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Nr. 56 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Dienstag, 6. Mörz (928

Nachspiel zum Kranhprozeß.

Der Preußische Zustizminister im Landtag.

3m preußischen Landtag nahm bei der Suftia- debatte Justizminister Dr. Schmidt das Wort zum Krantz-Prozeß. Rein vom juristischen Stand­punkte aus und unter Weglassung der anderen Probleme, die der Krantz-Prozeß aufrollte, näm­lich des pädagogischen, des weltanschaulichen, des soziologischen usw., ist folgendes zu sagen: Man mag über die Einzelheiten des Verfahrens denken wie man will, man wird aber anerkennen müssen, daß der oberste Grundsatz für jedes Straf­verfahren, auch für diesen Mordprozeß, sein muh: Das beste Recht zu finden.Rach meiner Ansicht haben auch die beteiligten Justizbeamten, also insbesondere der Verhandlungsleiter und der Leiter der Staatsanwaltschaft, sich diesen obersten Grundsatz immer vor Augen gehalten. Rach dem Ergebnis der ordnungsmäßig durch­geführten Voruntersuchung war gegen Paul Krantz ein dringender Verdacht wegen Vei- hilfe am Morde an Stephan und ein dringender Verdacht wegen Verabredung zum Mord an Hilde Scheller gegeben. Daraus folgte, daß nach den herrschenden Prin­zipien die Anklage erhoben werden mußte. Die von einer Zeitung gebrachte Mitteilung, das Zustandekommen der Krantz-Anklage sei auf das Eingreifen eines früheren hohen Justiz- beamten zurückzuführen, entbehrt jeder Grund­lage. Rur sachliche Erwägungen der Staats­anwaltschaft haben zur Anklageerhebung geführt. Run ist von vielen Seiten beanstandet worden, daß die O e f f e n t l i ch k e i t im Krantz-Prozetz nicht ganz oder wenigstens tellweise ausgeschlos­sen worden ist. Dazu ist zu sagen: Bereits durch eine allgemeine Verfügung des Justizministe­riums sind die Staatsanwaltschaften ersucht wor­den, in strasgerichtlichen Verfahren der Frage, ob Grund zu einem Ausschluß der Oeffentlichkeit vorliegt, ihre besondere Aufmerksamkeit zuzu­wenden. Beim Krantz-Prozeß hätte die Staats­anwaltschaft ohne Schaden für das Verfahren auf den Ausschluß der Oeffentlichkeit. wenig­stens für Teile der Verhandlungen, h i n w i r - kcn sollen (Sehr richtig! rechts und in der Mitte). Besonders heftige Angriffe sind erfolgt, well die jugendlichen Zeuginnen, Scheller und Ratti, vereidigt worden sind. Das Gericht, dem auch sechs Laienrichter an­gehörten, hat sich jedoch zur Vereidigung der Zeuginnen gerade im Interesse des An­geklagten entschloisen, weil es befürchtete, daß andernfalls die jugendlichen Zeuginnen vielleicht nicht vorsichtig genug aussagen wür­den. Da es sich hierbei um eine gerichtliche Ent­scheidung handelt, muß ich mich einer Stel­lungnahme hierzu enthalten. Andererseits muh ich sagen, daß ich grundsätzlich der Ansicht bin, daß in Strafverfahren unbedingt der R a ch - e i d den Vorzug vor dem Voreid verdient. Eine Verhandlung vor dem Jugendgericht konnte nicht stattfinden, weil Krantz zur Zeit der Tat bereits 18 Jahre alt war: es schweben aber Er­wägungen darüber, ob nicht die Möglichkeit ge­schaffen werden soll, auch Angeklagte die noch nicht 21 Jahre alt sind, durch das Jugend­gericht aburteilen zu lassen. Gegenüber den Vor­würfen gegen den Verhandlungsleiter muh ich er­klären, daß bei ihm gewisse Hmständlichkeiten zutage getreten sein mögen, die ihm aber zu Hnrecht als Taktlosigkeiten ausgelegt worden sind. Rur seine charakterliche Gewissenhaftigkeit hat ihn veranlaßt, diese genaue Art der Frage­stellung zu wählen. Cs kommt auch tatsächlich nicht auf die gute Aufmachung und blendende Verhandlungsführung an, sondern nur auf den guten und gerechten Richter, und ich habe erst vor kurzem eine Verfügung heraus­gegeben, dah nur die besten und zuverlässigsten Richter ausgewählt werden sollen.

Abg. Dr. Cremer (Z.) dankt dem Minister für seine bisherige Tätigkeit. Leider werde gerade beim Justizetat allzusehr gespart. Der recht­sprechende Richter müßte angesichts der ihm ein­geräumten Machtfülle wirtschaftlich besser gestellt werden. Der Richterstand müsse auch frei sein von parteipolitischer und sonstiger Bin­dung. Der Krantz-Prozeß sei vom Vorsitzenden

Reistag.

Von Gustav W. Eberlein, Rom.

Der Sonntag unterschied sich darin von an­deren, daß es nicht Huhn mit Reis gab, sondern Reis mit Patriotismus. Reis gefällig, der Herr? Rein, so sagt der cameriere nicht. Er stellte ein­fach die Schüssel hin und sang: Ecco, Signore. Heute gibt es Reis!

Auch die Hausfrau wuhte keinen anderen Vers. Auch der König ah Reis. Sogar Mussolini

Er war es, der zwar nicht der Sonne gebot, stille zu stehen, Wohl aber dein Staatshimmel, Reis regnen zu lassen, Hnd es regnete. Von den Alpen bis zum Aetna, nein, bis weit nach Tnpo- litanien hinein.

Reis. Reis. Reis.

Die Fremden schüttelten den Kopf, schauten im Kalender nach und stießen auf den Sonntag Estomihi. Zu Deutsch heißt das: Sei mir! Ein Psalm, in dem von einem starken Fels die Rede ist, fängt so an. Reis heißt der Fels.

Wir haben eine Arbeitsschlacht, eine Lira- fchlacht. eine Getreideschlacht erlebt, nun ist die Reisschlacht angesagt. Eine Entlastungsoffensive mit dem Ziel, möglichst viele Brotesser zu binden, um so indirekt die Getreideschlacht zu unterstützen. Der Duce sorgt vor. Man hat ja Beispiele dafür, daß ein Land über Rächt in eine belagerte Festung verwandelt werden kann.

Der Reis kann unter Umständen dann wich­tiger s->in als das Pulver.

Schon im Frieden hat er ferne Bedeutmrg Deutschland verzehrt zum Beispiel 41 Kilo auf den Kopf, Frankreich 14, England 11 rm Jahre, Italien dagegen nur vier. Dabei ist jirvduk- tionsland, während seine reislosen Rachbarn ein- fübren müssen. Millionen von Doppelzentnern, und das aus dem fernen Osten, aus Andren und Spanien. Warum nicht aus Jtalren? Jtalreir mutz diese Märkte erobern!

jlnl) vor allem selber Reis essen. Rers, Rers, ^Die Schlacht begann lieblich wie ein War- oaretentag mit einem Reissonntag, der Elan laßt aber schon erkennen, daß man gewlllt ist, aufs Ganze zu gehen.

sehr gut vorbereitet worden. Die Presse müsse sich mehr Zurückhaltung auferlegen.

Abg. Dr. Deerberg (Dn.): Es sei unmöglich, der Jugend schrarrkenlose Freiheit zu gewähren: sie brauche vielmehr unbedingt die erforderliche Autorität über sich. Hngewollt habe der Vor­sitzende dem Sensationsbedürfnis Rechnung ge­tragen! Das Urteil selbst hat zweifellos auf einer beachtenswerten Höhe gestanden, auch die Be­gründung. Jedenfalls könnten der Prozehfichrung nicht diese Vorwürfe gemacht werden, wie es teilweise geschehen fei.

Die Knegsgeschädigten und ihre Forderungen.

Von unserer Berliner Redaktion.

Der Vorfall im Reichsentschädigungsamt gibt Veranlassung, doch noch einmal die sachliche Gage der Kriegsgeschädigten näher zu beleuchten. Alle sind sich wohl darüber einig, dah diese unglück­lichen Opfer des Krieges eine Entschädigung erhalten müssen. Die Kriegsgeschädigten selbst aber werden eine solche Tat, wie die vom Frei­tag, in jeder Beziehung verwerfen. Aus den Kreisen der früheren deutschen Kolonie gibt es insgesamt 17 500 Schadensfälle mit einem Ge­samtschadensbetrage von rund 900 Millionen Mark. Diese Summe wird natürlich niemals ganz ersetzt werden können. Richt, weil das Deutsche Reich nicht will, sondern weil es nicht kann. Kriegsverluste haben doch fast alle er­litten und nur wenige werden einen nennens­werten Betrag wiederbekommen. Immerhin wird das Liquidationsschädengesetz eine Entschädigung bieten, die schon eine wertvolle Hilfe zu leisten imstande ist. Rach den Schätzun­gen der Reichsregierung belaufen sich ja die Forderungen der rund 390 000 Schadensfälle ins­gesamt auf 10,4 Milliarden Mark. Die Ge­schädigten selbst haben ihre Forderungen auf 18 bis 25 Milliarden angesetzt. Bisher sind an Ent­schädigung bereits für die Liquidationsgeschädig­ten rund 433 Millionen Mark und für Ge­waltgeschädigte runö 664 Millionen Mark be­willigt worden. Rach dem vorliegenden Liqui­dationsschädengesetz sollen nunmehr insgesamt 13 Milliarden Entschädigung geleistet werden, und zwar sür Gewaltschäden 422 Millionen Mark und für die Liquidationsschäden rund 606 Millionen Mark. Diese Gelder werden in der Weise aus­gegeben, daß rund 165 Millionen Mark in bar ausgezahlt werden, 732 Millionen Mark durch 6prozentige tilgbare Schuldbuch- eintragungen und 138 Millionen Mark durch untilgbare Schuldbucheintragungen. Dazu kommen noch rund 300 Millionen Mark, die durch die letzten Verhandlungen für die Ge­samtentschädigung erneut bewilligt wur­den. So werden die Geschädigten, was in rund drei Wochen der Fall sein wird, wenigstens eine gleiche Entschädigung erhalten, wie diejenigen, die auf Grund des Aufwertungsgesehes entschä­digt worden sind. Mit dieser Summe wird es jedenfalls möglich sein, den Geschädigten eine gewisse finanzielle Grundlage zu bieten. Die Rot dieser Leute ist groß, das beweist ja auch, die Berliner Katastrophe zur Genüge. Die Mittel des Reiches sind aber leider beschränkt.

Das Zentrum und die christlichen Gewerkschaften.

Eine Rede Stegcrwalds.

Die Arbeiterwählerschaft der Rheinisch-West­fälischen Zentrumspartei veranstaltete in Duis­burg eine große Kundgebung unter dem Thema Der Karnpf der christlichen Arbeiterschaft um den sozialen Vollsstaat". Ministerpräsident a. D. Dr. Stegerwald verwies darauf, daß die deutsche Staats- und Privatwirtschaft noch gar nicht gefestigt und geichert sei. Auch die Revi­sion des Dawesplanes, die kommen müsse und kommen werde, werde Deutschland nicht nur Vorteile, sondern auch Rachteile brin­gen. da die Sicherung der deutschen Währung, die er enthalte, nach der Revision

In allen Eisenbahnwagen hingen seit Wochen Plakate, auf denen es von Superlativen wim­melte, die kurz und bündig sämtliche Fragen, warum, wo, wie und wann man Reis essen solle, beantworteten. Und warum gerade italienischen Reis? Weil es der beste der Welt ist!

Die Professoren bestiegen ihre Katheder, die Lehrer versammelten die Schuljugend, die Aerzte sagten es den Kranken. Es gibt gar nichts besseres für die Gesundheit. R.is ist das ideale Rahrungsmittel. Eine Dame kann soviel Reis essen als sie mag, und wird doch schlank bleiben!

Zahllose Propagandaschriften, alle hübsch tri­kolor aufgemacht, beweisen es.

Die Zeitungen bieten Spalten von Rezepten an. Reis alla Milanese, Risotto alla spagnola, alla Brasiliana, alla certosina, alla turca, Pilaff, schönen weihen Reis, Kapuzinerreis, Reistorte, Reis- leckerli ich kann unmöglich alles auf einmal durchprobieren. Was ist der biblische Manna- regen gegen diesen Estomihi!

In den Armeleutequartieren sah es aus wie im alten Rom. wenn ein Cäsar zur Besänftigung oder weil sein Magen nach einer tüchtigen Portion Volksgunst schrie. Korn verteilen ließ. Ein einziger Reisausschuh hat 60 000 Portionen ausgegeben. Die ersten Reisigen der Schlacht waren der König und der Duce. Säckchen von einem Kilo an auswärts. Non ce male! Zur Messe nach Tripolis sandte man gleich 12 Doppel­zentner, selbst die Verbannten auf den liparischen Inseln entgingen ihrem Schicksal nicht.

Wenn ich recht gehört habe, wurden insgesamt an vierhunderttausend Reisunterstühungen, Ehrenportionen und Propagandamuster verteilt.

Die Soldaten hielten sich bei diesem ersten Sturm so tapfer, dah sämtliche Dienstmädchen mit geröteten Backen heimkehrten. Ihre Liebe, zum Reis, kennt seither keine Grenzen mehr.

Die Wirte strahlten. Soviel goldener Castelli- toein floß sonst nur an patriotischen Feiertagen, Ein Glück, daß die Wa,serlritunz funktio ie te.

Alle Damen behaupten, seit Sonntag die Heber» schreitung der Linie nicht mehr zu befürchten.

Heber die Vitamine will ich gar nicht reden, es ist selbstverständlich, dah auch sie sich patrio­tisch verhalten. Weihmehl muß einfach unter die Deserteure eingereiht werden es enthält weder

uns selbst zufalle. Die Abgeordneten der Zen­trumspartei hätten sich mit allem Rachdruck gegen Art und Ausmaß der Beam- tenbesoldung gewandt. Solange die am schwersten arbeitenden Bergleute nicht einmal ihre Friedensreallöhne erreicht hätten, solange die Hüttenarbeiter noch die längste Arbeitszeit in Europa hätten und die deutsche Wirtschaft die 150 bis 200 Millionen Mark, die zu einer Aenderung notwendig wären, angeblich nicht auf­zubringen vermöge, dürften iy2 Milliarden Mark für die Erhöhung der Beamtengehälter und Pensionen usw. nicht ausgeworsen werden. Die Arbeiterzentrumswähler wollten eine Entprvle- tarisierung der Arbeiterschaft herbeigeführt wissen und dafür gebe es in der Hauptsache zwei Wege: Die Steigerung des Reallohnes und die politische und wirtschaftliche Demokratte. sowie die soziale Ausgestaltung des Dildungswesens.

Es wurde dann eine Entschließung gefaßt, in der es heißt: Die Versammlung bekennt sich mit allem Rachdruck zum deutschen Dolksstaat. Die Verkündung politischer Rechtsgleichheit be­deutet noch keine tatsächliche Gleichberechtigung, Gleichachtung und Gleichwertung aller V)lks» klassen im Staate. Als nächstliegende praktische Forderungen für die Arbeiterpartei stellt die Versammlung heraus, stärkere Berücksich­tigung der Arbeitervertreter in allen Instanzen der Partei und bei der Auswahl von Kandidaten zu den Par­lamenten sowie in den Organen der öffentlichen Verwaltung, ferner bessere Ausgestaltung der Zentrumspresse im Sinne einer grundsatzklaren Haltung und polittschen Wegweisung.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

g. Klein-Linden. 5. März. Der hiesige Handwerker- und G e w e r b e v e re in hatte für Samstag abend seine Mitglieder zu einem F a m i l i e n a b e n d auf derBurg" eingeladen. Rachdem die Musikkapelle einen flotten Eingangsmarsch gespielt, begrüßte der 1. Vorsitzende Ludwig Vieh mann II. die An­wesenden. Der von der Firma Ruhl dahier zur Verfügung gestellte Lichtbilderapparat, sowie eine Sängergruppe sorgten für die Hnterhaltung des Abends. Syndikus Röhr, sowie Prof. Dr. Krausmüller, Oberreallehrer Haggen­müller und Bauunternehmer Becker brach­ten durch kurze Vorträge die Bedeutung des Abends in guter Weise zum Ausdruck. Der Handwerker- und Gewe^everein kann mit Zu­friedenheit auf diesen schön verlaufenen Abend zurückblicken.

T Stockhausen, 5. März. Hnsere Schul­jugend litt in früheren Jahren unter dem öfteren Wechsel der hier tätigen Lehrer, da die zur Verfügung stehende Lehrerwohnung völlig un­zureichend war und für einen verheirateten Leh­rer mit Kindern gar nicht in Frage kommen konnte. Hm diesem Hebel abzuhelfen, wurde in dem letzten Jahre mit dem Reubau einer Lehrerwohnung begonnen. Gegenwärtig arbeiten die Geschäftsleute an der Inneneinrich­tung der Wohnung. Bis zum kommenden Som­mer wird das stattliche, schöne Wohngebäude, übrigens eine Zierde für unser Dorf und ein Werk, auf das unsere kleine Gemeinde mit Stolz blicken darf, soweit fertiggestellt sein, daß es bezogen werden kann.

* Bellersheim, 5. März. Am Samstag abend 6.45 Hhr schoß der Jagdaufseher Julius W ö r n e r von hier die erste Schnepfe.

Eberstadt b. Lich, 5. März. Eine vor­bildliche Reuerung auf dem Gebiete der Milchwirtschaft wurde hier von Altbürger­meister G ö r l a ch in Betrieb genommen. Als erster arbeitet dieser am hiesigen Platze mit einer Melkmaschine.

K eis Friedberg.

sf. F r i e d b e r g, 5. März. Am Samstagabend hielt unter Leitung seines Vorsitzenden, Wilh. Ad. Heß, der Ortsgewerbeverein eine Versammlung im Hörsaal des neuen Maschinen­baulaboratoriums des Polytechnikums ab. Als erster Puntt der Tagesordnung wurde auf Dor-

das Vitamin A, noch das Vitamin B, noch das Vitamin C. Reis dagegen, per bacco, der Reis nimmt es mit dem ganzen Alphabet auf.

Zwei Frankfurter Ltraufführungen.

Der letzte Samstag stellte die Frankfurter Theatergemeinde vor ein recht schwieriges Pro­blem. Es gab nicht weniger als zwei vielver­sprechende Hrauffühiungen und dazu das letzte Auftreten der Pawlowa vor ihrer Hebet» feereife. Das lokalpatriotische Gefühl drängte zu­nächst zum Besuch des Schauspielhauses, wo Toni Impekoven und Carl Mathern wieder eine neue Posse unter dem verheißungs­vollen TitelM a x der Prominente" be­scherten. Man kam wie immer bei unfern beiden Lokaldichtern vollkommen auf seine Kosten, be­lachte herzlich die reiche Fülle heiterer Einfälle und die mehr oder minder kräftigen und drasti­schen Witze und spendete den Darstellern, von denen Impekoven selbst die Hauptrolle über­nommen hatte, so starken und herzlichen Beifall, daß das Schauspielhaus wohl mit Sicherheit auf eine stattliche Anzahl weiterer Aufführungen rechnen kann.

Mit etwas mehr Skepsis ging man in das Reue Opere ttenthea ter, das unter dem TitelLiebeund Trompetenblasen" ein neues Wer lvon Marc Roland herausbrachte, zu dem Hans Sturm und Hans B a ch w i tz den Text geschrieben haben. Man war um so mehr skeptisch, als das Theater mit einer Reihe neuer Kräste aufwartete. Allerdings hatte man sich als Zugkraft Hans Junkermann ver­schrieben, der eine solche Fülle köstlichen Humors spendete, daß das Haus ihm verschiedentlich bei offener Szene lebhaft dankte. Eine angenehme Heberraschung bot die Besetzung der beiden weib­lichen Rollen. In Grete Drill hat sich das Reue Operettentheater eine rassige Soubrette ge­sichert, der allerdings die überragende Tanz­kunst einer Lisa Rade noch abgeht. In Lissy Helling, die eine recht anmutige Erscheinung mitbringt, hat das Ensemble eine weitete wert­volle Bereicherung erfahren. Den Löwenanteil des Abends aber sicherte sich trotz Junketmqnn un­streitig Rorbert Pelz mit seinem L rutnant Arpad, glücklich ergänzt durch den Humor­

schlag des Vorstandes einstimmig Bauunter­nehmer Becker (Gießen) als Mitglied in die Handwerkskammer gewählt. Dann fand eine Aus­sprache über eine Handwerks-Werbe- w o che, die im Sommer stattfinden soll, statt, an der sich außer dem Vorsitzenden noch die Herren Dr. Reif und Schreinermeister Jordis be­teiligten. Einen Beschluß konnte man nicht fassen, da auch die Pläne des Verkehrsvereins, der ähnliches im Sinne hat. noch keine greif­bare Gestalt angenommen haben. Anschließend fand eine Führung durch die Reuanlagen des Polytechnikums statt, die durch eine kurze Ansprache Direktor Dr. Schäfers er­öffnet wurde. Daurat Dr. Winkhaus führte die Erschienenen durch das Maschinenbaulabora» totium und gab einen seht guten Hebetblick über Arbeitsweise und Verwendungsart der einzelnen Maschinen, die zur Aufstellung gelangt waren. Auch im elektrotechnischen Laboratorium, durch das die Bauräte Szeanner und Dr. O t t o die Führung übernommen hatten, wurde der Ver­sammlung ein guter Heberblick über die groß­zügigen Reuanlagen gegeben, die geeignet sein werden, den Ruf der Friedberger Anstalt auf eine ganz bedeutende Stufe zu heben. In beiden Laboratorien wurden auch Maschinen und Appa­rate im Betrieb vorgeführt.

Kreis Büdingen.

nd. R i d d a, 5. März. In einer gestern hier abgehaltenen gemeinsamen Sitzung des Kirchenvorstandes und der Kirchen- gemeindevettretung unseres Kirchspiels wurde nochmals über die innere und äußere um­fangreiche Renovierung unserer Stadt­kirche verhandelt und die dabei beabsichtigten Veränderungen durch Versetzung der Orgel in den Chorraum und die Aufstellung der Kanzel hinter den Altar erörtert. Oberk^urat Frey von Büdingen erläuterte ausführlich die Gründe und Zweckmäßigkeit des Planes, der durch ein von ihm angefertigtes Modell vetanschMllicht wurde. Rach den Verhandlungen ergab die 2ib- ftimmung die Mehrheit für die Annahme der von der Baubehörde gemachten Vorschläge. Die Orgel soll bei der Hmstellung auch erweitert werden, ein zweites Manual und elektrisches Gebläse erhalten, wofür ein Kvstenvoranschlag von 2500 Mk. aufgestellt war. Die G e s amt- ko st e n für die Instandsetzung der Kirche sind auf 1 5 0 0 0 Mark vorgesehen. Zur Deckimg werden u.a. die hiesigen Vereine Deranstaltum« gen treffen, deren Erträge dem Kirchenfond zugewiesen werden sollen. Der Arbeiter-Gesang­vereinEintracht" wird zu dem guten Zwecke nächsten Sonntag in der Turnhalle ein Konzert veranstalten. Mit den Arbeiten in der Kirche soll baldigst begonnen werden, damit das Gotteshaus im Lause des Sommers wieder seinen Zwecken dienen kann. Während der baulichen Verände­rungen wird der Gottesdienst wahrscheinlich in der Turnhalle gehalten werden.

Stockheim, 5. März. Am Samstag hielt hier im Weitzelschen Saale die Argeitsge- meinschaft für Heimatkunde des Kreises Büdingen eine Versammlung ab, die von etwa 150 Personen, meistens Lehrer, Studienräte und Geistliche, besucht war. Rachdem der 1. Vorsitzende, Oberstudiendirektor Dr. Keller (Büdingen) die Versammlung eröffnet und herzlichst die große Zahl der Erschienenen begrüßt hatte, hielt Professor Dr. Blecher aus Friedberg einen zweistündigen, wissenschaft­lich begründeten Vortrag über das Thema: »Der Mensch der Steinzeit und die früheste Besiedelung der Wetterau". Einleitend widerlegte er die in Schulbüchern häufig zu findenden falschen Berichte über die Beschaffenheit unseres Vaterlandes zur Zeit der Geburt Christi, die wohl die Beschreibungen Tacitus' zur Quelle haben. Heber die früheste Besiedelung dienen als interessante Belege die Skelettfunde vorsündslutlicher Säugetiere und Menschenschädel. Die Donnerkeile und andere Steinwerkzeuge lassen auf die Menschen der ältesten Steinzeit den Schluß zu, dah sie Samm­ler und Jäger in der einfachsten Form waren, deren Hrrasse aus Südfrankreich und Spanien stammte. Treffliche Lichtbilder von Tier- und Menschenschädcln, Schmuck und Zeichnungen auf

sprühenden Soldaten Rothe-Careys und Josef Jahrbecks Rittmeister Ottokar. Das Haus dankte denn auch mit reichlichem Beifall und ebenso reichen Blumenspenden und rief nach Beendigung des zweiten Aktes auch den Kom­ponisten, den Verfasser sowie Direktor Glock und den verdienstvollen Oberregisseur Wies­ner wiederholt auf die Bühne.

Hochschulnachnchten.

Der außerordentliche Professor an der Ber­liner Hniversität Dr. Johannes Röbel hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der indischen Philo­logie an der Hniversität Marburg als Rach­folger von I. W. Hauer erhalten. Ernannt wurden: der o. Professor Dr. August Reichen- sperger in Freiburg (Schweiz) zum ordent­lichen Professor der Zoologie an der Hniversität Bonn als Rachsolger von Prof. R. Hesse: der o. Professor Dr. Max Scheler in Köln zum ord. Professor der Philosophie in Frankfurt a. M. und Professor Dr. Georg August Wag­ner von der deutschen Hniversität in P r a g zum Ordinarius der Geburtshilfe und Gynäkologie an der Hniversität Berlin als Rachfolger von K. Franz. Dein Privatdozenten für romanische Philologie an der Frankfurter Hniversität Dr. Helmut Hatzfeld ist ein Lehrauftrag zur Vertretung der Stilgeschichte. Bedeutungslehre und Syntax der romanischen Sprachen erteilt worden.

. Amtlich wird die Ernennung des Geheimen Hofrates Prof. Dr. Hermann Onden in Mün­chen zum ordentlichen Professor der neueren Geschichte an der Hniversität Berlin bestättgt.

Professor Dr. Johannes Ragler in Frei­burg i. Br. hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für öffentliches Recht an der Hniversität Breslau als Rachfolger von Pro­fessor P. Heilbvrn angenommen.

Der durch die Emeritterung des Geh. Medi­zinalrats Wilhelm Müller an der Hniversität Rostock erledigte Lehrstuhl der Chirurgie ist dem nichtbeamteten a. o. Professor und Oberarzt an der chirurgischen Klinik der Hniversität G 5 t- tinflen Dr. med. Wilhelm von Gaza an- geboten worden.