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und die der Besetzung als miteinander in zwangs­läufiger Verbindung sleheud. Chamberlain onlwortele. er habe eine reiflich überlegte Antwort gegeben, worin er aus die ihm gestellte Jrage in vollem Umfang eingegangen fei, ja, er sei in seiner Antwort noch über den Inhack der Anfrage hinaus- qcgongen, weil er es für nötig gehalten habe, zwi­schen dem rein juristischen Problem und dem Pro­blem zu unterscheiden, welche Pm tik die Regierung zu verfolgen wünsche. Er beabsichtige nicht, seiner Antwort irgend etwas hinzuzusügeu.

Kenworthy stellte bann die Anfrage, ob sich der Staatssekretär des Auswärtigen bewußt sei, daß am 8. November Schahkanzler Churchill eine ganz andere Darstellung der von der Regierung hinsichtlich der Angelegenheit gehegten Anschauungen gegeben habe. Chamberlain antwortete: Churchill Hal eine andere Seile der Angelegenheit behandelt. Ich bin nicht der Ansicht, daß ein Widerspruch zwi­schen seinen Ansichten und der wohlüberlegten An­schauung besteht, die ich eben dargelegt habe, obwohl dies zeigt, welche Schwierigkeiten es Hal, sich mit solchen Dingen in der Antwort auf eine er­gänzende Anfrage zn befassen.

Eine fatsche Methode.

Liberale Kritik an Chamberlain.

London, 4. Dez. (WTB. Funkspruch.)Daily Expreß" schreibt in einem Leitartikel: Chamber­lain hat gestern die Rheinlandräumung vom recht' lichen und vom politischen Standpunkt behandelt. Wenn man bedenkt, daß Deutschlands Reparations- Verpflichtungen, von denen Chamberlain sprach, nie­mals voll formuliert worden sind, dann braucht man sich nicht zu wundern, daß es sie noch nicht erfüllt hat. Rach dieser Methode ist k e i n e Aussicht darauf, daß sich die Lage in den nächsten 50 Jahren ändert. Wir werden dieses Problem nie­mals lösen, solange wir es i m G e i st e v o n Ad­vokaten verhandeln. Chamberlain hat auf viel festerem Gtünde gestanden, als er wiederholte, daß die britische Regierung eine baldige Räu- mungohneRücksichtaufformaleRechte begrüßen würde, aber der einzige Weg zur Räumung ist, daß man Truppen zurück- .Zieht.

Die Ratstagung von Lugano.

Das politische Programm.

Paris, 3. Dez. (Lsil.) 3it französischen diplo­matischen Kreisen sieht man mit großen Erwar­tungen der nächsten Ratssitzung in Lugano ent­gegen. Man glaubt, daß neben den Privatbe­sprechungen zwischen Driand, Chamberlain und Stresemann auch politische silnterhaltun- gen in größerem Kreise stattfinden dürs­ten, an denen die fünf Großmächte Deutschland, England, Frankreich, 3taüen und Japan teil­nehmen werden. Der wichtigste Gegenstand der Genfer Kulissenverhandlungen werde aber die Besprechungen über eine vorzeitige Rhein­landräumung und die Einsetzung der F e st- stellungs- und Versöhnungskvmmis- sion sein. Die französische Regierung soll die Absicht haben, die Lebensdauer der Kommission niicht begrenzen zu lassen, da ihrem Wunsche nach der Völkerbundsrat in voller Frei­heit beschließen soll, wann die Kommission ihre Aufgabe erfüllt haben wird.

Falls bis zur Ratstagung in Lugano die Vor­verhandlungen über die Einberufung des Sachverständigenausschusses nicht be­endet sein sollten. und man zweifelt ernstlich daran, daß sie es nicht sein werden würden die in Lugano versammelten Außenminister auch in dieser Frage die letzte Entscheidung $u fällen haben. An den Beratungen in Lugano in der Rheinlandfrage wird die belgische Regierung nicht teilnehmen, da sie im Völkerbundsrat nicht vertreten ist. Um so verständlicher ist es, bah der belgische Botschafter in Paris während seiner Montag-Unterrevung mit Außenminister Driand seine Auffassung über die vorzeitige Rhernland- räumung ausgesprochen hat, wobei es kaum der Erwähnung bedarf, daß Belgien und Frankreich die Rheinlandfragr vom gleichen Gesichts­punkt aus betrachten. In amtlichen französi­schen Kreisen hat es sympathisch berührt, daß 'Botschafter v. Hösch den Dank Dr. Stresemanns dem französischen Außenminister Driand für seine Zustimmung zur Wahl des Tagungsortes von Lugano ausgesprochen hat.

Reue Giudentenunruhen in Agram.

Keine Teilnahme der Kroaten an dem Belgrader Attcntatsprozeß.

Belgrad, 4. Dez. (TU.) Wie aus Agram berichtet wird, hielten die Studenten im Uni* versitätsgebäude eine Der ammlung alb, in der das Vorgehen der Behörden am vergangenen Samstag einmütig verurteilt wurde. Die Studenten sämtlicher Parteien erklür.en sich m i t den Demonstranten solidarisch und sprachen ihre Dereitwil igkeit aus, die Bestrafung der Verhafteten auf sich zu nehmen. Sie be­schlossen zum Zeichen des Protestes in den Streik zu treten, bis die Verhafteten aus freien Fuß gesetzt wären. Rach der Ver, ammlung zogen sie vor die Kathedrale, wo sie die kroatische Hymne sangen und Hochrufe auf Dr. Matschek, den Dor ihenten der kroatischen Bauernpartei, ausbrachten, der vom Balkon aus eine Ansprache an die Studenten hielt. Auf dem Iellacic-Platz wurde an der Stelle, wo bei den Demonstra.ionen ein Demonstrant erschossen worden war, eine Gedenkfeier abgrha.ten, wobei der Zug bei dem Gebäude der Kroatischen Bauern­partei von der Polizei zerstreut wurde. Zu Zu­sammen itößen ist es nicht gekommen.

Ter Agramer Overgespan Dr. Zerelez "ber- rerchte dem Ministerpräsidenten Korosetsch sein Rücktrittsgesuch Dieser Schritt ist a6 eine Folge der Agramer Vorfälle anzusehrn, sowie der Meinungsverschiedenh.ilen über die Zwischenfälle zwischen ihm und dem Plahkvmmandanten in Aaram. älzun-Kirkowisich. Der Ministerpräsident lehnte das Gesuch des Obergespans ab und berief ihn zur Berichterstattung nach Belgrad. Rach dem ruhigen Derlauf des aeft eigen TageS ist heute in Agram eine gewisse Erregung wahr­zunehmen. Die erregte S immung wurde erhöht durch eine heute mittag erschienene Extraausgabe des Organs der Paditsch-ParteiRarodnh Bal", m der mitgeteill wird, daß die Partei­leitung der kroatischen Bauernpartei beschlossen habe, an der Belgrader Hauptverhandlun g des

Prozesses gegen Punischa Ratschitsch und Ge­nossen, die Mörder Stefan Radilschs, nicht t e i l z u n e h m e n. Dieser Beschluß wird damit begründe!, daß der siln eFuchungsrichter des Bel­grader Gerichts die Untersuchung wegen des Attentates vom 20. Juni nicht auch auf

die eigentlichen Urheber und Hel-s Auch wurden einige Telegraphen- und Sx»T*.

fers Helfer ausgedehnt habe, wes.f, alb die

kroatische Dauernpar ei an der Verhandlung des Prozesses nicht tellnehmen wolle und die Ange­hörigen der Opfer des Attentates auf'ordere, bei der Hauptverh^indlung nicht zu erscheinen.

phvnverbindunc.en mit dem Erdbebengebiet wie­der in Betrieb genommen. Rach vorläufigen Schätzungen bemißt man d e Zahl der Opfer des Erdbebens auf 218 Tote, 257 Schwerverletzte und mehr als 2000 Leichtverletzte. 20 000 Per- Tonen sind ohne Obdach.

Mderaiisliahme der Weil in der Eisenindustrie.

Essen, 3. Dez. (DTR.) Die Belegschaft der kruppschen Werke ist von der Verwaltung aufgefarderl worden, sich morgen zum Beginn der jeweiligen Schicht in den Betrieben eiuzu finden. Die Wiederaufnahme erfolgt dort noch Maßgabe der technischen B e t r i e b s b e r e i t s ch a s t. Mil der Anheizung der Kesselanlagen ist bereits heule früh begonnen worden. Die Bereitstellung der nötigen Mengen Dampf und Strom erfordert etwa 16 Stunden. Die mechanischen Werkstätten können voraussichtlich morgen früh bereits den vollen Be­trieb aufnchmen. Damit kommt etwa Dreivieriel der Delegfchafl der Essener Werke wieder in Arbeit. Schwieriger gestaltet sich die Betriebsausnahme in den Feuerbetrieben. Das hochheizen der Martinsösen dauert je nach Größe mehrere Tage. Es ist jedoch zu hoffen, daß bis Ende dieser Woche die Gesamtbelegschaft der Guß- slahlfabrik wieder in ihrer alten Tätig- keit ist. Die Firma hat sich bereiterklärl. ihren Werksangehörigen den Aebergang durch Gewäh­rung von Vorschüssen sowie durch Stundung der fälligen Mietbeträge und der sonstigen regel- mäßigen Abzüge zu erleichtern.

Wie die vereinigten Stahlwerke. Abt. Dort­munder Union, milkeilen, wird morgen früh die Arbeit zum Teil wieder ausgenommen. Ls wer­den zunächst Hochöfen, Maschinenbetriebe und Kraft­zentralen in Betrieb genommen. Die anderen Be­triebe werden im Laufe der Woche bis spätestens

Monkag die Arbeit wieder aufnehmen. Ebenso wird die Arbeit in demselben Umfange bei der Phönix A.-G., Abt. hörder Verein, am Mittwochfrüh ausgenommen. Auch im Düsseldorfer Be­zirk wurde heule die Arbeil in den von der Aus­sperrung betroffenen Betrieben der Rordwcstgruppe wieder ausgenommen. 3n den mechanischen Betrie­ben dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach morgen die Arbeil schon voll ausgenommen werden. 3m Duisburger Bezirk arbeiten in der Schwer­industrie seit heule vormillag wieder alle Hoch­ofenanlagen der rheinischen Stahl- werke, vorläufig wurde allerdings erst ein Teil der Belegschaften eingestellt. Rach Erledigung der Vorarbeiten sollen weitere Teile der Belegschaften in den nächsten Tagen wieder eingestellt werden. Die Alfred-Hütte in RhÄnhausen der Firma Krupp be­gann bereits kurz nach Lekannlwerden des Le- schlufses des Arbeitgeberverbande» über die Oeffnung der Betriebe am Sonntagabend wieder mit der Arbeit. Die Maschinenfabriken werden erst am Dienstag mit der Arbeil beginnen.

Severing bespricht sich mit Vogler.

Dortmund, 3.Dez. (WD.) ReichsministSr des Innern, Severing, hatte heute abend eine Be­sprechung mit Generaldirektor Bögler, die bis gegen ein Uhr dauerte. Ueber den Inhalt der Be­sprechung ist nichts bekannt. Der Minister fährt morgen früh über Essen nach Düsseldorf weiter.

KmdwirWastsdebatte im Reichstag.

Berlin, 3. Dez. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellationen und die Anträge der verschiedenen Parteien, die sich mit der Rotlage der Landwirtschaft beschäftigen. Es liegen nicht weniger als 137 Anträge vor, 40 allein von der Ch.istlich-Rativnalen Bauernpartei. Mit der Be­ratung ist verbunden der Bericht des volks­wirtschaftlichen Ausschusses, der einen Antrag der Wirtfch.iftspartei auf Aenderung der Gesrier- fleischverteilung abgelehnt hat.

Abg. Hermes (Zentr.) bezeichnet als eine der wichsigften Aufgaben drr Wirtschaftspolitik die Wiederherstellung der Rentabilitäts- Möglichkeit der Landwirtschaft. Das land­wirtschaftliche Rotprogramm sei zwar eine dan­kenswerte Hilfsmaßnahme, aber es reiche nicht auS zur Behebung der allgemeinen Rotlage der Landwirtschaft. Rach den Feststellungen des En- aueteausschusses feien im Wirtschaftsjahr 1926/27 42 Prozent aller landwir schädlichen Betriebe Verlustbetriebe gewesen, im Dauernlande Bayern sogar 53 Prozent. (Hört, hört!) Die Verschuldung der Landwirtschaft habe den Vor­kriegsstand schon wieder erreicht, die jährliche Zinslast ihn sogar um über ein Drittel über­schritten. Die verzweifelte Lage der Landwirt- chaft beschwöre die große Gefahr herauf, daß der Landwirt die Produktionsfreudigkeit ver­liert und zur extensiven Betriebsweise übergeht. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte dek- ken heute nicht entfernt die Produktionskosten. Die Einfuhr von Fleisch und Fleischwaven hat ich gegenüber der Vorkriegszeit vervierfacht, die Einfuhr von Milch verzehnfacht. (Hört, hört!) Die erforderliche schleunige Staatshilfe muß vor allem in einem stärkeren Schutz gewisser Er­zeugnisse der deutschen Landwirtschaft vor der übermächtiacn Auslandskonkurrenz bestehen. Der Redner bringt dann Zollwünsche für bestimmte Produkte vor und verlangt Zinsverbilligung für landwirtschaftliche Kredite. Die deutsche Land­wirtschaft stehe hinter dem Staat und lehne jeden Angriff gegen die Staatsautorität ab.

Abg. Bachmann (Dtschntl.) begründet die deutschnationale Interpellation, in der Maß­nahmen verlangt werden, welche eine Ver­einfachung und Verbilligung der Verwaltung und des Instanzenweges unter gerechterer Verteilung der öffentlichen Lasten her­beiführen. Weiter wrrd eine Vereinfachung und Derbllligung der Sozialversicherung und der Erwerbslosenversicherung ver­langt und die Forderung aufgestellt, daß die im Dawesplan vorgesehene Dachprüfung der Lei- tungssähigkeit der deutschen Wirtschaft beschleu­nigt herbeigeführt werden möge. Der Redner bedauert, daß die deutsche Derbraucherschaft viel- ach Auslandsprodukte den Erzeugnissen der deutschen Landwirtschaft vorziehe. DieHeichs- regierung sollte wenigstens von der Ermächtigung Gebrauch machen, den Roggen- und Weizenzoll heraufzusetzen. Der deutsch-polnische Handels­vertrag. bei dessen Abschluß Deutschland hinter die von der früheren Reichsregierung aufgestell­ten Bedingungen zurückweichen würde, hätte für die Landwirtschaft die Bedeutung einer neuen chweren Gefahr. Bei der Verteilung der öffent­lichen Lasten werde die Landwirtschaft in unge­rechter Weise benachteiligt. Bei den bevorstehen­den Reparationsverhandlungen mühten auch aus den Kreisen der deutschen Landwirtschaft Sach­verständige herangezogen werden. Die Selbst- hilfemahnahmen der deutschen Landwirte zur Verbesserung ihrer Produktions- und Absatzme- thvden könnten nur Erfolg haben, wenn sie er­gänzt werden durch Handels- und zollpolitische Maßnahmen der Reichsregierung zum Schutz der heimischen Landwirtschaft.

Reichsernährungsminister Dietrich

Trotz des Rotprogramms ist die Lag« der Landwirtschaft schlecht. Geradezu gefährlich wird die Lage durch die Entwicklung der Verschuldung und ter Zinsen. Dom 1. Oktober 1927 bis 1. Oktober 1928 ist abermals eine Mehrbelastung von rund 800 Millionen festen siellen (hört, hört!). Die Gesamtverschu'dung der Landwirtschaft ohne Rentenbank-Grundschu d wird auf 11,5 Milliar­den geschätzt, die Zinjenlast auf über eine Mil­liarde. Das Kreditproblem wächst sich immer mehr zmn Hauptstück der 'Agrarfrage aus. Rur eine vernünftige Lösung der Repara­tionsfrage kann einen kräftigen Anstoß zur Kapi­talbildung geben und dl« Landwirtschaft ent­lasten. Der Minister bespricht dann die vor­

liegenden Anträge. Eine Zollerhöhung würde das Gelreideproblem nicht lösen: vielmehr müsse man mit Te'ch'eunigung eine Einrichtung schassen, welche die Entwicklung der Getreidepreise und dir Marttverhältnisle studiert und ausglricht. Soweit verlangt werde, die Zolle für leben­de s D i e h zu erhöhen, sei die Regierung zu einer Prüfung bereit. Zur Bekämpfung der Ver­hältnisse auf dem Zu vermarkt sei dem Reichsrat bereits eine Vorlage zugegangen, die den Zoll für Verbrauchszucker um zehn Mark er­höht. Diese Maßnahme sei allerdings verbunden mit einer energischen Wahrung der Rechte der Konsumenten. Der Finanzminister werde ermäch­tigt, den Zoll hecuntLrzusetzen, wenn der Preis an der Magdeburger Börse für den Zentner Gebrauchszucker im Monatsdurchschnitt über 21 Mark steige. Es sei etwas Krankhaftes, wenn man im übrigen glaube, alle Schwierig­keiten nach zöllnerischen oder sonstigen gesehgebe- rischen Maßnahmen beheben zu können. Der Mi­nister kündigt an, daß das einmalige Rvtprv» gramm durch ein laufendes Produk­tion-- und Absatzförderungspro- Stamm ersetzt werden solle. 3m Kernpunkt dieses Programms stebe die Hebung der Produk­tion und die Verbesserung des Absatzes won Vieh und Schweinen sowie die vollkommene Um­gestaltung des Milch- und Molkereiwesens. Auch ein Milchgcseh werde baldigst vorgelegt wer­den. Trotz der ungeheuren Rot der deutschen Finanzen habe die Reichsregierung beschlossen, auf fünf Jahre den Betrag von 20 Millionen, zusammen also hundert Millionen für diese Zwecke bereitzustellen. Auf steuerlichem Gebiete werde das Steuervereinheitlichungs­gesetz eine gee'gnete Grund.age für eine Reform des landwirtscha glichen Steuerwesens abgeben. Der Minister tritt weiter für die Reorganisation des Genoß enschastswesens ein. Wohl kann der Staat helfend eingreisen, aber die Agrarkrise kann nur der deutsche Bauer selb st überwinden, wenn er einen klaren Kopf hat, eine unvoreingenommene Meinung zu den Dingen und den Willen, sich auf der Scholle, die ihn -wei Jahrtausende getragen hat, zu erhalten (Beifall).

Rbg. H am ke n s (D. D.) betont, die Derminde- ri'.ng des zollfreien Gefrier l ischkon.ingents habe die erhoffte Wirrung nicht g.habt. Die Diehprrise seien vielmehr ge,unken. Eine Erhöhung des Kon­tingents würde die Entwicklung noch verschsim- merr. Die Ueberschwemmung Deutschlands mit ausländischem Fleich sei jetzt schon so bedenklich, daß Schutzmaßnahmen dringend erforderlich seien.

Aus aller Wett.

Oie Erdbebenkatastrophe in Chile.

Santiago de Chile, 3. Dez. (WTB.) Die nur bruchstückweise eintreffenden Berichte aus der Erdbebenzone machen vorläufig die Feststel­lung der Gesamtzahl der Opfer unmöglich. Doch wird der Sachschaden der Stadt Talca allein auf über zwölf Millionen Dollar geschätzt. Die Ein­wohner, die eine Wiederkehr der Erdstöße be­fürchten, wagen nach der Schreckensnacht, in der ganze Familien unter den Haus­trümmern begraben wurden, nicht, zu­rückzukehren. Das Krankenhaus in Talca geriet während des Erdbebens in Brand. Das Ge­fängnis stürzte ein. Andere Städte in der Erd­bebenzone litten weniger. Rach der Stadt Con- stitucion gingen drei Kreuzer ab. Der Botschaf­ter von Argentinien und die Gesandten von Uru­guay und Paraguay haben Hllfe angeboten.

In den Gegenden, die in der Rocht zum Sonntag vom Erdbeben heimgesucht wurden, sind neue Erdstöße von geringerer Stärke ver­spürt worden. Privaten Berichte zufolge be­läuft sich d.e Zahl der Toten in Talca auf 108, die der Verletzten auf 330. In Chlllan sollen 30 Personen getötet und ebensoviele verletzt wor­den sein. 3n Teniente, wo infolge des Erdbebens in einer drr Branden Copper Company gehören­den Grube ein Wasserreservoir geborsten ist, wur­den bisher 17 Tote geborgen, jedoch ist anzu­nehmen, daß noch zahlreiche unter den Trüm­mern begraben sind. Auch aus anderen Orten werden zahlreiche Todesfälle gemeldet, so 30 Tote aus Santa 6iu\ und 5 aus Pelequen. Der normale Zugverkehr ist wieder hergestellt worden.

Schwere Schneefälle und Lawinenabgang in Skrrdiirol.

In Innsbruck schneit es seit einigen Tagen fast ununterbrochen. Der Schnee liegt in Inns- oruef 20 Zentimeter hoch und im Lande weit botycr. Auf fast allen Straßen in Tirol, be­sonders auf den Bergstraßen, muß.e der Au­to m o b i l ver k e h r eingestellt werden.

Der Zugverkehr erleidet fast durchweg größere Verspätungen. Infolge von Lawi­ne n a b g ä n g e n ist der gesamte Dahnverkehr auf der Strecke InnsbruckScharnitz einge- stellt wordrn. Sonntag abend gingen auf der Arlvergstrecke mehrere Lawinen nieder, eine da- von in Salavon 150 Mer er Länge und 4 bis 5 Meter Tiefe, die den ganzen Bahnkörper ver­legte. und eine zweite Lawine auf dem Bahn­hof von Langen mit 200 Meter Länge und 3 Meter Tiefe. Die Lawine drang durch die Fenster in die Derkchrskanzlai und richtete dort bedeutenden Schaden an. ©in A.agestell.er wurde leicht verletzt. Die Schnell- und Erpreßzüge zwi­schen S lzburg und Feldkirch müssen infolgedessen über Süddeutschland umgeleitet wer­den. Andere Züge über Arlberg entfallen ganz. Durch die starken Schneefälle im Arlbergaebiet wurden zwei Züge aufgehalten. Der ^ne Zug, der seit Sonntag in Dalaas steh!, konnte "tontafl durch Schneeschleud.n-er freigemacht werden. Der andere Zug. der schon 24 Stunden un Wald am Arlberg festliegt, mußte auch noch dts Rächt zum DienZtag dort verbringen. Der Zug ist gehcizt, die Reifenden konnten sich von der nächsten Ortschaft aus verpflegen. Die Arlberg- strecke ist wegen 5?awinengefahr gesperrt.

Gefangene im eigenen Hause.

Die Deriiner Kriminalpolizei beschafllgte sich mit der Aufllärung einer sond.rbaren Ange- legercheil. Bewohner des Hauses Lübbener S rrße Rr. 13 teilten der Polizei mit, daß di? 62iährige Witwe Ienn.) des früheren LandtagsabIeord- neten und Stadtverordneten Goldschmidt von ihrem Untermieter Sadow,kl in ih.er im eigenen Hause gel.g?nen Wohnung gewalt­sam zurückgehalten werde. Beamte be­gaben sich nach der bel-rLfsenden Wohnung und fanden die Angaben der Hausbewohner zum Tell bestätigt. Sadowsli wird auch beschuldigt, die Frau, die gelähmt ist und sich auch sonst in einem hilflosen Zustande &c intet, um ihr gesamtes Hab und Gut in arglistiger Weise gebracht zu haben. Die bisherigen Ermittlungen ergaben, daß Sadows.i von Frau Goldschmidt folgendes zu erlangen v rflauten hrt: Einen Erbvertrag, in dem ihn die Frau zum älniversalerben macht und ihm 10000 Mark für die Pflege ihres Grabes zur Ver­fügung stellt: einen Kaufvertrag durch den Sadowsli in den Besitz der Wohnung und ihrer gesamten Einrichtung gelangt ist und schließlich vier Dlanko-silnterschriften, d rch die er sich die' ge amte bewegliche Habe der Frau verschaffte. Al.es in allem dürfte sich Sadow, it für folgende Verfehlungen zu verantworten haben: Freiheitsberaubung. Rlltigung. Drohung, Er­pressung. Betrug, schwere Urkundensälichung und falsche eidesstattliche Versicherungen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der hohe Luftdruck im Westen hat sich nach dem europäischen Feslland ausgebreitet. Tanz Deutsche land liegt im Bereich von 770 Millimeter Luftdruck und darüber. Die winterliche Hochdruckwetterlagc fuhrt bereits zu vielfacher Nebelbildung, die auch morgen die Wetterlage kennzeichnen wird. Tags­über dürfte es gelegentlich zur Auflösung der Nebel­decke kommen und Aufheiterung eintreten. Die Tem­peraturen gehen noch etwas zurück, fo daß sie nachts vielfach den Gefrierpunkt überschreiten wer­den und Bodenfröste auftreten. Auch tagsüber dürf­ten sie nur wenige Grad über Null zu liegen kommen.

Wettervoraussage für Mittwoch: Nebelig, wolkig, stellenweise auch aufheiternd, Tem­peraturen langsam sinkend bis nachts unter Null Grad, trocken.

Witterungsausfichten furDonners- t ag : Wieder allmählicher Uebergang zu schlechterem Weller wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 3. Dezenrber: mittags 5 Grad Celsius, abends 3 8 Grad Celsius; am 4. Dezember: morgens 2,2 Grad Celsius. Erdtemperaturen am 3. Dezember: abends 4,8 Grad Celsius; am 4. Dez.: morgens 3,3 Grad Celsius.