33-72

55-62

46-69

Üöln

20-62

50-110

60-76

Leipzig

25-63

50-74

30-64

60-75

Magdeburg

20-62

40-80

30-60

60-76

Mannheim

13-61

50-82

45-50

60-76

München

18-58

55-80

56-76

Stettin

15-57

30-74

20-60

60-73

Stuttgart

15-58

45-70

50-74

Zwickau

20-52

50-70

45-62

64-71

* Die amtliche Großhandclsricht- ;ahl. Die auf den Stichtag des 1. August bered)» lote Großtzandclsrichtzahl des Statistischen Reichs» livtes weist gegenüber der Vorwoche mit 141,7 keine Veränderung auf. Die Richtzahlen der 5)auptgruppe Baren für Agrarftoffc mit 137,5, für industrielle

Rohstoffe und .^atomaren mit 134,7 und für in­dustrielle Fertigwaren 159,5 ebenfalls unverändert. Die Richtzahl für Kolonialwaren stellte sich auf 136,3 (Vorwoche 136,0).

Der Absatz des Kalisyndikates im 3u li. Der Ab,atz der Deutschen Kalisyndikat- G. m. b. H. im 3uli 1928 betrug 1 026 085 Doppel­zentner Beinkali gegen 888 281 Doppelzentner Beinlali im gleichen Monat des Vorjahres. Der Absatz in den ersten drei Monaten des laufenden Düngejahres (Mai bis 3uli) beträgt 2 662 567 Doppelzentner Beinkali gegen 2 147 960 Doppel­zentner Beinkali in den ersten drei Monaten des Düngejahres 1927 28. Der Absatz in den ersten sieben Monaten des laufenden Kalender­jahres beträgt 9 056 395 Doppelzentner Bernkali gegen 8 037 686 Doppelzentner Beinkali in der gleichen Zeit des Vorjahres.

PhosgengaSi n den Höchster Farb­werken. Anläßlich des Phosgengas-älnglückes in Hamvurg hatte die Bezirksrats-Fraktion der SPD. angefragt, ob bei der 3.-G.-Farbenindustrie Phosgen oder ähnlich wirkende Stoffe lagern oder verarbeitet werden. Die Anfrage wurde in der letzten Sitzung dahin beantwortet, daß die Farbwerke zugegeben haben, daß in ihrem Werk PhoSgengas lagere und tn geringen Mengen öer­arbeitet werde. Das Gewerbe amt beschäftigt sich zur Jett noch mit der Angelegeicheit und be­sonders auch damit, daß genügende Sicherheiten gegen Personen- und Sachschäden getroffen werden.

Kohlenförderung im Ruhrgebiet. Bach vorläufigen Berechnungen wurden in der Zeit vom 22. bis 28. 3uli im Ruhrgebiet in sechs Arbeitstagen 2 149 954 Tonnen Kohle gefördert gegen 2145 852 Tonnen in der vorhergehenden Woche bei ebenfalls sechs Arbeitstagen. Die Kokserzeugung stellte sich in den sieben Tagen der Derichtswoche (in den Kokereien wird auch Sonntags gearbeitet- auf 564 368 Tonnen gegen 554 922 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die Preßkohtenherstellung aus 62 011 Tonnen gegen 64 912 Tonnen in 'echs Arbeitstagen. Die arveitStägliche Kohlenförderung betrug in der Zeit vom 22. bis 28. 3uli 358 326 Tonnen gegen 357 642 Tonnen in der vorhergehenden Woche, die tägliche Kokserzeugung stellte sich auf 80 624 Tonnen (79 275 Tonnen), die arbeitstägliche Prcß- kohlenherstellung auf 10 335 Tonnen (10 819 Ton) neu). Wegen Absatzmangels wurden in der Be­richtswoche 74 458 (arbeitstäglich 12 410) Feier­schichten eingelegt, gegen 74 226 (12 371) in der Vorwoche.

Samjaon Apparatebau A.»G. Frank» su r t a. M. Die (8.23. beschloß für 1927/28 aus dem nach 17 247 (i. 23. 18 193) Mk. Abschreibungen verbleibenden Reingewinn von 70 303 (38 688) Mk. wieder Erhöhuna der Dividende auf 15 Prozent (i V. 10 Proz.). Die Aussichten im neuen Jahr seien günstig. Der Auftragseingang, besonders auf die neuerworbenen Patente (Wärmemesser und Dampf» zähler) sei gut.

Frankfurter Börse.

F ra n k f u r t a. M., 6. Aug. Tendenz: freund» lich. Zum Wochenbeginn konnte sich die schön im vorbörslichen Verkehr bemerkbar machende freundlichere Stimmung weiter fortsetzen. Der weiter flüssige Geldmarkt und der feste Schluß der Neuyorker Börse vom Samstag regten an. Das Geschäft konnte jedoch keine besondere Be­lebung erfahren, da von einer Beteiligung der Bank» kundschaft am Börsengeschäft immer noch sehr wenig zu merken ist. Die Umsätze beschränkten sich daher im allgemeinen auf die Kulisse, die, ermutigt von den erwähnten Anregungen, verschiedentlich zu etwas größeren Deckungen schritt. Gegenüber der Frankfurter Abendbörse von Freitag betrugen die Kursbesserungen zumeist bis zu 1,5 v. H. Rur S p e z i a l w e r t e , für die sich stärkeres In» teresse bemerkbar machte, konnten sich kräftiger er­holen. So waren besonders von Kaliwerken Westeregeln 7,5 v. 5). und Salzdetfurth 2,5 v. H er­höht, da der gesteigerte Kaliabsatz im Juli nicht ohne Einfluß blieb. Am Mo ntanmarkt waren Mannesmann mit plus 2,25 v. H weiter etwas reger umgesetzt. Rheinische Braunkohlen und Po» Inphon nur gut behauptet. Ferner machte sich noch für die Zellstoffwerte lebhafteres Interesse bemerkbar. Zellstoff Waldhof konnten 3,25 v. fj. und Aschaffenburger Zellstoff 2 v. j). anziehen. Am Elektromarkt fanden Chadeaktien mit plus 7 Mark Interesse. Siemens und Licht & Kraft konn­ten je 2 v. f). gewinnen. Am Farbenmarkt waren I.-G.-Farben nur wenig beachtet. Trotzdem konnten dieselben 2 v. f). gewinnen. Scheideanstalt eröffneten nur behauptet. Von den Bankwerten hatten Reichsbank mit einem Kurs von 293 regeres Geschäft. Danatbank waren dagegen vernachlässigt und etwas schwächer. Einiges Interesie bestand noch für Norddeutscher Lloyd mit plus 1,75 d. $)., Karstadt mit 2,5 o. H. Am Ren- t e n m a r k t waren Ablösung ohne Option ver­

nachlässigt und etwas schwächer. Deutsche An» leiben hatten keine Umsätze zu verzeichnen. Im Verlaufe brodelten die Kurse auf Realisationen der Tagesspekulation zumeist etwas ab. Westeregeln gaben von ihrem Anfangsgewinn wieder 3 v. f). her, dagegen blieben Farben gut behauptet. Das Geschäft wurde im allgemeinen recyt still. Der Geldmarkt war kaum verändert. Tägliches Geld 6/5 v. f). Am Devisenmarkt erfuhr der Dollar-Kurs eine weitere Erhöhung. Man nannte Mark gegen Dollar 4,1958, gegen Pfund 20,365, London gegen Kabel 4,854750, Paris 124,20, Mai­land 92,80, Madrid 29,54, Holland 12,09.

Berliner Börse.

Berlin, 6. Aug. Auch nach der jmcitägigen Unterbrechung des Verkehrs hatte sich an der zu - oersichtlichen Stimmung der letzten Zeit nichts geändert, da die dazwischenliegenden Aus» landbörsen einen festen Verlauf genommen hatten, zumal die Zinssätze dort, ebenso wie bei uns, weiter rückläufige Bewegung zeigen. Sonst lagen nennens- werte Anregungen nicht vor, da aber die Spekula­tion aus ihrer Reserve herausgeht, und es in Spezialwerten zu recht lebhaftem Umsatz kam, konnten die ersten Kurse gegen die Freitagsschluß­kurse zumeist 1« bis Zprozentige Besserungen aufweisen. In Elektrowerten sollen einige kleinere Auslandkauforders zur Ausführung ge­kommen fein, besonders Ehade-Aktien (plus 12 Mk.) fanden stärkere Beachtung. Der Bericht über den Kaliadsatz, nachdem die guten Dorschät- zungen noch übertroffen werden, regte für die Kaliwerte an und Salimerte erfuhren eine Steigerung von 5 Prozent. Polyphon plus 15 Proz. und Akkumulatoren plus 19 Prozent. Deutsche Anleihen freundlich. Aus» länger still und nicht einheitlich. Pfandbrief­markt gehalten. Lissaboner Stadtan- leihe plus 0,5 Proz. Der Geldmarkt war wei­ter leichter. Tägliches Geld 5,25 bis 7 Proz. und vereinzelt darunter bis zu 5 Prozent. Monatsgeld bis 9 Proz. Warenwechsel etwa 7 Proz. Nach kleinen Glattstellungen der Spekulation auf die anfängliche Steigerung wurde cs später wieder fester. Die anfänglich stärker gedrückten Harburg Phö- n i x gewannen 1,5 Prozent zurück Poln - P b o n gingen 4 Prozent über Anfang. Am Elek- t_r o m a r 11 hielten die Auslandkäufe, speziell der Schweiz an, Für den Montanmarkt inter­essierte sich anaeblich das Rheinland. Von einem stärkeren Einfluß der gehegten Pläne des Harrymannkonzerns war wenig die Rede, auch ist von den in Frage kommenden Werten kurs- mäßig kaum etwas zu hören.

Frankfurter (Getreidebörse.

Frankfurt a. M.. 6. Aug. Zum Beginn der neuen Woche verkehrte der Frankfurter Pro- duktenmarlt in äußerst zurückhaltender und ru­higer Haltung. Weizen konnte sich im Preise be­haupten. Weizenmehl verlor 0,25 Mk., stärker abgeschwächt war Roggen mit 0,25 Mk.. und Roggenmehl mit 0,50 Mk. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 25; Roggen 23,50; Sommergerste für Brauzwecke 27 50 bis 28,50; Hafer, inländischer 26,75 bi« 27; Mais (gelb) für Futterzwecke 24,75; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 34 bis 34,50; Roggenmehl 33,50 bis 34,50; Weizenkleie 14,25; Roggenkleie 15,50 bis 15,75; Erbsen, je nach Qualität für Speisezwecke 32 bis 60; Linsen, je nach Qualität für Speisezwecke 50 bi« 95; Heu, süddeutsches, gut, gesund, trocken 8; Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt 3,75 bis 4,00;Weizen- und Roggenstroh, gebündelt 3,00 bis 3,25; Treber, getrocknet 18,50 bis 18,75. Tendenz: ruhig.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. TI., 6. Aug Auftrieb: 1662 Rinder, davon 439 Ochsen, 109 Bullen, 690 Kühe, 424 Färsen, 590 Kälber, 74 Schafe, 5920 Schweine. Rinder. Ochsen: vollst., ausgemäftete, höchsten Schlachtwerts, jüngere, 57 bis 60 Mk., ältere 53 bis 56 Mk., sonstige vollfl., jüngere, 47 bis 52 Mk. Bullen: jüngere, vollst., höchsten Schlachtwerts 49 bis 53 Mk., sonstige vollst, oder ausgemästete 44 bis 48 Mk. Kühe: jüngere, vollst., höchsten Schlacht- werts 44 bis 49 Mk., sonstige vollfl. oder ausge­mäftete 39 bis 43 Mk., fleischige 33 bis 38 Mk., ge­ring genährte 28 bis 32 Mk. Färsen (Kalbinnen, Iungrinder): vollst., ausgemäftete, höchsten Schlacht- Werts 57 bis 60 Mk., vollfl. 53 bis 56 Mk., fleischige 46 bis 52 Mk. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 72 bis 75 Mk., mittlere Mast- und Saugkälber 66 bis 71 Mk., geringe Kälber 54 bis 65 Mk. Schweine: Fettschweine über 300 Pfd. Lebendgewicht 74 bis 76 Mk. vollfleischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfd. Lebendgewicht 75 bis 77 Mk., vollsteischige Schweine von etwa 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 75 bis 77,50 Mk., vollst. Schweine von etwa 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 75 bis 77,50 Mk., fiel- schige Schweine von etwa 120 bis 160 Pfd. Lebend­gewicht 72 bis 75 Mk., Sauen 60 bis 67 Mk.

Marttverlaul: Rinder bei regem Handel nahezu au* verkauft. Schweine bei lebhaftem und Kälber unb Schafe bei ruhigem Geschäft geräumt.

Kunst und Wissenschaft.

yändel-llrausführung in Leipzig.

3m Le i pzi ge r Opernhaufe wurde di» Händel oper .Alkina" urauf geführt Der Tert» dichter M a r i n i hat die reizend« Episode der Liebesfahrt Ruggieros gewählt, der der anmutt« gen Zauberin Alkina tn selbstbetrügertscher Ver­gessenheit verfallen ist; Bradamante mit der Ruggiero verlobt war. folgt ihm als 3üngling verkleidet nach, und eS gelingt, den Gebebte» der raffinierten Zauberin zu entreißen und aut Tugend zurückzuführen. Die Musik Händels ist von einer fast übersinnlichen Kraft und Schön­heit. Die Aufführung unter Oskar Braun als Dirigenten war gut. Die 3nfzenierung des Opecn- direktors Brügmann durch Einfachhei: der Linie bedingt. - K. V.

Buntes Allerlei.

Raubüberfall auf eine Kinokasse.

Am Sonntagabend überfiel ein junger Bursche die Kasse desKurfürstentheaters' am Berltner Kurfürstendamm und raubte etwa 600 Mark. Auf Hilferufe der Kassiererin nahmen Vorüber­gehende des dickt belebten Kurfürstendammes die Verfolgung auf. Es entspann sich eine wilde 2agd. An der Ecke der Ioachimsthaler und Kantstraße brach der Räuber zusammen, fiel in die Schaufensterscheibe eines Geschäfts und wurde verhaftet.

Ein menschlicher Vielfraß eine Sehenswürdigkeit vor 200 Jahren.

Die Ungeheuer und Seltsamkeiten, die dal Raritätcnkabinett der Ratur liefert, haben vo» jeher die Reugierde der Menschen auf sich ge­zogen. Liber manches von dem. was fick früher für Geld sehen liefe, würde in unserer zarter besaiteten Zeit kaum noch dargeboten werden dürfen. Dazu gehört ein »menschlicher Vielfraß", über den F. Landsberger in den von ihm bet» ausgegebenenSchlesischen Monatsheften" einen Bericht veröffentlicht. Die merkwürdige Schilde­rung findet sich in einem auf der Breslauer Alni» verfitätsbibliothek befindlichen Tagebuch von Stemberger. .Anno 1701 den 27. Oktober zu« Elisabeth-Jahrmarkt war vorm Ohlauischen lot ein menschlicher Vielfraß für Geld zu sehen", heißt es da. »Die Person gab 1 Silbergroschen. Gs war ein junger, starker Mensch von 20 Jahren, aus Böhmen gebürtig, von kleiner Person und blasser Farbe, eines recht gräßlichen Ansehens. Seine Augen lagen tief im Kopf mit eingefallenen Backen, großen Mauls unb schlanken Leibes. fraß rohes Fleisch. Fische. Geflügelwerk mitsamt den Federn, ein lebendig Kaninchen nahm er. biß ihm den Schwanz ab. zerrife daS Fell mit den Zähnen und frag es mit den Haaren hinein, schluckte auch dazwischen statt der Gurken ziemlich große Kieselsteine hinunter, deren etliche fast eint kleine Walnuß groß gewesen, und zwar hx solch« Anzahl, daß man bei der Betastung des Magens solche darinnen hat rasseln hören und fühlen können. 3a, er frafe auch Filzhüte. Perücken, Tuch, Leder. Werg, tote Katzen und Hunde, welches schrecklich anzufehen war. und in Berlin hat er sich sogar verlauten lassen, wenn mal ihm 30 bis 40 Reichstaler gäbe und acht Tags Zeit ließe, so wollte er den neulichst Gehenkt« mit Kleidern und Knochen ganz auf treffen... <Jr prätendierte aber bei jeder Mahlzeit 20 Quart guten Bieres und so viele Quart Weins. ®r ver­zehrte eine Hammelkeule gaiu mit Fell und Knochen in Zeit von einer halben Viertelstunde. Sein Trunk war Bier und Branntwein, zu welch letzterem er sonderlich geneigt ist; daher man ibn davon abhalten muß, weil sein Bruder, der gleich wie er geartet gewesen, sich im Branntwein -« Tode gef offen..."

Der Löwe im Pariser Nachtlokal.

Die Tänzer eines der bekanntesten Paris« Rachtloiale wurden an einem der letzten Abend« durch das Erscheinen eines Löwen im Lokal heftig erschreckt.. Das Programm war in voll«! Gange, als der Löwe, fein Salon löwe, sonder» ein echter, feinen Kopf durch die Tür steckte, hereinfpazierte unb beim Anblick des Kuchens auf dem Büfett heran ff prang unb die Pastet« verschlang, während die Anwesenden in toUber Panik aus dem Saal stürzten. Der Löwe, ei» junges Tier, liefe sich nicht stören, sprang bamr von der Tafel und wandelte noch eine Weist im Saale herum. Schliefelich erschien fein Herr. Dieser erzählte, daß er fernen Schützling im Auw mitgenommen hatte, um ihm em wenig frisch» Luft zu besorgen. Hierbei fei das Tier aul­gerückt unb in daS Lokal entwischt.

Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.

Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschloffenen Dividende an. Reichsbankdiskont 7 Prozent, LombardzinSfuß 8 Prozent.

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