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Chamberlain besucht Briand.

Auf Der Durchreise zur Genfer Ratstagung

Paris, 2. Juni. (WTB.) Der britische Staats­sekretär des Auswärtigen, Sir Austen Chamber- Iain, der heute nachmittag 17.50 Uhr auf der Durchreise nach Genf begriffen in Paris eintraf und von bwn englischen Botschafter Lord Crewe und dem Kabincttschef Briands am Zuge empfangen wordeä ist, hat sich direkt nach dem Dual d'Orsay begeben, wo er eine Unterreduna mit Außenminister Briand hatte. Er wird 20.50 Uhr die Weitereise nach Genf antreten.

Außenminister Briand äußerte sich beute abend vor Pressevertretern ausführlich über seine Unter­redung mit Chamberlain. Wir sind, so erklärte er u. a., über alle Fragen, die auf der Tagung des Dölkerbundsrates stehen, vollkommen einig und sind gewillt, ihre Lösung stets in freundschaft­lichster Weis« zu erstreben. Wir haben ganz beson- dcrs die A b r ü st u n g s f r a g e , die im nächsten Juli in Genf wieder zur Sprache kommen wird, einer allgemeinen Prüfung unterzogen. Bezüglich der ungarischen Optanten frage gab Briand der Auffassung Ausdruck, daß zwischen Un­garn und Rumänien unmittelbare Ber- Handlungen beginnen würden, während an­dererseits hinsichtlich des St. G o t t h a r d > Z wi­sch ensalls der Völkerbundsrat nach dem vom Dreicrkomitee unterbreiteten Bericht seine Entschei­dung fällen wird. E» käme darauf an, so erklärte Briand, ähnliche Zwischenfälle künftig zu verhin- dern. Der DöUerbundsrat würde also die E r w efer u n g der Befugnisse sein«s Präsi­denten zu prüfen haben. Schließlich erklärte Briand über die Verhandlungen über den Anti- kriegspakt, über die gleichfalls gesprochen worden sei, daß sie auf dem besten Wege seien und man auf einen baldigen befriedigenden Abschluß hoffen dürfe. Die von Frankreich aufgestellten Grundsätze seien von den anderen Mächten a n - erkannt worden, und es handle sich nur noch darum, eine Formel zu finden, die alle Ausfassun- gen befriedigt.

Die Räumung Pekings, rfchanfltsolin zieht sich nach derMandschurei zurück.

Tokio, 2.3uni. (Kabeldienst der Sil.) Wie auS Peking gemeldet wird, weht feit SamStag- mnrgen die Kuomintangfahne über Peking. Tschangtsolin hat In der vergangenen Nacht Peking verlassen. AIS sich der Marschall, von feinem Stabe begleitet, in einem Panzerauto vom Winterpalast nach dem Bahnhof be­gab. waren die Straßen Ve'ii-'S streng bewacht. Auf dem Bahnsteig hatten sich zahlreiche Trup­pen, Vertreter der Dehöroen und Fremde ver­sammelt. Unter klingendem Spiel begab sich Tschangtsolin lächelnd in seinen Privat- Pullmanwagen. 3n Peking herrscht heute morgen vollkommene Ruhe und keinerlei Unordnung. Sämtliche Soldaten haben die Stadt verlassen, in der jetzt Polizei und Gen­darmerie die Ordnung aufrecht erhalten. Rach umlausenden Gerüchten beabsichtigen die Führer der Fengtien-Truppen, Tschanghsuehliang und Vangyuting, die schon lange mit den nationalistischen 3deen sympathisieren, sich den Eüdtruppen anzuschließen und mit ihren Armeen in Tschili zu bleiben.

Der Einzug der südchlnefischen Truppen wird für Montag erwartet. Außer den Japanern sind alle anderen Fremden In der Hauptstadt geblie­ben. Tschanatsolin hat auf feine Diktatorwürde zu­gunsten des früheren Präsidenten T u a n t s ch i s u i verzichtet, der ganz unter japanischem Einfluß steht, zumal von ihm behauptet wird, er habe seiner Zeit von Japan 50 Millionen Dollar für eine japan­freundliche Politik erhallen. Tschiankaischek wird sein Hauptquartier nach Peking verlegen, um mit dem diplomatischen Korps die Fühlung aufzu­nehmen. Nanking wird aber aus Sicherheitsgründen die Hauptstadt der chinesischen Nationalbewegung bleiben. Tschiankaischek wird sich bemühen, zu er­reichen, daß auch Nanking diplomatische Vertre­tungen erhalten wird. In Peking hat sich unter dem Vorsitz Wangschitschens ein Ausschuß älterer Staats­männer gebildet, dem zwei frühere Premierminister angehören und dessen Aufgabe es sein soll, in der Zeit zwischen dem Abzug der Nordtruppen und dem Eintreffen der südchinesischen Armee für Ord nung und Sicherheit in der Stadt zu sorgen. Die Eisenbahnstation ist mit Zügen angefüllt, die zum größten Tell mit Truppen und Beamten voll besetzt sind. Starke Truppenabteilungen ziehen durch die Tore der Stadt, um die Mandschurei zu Fuß zu erreichen. Es sind keine Zeichen von Panik wahr­zunehmen, die Soldaten betragen sich ordentlich und sind in guter Stimmung.

Oie neue Lage in China.

rfchiangkaischek oder Fengjusiang.

London, 4. Juni. (WTB. Funkspruch.) .TimeS" meldet auS Schanghai: Die Ansicht in hiesigen chinesischen Krellen ist, daß Tschangtso- linS Abreise auS Peking eine Rückkehr zur Herrschaft der M i l i t ä r g o u v e r n e u r e in Rordchina bedeute. Die Meldungen der amt­lichen chinesischen Rachrichtenagentur, daß der Gouverneur Venchischan und Fengjusiang ihre Befehle von Tfchiangkaischek als Haupt der nationalistischen Heere enlgegcnnehmen, täusche niemanden. Seit dem Zusammenstoß mit den Japanern in Tsinansu am 3. Mai habe Tschiangkaifchek keinen Anteil an den Kriegshandlungen genommen. Fengjusiang sei der eigentliche Machthaber. Mög­licherweise werde ein sog. RegierungSauSschuß gebildet werden, der sich auS Vertretern der verschiedenen Telle Chinas zusammensetzt. An­genommen. daß eine solche Regierung gebildet werde, so müßten die Mächte bald die Frage der Anerkennung erwägen Die Japanerglau- ben nicht, daß die Schwierigkeiten Chinas vor­über seien. Man könne aber hosfen, daß ein Wendepunkt zum Besseren erreicht ist.

OieBesahungsbehörde gegen den Bau einer Moselbrücke.

Trier, 2. Juni. (Landespressedienst.) Wie von amtlicher Seite bestätigt wird, Hal der komman- dterende General der französischen Besatzungsarmee verfügt, daß die Dauarbeit en ander neuen Mosel brücke der Gemeinde Zeltingen mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Seinerzeit Halle die Gemeinde, die den Brückenbau ausführt, es übersehen, die Genehmi gung hierfür von den Besatzungsbehörden einzu- holen. Durch die Verfügung des Arrneeoberkom

mandos wird die Dortmunder ibaufuma gezwun­gen, ihre Facharbeiter bis zur Aufhebung dieser Maßnahme zu entlassen und in die Heimat zu befördern. Die zuständigen deutschen Stellen haben sofort Schritte in die Wege geleitet, damit die Ver­fügung rückgängig gemacht werde Die Bau­arbeiten mußten unterbrochen werden, als man ge­rade mit bem Niedcrlasien der Senkkästen für die Brückenpfeller beschäftigt war.

Oer Straßburger Spionageprozeh.

Paris, 3. Juni. (Til.) Der Spionageprozeß Fegen dir Autonomisten Baumann und K o h- e r wurde am Samstag beendet. DaS Urteil wird Donnerstag vormittag verkündet werden. Der Staatsanwalt verlangte in feinem Plädoyer eine leichte Gefängnisstrafe und A u f - enthaltsverbot für Baumann und Kohler sowie das Höchstmaß der in Artikel 3 teS SpionagegefeheS vorgesehenen Strafe für den abwesenden Ley. Die Verhandlungen sollen er­geben hoben, daß Baumann und Kohler sich Dokumente üb er die nationale Ver­teidigung verschafften. iie aber nicht fremden Mächten auSgeliefert Haden. Diese Dokumente soll vielmehr Leh weitergegeben haben.

OieOeputiertenmandate der elsässischen Autonomisten.

Paris, 3. 3uni. (Til.) Die von der Kammer in der Eröffnungssitzung eingesetzten elf Wahl- prüfungSauSschüsse paben von 612 Mandaten etwa 580 für gültig erklärt, während 30 in Frage gestellt wurden. Mit btt Wahl der autonomisti- schen Abgeordneten von Altllrch und Kolmar, 2t i tfl in und R o s s 6, befaßte sich der achte Ausschuß. Der Berichterstatter deS UnterauS- schusseS soll zu dem Schluß gekommen sein, daß die beiden Autonomisten nicht wählbar seien. DaS endgültige Urteil soll jedoch erst nach der Entscheidung deS K a s s a t i o n S hv se S über die eingelegte Revision im Kolmarer Pro­zeß gefällt werden.

Belgrads Antwort auf den italienischen Protest.

Die serbische Regierung sichert volle Genugtuung zu.

Rom, 2. Juni. (Agenzia Stesani.) Der jugo­slawische Minister deS Aeußern hat auf die italienische Protestnote wegen der Zwischen­fälle in SebenicoundSpalatoin einem Schreiben geantwortet, in dem er daS Be­dauern der jugoslawischen Regierung über die Vorgänge zum Ausdruck bringt, die sich am 25. und 26. Mai in Sebenico und Spalato ereig­neten und mitteilt, daß Maßnahmen gegen die Wiederkehr solcher Vorfälle er­griffen worden seien. Die Polizei sei dort ver-° stärkt worden, wo sie zu schwach war. Die fest­genommenen Schuldigen würden abgeurteilt und entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen bestraft. Da die jugoslawische 2tegierung sich demnach in voller Lieber einst immung mit dem von der italienischen Regierung am 30. Mai gestellten Ersuchen befinde, hoffe der Außen­minister, daß die guten Beziehungen Zwischen den beiden Ländern durch diese bebauet» leben Ereignisse in keiner Weise getrübt werden. Die jugoftawische Regierung sei fest entschlossen, alles zu verhindern, was dem Bestehen und der 2krbefferung der guten Be­ziehungen Eintrag tun könne.

Eine neue Fraktion im preußischen Landtag.

Arbeitsgemeinschaft der Zwcrgparteien.

Berlin, 2. Juni. (VDZ.) Graf vonPosa- dowski-Wehner, einer bet beiden Land- taflSabgeorbneten der DoliSrechtpartei, hat dem Bureau beS Preußischen GanbtageS mitgeteilt, daß die acht christlich-nationalen Dauern abgeordneten, die vier Deutsch- Hannoveraner, die zwei Völkischen und die beiden VolkSrechtparteiler eine Ar­beitsgemeinschaft gebildet hätten, so daß sie mit zusammen 16 Mitgliedern eine Fraktion bilden und Anspruch auf eine Vertretung in den 2luSschüssen erheben können. DaS ist be­sonders deshalb von Bedeutung, weil infolge dieses Zusammenschlusses die WehrheitSverhält- niffe ui den Ausschüssen die gleichen sein werden wie im Plenum. Da früher verschiedene Partei­splitter feine AuSschußvertretung hatten, so ist eS gelegentlich vorgekommen, daß baS Plenum anders entschied, als ein Ausschuß vorgeschlagen hatte. Ein Fraktionsvorstand ist von der neuen Arbeitsgemeinschaft dem ßanbtagSbureau noch nicht namhaft gemacht.

Der Dresdner Volkshochschultag.

Dresden, 2. Juni. (Til.) Die Tagung beS ReichSverbandeS der deutschen Volkshochschule fand am Freitag mit einer ersten Fachfitzung ihre Fortsetzung. AegierungSrat Dr. K a p h a h n vom sächsischenSoIISbilDungSmimftccium führte überDie großstädtische Abendvolkshochschule" u. a. auS: AIS wünschenswerte Besucher könne man diejenigen bezeichnen, die mitten in den so­zialen Spannungen der Gegenwart stehen und ein Interesse an deren Lösung haben, die also alle Erkenntnis in Willenshandlung umzusehen streben: weiter aber auch diejenigen, die auS religiöser oder sonst irgendwie kollektiv geform­ter LebenSgrundlage herauSgerissen wurden in die scharfe Lust DeS modernen dieSseitSgewandten rationalisierenden und individualisierenden 'Den­kens und von hier auS eine neue menschen­verbindende LebenSgestall suchen. Dieser Men­schentyp sei am stärksten in den proletarischen Massen zu ftnden. Die Blldungsgrundlage der Abendvolkshochschule könne als Weltanschauung nicht ein begriffliches Denkgebäude oder ein Sy­stem von Glaubenssätzen sein. Dagegen finde eine wachsende Annäherung zwischen der Abend- Volkshochschule und einer neuen umfassenden gei­stigen Bewegung statt, von der. die Jugend­bewegung nur einer unter sehr verschiedenen Exponenten sei. Die großstädtische AbenDvollS- hochfchule habe angesich.ö ihrer allgemein-geisti­gen wie sozialen Bedeutung DaS Recht, eine Reihe praktischer Forderungen zu stellen, vor allem Die nach Dolkshochschulhäulern und hauptamtlichen Leitern. Die durch aus­reichende HillSkräs c unterstützt werden müßten.

Der Leiter des Dolkshochschulheims Dreißigacker bei Meiningen, Direktor Weitfch. führte zu bem

-UjcmaXie-oeöeutung der Heimvoitshocyia-ule in der Erwachsenenbildung" u. a. aus: Die unterricht­liche Bedeutung liege nicht in der Stoffvermittlung, sondern in der geistigen Schulung überhaupt. Die erzieherische Wirkung könne, dem Geiste der Erwach­senenbildung entsprechend, nur eine Hilfe in der Selbsterziehung des reisenden Menschen fein und trage declmlb den Charakter letzter pädagogischer Offenheit und Wahrhaftigkeit. Die Bedeutung der Heime für die Abendoolkshochschule sei darin zu er­blicken, daß diese durch die Heime Schuler besonde­rer Art erhalle, die geeignet seien, lebendige An- satzpunkte des Gemeinlebens der städtischen Volks­hochschule zu werden. Darüber hinaus konnten die Heime der Lehrerschulung der städtischen Volkshoch­schule dienen.

Am Abend fand eine große öffentliche Kund- gebung statt, bei der als erster Redner Direktor Bäuerle vom Verein zur Förderung der Volks­bildung, Stuttgart, überAlte und neue Wege zur Volksbildung" u. a. folgendes ausführte. Die Volts- bilbung der Vorkriegszeit ging von einem Begriff der Bildung aus, die lediglich den Besitz von Wissen aller Art als Wesensinhall hatte. Die neue Volks- bilbung hat den Glauben an die Festigkeit Der Bolksordnung und den objektiven Wert unserer Kul­tur verloren und steht krllisch zu den gesamten Fra­gen unseres persönlichen und öffentlichen Lebens. Ihre Grundlage ist das Bekenntnis zur sozialen Ge- rechtigkeit. Ihre Aufgabe ficht sie in der Stärkung der geistigen Kräfte für die von feder Schicht be­sonders zu leistenden Lebensaufgaben, wob.i sie glaubt, zu einem neuen Kulturzusammenhang ihren Teil beitragen zu können. Als letzter Redner sprach Ministerpräsident a. D. Tanken, M d. R., Olden­burg, überBauernbildung". Der an die Scholle ge- bunbene Bauer und bäuerliche Arbeiter unterscheidet sich wesentlich von dem großstädllschen Industrie- arbeitcr. Trotzdem lebt auch in ihm ein starker Bil­dungswille, für den entsprechende Formen des Er- wachsenen-Bildungswesens gesunden werden müs- sen. Der Bauer will selbständig denken. Alle übernommenen und fertig ausgeprägten Ideologien zerschellen an der Tatsache, daß der Bauer nichts übernimmt, was er sich nicht selbst erarbeitet hat.

Filchner» Tibetexpedition.

Ein erster Bericht.

Times" berichtet über eine Unte :bung mit dem deutschen Forscher F i l ch n e r , dessen Ankunft in Leh, Nordindien, am 16. Mai gemeldet wurde. Filchner war mit seiner Expedition von Ruß- land aus in sein Arbeitsgebiet aufgcbrochcn. Seine erste Aufgabe war die Vollendung der rus­sisch-chinesischen magnetischen Vermessungen durch Herstellung der Verbindung Kuldscha (Nordost- Sinkiang) mit Kansu (China). Filchner blieb fast ein ganzes Jahr in der Nähe des tibetanischen Klo­sters Kumbum, dessen Mönche er von einer früheren Tibetexpedition kannte. Er wurde dort schwer krönt, konnte sich aber dank der auf­opfernden Pflege der englischen und amerikanischen Missionare wieder erholen, obwohl er eine Zeitlang in Lebensgefahr schwebte. Wegen der Unterbrechung der telegraphischen Verbindungen infolge der poli­tischen Unruhen und der daraus entspringenden Un- Möglichkeit, mit den Behörden in Deutschland in Fühlung zu treten, war Filchner in eine außer­ordentlich bedrängte Lage geraten, in der sich die Hilfsbereitschaft der Missionare erneut be­währte. Als Filchner n a ch T i b e t abreifte, schlossen sich ihm ein australischer und ein amerikanischer Missionar an. Sie verließen Kumbum in Richtung Kaschgar: die Karawane hatte genügend Lebens­rnittel für ein volles Jahr. Nach einem Monat zeigte sich jedoch, daß es unmöglich war, den urfprüng- lichen Plan einzuhalten, weil alle tibetani- scyen Flüsse ausgetrocknet waren. In der Hoffnung, in Lhasa, wo man eine englische Gar­nison vermutete, Unterstützung zu finden, ging die Karawane südwärts. Diese Hoffnung erfüllte sich aber nicht. Die Expedition wurde von der Bevölke­rung mit Argwohn angesehen und das Weiterkom­men wurde ihr unmöglich gemacht. Schließlich wurde sogar

die gesamte tibetanische Garnison in Lhasa gegen die Reisenden mobilisiert.

Die Zelte Der Expedition wurden von Posten­ketten eingeschlossen, und Filchner mußte sich mit seinen Gefährten als Gefangene betrachten. DaS Doll zeigte sich durch die von Der Expedition mitgeführten Instrumente beunruhigt; irgend­wie hatte sich bei ihm der Aberglaube festgesetzt, daß unter dem Einfluß der ihm unverständlichen Geräte daS Weideland verdorren werde und daS Vieh zum Hunger tod verur­teilt fei. Die Lage wurde allmählich gefährlich. Einer der Missionare sandte durch einen geheimen Boten drei Briefe mit der Bitte um Hilfe an den Dizekön ig von Indien, an Den Dalai L a m a und an den Vertreter der briti­schen Regierung in Lhasa. Obwohl niemandem gestattet war. bei Rächt die Zelte zu verlassen, gelang cS Filchner. seine wissenschaftlichen Ar­beiten fortzusetzen und durch ein Loch im Zelt­dach Sternbeobachtungen anzustellen. Endlich kam Hilfe. Einer der Geheimbriefe er­reichte fein Ziel, und der Dalai Lama wurde von den britischen Behörden bewogen, die Kara­wane nach Leh Weiterreisen zu lassen. Der Dalai Lama ließ jetzt der Expedition alle Unterftüfcung angedeihen, stellte einen besonderen Führer und eine große Menge Mehl zur Verfü­gung. Rach dem Verlassen von Lhasa hatte die Karawane mit heftigen Stürmen zu kämpfen. Fllchner hatte keinen Mantel. Seine Schuhe waren durchlöchert und seine Hände m i t Frostbeulen bedeckt. AIS die indische Grenze erreicht wurde, waren die Kräfte und Möglichkeiten der Erpedition fast völlig er­schöpft. aber eS war gelungen, eine vollstän­dige Karte der gesamten durchreisten Gegend zu entwerfen und von Kuldscha begnend. 157 magnetische Stationen festzulegen.

Aus aller Wett.

Lin ungetreuer Rachiahpfieger.

Vor dem Großen Schöfseirgnücht Charlotten- burg begann die Verhandlung gegen den unge­treuen Rachlaßpsleg^ DeS Amtsgerichts Schöne­berg. Paul R u p p o l t, der einen großen Teil der ihm anvertrauten Nachlässe veruntreut hat. wobei cS sich z.L. um ganz bedeutende Summen handelte. Ruppolt. dem vom Amtsgericht Schöne­berg von 1918 biS 1927 rund 400 2 achlaß « Pflegschaften, bei weitem mehr als anderen Rachlaßpslegern. zugnviesen worden sind, wird angeklagt, in den Jahren 1923 bii 1927 in 65 Fallen die von ihm verwalteten Dachlässe un­terschlagen zu haben. Außerdem wird er der Untreue, d r schweren Urkundenfälschung in drei Fällen und Der Beam tendestechung beschul»

v.y.. rizrnspeltor Mar

Reichest wird Der Bestechlichkeit bezich­tigt und zugleich der gewinnsüchtigen Ur­kund enbefeitigung. zu der ihm Ruppolt Bechil.e geleistet haben soll. Vom Nachlaß Ru­dolf Täufer im Bettage von 155 000 Mark ist z. B. lediglich eine Einrichtung im Werte von 7000 Mart übriggeblieben. Der Angeklagte. Der in der Voruntersuchung gestanden hatte. daS Geld zum Teil auf Reisen nach Monte Carlo. Karlsbad, der Schweiz und Italien auß ge­geben b$a>. verspielt zu haben, schob in Der Verhandlung die Veranttvo.tung für Die ab­handen gekommenen Geldsummen Dem Mitange­klagten Justizinspe'tor Reichet, vor allem aver dem ebenfalls an den Veruntreuungen beteiligten Justizinspel.or Schneider zu. Der am 11.01- tober 1927 in feiner Laube in Machnow Selbst­mord begangen hat. DaS Scho'engericht ver­urteilte Ruppolt wegen fortgesetzter Unterschla­gung von mehr als 200 030 Mk. ErbschaltSgel- dcrn. sowie schwerer Urkundenfälschung zu drei Jahren sechs M o n a ; e n Gefän gniS und fünf Jahren Ehrverlust. Von der Anklage Der Bestechung wurde Ruppolt freiaesprochen. Der Mi angellagle, Juftizinspektor Mar R e l ch e 11. wurde von der Anllage Der Bcst^yung und der Urlundenbeseitiaung auf Kosten der Staatskasse s r e i g e s p r o ch e n.

Lützow Holms Hilfsaktion für Nobile.

DieHobby" mtt Leutnant Lützow Holm an Bord ist in Der Advent Bay eingetroffen, nachdem ihre Fahrt durch hohen Seegang und EiS um 24 Stunden verzögert worden war. DaS Schiff nahm Hunde. Schlitten und Hunde- führer an Bord und istnach KingSbay wei­tergefahren. wo eS Montag früh ein­treffen wird. Die Wetterbedingungen sind vor­züglich. wenn auch in KingSbay Die Bedingungen günstig find, wird Lützow Holm feine Erkun­dungen mit Dem Flugzeug unverzüglich nach fei­ner Ankunft Dort beginnen.

Schneefall in den Beskiden und auf der Tatra.

In Den Beskiden und Der Tatra herrscht ft a r f e Kälte. Das Thermometer sank teilweise auf 7 Grad unter Null. Verschiedentlich ist starker Schneefall eingetreten. In der Tatra beträgt die Schneehöhe 20 bis 30 Zentimeter.

Ein Unglücksauto.

In Essen (Ruhr) wurden durch eine merk­würdige Verkettung unglücklicher Umstände von demselben Auto nacheinander zwei Menschen überfahren und getötet. Ein Autobus der Essener Straßenbahn überfuhr heute nach­mittag um 2 Ahr ein 17 jährige- Mädchen. DaS sofort starb. Ein anderer Führer über- nahm den AutobuS. aber knapp eine Stunde später übersuhr Der gleiche Wagen ein 6 jährigeS Mädchen, DaS ebenfalls auf Der Stelle getötet wurde.

Ein zwölfjähriger Lebensretter.

In Bodenbach fiel beim Spielen am Elb- ufer in der Nähe der Kettenbrücke da» sechsjährige Töchterchen eine» Gastwirt» in den hochgehenden Elbstrom und war im nächsten Augenblick von der Strömung erfaßt worden. In diesem Augen­blick kam der zwölf Jahre alte Karl Kramer hin­zu. Der beherzte Junge zögerte nicht eine Minute, warf den Rock ab und fprana dem in höchster Ge­fahr befindlichen Kinde nach. Unter eigener Lebens­gefahr gelang es ihm, bas Kind an Land zu brin­gen und so vor bem sicheren lobe de» Ertrinkens zu bewahren.

Sprengunglück in einem Steinbruch.

Al» zwei Schießmeister in einem Steinbruch in Groß-Steinberg bei Leipzig ein Bohrloch mit Pulver füllten, ging ber Sprengschuß vorzeitig los. Von den abgesprengten Gesteinsmassen wurden beide Meister vollständig zerschmettert.

Sie Wetterlage.

Sonntag, den i Juni 8* vorn

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Durch bas weitere Vordringen der Tiefdruck­störungen im Sübroeften und Nordosten nach Mit- teleuropa hin wird ber hohe Luftdruck verdrängt. Kühlere Luftmafsen an ber Rückseite des norbeuro- pälschen Drudfall^cbictes werben mit den wärmeren des -VÜdwcstens Störungen bUben, die sich teilweise durch Gewittererfcheinungen bemerkbar machen. Die Temperaturen behalten ihre gegenwärtigen Werte bei, gehen aber später wieder zurück.

Vorhersage für Dienstag: Wolkiges Wetter, Temperaturen schwankend, jedoch später wie­der etwa» kühler, Neigung zu (Beroitterftorungen mit Regen.

Vorhersage für Mittwoch: Wolkiges und kühleres Wetter mit vereinzelten Niederschlägen, teil­weise noch gewitterhaster ArL

Lufttemperaturen am 3. Juni, mittags 23 Grad Celsius, abends 12,7 Grad Celsius: am 4 Juni: morgens 11,8 Grad Celsiu.. Maximum 23,6 Grad Minimum 6,2 Grad Celsius. (Erbtempcraturen in 10 Zentimeter liefe am 4 Juni: morgens 16,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1454 Stunden.

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