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ersenduagSgegenstand öle Schafsuug eineL m i t der Paketpost zu befördernden Päckchens im Gewichte bis zu zwei Kilogramm und mit Abmessungen Don oO X 20 X 10 Zentimeter oder 40 z 25 X 10 Zentimeter gegen eine Einheits- gebühr von 60 Pf. Beide Gebührensätze gelten für alle Entfernungen. Die Neuerungen fanden groben Anllang bei allen Beteiligten, ins- besondere auch bei den Vertretern der Wirt- schait. wenn auch diese in einzelnen Punkten ihr Bedauern über die Unmöglichkeit der Berück­sichtigung weitergehrnder Wünsche zum Aus­druck brachten.

Bombenatientat auf Tschangtsolin.

Ter Marschall verletzt. Kritische Lage in Mukden.

Tokio, 5. Juni. (TU.) wie schon in einem Teil der gestrigen Ausgabe gemeldet wurde, wurde aus Marschall Tschangtsolin ein Bomben- attentat verübt, wahrend et sich auf der Fahrt von Peking nach Mnkden be­fand. Das Bombenattentat fand unmittelbar bei der Einfahrt in Mukden statt. Als der öonderzug des Marschalls die Brücke bei Laotaokoo postierte, wo die füdmanfchurifche Ei­senbahn. die Tientsin- und Mukden-Lisenbahn kreuzt, explodierte unter dem wagen Tfchoogtsolins eine Bombe, die diesen und zwei andere wagen schwer beschädigte. Tschangtsolin wurde durch Splitter im Gesicht verletzt, ebenso der ihn begleitende General wutschung- tsung. Auch von den zur Begrüßung erschie­nenen Persönlichkeiten wurden eine ganze Anzahl verletzt, andere getötet. Unter den Getöteten befin­det fich der japonifche Major G i g a, der sich als Ratgeber bei Tschangtsolin befand. Tfchanglfolin wurde sofort im Auto in sein Mukdener Schloß gebracht, wo er ärztlich behandelt wird. Rach dem Attentat spielten sich beispiellose Szenen ab. Die Lisenbohnbrücke geriet in Brand und die Leibwache Tschanglsolins eröffnete ein zielloses Feuer noch allen Seiten, wie es heißt, find eine Reihe von Todesfällen hierauf zurück­zuführen.

Der Bombenanschlag hat in japanischen Kreisen ungeheures Aufsehen erregt, da man besürchtet, daß der Bombenanschlag das Signal zu einer allgemeinen Erhebung angeben wird. Der Täter ist noch nicht ermittelt. Gerücht­weise verlautet, daß die Urheber des Attentats mit einem Ausschuh zur Befreiung der Mandschurei in Verbindung stehen. Die ja­panische Polizei hat die Leitung der Untersuchung übernommen. Bon chinesischer Seite werden hef­tige Anklagen gegen Japan laut. Die Japaner werden beschuldigt, den Zwischenfall her­vorgerufen zu haben, um Tschanglsolins Berschwinden von der Bildfläche zu sichern. Unter den Schwerverletzten befindet sich auch der Landwirtschostsminister der Pekinger Regierung, wutschungscheng, der Gouverneur von heilunkiang, soll seinen bei dem Bombenanschlag auf Tschangtsolin erlittenen Berlehungen erlegen sein. Die Nachricht seines Todes wird aber geheim­gehalten, damit die Moral der Truppen in . Hcllungtlang nicht gefährdet wird. Marfchall Tschanglsolins Befinden ist ernst.

Aus aller Welt.

Dereifernc Gustav" in Paris.

Der Berliner Droschkenkutscher Gustav Hart- mann, der am 2. April mit seiner Pferdedroschke die Fal, rt von Berlin nach Paris angc- treten hat, als Krönung feiner 43jährigen Berufs- laufbahn, ist Montag nachmittag 4 Uhr durch die Porte de Pantin in die französische Hauptstadt e i n- gezogen. Seine Ankunft mar von lebhaften Sympathiekundgebungen begleitet, bei denen auch Hochrufe auf Deutschland laut wurden. Die reich mit Blumen geschmückte Droschke, in der der Ber­liner Journalist Theobald die Fahrt mitgemacht hatte, wurde auf ihrem Wege durch die Boulevards von einer zahlreichen fpalierbildenden Menge leb­haft begrüßt. Der Platz vor der Oper und die Stu­fen der Madeleine und die Fenster und Balkons der benachbarten Häuser waren vo nNeugieri­gen überfüllt. Laute Bravorufe und Hände­klatschen begrüben den alten Kutscher, der mit fei­ner in den französischen Farben dekorierten Peitsche nach allen Seiten hin unaufhörlich dankte. Nach Schluß der Läden und Bureaus um 6 Uhr abends schwoll die Menge derart an, daß b i e Absper­rungen durchbrochen wurden und das Ge­fährt, dem sich eine Abordnung alter Pariser Kut- scher sowie Studenten anschlosfen, nur mit Mühe zur Rue Royale gelangen konnte, wo die Zeitung Paris Midi" einen ersten Empfang für Gustav Aartmann veranstaltete.

Der rasende Aulobus.

Gin aufregender Vorfall, der um Haaresbreite au einer Katastrophe hätte werden können, spielte sich in der Potsdamer Straße in Berlin ab. Dort war bei einem in voller Fahrt befind­lichen Autoomnibus die Bremsvorrich­tung beschädigt worden, so daß der Wagen nicht zum Halten gebracht werden konnte. Der Führer mußte notgedrungen in schnellem Tempo durch die verkehrsreiche Straße fahren und den stark besetzten Wagen zwischen zahlreiche andere Gefährte hindurchlenken, bis es ihm ge­lang, den Wagen zum Stehen zu bringen. Zahlreiche Fahrgäste sprangen von dem Wagen, der jeden Augenblick mit einem ihm entgegen­kommenden Fahrzeug zusammenzustoßen drohte, ab. Fast alle trugen leichtere Beschä­digungen davon. Einer Insassin wurde in dem furchtbaren Gedränge eine frische Operations­wunde aufgerissen, so daß die Frau schwer ver­letzt zu einem Arzt gebracht werden muffte. Die Polizei hat den Kraftwagen beschlagnahmt, um die Ursache des unglaublichen Dorkommnisles festzustellen. Einzig der Geistesgegenwart des Führers ist es zu danken, daß die tolle Fahrt glinrpflich abgelaufen ist. Enn besonderes Glück war es. daß die Straßenkreuzungen, die der bremsenlose Autobus überqueren mußte von vassirrenden Fahrzeugen frei waren Die Strecke. Die der Autobus ohne Bremsen zurückgelegt hat, mißt über 800 Meter.

Liu Lastaulornobil vom Schnellzug erjagt-

Der internationale Schnellzug LinzPrag hat bei Bienendors lBezirk Budweis) ein mit Markt- fahrern voll be'etzies Lastautomobil beim lieber- queren der Bahnübersetzung ersaßt. Dabei wurden drei Personen getötet und eine Person leicht verletzt. Der Kraftwagen wurde zertrüm- mert Der diensthabende Bahnwärter wurde verhaftet, da et den Unfall dadurch herbei- geführt hoben soll, daß er die Bahnschranke trotz des Herannahens des Zuges für das Durch­fahren des Automoblls noch einmal geöff­net hatte.

Gesangenenausbruch.

Als im Schwabacher Amtsgerühtsgesängnis der stellvertretende Gerichtswart 2 e f den Gefange­nen das Abendessen reichen wollte, wurde er

yon einem ^ah^en Olntersuchungsgefangenen und einem 20jährigen Strafgefangenen zu Bo­den geworfen und schwer mißhandelt. Die Meuterer entrissen ihm den Schlüsselbund, öff­neten die Zellentür und flüchteten aus dem Gr ängnis. Der schwervor.etzte Beamte wurde von dem später heimkehrenden Oberwachtmeister in der Zelle e i n g e s ch l o s s e n aufgesunden und mußte m das Krankenhaus gebracht werden. Don den beiden Entwichenen fehlt bis jetzt jede Sour.

Zwei Münchener Touristen tödlich abgestürzt.

Wie der Bergwacht aus Hinterbärenbad gemeldet wird, stürzten im Saifergebirge die beiden Münchener Touristen Julius Marschall und Georg Rassler tödlich ab. Die Leichen der beiden Berun- glückteo wurden nach Hinterbärenbad gebracht.

llm die Tariferhöhung der Reichsbahn.

Vor der Entscheidung des Reichskabinetts.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 5. Juni. Je näher der Zeitpunkt rückt, zu dem die Entscheidung über die Tarif­erhöhung bei der Reichsbahn fallen muh, um so mehr häufen sich die Gerüchte darüber. Jeden- alls wird das alte Kabinett in seiner Dienstag-Sitzung nochmals die Frage behandeln und dabei bas gesamte Problem einer eingehen­den Prüfung unterziehen, um in einer ausführ­lichen Antwort seine Stellungnahme zu dem An­trag der Reichsbahn zu begründen. Man scheint aber auch in diesen Kreisen noch nicht ganz einer Meinung zu sein. Gewiß ist das Pro­blem nicht ganz einfach. Daß manche Kavitalien ür einen weiteren Ausbau der Reichsbahn not* vendig wären, läßt sich nicht leugnen. Anderer» eits sind die Einnahmen der Reichsbahn durch­aus nicht schlechter geworden, so daß vor allem der Reichsverkehrsminister auch heute noch auf dem Standpunkt steht, baß eine Er­höhung der Tarife inkeiner Weise in Frage kommen könne.

Der Reichswirtschaftsminister, der morgen zum erstenmal wieder für die Kabinetts­entscheidung zur Verfügung stehen kann, und der ich in der letzten Zeit noch einmal ziemlich aus- ührlich und eingehend mit'dem gesamten Pro­blem befaßt hat und dabei vor allem auch den Auswirkungen einer solchen Maßnahme auf die gesamte Wirtschaft nachgegangen ist, wird aller Wahrscheinlichkeit auch morgen wieder seinen ablehnenden Standpunkt zur Kenntnis bringen. Namentlich eine Erhöhung der G ü t e r t a r i f e ist für die Wirtschaft untrag­bar und kann von keiner zuständigen Stelle verantwortet werden. Trotzdem tauchen merk­würdigerweise auch aus Kabinettskreisen Mei­nungen auf, die stutzig machen. So sagt man,

daß eine Erhöhung der Gütertarife wohl nicht in Frage kommen könne, daß man aber eine Erhöhung der Personentarife wohl cTtoägcnStDert hielte, denn, und hier kommt der Trugschluß, die Erhöhung der Personentarife, die zu gleicher Zeit mit einer Einführung des Zweiklassensystems verbunden wäre, brächte für die 3. Klasse, die sog. Holzllasse, doch keine nermenswerte Erhöhung und der Auf­schlag auf den Taris der 4. Klasse wäre schon zu ertragen. Dieser Standpunkt, und darin sind sich alle interessierten Kreise einig, muß a u f das energischste z u r ü ck g ew ie se n wer­den. denn die 4. Klasse ist gerade die, die a m meisten frequentiert wird und die deshalb bei einer Erhöhung auch die unangenehmsten Folgen für das Publikum bringen würde. Jedenfalls erwartet man aber trotzdem einen negativen Beschluß des Reichskabinetts.

Der R e i cd s f i n a n z m i n i st e r hat sich zudem bei seinen Besprechungen mit dem Reparation s- agenten ebenfalls mit der Frage beschäftigt, zu­mal ja die Reichsbahn bei dem gesamten Repara­tionsproblem eine wichtige Rolle spielt. Irgendwelche Entscheidungen sind natürlich bei dieser Unterredung nicht getroffen worden: es kam vielmehr daraus an, sich über die gegenseitige Ansicht zu informieren. Am kommenden Samstag tritt auch der Berwal- t u n g 5 r a t der Reichsbahn zusammen, der dann auch zu der Antwort des Reichskabinetts Stellung zu nehmen hat. Er fleht ja nach wie rar auf dem Standpunkt, daß eine Erhöhung notwendig fei. Ob er sich nun mit den Vorschlägen des Reichs- kabinetts, aufeineandereWeisedie Finanz­mittel hcreinzubringen, einverstanden erklären wird, ist noch sehr fraglich. Es steht zu erwarten, daß er unverzüglich dem neuen Kabinett einen neuen An- trag vorlegt.

Oie Genfer Ratstagung.

Stresemann und Briand fehlen in Genf.

Genf, 4. Juni. (WTD.) Der Dölkerbunds» rat ist heute vormittag unter dem Vorsitz des kubanilchen Ratsmitglieoes und Gesandten in Der- lin. Aguero Bethancourt, der turnus­mäßig die nächsten drei Monate die Funktionen des Ratspräsidenten ausüben wird, zu seiner 50. Tagung zusammengetreten. Deutschland und Frankreich, die seit der Ausnahme Deutschlands in den Döllerbund im September 1926 für jede Ratstagung ihre Außenminister Dr. Stresemann und Briand nach Genf ent­sandt hatten, sind diesmal durch Staatssekretär v. Schubert und Paul-Doncour, den zweiten Delegierten Frankreichs beim Völker­bundsrat. vertreten, während für Engi a n d wie­derum S i r Austen Chamberlain am Ratstisch Platz genommen hat. Auch die mei­sten anderen Ratsstaaten haben die gleichen Ver­treter entsandt, denen sie bereits in den letzten Tagungen ihre Vertretungen übertragen hatten.

Die Tagung wurde, wie üblich, durch eine nicht­öffentliche Sitzung zur Genehmigung der Tagesord­nung und Regelung einiger Verwaltungsfragen er­öffnet. Die Hauptfragen Der neuen Ratstagung, die Beilegung des Zwischenfalles von St. Gotthard, der ungarisch-rumänische Optantenstreit und der Stand der polnisch-litauischen Verhandlungen wer­den erst in der zweiten Hälfte dieser Woche zur öffentlichen Behandlung kommen. Der erste Teil der Tagung wird im wesentlichen nur wegen Der Entscheidung über Die schwebenden Minder* hejtsklagen, besonders wegen der deutschen Minderheitsschulen in Polnisch-Oberschlesien, von Interesse sein. Man erwartet bereits für den An­fang Der Tagung zahlreiche Besprechungen mit Dem litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras, Der, wie allgemein angenommen roirD, fich Diesmal vermehrten S chw i e r i g k e i t e n bei Der Vertretung feines Standpunktes gegenübersehen wird. Die polnisch-litauische Frage wird frühestens am Mittwoch und der Optanten ft reit kaum vor Freitag ,ur Debatte gestellt werden. Obwohl Rumänien bei feinem Widerstand gegen Die März- entscheiduna des Rates bleibt, glaubt man in un­garischen Kreisen annehmen zu Dürfen, daß der Rat nunmehr Durch Die Ernennung Der beiden neu­tralen Zusatzsachverständigen in das ungarische Schiedsgeri cht zur Verwirklichung seines Be­schlußes schreitet.

Die öffentliche Sitzung wurde von dem neuen Ratspräsidenten Bethencourt mit einer kurzen Ansprache eingeleitet, in Der er u. a. Der Zuver­sicht Ausdruck gab, daß Quinones de Leon bald wieder im Rat mitwirken werde. Spa­nien und seine Regierung haben, so erklärte der Ratspräsident. durch Wiederaufnahme ihrer Mitarbeit im Döllerbund der Welt ihre un­erschütterliche Treue zu dem Ideal des Frie­dens und der internationalen Zusammenarbeit bewiesen. DaS Anwachsen der Arbeiten des Ra­tes und der Versammlung, die in den achtein­halb Jahren ihrer Tätigkeit insgesamt 1> » Jahre tätige Zusammenarbeit von ungezählten Dele­gierten gebracht habe, sei der beste Beweis für bic Erstarkung des neuen internationalen Lebens. Es wurden sodann die Berichte über Kinder­schuh und über die Tätigkeit des Hy g iene- auss chuf ses genehmigt Der Hhgienebericht verzeichnet ein erstmaliges praktisches Singrci en zugunsten tuberkulöser griechischer Flüchtlinge und ferner die Mitarbeit Der Hhgieneabtcilung des Völkerbundes bei der Hilfsorganisation zugunsten

der von dem Erdbeben betroffenen Bulgaren. Außerdem wird im Zusammenhang mit der vom Völkerbund nach Frankfurt einberufenen Tagung zur S tandardi sier ung der Heilsera den deutschen und preußischen Be­hörden der Dank für die gewährte Gastfreund­schaft ausgesprochen.

Auf Antrag Rumäniens wurde noch beschlossen, die Berichte des Sicherheitskomitees, be­kanntlich eines vom Vorbereitenden Ausschuß ab­hängigen Ausschusses, auf die Tagesordnung der näch ten Völkerbundsversammlung zu setzen. Die nächste öffentliche Sitzung wurde auf Dienstag vormittag eingesetzt. Für morgen ist außerdem eine geheime Sitzung anberaumt zur Kenntnis­nahme des Berichtes des Dreier-Ausschusses über die Untersuchung des Zwischenfalles von Et. Gott­hard. dessen öffentliche Behandlung am Donners­tag erfolgen sollte, falls sich nicht neue Schwie­rigkeiten ergeben.

Genfer Besprechungen.

® enf, 4. Juni. (Priv.-Tel.) Der heutige Rach­mittag brachte verschiedene Einzelbespre- (jungen der Delegationsführer. So stattete Staatssekretär Dr. v. Schubert dem englischen Staatssekretär des Aeuhern Sir Austen Chamberlain einen halbstündigen Besuch ab, bei dem die politischen Punkte der Tagesordnung einschließlich der oberschlesischen Minderheits­fragen kurz erörtert wurden. Außerhalb der Tagesordnung stehende Fragen wurden nicht be­rührt. Gegen Abend begab sich der litauische Ministerpräsident Woldemaras zur deut­schen Delegation und hatte mit Staatssekretär v. Schubert eine eineinhalbstündige ilnterrebung. Bei dieser Besprechung, von der, wie verlautet, sich der litauische Ministerpräsident sehr be­friedigt zeigte, wurden auch die schwebenden deutsch-litauischen Verhandlungen gestreift. Wol­demaras gab der Presse gegenüber der Meinung Ausdruck, daß die Entwicklung der Memel» frage in den in Berlin zwischen Reichsminister Dr. Stresemann und ihm besprochenen Sinne weiter gute Fortschritte mache und die kleinen Schwierigkeiten immer geringer werden. Des weiteren erklärte er auf Befragen, daß er nicht die Absicht habe, in der gegenwärtigen Ratstagung auf die polnische Rote tragen Wilna, die heute in Abschrift den RatSmitgliedem über­reicht wurde, zu antworten.

Die politischen Fragen.

3t. Gotthard und Ailna

Genf, 4. Juni. (WTB) Der erste Tag Der Ratstagung läßt trotz Des ungewöhnlich ruhigen Auftaktes bereits heute abend erkennen, Daß auch diesmal um Die Weiterbehandlung Der politischen Punkte Der Tagesordnung zunächst ein Ringen ein­gesetzt hat. Zwei Fragen stehen heute im Vorder- grunbe Der Tagung: Die St. Gotthard- Affäre und Der polnisch-litauische Aon- flirt. Der Durch Die Zustellung einer polnischen Rote wegen Wilna an die RatsmitglieDer eine Verschärfung zu erfahren schien. In Den Abend­stunden jedoch macht sich mehr und mehr Die Aus­lastung gellend, daß auf beiden Seiten keine Lust besteht, die Wilna-Frage zu forcieren, Die der Rat ja bekannttich auch bei seinem ersten Beschluß im Dezember aus Dem Spiel sehen wollte. In die­

ser Frage Dürfte sich Der Rat auf eine erneute und noch dringlichere Empfehlung zur Pflege direkter Verhandlungen beschränken. Die 5 t Gotthard* Affäre, Ser zweite Punkt, auf Den sich am heu­tigen Abend das allgemeine Interesse konzentriert. Dürfte in Der für morgen angesetzten ©eheimfiyung zu erheblichen Auseinandersetzungen führen. Da Der Bericht des Dreierausschusies bet Der Kleinen (En­tente auf entschiedenen Widerspruch stoßt. Unterstützt von Frankreich, wollen ihre Ver­treter versuchen, wenigstens Den Schlußfolgerungen des vorliegenden Berichtes eine Schärfe zu geben, durch die ihrer Mißstimmung gegen Un­garn Rechnung getragen und ihr Schritt beim Dölkerbundsrat wenigstens moralisch gerechtfertigt würde. Der Entscheidung über die von Frankreich im Zusammenhang mit der St. Gotthard Angelegen- beit aufgeworfene Frage Der Erweiterung Der Be­fugnisse des Ratspräsidenten will Frankreich nun­mehr selbst Durch eine Vertagung aus Dem *2T;ge gehen In welcher Richtung die französischen Absichten in Wirklichkeit gehen, erhellt Daraus. Daß Paul-Boncourt heute abend Der französischen Press« gegenüber von Der notroenDigen Verkop­pelung Dieses Fragenkomplexes mit den im Sicherheitskomitee geplante« ^Kricgsver- Hütungsmaßnahmen unD feinen Arbeiten im allge­meinen gesprochen hat.

Hilferufe Robiles?

Verschiedene Funkstationen haben einen ver­stümmelten Hilferuf aufgefangen, den man Roblle »uschreibt. Es wird angenommen, daß er an der nordsibirischen Küste oder auf einer der vorgelagerten Inseln nieberge* gangen ist, so daß vielleicht doch noch die leise Hoffnung besteht, ihn retten zu können. Die Hilfsexpeditionen, soweit sie auf Spitz­bergen eingetroffen sind, haben ihre Rachfor­schungen schon ausgenommen. Alpenjäger sind unterwegs, um den nördlichen Teil Spitzber­gens abzusuchen, die .Draganza" versucht, durch das Packeis hindurchzudringen, um mög­lichst weit vorstohen zu können. Außerdem sind auch schon die Flieger an der Arbeit. Die nach Rorden und Rordosten strahlenförmig auS- schwärmen werden. Es wird natürlich nicht leicht sein, sehr rasch irgendwelche Spuren zu finden, da ein ungeheures Gebiet abzusuchen ist und unter Umftänbcn die Flüge bis in das Eis­meer selbst hinein ausgedehnt werden müssen. Die ,Hobb h" ist um 6,30 Uhr nachmittags mit einem Wasserflugzeug, Lützow Holm, vier Italienern, Hunden und deren Führern an Bord nach der Mosselbay via Amsterdam- Inseln ausgelaufen. Das Schiff ist mit einer Radioanlage versehen. Es wird voraussichtlich Donnerstag oder Freitag zurückkehren. Spät in der Rächt zum Montag fing ein Radio­amateur in Tre Ile borg auf ungefähr 900 Meter Wellenlänge folgenden Funlfpruch auf: .Hallo, hallo, Italia Robile, S. O. S., la Com­mission Rome, Kingsbay invisible, Radio Bor­deaux." Die Meldung wurde etwa SOrnal wieder­holt. Aehnliche Signale wurden auch von an­deren Radioamateuren aus gefangen.

Ein Radioamateur namens Schmidt in Wos­nessensk hat auf der Welle 33 bis 35 Meter, welche der Wellenlänge der .Italia" entspricht, folgenden Funks pruch auf genommen: .Italia Robile Franz Josephsland S. O S. S. O. S. ö. 0.6. gelanoeL' Die schwedische Radivsta- tion in Hernesand hörte um 4,13 il&r nachm. einen kräftigen Kurzwellensender, der das Luft­schiff .Italia" anries und folgenden Funkspruch auf französisch auSsandte: Wir haben die Rach- richt bekommen, daß Sie aus Franz Jofefsland sind. Die Meldung wurde mehrmals wieder­holt. Man nimmt an. daß es sich um eine rus­sische Station handelte.

Die Wetterlage.

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Das nordeuropäische Drucksallgebiet hat sich infolge starker Temperaturgegensätze weiter ver­tieft und südlich ausgebreitet. Sein Kern lag heute morgen über dem Botnischen Meerbusen und Finnland. Die an der Rückseite der Störung vordringenden kühleren Luftmassen führen zu veränderlichem Wetter mit Regen in Form von Schauern, und lassen zunächst keine Erwarmung auf kommen.

Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnd wolkig, kühl, zeitweise etwa- Regen.

Witterungsaussichten f. Donners- tag: Roch kühleS, wechselnd wolliges Wetter mit vereinzelten DiedcrschlSgen.

Lufttemperaturen am 4. Juni, mittag» 26,5 Grad Telsius, abends 17 Grad Celsius am 5 Juni, mor­gens 10,6 Grad Celsius. Maximum 27 Grad Celsius, Minimum 9,8 Grad Celsius. (ErDtemperaturcn am 4. Juni: abends 22,3 Grad Celsius: am 5. Juni: mor­gens 18,3 Grad Celsius. Niederschlag 0,3 Milli­meter. Sonnenscheindauer 9% Stunden.

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