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Wie in Amerika einpräsident gewählt wich.

Oer 6. November, em Volksfest erster Ordnung. Wahlrummel und Reklame. Politik als Volksbelustigung. - Was kostet ein Wahlkampf?

Von Fred E Dillinger

(Sin Gipfelpunkt im amerikanischen Leben ist der erste Dienstag nach dem ersten Montag im November, der Tag. an dem in jedem vierten Jahr der höchste Beamte der Ber­einigten Staaten vom Volk gewählt wird. Zwar stimmt man nur über die Zwischen- kandidaten ab, doch fällt damit gleichzeitig auch die Entscheidung über den künftigen Bewohner des Weihen Hauses. Das ist eine Gelegenheit, die der senfationshungrige Amerikaner auszu­nutzen versteht. Nach den aufregenden Wahlen in den Nationalkonventen der demokrati­schen und der republikanischen Partei, die im Hochsommer tagen, nach einem Wahlkampf, der die Erregung des Volkes mit allen Mitteln moderner Reklametechnik täglich zu steigern ver­steht, werden am 6. November alle kleinen und großen Boltsredner, alle Agitatoren und Propa­gandisten noch einmal aufgeboten, um an diesem entscheidenden Tag das Höch st e zu oollb rin­gen, was anBetrieb" überhaupt geleistet wer­den kann. Die letzten großen Wetten werden abgeschlossen diesmal bieten leidenschaftliche Spieler Wetten von 5 zu I für Hoover an. Durch die Straßen ziehen unaufhörlich Trupps von De mon st ranken, die ihre Wahlparole brül­len und z. B. ohne Pause schreien:who, who, who will be our next President? Hoover, Hoover, Hoo­ver! Früher schrie mon bei solchen Gelegenheiten: Keep cool with Coolidge! oderCoofidge and Prosperity! Um den Wahltrubel zu erhöhen, werden riesige Plakate von den Demonstran­ten mitgeführt, und überall sieht man auf Bildern, in kleinen Skulpturen und zuweilen sogar in ausgestopfken und natürlichen Fellen den Esel und den Elefanten, die Symbole der beiden streitenden Parteien.

Wie ein großes Sportereignis wird der Wahl­tag gefeiert. Man will über den Fortgang des Kampfes ununterbrochen unterrichtet werden, und darum sind über ganze Häusermauern Leinwand­flächen gespannt, auf die mit großen Projettions- apparaten die ersten Stimmberichte aus allen Teilen der Union geworfen toerben. Don den Wolkenkratzern schallen durchdringend die Stimmen der Lautsprecher, die teils Dor- berichte mitteilen, teils die Stimmung durch letzte Aufrufe zu heben versuchen. Jede Partei will die andere mit kleinen Einfällen überbieten, mit geschickter Lichtreklame oder mit demHimmels­schreiber", der die Namen der Kandidaten m 11 Rauchwolken ans Firmament heftet, mit Krach und rücksichtslosen Lichteffekten, die schon rein physiologisch die Menschen aus ihrem Gleich­gewicht bringen. Bald wird die Aufregung so

allgemein, daß kein ^ilensch mehr in seinem Haus bleibt und einzelne Banden die Städte durchziehen, um den noch nicht errungenen Sieg vorweg zu feiern. Tres en sich feindliche Parteien bei dieser Beschäftigung, so kommt es natür­lich auch manchmal zu Schlägereien, zu Zwischenfällen, die die Stimmung der Zuschauer erhöhen. Es ist ein Tag, an dem der sonst recht ordnungsliebende Amerikaner seinen Ge­fühlen freien Lauf läßt. Deutsche Wahlen sind, verglichen mit einem solchen Novembertag, un­heimlich still, farblos,ohne Sportsgeist , wie der echte Pankee sagen würde. In Deutschland ist dabei der politische Kampf und der politische Haß viel stärker: denn es würde in Amerika niemals vorkommen, daß man Plakate des Geg­ners von den Mauern reiht, schon deshalb, weil diese Kundgebungen ja zur Erhöhung des Trubels beitragen und das Bild dadurch bunter wird.

Der Wahlrummel kostet natürlich sehr viel Geld. Alles bezahlt man aus dem sogenannten Schweinesettsaß", der Korruptionskasse, die jede Partei unterhält, und mit der alle maßgebenden Leutegeschmiert" werden müssen. Aus diesem Fonds werden die Fackel­züge. die großen Dersammlungen und all die Scherzar'ikel" bezahlt, die dem Wahlkampf die amerikanische Würze geben. Da die Parteien sich politisch zu wenig voneinander unterscheiden, muh auf diese Weise die Leidenschaft der Wähler-' massen geweckt werden, um sie überhaupt an die Urne zu bringen. Es muh dem Volk sinnfällig gezeigt werden, daß von der Wahl etwas ab- hängt: die Indifferenten werden durch einen rich­tigen Reklamefeldzug für den AuSgang eines sportlichen Kampfes begeistert, bei dem es in ihrer Macht steht, den Sieg zu beeinflussen. Dor allen Dingen muh man aber die Bevölkerung unterhalten, vergnügt machen, zum Lachen bringen, damit niemand traurig beifeite steht: dann werden auch die Gleichgültigen den Zettel, den man ihnen in die Hand steckt, zur Urne tragen und damit der Form Genüge tun, die über das politische Schicksal einer Großmacht entscheidet. E i n geschickter Manager ist gerade für einen solchen Tag unbezahlbar. Er muh die Eigenschaften eines Reklamefachmanns mit denen eines Conferenciers verbinden, schlag­kräftige Ideen erfinden und die Fühlung zwischen der Partei und dem Dolk etwa in der Weise Herstellen, wie der Zirkusclown die Zuschauer zum Klatschen anregt, wenn ein Akrobat ober ein Löwenbändiger seine Leistungen vorführt. So wird in Amerika ein Präsident gewählt.

Reue Lustschiffpläne.

Englisch-amerikanische Konkurrenz.

London, 5. Rov. (TU.) Rach der erfolg­reichen Ueberquerung des Ozeans nach beiden Richtungen durch das deutsche LuftschiffGras Zeppelin" werden von amerikanischer und eng­lischer Seite Ankündigungen laut, die von der Herstellung neuer Bauentwürfe von Riesenluftschiffen sprechen, an denen die beobachteten Erfahrungen desGraf Zeppelin" Berück!ichtigung finden sollen. So bereitet die englische Airship Comp. auf der Basis des feiner Dollendung entgegengehenden Burney Rolls Royce-Luftschisses einen Bauplan für ein Verkehrsluftschiff, das Raum für 186 Passagiere und eine Durchschnittsgeschwin­digkeit von 100 Meilen (eine englische Meile = 1,6 Kilometer) pro Stunde haben soll und jedem Atlantiksturm trotzen kann. Das Schiss, dessen Kosten auf 10 Millionen Mark geschätzt werden, sott die Reise London Reu York in 48 Stunden und die Rückreise vorbehaltlich guter Windverhältnisse in 36 Stunden absol­vieren.

Rach Meldungen aus Washington dagegen be­absichtigen die Goodyear ZeppelinComp. zwei Riesenluftschiffe zu.n Preise von 30 Millio­nen Mark zu bauen, die alles bisher Dagewesene überbieten sollen. Die Maschinen und sämtliche Diensträume sollen im Ballonkörper untergebracht werden. Als besondere Neue­rung wird das Schiff noch im Innern über einen Flugzeugschuppen für die Aufnahme von fünf Kleinflugzeugen verfügen, die vermit­tels eines Fahrstuhles fahrtbereit gemacht wer­den können. Ferner sollen die Zeppeline, deren Geschwindigkeit unter Berücksichtigung des Strom- liniensystemS bedeutend erhöht werden soll, einen Aktionsradius von 9000 Meilen besitzen. Die Propeller werden an beweglichen Achsen be­festigt sein und so nach allen Richtungen arbeiten können. Hierbei soll der Aufstieg durch Horizon­talstellung der Propeller beschleunigt werden.

Minister Grzesinfti Über seinen Amerikaflug.

Der Empfang in Lakehurst.

Berlin, 3. Rov. (WB.) Ein Vertreter drs WTD. Hütte Gelegenheit, mit dem Preußischen Minister des Innern Grzesinski über seine Luftfahrt nach Amerika zu sprechen. Gleich zu Beginn der Unterhaltung betonte der Minister ausdrücklich daß er lediglich a l s Pri­vatperson mitgeslogen fei. Er wollte die Gelegenheit, schnell nach Amerika zu kommen, benutzen, um in den wenigen Tagen, die ihm zur Verfügung standen, sich einen persönlichen Eindruck von den Polizei- und Der- kehrsverhältnissen in Amerika zu ver­schaffen. Der Minister schilderte weiter, wie grandios und überwältigend der Empfang tn Amerika gewesen sei. Richt hunderttausende, führte er aus. sondern Millionen Men­schen haben dem .Graf Zeppelin" zugejubelt. Ungeheure Menschenmassen haben tagelang in Lakehurst zugebracht, und. da die Lebensmittel schließlich ausgingen, gehungert und ge­durstet, um nur den historischen Augenblick nicht yi verpassen. Allen Teilnehmern der Fahrt wird tedenfalls der Flug über den amerikanischen Städten unvergeßlich bleiben.

Mit lebhaftem Bedauern sprach der Minister von den kleinen Unzuträglichkeiten, die sich bei der Abwicklung der notwendigen Paß- und Zoll­formalitäten in Lakehurst ereignet haben und die von vielen Leiten unnötig aufgebauscht worden seien. ES handele sich dabei um Mißgriffe unterer Aushilfskräfte, die 50Stunden ununterbrochen Dienst getan hatten und aus Nervosität und Uebereifer über das Ziel hinausgeschossen seien. Don einem tätlichen Dorgehen gegenüber den Passagieren, die von einem Kordon von Sicherheitsmannschaften um­schlossen waren, könne jedenfalls entgegen anderen Darstellungen nicht gesprochen werden. Pein­lich waren, erklärte der Minister, der weite Weg Weg zu der Halle und die dort vorgenommene Pah- und Zollkontrolle, die sich stundenlang ausdehnte, obgleich das Gepäck der Passagiere, bedingt durch die Grenze der Tragfähigkeit des Luftschiffes auf ein Mindestmaß beschränkt war. Die zuständigen amerikanischen Behörden haben dann selbst die Art und Wei e der Zollkontrolle als höchst unzulänglich empfunden. Jedenfalls bin ich von meiner Amerikafahrt mit Eindrücken heimgekehrt, die ich mit zu den tiefsten meines Lebens rechne.

Hessen und die Neugliederung des Reiches.

Die Einsetzung eines Landtagsausschusses beantragt.

Darmstadt, 3. Nov. (WHP.) Dem Hessischen Landtag ist folgender Antrag der demokra^ tischen Fraktion zugegangen: Der Landtag wolle beschließen, einen Ausschuß einzusetzen mit der Ausgabe zu prüfen, welche praktischen Schritte von Hessen alsbald getan werden können, um die aus nationalen und finanziellen Gründen erstrebte Neugliederung des Rei­ches zu fördern und vorzubereiten. Der Ausschuß soll feine Vorschläge nach Anhörung von Vertretern uer Berufsstande, des Hessischen Städte' und des Landgemeindetages, von Staatsrechtslehrern und anderen geeigneten Persönlichkeiten machen. Ange­sichts der Lutherscken Vorschläge für eine Reichs, reform und der lcohaften (Erörterung dieser Frage in der Oeffentlichkeit erscheint es dringend geboten, daß der Hessische Landtag nicht untätig z u - sieht, sondern eine eigene Initiative entfaltet, um Einfluß auf die Entwicklung zu erlangen.

Die Gteuervorauszahlungen für 1929 in Hessen.

Ein neuer Gesetzentwurf.

WSN. Darmstadt, 4. lllov. Der hessische Finanzminister rechnet damit, daß zu Beginn des Rechnungsjahres 1929 die Landes st euer- beschelde noch nicht zugestellt sein werden. Dies gelte namentlich für die Gewerbe- (teuer, die für 1929 nach dem Stande des Betriebsvermögens am 1. Januar 1929 und nach dem im Kalenderjahr 1928 erzielten Ertrag zu veranlagen sein wird. Fraglich ist auch, ob die auf Grund neuer landesgesetzlicher Dorschriften neu zu veranlagend» Sondergebäude­

steuer bereits zu Beginn des Rechnungsjahres 1929 erhebungsreif sein wird. Da die Staats­kasse eine Stockung in den Steuereingängen nicht verträgt, wird auch in diesem Jahr ein Steuer- vorauszahlungsgesetz notwendig, in das auch die Grundsteuer einbezogen wurde, und daS jetzt dem Landtag zugegangen ist.

Der Gesetzentwurf schließt sich in seinem Wort­laut eng an das vorjährige Gesetz an. Rach Artikel 1 sind bis zur Zustellung der Landes- steuerbefcheide über Grundsteuer, Sonde r- gebäuöefteuer und Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1929 Dorauszahlungen auf diese Steuern nach den auf Grund der Gesetze und Verordnungen für das Rechnungsjahr 1926 zuletzt festgesetzten Besteuerungsgrundlagen und Steuersätzen zu entrichten unter Berücksichtigung der für 1927 gewährten Stundungen, wenn wegen Fristversäumnis für 1926 eine Steuerermäßigung nicht mehr in Frage kommen konnte, und der Aenderungen, die nach Artikel 4 des vorjährigen Steuervorauszahlungsgesetzes eingetreten sind. Heber die Höhe der in sechs Raten zu ent­richtenden Vorauszahlungen erhält der ©teuer- pfl'.chtige schriftlichen Bescheid, gegen den das De- rufungsverfohren gemäß der Reicl)sabgabrnord- nung vorgesehen tft. Die Dorauszählung an Sondergebäudesteuer erhöht sich um 26 v.H. des sich errechnenden Betrages, falls der zu­grunde gelegte Steuerwert 7 000 Mark über­steigt. Soweit die Gewerbesteuer nach dem Ge­werbesteuergesetz 1928 veranlagt ist, tritt an die Stelle der sich sonst errechnenden Gewerbesteuer­vorauszahlung eine solche in Höhe der für 1928 veranlagten Gewerbesteuer, wenn diese um mehr als ein Fünftel von der ersteren abweicht.

Auf Anordnung des Innenministers sollen d i e Gemeinden berechtigt sein, bis zur Zustel­lung der endgültigen Steuerbescheide die Grund­steuer, Sondergebäudesteuer und Gewerbesteuer vorläufig nach den Besteuerungsgrundlagen für die Ctaatssteuervorauszahlungen zu ergeben. Die Erhebung einer vorläu igen Gewerbe st euer vdm iandwirtschaftlichenAnlage- und Betriebskapital nach dem Gemeindeum­lagengesetz hat zu unterbleiben. Die vor­läufigen Steuersätze bei der Eondergebäudesteuer dürfen für Gemeinden und Gemeindeverbände zusammen 77 Pf. je 100 Mk. Friedenswert nicht übersteigen. Den Steuerpflichtigen ist von den Ge­meinden und Gemeindeverbänden ein vorläufiger Steuerbescheid zu erteilen, da für die Gemeinden keine Steuervoraus'»ahlung, sondern eine vor­läufige Steuer in Frage kommt. Artikel 7 be­stimmt, daß die staatliche Grund- und Sonder- gebäubeftever 1928 ab gegolten ist. Diise Be­stimmung soll auch auf die Erhebung der Steuer durch die Gemcinden, Gemeindeverbän^e und auf die Umlagen anderer öffent ich-recht ich:r Körper­schaften, für deren Umlagen diese Steuern den den Maßstab bilden, ganz oder teilweise für an­wendbar erklärt werden.

RömischeSiegesfeier".

Italien hat den Krieg gewollt sagt Mussolini

Rom, 4. Rov. (Agenzia Stefani.) 62 000 ehe­malige Krieg-teilnch.ner hatten sich zur Sieges­feier in Rom versammelt. Um 9 Uh vormittags eröffnete der König im Beisein Mussolinis und der Spitzen der Behörden das Haus des Derbandes der Kriegsbeschädigten. Anschließend bewegte sich em langer Zug ehe­maliger Kriegsteilnehmer, dessen Spitze die Kriegsbeschädigten bildeten, nach der Pia^a Ve­nezia. Vom Ballon des Palazzo Venezia hielt

Mussolini eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß dem italienischen Dolk der Krieg nicht durch einen plötzlichen Angriff ausgezwun- gen worden sei, sondern das italienisch« Dolk habe vorsätzlich den Krieg gewollt. Der Eintritt in den Krieg sei ein spontaner Akt seines eigenen Willens gewesen. Etwa zwei Millionen Italiener hätten ihr Blut vergossen, um das neue Italien zu schaffen. Der Krieg sei ein glänzender Sieg Italiens gewesen. Gr sei der erste große historische Augenblick gewesen, an dem sich das ganze italienisch Dolk beteiligt habe. Der Krieg habe gezeigt, welcher Taten die Kämpfer Italiens fähig seien. Musso­lini erinnerte dann an den Marsch auf Rom und fuhr fort, die historische und revolutionäre Bedeutung des Krieges und der Revolution der Schwarzhemden beruhe darin, daß es nun end­gültig von den Alpen bis Sizilien ein einiges Volk gibt, das in Eintracht und Disziplin ver­eint entschlossen sei, das Vaterland au Große und Macht zu führen. Mussolini schloß mit der Frage: Werdet ihr, wenn es notwendig sein sollte, morgen das noch einmal tun. was wir gestern getan haben? Die Menge antwortete unter F-Hnenschwenlen und mit dem römischen Gruß mit einem tausendstimmigen Ja.Dann", fuhr Mussolini fort,tragt den Widerhall dieses Gelöbnisses in alle Winkel des Vaterlandes. Es lebe Italien!"

Kabinettskrisis in Rumänien.

Bratianu zurückgetreten.

Bukarest, 5. Rov. (Priv.-Tel.) Der rumä­nische Ministerpräsident Bratianu hat plötzlich seine Demission eingereicht. Sein Schritt kommt insofern überraschend, als seine Stellung nach dem Abschluß der Stabilisierungsanleihe als doppelt gefestigt galt. Es müssen aber Kräfte gegen ihn am Werke sein, die sich im Augenblick noch nicht klar erkennen lassen, die aber doch stärker waren, als er vielleicht selbst vermutet hatte. Jedenfalls hat sich der Regent­schaftsrat nicht nur darauf beschränkt, ihm seinen Dank für den Abschluß der Stabilifierungs- an.'eihe zu übermitteln, sondern gleichzeitig nahe- oulcgen, von fernem Posten zurückzutreten. Bra.mnu hat denn auch keine Minute gezögert, die Regierungsgeschäste niederzulegen. Das be­deutet natürlich nicht, daß er nunmehr die Waffen strecken wird. Er wird vielmehr seine Liberalen von neuem gegen seine Gegner ins Feld führen und die erste sich bietende Gelegenheit benutzen, die Regierungsgewalt wieder an sich zu reißen. Vorläufig scheint aber die nationale Bauernpartei das Feld zu behorchten, mit der auch der Regentschastsrat sympathisiert. Völ­lig unzutreffend dürfte wohl die Vermutung sein, daß Prinz Carol die Hand im Spiele hat und daß auf ihn der Sturz Bratianus, seines er­bittertsten Feindes, zurückzuführen ist. Carols Rolle in Rumänien ist ausgespielt, er besitzt in seiner Heimat keinen nennenswerten Anhang mehr.

Die Regentschaft hatte am Sonntag Besprechun­gen mit den Parteiführern. Bratianu wird erst am Montag empfangen werden. A v e r s c u, I o r g a und Lupu setzten sich für die Bildung einer Konzentrationsregierung ein, die die Stabilisierung und unter Umständen im Januar Neuwahlen durchführen müßte. M a n i u forderte eine Regierung der nationalen Bauernpartei mit Titulescu als Außenminnister. Wie verlautet, würde die Re­gentschaft eine Konzentrationsregierung unter

Führung TilulescuS am liebsten sehen. Sine solche Regierung sott auch den ausländischen Bankiers am liebsten fein. Die nationale Bauernpartei, die unbedingt der Regierung angehören mutz, zeigt bisher wenig Neigung, an einer Konzen» tratiDnSregicrung teilzunehmen. Eine Konzen­trationsregierung würde nur bis zu denReu- Wahlen bestehen bleiben. Die künftige Regie­rung wird sich dann aus der Zusammensetzung des neugewählten Parlaments ergeben. Sollte die Äonaentrationßregierung nicht zustandekom- men, so ist nur eine Regierung Mcmiu möglich. Die Bildung des neuen Kabinetts ist erst Ende dieser Woche zu erwarten.

Aus aller Wett.

Tas Urteil im Mordprozetz Gioth

Frankenthal i. d.Psalz, 3. Rov. Das Schwurgericht Verurteilte h ute Mitternacht nach fünftägiger Verhandlung den des dreifachen Mor­des und dreifachen Mordversuchs angelegten Elektriker Franz Gioth, der nach erfolget Ent­lassung aus dem Ludwigshafener Werk der I.- G -Farbenindustrie am 18. April in das Werk eingedrungen war und ausRachezweiMei- ster und einen Kalkulator erf c£ offen und drei andere Personen verletzt hatte, wegen dreier Verbrechen des Totschlages und dreier Verbrechen des Totschlagsvcrsuchs zu einer Ge­sa mtzuchthaus strafe von 15 Jahren und Aberkennung her bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Der Staatsanwalt hatte wegen dreifachen Mordes Verurteilung zur Todesstrafe (dreimal) und wegen dreifachen Mordversuchs eine Zusahstrafe von 15 Jahren Zuchthaus sowie Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebengszeit beantragt.

Thorr-Gedenkfeier

dec Landwirtschaftlichen Hochschule Poppelsdorf.

Anläßlich des 100. Todestages des Begründers der Landwirtfchaftslehre, Albrecht Thaer, hielt die Landwirtschaftliche Hochschule Poppelsdorf eine Ge- denkseier ab. Außer den Spitzen der Behörden hat­ten sich die Chargierten sowie die Studenten und sonstigen Anaehörigen der Landwirtschaftlichen Hoch­schule einaefunben. Der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Dr. Stei­ger, behandelte in einer Rede das Geben und Wirken Thaers und die Frage des Aufstieges der Landwirtschaft, den nach Kräften zu förbem Die Ab­sicht der Regierung sei. Diesem Ziel solle u. a. die Errichtuna einer Musterdomäne dienen. Der Landwirtschaftlichen Hochschule wurde zur Unter­stützung bedürftiger Schüler eine Thaer - Spende in Höhe von zehntausend Mark übermittelt. Alsdann verbreitete sich Professor Beckmann über Hundert Jahre westdeutsches Bauerntum", worauf die Ehrenpromotionen bekanntgegeben wur­den. Zu Ehrendoktoren der Landwirtschaft wurden promoviert der preußische Staatsininister und Mi- m|ierpräfiöeiit Dr. h. c. Otto Braun, der preußische Staatsminister und Minister für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten Dr. h. c Heinrich Steiger, der Reichöernährungsminister u. D. Earl Schiele, der Präsiüeitt des Neichsverbandes der . Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschafteu, Landesökono- mierai Peter Johannsen, der Geh. Iustizrat Professor Dr. Schumacher, der Universitätsprof. Dr. Carl Diehl, ferner der Geh. Realcrungsrat Prof. Dr. K ö n i g , Prof. Dr. Heinrich Kleebahn, Landesökonomierat Joseph Krewel, Direktor der Moorversuchsanstall Prof. Dr. Bruno Tacke und Rittergutsbesitzer Freiherr ClemenevonLöe.

Oie Wetterlage.

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Lvc tervoraussage.

Heber Süddänemark, der Rordfee und dem deutfcheir Küstengebiet liegt eine Druckstörung, die dort zu verbreiteten und teilweise recht er­giebigen Niederschlägen führt. Das nördliche Deutschland und das ganze Küstengebiet meldeten heute morgen Regen. Mittel- und Süddeutschland dagegen, (6ad außerhalb des Reaengebietes liegt, hat vielfach heiteres Wetter. RNt Der Kaltluft- zuftchr an der Rückseite Der Störung Dürften auch in unserem Gebiet Die Temperaturen zu- rückgehen, so daß stellenweise Gefahr leichten Nachtfrostes besteht. Dabei gestaltet sich Der Wit­terungscharakter veränDerlich unD mit Dem Auf­treten einzelner Regenschauer ist zu rechnen.

Wettervoraussage für Dienstag: Wechselnd wolkig, Temperaturen nachts um Ge­frierpunktnähe, einzelne Regenschauir.

Witterungsau 5 sicht en für Mitt­woch: Wenig Aendecung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 4. November: mittags 11,7 Grad Celsius, abends 8,5 Grad Celsius; am o. Nov.: morgens 6,8 Grad Celsius. Marlmum 12 Grad Cel­sius, Minimum 6,8 Grad Celsius. (Erbtempera- turen in 10 Zentimeter liefe: am 4. November: abends 8,4 Grad Celsius: am 5. November: morgens 7,6 Grad Celsius.