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Montag. 6. Zebruar 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger för Gberheßen)

nt.31 Dritter Blatt

Oberhessen.

Semeindeverband Wteseik-Alten -duseck.

Vom Verbandsvorsteher St Venner werden Wir um Abdruck der folgenden Entgegnung ge­beten:

Der Gemeinderat und Frattionsführer der sie­ben bürgerlichen Gemeinderäte Wiesecks, Karl 'Scherer, veröffentlicht in der Hummer 27 vom 1. Februar dieser Zeitung, seine persönliche Stel­lungnahme zu dem Beschluß des Wiesecker Gemeinderats, betr. Regelung des Wiesecker Anteils am Stammkapi­tal des Gemeinde-Verbandes. Wäre die Darstellung seiner Veröffentlichung nicht ge­eignet, die Oesfentlichkeit irrezuführen und den Gemeinderat in seiner Gesamtheit in den Augen der Wiesecker Bevölkerung (besonders der Leicht­gläubigen) als ein leichtfertiges, unverantwort­liches Gemeindeparlament hinzustellen, dann würde ich mich mit den Darlegungen des Ge­meinderats Scherer hier nicht beschäftigen. Le­diglich diese Erwägung bestimmt mich zu dieser Klarlegung der Angelegenheit.

Als die Gemeinde Auen-Buseck im Sommer 1926 an die Gemeinde Wieseck wegen der Weiter- lührung der Krastfahrlinie nach Alten-Buseck herantrat, stellte sich schon bei der ersten Ver­handlung des Antrages der gesamte Wiesecker Temeinderat (einschl. Scherer) einstimmig auf den Standpunkt, bah gegebenenfalls ein Zweckverband gebildet werden müsse. Bald folgten die grund­sätzlichen Entscheidungen beider Gemeinderäte, und die vorbereiteten Arbeiten zur Bildung des Gemeindevcrbandes tonnten noch im Sommer 1926 zum Abschluß kommen. Kraft hessischer LandgemeindeordnungAchter Titel Artikel 195 bis 205 sind die Rechtsverhältnisse eines solchen Berbandes, so weit sie nicht auf gesetzlichen Vor- schristen beruhen, durch Satzungen zu regeln. Die auf Grund dessen geschaffenen Satzungen des Ge­meindeoerbandes Wieseck-Alten-Duseck umfassen zwölf Paragraphen und wurden am 11. 9. 1926 im Rathaus zu Alten-Buseck in gemeinschaftlicher Sitzung beider Gemeinderäte beschlossen. Ichbe - tone an dieser Stelle ausdrücklich, daß der Gemeinderat Karl Scherer an dieser Sitzung teilnahm.

Der § 7 regelt die Frage des Betriebsver­mögens und lautet wörtlich:Das Betriebsver­mögen wird aus 130 000 Rm. festgesetzt. Hiervon hat die Gemeinde Wieseck 97 500 Rm., die Ge­meinde Alten-Buseck 32 500 Rm. einzuschichen. Das einbezahlte Betriebsvermögen wird mit 3/4 des jeweils am Schlüsse des Lahres geltenden Reichsbankdiskonts verzinst. Die Gemeinde Wieseck verpflichtet fick außerdem eine Kraftwagen­halle nebst Zubehör zur Unterbringung von zwei Krastwagen, die Gemeinde Alten-Buseck eine solche für einen Krastwagen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

(Inzwischen find aber vier Kraftwagen und ein Sechssiher-Personenwagcn in den Betrieb eingestellt und auch untergebracht!)

Vorstehende Sahungsbestimmung hat S ch c r e r, wie alle anderen beteiligten Gemeinderäte, bei der Beratung und Beschlußfassung im Wortlaut Des gesamten Sahungsentwurfs vor Augen ge- habtl ilnb was sagt er diesbezüglich in seiner Veröffentlichung?Die Anteilsumme der Ge­meinde Wieseck wurde mit 97 500 Mk. genannt und bestand in Wagen 1 und 2, außerdem hat die Gemeinde Wieseck die Autohalle nebst innerer Ausstattung gestellt."Dieser Vertrag (d. h. seine Fassung), sagt Scherer weiter,wurde von beiden Gemeinden unterschrieben und ist von der vorgesetzten Behörde sowohl als vom Ministerium genehmigt." Gemeinderat Scherer offenbart hier doch eine starke Vergeßlichkeit!

Wie aus dem klaren Wortlaut des § 7 der Verbandssatzungen hervorgcht, handelt es sich bei dem Anteil der Gemeinde Wieseck am Be­triebsvermögen, wie auch bei dem der Gemeinde Alten-Buseck, um in Reichsmark ausgcdrückte Summen. Als die Satzungen vorbereitet wur­den, hielt man ein Betriebskapital von 130 000 Mark für erforderlich. Die Verteilung geschah wie 1:3, entsprechend der Devölkerungszahl der beiden Gemeinden. Alten-Buseck zahlte seine 32 500 Mark in bar ein. Wieseck gab seine zwei Sechsradwagen mit Zubehör, einige Reserve- reifen und ^')etriebsstoffvorräte. Barkapital zahlte Wieseck nicht ein.

Daß die Vertreter der Gemeinde Alten-Buseck den Verbandsausschuß eines Tages darauf hin­wiesen, daß das von Wieseck in die Che des Gemeindeverbandes mitgebrachte Gut doch keine 97 500 Mk. wert sei, hat mich weder gewundert, noch überrascht. Waren doch die Omnibusse im Neukaufspreis nicht nur billiger geworden, son­dern auch um eine Iahresabnutzung im Werte vermindert.

Herausstellen möchte ich. daß auch der im Verbandsausschuß sitzende Fraktionsgenosse Sche­rers. Herr Heinrich Werner, einer Regelung der somit streitig gewordenen Angelegenheit, wie sie der Wiesecker Gemeinderat in seiner Sitzung am 27. Januar 1928 mit allen Stimmen gegen die Stimme Scherers beschlossen hat, zustimmte.

Inwieweit nun der Beschluß, wie Scherer in seiner Veröffentlichung sagt, gegen Treu und Glauben verstößt, möchte ich zu beurteilen Herrn Scherer selbst überlassen.

Eine Benachteiligung für Wieseck bedeutet die nun endgültig getroffene Regelung aus keinen Fall, 3m Gegenteil: ich betrachte es als ein erfreuliches Zeichen guten Einvernehmens der Vertreter der Gemeinde Alten-Buseck mit denen der Gemeinde Wieseck in der Leitung des Ge- ineindeverbandes, daß die Wertminderung mit nur 14000 Mk. vereinbart wurde.

Inwieweit die Schererschen Schlagworte:Vor droff, die Gemee b'zoahls joa, d. h. seine Alar­mierung der Wiesecker Steuerzahler gegen den Bürgernreister, Gemeinderat und die Vertreter der Gemeinde Wieseck in der Leitung des Ge­meindeverbandes, im Zusammenhang mit Kraft- 'ahrlinie und Wiesecker Gemeinderatsbeschlüsse, iiberhaupt Sinn haben, das zu erörtern, möchte ch mir für eine andere Gelegenheit Vorbehalten. Hoffentlich hat bis dahin die von ihm angerufene Behörde ich wähle seine eigenen Worte der Angelegenheit ihr Augenmerk gewidmet.

Landkreis Gicszen.

Heuchelheim. 4. Febr. Dieser Tage fand abends in der geräumigen Turnhalle das W i n- j e r f e ft des GesangvereinsLieder- kränz" statt. Das Programm bestand aus zwei Teilen und muhte in seiner Qualität, in Auf-

Buntes Allerlei.

Kämpfe von Jliegcrn mit Adlern.

Di« großen Steinadler, die Könige der Luft, die im Berner Oberland kürzlich wieder Bauern und Waldhüter angegriffen haben, bedeuten auch eine Gefahr für die Flieger, die über Hoch­gebirge ihren Weg nehmen. Eine ganze Anzahl von aufregenden Abenteuern, die Flieger mit diesen Tieren zu bestehen hatten, sind bereits bekannt geworden, wie Harry Harper in einem englischen Blatt hervorhebt. Besonders gefürchtet sind die Gebirge Griechenlands, deren Adler hoch in den Lüsten die Flugzeuge beunrrchigen. So wurde kürzlich ein Flugzeug von mehreren dieser Riesenvögel angegriffen: ein Adler stieß gegen den Propeller und wurde getötet, beschä­digte dabei aber die Maschine so, daß der Flie^ ger zu einer Zwangslandung genötigt war. In einem andern Fall, in dem ein Pilot von einem Adler angegriffen wurde, erlitt das Flugzeug solchen Schaden, daß nur ein höchst gefährlicher Abstieg dem Flieger noch Rettung brachte. Rächst den griechischen Gebirgen ist die Adlergefahr in den Pyrenäen am größten. Bei einem Fluge von Paris nach Madrid begleitete kürzlich ein riesiger Adler längere Zeit das Flugzeug und umkreiste die Maschine, wie wenn er die ver­wundbarste Stelle des seltsamen Eindringlings ausspähen wollte. Eine Bewegung, die der Flie­ger mit den: Kopf machte, siel dem Vogel auf, der nun auf ihn loSstieß. Der Pilot aber hatte vorher seinen Revolver heroorgezogen. und als der Vogel sich näherte, schoß ec auf ihn. Er traf zwar den Adler nicht, aber erschreckte ihn doch so, daß er umdrehte und majestätisch davon­schwebte. In den Pyrenäen wurde vor einiger Zeit ein Flieger von einem Adler in 6000 Fuß Höhe angegriffen. Der wütende Vogel folgte ihm bis zu 2000 Fuß herunter und stürzte sich dann auf die Maschine. Dabei brach er sich den Hals an einem Draht und fiel herunter: der Flieger folgte ihm im Gleitflug und lief) sich dann den toten Feind zur Erinnerung an das gefährliche Abenteuer ausstopfen. Richt immer benehmen sich die Adler den Fliegern gegen­über so bösartig, sondern nicht selten hat es den Anschein, als ob der König der Lust mit diesem Rebenbuhler seine Kräfte messen wolle. Stunden­lang fliegen die Vogel neben und über den Flugzeugen und geben erst dann unwillig den

Wettkampf auf, wenn ft« ermüdet demMen- schen-Vogel" nicht mehr folgen können.

wilhelm-Busch-Aölschungen.

Wilhelm Busch, der große Humorist, ist nicht nur ein genialer Zeichner, sondern auch ein nicht unbedeutender Maler gewesen. Er selbst freilich hat vvn seinen ilebungen mit Pinsel und Farbe nicht viel gehalten, und öfters war er mit seinen Leistungen so unzufrieden, daß er zu ihrer Ver­nichtung schritt. Wie seine Ressen in ihrer grund­legenden Biographie des Onkels berichten, son­derte er in solcher Stimmung einen großen Hausen bemalter Täfelchen aus und versenkte sie in einen alten Brunnen oder übergab sie den Flammen. Der List der Reffen ist es zu danken, daß viele Kostbarkeiten, die heute Museen zieren, vor diesem traurigen Los gerettet wurden, denn sie verbrannten Attrappen anstatt der Bilder, die der Onkel sie zu vernichten beauftragte, oder holten die versenkten Schätze des Rachts wieder aus dem Brunnen heraus. Erst nach Buschs Tode boten verschiedene Ausstellungen aus seinem Rachlaß einen Heberblid über sein malerisches Schaffen, und seitdem haben viele der Bilder wohlverdiente Ehrenplätze in öffentlichen und privaten Galerien erhalten. In neuester Zeit interessiert sich auch Amerika für den Maler Busch, und zwei Hauptwerke kamen kürzlich in den Besitz des Museums von Indianapolis. Die Preissteigerung, die Buschs Bilder infolgedessen erfahren haben, tiefen aber auch die Fälscher auf den Plan. Wie Adrian Lukas Müller in einem Aufsatz über Busch als Maler inWester- manns Monatsheften mitteilt, sind zahlreiche Fälschungen von Bildern Buschs im Umlauf. Rach meinen Erfahrungen," schreibt er.werden die eigens für unftgnierte Buschsche Gemälde von den Bufchfchen Erben verfaßten und von diesen unterschriebenen Cchtheitsbestätigungen ent­fernt und auf die Rückseite herrenloser Atelier­köpfe und Landschaftsstudien der Münchener und Düsseldorfer Schule, die mit Busch für das Auge des Laien manchmal etwas Gemeinsames haben, geklebt. Auch direkte Fälschungen sind mir be­kannt geworden. Es empfiehlt sich daher, in Zweifelsfällen den Rat einer sachkundigen Per­sönlichkeit. am besten eines Busch-Spezialisten, anzurufen, um sich vor Schaden zu schützen."

ftellung und Ausführung mitSehr gut "bewertet werden. Die Musik lag in Händen von ehemali­gen Militärmusitern. die es vortrefflich verstan­den, in bekannten Märschen und feinsten Melodien das dankbare Publikum zu fesseln. Der Chor unter der bewährten Leitung des Herrn Otto G o r 1 a ch brachte Ernstes und Heiteres so schön, daß der Beifall nicht enden wollte. Mit großer Spannung wurden die Theater- und Kostümauf­führungen verfolgt, die in bester Weise mit Witz und Ratürlichkeit zum Vortrag kamen. Der Verlauf war vortrefflich. Mit einladenden Tanz- melodien und fast nur deutschen Tänzen fand der wohlgelungene Abend seinen Abschluß.

* Oppenrod, 4. Febr. Der Gemeinderat beschloß in seiner jüngsten Sitzung, den Fußball­spielern der Freien Turnerschaft das Ge­lände für einen Sportplatz zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zwecke ist ein Teil Wald nieder­zulegen, jedoch ist über die Planierungsarbeiten bis jetzt noch keine Klarheit geschaffen. Man hofft, daß die Gemeinde wenigstens einen Teil der Kosten über­nimmt. Die Ausführung der Kanalisation im Vornweg wurde im Hinblick auf die finanzielle Lage der Gemeinde mit fünf gegen zwei Stimment­haltungen zunächst abgelehnt. Die Arbeit ist jedoch vorerst nur zurückgcstcllt worden, bis der bewilligte jährliche Baufonds die Finanzierung ermöglicht. Mit fünf gegen vier Stimmen wurde audi die lieber- nähme des Sprungfeldes für Faselvieh auf die Gemeindekasse abgelehnt. Cs werden demnach die alten Sätze von 4 Mark je Stück Rindvieh und 1 Mark je Ziege weiter erhoben.

* Harbach, 4. Febr. Unsere Schule hat nun auch für Zwecke des Unterrichts und zur Verwendung im Dienste der Volksbildung ein Ianax-Epidiaskop der F.rrna Ed. Liese- gang. Düsseldorf angefchafft. Aus den Weih­nachtsfeiern, die unser Lehrer Faber in den beiden letzten Iahren mit der Schule veran­staltete, stand zum Kaufe des Apparates ein Be­trag von etwas über 100 Mark zur Ver­fügung. Der Rest des Kaufpreises soll aus den Erträgen späterer Vorführungen abge cag-m werden. Dieser Tage fand im Saale des Gast­wirts Herzberger der erste Lichtbildervor­trag mit dem neuen Bildwerfer statt, der einen Ertrag von rund 30 Mark brachte. Der Vortragende führte die Gäste im Geiste durch das herrliche Lahntal zum deutschen Rhein. Auch einige Bilder von der 'Bergstraße gefielen sehr. Die Kinder kamen durch zwei gut wiederge­gebene Märchenreihen zu ihrem Rechte. Die sehr scharfen und klaren Bilder fanden allseits Beifall.

* Leihgestern, 4. Febr. Dieser Tage hielt der hiesige Landwirtschaftliche Kon­sumverein 1 gegr. 1889 feine ordentliche Generalversammlung ab. Aus deyi Geschäfts­bericht ging hervor, daß der Verein in den letzten zwei Iahren gute Fortschritte gemacht hat und finanziell auf gesunder Grundlage steht. Ein Beweis dafür: die Detriebsrücklage konnte auf 1200 Mark und der Reservefonds auf 800 Mark gebracht werden. Trotzdem konnte an die Mitglieder noch eine Warendividende von 9 Pro­zent verteilt werden. Während des Geschäfts­jahres traten wiederum 9 Mitglieder der Ge­nossenschaft bei. Rach Erledigung des geschäft­lichen Teils blieb man noch einige fröhliche Stunden zusammen. An manche Mitglieder konn- ten 60 bis 70 Mark und darüber verteilt werden. Bei ständiger Zunahme von Mitgliedern wird der Verein in den kommenden Geschäftsjahren seine Friedensbilanz erreichen.

s. 111 b b e, 4. Febr. Dieser Tage hielt hier her Missionar Bachmann von der Herrnhuter Brüdergemeinde einen Missionsvortrag. Er berichtete über Erlebnisse und Erfahrungen in seinem früheren Wirkungsgebiet in der ein­stigen deutschen Kolonie Ostafrika. Auch verstand er, in sehr fesselnder Weise Land und Leute, sowie deren Sitten und Lebensweise, insbesondere auch ihre Angst vor Geistern aller Art, zu schildern. Die Veranstaltung war sehr stark be­sucht. Am Ausgang wurde eine Kollekte für die

Brüdergemeinde erhoben, für die auch im Gottes­dienst des vergangenen Sonntags gesammelt wor­den war.

Kreis Friedberg.

sf Friedberg, 4. Febr. Dieser Tage fand eine Stadtverordnetensitzung statt, in der zunächst die beiden auf sechs Iahre wieder- gewähltenBeige ordneten, Kommerzien­rat Langsdorf und Dr. Leuchtgens, vom Bürgermeister in ihr Amt neu eingeführt wur­den. Die uneinbringlichen Außenstände der Stadt auS dem Rechnungsjahr 1926 wurden niederge­schlagen. An die Unterstützungsempfänger der Stadt werden in 266 Fällen Winterbei- Hilfen gewährt. Dr. Leuchtgens referierte ein­gehend über die Art der Verteilung, die an Vorschriften des Ministeriums gebunden ist, da Friedberg Staatshilfe in Anspruch nimmt. Es kommen Sätze von 10 bis 50 Mk. zur Verteilung, der mittlere Betrag darf 30 Mk. nicht übersteigen. Ein Gesuch des hiesigen Verkehrs­vereins um Gewährung eines Beitrages zu einem Fastnachls- und Reklamezug wurde ein­stimmig abge.ebnt, ein Gesuch desselben Ver­eins um Beihilfe für einen neuen Führer von Friedberg, der kostenlos verteilt werden soll, wird eben alls mit Stimmengleichheit abgelehnt. Der Preis für Urnenerbbegräbnifie wird mit 100 Mari: festgesetzt. Die städtischen Fuhrleistungen werden wie seither freihändig auf weitere drei Jahre vergeben. Die Friedberger Mo­torspritze konnte bei einem Brand in Melbach kürzlich nicht rechtzei.ig am Platze erscheinen, da die Leitung der städtischen Betriebe es versäumt hatte, für den in Reparatur befindlichen Last­wagen einen Ersah bereitzustellen. Die sozial- deinolccuische Fraktion hatte eine entsprechende Anfrage an die Verwobung gerich.ei. Als Stadt­verordneter Füller in fernen Ausführungen auf Mißstände in dem Friedberger Feuerlösch­wesen hinw.es, wurde Schluß der Debatte bean­tragt. Die Tagesordnung war damit zu Ende. In der geheimen Sitzung wurde zur Frage der Besetzung einer katholischen Lehrer- (teile an der hie'?rem Musterschule Stellung ge­nommen, ein Geländekaufvertrag der Verwaltung nachträglich genehmigt und die Be­dürfnisfrage zum Betrieb eines EafeS ohne Alkoholausschank bejaht.

Dad-Rauheim, 4. Febr. Im Anschluß an die gestern stattgesundene Hauptversammlung der hiesigen Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei sprach in öffentlicher Versamm­lung Landtagsabgeordneter Oberstudiendirellor Dr. Keller (Büdingen) über die Politik im Reich und in Hessen. Redner wandte sich besonders den Kulturfragen zu. Das Fest- halten an der Simultanscyule sei für die Deutsche Dolkspartei Selbstverständlichkeit, nicht nur in Hessen, sondern auch im Reiche. Interessant waren die Ausführungen des Re­ferenten über die Regierungsbildung in Hessen. Die Voltspartei habe es für ihre Pflicht geholten, in der neuen Regierung positiv mitzuarbeiten, sie habe es auch in den Ver­handlungen an nichts fehlen lassen, fei aber letzten Endes doch dem Zentrum unterlegen, das den Sozialdemokraten Zugeständnisse auch in der Schulfrage gemacht habe, die man eigent­lich nicht erwarten konnte. Run bleibe der Dolkspartei nichts anderes übrig, als Wei terhin in sachlicher Opposition zur Regierung zu stehen. Der Redner erntete leb­haften Beifall, den Kaufmann R i ck e l als Der» fammlungsleiter in Worte des Dankes umsehte.

Kreis Büdingen.

Aus dem Kreise Büdingen, 4. Fe­bruar. Seit einigen Wochen besteht im Kreise wieder dieW anoer Haushaltungsschule, die etwa 6 bis 7 Wochen an einem Orte bleibt und bann wieder an einem anderen Orte ihren Lehrgang beginnt. Der betreffenden Ge­meinde erwachsen ganz wenige sachliche Kosten. Richt allein Mädchen des dritten Fortbildungs­schuljahres nehmen an dem Kursus teil, son­

dern auch solche, die schon dem fotbildung-schul- pslichttgen Alter entwachsen sind. Während der Sommermonate bis zum Spätherbste ruht der Unterricht und wird mit Beginn des Winters wieder aufgenommen. Jnfolgedeffcn findet diese Einrichtung bei der ländlichen Bevölkerung weit mehr Verständnis und Interesse als die stän­dige Kochschule, die in unserem Kreise nicht ins Leben getreten ist. Durch den Besuch der Wanderhaushaltungöschule ist dem dritten Pflichtjahre der Rlädchenfortbildungsschule Ge­nüge geleistet. Reben dem Lehrgänge im Kochen wird auch gründlicher Unterricht in Handar­beiten, Anstandslehre usw erteilt. Man ist mit dieser Art hauswirtschaftlicher Unterweisung auf dem Lande zufrieden.

# Berstadt, 4. Febr. Zur Verpachtung der hiesigen Iogd hatten sich verhältnis­mäßig wenige Liebhaber eingesunden. Für die Feldjagd erfolgte für 940 Mark der Zuschlag an Karl Dölbel von hier, während die Waldjagd an Steinbruchbesitzer Iohs. Ricke 1, Ober-Wid- dersheim, zum Preise von 1260 Mark überging.

# Bisses. 4. Febr. Zur Verbesserung des Geländes in der Horloffniederung nimmt die hiesige Wassergenossenschaft große Entwäs­serungsarbeiten vor. Im ganzen werden nahezu 30 000 Meter Drainagerohre gelegt, für die 10 570 Mark veranschlagt sind. Die Pläne sind vom Kulturbauamt Friedberg ausgearbeitet worden, das auch die Ueberwachung der Arbeiten vornimmt.

Kreis Schotten.

>' Aus dem Kreise Schotten, 4. Febr. Um die Heimatgeschichte besser Alt er­forschen, hat man den Kreis in fünf Bezirke geteilt, die sich nach den vier Himmelsrichtungen um die Kreisstadt gruppieren. In jedem dieser Bezirke wird nun die Heimatgeschichte in An­griff genommen. Es soll zunächst mit der Sammlung der Flurnamen begonnen werden. Damit die Arbeit nach einheitlichen Gesichtspunkten geschieht, ist für jeden Bezirk ein Leiter bestimmt worden. Für Ulrichstein und den Rorden des Kreises ist dies Fortbildungs­schullehrer Steinmann, für die Laubacher Gegend Lehrer Debus in Ruvpertsburg, für Schotten und das Riddertal Lehrer Würz in Eichelsdorf, für den Osten des Kreises und die Gemeinden des früheren Gerichts Burkhards Lehrer Ries in Sichenhaufen und für den Südkreis Schotten Lehrer Sauer in Ober- Lais. Für eine Reihe von Gemeinden liegen bereits die Sammlung der Flurnamen vor. Auch die Schulgeschichte ist mancherorts vollständig gesammelt. Es wird nun daran gedacht, im weiteren Verfolg zunächst einmal die Geschichte und die territoriale Entwicklung, die für den Kreis Schotten sehr vielseitig und interessant ist, zu behandeln und dann die Geologie, Prä­historie und Pflanzenkunde. Alle diese Vor­arbeiten sind nötig, um für jede Schule eine entsprechende Chronik bzw. ein Heimatbuch an- legen zu können. Die Ausführung dieses Heimat­werkes erfordert große Rebenarbeit, wird aber von der Lehrerschaft im Hinblick auf die gute Sache gern geleistet.

# Freienseen, 4. Febr. Zur Zeit findet in den Küchenräumen der hiesigen Turnhalle ein vierwöchiger Hauswirtschaft s- k u r s u s im Auftrage des Kreisschulamts Schot­ten statt. Die Teilnehmerinnen stellt der dritte Jahrgang der Mädchenfortbildungsschulen aus Freienseen, Altenhain, Lardenbach und Groß- Eichen. Wie groß daS Bedürfnis nach einem derartigen Lehrgang in der ländlichen Devökk- rung ist, beweist die überaus rege Beteiligung auch ältere Mädchenjahrgänge. So mußte ein Teil der bereits gemeldeten auf einen späteren Kursus verwiesen werden.

Kreis Alsfeld.

e. Alsfeld, 4. Febr. An Stelle des auf sein Rachsuchen in den Ruhestand reichten Schulrats Huss wurde der Rektor Karl Rausch von der Goetheschule in Offenbach a. M. zum Schulrat des Kreises Alsfeld er­nannt. Rausch ist in Maar (Kreis Lauterbach) geboren. Er ist Mitgljed der sozialdemokrati­schen Partei, ohne aber sich im politischen Leben besonders hervorgetan zu haben. Rausch genoß in hohem Maße das Vertrauen dec Offenbacher Lehrerschaft: er war lange Iahre zweiter Vor­sitzender des Offenbacher Lehrervereins und ist jetzt zum ersten Vorsitzenden gewählt worden. Außerdem gehörte er dem Vorstände des Hess. Landes-Lehrerverbandes und dem schulpädago- gischen Ausschuß an.

Strafkammer Gießen.

Gießen, 27. Ian. Im Sommer v. I. fuhr in der Walltorstraße, Ecke Asterweg, ein hiesiger Handwerksmeister mit seinem Kraftwagen einen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Radfahrer derart an, daß dieser erhebliche Ver­letzungen davontrug und längere Zeit arbeits­unfähig war. Auf die Berufung des Angeklagten, der wegen fahrlässiger Körperverletzung zu hun­dert Mark Geldstrafe, evtl, zehn Tagen Gefängnis unter Auferlegung der Kosten der Rebenklage verurteilt worden war. wurden jetzt nochmals sämtliche Zeugen über ihre s. Z. ge­machten Wahrnehmungen vernommen. Es ergab sich wieder genau dasselbe Bild, wie in der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Das Gericht kam gleichfalls zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte in der Leitung und Bedienung seines Kraftwagens nicht die erforderliche Sorgfalt be- ' obachtet und dadurch den Zusammenstoß und den Unfall des Radfahrers verschuldet hat. Seine Berufung wurde daher kostenfällig ver­worfen.

Ebenfalls keinen Erfolg mit seiner Berufung hatte ein bereits vorbestrafter Händler, der des Betrugs angellagt war. Durch falsche Angaben über seine finanzielle Leistungsfähigkeit verstand er es ohne irgendeine Anzahlung, sich in den Besitz eines Waggons Weißkraut zu bringen, um dessen Wert der zu vertrauensselige Lieferant geschädigt ist. Unter Einbeziehung einer anderen bereits rechtskräftigen Strafe wurde der Ange­klagte zu einer Gesamtstrafe von 2 Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt.

Unter Ausschluß der Oeffentkichkeit verhandelte das Gericht gegen eine Frauensperson wegen Gewerbsunzucht. Reben der Verurteilung zu einer Haftstrase von sechs Wochen hatte das Amtsgericht Gießen die Angeklagte auch der Landespolizeibehörde überwiesen. Wegen dieser Rebenstrafe verfolgte sie Berufung.