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Oer -riiisch-ägyptischeVertrag

Demission

deS ägyptischen Ministerpräsidenten.

Kairo. 4. März. (IDB.) Ministerpräsident Satroai Pascha hat angeblich aus Gesundheits­rücksichten seine Demission gegeben. In gut un­terrichteten Kreisen wird nicht daran gezweifelt, daß Sarroat Pascha tatsächlich zurückgetreten ist, weil es ihm nicht gelang, seine Kollegen zur Annahme des englisch-ägyptischen Vertrags- entwurses zu überreden. Sarroat Pascha soll vor dem Rücktritt dem britischen Oberkommissar tnif- geteilt haben, daß die ägyptische Regierung die Vor­schläge sür einen neuen Vertrag a b g e l e h n t habe. Die Minister sind gestern abend zu einer Be­ratung zusammengetreten, an der Sarroat Pascha nicht teilnahm, und haben sich über eine schriftliche Antwort an den englischen Residen- t e n geeinigt, die heute dem britischen Oberkommis­sar Lord Lloyd überreicht werden soll. Wie ver­lautet, wird in der Antwort des Kabinetts erklärt, dah die englischen Vorschläge unannehmbar und mit der Unabhängigkeit Aegyptens unver­einbar seien, da die Vorschläge die Anerken­nung eines britischenRechtes. Aegyp­ten zu besehen, einschlössen, was niemand zu­lassen könne.

Dl'eAendenmg des Tangerstatuts

Ein spanisch-französisches Abkommen unterzeichnet.

Paris, 3. März. (WD.) Außenminister D r i a n b und der spanische Botschafter Qui­no n e d d e Leon haben ein französisch-spani­sches Abkommen über einige Aenderungen im Statut von Tanger aus dem Jahre 1923 unterzeichnet. Dieses Statut bestimmte für die Dauer von sechs Jahren einen französi­schen Verwalter und zwei stellvertretende Verwalter, von denen der eine spanischer, der andere englischer Nationalität fein muhte, während der Befehlende der Gendarmerie ein Belgier war. Das heute unterzeichnete Abkommen läßt verschiedene Aenderungen ein­treten. Vach der Havasagentur wird zum Be­fehlshaber der Gendarmerie ein Spanier ernannt und Spanien wird in der Verwaltung eine umfassende Volle eingeräumt werden, während der Verwalter nach wie vor ein Franzose bleiben wird. Das Abkommen respektiert die Souveränität und laßt die ganze Bedeutung des Tangerstatuts intakt. Cs ver­mindert weder die Rechte noch die Prärogative der Behörden von Tanger, also die Rechte des Mendoub, der gesetzgebenden und der Verwal­tungsbehörden, sowie der Kontrollbehörden, hält also das Gleichgewicht, das durch bas Statut zwi­schen diesen einzelnen Instanzen hergestellt worden ist, aufrecht. Das Abkommen bezweckt, Waffen­schmuggel und Unternehmungen gegen die öffent­liche Sicherheit in Marokko und im Auslande wirkungsvoller als bisher zu unterdrücken.

3m übrigen wird Mthenminister Briand den heute in Paris eintreffenden britischen Außen­minister Sir Austen Chamberlain empfan­gen und ihm von dem Inhalt des Abkommens Kenntnis geben. Eine Stellungnahme Chamber­lains dürfte heute nicht zu erwarten sein, denn die Havasagentur kündigt bereits an, daß eng­lische und italienische Sachverständige in Paris erwartet werden, die von dem Inhalt des französisch-spanischen Tanger-Abkommens Kennt­nis nehmen sollen. Wie Havas berichtet, wird eine Unterredung Sir Austen Chamberlains mit dem spanischen Botschafter in Paris auch auf die Eventualität eines Wiedereintrittes Spaniens in den Völkerbund Bezug nehmen.

Oer Tiroler Klerus bittet um päpstliche Intervention.

Innsbruck, 3.März. (WB.) Der deutsche Klerus der Diözese Trient hat an den Fürstbischof Endrizzs das Ersuchen gerichtet, beim Vatikan einen Visitator für Südtirol zu erbitten. Dieser müsse politisch neutral fein und die deutsche Sprache können sowie wo­möglich einem neutralen Staate ange­hören, damit er das Vertrauen gewinne. In der Konferenz der deutschen Dekane der Diözese Trient erklärten sämlliche Anwesenden dem Fürstbischof, daß die Erteilung des Religionsunterrichtes in ita­lienischer Sprache von der gesamten deutschen Geist­lichkeit a b g e l e h n t. werde. Die Dekane ersuchten Len Fürstbischof um Intervention beim Vatikan. Der Klerus des Dekanats Mals hat beschlossen, sich durch kein Verbot von der (Erteilung des Religionsunter­richtes in der Muttersprache abbringen zu lassen.

Verbot derVossischen Zeitung" in Italien.

B e r l i n , 3. März. (WB.) DieB o s s i s ch e Z e i- t u n g" ist durch Verfügung der italienischen Behörde für das ganze italienische Staats­gebiet verboten worden. Als Grund wurde dem Korrespondenten des Blattes die angebliche n * i t Q I i e n i j oft e und a n t i f a s z i ft i s ch e" mVossischenZtg." angegeben. Die

Vossische Zeitung" bestrettet demgegenüber, jemals eine antiitalienische Haltung eingenommen zu haben und stellt fest, daß sie lediglich die berechtigten deutschen Kulturinteressen der Süd- tlroler verfochten habe. Verlag und Redaktion haben sich beschwerdeführend mit der Bttte um Schutz und Vermittlung an das Auswärtige Amt gewendet.

Der $oll der Miß Cavell.

London, 5 März. (WLD. Funifpruch.) .Li­mes veröffentlicht ein Schreiben des Kaplans der brittschen Christuskirche in Brüssel vom 2lahre 1914/1922. Gahan, zur Angelegenheit der nach kriegsgerichtlichem Urteil in Belgien erschossenen Vurse Cavell. in dem er berichtet daß einige der geflüchteten britischen Soldaten' nachdem sie die holländische Grenze sicher passiert hatten, Dankpostkarten an Vurse Cavell sandten, in denen sie ihre Ankunft mitteilten Einige dieser Postkarten seien, von der deutschen Feldpost an Vurse Cavell ausgehändigt worden, als wie der Kaplan glaubteine freundschaftliche Warnung". Im Juni 1915 sei Miß Cavell von der Militärpolizei nach strengem Verhör ernstlich verwarnt wor­den. Vach Ansicht Gahans hätte man Miß Cavell, die bis fast Ende Juli in Freiheit ge­

lassen worden sei, gestattet, nach England abzuretsen mit vielen anderen Frauen, die es taten, wenn sie gewollt hätte.

Das Gprengstoffaiieniai im Entschädigungsamt.

Die Vernehmung deS Attentäters. *

Berlin, 3. März. (WTB.) Der Urheber des aufsehenerregenden Sprengstoffanschlages im Reichsentschädigungsamt, der ehem. Ostafrika­farmer Langkopp, wurde gestern abend nach Abschluß des ersten Verhörs auf dem Polizei­revier dem Polizeipräsidium z./.geiührt, wo heute die eingehenden Vernehmungen begannen, die in Anbetracht der begleitenden Umstände von der politischen Polizei durchgesührt werden. Lang­kopp will die Höllenmaschine nur mitgenommen haben, um damit die Beamten des Reichsent­schädigungsamtes zu erschrecken und so zur Herausgabe des Geldes zu veranlassen. Bei dieser Darstellung blieb Langkopp trotz aller Vorhalte, daß er doch nicht die umständ­lichen Vorbereitungen, den Einbau der 15 Pfund Sprengpulver und des auf diese Sprengmasse zielenden Revolvers hätte vorzu­nehmen brauchen, wenn er mit diesem Apparat nur einschüchtern, aber nicht tatsächlich han­tieren wollte. Gegen Langkopps Behauptung, dah er nur Selbstmord verüben wollte, sprechen die Angaben aller beteiligten Beamten, insbesondere des Geheimrats Bach, der ein­gehend schilderte, wie er von Langkpp drei Stunden hindurch absolut ernstlich be­droht worden fei und wie dieser schließlich seine Drohungen auch sofort wahrgemacht habe, als der Geheimrat die Flucht ergriff.

Irgendwelche Beweise dafür, daß es sich viel­leicht um einen von mehreren Personen ver­abredeten Plan handelt, mit be,sen Aus­führung Langkopp betraut war, oder dah er sonst irgendwelche Hintermänner gehabt hat, haben sich bisher nicht erbringen lassen, obgleich die polizeilichen Ermittelungen in dieser Richtung noch andauern. Auf jeden Fall dürfte der gestrige Anschlag, der nur durch einen Zu­fall ohne schwerwiegende Folgen blieb, zu b e -

sonderen Schutzmaßnahmen für die Be­amten des Reichsentschädigungsamtes Anlaß geben.

Oer Volkstrauertag in Berlin.

Der Reichspräsident bei der Feier im Reichstag.

Berlin, 4. März. (WTB.) Die Gedenkfeier des Dolksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge ist am Sonntag im ganzen Lande in zahlreichen Veran­staltungen unter Beteiligung aller Schichten der Bevölkerung begangen worden. In Berlin hatte der Volksbund sieben große Feiern veranstaltet, von denen diejenige im Plenarsaale des Reichstages durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten von Hindenburg eine besondere Note empfing. Vor dem Hauptportal des Reichstagsgebäudes waren die Fahnen des Reiches auf Halbmast gefetzt und eine tausendköpfige Menge erwartete hier bei schönstem Frühlingswetter den Reichspräsidenten. Der Plenarsaal war in tiefes Schwarz gehüllt. Ge­waltige silberne Kränze hoben sich leuchtend von dem dunklen Hintergrund ab. Von zwei hohen Opferschalen züngelten Flammen empor. Zahlreiche Chargierte in Wichs waren mit ihren Bannern er­schienen. Die Reichswehr hatte 16 Fahnen der alten Armee entsandt. Reichs- und Staatsminister, Vertreter der städtischen Behörden, der Geistlichkeit aller drei Konfessionen, Schülerverbände und Korpo­rationen waren ebenfalls anwesend. Pünktlich um 12 Uhr betrat der Reichspräsident in Be­gleitung von Staatssekretär Dr. Meißner und seinem Adjutanten, Major v. Hindenburg, des Reichsministers des Innern, v. K e u d e 11, des Reichstagspräsidenten L ö b e , der beiden Vizeprä­sidenten, G r a e f und Esser, des Reichswehr­ministers G r o e n e r und der Ehefs der Heeres- und Marineleitung die frühere Hofloge, erfurchts- voll begrüßt von der sich erhebenden Menge. Pfarrer Siems, der Präsident des Volksbundes, gab eine Uebersicht über die ständig wachsende Ar­beit und Entwicklung des Volksbundes. Dann hielt Monsignore Dr. Kreuz (Freiburg i. Br.), der Präsident des Deutschen Charitas-Verbandes, die Gedenkrede, die einen tiefen Eindruck auf die Ver­sammlung machte. Dumpfer Trommelwirbel er-

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Deutschlands Wirtschaftspolitik.

Berlin, 3. März. Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Haushaltes des Reichswirtschajtsministeriums. Zur Begründung des Etats nimmt sogleich der Minister das Wort. Reichswirischastsminister Or. Curiirrö legt die Grundzüge seiner Konjunkturpolitik dar, die im Jahre 1926 der Ankurbelung der Wirt­schaft, im Jahre 1927 der Verhütung einer Heberfteigerung der Konjunktur gedient habe. Er sei bestrebt, die Vergehung ösfelttlicher Auf­träge so zu leiten, daß deren Umfang jeweils im umgekehrten Verhältnis zum Umfang der privaten Aufträge stehe. Gr habe sich weiter bemüht, Preisbewegung und Auftrieb der Selbst­kosten in Grenzen zu halten. Das deutsche Preisniveau sei für gesamteuropäisches Ver­hältnis zu hoch. Immerhin biete die gegen­wärtige Preisbewegung keinen Anlaß zu be­sonderer Besorgnis. Großhandels- und Lebens- haltungsindex seien wieder gefallen. Die gleich­mäßige Entwicklung der Wirtschaft sei besonders im Herbst durch die Kredit- und Vertrauenskrise aus Anlaß des Gilbert-Memorandums gefähr­det gewesen. Cs habe wochenlanger Aufklärung und Kämpfe bedurft, um die Gefahr zu bannen. Heute könne man wieder eine ruhigere Auffas­sung der Lage feststellen. Auslandkapital werde neben eigener Kapitalbildung nach wie vor erforderlich sein. Eine weitere Abdrosselung sei nicht möglich. Eine grundlegende Reform des Kartellwesens könne erst nach der Beendigung der Arbeiten des Enqueteausschusses eingeleitet werden. Der Minister kommt dann auf feine Verordnung gegen die Ei sen Preis­erhöhungen zu sprechen.

Wichtig fei vor allem, daß die eisenschaffende In­dustrie sich verpflichtet habe, vor der Ergreifung von Maßnahmen, die die gemeinsame Eisenwirtschafts« Politik beeinflussen, dem Minister rechtzeitig Mittei­lung zu machen. Mit Rücksicht auf das Derhand- lungsevgebms habe er seine Verordnung wieder aufgehoben. Das Wirtschastsministerium suche die entscheidenden Kräfte der Wirtschaft zu fördern, vor allem auf dem Gebiete der Energiewirtschaft. Er hoffe, daß die sttlle und zähe Arbeit aller Beteilig­ten zu einer Verständigung über die gemeinsame Elektropolitik führen werde. Zur Klärung des Problems der Gasfernversorgung werde er demnächst alle interessierten Gruppen zu­sammenberufen. Der Minister legt dann feine Be­mühungen um Handrverk und Mittel­stand während seiner Amtsführung dar und sucht Besorgnisse zu zerstreuen, die aus Anlaß des 'Rot­programms für die Landwirtschaft aus mittelständi­schen Kreisen geäußert würden. In die zur Durch­führung des Programms in Aussicht genommenen Beiräte würden auch Vertteter des geroerblidyen Mittelstandes gewählt werden. Die Steigerung der Passivität unserer Handelsbilanz auf 3,9 Milliarden sei gewiß besorgniserregend-, rnde- rerseits müsse- man sich aber auch einmal vor Augen halten, daß die deutsche Außenhandelsbilanz der Vorkriegszeit ebenfalls passiv gewesen sei. Angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten, die der Wiederan­schluß an den Weltmarkt in der NachkriegsM mit sich brachte, sei das Ergebnis des Ausfuhrgeschäfts im allgemeinen als erfreulicher Fortschritt zu be- Zeichnen. Jedenfalls müsse in der Förderung der Ausfuhr durch Exporrkreditversicherung. Garantie­leistungen, Exportkredite, Bekämpfung des Protek­tionismus und Vollendung des Handelsvertrags- systsms fortgeschritten werden.

Der Minister erklärt, er habe sich stets aufs stärkste für Hilfsmaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft eingesetzt. Er werde alles unter­stützen, was zu deren Rationalisierung und Er­tragssteigerung führen könne. Dagegen könne et keine Politik mitmack-en, die ihr heil in der Droffe'ung dec Einfuhr, Protektionismus und Autarkie sieht. Die Rückwirkungen solcher Politik aus das Gesamivolk einschließlich der Landwirt­schaft wären verhängnisvoll. 'Ausrechterhaltung und Vertiefung des Anschlusses an dis Weltwirt­schaft sei die Schicksalsfrage für Deutschland und Europa.

Abg. Hei n ig (Soz.) bedauert, daß der Mi­nister m seinem Kampfe gegen hie An­

leihepolitik des Reichsbankpräf identen Dr. Schacht schließlich nachgegeben habe. Die Ab­drosselung der öffentlichen Kredite durch die Reichsbank führe auch zu einer allgemeinen Ver­teuerung des privatindustriellen Kredites in Deutschland. Dagegen habe der Reichsbankpräsi- dent gerade diejenigen Anleihen der katholischen Kirche und der Privatindustrie gefordert, die den Amerikanern gewaltige Zins« und Spekulations­gewinne verschaffen. Die Anleihepolitik des Reichsbankpräsidenten und seine Taktik bei der Ausgabe der Vorzugsaktien der Reichsbahn laufe daraus hinaus, den Banken möglichst große Ge­winne zu verschaffen. In der Handelspolitik müsse sich endlich die Einsicht durchsetzen, daß wichttger als der Export derAbsatzaufdeminneren Markt für die Produktion ist. Was jetzt die Unternehmer unter Führung von Siemens- Schuckert mit ihrer Aussperrung unternehmen, ist Scharfmach^rtum Modell 1900. Die Kartell­kontrolle muß schärfer werden als bisher. Der Dampyrstaubsauger der AEG. kostet 135 Mark, während die Selbstkosten etwa 35 Mark betragen. Es muß eine Reuverteilung des Ar- beite-ertraged stattfinden int Interesse der deut­schen Wirtschaft.

Abg. Dr. Lejenne-Jung (Dn.) betont,- der hohe Einfuhrüberschuß stelle eine der bedenklichsten Indexziffern über die ortschreitende Verarmung Deutschlands dar. Eine ganz un­tragbare Belastung für die deutsche Landwirt­schaft bilde die Einfuhrzisfer für land­wirtschaftliche Erzeugnisse in einer Höhe von 4,5 Milliarden Mark. England trage trotz immer wiederholten grundsätzlichen Bekenntnisses zum Freihandel in Verfolg feiner Jndustrieschuhgesetzgebung durch die Einführung von Schutzzöllen die größte Beunruhigung in den internationalen Warenaustausch hinein. Diese englische Handelspolittt richte sich trotz unseres Handelsvertrages mit England vornehmlich gegen Deutschland. Unter diesen Umstän­den erscheine der Wert unseres Meistbegünsti­gungsvertrages mit England immer problema­tischer. Auch der Handelsvertrag mit Ruß­land hat sich als höchst unzulänglich für die deutsche Wirtschaft erwiesen. Die Opfer, die wir unserer Landwirtschaft im Handelsvertrag mit Italien zugemutet haben, sind vergeblich gewesen. Den italienischen Ha.idelsschttanen, die praktisch einem Vertragsbruch gleichkommen, müsse mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden. Der Redner fordert eine elastischere Ausge­staltung der deutschen Zollpolitik. Die deutsche Landwirtschaft dürfe nicht im Interesse einer uto­pischen Exportpolitik auf geopfert werden. Der Redner warnt dringend vor Ratifizierung der Genfer Vereinbarung über das Verbot der Einfuhrverbote: denn dadurch würde eine gesunde Entwicklung des inneren Marktes und ein wirklicher Friede zwischen Landwirtschaft und Industrie verhindert werden.

Abg. Dr. Dessauer (Ztr.) erklärt: Das große deutsche Wirtschaflsproblem liege darin, daß Zweidrittel der deutschen Bevölkerung einen ungenügenden Lebensstandard haben. Jeder deutsche Ernährer einer Familie muß jährlich von seinem erarbeiteten Verdienst 200 Marl a l s öffentliche Deparationslasten an das Ausland abgeben. Das Tragische dabei istt daß noch nicht erkennbar ist, wann diese Last einmal auf hört. Der Zustand unserer Anleihepolittt ist keineswegs erfreulich. Langfristige Darlehen müssen als Seltenheitswert mit übermäßig hohen Zinsen bezahlt werden. Dadurch scheidet auto­matisch die Landwirtschaft aus dem normalen Darlehensverkehr aus. Der Mittelstand hängt wirtschaftlich ab von der Kaufkraft der chn um­gebenden Bevölkerung. Er muß befähigt sein, sich der wechselnden Wirtschaftslage anzupassen' Die Durchführung der Formierung in der Industrie ist eine wirtschaftliche Rotwendigkeit, gegen die mit sozialpolitischen Argumenten nicht angekämpft werden kann. Ein Schaden der deut­schen Wirtschaft ist die Programmlosig- kei t der deutschen industriellen und landwirt­schaftlichen Produktion. Hier sollte man in der 2lrt reformieren, wie es Hoover in Amerika getan hat. Die deutsche Wirtschaft bedarf eines Reubaues von innen heraus.

schallte, Fahnen und Degen sentten sich, und das Tambour- und Hornistenkorps spielte eine Strophe des Liedes ,Hch hott' einen Kameraden". In zroifchen war auf dem Platz der Republik eine Ehrenkompagnie aufmarschiert, die der Reichspräsident, von der Menge mit brau- senden Hochrufen begrüßt, nach der Feier abschrttt.

(Stillegung der Berliner Metallbetriebe

Berlin, 3. März. (WB.) Der Verband Berliner Metallindustrieller teilt mit, daß die Betriebe der SiemensLHalske 21.-®., der Siemens-Schuckert-Werke, der Berg­mann - Elektrizitätswerke und der Mix und Genest, ferner am Montag die Betriebe der Deutschen Telephonwerke und der 2 o - rens A.--G. stillgelegt werden. 21m Mon­tag nachmittag wird die Vertrauenskommission des Verbandes Berliner Metallindustrieller zur Lage Stellung nehmen. Wie die Siemens-Werle mitteilen, ist die Stillegung keine Aussperrung, sondern eine nicht abwendbare Folge der ge- werkschaftlichen Taktik, gerade die Werkzeug­macher aus den Betrieben zu ziehen. Es ist zur Zeit noch nicht zu übersehen, wieviele Personen von Montag früh ab nicht mehr weiter beschäftigt teerten können. Es dürfte sich zunächst um etwa 40 OOQ Arbeiter und Arbeiterinnen handeln.

Oie Gemeinderaiswahlen in Hagenau.

Paris, 5. März. (WTB. Funkspruch.) Bei der gestern oorgenommenen Stichwahl für die noch ausstehenden zehn Gemeinderatssitze in Hagenau wurden nach einer Meldung desPetit Journals" die zehn Mitglieder der Liste des früheren Bürgermeisters Weiß gewählt, ohne daß ein eigentlicher Wahlkampf stattfand, da die Gegen- Parteien ihre Listen zurückgezogen hatten.

Aus aller Welt.

Schreckenstat eines Schmuggler«.

In dem polnischen Städtchen Pmonung kam die Polizei einem Mann auf die Spur, der sich mit dem Schmuggel von Aether und ähnlichen Drogen im großen Maßstabe befaßte. Als er sich entdeckt sah, zündete er sein Haus an, das in wenigen Minuten lichterloh in Flammen stand, während die geschmuggetten Vorräte unter gewal tigern Getöse explodierten. Drei Kinder des Brandstifters kamen in den Flammen um. Zehn weitere Personen erlitten schwere Brand­wunden.

Die beiden Söhne im Streit erstochen.

In Schopfheim im Wiesenthal geriet in der Aa^t zum Sonntag der Motorenteickler Zigra mit seinen beiden 19 und 25 Jahre alten Söhnen, die betrunken nach Hause I a m <rn, in Streit und stach mit einem Messer auf sie ein. Der eine de« Söhne war sofort tot, der andere ist im Laufe des Sonntags, ohne das Bewußtsein wieder zu erlangen, verstörten.

Vater und Tochter die Opfer eines vcrkehrsunglücks.

In Zwickau wurde der Stadtverordnete Söttet aus Planitz, der mit seiner Tochter auf dem Soziussitz seines Motorrades die Strte ßenbahngleife überqueren wollte, von der Stra­ßenbahn erfaßt. Das Motorrad wurde voll­kommen zerttümmert, Vater und Tochter überfah­ren und sofort getötet.

Die Wetterlage.

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lieber ganz Deutschland hat die Hochdruckwetter­lage fortgebauert. Tagsüber setzte weitere Erwär­mung ein, nachts jedoch gingen die Temperaturen noch vielfach unter Null zurück. In unserem Bezirk stiegen gestern die Temperaturen, bis 11 Grad Cel­sius an und lagen in der vergangenen Nacht tm minus 3 Grad Celsius. Das öftlidje Hoch baut wei­ter ab und besonders über Skandinavien hat wei­terer starker Luftdruckfall eingesetzt. Da Mitteleuropa noch von der Wirrdströmung der Westseite des öst­lichen Hochs beeinflußt wird, hätt weiterhin das trockene Wetter an. Tagsüber und auch nachts dürf­ten die Temperaturen weiter langsam zunehmen.

Wettervoraussage für Dienstag: Fortdauer des heiteren und trockenen Wetters, nachts Temperaturen noch um Rull und etwas darunter, tagsüber wettere Erwärmung.

Witterungsaussichten für Mitt­woch: Zeitweise bewöttt, Temperaturen nur wenig verändert, überwieg nd trocken.

Lufttemperaturen am 4. März: mittags. 9,4 Grad Celsius, abends 1,5 Grad Celsius: am 5. Marz: mor­gens 0,4 Grad Celsius. Maximum 11,2 Grad Cel­sius, Minimum 3,9 Grad Celsius. Erdtempera- rnren in 10 Zentimeter Tiefe am 4. März: abends 0,3 Grad Celsius; am 5. März: morgens 1,4 Grad Celsius. Sonnenfchcindauer: IV« Stunden.